"Ein letztes Mal..." flüstern die vor Aufregung zitternden Lippen der jungen Frau. Sie nimmt ihren Mantel ab, hängt ihn an der Garderobe auf und begibt sich zu dem Kamin. Nach einer Weile des Herumhantierens mit einem Zunderstein entfacht sich endlich der Rest des angekokelten Feuerholzes im Kamin. Die Flammen schlagen jämmerlich in die Höhe, als wollen sie ihren Trotz zur Schau stellen, doch es bleibt nur bei einem schwach erhellendem Aufbegehren gegen die Dunkelheit. Der Rotschopf lässt den Blick umherschweifen. "Immer noch zu finster." Durch das vom Kamin gespendete Licht etwas beruhigt, schaut sie sich in der Taverne um und entzündet an verschiedenen Plätzen im Raum die Reste der heruntergebrannten Kerzen. Der Anblick der sich ihr bietet, lässt sie wieder aufseufzen, karg und leer liegt der Schankraum vor ihr, viele der einst begehrten Plätze an der Theke waren weg, die verspielt rustikalen Dekorationen abgenommen und das breite Aufgebot an verschiedensten Getränkeflaschen in den Regalen, haben dem grauen trockenen Staub das Feld überlassen. Langezogenes Ausatmen kommt von der jungen Frau als sie sich zu ihrem Mitbringsel begibt und das Leinentuch davon abzieht. Ein Meer verschiedenster Blüten erblicken das Licht und bringen die ersten Kleckse lebendiger Farbe in den verloren wirkenden Raum. Mit eifrigen Handgriffen zupft sie verschiedene Blumen aus dem Blütenmeer, bindet sie zu kleinen Gestecken und beginnt damit die leeren Plätze und Ecken des Schankraums damit zu verhängen und zu dekorieren.
Während das staubige Grau des Raums nach und nach dem lebendigen Farbenspiel der Blüten ergibt, kommen immer wieder vergangene Erinnerungen alter Erlebnisse hier zu Tage. Das erste richtige Zuhause, fernab der Heimat, wo sie alles hätte haben können, dass sie mit ihrer eigenen Arbeit unterhalten konnte. Verrückte Wagnisse, wie ein ungeziemt anrüchiges Theaterstück, welches das erste Treffen zwischen Eri und ihr parodierte, der erste Zug an einer Zigarre, die sie mit Fann teilen durfte und auch das erste Geständnis von Zuneigung gegenüber einem furchtbaren Fehlers.

"Ein letztes Mal..." klingt es wieder von dem, nach stundenlanger Arbeit, etwas erschöpftem Rotschopf. Sie staubt die Sitzfläche eines Stuhls ab, setzt ihn in die Nähe des Kamins und lässt sich darauf nieder. Ihr Blick verfängt sich in dem hypnotischen Tanz des Feuers, wird Zeuge des sinnlosen Kampfes gegen das Erlöschen, die ersten Kerzen brennen bis in ihr Dunkel hernieder und lassen, den noch vor kurzem wieder lebendig wirkenden Raum, mit Schatten überfluten. Immer mehr umgarnt der dunkle Schatten der Nacht die sitzende Frau vor dem Kamin, doch als auch dort das letzte Flämmchen erstirbt, wird der Raum wieder zur Gänze ins Dunkel getaucht und nichts bleibt mehr dort, nur noch Erinnerungen, nur noch Gefühle, die wahrscheinlich irgendwann vertrocknen, wie der Tropfen, der von ihrem Kinn fällt und auf dem Boden landet.
