Der Besuch... Fluch oder Segen?

Angelina de Arganta

Der Besuch... Fluch oder Segen?

Beitrag von Angelina de Arganta »

Bis spät in die Nacht ging Angelina unruhig auf und ab. Immer wieder schob sie die Gardine ein wenig beiseite und sah zum Stadttor hinüber, nahm dann ihre Wanderung wieder auf. Er hatte gesagt, sie solle nicht warten, es könne spät werden bis er zurück sei. Doch sie war viel zu aufgewühlt, um an Schlaf zu denken.
Wie ein heftiger Gewittersturm war der alte Graf de Arganta über Angelina hereingebrochen.
Er hatte zwar seinen Besuch mit einem kurzen Schreiben angekündigt, doch als Lina den Brief las, war ihr nicht bewusst, wie lange dieser wohl schon in ihrem Postkasten gelegen hatte und so hatte sie fälschlicherweise angenommen, Rafaels Vater würde in einigen Tagen eintreffen. Als er jedoch am frühen Abend vor ihr stand, sichtlich erfreut, sie zu sehen, rasten ihr alle möglichen Gedanken durch den Kopf und sie hatte Mühe, Freude zu zeigen.
Erst als der alte Herr die Arme ausbreitete und mit einem Scherz gebührende Wiedersehensfreude einforderte, warf sie sich in seine Arme und genoss an seiner breiten Brust für einen Moment das Gefühl der Geborgenheit, das sie nun schon seit längerem vermisste.

Nachdem sie sich bei einem guten Glas Wein gegenüber saßen, erkundigte sich Angelinas Schwiegervater nach seinem Sohn. Er hatte erwartet, ihn ebenfalls begrüßen zu können.
Verlegenheit stieg in Lina auf… sie konnte ihm doch nicht alles sagen… aber.. konnte sie denn ihm, Rafe’s Vater, etwas verheimlichen? Nein… und warum sollte sie das auch?
Dieser Mann strahlte Zuverlässigkeit und Stärke aus. Er war ihr Vater… ihr Schwiegervater. Mit zaghaftem Vertrauen und zögerlichen Worten eröffnete Lina dem Grafen, dass Rafael sie und Antares verlassen hätte und nicht mehr in diesem Hause wohne.

Zornesröte und die zu Fäusten geballten Hände, sowie das Donnern seiner Stimme zeugten von der Empörung, die den alten Herrn erfasst hatten. Er wollte alles genau wissen… und Angelina berichtete ihm, wie es dazu gekommen war. Von ihrem Unfall, ihrer langen Abwesenheit, bedingt durch ihre mehrwöchige Ohnmacht, und von der Tatsache, dass ihr Mann sich einer anderen Frau zugewandt hatte, weil er sie, Angelina, wohl für tot gehalten hatte.
Doch der Vater Rafaels kam unverhohlen auf den Punkt.
„Wenn er sich eine nebenbei hält, warum lebt er dann nicht hier?“
„Weil er im Schloss lebt, Vater.. so sagte er es mir.“
„Kind! Wenn jemand eine Mätresse nimmt, steht sie nur für eines.. aber sie ersetzt nicht Haus, Hof und schon gar nicht das Eheweib!“

Angelina versuchte dem alten Herrn zu erklären, was sie selbst nicht so richtig verstand, doch er fegte ihre Argumente mit einer Handbewegung einfach fort.
„Kennst du sie?“ fragte er und lehnte sich angespannt vor um sie mit den Augen zu fixieren. Angelina nickte und nannte den Namen der Geliebten ihres Mannes.
„Felicitas von Stolzenfels.. sie ist eine junge Baronin. Ihr gehört das Theater in Varuna und sie ist die Bardin bei Hofe des Grafen von Hohenfels.“
Mit donnernder Stimme wiederholte der Graf den Namen und Angelina zog unmerklich den Kopf ein.
Fast wie in einem Verhör erkundigte er sich mit strenger Stimme, was Angelina getan hätte, um ihren Mann zu halten und ob sie ihn noch liebe.. wie sehr sie ihn liebe. Lina beantwortete ihm alles, was er wissen wollte, doch sie bekam dabei ein schlechtes Gewissen. Hatte sie wirklich richtig gehandelt, indem sie Rafael einfach gehen ließ? Hätte sie nicht um ihn… um seine Liebe… kämpfen müssen?
Sie konnte ihre Tränen nicht mehr aufhalten.

Und dann fragte der Graf sie mit wesentlich ruhigerer Stimmlage: „Ich stellte euch beiden eine Frage, bevor ich mein Wort brach. Erinnerst Du Dich an jene?“
Angelina wischte sich über die Wangen in dem Versuch, ihren überfießenden Augen Einhalt zu gebieten.
Welche Frage?... Ihr schwirrte der Kopf und sie konnte kaum einen klaren Gedanken fassen.
Sie schüttelte den Kopf und mochte ihren Schwiegervater nicht länger ansehen.

„Ich fragte euch, was ihr bereit wäret, für eure Liebe zu geben. Erinnerst Du dich an Deine Antwort?“
Angelina sah ihn nur still an, Tränen perlten erneut über ihre Wangen. Ja, das hatte er sie gefragt, bevor er bereit gewesen war, der Hochzeit zwischen Rafe und ihr zuzustimmen.
Ruhig sprach der Graf weiter.
„Du sagtest damals ‚Wenn ich einen Teil meines Lebens geben müsste, so würde ich es tun in dem Wissen, dass ich die Zeit, die mir bleibt, mit ihm glücklich sein könnte.’“
Den Blick weiter auf sie gerichtet fragte er nun nach: „Hast Du diesen Teil Deines Lebens gegeben für ihn?“
Beschämt senkte Angelina ihren Blick und wischte sich leise schniefend eine Träne von der Nase.
„Ich gebe diesen Teil gerade… denn ich war glücklich mit ihm.“
Äußerst ruhig fragte ihr Schwiegervater nach.
„Du hast ihn vorher nicht gegeben?“
„Doch.. ich war immer für ihn da, Vater. Habe alles getan, damit es ihm gut geht..“ Sie sah wieder auf. „.. doch es scheint ihm nicht gereicht zu haben.“
„Kind, keine Frau kann immer für einen Mann da sein und ihm alles geben, was er benötigt.“
Der alte Herr klang, als wüsste er genau, wovon er sprach. „Gegen eine Mätresse spricht nichts… aber der Mittelpunkt seines Lebens gehört seinen Aufgaben, seinem Weib… und seinem Sohn.“
Angelina presste die Lippen aufeinander, als er die Mätresse wieder erwähnte.
Würde sie eine Geliebte akzeptieren, wenn Rafe zu ihr zurückkehren sollte?


Als der Graf sich erhob und zu Angelina trat, um ihr tröstend über den Kopf zu streicheln, hatten sie alles ausgesprochen, was es im Moment zu sagen gab. Er wollte umgehend seinen Sohn aufsuchen und ihn zur Rede stellen.
Angelina sorgte sich um den alten Herren. Er war so aufgebracht gewesen.. das konnte seiner Gesundheit nur schaden.
Am meisten hatte ihn in Rage gebracht, dass er sein Wort wegen Rafaels großer Liebe nicht gehalten hatte… damals, als Angelina und Rafael unbedingt heiraten wollten und der Graf seinem Freund die Heirat mit dessen Tochter und seinem Sohn versprochen hatte.

Angelina war, nachdem ihr Schwiegervater das Haus verlassen hatte, in einer dunklen Robe gehüllt in die Stadt gegangen. Sie war so unruhig…
Sollte sie nicht doch bei dem Gespräch dabei sein?
Der Graf hatte gemeint, das wäre eine Sache zwischen Männern.. auch wenn der eine unehrenhaft wäre.
Vor dem Schloss angekommen, war sie dem Ratsherrn de Dynal begegnet, der ihr berichten konnte, dass ihr Schwiegervater Rafael getroffen hatte und sich die Herren.. Graf Adrian sei auch dabei… ins Schloss zurückgezogen hätten.
Angelina entschied sich, die Männer allein sprechen zu lassen und sich zurückzuhalten. Sie nahm daher das Angebot des Ratsherrn an und trank mit ihm im Rathaus einen Becher Wasser, wobei sie aus dem Irrtum heraus, dass er um sie und Rafael wisse, von der Trennung sprach.
Herr de Dynal reagierte betroffen, doch Angelina konnte ihre Worte nicht wieder zurück nehmen.

Wieder zuhause angekommen, ließ ihre Unruhe sie immer wieder durch den großen Wohnraum wandern, bis sie sich endlich tief in der Nacht zu ihrem Sohn ins Zimmer schlich, um dort ein paar Stunden Schlaf zu finden.
Ihr Schlafgemach hatte sie ihrem Schwiegervater für die Zeit seines Besuches zur Verfügung gestellt.
Zuletzt geändert von Angelina de Arganta am Samstag 16. September 2006, 14:29, insgesamt 1-mal geändert.
Rafael de Arganta

Beitrag von Rafael de Arganta »

Hin und weg....
Alles? Fast alles doch das wichtigste hielt er, hielten zu ihm.
Die Freunde.
Gab es wichtigeres auf Welt?
Er wünschte er könnte ihnen irgendwann all das zurückgeben was er von ihnen erhielt.
Halt, Zuversicht, ... Zukunft.
Dennoch war alles anders geworden seit der Ankunft seines Vaters.
Wie ein Unwetter war er über ihn gekommen, und wie sagte Darna so treffend... Unwetter kündigen sich nicht unbedingt an.

Am Morgen noch hatte er mit Felicitas über die Zukunft geredet, und beide wussten nur das sie sich im Moment genügten. Lange schon hatte sie nicht mehr die unnahbare, hochnäsige Baronin gezeigt, und Rafael freute sich darüber wie ein Kind.
Dennoch war sie über Zwanzig. Sie hatte ebenso Verpflichtungen und man wartete darauf das sie sich einen Mann erwählte und einen Erben präsentieren würde.
Sich sie jedoch in den Armen eines andren Vorstellen das brachte ihn in Rage, und Felicitas wusste das, so das sie ihn beschwörend und beruhigend in den Arm genommen hatte.
Es war nicht einmal ausgeschlossen das sie nicht bereits ein Kind von ihm unter dem Herzen trug.
Die Kräuter waren zwar Wirksam, aber nur bis zu einem bestimmten Grad und bei dem ... Appetit den sie beide hatten...
Wollte sie wenn wirklich seinen Sohn mit einem anderen Mann aufziehen? Arger stieg in ihm auf, auch wenn er sie nur zu gut verstehen konnte.
Sie durfte sich keine Blöße geben und er konnte sie nicht heiraten.
„Glaubst du ich würde zulassen das Er mich berührt?“ hatte sie ihm mit einem Blick in seine Augen gesagt und er hatte sie auch ohne weitere Worte verstanden.
Sie wollte ihn. Nur ihn. Und er vermochte das Gefühl in seiner Brust nicht zu beschreiben.
Sie würden einen Weg finden, doch was dann auf ihn einstürzte war mehr als er alleine bewältigen konnte.

Sein Vater.

Kein Gruß, keine Freude sondern Wut... war es den er in den Augen seines Vaters lesen konnte, und ohne das Rafael es wusste, ahnte er doch das sein alter Herr bescheid wusste, weswegen er her gekommen war.
Kerzengrade hatte er vor seinem Sohn gestanden, einen Blick der ihn als Kind schon so oft ein zu schüchtern vermochte.
„Es ist schon eine Weile her das wir uns sahen und ich denke das du mir einiges zu erzählen hast.“
Rafael wusste sofort worauf der Graf hinaus wollte. Doch brachte er erst einige belanglose Dinge auf den Tisch während sein Verstand fieberhaft arbeitete.
Dann jedoch auf weiteres Drängen brachte er den Punkt auf den Tisch.
Er erzählte ihm das er sich von Angelina getrennt hatte, auch das Warum und das es eine neue Frau in seinem Leben geben würde, worauf sein Vater nun erstmals Laut wurde.
„DU WAGST ES; MICH UND DEINE FAMILIE VOR DEM ADEL UND DEM POEBEL
DERART IN UNEHRE ZU STOSSEN?
ICH HABE MEIN WORT GEBROCHEN FUER DEINE GROSSSE LIEBE!!
NIEMAND!!
NIEMAND WIRD EIN WORT DARUEBER VERLIEREN; WENN DU DIR EINE MAETRESSE HAELTST KEINE FRAU KANN IMMER FUER IHREN MANN DA SEIN UND ALLE SEINE WUENSCHE ERFUELLEN.
ABER DAS!!!
DAS WAS DU GETAN HAST IST IN HOECHSTEM MASSE UNEHRENHAFT!!!“

Rafael hielt sich nur mit Mühe zurück, und schoss sofort gegen. „Sie ist keine Mätresse! Sie ist eine Frau von Adel. Eine Baronin, und trägt vielleicht schon mein Kind unter dem
Herzen. Du weißt schon das Angelina keine bekommen kann, oder?“ Damit hatte er Versuchteerweise einen Trumpf ausgespielt, da er ja wusste wie erpicht sein Vater auf Enkel war.
Es gereichte auch... für ungefähr 2 Sekunden der Fassungslosigkeit, und dafür das er seinen Ton milderte, jedoch um gefährlicher weise weiter zu sprechen.
Er fragte ihn was er damals versprochen hatte, und Rafael sagte es ihm mit bebender Stimme, doch Arthur war es nicht genug. Er wiederholte es Wort für Wort. „Ich werde dir sagen, was du damals sagtest und mich dazu brachtest mein Wort zu brechen, so das die arrangierte Heirat nicht von satten gehen musste.
Was du geben wolltest ....
Alles was ich besitze.. und wenn es ein leben in Armut wäre.. als Bauer!“
Der Graf stand immer noch vor ihm, zu ihm gebeugt. „Ich erwarte, dass du einlöst was du um der liebe willen geschworen hast! Du wirst deinem Besitz entsagen... du wirst als knecht bei einem Bauern dich verdingen... und du wirst deine Titel ablegen.“
Ungläubig blickte Rafael seinen Vater an.
„Ich bin Ritter, Vater!“ schleuderte er ihm entgegne.
„Du bist ein ehrloser Ritter! Ich verstoße dich aus der Familie.. bis die zeit gekommen ist...
da du zu mir kommst und bei Verstand bist und dich nicht einlullen hast lassen von den Klängen einer HARFE!“

Rafael hielt es nicht mehr auf dem Stuhl. „Das kannst du nicht! Baust du lieber auf Michael, der dein Hab und gut Versoffen und verhurt hat? Er kann dir nicht mehr Erbe sein noch dir Erben bringen. Siehst du nicht das ich mir meinen Namen verdient habe?“
„Was hast du dir verdient? Ehrlosigkeit? deine Familie in den schmutz zu treten? Den Namen, den hat man dir in die Wiege gelegt und den du nun verloren hast. ... und verhurt! Das trifft es nicht wahr mein... Sohn?“
„Wage es nicht aus zu sprechen was du denkst !!!“ brüllte nun Rafael dagegen. In ihm herrschte Wut, Trauer und Fassungslosigkeit.
„Du wagst es mir zu drohen?“ fauchte sein Vater ihn an. „So lange du verheiratet bist.. ist sie deine Mätresse! und solange ist dein Heim dort, wo dein Weib ist!
Aber das hast du verspielt.. mein Wort steht! Du wirst deine Kleidung ablegen und dich als knecht verdingen! Du wirst sie nicht sehen und dein Weib nicht.. mag sein, dass dein verstand und der Begriff von Ehre wieder dort hin gelangt, wo er hin gehört“
„Das ist ... unakzeptabel!“ hielt Rafael dagegen doch Arthur durchbohrte ihn fast mit seinem Blick. „Das ist das, was du tun wirst! Darüber werde ich kein weiteres Wort verlieren! Und vielleicht denkst du im Heu nach getanener Arbeit darüber nach, wann du das letzte mal
zu Temora gebetet hast!“
„Und wenn ich entscheide das ich mein Leben mit Felicitas verbringen will?“
„Diese Entscheidung obliegt nicht dir!!!
Und solltest... du dich meiner Anweisung wiedersetzen... wird bereits morgen jeder von deiner Mätresse erfahren haben!“

Die Worte des alten Grafens gesprochen waren wie ein Faustschlag für Rafael.
Er würde Felicitas damit kompromittieren.
Seine nächsten Worte sprach er wie im Rausch, und nicht viel hätte gefehlt und er hätte seinen Vater gefordert.
Aber er war noch immer sein Vater.
Seine Worte, seine Wut und seine Entscheidung waren unumstößlich und er wünschte noch den Grafen zu sprechen um diesen seine Entscheidung mit zu teilen.
Und so verließ Rafael erst einmal den Raum um Adrian zu seinem Vater zu bitten.
Er selber ... rüstete sich.
Ein Drache oder gegen Rahaler ziehen war allemal Ehrhafter als das was sein Vater forderte.
Er war voller Zorn, und wollte es sich selber und auch seinem Vater beweisen.
Michael ...
Wahrscheinlich wäre sein Vater froh wenn statt seinem großen Bruder er darniederliegen würde. Wahrscheinlich wäre es ihm auch egal wenn er tot selber tot wäre.
Sollte er doch!
Sollte er doch auf Michael bauen, er war mal wieder der kleine, der der zu nichts taugte.
Verbissen schnallte er sich das Schwert um.
Adrian von Hohenfels

Beitrag von Adrian von Hohenfels »

Konnte ein Abend schlimmer enden? Er vermochte es sich kaum auszumalen. Freundschaft war das eine, die Pflicht vor dem Reich in diesem Fall die höhere Macht. Allen war es bewusst. Er mochte wirklich nicht in Rafaels Haut stecken.

Ungern liess er Rafael dort im Gang zurück, deutlich erkennend was in ihm vorgehen musste. Das Versprechen abringend, dass er hier warten würde, schritt er schliesslich in das Arbeitszimmer, sich dem Gespräch mit Graf de Arganta stellend. Die eben beendete durchaus lautstarke Unterredung zwischen Vater und Sohn liess kaum gutes erahnen. Nicht auszudenken, hätte Rafaels Vater ihn wenige Minuten in jener Situation im Rathaus vorgefunden. Geflissentlich hatte Adrian alle Bedienstete in ihre Räumlichkeiten gescheucht, waren ihre länger werdenden Ohren ihnen nur zu deutlich anzusehen gewesen.

Die Anordnungen und Entscheidungen des Grafen de Arganta waren eindeutig. Diese Angelegenheiten betrafen die Familie. Sein Recht war es, Adrians Pflicht diesen Anordnungen zu entsprechen. Der Versuch als Freund des Sohnes auf den Vater einzuwirken, war von keinem Erfolg gekrönt. So hatte der Graf seine Pflicht angenommen, den Vater zu unterstützen. Pflicht konnte manches mal Fluch sein und doch war sie einzuhalten.

Er konnte nur hoffen, dass Rafael sich fing. An dem Halt durch die Freunde würde es gewiss nicht mangeln.
Antarian von Weylenstein

Beitrag von Antarian von Weylenstein »

Das Rathaus, es kann ein Fluch sein das auf einem Menschen lastet. Antarian arbeitet hart, immer wieder fing er neues Wissen auf. Was davon soll er den Grafen erzählen? Was davon an dem Hauptmann weiter reichen? Intriegen, Pläne, Hoffnungen, Sorgen, der Adel ist eine klasse für sich. Antarian war mittlerweile mit seinem Amt vollkommen zufrieden. Aber wissen zu tragen, mit niemanden reden zu können darüber, ist auf Dauer doch etwas schwer. An einem Gespräch in einer Taverne, acht zu geben, nicht das falsche zu sagen, es verlangt oft seine ganze Konzentration. Jetzt ist wieder so ein aktuelles bespiel.

Rafael de Argante, die Trennung von seiner Gemahlin, die Baronin als, Geliebte? Wieder etwas worüber er bescheit weiss und es gar nicht Wissen will. Wie soll er sich zukünftig verhalten? Entschieden wars schnell, Antarian machte das, was er am besten kann. Seinen Mundhalten, lächeln, lauschen und seinen Arbeiten nachgehen. Wieder ein Themengebiet mehr worüber er bescheit wusste und niemanden hatte, mit dem er darüber zu sprechen Vermag. Rein davon abgesehen, dass es Ihm doch eh nichts Angeht? Würde er etwas sagen, würde er doch dem Reich schaden, indem der Ruf eines Adeligen geschmälert wird.

Antarian war für sich selbst aber auch im klaren, Rafael, müsse sich um sein Kind kümmern, so er dies nicht vollbringt, erst dann, würde er von Antarian wahrscheinlich im Rathaus nur noch ein schiefes lächeln ernten. Antarian würde ihn nicht mehr für voll nehmen können. Aber selbst wenn, wem Interessiert das überhaupt? Er ist eine Stimme, eine Person, die etwas weiss und nichts sagen kann und darf. Die Dame de Arganta, ihr Schicksal bedauerte Antarian. Zu lieben und nicht geliebt zu werden. Aber was würde er machen können? Nichts. Er hoffte, es würde baldigst wieder alles in geregelten bahnen verlaufen können, die Liebenden sich halten, Kind sein Vaterin den armen haltend. Angelina vom Kummer weg kommend, vielleicht vermag sie es eines Tages eine neue Liebe zu finden? Hoffnung, ist etwas das uns alle am Leben hält.
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Wieso kam er ihr so fremd vor? Wieso kam er ihr vor wie ein dummes Kind, wie ein kleiner Bruder, der anfing, den falschen Weg zu gehen? Anfing... wann hatte es überhaupt angefangen? Das kam doch nicht plötzlich. "Dem Reich zur Ehr", lautete sein Gruß, seit... Wochen...?

Woher kam dieses kalte Schaudern, immer wieder, dieses eisige Gefühl, das ihr den Magen zusammenzog und ihre Schultern beben ließ? Sie hatte ähnliches in Rahal empfunden, und als sie zu dicht bei Letast gestanden hatte. Als schreie etwas in ihr auf, nach ihrer Aufmerksamkeit verlangend - "Gefahr! Mach die Augen auf!"
Wie verfolgt hetzte ihr Blick zur Tür.

"Sprecht Euch aus, Euer Starren macht mich nicht ruhiger im Moment." Ihr gegenüber saß seine Hoheit - der Graf, ihr Dienstherr, ihr teils väterlicher Freund. Er hatte die oft stillen Signale seiner Ritterin zu deuten gelernt, so wie sie ihn kennenlernte, gegenseitiges Vertrauen war erst heute im Rathaus erneut bestärkt worden.
"Ich erschrecke gerade, wieviel bezüglich dieser Sache an mir vorbeigegangen ist, dabei ist Rafael mein Freund - beziehungsweise...", sie runzelte die Stirn, "Ich glaube, ich hab da... einiges übersehen, was ich hätte bemerken sollen. Und jetzt... hör ich sowas und werd das Gefühl nicht los, daß er gerade in irgendeinen Strudel hineingerissen wird, der kaum mehr aufzuhalten scheint - aber... etwas, was nicht sein darf."
Sie dachte an Luzcilla, um zu wissen, was verhindert werden musste. Sie dachte an die Hexereivorwürfe, um zu erahnen, in was Rafael sich gefangen sah.

Freunde...
Sie sah kurze Zeit danach, wie Rafael, Felicitas und Adrian beieinander standen und fühlte sich seltsam fern, sie saß ein wenig abseits, beobachtete - aber es war... in keinster Weise ein unangenehmes Gefühl.
...erhebe ich mein Antlitz, um meine Augen zu öffnen für alles, was wahr ist.
Rafael blieb an der Seite von Felicitas. Er baute auf die Treue zu Adrian. Er liebte, hatte Freunde. Daran war kein Fehl. Doch Treue war hier genau der Stolperstein. Erst einmal auf die Dringlichkeit der Dinge aufmerksam geworden, hatte sie die teils nur nebenher gesammelten Beobachtungen zusammengetragen und analysiert, wie einen Mordfall oder einen Schlachtenplan.
"Lady Angelina lebt - und offenbar hat er sein Herz an die Frau Baronin vergeben. Wenn er davon nicht lassen will, worüber sich also nun wohl sein Vater - zu recht - empört, muß es ernst sein - sehr ernst. Dann kann er gar nicht 'richtig' entscheiden. Beides ist falsch."
Es gab aber keine ausweglosen Situationen. Dies lehrte spätestens ihr Verständnis von Tapferkeit. Es schien alles so seltsam klar, daß sie sich schon altklug vorkam. Sie konnte vieles nachempfinden, weil sie es selber in ähnlicher Form erlebt, empfunden hatte, nun konnte sie abgeklärt beobachten, erkennen - und hoffentlich helfen, wo sie es nur vermochte.

Sie stand langsam auf und trat zu den dreien, störte den gerade herrschenden Kreis der Intimität nicht, wie sie sich Trost und Hilfe zusprachen. Sie war da, sie war Teil davon. Sie rührte diese herrliche Ruhe in sich nicht an. Sie beobachtete, wie Adrian der Liebe seines Freundes als Freund seinen Segen gab, indem er trotz verhängtem Hausarrest bekundete, daß er ihn nicht die ganze Zeit im Auge behalten könne und nun schlafen gehe. Sie registrierte.
Ihre Zeit des Bündnisses kam, als bis auf Rafael und sie der Saal leer war.
"Ich möchte... mich entschuldigen, Rafael, auch wenn eine Entschuldigung dieser Art womöglich von Euch abgewiegelt werden wird." Sie sprach ohne Scham die Worte, die ihr zu sagen nötig schienen. "Ich habe erst heute Abend begriffen, vor was ich die letzten Wochen teils die Augen verschloß - wie es Euch geht, was mit Euch passiert. Heute drohtet Ihr mir fast, entfremdet zu wirken. Ich möchte, daß Ihr wisst, daß ich immer für Euch da bin."
Er schluckte sichtlich bewegt.
Doch sie sprach auch die bittere Wahrheit an: "Ich vertraue auf Euch, weil ich sehe, daß Ihr Treue als Fundament in Eurem Herzen tragt... auch wenn genau das gerade bezweifelt wird."
Er verzog schmerzhaft das Gesicht.

Sie hatte sorgfältig beobachtet, wie sie hoffte - er hatte sie schon einen Abend zuvor gefragt, ob er trotz der Geschehnisse auf ihre Freundschaft zählen könne, und etwas in ihr hatte sich geweigert, ihm eine Generalamnestie zu gewähren. Er war Ritter. Er hatte Pflichten zu erfüllen. Er war ein Mensch, und eine seiner Schwächen schien immer wieder eine gewisse Wankelmütigkeit in Gefühlsdingen zu sein, erst Schaden und Verwüstung anrichtete und hinterher wie ein kleiner Junge Reue zeigte.
Auch hier war der Schaden wieder einmal bereits geschehen, er musste endlich einmal lernen, weiteren Schaden vorausschauend zu begrenzen oder gar zu verhindern. Sein Herz hatte Angelina für tot gehalten und dies war ein ehrliches Empfinden gewesen - nicht einmal Darna hatte es ihm absprechen und ihm Hoffnung machen wollen, als sie diesen Blick von ihm gesehen hatte.
Doch er musste nun bestehen, zu seinen Entscheidungen stehen, Schaden eindämmen und seinen Weg gehen, auf eigenen Füßen stehend, das verlangte sie von ihm als Bruder im Ritterstand. Freunde waren da, einem Halt zu geben, wenn man strauchelte - doch nicht, ihn fortwährend stützend mitzuschleifen.

"Ich hab bestanden...", sagte sie leise, "Ihr werdet es auch.
Seht Euch morgens ins Gesicht, und wenn Ihr das könnt, ist alles gut."
"Wenn ich an Angelina denke... kann ich es nicht, Darna."
"Ihr könnt nicht zwei Wegen folgen, also prüft Euer Herz."
Sie nahm ihn ins Gebet und prüfte ihn, hinterfragte seine Taten, um ihm Gewißheit über sein eigenes Tun zu geben und um für sich selber zu entscheiden, ob dieser Mann nach bestem Wissen und Gewissen alles für andere getan hatte, was in seiner Macht stand - denn das war die Pflicht eines jeden Ritters.

"Habt Ihr irgendwas ausgelassen, irgendwas versäumt, gibt es noch irgendwas, was Ihr tun müsst?"
"Ich weiß es nicht. Wirklich nicht."
"Dann öffnet Eure Augen und schaut nach", sprach sie streng, "Und wenn Ihr trotz allem besten Willen nicht findet, dann begnügt Euch darin. Denn vorher mangelt es an Eifer, darüber hinaus an Demut."
Grenzen erkennen, zu ihnen hinzustreben, um das Beste zu geben und die Grenzen dann aber auch zu respektieren... War er nachlässig geworden in seinem Streben, Ritter zu sein? Ritterlich zu sein?
"Und Demut ist es, was ich in der nächsten Zeit lernen werde."
Ställe ausmisten... das waren die einfachen Wege, die man Knappen wies, um die Notwendigkeit der Beugung vor unangenehmen Dingen zu vermitteln.
"Ihr seid Ritter... habt Ihr diese Tugend denn etwa vergessen? Dann habt Ihr recht."
"Nein nein, ich denke nicht, daß ich die Tugenden vergessen habe. Aber so werde ich mich jetzt zur Ruhe begeben."

Es würde sich weisen, wie es um ihn, seine Gefühle und seine Eide stand. Als Freundin hatte sie ihn unter Beschuß genommen. Und auch ihr blieb das Gefühl, daß es nicht gut war, ihn in diesen Stunden - wenn im Mindesten auch nur körperlich - allein zu lassen. Draußen war die Baronin.
"Wachwechsel ist fünf Minuten vor der vollen Stunde", merkte sie beiläufig an und ging, "Schlaft gut."

Vor dem ersten Hahnenkrähen später änderte sie zeitlich vorgezogen die sich sonst nach anderem Muster ändernden Zeiten der Wachübergaben.
Rafael de Arganta

Beitrag von Rafael de Arganta »

Noch während er sich die Plattenhandschuhe überzog fühlte er wie ihm jemand auf die Schulter schlug und er wirbelte herum.
Ehre, einen Drachen erlegen war Ehre, oder der Tot... Adrian hätte ihn wohl fast erschlagen wegen jenem Satz und drängte ihn zu einem erneuten Gespräch.
Er verbot ihm das Schloss zu verlassen, noch wäre er sein Graf, und Rafael wäre am liebsten aufgefahren dafür.
Wie ein großer Bruder stand Adrian vor ihm und versetzte ihm sogar einen leichten Klaps auf die Wange damit er erwache.
Ein Drache wäre nicht die Lösung.... „Und du würdest hier nicht durchkommen, ich würde dich aufhalten, wenn es sein muss mit dem Rapier!“ erscholl dann auch noch die Stimme der Baronin von der Tür her.

Licht in der Finsternis ....
Felicitas....
Ein warmes Gefühl durchströmte ihn, stolz darauf das sie gerade ihm zugetan war, und Scham das er sie in all das hereinzog.
Aber was sollte er tun.
„Ich bin ein Nichts. Ein Niemand. Ein Bauer jetzt!“ würde sie ihn trotz alledem nehmen?
Sie wollte.
Niemals hätte er es für Möglich gehalten, und er vermochte minutenlang nichts weiter zu sagen,. Als sie in seine Arme zu ziehen.
Adrian hatte sich diskret mit der hinzutretenden Darna entfernt, so das er einige Minuten mit Felicitas alleine hatte.
Sie würde zu ihm stehen, auf ihn warten ihm helfen. Aber er sollte jene Prüfung bestehen.
Gemeinsam mit ihr bestehen. Er würde seinem Vater zeigen wer er war.
Jetzt erst recht.
Mochten reden wer wollte, er sollte wissen wer er war, und jene die ihn näher kannten würde wissen was er für ein Mann war. Wie es tief in ihm aussah.

Der Streit mit seinem Vater tat ihm mehr weh als er je zugegeben hatte.
Er hatte ihn immer geliebt, wenn er auch meist Michael den Vorrang gegeben hatte.
Michael ... der Ältere, besonnenere ... der das fast das gesamte Vermögen durchgebracht hatte und nun so krank von seinen.... Ausflügen war das er ihm niemals mehr Erbe sein konnte, noch Erben schenken können würde.
Wie konnte er ihn also verstoßen? Hatte er denn keine Gefühle? Keine einzigen für seinen Sohn? Warum sah er nicht wer er war, was er aus sich gemacht hatte.
Er hielt Feli in seinen Armen und das gab ihm Halt.
Ihre Liebe und die Freundschaft seiner Freunde.
Gemeinsam gingen sie zu Adrian der mit Darna im Speisesaal saß und erneut sprachen sie von den Problemen.
Rafael würde es durchstehen!
Hoch erhobenen Hauptes, im Wissen um jene die sicher glauben würden er stolpere.
Aber auch im Wissen um jene die ihm Halt gaben.

„nicht mal ein Ritter bin ich mehr.“ Meinte er und Adrian erklärte ihm sofort das er für ihn immer der Ritter bleiben würde, und er mit Freuden auch ein weiteres mal bald seinen Schwur annehmen würde. Doch den wohl tiefsinnigsten Spruch ließ sich von Darna vernehmen.
„Ein Ritter ist man aus sich selber heraus.“
Ja.
Mochte er sich im Moment auch nicht mehr so nennen dürfen. Er war es!
War es mit seinem ganzen Sein.
Für Reich, den Hohenefels und der Grafschaft.
Egal was kommen würde.
Die Hoffnung, die das Risiko scheut, ist keine Hoffnung. Hoffen heißt, an das Abenteuer der Liebe glauben, Vertrauen zu den Menschen haben, die zu einem Standen und mit ihnen den Sprung ins Ungewisse wagen.

Was seinen Vater anging, so wusste er nicht was werden würde. Die Schmach brannte tief in ihm, der Wunsch von ihm akzeptiert zu werden und das er stolz auf ihn sein würde.
Aber dafür etwas tun zudem er nicht bereit war?
Das konnte er nicht.
Damit würde er alles verraten an das er je geglaubt hatte.

Diese Nacht noch würde er mit Felicitas verbringen.
Eine Nacht im Rausch gefüllt voller Liebe, und dem bei einander sein.
Sie sprachen nicht viel. Hielten sich lange einfach nur in den Armen, einander Nähe schenkend. In der Gewissheit das sie zu einander gehörten.

Nur wer verzagend das Steuer loslässt, ist im Sturm verloren.
Er wollte seinen Kurs halten.
Er wollte zum Ende des Lichtes!
Auf geradem Wege.
Er wollte zu einem Leben mit Felicitas!
Rafael de Arganta

Beitrag von Rafael de Arganta »

Irgendwie hoffte er noch immer das er aus diesem Alptraum erwachen würde. Aber er konnte sich zwicken so viel er wollte, es blieb für ihn grausame Realität.
Er hatte alles Verloren.
Alles?
Nein, er hatte eine Liebe dazu gewonnen. Felicitas.
Aber war es all das Wert ?
Er brauchte keine Antwort aus zu sprechen, er wusste es.
Ja.
Sie war hatte zwei mal seine Seele geheilt, und das zweite Mal war sie darin hängen geblieben.
Wie ein Hauch erst, dann wie ein Sturm dem er sich nicht entziehen konnte, nein wollte.

Als wäre all das was ihm wiederfahren war noch nicht schlimm genug, setzte am gestrigen Tage das Schicksal noch einen oben auf.
Abends noch war er bei der Theatereinweihung gewesen, und konnte sich gar nicht den Liedern verschließen die Felicitas zum Besten gab. Er fühlte sich angesprochen durch ein Jedes von ihr, und beim Letzten war er nahe davor seine Fassung zu verlieren.
Nur mit Mühe hatte er sich die Tränen fortgewischt, ärgerlich über sich selber, aber ihre Worte hatten ihn tief gerührt.

„ich sehe dunkle Wolken
Draußen aus dem Fenster
Ich weiß der Sturm kommt und
Erinnert
Und der Donner bestätigt meine Ängste
Und ich weiß das Tränen in ihm sind“


Rezitierte er die erste Strophe in seinem Geiste. Wie recht sie hatte.
Der Sturm in den sie geraten waren, den sie durchstehen würden.
Der Rest des Liedes... war für ihn wie eine traurige Liebeserklärung an ihn gewesen.
Er würde jenes Lied in seinem Herzen behalten wie all ihre Worte, ihre Gesten, ihre Zärtlichkeit und Leidenschaft.

Die Angst sie zu verlieren, nachdem man ihm alles genommen hatte, hatte ihm die Kehle zugeschnürt.
Jeder der die Baronin ... BARONIN kannte, hätte wohl sein gesamtes Hab und Gut darauf gesetzt das sie einen ... Bauern an ihrer Seite nicht sehen wollte, sich von ihm abwenden würde., aber allen zum Trotz stand sie zu ihm.

Adrian war gedungen worden als Truchsess und Lehnsherr, ihm als Ritter den Befehl zu geben zu Angelina zurück zu kehren. Rafael tat es leid das sein Freund nun so sehr in das Alles mit hinein gezogen wurde. Das hatte er niemals gewollt, aber es war unabänderlich.
„Als Graf und Truchsess befehle ich dir zu deiner Frau zurückzukehren gemäss der Order deines Vaters!“ hörte er die Kühle Stimme des Grafen noch lange in seinen Ohren.

Welch Hohn des Schicksals. Als würde es noch nicht reichen was er Angelina angetan hatte, so wurde er nun gezwungen Offen seinem Grafen zu widersprechen.
Er wusste das es Adrian genauso schwer fiel und er wusste das sie beide wussten wie er antworten musste, als er das Knie beugte.
„Eurer Hoheit, und mein Lehnsherr. Ich muss eurer Order widersprechen, und werde sie nicht befolgen.“ Sprach er versucht ruhig, aber wer ihn kannte mit einem Zittern in der Stimme, wissend was kommen würde.
„Ihr seid als Ritter des Reiches entlassen bis dar ihr eure Ehre vor aller Augen akzeptiert
wiederhergestellt habt.“
Der Satz rauschte in seinen Ohren und auch wenn er ihn hatte kommen sehen, war es wie eine Ohrfeige für ihn.
Wie blind war er aufgestanden, hörte Felicitas weinen, und ging zu ihr um sie in die Arme zu nehmen, ihr Halt zu geben, aber auch sich selber ihrer Nähe versichernd.
Alles verloren. Alles außer ihrer Liebe.
Sie wollte weiterhin zu ihm stehen, wollte seine Liebe wie sie auch ihm die ihre Schenken wollte.

Eileen wäre beinahe auf Adrian losgegangen, und nur mit Mühe vermochten sie sich alle zu beruhigen, wobei Rafael Adrian verteidigte.
Er musst so handeln! War dem Reich schuldig.
Aber auch Rafael musste Handeln. Alleine das Felicitas weiter zu ihm stehen würde, gab ihm Halt, und seine Freunde ... er fühlte das alles gut werden würde, musste.
Denn wer konnte wirklich tief fallen mit solchen Freunden.
Als es Klopfte und ein Gardist ankündigte das die Allianz vor den Schlosstoren stand, entschuldigte er sich.
ER hatte ja das treffen selber anberaumt und war schon eine Stunde zu spät. Die Dringlichkeit mit der er jene orderte ließ sie wohl zu ihm kommen.

So ließ er sie ein, sammelte sie um sich am Teich und schickte Gardisten fort die Zuhören konnten.
Er legte alles dar. Seine ... Verfehlung, das er Angelina verlassen hatte und eine neue Liebe gefunden hätte.
Er erklärte das er nun als ein Niemand vor ihnen stehen würde, und er stellte die Vertrauensfrage.
Natürlich war jene Entscheidung schwer... für ein Jeden von ihnen.
Alle kannten und schätzten Angelina, und sicherlich wussten sie was er ihr damit antat. Doch einer nach dem Anderen Stellte sich hinter ihn. Sprachen ihm die Treue aus.
Mons, Louis, Zeron ... alte Weggefährten und ebenso die Neuen.
Es trieb Rafael die Tränen in die Augen.
Er hatte nicht alles verloren.
Sichtlicher Stolz auf jene Mannen erfüllte ihn und als er er ihnen erklärte das er mit der Allianz dem Reich die Treue schwören wollte, stimmten sie alle zu.

Schwere Schritte und argwöhnische Blicke der Wachen säumten ihren Weg hinein ins Schloss.
Lautstark rief er nach Adrian der mit sichtlich irritiertem Blick dem Aufmarsch begegnete, und auch als er und all jene die hinter ihm standen das Knie vor ihm beugten.
„Man kann mir meine Titel nehmen.... man kann mir meine Würde nehmen, aber nicht den Wunsch dem Reich, dem Prinzregenten und dem Grafen zu dienen.“
Sprach er voller Inbrunst aus.
Und dann sprach er den Schwur aus.
Den Schwur für die Allianz auf das Reich.
Seine Brust bebte bei den Worten, nah den Tränen, aber auch mit Stolz und Freude, und er sah das es dem Grafen und den dazu getretenen Frauen nicht anders ging.
Adrian nahm den Schwur entgegen, und akzeptierte ihn.
Eileen selber ging zu jedem seiner Leute hin und reichte ihnen die Hand.
Konnte er Arm sein?
War man denn nicht schon reich wenn man alleine solche wahren Freunde und Wegbegleiter hatte?

Zeron führte die Allianzler später wieder hinaus und er selber verabschiedete sich auch bald um zu Angelina zu gehen.
Erneut wollte er sehen ob er mit Tari sprechen konnte, aber dieser Schlief bereits.

Mit gemischten Gefühlen, trat er seiner Noch Frau gegenüber.
Erklärte sich einverstanden Tari so es ging Morgen auf zu suchen, und bedeutete ihr das er sich um dessen Ausbildung gekümmert hatte.
Page bei den Llastobhars sollte er werden.
Ja, er redete um den Heißen Brei herum und als er dann doch schließlich zum Kern der Sache kam, sprach aus Angelina mehr als nur verletzter Stolz.
Nein.
Sie würde in die Scheidung nicht einwilligen. Er war ihr Mann, er hatte sich verrannt, war den klängen der Musik verfallen, und sie liebte ihn noch immer.
Egal was er sagte, anbrachte. Er stieß auf taube Ohren.

Er konnte ihr nicht mehr der Mann sein den sie brauchte.
Ihre Stimmungen schwankten zwischen Angriff, Selbstverteidigung und Ruhigem Verständnis und er bedauerte was er ihr angetan hatte. Was sie erleiden musste.
Doch auch wenn er wusste wie er ihr Leid beenden konnte, in dem er einfach zu ihr zurückkehrte, wusste er auch das er es nicht wollte.
Nein Liebe konnte man nicht so einfach fortwischen, aber sie konnte verblassen.
Auch wenn es ihm unendlich leid tat, so wollte er nicht von Felicitas lassen.
Sie bot ihm an das es immer noch sein Haus wäre, das er hier mit ihr wohnen könnte, aber er schlug es aus.
Am Ende einigten sie sich das sie ihn und Tari, zu Cathal begleiten und er selber, so oft es ging Tari besuchen würde.

Rafael hoffte das sie es überstehen würde, stark genug sein würde um eines Tages zu verstehen zu vergeben und los zu lassen.
Angelina de Arganta

Beitrag von Angelina de Arganta »

Es war nun schon einige Tage her, dass Rafael am Abend bei Angelina erschienen war.

Antares schlief schon und so konnte das Gespräch zwischen Vater und Sohn nicht stattfinden, jedoch informierte Rafael seine Gattin mit wenigen Worten darüber, dass er des Ritterstandes enthoben wäre. Er machte seinen Vater dafür verantwortlich, doch Angelina hatte da eine etwas andere Sicht der Dinge und versuchte sie Rafael auch näher zu bringen.
Sie wusste ganz sicher, dass der Graf, Rafaels Vater, ihn liebte und auch mit strengen Maßnahmen nur das Beste für seinen Sohn wollte. Vater de Arganta wollte, dass sein Sohn wieder zur Besinnung kam und sein unehrenhaftes Verhalten seiner Familie gegenüber sühnte. Doch Rafael schien verbittert.
Und dann äußerte er sein Anliegen… weshalb er wohl überhaupt gekommen war.
Er wollte die Scheidung, damit er sein Verhältnis zur Baronin legalisieren konnte.
Angelina war betroffen. Hatte sie doch bisher immer noch gehofft, dass Rafe eines Tages zurückkehren würde.
„Es werden viele Ehen ohne Liebe geschlossen, Rafe… Liebe ist kein Grund eine Ehe zu schließen, noch sie aufzuheben.“

Was dachte er sich eigentlich dabei, ging es ihr durch den Sinn.
Gerade hatte sie sich einigermaßen damit abgefunden, dass er nicht mehr da war für sie, dass ihre Sehnsucht nach ihrem Gatten ungestillt bleiben würde, da kam er mit dieser Forderung zu ihr!
„Nein, Rafe.. ich werde mich nicht scheiden lassen. Außerdem kann nur die Heiligkeit selbst darüber befinden.“
Sie sprachen unter anderem auch darüber, dass seine Geliebte Kinder wolle und er erzählte ihr, dass sie nur Kinder von einem Mann möchte, den sie liebt.
Es schmerzte Angelina, sich das anzuhören und sie vermied es, ihn anzusehen.
Doch als er weitersprach und erklärte, dass seine Felicitas ihm versprochen hätte, dass kein anderer Mann sie berühren dürfe, selbst wenn sie einen anderen als Rafe heiraten müsse, konnte sich Angelina ein Schmunzeln nicht verkneifen.
„Ach.. und die Ehe würde dann nie vollzogen werden? Welcher Mann ließe sich schon darauf ein?“ Rafael versuchte das Thema zu wechseln. Offensichtlich hatte sie genau den Finger in die Wunde gelegt.
„Die junge Frau bindet Dir einen Bären auf, Rafe.. und Du bedankst dich auch noch dafür.“ Fast tat ihr Rafael leid. Kein Mann von Stand würde so dumm sein, eine junge Frau zu heiraten, sie nicht anzufassen und ihr die Kinder von einem anderen machen zu lassen.
Doch hatte er sich das nicht alles selbst zuzuschreiben? War er einfach nur blind vor Begehren?
Warum hatte er den Befehl des Grafen von Hohenfels nicht einfach befolgt und war zu seiner Familie zurückgekehrt? Sie hätten dann doch irgendeine Regelung finden können.. aber nein… Rafael glaubte, er handle ehrenhaft, wenn er seine Familie verließe und seinem Vater Schande bereitete.

Als Rafael das Haus verlassen hatte, begab sich Angelina zu Bett. Sie lag noch lange wach und grübelte.
Zu der Enttäuschung, dass Rafael sie und Tari verlassen hatte, kam nun noch hinzu, dass sie erkannte, wie ungezügelt und verblendet er sein musste. War das überhaupt noch der Mann, den sie gekannt hatte?
Alles, was ihm einmal so viel bedeutet hatte, hatte er verloren.
Selbst den Glauben an die Lichtbringerin. War das der Grund, warum er so tief fiel?
Ob sie ihm helfen würde, wenn sie die Heiligkeit aufsuchen würde?

Diese Frage beschäftigte Angelina nun schon seit Tagen. Taris Fragen nach seinem Papa wurden auch immer dringlicher und Angelina vermochte ihm die Wahrheit kaum noch verbergen.
Antares von Falkenburg

Beitrag von Antares von Falkenburg »

Nur Spielen und die Stadt, einmal wieder, auf eigener Faust erkunden und ebenso mit der kleinen Hoffnung seinen Papa endlich zu sehen. Wie lange war es nun her seit er das letzte mal bei ihnen war? Leider schon zu lange. Mit dem kleinen Holzschwert in der Hand schlug er hin und her und doch waren seine Gedanken nur bei seinem Papa. Hatte er etwas angestellt und war Papa deswegen boese auf ihn? Oder hatten Mama und er streit? Sowas war schon oft vorgekommen und jedes Mal war es fuer den mittlerweile 10 Jahre alten Knaben nicht leicht. Er hasste es wenn sich Menschen streiten und Tari nahm sich fest vor das er spaeter einmal mit seiner Frau nicht streiten wird.

Auf den Marktplatz angekommen und das Holzschwert fest in der Hand sah er sich nach bekannten Gesichtern um. Er kannte jetzt schon viele Leute, viele die auch mal Ritter werden wollten und das machte ihn irgendwie stolz. Aber er sah nur fremde Personen und so setzte er sich auf die kleine Bank vor dem Teich, wo er einst auf Onkel Arthur getroffen war. „ Das ist ja auch ganz schoen dreist so was, dass mit dem Ritter.“ Tari war auf einmal hellhoerig. „ Er war immer einer der besten, es gehen viele Geruechte um weswegen er von seinem Stand entbunden wurde. Aber man sollte nicht alles ernst nehmen.“ „ Aber schau mal Gerlinde in jedem Geruecht steckt auch ein Fuenkchen Wahrheit.“ Tari drehte sich zu den beiden Frauen um. „ Guten Tag die Damen.“ Meinte der kleine Junge hoefflich. Verdutzt drehten sich die beiden um und blickten den jungen an. „ Ich wollte einmal fragen von welchem Ritter ihr da spricht.“ Ploetzlich fingen die beiden an zu lachen. „ Du bist aber ein wohlerzogener Junge.“ Tari nickte eifrig.“ Meine Mama und mein Papa haben immer gesagt das ein Ritter freundlich sein soll.“ Und schaute die Beiden mit seinem bezaubernsten Laecheln an. „ Wir meinen den Ritter Rafael de Arganta, mein Junge.“ Tari war wie vorm Donner geruehrt und ohne das er noch etwas sagte stuermte er los.

Voellig ausser Atem kam er zu Hause an, seine Mutter war gerade dabei leckere Kekse zu backen, jedoch das interessierte Tari nicht im geringsten. „Mama…Mama stimmt das?“ Schwer Atmend kam seine Frage auch nur Bruchstueckhaft her raus. Lina sah ihren schon voellig verwirrt und besorgt an und brachte ihn erst einmal dazu Luft zu holen. „ Ich hab grad gehoert das Papa nicht mehr Ritter ist, ist er deswegen nicht mehr bei uns Mama weil er sich schaemt und denkt wir haben ihn nicht mehr lieb?“ Tari war nun den Traenen nahe. Lina nahm ihn troestend in die Arme. „Das ist ganz anders mein kleiner Ritter und Papa hat dich bestimmt noch lieb. Aber Papa, weißt du..er er kommt nicht mehr zu uns weil er eine andere Frau ganz gerne hat.“ Tari spuerte sofort das es seiner Mutter nicht leicht viel, aber er draengte sie regelrecht dazu weiter zu erzaehlen. „ Wie eine andere Frau? Hat er dich nicht mehr lieb?“. „Er hat mich sicherlich noch gern, aber nicht so gern wie freuher Tari. Wir hatten nun einmal beide viel zu tun und wenig zeit fuer einander und dann hat er die andere Frau kennen gelernt.“ Hilflos zog Lina die Schultern hoch. Antares schuerzte die Lippen, wie sollte er das alles nun verstehen? Papa mag Mama nicht mehr und ist deswegen nicht mehr zu Hause. „ Ist er den nun jetzt nicht mehr mein Papa? Aber ich hab doch schon mal einen Papa verloren, ich will meinen Papa wieder!!“In diesem Moment war es vorbei mit den braven und erzogenen Antares, er fing hemmungslos an zu Weinen als ihn wohl einiges bewusste wurde. Angelina nahm ihren Sohn fester in die Arme und strich ihn beruehigend ueber den Ruecken.

„Papa wollte mir doch alles beibringen, alles zeigen was ein Ritter alles koennen muss und jetzt ist er einfach weg und laesst mich alleine. Ich will das Papa wieder kommt Mama. Und wenn ich zu Onkel Graf Adrian gehen muss oder Onkel Arthur und auch Tante Heilligkeit. Bitte Mama hol meinen Papa.“



Ein Kind ist wie eine Pflanze, nur Wasser und Nahrung reichen nicht, es braucht auch Liebe um zu Wachsen und zu gedeihen.
Angelina de Arganta

Beitrag von Angelina de Arganta »

Fest drückte Angelina ihren aufgebrachten und weinenden Sohn an sich, strich ihm immer wieder beruhigend über den Rücken und küsste ihm den Haarschopf.
Erst nach einer Weile, als Tai aufhörte zu weinen, beugte sie sich zu ihm und sah ihm in die traurigen Bernsteinaugen.
„Tari, bitte verzeih mir, dass ich Dir nicht schon früher etwas gesagt habe“ begann sie leise. „Ich hatte so gehofft, dass Papa mit Dir selbst darüber sprechen könnte… doch als er das letzte Mal hier war, hast Du schon geschlafen. Er wollte es Dir erklären…“. Sie strich ihm wieder über den Kopf und sah ihn voller Mitgefühl und Liebe an.
„Schau… er hat gedacht, ich sei im Wald gestorben. Du weißt selbst, wie lange ich brauchte, um wieder gesund zu werden… und da hat er… nun ja… er hat sich von einer anderen Frau trösten lassen. Und nun hat er diese Frau sehr lieb.“
Antares wischte sich die Nase und schniefte auf.
„Aber warum? Du bist doch gesund geworden! Freut er sich denn gar nicht darüber?“
Angelina ließ sich auf den nächsten Stuhl sinken und zog ihren Sohn zu sich heran, fasste seine Hände und sah ihn seufzend an.
„Doch.. ich glaube schon. Doch er möchte bei der anderen bleiben, Tari. Das hat er mir selbst gesagt. Dich hat er immer noch lieb und er hat sich auch schon darum gekümmert, für Dich eine Ausbildung zu arrangieren. Du kennst doch seinen ehemaligen Knappen Cathal.. hm?“
Antares nickte mit düsterer Miene.
„Aber Papa wollte mich ausbilden“ kam enttäuscht von ihm.
„Das kann er nun nicht mehr, Tari.“ Mit dem Daumen streichelte Lina den Handrücken ihres Kleinen. „Schau… Papa hat mit Cathal gesprochen und er würde Dich in seiner Familie aufnehmen für die Zeit, die Du dort als Page ausgebildet würdest. Damit würdest Du auf die Zeit als Knappe vorbereitet und wenn Du Dich gut machst, behält Dich Cathal womöglich sogar für die Knappenzeit.“
„Das ist nicht das Gleiche, Mama!“ begehrte Antares auf und entzog ihr seine Hände, setzte sich mit verkniffenem Mund auf den anderen Stuhl ihr schräg gegenüber.
„Ja.. ich weiß, Tari. Doch Rafael kann Dich nicht ausbilden.. und außerdem möchte ich das auch nicht mehr.“ Die Augen des Jungen richteten sich auf seine Mutter und sie konnte nur erahnen, was in ihm vor sich ging. Sein Blick und Mienenspiel sprachen Bände, sein Kinn bebte.
Das Gebäude seiner Hoffnungen und Träume brach gerade vollends zusammen und sie konnte es nicht verhindern.
„Bitte Tari.. versteh das doch“ versuchte sie es leise mit bittendem Blick. „Papa wohnt nicht mehr hier bei uns.. und wenn er Dich ausbildet, müsstest Du die meiste Zeit bei ihm leben. Aber ich will nicht, dass Du mit seiner.. seiner.. neuen Frau… unter einem Dach lebst.“ Sie versuchte so neutral wie möglich von der Geliebten ihren Gatten zu sprechen.
Antares sah angestrengt geradeaus, sie konnte sehen, wie er mit den Tränen kämpfte.
Als sie vorsichtig nach seiner Hand greifen wollte, steckte er beide Hände in die Hosentaschen. Es gab Angelina einen Stich in die Brust. Was sollte sie nur tun, um seinen Schmerz, den sie nur zu gut nachempfinden konnte, zu lindern?

„Tari, der Graf Adrian wird uns nicht helfen können. Onkel Arthur hat mit Papa gesprochen und…“ Sie seufzte tief auf. „Bisher hat er ihn auch nicht dazu bewegen können, dass er heimkommt. Aber glaube nicht, mein Schatz, dass es an Dir liegt. Tari, Papa hat Dich lieb wie immer.“
Angelina sah ihren Sohn leiden und es kostete sie eiserne Beherrschung, ihren Ärger und ihre Wut für sich zu behalten.
Hatte Rafe es verdient, von ihr in Schutz genommen zu werden?
Doch was hätte es bewirkt? Doch nur noch mehr Enttäuschung und womöglich gar Hass. Und sie wollte nicht bitter sein. Wollte nicht, dass Tari’s gute Erinnerungen, die er mit Rafael verband, in Enttäuschung und Bitterkeit ertranken.
Sie stand langsam auf und ging zu ihrem Sohn hinüber, strich ihm zärtlich über das Haar.
„Wenn Du erwachsen bist, mein Schatz, wirst Du einmal wie Dein richtiger Vater… ein aufrechter Ritter, der sein Herz nur einmal vergibt und dem die Treue es wert ist, jahrelang nach seiner Liebe zu suchen, bevor er sich einer anderen Frau zuwendet“ sagte sie leise und küsste ihm die Stirn.
Antares sah zu ihr auf. Sein Interesse schien geweckt.
Angelina sah ihn an und nickte sacht.
„Wenn Du willst, erzähle ich Dir von ihm… von uns.“
„Oh ja, Mama.. jetzt gleich?“
Angelina holte einen Teller mit frisch gebackenen Keksen und stellte ihn auf den Tisch, dann setzte sie sich und begann von Kelan zu erzählen…
Angelina de Arganta

Beitrag von Angelina de Arganta »

Froh, wieder zuhause zu sein, legte Angelina Holzscheite auf das heruntergebrannte Feuer und ließ sich dann vor dem Kamin auf dem dicken, weißen Fell im Schneidersitz nieder.

Was für ein denkwürdiger Tag war das doch.
Felix kam Schwanz wedelnd zu ihr und ließ sich ausgiebig streicheln, versuchte immer wieder, ihre durchs Gesicht zu lecken, bis sie ihn lachend dazu brachte, sich neben sie zu legen. Versonnen kraulte sie ihren Hund hinter dem Ohr und ihre Gedanken schweiften zurück zum Schloss.

Sie hatte mitbekommen durch die neuen Anschläge, dass offenbar Fremde tagelang im Schloss geherrscht hatten. Da war ihr auch klar geworden, warum sie auf ihr Schreiben an den Grafen keine Antwort erhalten hatte…
Dennoch war sie erst ins Schloss gegangen, nachdem ein Gardist mit der Nachricht von Rafael gekommen war, dass er verletzt sei und sie bitte zu ihm kommen möchte.

Freude, dass er lebte und Sorge um ihren Gatten hatten sie zur Eile getrieben. War er schwer verletzt?
Er würde auch sicher wissen, was mit dem Grafen geschehen war.
Im Schloss angekommen, benahm es ihr fast den Atem, als sie Felicitas bei Rafael am Bett antraf. Sie konnte sich gerade noch beherrschen, nicht auf dem Absatz umzudrehen.
Distanziere dich!
Du bist hier als Heilerin gerufen worden.
Lass dich nicht von deinen Gefühlen beherrschen!

Angelina schaffte es, sich auf Rafael als Patienten zu konzentrieren und ruhig ihre Untersuchungen vorzunehmen. Es fiel ihr angenehm auf, dass die junge Baronin sich zurückhaltend gab.. auch, dass sie selbst der Behandlung bedurfte.
Ihre aufgeplatzte Lippe und der dunkle Bluterguss an der Schläfe fanden aber nicht weiter Angelina’s Aufmerksamkeit, als dass sie der jungen Frau eine Salbe dafür gab.
Rafaels Wunden waren sauber und der Heilungsprozess hatte schon begonnen. Am meisten Sorgen machten ihr das Fieber… und seine Erinnerungen, die wohl mit der Realität nicht übereinstimmten.
Ein Mittel zur Entgiftung sowie eines, das auch schon einmal beim Grafen dahin wirkte, dass ein auf ihm liegender Zauber aufgelöst wurde, sollten das Fieber senken und die Erinnerung wieder auf normal bringen.
Viel trinken sollte Rafe und mit Erstaunen stellte Lina fest, dass die junge Baronin sofort bereit war, ihm Wasser zu holen.

Es war schon ein sehr merkwürdiges Gefühl, sich zusammen mit seiner Geliebten um die Genesung ihre Gatten zu kümmern.
Der Besuch von Quarius de Lore trug auch nicht gerade dazu bei, dass Angelina sich wohler in ihrer Haut fühlte.
Auf seine fragenden Blicke zu Felicitas und ihr hin, während die junge Frau bei Rafael auf dem Bett saß und sie, Lina, auf der anderen Seite neben dem Bett stand, erklärte sie nur leise: „Ich bin hier nur die Heilerin“ und errötete auch noch, weil es ihr peinlich war, durch ihre Anwesenheit zu vermitteln, dass sie das Verhältnis der beiden akzeptierte.
Sie war sich sicher, dass auch Quarius schon davon wusste, dass ihr Gatte sie wegen der anwesenden jungen Frau verlassen hatte.

Warum ist es mir eigentlich peinlich, was mein Mann getan hat? fragte sie sich nun vor dem Kamin. Lag es daran, dass sie glaubte, dadurch unattraktiv geworden zu sein?
Sie fasste sich an die Stirn und befühlte die Narbe.
Bis auf die Narbe hatte sie sich doch nicht verändert… daran konnte es doch nicht liegen. Aber Rafe hatte sie zurückgewiesen. Erst heute hatte sie ihn berühren dürfen… als Heilerin.
Befürchtete sie, dass ihr jemand, wenn auch nicht offen, doch hinter vorgehaltener Hand, die Schuld daran gab, dass Rafael sich einer anderen zugewandt hatte?
Sie ließ ihre Hand sinken und starrte ins auflodernde Feuer.
Ja.. so etwas in der Richtung musste es wohl sein.
Musste sie sich wirklich Gedanken darüber machen, was andere von ihr dachten?
Sie schüttelte den Kopf.
Nein.. musste sie nicht.
Sie hatte alles gegeben, was sie konnte…
Liebe, Treue, Zärtlichkeit und Leidenschaft. Auch als Freundin hatte sie in allen Lebenslagen zu ihrem Mann gestanden. Sie hatte sich wirklich nichts vorzuwerfen….
Und dennoch…
Es war so schmerzhaft, ihn mit der anderen zusammen zu sehen.

Auch, als Angelina später am Abend noch einmal ins Schloss gegangen war, um nach Rafael zu sehen.
Das hätte ich auch für jeden anderen Patienten getan, sagte sie sich immer wieder.
Sie wollte wissen, ob sein Fieber gesunken war.. und war überrascht, als er in großer Runde im Besprechungssaal saß.
Den Grafen Adrian dort anzutreffen war ihr eine große Freude und Erleichterung, doch mit Rafe konnte sie kein Wort allein sprechen. Wieder nicht.

Als Felicitas durch ihr Hinausgehen und ihr Verhalten provozierte, dass der noch immer geschwächte Rafael ihr folgte um sich um sie zu kümmern, bemerkte Angelina, wie überflüssig sie in dieser Gesprächsrunde war. Viel hatte sie nicht beizutragen gehabt und so recht wohl fühlte sie sich dort auch nicht.

Sie wusste, dass sie wieder hingehen würde, wenn sie als Heilerin gebraucht würde. Doch sie wusste auch, dass sie nicht mehr dazu gehörte. Ihren Platz hatte eine andere eingenommen, die offensichtlich geschickter darin war, sich in Szene zu setzen.
Auch hatte sie die Blicke der anderen sehr wohl bemerkt.. und wusste sie nicht so recht zu deuten. Was erwartete man von ihr?

Lina streichelte ihren Felix noch einmal ausgiebig, der sich freudig über so viel Zuwendung auf den Rücken drehte und sie anzulächeln schien.
Hunde können auch lächeln, stellte sie wehmütig fest.
Rafael de Arganta

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Die Wende kam mit Angelina,
Hatte Felicitas ihn auch immer wieder aus dem Dunkel holen können, so vermochte sie doch nichts gegen das Fieber zu wirken.
Rafael ahnte wie schwer es der Geliebten wohl gefallen war, einen Gardisten zu seiner Frau zu schicken, doch wussten beide das es wohl keine bessere Heilerin gab von der sie wussten.
Felicitas half ihm sich an zu ziehen, schickte dann einen der Gardisten die vor dem Haus standen los und half ihm dann zum Schloss hinüber.

Angelina kam auch schon sehr bald, und Rafael vermochte nicht zu sagen was bei hm überwog. Die Freude das sie gekommen war, Oder diese Mattigkeit.
und nur die Angst, die beiden Frauen könnten einander in Streit geraten ließen ihn versucht die Augen offen zu lassen.
Doch kein unfreundlicher Ton fiel.
Angelina routiniert wie immer nahm ihn sofort in Augenschein, untersuchte die Blessuren die er davon getragen hatte, verband ihn neu und entschied das das Fieber unnatürlich sei.
Sie stellte fachkundig eine Mixtour aus verschiedenen Tränken her, die sie ihm dann verabreichte. Stärkende Mittel, Zauberlösendes, sowie etwas gegen alle Bekannte Gifte.
Dazu verordnete sie ihm noch eine große Portion Schlaf, eine Anordnung die er dieses Mal nur zu gerne befolgen würde.
Was noch gesprochen wurde bekam er nur im Halbschlaf, wurde aber daraus gerissen als er laute Stimmen hörte.
Verwirrt wollte er sich aufrichten, wurde aber sofort von Beiden Frauen wieder ins Bett gedrückt.
In dieser Situation schienen sie sich einig, auch ohne Worte.
Feli ging direkt hinaus, um irgendwann mit Quarius zurück zu kommen.
Er hätte doch keine Ruhe gegeben eher er nicht wusste was los war.
Angelina mahnte Quarius zur Vorsicht, er solle Rafael nicht aufregen, und so kam der einstiege Bruder nur langsam an sein Bett, begrüßte ihn mit Handschlag.

Lange war es her gewesen das sie sich gesehen hatten. „Wie geht es dir.“ Fragte Quarius sich herabbeugend und dann meinend. „Nun...sorge dich nicht altes Eheweib.. der alte Mann kehrt bald zurück..“
Rafael fühlte mehr als das er sah das er Aschfahl wurde. Quarius fast fassungslos anblickend.
Adrian war da... Adrian war wieder da.... War das einzigst was er nur noch denken konnte.
Dann reagierte er, fuhr hoch Quarius versuchend am Kragen zu halten. „Woher ... was... wie... Verdammt WO IST ER!!!!“ Er wollte ihn sehen musste ihn sehen.
Er wollte aufstehen, wollte direkt zu seinem Freund, sehen wie es ihm ging. „Ist er unverletzt?“
„Behaltet Stillschweigen. Ihr alle.“ Kam es sofort von Quarius.
Felicitas legte ihm die Hand auf die Schulter. „Beruhige dich.“ Meinte sie leise, doch er schüttelte kaum merklich den Kopf. „Ich muss zu ihm.“ Meinte er verbissen!
Doch Angelina schüttelte den Kopf. „Jetzt musst du erst einmal schlafen.“ Meinte sie keine Widerrede duldend und Rafael gab nach.
Quarius hätte ihn eh nicht mitgenommen noch etwas gesagt. Er schien es Adrian versprochen zu haben.
Er legte sich zurück.
Dieses Mal ein wohliges Gefühl im Körper, ausgelöst durch die Tränke und den Gedanken das alles Gut werden würde. Adrian war zurück... ihm ging es gut.
Über diesen Gedanken hin, schlief er wieder ein.

Als er das nächste Mal aufwachte fühlte er sich besser, ausgeruht, doch war das was ihn erwachen ließ eher Besorgniserregend.
Ein Aufmarsch, viele Schritte.. die Näher kamen, und schon wurde der Vorhang zur Seite gerissen und Adrian stand im Raum.
Adrian ...
Unendliche Erleichterung ergriff ihn, während Felicitas schon ihr Rapier zog und es gegen den Freund hielt.

Rafael verstand sofort. Man vermutete den Falschen.
„Zwingt mich nicht die Rosanen zu holen Baronin oder das Schwert zu ziehen,“ Ließ sich der Graf vernehmen und Rafael atmete im selben Moment auf da Felicitas ihre Waffe fallen ließ und Adrian um den Hals fiel. “Es tut so gut euch zu sehen.“ Meinte sie, und Adrian nickte. „Das kann ich nur zurückgeben. Besonders im Bezug auf ihn... Himmel ich dachte er sei tot.“
Rafael hielt es nicht mehr im Bett, wenn auch noch etwas schwankend, doch sichtlich gestärkt seit dem Morgen war er aufgestanden, und noch immer etwas ungläubig auf den Freund zu getreten. Um ihn dann ebenso fast unvermittelt zu umarmen, der Erleichterung kaum Herr werdend. „Es... geht dir gut... du bist nicht verletzt... ich habe dich nicht verletzt.“ Meinte er wie befreit und erntete einen ernsten Blick seines Freundes dafür, der ihm nun vorsichtig die Hand auf die Schulter legte. „Von Bruder zu Bruder.“ Meinte er nun leise, und Rafael verstand sofort ... und vollendete ernst. „Der Deine, bis in den Tod!“
Nun lächelte Adrian ihn an. „Nein ich bin nicht verletzt , das heißt ein wenig doch... was muss ich da hören , du glaubst du hättest mich angegriffen?“ meinte er nun und Rafael wurde Unsicher. „Das ist da woran ich mich erinnere.“ Entgegnete er leise und Adrian schüttelte den Kopf. „Die müssen dich ganz ordentlich verdreht haben, ich wäre nicht mehr am Leben wärest du nicht. Wie ein wirbelwind kamst du über sie als sie mich schon am Boden hatten.“
Er klopfte nun leicht gegen Rafaels Wange. „Das muss doch noch irgendwo in deinem Wirrkopf vorhanden sein.“ Adrian erzählte ihm Haarklein was passiert war, und endete mit „Das ist wahr und nur das.“ doch hatte Rafael keine Erinnerung daran, so sehr er es auch versuchte.
Noch einmal umarmten sie sich dann ging Adrian um sich um zu ziehen und Rafael zog sich an.
Rafael de Arganta

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Eine Familie ... eine Familie... Feli wollte eine Familie...
Egal was kommen würde,
„Versprich mir eines... lass mich deine Kinder tragen.“ Hatte sie gesagt und ihn damit fast zum weinen gebracht.

Er hatte seinen Traum von eigenen Kindern vor langer Zeit schon begraben gehabt.
Konnte Angelina doch keine mehr bekommen, und er war auch so genug Glücklich mit ihr gewesen das er darauf verzichtet hatte, und Konnte.
Tari, Kelans und Angelinas Sohn, war wie sein eigener gewesen, obwohl ihn erst mit 8 Jahren hatte kennen lernen dürfen.
Um so mehr vermisste er ihn jetzt.
Rafael konnte verstehen das der Junge ihn nicht mehr sehen wollte. Vielleicht würde es sich irgendwann geben, und Tari würde verstehen das es nicht an ihm lag, das Rafael ihn noch genauso liebte wie vorher.
Eigene Kinder... zu sehen wie sie aufwuchsen, eigen Fleisch und Blut... einen Sohn... vielleicht eine Tochter...
Zwei oder drei hatte Feli gesagt und ihm war schwer ums Herz geworden.
Seine Kinder ...
Sein Vater hatte ihn immer wegen Erben gedrängt.
Und jetzt?
Jetzt konnte er wenn, seinen Kindern nicht einmal einen Namen geben.
Es war zum verzweifeln.

Zum Ersten male fehlte ihm alles.
Seine Ritterwürden, seine Arbeit, seine Verantwortung... seine Ehre, sein Name.
Er hätte weinen mögen.
„Und als was würdest du mich in deiner Grafschaft vorstellen.“ Hatte er niedergeschlagen gefragt, und sie mit einem Lächeln geantwortet, „Als Edlen meiner Baronie. Denn ich kann dich ja wenigstens zum Edlen machen.“
Er hatte nur genickt, zu viele Gefühle Gedanken die ihn nun übermannten, und für den Moment dachte er daran fort zu gehen mit Felicitas. Egal wohin nur weg von alle dem und vor allem vor seinem Vater.
Es zerriss ihn fast das er ihm soviel Ärger machte, er verstand ihn ... und er fehlte ihm und die Kluft zwischen ihnen wurde immer Größer.
Er war nicht Michael. Vielleicht wäre es besser gewesen Michael wäre gesund, würde an seiner statt hier sein. Ihm hatte sein Vater so viel verziehen. Michael der Gute, Michael der Ritter... Er riss sich von dem Gedanken los als Feli, seine Gemütslage ahnend ihn küsste.
„Bring mich auf andere Gedanken.“ Hatte er gewispert, und sie hatte verstanden und ihn ohne weitere Worte einfach weiter geküsst.
Angelina de Arganta

Beitrag von Angelina de Arganta »

Angelina war zum Kloster geritten, in der Hoffnung, dort vielleicht die Heiligkeit anzutreffen.
Sie sehnte sich nach dem Seelenfrieden, den sie im Gespräch mit der alten, weisen Frau immer gefunden hatte. Doch Cassian sagte ihr gleich, als sie den Ort des Friedens betrat, dass Ihre Heiligkeit nicht anwesend war.
Mit einem kurzen Dank auf den Lippen ging Angelina jedoch weiter.
Der Baum des Lichtes… unter ihm wollte sie ihr Herz ausschütten.

Beeindruckt und bis tief ins Innere berührt stand sie vor ihm.
Welch eine Kraft er ausstrahlte… welch Frieden unter seinem Blätterdach ein jedes Wesen empfing!
Auf die Knie sinkend senkte Angelina tief ihr Haupt.
Leise begann sie zu sprechen, alle ihre Sinne zur Lichtbringerin Temora ausgerichtet.
„Gütige Tugendbringerin, ich trete vor Dein Angesicht und bitte um Vergebung…
dafür, dass ich nicht genug Liebe in mir habe…
dafür, dass ich Zorn und Eifersucht empfinde.
Du weißt, was mir Kummer bereitet und ich komme zu Dir, um Dich zu bitten…
Bitte gib mir ein weites Herz und erfülle mich mit Deiner Güte…
Erfülle mich mit Demut.. auf dass ich mich beugen kann unter Deinem Willen …
und unter dem Willen meines Gatten, so er nicht Dir zuwider handelt…
Bitte … nimm mir den Schmerz und erfülle mich mit Deinem Segen…
auf dass ich lieben kann, ohne etwas dafür zu erwarten…
auf dass ich vergeben kann, ohne Groll in mir zu behalten.
Ich weiß, dass Du Liebe schenkst, die so viel höher ist als alle menschliche Liebe…
Bitte hilf mir, sie anzunehmen…
und meinen Schmerz hier bei Dir zu lassen.
Bitte segne meinen Gatten Rafael… meinen Sohn Antares…
und auch mich.
Leite Du uns auf dem rechten Weg und sei uns Licht, damit wir zu Deinem Wohlgefallen leben.“
Langsam sah Angelina auf und hob ihr Gesicht zu der leuchtenden Baumkrone. Eine ganze Weile ließ sie die Kraft und Wärme, die sie an diesem heiligen Ort empfand, auf sich wirken, bevor sie sich erhob.
Sie fühlte sich gestärkt.
Doch was war der rechte Weg?
Würde Ihre Heiligkeit ihn ihr aufzeigen können?
Sie sehnte sich so sehr nach Frieden. Frieden in ihrem Herzen… keine Tränen mehr, keine Trauer.
Würde sie aus Liebe zu ihrem Mann ihn freigeben können? Durfte sie das? Konnte man das heilige Ehegelöbnis brechen?
Galt es nicht ein Leben lang?

Als Angelina das Kloster verließ, fühlte sie sich besser, als in den Tagen zuvor.
Doch ihre Fragen waren unbeantwortet geblieben.
Sie würde wiederkommen.
Angelina de Arganta

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Seit dem Besuch des Heiligen Baumes waren nun ein paar Tage vergangen.
Angelina war erneut ins Kloster gegangen und Ihre Heiligkeit nahm sich Zeit, die zierliche Heilerin anzuhören.
Dieses Gespräch begleitete Angelina nun seitdem. Sie hatte geglaubt, so stark und gefestigt zu sein, der alten, weisen Frau ihre Geschichte ohne Tränen zu erzählen, doch immer noch gelang es Angelina nicht, von ihrem Verlust und ihrer Not zu sprechen, ohne tief aufgewühlt zu sein.
Wie tröstlich hatte sie die kleine, faltige Hand an ihrer Wange empfunden, sich an der Hand festgehalten, die Ihre Heiligkeit ihr gereicht hatte, als sie sich neben sie setzte.
Trost… Frieden… Zuversicht.
Niemand konnte solches spenden, wie die alte, heilige Frau. Wenn sie auch ihr Augenlicht verloren hatte, so sah sie doch tief in die Herzen der Menschen.

Wenn auch unter Tränen und mit zittriger Stimme, so hatte Angelina doch die Frage gestellt, die ihr auf der Seele brannte.
„Wenn er nun sein Ehegelöbnis gebrochen hat… muss ich es nun auch tun? Rafael fragte mich nach einer Scheidung unserer Ehe.“
Ruhig antwortete die Heiligkeit: „ Du fragst mich im tiefen Vertrauen, dass ich euer alle Wege kenne. Doch siehe, die Herrin allein kennt sie und sie weißt die Herzen, die sie wissen mögen. Sie wird dein Herz erkennen lassen, wenn es bereit ist zu lauschen… so wie seines, wenn er endlich aufhört, sich abzuwenden in Trotz.“
„Wie haben uns Treue für ein Leben lang versprochen“ flüsterte Angelina und konnte ein leises Aufschluchzen nicht verhindern. „Wie kann ich dieses Versprechen einfach aufheben? Es hat doch Bestand, auch wenn Rafael seinen Teil nicht einhält.“
„Niemand sprach davon… einzig bat ich darum, dein Herz lauschen zu lassen, denn Temora wird dich und ihn weisen auf diesem Wege.“
„Dann darf ich an der Ehe festhalten, solange ich keine andere Weisung der Göttin erkennen kann?“
„Die Göttin wird dir zeigen, wenn es besser für dich ist, sie zu lösen, bevor du in Schmerz und Leid untergehst.“
„Er fehlt mir so“ gestand Angelina leise, fast verschämt.
„Ich weiß, mein Kind. Doch irgendwann mag es sein, dass die Herrin dir neue Wege aufzeigt. Neue Wege, glücklich zu sein als durch ihn, der seinen Weg selbst nicht findet.“
Angelina sprach von der jungen Baronin Felicitas von Stolzenfels, die Rafael zu seinem Glück erkoren hatte und die Heiligkeit fand auch hier die weisen Worte, die Angelina dazu bringen sollten, nicht auf Rafael zu schauen, sondern auf sich, auf den eigenen Weg.
„Nicht sein Glück, Kind… dein Glück suche, so wie er seines suchen muss. Die Gütige wird weisen, ob dieses euch einander wieder bedeutet oder ein neuer Weg sein wird. Was du lernen musst ist, dass du nicht für ihn lauschen kannst, sondern für dich lauschen musst.“
Angelina presste sich das tränennasse Spitzentuch an die Lippen.
„Ich denke aber immer noch so viel an ihn und es schmerzt immer noch so, dass ich nun nicht mehr zu seinem Leben gehören soll.“
„Niemand kann verlangen, dass es anders wäre, liebes Kind. Niemand würde es verlangen. Dein Herz wird sich finden, sein Herz sich ebenso. Ob eure Herzen wieder zueinander finden, weiß nur die Gütige.“

Als das Gespräch sich ihrem Sohn Antares und dessen Vater Kelan zuwandte, beruhigte sich Angelina ein wenig. Die alte, heilige Frau konnte hören und spüren, dass Lina ihren Sohn über alles liebte und ein sehr tiefes Gefühl sie immer noch mit seinem verstorbenen Vater verband.
„Ich sehe, dein Herz spürt, dass in Antares viel Lösung ist“ sprach sie ruhig zu Angelina.
„Ja, er ist Kelan’s Vermächtnis an mich und ich liebe ihn sehr.“
“Sowie Kelan in Freude auf euch beide herab lächelt, wenn auch Kummer ihn streift, ob deines Leides.“
Es bedurfte eine Weile des Schweigens, bevor Angelina dazu etwas sagen konnte. Ergriffenheit trieb ihr erneut Tränen in die Augen.
„Ich glaubte“ sagte sie dann leise, sich das Nass aus den Augen wischend, „ dass Rafael mir geschickt worden war, um meinen Kummer um Kelan zu heilen… was er ja auch damals tat.“
„Du kennst die Antwort gewiss… wenn nicht, mag ich sie dir sagen.“
Angelina sah die Heiligkeit mit verweinten Augen an. Was wollte sie ihr sagen? Welche Antwort?
„Suche die Augen des Vaters, die dir immer nahe sind, durch die ein anderer blickt und doch beide dir nahe sind. Hierin wirst du Stärke finden. Nicht in dem Manne, der seinen Weg selbst noch sucht.“
Sprachlos konnte Angelina den Blick nicht von der alten Frau wenden.
Die Antwort.. ja.. die Antwort.
“Ja.. das will ich tun. Antares hat Kelans bernsteinfarbene Augen“ flüsterte sie ergriffen.
„Und ich hoffe so sehr.. auch sein Wesen.“
Die Heiligkeit streichelte liebevoll über Angelinas Wange.
„Vater und Sohn haben gewiss viel Ähnlichkeit. Und da Antares eine Mutter voller Güte bei sich hat, mag sein Herz nicht von Zorn überflutet werden, wo er doch nur Güte geschenkt bekommt.“
Angelina versprach auf die Bitte der Heiligkeit, ihren Sohn demnächst mit ins Kloster zu bringen. Seine Neugierde und Lebhaftigkeit würden niemanden stören, versicherte die alte Frau.
Und dann richtete Alyssa Arnis eine Frage an die Heilerin, die diese nie erwartet hätte, aber mit Freuden mit „Ja“ beantwortete.
Angelina wollte gern die Heilerin des Klosters sein. Sich um die Menschen kümmern, die medizinische Hilfe in den heiligen Mauern suchten, Tränke für sie herstellen und auch gern im Garten helfen, die dazu nötigen Kräuter zu pflegen und zu ernten.

Als Lina sich auf den Heimweg machte, war ihr Schritt forsch und ihr Blick zuversichtlich.
Sie hatte noch so viel zu tun, das Gespräch hatte ihr Herz erleichtert und sie fühlte sich gestärkt.
Für Halungar musste sie die Bestellung fertig machen.. zumindest so weit sie heute noch kam und morgen wollte sie dann schauen, ob sie die Hohe Templerin Sanjana Valeth antreffen konnte.
Ihre Heiligkeit hatte ihr geraten, bei Hochwürden Sanjana den Schlüssel für das Labor in empfang zu nehmen. Auch würde sie dann von ihr erfahren können, welcher Raum als Krankenzimmer genutzt werden kann.
In Gedanken machte Angelina schon eine Liste, was sie zur Einrichtung und zur Ausstattung brauchen würde…
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