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Ein sachter Südwestwind wehte am Abend über Gerimor und brachte einen der weniger werdenden Tagesausklänge, an denen laue Wärme mit einem strahlend orangenen Sonnenuntergang verbunden wurde. Vor dem klaren Himmel zogen lediglich einige Schwalben an der Ostküste der Insel ihre Bahnen und ließen ihre Rufe noch bis weit aufs Meer hinaus hallen. Wie üblich legten kleine Handelskähne und Fischerboote in den Häfen Bajards und Adorans an, die von Süden und Osten die Insel anliefen. Lediglich ein kleiner Schoner manövrierte mit halb gerefften Segeln entlang der Ostküste, vorbei an Wulfgard und Ered Luin in Richtung Adoran. Doch war es nicht der öffentliche Hafen, der angesteuert wurde.
Als das Schiff die Segel vollends reffte und den kleinen Anlegeplatz hinter dem königlichen Palast Adorans ansteuerte, begaben sich sogleich mehrere Palastwachen des Regiments in erweckter Achtsamkeit zum Pier. Noch während die ersten Taue ausgeworfen wurden um den unscheinbaren Schoner fest zu machen, hallte der Ruf von einem der Soldaten: "Krone und Reich zur Ehr! Ihr könnt hier nicht anlegen! Dies ist der königliche Anlegeplatz! Steuert zum Hafen weiter im Westen!". Die Matrosen an Deck des Schiffes betrachteten sich eine Weile ratlos, hoben dann jedoch die Schultern und machten sich weiter ans Werk, das Schiff vor Ort fest zu machen.
Mit zusammengezogenen Brauen eilte einer der Soldaten im Laufschritt zurück in den Palast, während die anderen sich wachsam vor dem Pier aufbauten und den Zugang versperrten. Nur mit langsamen und bedachten Schritten trat eine etwas ältere Dame, bereits ergrautes Haar unter einem feinen Hut und gekleidet in einem schlichten, doch ordentlich drapiertem Kleid, unter Deck hervor und erklomm etwas unsicher die wackeligen Planken, die vom Deck des Schoners zum Pier ausgelegt wurden. "Was bei allen guten Göttern soll das werden?", wurde sie von einem Palastdiener lauthals und recht barsch begrüßt, der zusammen mit dem Soldaten aus dem Garten des Palastes eiligen Schrittes in Richtung der Anlegestelle trat. "Ich gehe von Bord und bei Temora ich bin recht dankbar dafür, will ich meinen", erklärte die ältere Dame mit einem feinen Lächeln und neigte den Kopf freundlich gegenüber des Palastdieners, während sie ihm eine gesiegelte Rolle entgegen reichte. Als die Augen des Palastdieners das Siegel erblickten, öffnete er seine Lippen, doch folgte kein Ton daraus. Stattdessen schloss er sie rasch wieder und ergriff mit einem tiefen Durchatmen das Pergament um das Siegel zu brechen und den Inhalt zu studieren.
Wenige Stunden später herrschte noch in tiefster Nacht reges Treiben im Palast. Man sah und hörte die Angestellten durch die Räume eilen, Fenster wurden geöffnet, Vorhänge abgenommen und dann und wann schallte das auffordernde Klatschen des Majordomus durch die Gänge und Hallen, das die Anwesenden zu mehr Tempo und Einsatz anhalten sollte. Er selbst steuerte begleitet von der älteren Dame in ruhigem Schritt erneut das Schiff an. "Wenn ihr früher Bescheid gegeben hättet, dann hätten wir...", erklärte er mit nun entschuldigender, leiser Stimme, wurde jedoch jäh von der recht resoluten älteren Dame unterbrochen - "... dann hättet ihr sicherlich genauso pikiert reagiert". Ein leises, vornehmes Lachen entkam ihr ehe sie mit einer Hand gutmütig abwinkte. "Nun macht euch keine Sorgen. Ich bin vollends überzeugt, dass ihr und die euren die Vorbereitungen rechtzeitig abschließen werden. Ich muss euch jedoch dringend die Anweisung seiner Majestät des Königs ans Herz legen, die notwendigen Vorbereitungen für seine Frau, ihre königliche Hoheit, sorgsam und penibel zu befolgen." Der Blick der alten Dame schweifte über die Fassade des Palastes, als beide im Garten standen. Der Majordumus folgte ihrem Blick und reckte das Kinn ein wenig empor, während er erklärte. "Der Palast wird bei Ankunft der königlichen Majestäten bereit sein. Seid versichert, dass wir alles tun werden, damit ihre königliche Hoheit sich hier wohlfühlen wird." Langsam neigte der Majordomus seinen Kopf bei den Worten. Die ältere Dame indes blickte ihn einen Moment ruhig lächelnd an und erwiderte beinahe mitfühlend: "Nun, es ist nicht Nharam. Aber wir werden ein wenig Glanz aus ihrer Heimat gewiss auch hier verankern können. Es wäre nicht das erste Mal." Ein tiefes Einatmen signalisierte, dass sie offenkundig schon des öfteren derartige Vorbereitungen begleitet hatte. "Ach, und lasst noch diese Depeschen überstellen.", erklärte sie als wäre es ihr just in diesem Augenblick wieder eingefallen, während sie ihm einen Stapel Briefe überreichte.
Gemessene Schritte führten die beiden wieder zurück an den Steg während sie leise, freundliche Worte austauschten. "Und vergesst nicht, kein großes Brimborium. Seine Majestät wünscht kein großes Aufhebens und keine Paraden oder dergleichen bei seiner Ankunft. Er wünscht vorerst lediglich den Palast vorbereitet, sobald er hier eintrifft. Nach der Ankunft wird sein Hofstaat sich um alles Weitere kümmern", schärfte die ältere Dame dem Majordomus nochmals eindringlich mit ernsten Worten ein, der dies mit einem verstehenden Kopfneig erwiderte. Wieder hangelte sich die Dame mit etwas unsicherem Schritt über die wackeligen Planken und noch mitten in der Nacht, legte der kleine Schoner wieder von der Anlegestelle ab, setzte volle Segel und machte reichlich Fahrt in Richtung Nordost.
Der Majordomus indes stand noch eine Weile an der Anlegestelle und blickte mit aufgeregtem Atem dem Schiff hinterher, ehe er sich umdrehte und bemerkte, dass auch einige Angehörige des Gesindes es ihm gleich taten. Ärgerlich zog er die Brauen zusammen um mehrmals in die Hände zu klatschen. "Was steht ihr da so herum? Holt frische Blumen! Und sorgt dafür dass die Vorhänge gewaschen und trocken wieder an ihren Platz kommen, hopp hopp!", mit den Armen winkend scheuchte er die Diener wieder ins Innere des Palastes, der in der Nacht nicht mehr zur Ruhe kam.
In den folgenden, frühen Morgenstunden werden einige übermüdet wirkende Palastdiener diverse Depeschen an Adel, Vögte, Ritterschaft, Kloster und Regimentsobrigkeit überbringen mit der Ankündigung, dass der Hofstaat aus Alumenas am Abend in Adoran erwartet würde. Man würde vorerst keine Besuche empfangen, sondern sich zu gegebener Zeit für Vereinbarungen und Termine melden.
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[OOC: Dieser Thread darf mit allen RP-Geschichten aller Charaktere gefüllt werden, die sich auf den Besuch
des Alumener Hofstaates in Lichtenthal beziehen und/ oder damit in Zusammenhang stehen. Viel Freude!]
