Das Rudel welches er zunächst vor fand war eines das von einer Flut geplagt war und vor Freunden nur so strotze. Kaluren, Alumenen und Eledhrim sowie das Volk der Wüste standen dem Rudel zur Seite. Sie halfen die Schäden zu beseitigen, die Festung abzureißen und das Dorf zu errichten. Die Geister fanden ihre neuen Wohnorte und der große Schutzgeist Wulfgard bekam eine neue Halle.
Auch wenn Wulfgard keine gewaltige Halle mehr erhielt, so war sie doch weiterhin der Versammlungsort für die Thyren und Wulfgard konnte seine Schützlinge belauschen.
Das Rudel war noch dabei zu lernen, sich als solches zu verhalten und die Lehren Wolfes zu befolgen. Es reichten schon Kleinigkeiten um aufgeblasen zu werden und das Rudel in Zwei zu teilen. Es verging viel Zeit, Gesichter aus jener Zeit sind nur noch ferne Erinnerunge, Andere wiederum haben sich in ihren Aufgaben gefestigt und halten nun die Rollen der Leitwölfe.
Es war zum Beginn dieses Jahres als Arzgeda sich dem Bann der Geister entreißen konnte und seine Augen wieder für das hier und jetzt öffnete. Die Ahnen schienen dabei durchaus ihre Finger im Spiel gehabt zu haben, war es doch nur wenig Zeit um sich auf eine Feier des Volkes vorzubereiten und das Ritual mit einer jungen, viel versprechenden Jungschamanin, abzuhalten.
Es vergingen Tage, Wochen und Monate. Das Rudel in das Arzgeda nun wieder hinein finden musste, war nicht jenes das er einst verließ und es brauchte Geduld, Gespräche, Kämpfe und Rangeleien bevor der Schamane seinen Platz im Rudel einnahm. Vermutlich war er zu verbissen darauf seinen Kopf durch zu setzen und wurde recht bald stur in seinem Handeln. Er Zog Grenzen die zuvor eingerissen wurden im Sinne des Rudels, nun war doch ein Schamane der lange Zeit fort war und sie zurück wollte.
Zwischen Ridder und oberster Schamanin gefangen, wollte er auch hier seine Ellenbogen nach außen stoßen und fand mit einem mal recht viel Platz. Sein Handlungsspielraum schien groß, wenn auch mit klaren Grenzen die er sinnbildlich mit einem Fuß stets überschritt.
Doch auch hier schien es dem Schamanen bald soweit, sich 'seinen' Platz gesichert zu haben. Auch wenn ein jeder nun Arzgeda als merkwürdigen Kauz sah, der ständig etwas zu bemängeln hätte, ständig seinen Traditionsmessstab hervor holte um Allem und Jedem die Traditionen unter die Nase zu binden.
So hatte sich der Schamane seinen Platz zurecht gepoltert und fühlte sich noch immer nicht recht angekommen. Verwunderlich ist es natürlich nicht, einen Rüpel der sich seinen Platz sichert, würde auf diesem wohl selten anerkannt werden. So war es auch mit Arzgeda, immer wieder gab es kleine und größere Ecken an die er selbst, oder an die Andere an ihm stießen. Mit jedem Streit, jeder Diskussion und jedem bisschen gemaulte, feilte das Rudel an Arzgeda und umgekehrt. Es schien eine Weile viel Spähne zu fallen bevor er die Stütze wurde, welche er für das Rudel sein sollte. Ein Schamane, ein Seelsorger, Vertrauter und Berater des Rudels.
Es war Raija die als erste mit sehr persönlichem zum Schamanen kam und um Rat und Hilfe bat. Vergangene Zeiten, einst mal hoch schlagende Herzen und ein tragisches Ende dessen. Während nun das Rudel diesem Problem Kanten, Ecken und Ungereimtheiten eintrieb, war es Arzgeda jedoch nicht gelungen dem Problem seine Kanten und Ecken auszutreiben um es aus dem Weg zu schaffen oder als Teil des Rudels, Stärke und Wachstum zu bescheren.
Es waren erneut Zeiten in denen sich offenbarte, das der Schamane nicht nur Stütze sein sollte oder gar wollte. Verborgene Fehler offenbarten sich, dieses mal jedoch nicht nur bei dem Schamanen selbst.
Die Tage zogen ins Land und das Rudel schliff an einander herum. Wenige Dinge passten zusammen wie sie gehörten und doch bildeten die Thyren schon jetzt eine Einheit. Sie mag an einigen Ecken wackelig und nur mit Vorsicht zu genießen sein, doch es war eine Einheit.
Irgendwann kam dann der Tag, der den Wolf im Herzen Arzgedas wieder weckte. Den Raben auf der Schulter wachsam werden ließ. Der Körper strotzte vor der Kraft des Bären und der Geist wurde wachsam wie Hirsch selbst.
Der Krieg brach aus, die Eroberung begann, die Banner der Angurenfestung fielen.
Nun sollten die längsten Tage des Lebens Arzgedas folgen.
Die Belagerung im dunklen Reich, in einer fremden Burg aus Stein. Das Rudel getrennt, die Verbündeten abgeschnitten und des Panthers sanfter Schritt schien mit jeder Stunde näher zu schreiten.
Nun war der Tag gekommen, wegen dem Arzgeda über so lange Zeit seine Haare schwarz färbte. Sich vor den Ahnen und Geistern hervor tat um ihre Blicke stets bei sich zu wissen. War es doch die Angst vor der Geschichte um seinen Clan, die ihn dazu trieb. Die Angst vor dem, was verboten wurde. Die Angst, unter Rabes Wacht zu versagen und seinem Volk erneut Leid zu bringen... Angst vor dem, was dort außerhalb der Mauern lauerte. Einem Wesen das weder sichtbar, noch zu begreifen war.
Panther, er würde den Thyren in den folgenden Tagen den Schlaf rauben. Ihre Geister vor sich her treiben, die Elemente aufscheuchen und das Licht der Hoffnung verdunkeln.
Panther, jenes Tier das im Glauben der dunklen Elfen der Vater ihrer Spezies sei.
Panther, jenes Tier das im Glauben der West-Städder in ihnen allen stecke.
Panther, jenes Tier das im Glauben der Thyren nichts als Unheil, Verrat und Täuschung kannte.
Panther, das fünfte große Totem der Thyren. Nun hat der Schamane seine Kräfte nicht in sich erkannt. Stattdessen war der Panther nun zu ihm gekommen. Es schien als hätte ein jedes Gespräch an den Zinnen den Panther entblößt. Als hätte ein jeder Städder, ein jeder Verfluchter und ein jeder Hornkopp offenbart, was Arzgeda schon so lange hätte begreifen müssen. Unbewusst befolgte und tat er jene Dinge... ohne es selbst zu begreifen.
Arzgeda trug den Panther mit sich, so wie den Wolf im Herzen, den Hirsch im Geiste, den Raben auf der Schulter und den Bären im Leibe...
Es waren seine Haare. Arzgeda täuschte schon so lange, veränderte sich um von einer Schwäche abzulenken, um sich seiner Angst nicht zu stellen.
Arzgeda glaubte die letzte Kante in seinem Wesen erkannt zu haben, welche ihn vom Rudel trennte.
Die Belagerung brachte dem Thyren die Erkenntnis, das er stets die Totems vereinte und hatte gelernt... ihre Lehren zu begreifen.
Nun schien es an der Zeit, seine Erfahrung zu nutzen. Nun fühlte sich Arzgeda bereit den Weg des Raben weiter zu gehen, Wolf weiter hinter sich zurück zu lassen und die Klinge nicht mehr täglich zu führen.
Auch schien es, als wäre es Zeit im Rudel seine Aufgaben nun ernsthafter wahr zu nehmen. Doch schon wenige Tage nach dem Überlebenskampf, riss der Ridder den Schamanen von seinem geistigen Höhenflug hinab. Degradierte ihn zurück zum meckernden Schamanen.
So war es wohl zunächst sein Schicksal, mit der Bürde seiner vergangenen Zeit im Rudel zu leben. Damit zu leben das er die Rolle des ernsten und strengen Traditionalisten zu erfüllen hatte.
Ob es nun Scherz oder Ernst war, Arzgeda hatte einen inneren Frieden gewonnen und konnte sich mit einer inneren Ruhe um die folgenden Aufgaben kümmern.
Wäre dort nicht... aye doch - es war Panther, erneut.
Ein innerer Hass der sich dem Kaluren gegenüber entwickelte. Ein alter Kerl der Kaluren, er schien fröhlich und glücklich unter der Erde. Schien ihn die Belagerung recht kühl zu lassen, doch waren es die Worte des Kaluren die das Blut Arzgedas zum kochen brachten "Ihr feigen extralangen, traut euch wohl nicht unter die Erde, seid euch wohl zu fein"
So in etwa jedenfalls erinnerte sich der Schamane an die eingänglichen Beleidigungen des Kaluren, welche über einige Minuten hinweg nicht abbrachen.
Dazu die Abwesenheit von frischer Luft, keinem Ausweg und zwei Thyrenweibern die scheinbar völlig außer Kontrolle gerieten.
Jene Zeiten waren es dann doch, über die Arzgeda wohl nie wieder sprechen wird und besonders sein Wutausbruch im uralten Städdergrab, jenen würde Arzgeda der obersten Schamanin verschweigen.
So enden jene Tage wie sie begannen. Mit dem Panther, doch nun nicht mehr im Haar.
Mögen die Ahnen uns beistehen, diese Zeiten zu überstehen.
Mögen die Geister gnädig sein, das wir ihre Kräfte nutzen um unser Überleben zu sichern.
Etwas, schwirrt jedoch weiter im Kopf... das Gebet in totgeweihter Stunde
Dort treffen wir dann unsere Väter
Dort treffen wir dann unsere Mütter
Dort treffen wir dann unsere Schwestern und Brüder
Dort treffen wir dann all jene unserer Ahnenreihe, von Beginn an
Sie rufen bereits nach uns
Sie bitten uns, unsere Platz zwischen Ihnen einzunehmen
Hinter den Toren Anundrafs
Wo die stolzen Thyren für alle Ewigkeit leben
Den Ahnen zur Ehr, dem Rudel zur Wehr.
Worte die einem jeden entkräfteten Thyren aufstehen lassen. Worte die Geister, Ahnen und Totems gleichermaßen stocken lassen. Worte die Energie, Mut und Kraft spenden. Ein Gebet, das Adrenalin durch die Venen treibt und das Rudel die Kampfeslust ins Gesicht schreibt.Dort treffen wir dann unsere Mütter
Dort treffen wir dann unsere Schwestern und Brüder
Dort treffen wir dann all jene unserer Ahnenreihe, von Beginn an
Sie rufen bereits nach uns
Sie bitten uns, unsere Platz zwischen Ihnen einzunehmen
Hinter den Toren Anundrafs
Wo die stolzen Thyren für alle Ewigkeit leben
Den Ahnen zur Ehr, dem Rudel zur Wehr.
Ein Gebet, das am letzten Tag der Burg durch fünf kräftige Kehlen dröhnte. Ein Gebet das zum Kampf aufrief...
Worte die dem Schamanen deutlich machten, seine Waffe war das Wort geworden, sein Herz schlug zwar in Wolf's Sinn... doch war es nun der Rabe auf seiner Schulter, welcher die Pfade des Thyren bestimmte.