Es war schon spät am Abend, Faldor kam gerade mit seiner letzten Fuhre Holz zuhause an, das er gerade in aller Ruhe noch im Wald gehackt hat. Freundlich säuselte ihm die angenehm kühle Briese ins Gesicht, als er an seiner Tür einen Gardisten stehen sah. Wer ist das? Was macht jetzt die Garde vor meinem haus? Das waren die Gedanken, die ihm durch den Kopf gingen. Vielleicht ist jemand eingebrochen... vielleicht durchsuchen sie mein Haus... vielleicht habe ich etwas falsches gesagt, ohne es zu merken... vielleicht...
Faldor band sein Packpferd an seinen Anbindpfosten und nickte dem Gardisten freundlich zu. Dieser meinte dann mit einer etwas barschen Stimme, dass er Post von der Garde bekommen habe. Ein kleiner Stein viel ihm vom Herzen. Also wollte der Gardist nichts schlimmes. Was Valia immer von der Garde erzählt, scheinen sie nicht sehr freundlich zu sein. Ein Brief... Demid ist doch Bogner der Garde. Warum bekomme ich jetzt einen Auftrag. Oder ist es überhaupt ein Auftrag?
Der Gardist starrte ihn ungeduldig an. Faldor sagte, dass er sich bedanke und gab dem Gardisten einige Goldmünzen. Er hat ja bis jetzt nichts unhöfliches getan... außer vor meinem Haus stehen und mir ungeduldig Anweisungen geben...
Die Letter hatte das Siegel der königlichen Garde und das Siegel seiner königlichen Hoheit. Er war adressiert an den Handwerksbund zu Varuna. Also nichts persönliches... wahrscheinlich eine normale Möbelbestellung...
Schnell überflog er die Epistel und las sie dann nochmals durch. Ballisten für die Stadt? Er runzelte sachte die Stirn. Sie sollen in einer Woche fertig sein spätestens. Das kann doch nicht war sein. Und heute noch soll ich zu Herrn Krenor und die Kostenvoranschläge darbringen. HEUTE NOCH? Er hatte noch nie Ballisten zuvor gebaut, weder besaß er einen einzigen Plan, wie er es anstellen sollte. Aber er wusste, dass so etwas Monate dauern würde, wenn nicht Jahre.
Er kontaktierte sämtliche Mitglieder des erst neugegründeten Handwerksbundes. Philipe wollte sogleich Holzfällen gehen und Valia bot mir die übliche Verwöhnung an. Tee kochen und essen bringen. Er ritt auch nach Berchgard zu Herrn Thancred und Frau Alliestra, die ihm eine große Hilfe darstellten. Thancred wusste scheinbar besser Bescheid über solche Geschütze, als er und so half er beim Bauplan und beschaffte die Nötigen Metallbeschläge, während Alliestra sich um alle möglichen Drähte kümmerte.
Spät in der Nacht war es ihm dann endlich gelungen, einen Bauplan zu skizzieren, wenn auch sehr unordentlich. Aber einen ungefähren Preis für das ganze soll es schon haben. Valia sagte immer, dass die Garde kaum etwas zahlt und daher dachte er sich, nun etwas mehr zu verlangen Er rechnete das ganze material zusammen und rundete das ganze Ergebnis auf. Wie er Rechnen hasst. Nach einiger Zeit kam er dann auf 350 Kronen und fand, dass das ein guter Preis ist. Damit ging er darauf zu Herrn Krenor und zeigte ihm die Pläne, voller Hoffnung, dass er zufrieden sein werde. Doch er war alles andere, als zufrieden: ICH WILL KEINE BAUPLÄNE ZEICHNEN, ICH WILL, DASS IHR EUCH AN DIE ARBEIT MACHT. SIE SOLLEN NÄCHSTE WOCHE FERTIG SEIN. Zusammenzuckend wunderte er sich nur noch mehr. "Aber wir sind doch in Friedenszeiten. Ballisten zu bauen braucht mehr als ein halbes Jahr, wenn ihr nicht Geschütze haben wollt, die nach dem ersten Schuss untauglich sind".
"DIESE RAHALER KÖNNEN JEDEN MOMENT ANGREIFEN. ICH BENÖTIGE DIESE GESCHÜTZE SOFORT!"
Faldor ging nun verzweifelt wieder aus der Villa des obersten Gardisteens heraus. Er kann nicht hexen und selbst, wenn die ganze Stadt mithilft dauert es.
Die nächste Woche machte sic jeder an die Arbeit, das benötigte Holz zu beschaffen. Fast der ganze Wald wurde der Verteidigung wegen gerodet, aber die Garde wurde immer ungeduldiger. Dank der gesamten Unterstützung des Bundes kamen in zwei Wochen langsam alle Rohstoffe zusammen. Ein weiteres Ereignis verlangsamte das ganze: Es war Einweihungsfest vom Handwerksbund und viele interessierte Gesichter kamen herbei, um die Arbeiter kennen zulernen. Gerade als es richtig laut wurde ertönte laut das Horn von Berchgard und es verstummte urplötzlich. Es er schallte nochmals durch das Tal zur Stadt hinunter und die meisten Besucher verließen das Fest. Panik brach aus und die Einweihung war im Wasser. Kein Mensch war mehr da. Merigo und Philipe rüsteten sich und wollten mitkämpfen und Faldor schloss sich ihnen an. Hatte der Graf wirklich eine Ahnung von dem Angriff oder warum wollte er, dass die Geschütze vor letzter Woche fertig sein sollten...
Er sah Berchgard schon eingenommen mit dunklen Flaggen auf den Türmen. Von hinter der Mauer hörte er Schreie und er dachte an Meril. Er kam nicht zum Fest und er wohnt in Berchgard. Hoffentlich geht es ihm gut. Kaum als er versuchte, einen Blick durch das Tor zu erhaschen, befahl ihm ein Gardist, eine Palisade aufzustellen. Widerwillig machte er sich an die Arbeit, seine Gedanken jedoch waren immer bei Meril.
Am nächsten Morgen machte er sich schon früh auf, um schon einmal damit zu beginnen, das Holz zu bearbeiten, als er an einem schwarzen Aushang Halt machte. Die Königin ist gestorben und Varuna hat einen neuen König namens Meritor I.. Das kann doch nicht sein. Die Königin gestorben? Als er beim Handwerksbund angekommen ist, erwartete ihm eine neue Letter: Er solle zum Schloss kommen. Der Graf möchte mit ihm reden. Mit neuer Trauerkleidung von Valia ritt er zum prachtvollem Schloss, wo ihm Herr de Arganta bereits erwartete. Er führte ihm zum Schlafgemach des Grafen, der totenblass im Bett lag. Er sah aus, als würde er jeden Moment sein Leben verlassen. Mit den üblichen Förmlichkeiten wollte Graf von Hohenfels ihm den Vorschuss von 50 Kronen aushändigen, aber fühlte sich zu schwach dafür. Faldor begleitete somit Rafael zur Bank, wo er ihm das Geld überreichte. Neugierig fragte Faldor dann, wer denn Meritor sei und erfuhr mit Schrecken, dass es der böse Alka ist...
Der Handwerksbund wurde in dieser Kriegszeit oft besucht und das Geschäft florierte. Es stellte sich heraus, dass Meril heil ist. Er hatte eine Unterkunft in Varuna gemietet und dort die Tage verbracht. Die Arbeit an den Ballisten ging aber nur langsam voran, auch wenn alle mithalfen so gut es ging. Das Holz zurechtsägen, die Metallbeschläge anbringen, die Drähte herumwickeln und all das dauerte deutlich mehr als die Woche, die Herr Krenor verlangte. Nach gut einem halben Jahr war alles fertig und bereit, aufgestellt zu werden. Doch auf die Hilfe des Handwerksbund konnte Faldor immer weniger zählen... die schlimmste Zeit brach an, Valia gab den Posten als Leiterin an Faldor ab und verließ den Bund ganz. Mit ihr ging Philipe und noch viele andere. Merigo und Xervath waren nun die einzigen, die ihm halfen, die Ballisten auf den Mauern aufzustellen. Bei jedem Tor in Varuna und Berchgard zwei feste und eine auf Rollen. Die Arbeit war sehr schweißtreibend, noch dazu war es Hochsommer und die Sonne wurde immer gnadenloser. Nach gut noch ein paar Wochen war keine Famrock mehr im Bund und er wurden so klein, dass die Kunden immer enttäuschter wurden. So wurde die schlimme Entscheidung gefällt, den Handwerksbund zu schließen, da er für die Handwerker so wie für die Kunden keinen Vorteil mehr brachte. Der Bau der Ballisten war somit die erste und letzte Aktion vom Handwerksund zu Varuna. Nach gut nocheinmal zwei Wochen standen die Ballisten auf den Mauern und ein Brief lag im Kastell der Garde, dass sie bereit für Probeschüsse sind.