25. Wechselwind 263
[s]Am schönen Morgen des heutigen Tages[/s]
[s]Was ich für heute loswerden wollte[/s]
Namen.
Braucht ein Buch einen Namen?
Vielleicht? Vielleicht ergibt die Schreiberei dann mehr Sinn. Am Ende fühlt man sich unter Umständen sogar so, als habe man einen Dialog geführt. Illusion eines Zwiegesprächs. Wahrscheinlicher ist aber, dass ich diese lose Blättersammlung im Ledereinband einfach in den Ofen werfen sollte, der meine Kammer wärmt. Würde sicher gut brennen. Ein wenig mehr Wärme, die den Raum Nachts durchzieht. Ich will nicht undankbar klingen, denn das Zimmer hier ist geschmackvoll eingerichtet, die Leuvensteins, die es verpachten, sind fleißige und freundliche Menschen. Glück kann man's nennen. Ich hatte Glück, denn als ich das Schiff verlassen habe, war nicht mehr viel vom Ersparten übrig. Das liegt da nicht einmal an der Überfahrt, nein, die war ganz gut zu bezahlen, sondern eher an der Prasserei. Ein, zwei Becher Rum für die Mannschaft hier, Glücksspiele und zuletzt die Frauen. Ungerecht sie hier zu benennen. Wirkt ein wenig so, als würde ich das Pergament damit entweihen, als würde das Leder am Einband ein klein wenig dunkler werden. Benutzt, hässliches Wort. Das haben wir aber, wenn dann, schon ganz gut gegenseitig geschafft. Sie wollten das Geld, dass ich ihnen bereitwillig gab und ich verlangte nur nach dieser menschlichen, kurzen Wärme, die nicht nur die Haut außen berührt. Dennoch ein Trugschluss, eine Illusion, mal wieder.
Eine solche Wärme hält nicht lange und danach ist es innen kälter als zuvor. Jetzt sitze ich hier in Bajard, einem Fischerdorf wie so viele andere und doch hat es einen Vorteil zu den bekannten "anderen": Es ist so weit weg von der Heimat. Erinnerungen könnten hier dünner und unscharfer werden. Ausbleichen wie so manche Leinwand.
Leinwand.
Lein-wand.
Leinwand, Leinwand, Leinwand.
Nein, ich denke, egal wie oft ich's schreibe, es zieht mich nicht mehr zurück zum Pinsel und der Farbpalette. Diese Leidenschaft, dieses Leben ist verbrannt. Verschmort und vergangen in den Flammen, die nur Asche zurückließen. Nach ihnen kam die Kälte.
Ha und noch während ich das schreibe, bin ich mir bewusst, dass ich ja doch noch geschrieben habe. Vielleicht nur dieses eine Mal. Warum eigentlich? Ich hab es nie dem Feuer zugeführt, das
Nebelfehnrich
Kuriose Begegnungen in Bajard, auf die hatte ich mich eingestellt, doch. Ein neuer Ort und unbekannte Gesichter bringen das so mit sich. Manche grob und ungeschlacht, wie der Kerl an der Schenke. Andere unheimlich und gefährlich, wie die Gestalt in den dunklen Roben. Wieder andere sind edel und in einer vollkommenen Schönheit anzusehen, wie die dunkelhaarige Frau Korporal. Doch es sind die kuriosen Begegnungen, die hängenbleiben und gerade wünschte ich so sehr, du wärst hier bei mir und ich könnte dir von dem angriffslustigen Rohrspatz im roten Mantel erzählen. Ich glaube ihr würdet euch mögen. Sie erinnert mich an dich.
Ich sollte aufhören zu schreiben aber man braucht einen Abschied, oder? Mir fällt keiner ein. Keiner der Sinn macht oder nicht so lächerlich dramatisch klingt, dass ich doch noch die Seite herausreißen muss.
Für heute soll es einfach genug sein.
Ich hoffe auf eine traumlose Nacht hin zum Morgen.
N.N.
