'Wenigstens bewegen lässt sie sich..' maulte sie sich selbst an. Während im halbdunkel der Nacht die blaue Färbung ihre Knöchel und das Handgelenk umfing. Schwer und träge setzte sie ihre Schritte, als hätte jemand ihre Füße in Blei getaucht. Alles in allem kam ihr die Nacht vor als liefe sie durch kalten Honig. Die wachsende Taubheit umfing ihre Gedanken, bis ihr Blick einem Tunnel gleich in die Nacht vor ihr gerichtet war.
'Praecepta..' War diese Frau jene die sie vermutete? Falls ja, war es Absicht gewesen grade Sie zu holen?
Alles war schief gelaufen von Anfang an. War sie nicht energisch genug als sie ihre Warnung aussprach? 'Umrundet diese Stelle.' und die Dame lief mitten hinein. Sophie ärgerte sich über sich selbst. Mit Helisande damals war es das gleiche bei der Übung. Sie war nicht so energisch wie andere, sie hatte nicht die Statur von von Alexander oder die Erfahrung von Lucien. Dies mal war es eine Unterbrechung, beim nächsten mal wäre der Ausgang unausweichlich.
'VERDAMMT' in ihrem Kopf hämmerte die Enttäuschung wie der Faustschlag eines Ogers. Hätte ihre geschwollene Hand nicht schon genug weh getan, würde sie direkt nochmal irgendwo gegen schlagen. So schleppte sie sich nur in ihr Haus und warf die Tür knallend zu.
Ihr grauste schon davor, Lucien und Beak von ihrem Versagen zu erzählen. Alles bisher erreichte stand auf einmal wieder in Frage. 'Klosterwache... dir hätte der Name schon sagen müssen das es dort nicht ums musizieren geht.' Die Lippen zusammen beißend tauchte sie ihre Hand ins Wasser um sie zumindest etwas zu kühlen. Aber Aufgeben war nicht drin. Sie musste einen Weg durch diese eine Situation finden. Wie von einer Wand aus grauem Nebel umfangen wiederholte sich die Szene vor ihrem geistigen Auge. Wie sie zurück geschleudert wurde und gegen die Wand stieß.
'Wenn ich nur stärker wäre.... Stärker.... stärker...' Ohne das es im Haus, auf der Straße oder gar in Adoran hörbar wäre erklang das Fauchen. Das Fauchen einer sehr großen Raubkatze.
'Stärker!' Sie schüttelte den Kopf, in diese Richtung durften ihre Gedanken nie wieder gehen. Das würde sie nicht zulassen. Alles was ihr fehlte war die Entschlossenheit, einen solchen Hieb konnte man nicht mal eben so blocken. Es musste heißen alles oder nichts.
Doch für heute war es genug. Langsam legte sie ihre Kleider ab, selbst dabei kam sie sich vor wie eine Dame die wenigstens sechzig Sommer gesehen hatte. Im Spiegel blickte sie auf die anderen blauen Flecken, welche sich unnachgiebig über Schulter und Rücken ausbreiteten. Leise seufzend zog sie ihr Nachthemd an und murmelte leise zu sich.
'Das darf niemand sehen.. besonders nicht sie.' Die Gedanken fanden sich bei jener Frau deren warme raue Stimme unter ihrem Blondschopf hervor quoll. 'Wenn sie wüsste was heute passiert ist...' Ein Schaudern erfasste Sophie. Wenigstens diese Eine durfte nichts von den Verletzungen wissen. Es war nicht auszudenken was sie tun würde.






