Junges Leben... Segen... Fluch... meine Tochter

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Cathal Llastobhar

Junges Leben... Segen... Fluch... meine Tochter

Beitrag von Cathal Llastobhar »

Der Blick ruhte auf ihr... das erste was er in den frühen Morgenstunden erblickte, als ihm die jungen Sonnenstrahlen die Nase kitzelten und die Lider zum öffnen zwangen.
Mairin...
Ein kleines, so zerbrechliches und zartes Wesen. Winzig die kleinen Hände, welche sich fest um seinen Zeigefinger klammerten und ihn auch im Schlafe noch fest hielten. Alles an ihr war die menschliche Miniatur einer kleinen Prinzessin und er erkannte sich so ungemein heftig in ihr. Ja, sie war unweigerlich seine Tochter. Die amethystartig lavendelblauen Augen, welche nur er und sein Onkel Eoin im gesamten Hause Llastobhar vorweisen konnten waren nur eines von unzähligen Indizen, die vermutlich nicht nur ihm allzu deutlich machten, dass dieses Kind eindeutig mit ihm verwandt war.
Auch die silberweißen Locken...

Sie waren nicht so seltsam halbwellig wie die von Una und auch nicht in der Farbe von Schnee, sondern hatten den matten Silberglanz, den er wohl vom dunklen Haar seines Vaters ein wenig geerbt hatte.
So klein, so wunderbar...
Segen, so hatte Una das Kind genannt und die darauf folgende, verzweifelte Grimasse sprach alles, was in jenem Moment nur so in seinem Herzen tobte und wütete.

Wie sollte es nun weitergehen?
Was würde der gesamte Adel oder die Ritterschaft nun an ihn herantragen? Würde man ihn nun mit Nichtachtung und keinerlei Respekt mehr begegnen? Ihn verlachen und verteufeln?
Er war jung und dumm gewesen... ein einziges, verdammtes Abenteuer in einer Nacht voller Feier, Wein und eben diesem einen Weib. Warum nur war sie in all der Zeit nie an Eoins reichem Herrenhaus oder der Kaserne zu sehen gewesen? Warum hatte sie ihn nicht gleich zur Rechenschaft gezogen? Warum denn nur JETZT?!

Wie sollte es nun weitergehen?
Er ahnte zwar, dass ihn seine Familie unterstützen würde, doch was würden sie denken? Wann würde die Verachtung sich schleichend in ihren Köpfen breit machen? Sicherlich, er würde sich kaum von allen bittere Spottworte anhören lassen müssen aber es gab den ein oder anderen, welcher sich sicher von ihm abwenden würde. Vielleicht langsam, vielleicht mit Bedauern aber es war klar ersichtlich...

Wie sollte es nun weitergehen?
Ariana... liebstes, wunderbares und seelenstillendes Wesen... was hatte er ihr nur angetan? Die Worte, welche er am gestrigen Abend sprach, grenzten schon beinahe an eine Art Erpressung und zu spät fiel ihm auf, wie der unsägliche Schmerz in ihrem Gesicht noch heftiger wurde und sie sich wand, als habe man ihr einen unsichtbaren Dolch in den Rücken gerammt. Dennoch kam ihre Antwort mit Ernst und Beteuerung, dass sie versuchen wollte mit dem Umstand zurecht zu kommen.
Sie sprach kein Wort übers Verlassen.
Aber fesselte er sie nicht mit all dem? Hielt er sie nicht jetzt schon gefangen? Dass er sie und die zarte, unschuldige Liebe zwischen beiden auf's Bitterste verletzte, dass musste man ihm nicht mehr erklären, denn dieser Punkt schwebte ihm deutlich vor Augen und als ihr müdes, entkräftetes und ratlos verzweifeltes Gesicht ein weiteres Mal im Geiste aufflackern sah, da stach es wieder glühend in seinem Herz und er wusste, dass er sie schon in Bälde um ein weiteres Gespräch bitten musste... er wollte nicht das ersticken, was ihm bisher solch ein strahlendes Licht war.

Müde blickte er wieder herab und legte schützend den Arm um das kleine Mädchen, welches sich an ihn gekuschelt hatte.
Sie konnte nichts für sein verantwortungsloses Handeln.
Sie konnte nichts für die damit verbundenen Probleme.
Sie war kein Fluch.... sie war ein Segen, seine Tochter... Mairin

.. und nun war es an der Zeit ihr ein Vater zu werden.

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Ariana von Wolfenfels

Nur ein Mensch

Beitrag von Ariana von Wolfenfels »

Stille. Zerbrechlich wie Glas, ein abgeschirmter Raum in dessen Inneren die Luft zu zerrinnen drohte. Im Kern des Schweigens war Dunkelheit, undurchdringlich und unausweichlich. Die Tränen waren vor Stunden getrocknet und boten ihr keine Zuflucht mehr. Als sich die Türe des Zimmers hinter ihr geschlossen hatte, das letzte Geräusch verklang, war sie zu Boden gesunken. Ihr Körper verweigerte seine Kräfte, und so verharrte sie Stunde um Stunde, die frierenden Arme um die Beine geschlungen, das Kinn müde auf die Knie gesenkt. Der Mond sandte sein fahles Licht unbeachtet durch das halb geöffnete Fenster, tauchte die Szenerie in unwirkliche Schatten. Für Augenblicke schmolz die Erinnerung an den vergangenen Abend zu einem winzigen Punkt, fast verschwunden unter dem tröstlichen Schleier der Müdigkeit.

Ein unachtsamer Moment, der flüchtige Eindruck von zwei Paar lavendelblauen Augen, das eine voll Unsicherheit, Hilfe suchend, das andere in kindlichem Vertrauen strahlend. Mit einem resignierten Seufzen vergrub sie ihr Gesicht in den kalten Händen. Es hatte keinen Sinn sich vor der Erinnerung zu verstecken, keinen Sinn vor den Konsequenzen zu flüchten. Ein Kind...? Eine Tochter, ja. Ein kleiner Engel mit silbernem Haar und den Augen ihres Vaters. Als sie das Mädchen fanden, zusammengekauert und frierend, hatte sie die Farbe der Kinderlocken für helles Blond gehalten. Erst in der Hütte, beleuchtet vom Kerzenschein versetzten ihr die amethystfarbenen Augen einen Schlag. Die Ähnlichkeit war zu deutlich, zu offensichtlich als das es anders hätte sein können. Und doch wünschte sie sich in diesem Augenblick verzweifelt und töricht es wäre anders, das Kind wäre von jemand anderem gezeugt worden. Diese Familie war so groß und sie alle hatten dieses weiße, ungewöhnliche Haar. Es musste doch nicht gerade Cathal diesen Fehltritt begangen haben. Nicht ihr Cathal, nicht ihr charmanter, zwischen ernster Pflichterfüllung und jungenhafter Fröhlichkeit schwankender Ritter. Zum ersten Mal wünschte sie sich die eiserne, undurchdringliche Fassade ihrer Schwester herbei. Die Fähigkeit solchen Schmerz an Kälte und Distanz zerbrechen zu lassen.

Wäre die Situation nicht so ernst, hätte sie beinahe darüber lachen können. Wovon war sie enttäuscht? Er hatte in seiner Zeit als Hauptmann nicht wie ein Engel gelebt, das hatte er selbst erzählt. Und sie wusste doch aus den mahnenden Geschichten ihres Vaters das die Gesellschaft anderswo nicht nach den strengen Maßstäben lebte die in Wolfenfels angelegt wurden. Im Adel war es verbreitet neben der Ehefrau noch einer Geliebten zu frönen, und so mancher Edelmann zog versteckt uneheliche Kinder groß. Warum also traf es sie wie ein grausamer Schlag?

Weil sie in ihrer Naivität an Cathal den Ritter geglaubt hatte, ein Idealbild auf zerbrechliches Glas gezeichnet. Unter glockenhellem Kindergelächter war dieses Bild zerfallen, und nur ein Häufchen Scherben blieb zurück. Und sie hatte es nicht mehr gewagt in seine Augen zu blicken, aus Angst davor welchen Menschen sie dahinter finden würde. Erst als sie sich gegenüber standen, seine mühsam aufgebaute Sicherheit wieder schwand und er ihr sein Herz offen legte, auf die Gefahr hin verletzt zu werden – erst da wagte sie diesen Blick.

Ich brauche dich Ariana, mehr denn je. Die Angst dass du gehst und nicht wieder zurückkommst zerreißt mir fast mein Herz.

Hinter dem Ritter stand ein verletzlicher, fehlerbehafteter Mensch, nicht mehr aber gewiss nicht weniger. Ein Mann der bereit war, die Konsequenz seiner Vergangenheit zu tragen und seiner Tochter entgegen aller Widrigkeiten ein Heim schaffen würde. Es wäre töricht, mehr noch kindisch ihm gerade jetzt die stützende Hand zu entziehen. Und selbst wenn ihre Enttäuschung, ihre Angst groß genug gewesen wäre um sich von ihm abzuwenden – ihr Herz konnte sie nicht verleugnen. Und dieses schrie trotz aller Zweifel lauter als je zuvor nach Cathal.
Una Llastobhar

Beitrag von Una Llastobhar »

Mit jedem Schritt, welcher über das kalte Pflaster klackte und das matte Klappern der geringen Stiefelabsätze zurückließ, blitzte ein neuer Gedanke auf und gesellte sich zu dem eh schon alles andere als einfachem Gemisch der Emotionen. Als knüpfe ein junges Mädchen an einem Blumenkranz, Stiel und Blüte verbindend, so verknüpfte auch sie nun Gedanke um Gedanke mit den dazugehörenden Gefühlen und versuchte so zumindest die erdrückende, deutlich vorherrschende Ratlosigkeit zu verdrängen.

Große, amethystfarbene Kinderaugen -
Ein glucksendes, glückseliges, helles Lachen -
Leise Worte "Mama weg..." und dann "Papa weg...?" -
Ein neuer Titel "Tante Uuuuna..." -
Ein Brief -
Zwei gequälte Herzen -
Angstloses, freudiges Spielen mit einem Irrlicht -
Geöffnete Arme, nach ihr ausgestreckt "Maaaag.." -
Ein flackerndes Bild von einem geschuppten, kleinen Wesen unter der Bettdecke -

Das rhytmische Absatzklappern wurde jäh unterbrochen, als sie nun wie ein Besenstecken starr und abrupt stehen blieb.
Was zum dreimal roten Henker war das gewesen? Es war unter dem Tunnelbettdeckengewölbe, welches die Kleine augenscheinlich mit kindlicher Kunstader gebaut hatte, gekauert und hatte sie beinahe schmollend, wie ein verwöhnter Hosenmatz, aus dunklen, echsenhaften Augen angestarrt. Sie riss die Augen auf und der erschrockene Aufschrei kroch schon die Kehle entlang... doch da entschwand diese Szene, als würden ihr die übermüdeten Augen einen boshaften Streich spielen. Allerdings half die datraufhin eingeleitete Blinzelzeremonie nicht sehr zur Bestätigung ihrer Verdachtes, sondern versorgte sie mit einem Flackerschauder, welcher ihr das Bildnis des Schuppentieres mal zeigte und dann wieder verneinte. Letzendlich blieb es dann entschwunden und ließ eine sprachlose, entgeisterte, junge Magierin zurück, welche alle Mühe hatte ihre Konzentration wieder auf das vergnügt umherspringende Kleinkind zu lenken.... das Kind

Mairin...

Langsam löste sich der erste Schritt und die Beine nahmen die zuvor abgelegte Bewegung wieder auf, als sie begann wieder in diesem mörtelartigen Gedankenbrei umherzurühren und nicht recht bemerkte, wie sehr die heimlich angesammelten Energien, aufgestaut um zu überleben, zu hassen und gedanklich zu richten, gleich dem altbekannten "Loch im Eimer" leckten und sie kraftlos weiterwanken ließen. Die Verzweiflung hinsichtlich der jungen Baronin, Cathal und dem Kinde war schlichtweg erschlagend und umso näher sie gedanklich der jungen Liebe kam, umso heimlicher schlich sich ein weiterer stetiger Unruhebote an...

Am Ziel...
Die nun ungut warme Stirn suchte mit matter, trüber Bewegung den Kontakt zum kühlen Metall der schweren Eingangstüre und die bleichen, kleinen Hände legten sich sanft daneben. Sie berührte, doch vergingen viele, weitere Lidschläge, ehe sie sich lösen und dazu aufraffen konnte, den Schlüssel im Schloss zu drehen.
Als die Türe leise klickend hinter ihr zufiel und die Umgebung zunächst in rabenhafte Schwärze getaucht wurde, da gestand sie sich wispernd die selbst gebaute, kleine Misere wieder einmal ein:

"Ich brauche dich... ich brauche dich gerade so unendlich..."
Nur kurz blieb der kindliche Ausdruck purer Hilflosigkeit bestehen, ehe das Haupt etwas herabsackte...
"... aber ... ich muss stark werden...ich kann dich nicht immer mit allem belasten..."
und sie beide Hände zu Fäussten ballte.
" Ich will keine Last sein!"

****

Tante Una ist eine miese Hausfrau... eine schlechte Ehepartie... ja...

Hausf'au?

Ja, eine Frau für einen guten Mann, die kochen kann und stricken und all das.. das ist eine Hausfrau und ich bin das leider so gar nicht, weisst du...?

Aba lieb!
Mairin Llastobhar

Beitrag von Mairin Llastobhar »

Auf und ab hüpfte sie, die Wirtin die am Tag auf sie aufgepasst hatte, hatte sie eigentlich zum Ausruhen ins Bett gebracht. Doch zuviel neues war um sie herum.
„Du schläfst mit Papa im Bett und ich, ich darf gucken wo ich bleibe!“, schimpfte es vom Kissen her.
Mairin quiekte nur amüsiert, und hüpfte weiter auf dem Bett, wie auf einem Trampolin. Da meckerte der kleine Drache auch schon: „Hör mal auf damit da wird man ja Seekrank, und das willst du nicht!“
Genau in dem Moment hörte sie Stimmen von der Türe des Zimmers. Sie blickte kurz zum Drache welcher gerade in die Unsichtbarkeit verschwand. Sie hüpfte noch einmal auf und ab und liess sich dann auf ihren Hintern plumpsen.
Als ihr Vater zur Tür hereintrat entführ dem kleinen Persönchen ein freudiger Schrei und sofort viel die Aufmerksamkeit zweier weiterer Gäste die ins Zimmer traten auf sie.

Mairin musterte die Besucher kurz, doch ihr Papa war jetzt wichtiger, Erwachsene seien sowieso komisch, das hatte ihr der kleine Drache öfters gesagt. Sie rutschte zum Bettrand, und liess sich die Füsse voran zu Boden gleiten. Mit kleinen tapsigen Schritten machte sie sich auf den Weg zu ihrem Vater, welcher sie auch hochhob.

„Tante Sorcha und Onkel Viljo“, stellte Cathal die beiden vor. Mairin lächelte die Beiden an, Tanten waren was tolles, besonders Tante Una, welche sie am Abend zuvor mit lustigen Lichtwesen unterhalten hatte, und ihr Brot gegeben hatte.

Vieles verstand Mairin nicht von dem Gespräch, so hing sie etwas ihren eigenen Gedanken nach. Doch als Cathal etwas von Weggehen sagte, war sie schlagartig beim Gespräch, klammerte sich an ihren Papa und bedachte ihm mit einem anklagenden: „Papa da!“.

Cathal nahm sie schlussendlich mit zu seinem Gespräch, solange die Kleine brav sein würde.
Die Leute in der Taverne sahen sie auch erst mit diesem verwunderten Blick an, den Mairin schon gewohnt war, seid sie von ihrer Oma hier hergeschickt worden war. Anscheinend war es die normale Art der Erwachsenen.
Mit einem bestimmenden; „Papa hoch!“, liess sie sich auf seinen Schoss hoch nehmen, und bald war das Mädchen von dem funkelnden Diadem abgelenkt.
Damit war sie dann auch beschäftigt, und die nette Frau kam sogar zu ihr hin und sie konnte sich den ‚Hut’ mit den ‚Steinchen’ von nahem betrachten.
Erst als die Worte ‚ins Bett bringen’ lenkten die Aufmerksamkeit wieder auf das Gespräch der Männer und ein protestierendes: „Nein Bett!“, löste allgemeine Erheiterung aus.
Doch trotz Protest liess sich Mairin dann doch zurück in die kleine Wohnung bringen und liess sich von Papa beim Waschen helfen und krabbelte dann müde unter die Decke. Wie am Abend zuvor, wurde sie vom sanften Bariton ihres Papas ins Land der Träume begleitet.
Ariana von Wolfenfels

Beitrag von Ariana von Wolfenfels »

Nie zuvor war sie derart glücklich gewesen wie in diesen Tagen. Die Morgendämmerung grüßte sie mit verschlafenen Sonnenstrahlen, vergoldete ihr jede Stunde in den Wäldern der Grafschaft, die mit der Suche nach einem Bauplatz für die Forsthütte verbracht wurde. Der kühler werdende Herbstwind zauberte Rot auf ihre Wangen, wenn sie die täglichen Pflichten hinter sich gebracht hatte. Und wo sie auch ging, wo sie in plötzlicher Verzauberung stehen blieb - überall war die Erinnerung an ihn. Der Wind auf ihrer Haut ließ sie die zärtliche Berührung seiner Finger spüren. Das weiche Moos unter ihren Füßen erinnerte sie an das warme Nest ihres Bettes, die Zuflucht in der nur sie und ihre Träume existierten. Ihr Blick schien für all die kleinen Wunder geschärft zu sein – ein schillernder Tropfen Tau auf dem tiefen Grün eines Blattes. Die langsam fortschreitende Verfärbung der Baumwipfel, die im goldenen Sonnenlicht Myriaden an Farbspielen produzierte. Die plötzliche Ruhe der versteckten Lichtungen, flüchtige Momente in denen die Zeit langsamer zwischen den Fingern zerfloss als in den Stunden die ihnen zu zweit gehörten.

Seine täglichen Pflichten nahmen ihn in Anspruch, und nach den ersten Tagen war es ihm nicht mehr möglich sich so oft frei zu machen wie er wohl gern getan hätte. Wann immer sie eines dieser Wunder entdeckte, die ihr in ihrer winzigen, unbedeutenden Schönheit den Atem raubten, wünschte sie Cathal an ihre Seite. Wünschte sich, ihre Hand in seiner zu bergen und mit ihm jeden Augenblick zu genießen. Dennoch verstand und akzeptierte sie seine Entscheidung. Er war ein Ritter, welche Opfer es auch immer verlangen mochte. Er hatte eine große Familie, eine Tochter. Und er wäre nicht der Mensch, der er war, hätte er diese ihm so tief im Herzen verwurzelten Pflichten vernachlässigt. Er bewies ihr jeden Tag aufs Neue, welchen Stellenwert sie in seinem Leben einnahm. Selbst wenn er bis spät in die Nacht über Papieren brütete, konnte sie sicher sein das es irgendwann an ihre Türe klopfte. Und die kleinen Ausflüge im Mondenschein, ihre Unterhaltungen inmitten der schlafenden Stadt hatten etwas entschieden Romantisches.

Nachdem der erste Schock über Mairin, diesen silberlockigen Wirbelwind verklungen war, blieb zwischen ihnen jedoch eine angespannte Vorsicht. Wo zuvor die heitere Leichtigkeit der frischen Liebe das Szepter führte, war in allen Gesten, allen Berührungen nun eine unausgesprochene Frage. War etwas zwischen ihnen gestorben, zerbrochen? Oder musste diese Frage nur beantwortet werden, um die zaghafte Annäherung in Nähe zu verwandeln?

Und ... nun?

Er hatte die Frage schließlich gestellt, zögerlich verpackt in eine belanglose Phrase. Was gab es zu bedenken? Zur Hölle mit Anstand und törichter Angst. Vielleicht würde er nun die Scheu verlieren, ihr zu nahe zu kommen, als wäre sie ein zartes Vögelchen das ein lautes Geräusch verscheuchen könnte.

Bleib bei mir heute Nacht.

Später, als Cathal neben ihr zur Ruhe gekommen war und seine warmen, stillen Atemzüge über ihren Arm strichen, hatte die Welt jene geheimnisvolle Schärfe erlangt, die sie seither begleitete. Und ihr letzter Gedanke, bevor auch sie sich dem vertrauensvollen Schlummer überließ, galt Mairin. Über Scheu und Zurückhaltung hatte ihr abruptes Erscheinen eine Brücke geschlagen, auf der sie nun die ersten Schritte in ein gemeinsames Leben taten.

  • [img]http://img83.imageshack.us/img83/8287/arianacathalsu7.jpg[/img]
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