20 Kronen
Dafür konnte man sich etwas erkaufen, was sonst verschenkt wurde. Trotzdem gab es eine reichliche Anzahl Bieter. Der Blick aus unschuldsvollem Veilchenblau verfolgte die Gebote, sie waberten durch den Raum wie die ewige Wolke aus Tabakrauch, die den Geruch von schalem Bier überdeckte.
"Ik biete 1 Krone"
Gelächter und zotige Bemerkungen prasselten auf den zahnlosen Bieter ein wie Sprotten aus einem Netz am Fangtag.
"Mehr hasse ou nich zu bieden! Ik lasse 3 Kronen springen!"
Der Smutje hatte wenigstens Zähne, wenn auch keine schönen. Oder sauberen. Dafür hatte er noch Blut und Gekröse an der Schürze.
"De Dirnche is mia, ik lass mia das 5 Krönsken kosten den Spaß"
Das Veilchenblau senkte sich ab, hinunter zu dem kurzen Rock und zu den nackten Füßen. Sie wurde präsentiert, das war so. Das war immer so. Sobald die Töchter der Damen im Obergeschoss alt genug waren. Alt genug um keine unnützen Fresser mehr zu sein, sondern um selbst Gold reinzuschaffen.
Das Gebot endete bei 20 Kronen.
Damit endete die Schonzeit.
Ihre Tanten hatten ihr eingetrichtet immer schön still zu sein und große Augen zu machen. Die Unschuldsnummer würde Gold anziehen, zwei drei Jahre konnte sie so gut verdienen. Sie knöpfte den Kerlen meist mehr ab, als dem Wirt bewusst war und dieses Sümmchen wurde gut verborgen. An einem nebligen Morgen im Herbst waren diese gehorteten Goldstücke ihr Fahrschein weg vom Elend, weg vom Leben als 'De Deernche'.
An Bord ging eine Maus.
An Land ging eine Katze.
Die streunende Katze trug ihr schönstes Kleid und ein Lächeln für die Welt. Der wiegende Gang des fidelen Raubtiers zog die Blicke an. Die Hände wurden jedoch abgewehrt, bis auf eine. Jene streckte sich ihr entgegen und bot sich ihr an. Ein höfliches Lächeln und eine angenehme Erscheinung vereinten sich auf den Herren am Ende der Hand. Die Haare bereits ergraut, tiefe Falten im Gesicht, einige davon durch Kummer in die Haut gebrannt. Eine warme Mahlzeit und ein Gespräch später fand man zu einer Übereinkunft.
Sie würde ihm Gesellschaft leisten und das in jeder Hinsicht, vor allem in der Hinsicht in der seine siechende Gattin indisponiert war. Dafür würde sie ein Dach über dem Kopf erhalten und man würde Ihr gewisse Dinge beibringen, die sie für das Leben sicherlich später würde gebrauchen können. Eine faire Abmachung, vor allem da sie so ihre letzten Münzen würde sparen können und vielleicht noch ein paar mehr ergattern konnte.
Das Kätzchen nickte.
Das Kätzchen schnurrte.
Das Kätzchen lernte.