Was wir in uns tragen

Antworten
Viola Ser´Rhal

Was wir in uns tragen

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

„Weißt du, ich dachte du magst mich nicht“, „Ich dachte immer du würdest mir am liebsten eine Kleben“, „Ihr seid verschwiegen, still … so unnahbar …“, „Sie ist mir irgendwie unheimlich …“ „Sie ist irgendwie so kalt …“

Worte die sie gehört hatte, und auch nur beiläufig, beim Flüstern und Raunen. Unnahbar, kalt, still, verschwiegen, ja das war sie. Sie hatte diese Eigenschaften wie einen schützenden Vorhang um sich herum gelegt, hatte sich anderen gegenüber kalt gegeben und so distanziert wie es oftmals nur ging, denn nur so blieb der Schein, nur so konnte sie das in ihren Blick bringen, was die Tatsachen verbarg. Zwei junge Augen, deutlich jünger als der Körper es war. Augen, das Fenster zur Seele sagte man doch, nicht wahr? Wenn sie sich anders gab, dann drangen sie nie zur Gänze durch, doch es gab immer Momente da sah man es ihr an und vielleicht war es auch nur der Tatsache zu verdanken, dass die meisten Menschen nicht wirklich richtig hinsahen, dass sie bisher nur wenige auf ihre Augen angesprochen hatten. Lange hatte sie sich selbst verborgen, hatte sich Erwachsen gegeben, alle kindlichen Neigungen aus ihrem Denken verbannt. Doch man kann nichts verbannen was Teil von einem Selbst ist, dem wurde sie sich gestern Abend wieder bewusst. Sie hatte getrunken, mit einigen Leuten in Ruhe geplaudert. Alkohol, er war es auch der den Schleier fallen ließ und immer mehr fühlte sie etwas reumütiges, was sich hinaufarbeitete, aus den tiefsten Schichten ihres Kopfes und das beiseite schob, was es versuchte zu überdecken.

Nun saß sie da, starrte an die Decke des Zimmers und sie fühlte sich alleine. Es war nicht so dass sie niemanden hatte, sie hatte viele Freunde und Vertraute, doch wer wusste schon von ihr? Darna war es, der Clan … doch das war es bereits. Sie konnte sich ihnen immer anvertrauen und wenn sie das Bedürfnis hatte in den Arm genommen zu werden, dann taten es diese Menschen meistens für sie. Doch Darna war gerade fern, ging ihren Pflichten nach und der Clan war weit weg auf Lameriast. Sie zog die Beine an, legte sich in die Embryostellung und schloss die Augen. Einfach nur jemand der gerade für sie da war …

Einfach nur jemand der das Kind beruhigte.
Leana Leador

Beitrag von Leana Leador »

Kühler wurde es und der Abend schritt fort.
Ihre Mundwinkel zuckten als sie die geflüsterten Worte vernahm doch tat sie das Gesprochene mit einem amüsierten Kopfschütteln ab. Sie verstand nicht was man über Viola sagte. Für sie gab es keine ehrlichere und direktere Person in ganz Gerimor.

Viola war die erste gewesen die sie für voll genommen hatte.

Viola war da gewesen als sie sie gebraucht hatte.

Viola ...

Niemals hatte sie sich aufgedrängt. Stark, überlegt, ruhig und entschlossen. Sie mochte die Frau und niemand würde es ihr je ausreden können. Doch heute war etwas anders. Die gemütliche Runde sagte ihr durchaus zu doch etwas stimmte nicht. Etwas störte. Alle waren wie immer, oder nicht? Kurz war es da gewesen doch dann hatte sich ein Schatten darüber gelegt. Kurz war da nicht die gewohnte Stärke. Flüchtig nur. War es nur ihr aufgefallen? Hatte nur sie ihren Blick gesucht? Der Hauptmann hatte einige Krüge angurischen Met organisiert den die Runde nun trank. Herrgott war das Zeug stark und nur vorsichtig nippte sie daran. Dann jedoch stand Viola auf.

Kurzerhand erhob sie sich ebenfalls um die Frau zu geleiten. Viola hatte wesentlich mehr getrunken als sie und der Alkohol ließ sie Dinge sagen die sie wohl sonst nie gesagt hätte. Sie wollte nicht das sie sich verriet und so ging sie größtenteils nur stumm neben ihr her. Es war ungewohnt die junge Frau so zu sehen. Sie wirkte mit einem Mal so verletzlich, sehnsüchtig und ihre Haltung sagte mehr als Worte es ausdrücken könnten. Vor dem Schloss blieben sie stehen. Die kühle Nachtluft störte sie nicht doch die Worte gaben ihr zu denken.

„Viola, wenn du es willst bin ich für dich da. Jederzeit“

Sie hätte gerne noch mehr gesagt doch fand sie die Worte nicht. Es war so ungewohnt. Die Frau die ihr Hoffnung und Stärke vermittelt hatte als sie zerüttet und gebrochen war nun so zu sehen. Nachdem sie sich abgewandt hatte sah sie ihr lange nach. Erst als die Wachen schon misstrauisch dreinblickten wandte sie sich wieder um. Zurück zur Taverne. Nachdenklich war der Blick mit dem sie sich setzte. Ebenso nachdenklich griff sie zu dem viel zu starken Met. Sie würde sie aufsuchen und vielleicht würden sie bei klarem Verstand nochmals miteinander sprechen.

Vielleicht...

Doch vielleicht war es auch besser den Schein zu wahren der sie schützt.

Vielleicht...
Leana Leador

Beitrag von Leana Leador »

Der Abend war bereits weit fortgeschritten.
Heute war ich alleine mit Antoris. Meine Geschwister waren zusammen unterwegs und würden wohl in der Taverne nächtigen. Noch recht munter setzte ich mich wieder an die Arbeit. Das Kind schlief. Das Haus war ruhig. Hier konnte man schaffen. Stoffe schneiden, abstecken, nähen. Irgendwann musste man sich nicht einmal sonderlich konzentrieren. Die Arbeit ging leicht von der Hand und die Gedanken flogen dahin. Ich wäre fast vom Hocker gekippt als es plötzlich klopfte. Um diese Zeit? Wenn jemand um diese Zeit kam war es entweder besonders erfreulich oder schlichtweg anstrengend. Rasch war ich an die Türe gehuscht und hatte diese aufgezogen.

„Nabend Viola, komm rein“

Der Besuch war erfreulich. Durchaus. Lächelnd wies ich ihr einen Hocker und wir setzten uns gegenüber. Die Schneidersachen waren schnell zur Seite geschoben und etwas verwundert hörte ich zu. Kinderkleidung. Für ein Mädchen. Puuuuh das war schwierig ohne das Kind zu sehen. Sie wusste selbst nicht recht was sie wollte so schlug ich kurzerhand zwei Stücke vor. Nach und nach waren diese dann gefertigt. Ein weicher Stoff der lustig, bunt eingefärbt wurde. Hoffentlich passend. Viola war an diesem Abend seltsam abwesend. Sie starrte mehr durch den Tisch hindurch als auf diesen darauf und die Kleider nahm sie gar nicht wirklich wahr. Kopfschüttelnd ging ich um unsere Theke herum und setzte mich neben sie. Mein Arm fand seinen Weg auf ihre Schulter und beruhigend blieb er dort liegen. Was hatte sie nur? Nur wenige, verwirrende Worte konnte ich ihr entlocken und als sie fast auf unserer Theke einschlief war es genug. Mit bestimmter Stimme beförderte ich sie nach Oben und überließ ihr Ailyns Bett. Sie wehrte sich nicht sonderlich. Entweder war sie wirklich zum umfallen müde oder ganz froh nicht alleine zu sein. Ich war mir nicht sicher. Rasch gab ich ihr eine weiche Robe für die Nacht und blieb noch eine Weile am Bett sitzen. Dann, war sie eingeschlafen.

Auf Zehenspitzen ging ich nach Unten. Die halbfertige Schneiderarbeit greifend in der sie mich unterbrochen hatte, nahm ich die Arbeit wieder auf. Eine ganze Weile dauerte es noch ehe Ärmel angenäht, Nähte geprüft und letztendlich auch die Kleider verstaut waren. Die Kerzen verbreiteten ein warmes, helles Licht das ein Anderer sicher als romantisch empfunden hätte. Mir jedoch wurde es langsam zu dunkel. Zufrieden über das was ich heute noch geschafft hatte reckte ich mich erst einmal. Sie hatte von Masken gesprochen die wir tragen. Trug nicht jeder eine solche Maske? War nicht jeder anders wenn er ganz er selbst war? Selbst ich trug eine Maske. Es war mir bewusst und wohl nur wenige Menschen blickten hinter den Spiegel. Ich beschloss nochmals nach ihr zu sehen. Leise ging ich wieder nach Oben. Das Haus war wirklich gespenstisch ruhig. Vorsichtig hob ich den schweren Vorhang an und trat an Antoris Bett. Mein Sohn schlief. Friedlich das kindliche Gesicht. Lächelnd zog ich ihm die Decke zurecht ihm einen leichten Kuss auf das rote Haar drückend stand ich noch einen Augenblick da. So man es nicht wusste konnte man zumindest an der Haarfarbe glauben er wäre mein wirklicher Sohn. Über den Gedanken lächelnd trat ich durch den nächsten Vorhang und erstarrte. Vor mir lag ein Mädchen nicht älter als 14 Jahre.

„ich bin überarbeitet... schlafen!“

Entfuhr es mir ungläubig. Ich setzt mich. Das Kind verschwand nicht. Keine Einbildung. Kopfschüttelnd nahm ich wahr das es wirklich Viola sein musste. Das unverkennbare Gesicht, wesentlich jünger und weicher. Die Haare wie ein Kranz auf dem Kissen verteilt. Was trieb das Schicksal hier für ein Spiel mit ihr. Welchem Fluch war sie hier ausgesetzt? Fragen über Fragen die mir durch den Kopf schossen. Dennoch war ich äußerlich gefasst. Das Mädchen vor mir machte wohl mehr durch als irgendjemand sich das hätte vorstellen können. Sorgsam deckte ich sie zu. Liebevoll strich ich ihr die Haare aus dem Gesicht und hätte wohl Stunden gegrübelt wenn es nicht schon wieder geklopft hätte. Nun war es aber wirklich spät. Ich hoffte das nicht meine Geschwister vor der Türe standen und verwarf den Gedanken sofort wieder. Die Beiden hatten ja Schlüssel. So bestand also keine Gefahr das dieses kleine Geheimnis auffliegen würde. Mit nachdenklicher Miene öffnete ich die Türe und mein Gesicht hellte sich auf. Nein, diese Nacht würde ich nicht weiter grübeln müssen.
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Schlafen. Ruhe. Änderungen. Sie bekam nichts mit. Ihr Körper war zu erschöpft gewesen, zu müde als sie sich in das Bett gelegt hatte. Wie lange war sie nun schon auf den Beinen? Es musste schon mehr als ein ganzer Tag sein und ihr Körper fing an, ihr diesen Schlafmangel mehr als nur deutlich vorzuhalten. Der Blick wurde verschwommener, die Wahrnehmung wurde getrübt und die Gedanken schwirrten umher, sie konnte kaum noch wirklich konzentriert auf die Kleidung vor sich sehen … die Kleidung eines Kindes. Sie wollte Leana zu jener Stunde nicht mehr groß behelligen, doch sie wusste nur zu gut, dass es schon bald passieren konnte, dass irgendetwas geschehen würde, was immer es auch war und sie dann das war, was sie doch eigentlich immer gewesen war; ein junges Mädchen. Sie wollte nicht wie das letzte mal unvorbereitet in ihren Kleidern dastehen, die in jenem Moment viel zu groß sein würden, sondern der ganzen Sache wenigstens etwas geordnet entgegentreten. Nun blickte sie auf die Kleidung und ihre Gedanken schienen zu kreisen, sich zu winden, nur einen festen Punkt finden, wollten sie nicht. Sie spürte die Hand Leanas auf ihrer Schulter, etwas was sie innerlich zusammenzucken ließ, denn sie wollte diese Nähe nicht, nicht jetzt wo sie Gefahr lief vielleicht aus lauter Sentimentalität alles auszuplaudern. Doch Leana zeigte ein Geschick, welches Viola in jenem Moment nichtmal offen bemerkte, sie drängte nicht, sie fragte nur ob es ihr gut ginge und als sie sah wie müde die junge Frau war, geleitete sie hinauf. Mittlerweile war ihr alles egal, sie wollte sich nur noch hinlegen, schlafen, keinen Moment mehr wollte sie länger wach bleiben und so ließ sie sich in eines der Betten oben dirigieren, zog eine von Leanas Roben an und schlief dann ein, den süßen, friedlichen Schlaf. Sie bemerkte es nicht … die Wandlung, den Bruch der Magie für einige Zeit. Sie bemerkte auch nicht, wie Leana sie zudeckte. Sie erinnerte sich auch nicht daran, was sie geträumt hatte, jeglich daran, dass sie im Traum die Augen geöffnet hatte und eine Gestalt sah, die weitaus mütterlicher und liebevoller war, als vieles, was sie bisher erlebt hatte.

Der nächste Tag ließ sie mit einem leichten Kopfbrummen aufwachen und sie richtete sich auf. Leana war bereits im vollen Gange und hatte Kundschaft, auch einige Besuche, sowie ihr Sohn waren da. Trotz allem gelang es Viola am Ende noch, mit Leana zu reden um ihr zu danken dass sie bei ihr nächtigen konnte, nur um dann mit bleicher Miene zu erfahren dass es geschehen war. Jener Moment schien in ihr mehrmals wiederzuhallen und nur schwer arbeitete sich diese Nachricht in ihren Kopf, doch sie nickte stumm. Leana wusste es nun also, und Viola konnte wenig dagegen machen. Sie hatten nicht mehr viel miteinander geredet, sich verabschiedet. Auf eine Art und Weise war Viola froh, dass es wenigstens Leana war, die es wusste und nicht irgendwer anders, bei ihr würde das Geheimnis in guten Händen sein. Doch wie würde es weitergehen? Jene Frage beschäftigte sie noch lange, sehr lange. Was, wenn dies nun öfters passierte? Sie erinnerte sich an das Gespräch mit der Magierin, die es ihr erklärt hatte, so anschaulich wie es nur ging. „Wie ein Glas das langsam Sprünge kriegt …“ das waren ihre Worte gewesen, so hatte sie es Viola erklärt und jetzt merkte sie erst, welche Bedeutung diese Worte hatten. Wer garantierte ihr, dass sie beim nächsten mal irgendwo für sich alleine war? Was war, wenn diese Sprünge im Glas sich häuften und jenes Glas irgendwann zerschellen würde? Was wäre wenn die Lüge, die sich um den erwachsenen Körper spann, sich langsam anfing aufzuziehen? Diese Fragen kreisten in ihrem Kopf, ließen ihr keine Ruhe, doch sie konnte nichts mit ihnen anfangen, nicht jetzt. Sie machte sich auf in Richtung des Schlosses.

„Die Herrschaften Arganta, von Stolzenfels, von Elbenau, sowie seine Hoheit und seine Gemahlin sind gerade im Arbeitszimmer seiner Hoheit.“ Viola nickte matt, sie besprachen sicher irgendetwas. Stumm ging sie in die Küche hinauf, sah sich um … fühlte sich alleine. Sie wollte jetzt gerade nicht alleine sein, sie wollte nicht über all diese Dinge nachdenken und so beschloss sie, mit einem mehr als nur dummen Vorwand ins Arbeitszimmer zu gehen. Wie eine Dienerin zu fragen, ob die Herrschaften etwas benötigen würden, war zweifelsohne das unpassendste was sie nur tun konnte und eine leichte Verwirrung legte sich auch nieder, und am ehesten war es wohl Darna, welche merkte dass etwas nicht stimmte, denn jene folgte ihr dann hinaus, als sie mit rotem Kopf aus der Tür ging und sich für jene dumme Idee schellte. „Was ist los?“, eine so simple Frage und doch wollte sie nicht wirklich antworten. Doch Darna war auch wieder etwas anderes, jene Frau war ihre engste Freundin geworden und sich ihr anzuvertrauen, tat meistens immer gut. „Es ist wieder passiert …“ und auch wenn Darna nicht sofort verstand was Viola meinte, kam ein nachdenkliches Stirnrunzeln, als Viola es ihr erklärte. Sie redeten zu zweit darüber, Viola sprach jene beengenden und erdrückenden Fragen aus und Darna lauschte. „Du kannst die Dinge nicht ändern … trete ihnen wenigstens entgegen“. So ähnlich waren ihre Worte gewesen, Viola konnte sich nicht mehr vollständig daran erinnern aber Darna hatte Recht. Sie konnte fast nichts dagegen tun … aber nur beinahe nichts. Sie merkte wie ein gewisser kleiner Funken in ihr zu glühen begann, Darna gab ihr die Kraft die sie gerade brauchte.

Vielleicht würde das Ganze bald ein Ende haben … auch wenn ganz anders als sie jemals erwartet hätte.
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Müde strich sie durch die Straßen Varunas. All das Chaos der letzten Zeit, der Graf der sich so seltsam benahm und die darauf entstandenen Verwirrungen, Erlasse und Fragen, sie waren immer ein Teil in Violas Kopf gewesen. Seit einem halben Tag war sie aus dem Schloss hinaus, hatte sie sich doch selbst erst etwas gewundert, dass man sie gehen ließ, obwohl sonst niemand eingelassen, und die Tore abgeriegelt wurden. Sie hatte danach Gespräche gehabt, vor allem mit Falk und Darna, welche ihr einige Fragen zum Grafen stellten und erfahren wollten, was im Schloss eigentlich vor sich ging. Artig beantwortete sie diese und eigentlich hatte sie diesen Abend vorgehabt zurück ins Schloss zu gehen um sich weiter umzuhören, doch die Wachen sagten, dass man derzeit niemanden reinlassen würde, sie solle es doch bitte Morgen versuchen. Vielleicht wäre sie noch misstrauischer geworden, doch nun machte sich etwas in bemerkbar, was sich in all der Aufregung, Verwirrung und Anspannung der letzten Tage in ihr gesammelt hatte; Fieber. Sie hatte es bereits vor den Geschehnissen im Schloss gehabt und es war nicht sehr hoch gewesen, doch die letzte Zeit hatte sie ihren Körper alles andere als viel geschont oder fürsorglich behandelt und als sie nun wieder durch sie Straßen lief, spürte sie es umso mehr. Ihr Kopf dröhnte und vor ihren Augen schien alles einen leicht verschwommenen Eindruck zu machen, nein heute Abend konnte sie auf keinen Fall noch irgendetwas tun und so lief sie zum einzigen Ort der ihr jetzt gerade noch Sicherheit und Geborgenheit versprach, dem „Fuchsbau“.
Das Haus mitten im Wald war leer, Yoshua schien nicht da zu sein, was Viola in jenem Moment auch mehr als Recht war. Mühsam schlurfte sie in Richtung des Schlafzimmers, schelte sich aus dem Klamotten und betrachtete kurz ihr Spiegelbild. Ihre Haut hatte einen rötlichen Glanz und der Schweiß ließ den Körper glänzen, und tatsächlich, sie fühlte sich so, als würde ihr ganzer Körper nur so glühen. Langsam legte sie sich in die Felle auf dem Boden, wickelte sich ein, denn trotz der gefühlten Wärme fror sie. Ihre Augen fielen ihr schnell zu, den erholsamen Schlaf wünschte sie sich herbei, doch das Fieber hatte andere Pläne.

Sie lag immer noch da, doch das Gefühl der Hitze in ihr, nahm zu, wurde beinahe unerträglich. Sie öffnete die Augen und wollte sich aufrichten, doch ihr Kopf war so unendlich träge und matt, dass sie es wieder ließ. Sie hörte Schritte, leise Schritte. War das Yoshua? Die Tür öffnete sich und eine schemenhafte Gestalt trat ein, welche sich nicht als Yoshua, sondern als Darna entpuppte. In voller Rüstungsmontur stand sie nun da, sah hinab auf sie. Viola wollte sich wieder aufrichten, doch ihr Körper wollte einfach nicht. Schweigend spürte sie Darnas Blicke auf sich. „Ist etwas passiert Darna …? Was machst du hier?“ Die Ritterin schnaubte nur und sie hörte ihre Stimme, kalt und ungewohnt eisig, militärisch und strikt. „Sir Rafael und Felicitas sind beide tot. Sie wurden ermordet, während du aus dem Schloss gegangen warst. Sie haben sich einen harten Kampf mit dieser Leibwache gewidmet, aber es fehlte am Ende an unterstützender Hand …“ die Worte bohrten sich in ihren Kopf, und der Blick Darnas wurde enger, fast schon bedrohlich. „DU hättest ihnen helfen können. Wärst du nicht hinaus, würden sie jetzt wahrscheinlich noch leben aber dank dir hat die Grafschaft nun einen fähigen Ritter und eine Baronin verloren!“ Sie fühlte, wie sich irgendetwas schwer auf ihre Lunge presste, nicht mehr loszulassen schien, sie wollte etwas sagen, sich verteidigen, doch Darna wandte sich um. „Ich bin enttäuscht von dir.“ Sie verschwand aus der Türe, doch im gleichen Zug trat eine andere in das Zimmer, ein Hüne … war es Falk? Ja … aber was machte er hier … ? „Viola …“ die tiefe Bassstimme ertönte, die sie von ihm kannte. „Ich muss dir ehrlich sagen, dass es mich traurig stimmt aber … wir haben beschlossen, dass du dich fortan von Grimwould und uns allen fernhalten wirst. Wir wollen nicht mit jenen verkehren, die an Rafaels Tod mit die Schuld tragen. Du warst all die Zeit distanzierter zu uns, vielleicht ist es so oder so die richtige Entscheidung. Leif wollte erst kommen, aber er meinte dein Anblick wäre eine zu große Schande … und du wirst ihn nicht mehr Vater nennen. Die Rolle als Tochter in seinem Leben … du hast sie nicht verdient. Lass dich nie wieder in Grimwould blicken, hörst du? Nie wieder!“ Der Druck auf ihrer Lunge schien sich immer weiter zu verstärken, sie wollte sich aufrichten und wegrennen, was war hier nur los? Ihr ganzer Körper schien mittlerweile zu brennen, so heiß fühlte er sich an. Die Tür öffnete sich wieder und sie presste kurz die Augen zusammen. Wer immer folgte, sie wollte es nicht. Doch als sie die Lider wieder öffnete, sah sie Fuchs vor ihren Fellen stehen. Sie war so erleichtert, Fuchs würde ihr niemals Vorwürfe machen. Traurig sah das Kind Viola an. „Was ist los …?“, brachte Viola mühsam hervor. Das Kind deutete nur hinter sich. „Das Waisenhaus ist da. Sie sagen, sie haben rausgefunden dass du hier mit mir leben willst … sie sagen eine Mörderin hat es nicht verdient auf mich aufzupassen … ich muss mit ihnen gehen Viola, tut mir leid. Sie sagen sie wollen das Haus anzünden mit dir …“ die Gestalt ging, rannte beinahe schon raus und sie spürte einen kurzen, krampfenden Schmerzen im Herz. Mit einemmal war sie allein, und die Hitze schien immer mehr zuzunehmen. Plötzlich schlugen Flammen überall durch den Raum, das Haus, es brannte! Immer dichter wurden die Flammen um sie herum, umschlangen sie, ließen den eh schon heißen Körper brennen und hinter den Flammen und dem Rauch konnte sie eine schemenhafte Gestalt erkennen, welche sie ansah und sich dann abwendete … „Nein … nicht auch noch du! BITTE!“ und dann erreichten sie die Flammen, versengten den Körper und …

Sie öffnete mit einem markerschütternden Schrei die Augen und starrte an die Decke. Ihr ganzer Körper war klitschnass, über und ihre Haut glühte. Die Fellen waren feucht und verklebt und sie wollte nicht wissen ob es wegen dem Schweiß kam, oder weil ihre Blase nachgegeben hatte. Sie hatte Tränen in den Augen. Sie weinte und jammerte bitterlich, doch nicht lange. Der schwache Körper gab nach, ließ sich wieder in den Schlaf weinen, welcher diesesmal traumlos war und dennoch nicht erholsam.
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Die frische Abendluft des Waldes. Sie war doch immer wieder erfrischend und belebend, auch wenn Viola sich alles andere als frisch und belebt fühlte. In ihrem Körper steckten immer noch Reste des Fiebers und ihr war zudem noch den ganzen Tag über schlecht gewesen. Doch etwas innere Ruhe brachte jener Ort schon etwas. „Fuchsbau“, eine kleine Hütte im Wald zwischen den Grenzen Varuna und Rahals, mitten im Niemandsland, wo sie die Königreiche, Königreiche sein lassen konnte und Gesetze, Gesetze. Sie blickte kurz über die Schulter, die kleine Nele schlief noch in den Fellen, ruhig und müde. Viola konnte sich gut vorstellen, wie sehr sie das alles mitgenommen hatte; die Tatsache dass sie nun ein festes Heim hatte und dass sie immer hierher kommen konnte. Sie schlang kurz die Robe, welche ihren nackten Körper bedeckte, fester um ihren Körper und sah dann in die Ferne. Im Zwielicht konnte man wenig erkennen und irgendwo ganz weit hinten lagen die Mauern Varunas, ein Ort, den sie derzeit bewusst mied. Es war so etwas wie eine Mischung aus verletztem Stolz und Enttäuschung. Sie hatte dem Schloss, der ganzen Stadt den Rücken gekehrt, weil sie seit kurzem festgestellt hatte, dass sie doch anders war als die Menschen die dort lebten. Ihre Gedanken kreisten kurz, war ihr Verhalten richtig? Sicher war es das.

Zu genau erinnerte sie sich an jenen Tag. Der Tag an der falsche Graf und seine Anhänger das Schloss verlassen hatten. Der Tag, an dem sie sich ins Schloss gepirscht hatte, und dort Felicitas und Rafael vorgefunden hatte. Rafael war es nicht gut gegangen, in keinster Weise und Felicitas war soweit fertig mit den Nerven, das sie Viola erst sogar für eine ihrer Peiniger hielt. Dann aber hatte sie die Situation klären können und hatte auf Felicitas Geheiß Hilfe geholt … Hilfe. Sie war gerannt, hatte gebrüllt und Menschen herbeigeholt, welche Rafael zu einem Heiler brachten, vielleicht gerade zur rechten Zeit, wer wusste das schon. Dies war nun bereits einige Tage her, doch sie hatte seitdem nichts von Felicitas oder Rafael gehört. Kein Wort des Dankes von den beiden, die einzigen beiden von denen sie diese Worte gehört hatte, waren Darna und Felicitas Schwester gewesen, aber von den Betroffenen selbst? Selbst der Graf schien sie am Abend seiner Ankunft gekonnt zu ignorieren, auch wenn einiges los war. Es waren jene Menschen, um die sie sich Sorgen gemacht hatte, wegen denen sie im Schloss geblieben war. Sie hatte die Türen beobachtet, vor denen jene falschen Leibgardisten standen, hatte immer darauf geharrt, irgendwie zu Rafael oder Felicitas zu gelangen und sie zu befreien oder nach ihnen zu sehen … der Dank blieb aus, selbst als sie dafür sorgte dass man Rafael in Sicherheit brachte. Es war nicht so dass sie irgendetwas verlangt hätte, sie spürte einfach nur die Enttäuschung in sich aufschäumen, dass den hohen Herrschaften nicht einmal einfiel, Danke zu sagen. Sie hatte das Schloss verlassen, und als einer der Gardisten fragte, wieso sie denn so bepackt aus dem Schloss gehen würde meinte sie nur trocken; „Ich will einfach nur meine Ruhe vor den Hohen Herrschaften und ihrer Undankbarkeit haben … ich weiß nicht wann ich zurückkehre. Nur richtet es bitte Lady Darna aus, sie wird wohl nach mir fragen …“

War ihr Verhalten richtig? Die Frage kam erneut auf und wieder nickte sie. Sie drehte sich in Richtung der kleinen Hütte. Sie würde zurück nach Varuna kehren, doch wann, das stand für sie derzeit nicht zur Debatte. Sie wollte sie alle nicht sehen, und sie bezweifelte auch, dass es groß jemanden außer Darna kümmern würde. Damit schlich sie sich zurück in das Schlafzimmer, legte sich neben das schlafende Mädchen und drückte es an sich, ehe sie einschlief.
Adrian von Hohenfels

Beitrag von Adrian von Hohenfels »

Die Tage der Aufregungen um die Grafschaft, vergangen mochten sie sein, doch nur langsam legte sich der aufgewirbelte Staub. Eileen war zurück, wie kaum anders zu erwarten, eilte sie erst einmal zum angehenden Gestüt, ihren Pferden. Seit Tagen mochte niemand nach ihnen gesehen haben. So war es nur zu verständlich. Durchaus ebenso, dass es Adrian selbst erst einmal dorthin trieb, abgesehen von ebenso nötigen Verwaltungsaufgaben die ihn durchaus täglich gen Grafenschloss trieben.

Schreiben wurden aufgesetzt, Kundgebungen auf den Weg gebracht. Die Reichsarmee musste ebenfalls mit Nachricht zurückentsandt werden. Und nicht zuletzt stand es noch immer aus, die spurlos verschwundenen Eindringlinge zu fassen. Sovieles zu bedenken. Er konnte sich des zynischen Gedankens nicht erwehren, den Eindringlingen doch höchst persönlichen Dank auszudrücken für das heillose Durcheinander, dass in den wenigen Tagen entstanden war. Glücklicherweise waren nicht auch noch die Vertrauten durch Doppelgänger ausgetauscht worden, wie die nicht für jeden erfreulichen Prüfungen ob ihrer wahren Identität glücklicherweise absichern konnten.

Von langer Hand geplant, diesen Eindruck machte die Vorgehensweise durchaus, und doch an zuwenig wirklichem Wissen über seine Person und die ihn umgebenden Vertrauten gescheitert. Ein anderes abschliessendes Urteil liess sich kaum finden. Zu vermuten, dass die hastige Flucht hierauf beruhte. Es war manchmal doch brauchbar, dass es neben dem offiziellen Grafen noch den privaten Mann gab, den nur eine Handvoll Menschen wirklich kannten und einzuschätzen wussten.

Dass es auch Menschen gab, die er in dem Durcheinander offenbar übersah, wurde ihm sodann leider mehr als deutlich als ein aufmerksamer Gardist den Vorfall um Viola's Aufbruch schilderte. "Narr, hast du dich nicht in der Ferne ebenso um ihre Sicherheit gesorgt, wie konntest du jetzt dar du zurück bist so blind sein?" scheltete er sich im Stillen selbst. Die Aufregungen allein waren kaum wirklich Erklärung und Ausrede.

Sein Blick wandte sich dem Gardisten zu. "Sendet Oberst von Elbenau vor mich, sie wird hoffentlich wissen, wo sich die junge Frau aufhalten könnte. Ich hoffe wir finden sie alsbald. Ansonsten komme ich nicht umhin, einem guten Freund einiges unangenehmes erklären zu müssen!" Der Gardist nickte ergeben und machte sich eiligst auf den Weg.
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Irgendwann macht man etwas, dass ein Ende nimmt wie man es niemals erwartet hätte und dann … dann geht alles schneller als man denkt.

Sie schritt den einsamen Wanderpfad entlang. Keine Menschenseele kam ihr entgegen und sie war doch irgendwie recht glücklich um diesen Umstand. Sie seufzte leise und ließ die Schulter sinken. Drei Tage … seit drei Tagen war sie nun wieder aus dem Schloss und diesmal ohne eine wirkliche Nachricht. Aber wem war sie eigentlich wirklich Rechenschaft schuldig? Im Moment … niemanden. Es war alles zu schnell gegangen, die Sache mit Rafael und Felicitas, die Art wie der Graf sie lobte … das Gespräch danach mit Darna. … Darna. Sie kniff die Augen zusammen und schüttelte den Kopf, einige Haarsträhnen fanden ihren Weg in ihr Gesicht. Sie wollte die Ritterin derzeit nicht sehen, zu sehr hatte sie mit ihren Worten Recht gehabt, vielleicht sogar so viel, dass Viola es nicht so recht wahrhaben wollte. Doch wäre nur dem so, dann wäre ja alles Bestens gewesen, doch das Gespräch hatte alte Wunden aufgerissen, bei ihnen Beiden. Sie hatte es in Darnas Augen sehen können, jene paar Worte, die sie selbst sogar angesprochen hatte. „Ja ich weiß aus eigener Erfahrung, das kann weh tun …“ das war ihre Antwort gewesen auf die Tatsache, dass Fuchs Violas Vorschlag abgelehnt hatte, Viola als „Mutter“ zu bezeichnen. Natürlich war das alles im Nachhinein sowieso besser gewesen, denn sie hätte niemals diese Rolle einnehmen können wie man es von ihr erwartete, aber diese kurzen Worte von Darna reichten. Sie beiden hatten darüber nachgedacht, sich angeschwiegen … und dann hatten sie sich in ihren Wegen getrennt. Es war lange her dass sie Darna so erlebt hatte.

Nach jenem Gespräch war ihr Bedarf mit der Ritterin zu reden vorerst nicht sehr hoch. Es war nicht so dass sie ihr gegenüber Missgunst oder dergleichen verspürte, sie wusste nur dass Darna Ruhe brauchte, Abstand und den brauchte Viola vielleicht auch. Jener Abend, als sie mit Fuchs gesprochen hatte, die Antworten des kleinen Kindes gehört hatte. Sie war enttäuscht gewesen, stark sogar und doch wusste sie dass es so alles richtig war. Alles verlief so wie es wollte und es war nun einmal so, für das Kind würde Viola immer so was wie eine große Schwester sein und so war es auch besser, für sie beide. Sie würde immer für Fuchs da sein, doch jetzt wollte sie für sich sein, ganz alleine und nachdenken, grübeln und vielleicht auch etwas in Selbstmitleid schwelgen.

Doch egal wie alleine sie sein wollte, in ihr wuchs auch zeitgleich ein Entschluss. Es war an der Zeit Dinge weiter ins Rollen zu bringen …
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Oh wie verträumt wirkte die Stadt Wellengard. Eine doch schon größere Stadt in den Nebeninseln von Gerimorn, einige Tage mit dem Schiff entfernt. Große Mauern, ähnlich wie in Varuna, hinter denen Häuser hervorragten und auch der große Kirchturm zu sehen war. Bürger und Besucher streiften durch das Haupttor der Stadt um ihren Geschäften nachzugehen unter den wachsamen Augen der Gardisten. Unter all diesen Leuten schritt auch Viola ins Innere der Stadt, durchschritt die Hauptstrasse und sah sich suchend um. Vor ihr stand ein Haus dessen Schild verkündete dass dies „Die beste Meisterschneiderei Alathairs“ sei, was sie etwas stutzen ließ, doch tat sie dies letztendlich mit einem Schulterzucken ab und trat ein. Eine Frau saß hinter einem kleinen Schaukasten, etwas Stoff auf dem Schoss und scheinbar mehr gelangweilt von der Tätigkeit, als dass sie sich wirklich ernsthaft mit Arbeit beschäftigte. Als die Türe sich öffnete hob sie den Kopf und sah zu der Fremden die den Laden betreten hatte und ihre Augen wurden aufmerksam. „Zum Gruß die Dame. Willkommen in unserer Schneiderei, kann ich euch helfen?“ Viola wiegte den Kopf sanft hin und her „Ich suche jemanden …“ und ganz anders als sie erwartet hatte schien die junge Frau aufmerksam zu sein und erhob sich sogar „Ich bin zwar nur in der Ausbildung aber ich kenn mich recht gut aus in der Stadt, wen sucht ihr denn?“. „Eine Frau die sich hier mit einem etwas wohlhabenden Händler niedergelassen haben soll. Ihr Nachname lautet SerRhal.“ Die junge Frau rümpfte nachdenklich die Nase, nickte dann aber. „Ja ich kenne sie, sie kauft immer wieder bei der Meisterin ein, sie lebt im Westteil der Stadt, Dunkelgasse, da gibt es nicht sooo viele prunkvolle Häuser, ihr werdet es sicherlich erkennen.“ Viola sah die junge Frau eine Weile nachdenklich an. Wohlhabend … sie hatte es also geschafft. „Danke euch vielmals.“ Und damit wandte sie sich um und ließ die junge Schneiderin hinter sich.

Es dauerte eine knappe Viertelstunde ehe sie die Dunkelgasse erreichte und wie es ihr gesagt wurde; hier gab es kaum Häuser die die Bezeichnung wohlhabend verdient hatten. Vor einen der wenigen Häuser spielten zwei Kinder, ein junge und ein Mädchen. Ruhig trat sie auf beide zu und setzte ein freundliches Lächeln auf. „Na ihr beiden. Kennt ihr zufällig eine Lady Ser´Rhal?“ Beide sahen zu ihr auf und eifrig nickten sie. „Jaaaaa, das ist unsre Mama!“ sagte das Mädchen stolz und der Junge nickte nur noch umso heftiger. Viola stockte und kurz wich ihr die Farbe aus dem Gesicht. Kinder. Sie hatte also wirklich den Schritt unternommen, sie hatte es geschafft eine Familie zu gründen. Bei ihrem letzten Treffen zwischen den beiden hatte sie es Viola gesagt, dass sie aus der Sklaverei entkommen wäre, dass sie einen reichen Mann gefunden hatte und dass sie in ihrer ach so großen Güte Viola anbieten würde, bei ihnen leben zu dürfen … nachdem sie Viola damals alleine gelassen hatte, ein siebenjähriges Mädchen mitten in den Gossen Varunas. Als sie es Viola damals so ins Gesicht sagte, hatte diese ihrer Schwester nur die Faust ins Gesicht geschlagen und war gegangen und nun war sie hier um zu reden. Doch als sie diese beiden Kinder sah wurde sie nachdenklich. Tante. Das war sie doch, oder? Wollte sie überhaupt mit ihr reden? Sie würde vielleicht ihren Mann sehen, sie würde sehen wie gut sie lebte und die blanke Wut würde wieder aufkommen … wollte sie das? „Und wer bist du?“ fragte das Mädchen. Viola schreckte aus ihren Gedanken hoch und sah hinab auf die Kleine. „Nur eine alte Bekannte deiner Mama. Tust du mir einen Gefallen? Sag deiner Mama liebe Grüße von Viola …“ dann strich sie dem Mädel über die Haare und erhob sich. Sie trat wieder fort. War sie feige? Vielleicht war sie das aber Dinge waren nicht immer so leicht wie sie im Kopf zu sein schienen.

Sie verließ die Stadt noch am gleichen Tag nachdem sie sich mit Proviant eingedeckt hatte und durchstreifte die Wälder. Ein Ziel hatte sie nicht, sie achtete nicht wirklich auf ihre Schritte, sie war zu sehr in ihren Gedanken verloren. Man konnte nie vollständig mit der Vergangenheit abschließen aber zu einem gewissen Teil hatte sie dies heute geschafft. Auch wenn sie sich das alles ganz anders vorgestellt hatte.
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

(ooc: Wer mag kann gerne was dazuschreiben, gilt übrigens Allgemein für all meine Postings auch in Zukunft ;) )

Eine Woche nach der Rückkehr nach Gerimor


Die Tür des Hauses, welches mitten zwischen den beiden Grenzen von Varuna und Rahal stand, wurde leise geöffnet und eine Gestalt trat ein. Mittlerweile war der Abend hereingerückt, kein Wunder, war sie doch eine ganze Weile fort gewesen. Sie lauschte kurz in das Haus hinein, nichts war zu hören. Also waren weder Yoshua noch Fuchs daheim, was ihr im Moment ganz recht war, denn sie war todmüde. Sie schloss die Türe hinter sich zu, löste den Umhang, ließ diesen achtlos zu Boden gleiten, schlurfte zur Schlafzimmertür und begann sich schon auf dem Weg dahin auszuziehen. Als sie dann endlich die warme und weiche Schlafstätte erreicht hatte, ließ sie sich nur noch in die Felle warfen und atmete aus. Verflucht was ein Tag. Nein, was für Tage. Und sie konnte nicht einmal über sie fluchen, denn sie waren einfach zu angenehm und schön gewesen, und sie hatten Änderungen mit sich gebracht. Kurz schaute sie etwas schuldbewusst zur Seite und blickte auf ihre Armbrust, sie hatte sich jetzt wieder fast drei Tage nicht im Schloss gezeigt und weder Darna noch dem Grafen bescheid gegeben wo sie war. Aber da waren auch einige ungeplante Dinge geschehen, die ihr im wahrsten Sinne in den Weg gesprungen waren.

Angefangen hatte das alles mit einem eher ruhigen Abendbesuch in Bajard. Sie mochte die Taverne dort mehr als jene in Varuna. Bajard war „lebendiger“ als Varuna, hier geschahen Dinge die wenigstens noch davon zeugten, dass die Menschen Leben im Körper hatten und nicht nur stocksteif rum sitzen und ihren Wein trinken. An jenem Abend hatte sie diese Frau kennen gelernt, Tajara war ihr Name. Viola hatte sie bereits das eine oder andere mal auf Lameriast gesehen und da sie beiden die einzigen Gäste zu dieser Stunde waren, kamen sie ins Gespräch, unterhielten sich über das Land, über Bekannte und dann sprach man, man sprach, man scherzte und dann wettete man. Es war mehr scherzhaft gewesen, Tajara hatte ein wenig geprahlt, Viola hatte zurückgeprahlt und dann war sie entstanden, jene Wette. Im Nachhinein war die Grundidee eine ziemlich Dumme, schon alleine wenn sie an die letzten Versuche gegen Darna dachte, auf der Feier der Hinrah, aber der Übermut siegte am Ende. Und zu Violas eigener Überraschung siegte nicht nur der Hochmut sondern auch sie, sie hatte die Wette gewonnen, den kleinen Wettstreit zwischen den beiden. Das Ergebnis war ausgehandelt worden, auch wenn dies ebenfalls eher scherzhaft gemeint war und sich nach wenige Stunden wieder aufgelöst hatte. Wie hatten sie gesagt, der Verlierer musste einen Tag für den anderen die Arbeiten verrichteten die anfallen würden und Tajara hatte nun einmal verloren. Anfangs war es noch lustig gewesen zuzusehen, wie Tajara den kleinen Stall am Haus sauber machte und grummelnd Holz hackte, doch irgendwann gingen zum einen Violas Ideen aus als auch ihr Elan die Frau länger schuften zu lassen, sie war einfach nicht gut in so was. Doch jener Abend war ein Grundstein gewesen, der Grundstein für etwas Gemeinsames. Sie lag an jenem Abend in ihren Armen, dicht an sie gekuschelt und sie fühlte sich gut. Ein schlechtes Gewissen? Nein. Sie hatte abgeschlossen mit ihrer Vergangenheit, abgeschlossen mit Alvis, welcher nun seit über einem halben Jahr als tot erklärt wurde und auch mit ihrer letzten Liebe, welche wort- und klanglos verschwunden war und sie zurückgelassen hatte. Dies hier war etwas Neues, etwas was sie so schon lange nicht mehr gefühlt hatte und auch wenn Tajara eine Frau war, wen kümmerte es? Sie nicht, es war seltsam, ein komisches Gefühl, zweifelsohne aber sie brachte ihr das gleiche Gefühl von Sicherheit und Nähe wie es Alvis damals tat und sie konnte beruhigt in ihren Armen einschlafen.

Jetzt, da sie alleine in diesen Fellen lag kamen die ganzen Fragen die sich vorher unterdrückten. Wie würde dies gehen? Sie kannte das Bildnis der gleichgeschlechtlichen Liebe nur unter den Augen des Clans; und dafür war bereits ein Mitglied verstoßen worden. Aber wie stand es um die Menschen in Varuna, ihre Freunde? Wenn sie diesen Gesichtspunkt nun betrachtete, kannte sie das Stadtleben nicht annähernd so gut wie sie es eigentlich dachte. Was wenn sie aus dem Schloss geworfen werden würde wegen solch einer Sache? Der Clan und der Graf waren ja auch befreundet … vielleicht hatte das abgefärbt? Sie schluckte leicht und drückte sich fest in die Felle. Das waren Dinge mit denen sie jetzt nicht so wirklich gerechnet hatte. Sie würde gut überlegen wem sie das erzählte und wem nicht. Sie schüttelte müde den Kopf. Das waren alles so viele Dinge über die sie nachdenken musste und vor allem; Tajara war gerade so fern. Vielleicht hätte sie das ja gewusst? Sie seufzte leise und strich über die leere Stelle neben sich. Schlafen und etwas Ruhe finden. Denn am Ende war sie doch glücklich, unheimlich glücklich.
Benutzeravatar
Tajara Nair
Beiträge: 609
Registriert: Montag 28. August 2006, 16:57

Beitrag von Tajara Nair »

Es war im Grunde eine Fügung des Schicksals, oder eine göttliche Fügung, sei's wie es sei - es hatte sich gefügt im Augenblick ihres Schmerzes.

Als Bürgerin getarnt saß sie in der taverne ald diese Frau die Taverne betrat. "Kenne ich Euch nicht irgendwoher?", hatte sie gefragt. Anfangs konnte sie sich nicht entsinnen, doch nach und nach kam man ins Gespräch, und die Wette ergab sich.

Sie hatte lange kein Wettsaufen mehr gemacht und sie konnte a doch einiges wegstecken, aber der Fusel in Bajard war eine Sache für sich, und sie verlor - wohl oder übel musste sie sich dem fügen, doch fand sie es ganz witzig.

Aber als man dann zum reden kam ging es gnz schnell, und mit einem Mal war der Schmerz vergessen und verwandelte sich in einen Rausch, den sie auf diese Weise noch nicht erlebt hatte.

War es wenige Tage zuvor noch undenkbar gewesen eine Frau auf diese Weise lieben zu können so änderte sich das schließlich, nachdem sie sich damit abgefunden hatte - es war etwas gänzlich anderes, und es fühlte sich schön an - und am Ende war es das auch.

Es waren friedliche zwei Tage gewesen, fernab von allem, es hätte nur einer sein sollen, doch letzten Endes war sie froh, dass es zwei waren.

Sie verließ das Lager als trauriges Bündel, als leere Hülle, als Schatten ihrer selbst, und kehrte mit Viola an der Hand glücklich strahlend zurück. Eigentlich war dies alles kein Zufall mehr, doch war sie wahrlich froh.

Bislang wusste eigentlich nur Xinthra davon, und sie sagte genau das, was sie sich erwartet hatte - früher zwar als gedacht, aber genauso.

"Bist du glücklich mit Viola?", hatte sie geftagt. "Ich kenne euch unabhängig voneinander und ihr passt gut zusammen."

War sie glücklich? Vielleicht war es zu früh dazu etwas zu sagen - sie war kein mensch der gerne übereilte Antworten zu dem Thema gab, aber man musste nicht lange nachdenken. Nach Milos tod war sie nicht glücklicher gewesen. Die Schwestern waren ihr Lebensinhalt und das machte sie auf eine ganz andere Art glücklich. Aber dies hier war in der tat Glück. Ja - sie war glücklich, und ein simples "Ja" reichte aus, um es zu bestätigen.

Sie würde sie versucen so bald als möglich wiederzusehen. Letztendlich hatte es doch noch eine - Wendung gegeben.

"Milo, freust du dich mit mir?", hätte sie ihn im Totenreich gerne gefragt, hätte sie davon gewusst - dieses Totenfest - ein Jammer, dass sie es verpasst hatte.

Aber sie war bereits einmal dort - als sie beinahe gestorben wäre - und sie konnte Abschied nehmen. Instinktiv wusste sie, dass er sich mit ihr freute - sie fühlte ihn täglich.

Seit sie zu diesem Ort geschickt wurde war vieles anders - es war beinahe so als wüsste sie wo sie zu sein hatte, oder wurde dahin gelenkt. Und auch Milo war deutlich in ihr zu fühlen.

Er freute sich für sie, und sie freute sich einfach nur. Es fand auch dieses Kapitel ein erstmals gutes Ende.
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Blutrot färbte die untergehende Sonne den Himmel. Ein wundervoller, fast schon malerischer Anblick machte sich über den Wäldern breit. Viola saß im Garten ihres Unterschlupfs, betrachtete die Farbenspiele und sah gedankenverloren in die Ferne. Kurz glitt ihr Blick in Richtung Varuna, dessen Festungsmauern man von hier bereits sehen konnte, dann wanderte er weiter in Richtung wo man Bajard vermuten konnte und dann anschließend fand er sich wieder in der ziellosen Ferne. Ein leises Seufzen entglitt ihren Lippen. Ein neuer Tag verstrich und mit diesem Tag verstrich auch die Zeit. Viel Zeit war nicht mehr über, bis es zum großen Tag kommen würde. In ihren Händen war ein Brief, wie oft sie diesen in den letzten Tagen nun schon gelesen hatte, wusste sie nicht mehr; aber die Aussage war ihr immer mehr in den Kopf gerückt, je mehr sie die einzelnen Zeile immer wieder las. Nur noch wenige Tage und sie würde nach Varuna gehen und sich dort in die Hände der Magierin Una Llastobhar geben, nur mit dem Ziel, endlich Dinge wieder so zu schaffen, wie sie doch waren. War dies eine gute Entscheidung gewesen? Sie war sich immer noch nicht sicher, aber eines wusste sie; es war eine notwendige Entscheidung gewesen. Kurz strich sie mit ihren Fingern über ihr Gesicht, über die Wange, das schwarze Haar, ihren Hals, die Brust und ihren Bauch. Alles Dinge an ihrem Körper, die alsbald nicht mehr so sein würden, wie sie waren. Magie hält nicht ewig. Und nun hatte Viola den Entschluss gefasst diese Magie endgültig zu brechen, die sie erfüllte. Ihre Augen schlossen sich und die Finger glitten über die geschlossenen Lider. Sie waren das einzige, was noch so war, wie es sein sollte. Die Augen, jene jungen, kindlichen Augen und bald würde auch alles andere wieder so sein, wie es eigentlich sollte. Ungefährlich war dies auch nicht, dessen war sich Viola bewusst, denn es war schließlich Magie und von jener kam selten etwas Gutes. Sie war sich dessen bewusst, dass etwas schief gehen könnte oder dergleichen aber war es das Risiko wert und sie zog jenes deutlich der Vorstellung vor, in Zukunft immer wieder zu unbestimmten Zeiten als Kind dazustehen. Die Magie bröckelte und sie bekam es zu spüren. Nun ging sie dagegen an, und ließ die Magie einschlagen. Sie hatte Angst, große Angst sogar. Was passieren würde, das war nicht gewiss und schon gar nicht was sein würde. Viele Menschen die sie heute kannten, kannten sie so wie sie war; als junge Erwachsene Frau die das zwanzigste Lebensjahr bereits eine ganze Weile hinter sich hatte. Doch was war, wenn sie Viola dann so sehen würden? Würde sie Missgunst ernten? Verständnis? Vielleicht gar Angst? Sie hatte mit wenigen Menschen über diesen Fluch geredet und die wenigsten wussten tatsächlich, wer sie war. Anders wäre es auch oftmals nicht gegangen doch nun holte sie das Lügenspiel ein. Sie hatte sich vielen anvertraut, insbesondere Darna, welche auch tröstende Worte für sie bereit hatte. Sie wusste auch, die Ritterin würde bei ihr sein wenn es ihr möglich war. Diese Tatsache linderte die Angst wenigstens ein bisschen, denn der Gedanke dies alles alleine durchstehen zu müssen, erdrückte sie fast.

Doch nicht nur ihr hatte sich Viola anvertraut. Es gab eine handvoll Menschen die darum wussten, welche gefasst sein würden aber der Rest? Sie schüttelte diesen Gedanken ab. Die letzten Tage waren so oder so nicht gerade von schönen Gefühlen umrahmt gewesen. Viel zu sehr vermisste sie Tajara und ihre Nähe, viel zu sehr beschäftigte sie der Umstand dass Darna im Kloster war und das sicher nicht ohne Grund und auch die Tatsache dass sie Fuchs nun eine Weile nicht mehr gesehen hatte, ließ sie nicht gerade eher lächeln. Wie gerne hätte sie sich jetzt an Tajaras Schultern gelehnt und hätte ihr all den Frust und Kummer von der Seele geredet, aber sie hatte ihre Pflichten auf Lameriast und Viola die Ihren hier. Dazu kam noch eine weitere Sache die Viola nicht ruhen ließ. Tajara wusste zwar von dem Fluch, aber wie würde sie reagieren wenn Viola so vor ihr stehen würde, wie sie wirklich war? Alles Fragen die sich immer tiefer in ihren Kopf zu bohren schienen. Der Kopf wanderte nun zur Seite, hin zur Haustür und schwerfällig erhob sie sich um sich kurz darauf wieder in die Schlaffelle gleiten zu lassen. Sie fühlte sich in den vergangenen Tagen so müde wie selten zuvor und je näher der Tag kam, desto mehr schien der Schlaf von ihr zu rücken. Es war ein Abschluss, ein endgültiger. Aber was würde dieser bringen? Vielleicht wollte sie es gar nicht wissen.
Benutzeravatar
Tajara Nair
Beiträge: 609
Registriert: Montag 28. August 2006, 16:57

Beitrag von Tajara Nair »

Wanderer die des Nachts das Lager der Gefährtinnen erblickten sahen stets eines vor sich. Auf der Plattform sitzt mit angewinkelten beinen eine einsame Gestalt, aufs Feld blickend mit sehnsüchtigem Blick, der Wind, der durch ihr blaues Haar weht, reglos, nachdenklich.

Wie oft wollte sie jetzt allein sein, mit ihren Gedanken weit weit weg, bei enem menschen bei dem sie unentwegt verweilen wollte.

Sie schlief diese Nächte oft alleine draußen, Kälte kümmerte sie nicht, sie brauchte Einsamkeit, zwischen den Schwestern zu schlafen in diesem auch zugegeben gemütlichen Räumlichkeiten erdrückte sie. Sie hatte das Gefühl verrückt zu werden, dann nahm sie sich ihr fell und legte sich zum Feuer, im freien Schlafend, allein mit ihren Gedanken bei Viola.

Sie vermisste sie, und gleichzeitig machte sie sich große Sorgen um die Zukunft. Viola... Sie war eine geplagte Seele, die viel mitgemacht hatte, und gefangen war, ein Kind im Körper einer Frau die ein wenig älter war als sie selbst. Was sollte sie nur tun? Sie hatte soviel mitgemacht, wie kommt ein Kind im Körper einer Erwachsenen nur zurecht?

Nein, so ganz stimmte es nicht, sie war nun nur noch ein halbes Kind, doch letztendlich machte sie gerade diese Erfahrung erwachsener.

Wir leben unser Leben aufgrund der Erfahrungen, die wir im Leben machten, pflegte sie immer zu sagen. Und letztendlich werden wir aufgrund unserer Taten von anderen bemessen, nicht aufgrund dessen, was wir sind.

Sie würde wieder erwachsen werden, sie musste es bloß nun auch körperlich. Könnte sie damit leben?

Wie alt wäre sie denn nun? 15? 16? - Das war nicht so schlimm, sie zählte selbst kaum 20 Lenze, und von daher hatte sie kein Problem damit. Doch was wenn etwas schief läuft? Was solle sie tun?

Nein, eines wusste sie, sie würde sie nicht in Stich lassen, Sie ließ niemanden zurück, selbst wenn sie keine Schwester war. Sie war so etwas wie ihre Gefährtin geworden, und man lässt niemanden zurück. Wenn der Tag kommen würde, würde sie ihr beistehen, sofern es ihr Wunsch war, so weit es ging.
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

"Das ist so typisch für euch alle hier..."
Darna musterte das tränenverschmierte Gesicht hinter den blauen, wirr hängenden Haarsträhnen, hörte die Worte, deren dahinter gehaltener Vorwurf in ihr sonst eine Welle der Empörung wachrief.

Doch nun fragte sie sich, ob sie sich selber nicht einfach nur in der jungen Frau getäuscht hatte.
"Ihr macht einen halbwegs erwachsenen Eindruck, Fräulein Tajara...", hatte sie eben noch zu ihr gesagt. "Wenn Ihr Viola weiter helfen wollt, solltet Ihr Euch bewusst machen, daß Ihr mit einem Menschen" - es fiel ihr schwer, das nächste Wort auszusprechen - "angebandelt habt, der gerade erst erwachsen wird... und daß das nie anders war."
"Wer wäre ich... ließe ich sie im Stich?"
"Du sollst sie nicht im Stich lassen, untersteh dich, Mädchen! Aber lass deine unsittlichen Finger von einem halben Kind, das kaum noch wissen dürfte, wo ihm in seiner verkehrten Welt überhaupt noch der Kopf steht!"
"Davon war nie die Rede", erklang es stattdessen nur streng, "Aber schlagt Euch besser diese Flausen aus dem Kopf, sollte es wahr sein, was Viola mir berichtet hat."
"Welche Flausen?", fragte Tajara bissig.
"Oh, das weißt du sehr gut... es sei denn, Viola hat in ihrer Unvernunft etwas grob überinterpretiert, das will ich nicht mal für unmöglich halten..."
Die Ritterin richtete sich etwas gerader im Sattel auf, während sie die bewusstlose Viola vor sich in sicherem Griff hielt.
"Wenn nötig, wisst Ihr sicher, wovon die Rede ist. Und nun entschuldigt - ein Bett für sie ist nun sicher wichtiger, als hier im Sattel zu hängen."

"Typisch"... Sie verkniff sich den Kommentar, daß es einzig als Lob anzusehen wäre, müsste man die Stimme der Vernunft für typisch varunesisch halten.

Arroganter Eindruck, den sie hinterließ? Vielleicht. Sogar gut möglich. Was bildete die junge Frau sich ein?
"Du verstehst nicht...", hatte Viola unter vier Augen versucht, zu erklären, "ich liebe sie, wie du Adrenalon liebst."
Was für ein Unfug.
In diesem durchgeschüttelten Körper, der die Ansprüche einer Erwachsenen hegte, hatte selten etwas anderes als der Geist eines jungen Menschen gesteckt, der mühsamst versuchte, seinen Platz in der Welt zu finden. Und nach Tagen der Not, wo Darna auch nicht in dem gewohnten Maße für sie da sein konnte, hieß es also nun etwas von einer innigen Liebe - zu einer Frau.
Es gab keine logischere Erklärung, als eine unter Not aus verzweifelter Suche nach Zuwendung heraus resultierende Geschmacksverirrung. Erwartete Tajara etwa irgendwas mehr? Wollte sie warten, auf Viola? Zwei, drei Jahre, daß man davon reden konnte, einen mündigen Menschen nicht mehr aufhalten, sondern ihm lediglich nur noch Glück wünschen zu können?
Oder würde sie gar die unverschämten Finger nicht von einem halben Kind lassen?
"Hüte dich..."

"Ibert! Das Tor auf!"
Sie brachte Viola nach Hause. In das Bett, das ihr gehörte, und wo auch niemand anders in unsittlicher Zuneigung etwas drin zu suchen hatte. Zurück in ihr Heim. Richtete sich auf eine neue Wache an einem Krankenlager ein - darin hatte sie ja langsam Übung.
Aber das taten eben ...
Ritterinnen für... nein.
Eine große Schwester für... mrmmmm... naja... jein, eigentlich...
Ach verdammt, das gehörte sich eben so.

Abwarten und Tee trinken. Es fiel schwer, lange wach zu bleiben, und ihre Gedanken hielten sich mit vielen Dingen und doch nichts Konkretem auf. Als Viola Geschehnisse ihres Lebens scheinbar wie sortierend vor sich hin wisperte, hörte sie meistenteils nur zu. Es würde sich neu finden, neu fügen.
Antworten