Ein Schreiben an Judikator Varcuvius

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Auriane Treuwind
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Ein Schreiben an Judikator Varcuvius

Beitrag von Auriane Treuwind »

*Fein säuberlich und schwungvoll finden sich geschriebene Worte einer bisher unbekannten Handschrift auf dem Briefbogen, den sich dem Judikator offenbaren werden, sobald er das Siegel mit dem eingeprägten "AD" und einer Orchideenblüte brechen wird.*

Des All-Einen Segen mit Euch, Judikator Varcuvius!

Es ist bereits viel Zeit seit unserem letzten Zusammentreffen vergangen und mein Wohnsitz befindet sich trotz aller nicht außer Acht lassender Argumente Eurerseits bis zum heutigen Tage in Düstersee.

Einige Fragen umtreiben mich in letzter Zeit, zu dessen Beantwortung Ihr sicherlich beitragen könntet. Sofern Ihr es mir erlaubt, diese zu stellen, würde ich Euch gerne um einen Termin zu einem Treffen bitten, gerne in Rahal oder Düstersee.

Eure Nachricht erreicht mich in Düstersee nahe des Bootssteges hinter der Bank.


Möge Er Euch stets leiten!

Auriane
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Varcuvius
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Beitrag von Varcuvius »

'Wer hat Angst vor'm schwarzen Magier?' - 'Niemand!'
Dieser alte Kinderreim kam ihm beim Heimweg in den Sinn, als er gerade so noch so eine schwarze Robe hinter dem Tempel verschwinden sehen konnte. Der Anblick reichte nicht lange genug, um den Arkorither zu erkennen. Es war nicht einmal zu sagen ob es ein Mann oder Frau war. Eine dieser Beobachtungen in Rahal, die man mit einem Schulterzucken abtat. Mit etwas mehr zeitlicher Gunst hätte es zu einem Gruß gereicht.
Wenn wir von Heimweg sprechen, heißt das bei einem Magier: von seinem Ankerstein bis zur Haustüre. Und ersterer lag einen Steinwurf entfernt, gut vergraben und mit doppelt und dreifachen Schutz- und Täuschungssprüchen verborgen im Erdreich der heiligen Stadt. Nach ein paar Tagen der Forschung in entfernteren Winkeln dieser Sphäre, stand er nun wieder vor seiner Bleibe im Tempelviertel. Ahh, trautes Heim. Der Keller war zwar seit geraumer Zeit ruiniert, aber hier ließ es sich leben. Gewiss hatten die Götter ein wohlwollendes Auge auf seine Sammlung von Schiffsmodellen geworfen, als das Geröll herabfiel und die kleinen Meisterwerke verschonte. Götter in Gedanken, Alatar in Worten. So blieb die rahalische Flotte in Miniaturformat weiterhin in voller Pracht. Um die mickrige und stiefmütterlich bemalten Adoraner Schiffe wäre es aber nicht schade gewesen. Bei der Durchsicht seines Postkastens schob er die Rosen- und Orchideenblüten beiseite, die er hier vorfand und die seitdem als Innendekoration fungierten. Rechnung, Bettler, Betrüger, Rechnung, Arbeitsgesuch, Rahaler Steuerbüro; nanu was ist das? AD? Und was schreit der Ausrufer da? Ein Drache gesichtet? Die Nachbarschaft konnte sehen, wie er mit den Schreiben in seinem Haus verschwand und der Deckel seines Postkastens wie von selbst zuklappte.

Die Antwort an Auriane war am gleichen Tag verfasst und nach Düstersee unterwegs:


  • Des All-Einen Gunst mit Euch Auriane,

    ich verzeihe Euch nach wie vor Eure überdenkenswerte Wahl Eures Heimes. Wenn man die heilige Stadt selbst aber aus der Auswahl nimmt, ist diese Wahl jedoch wiederum ganz annehmbar. Des Mangels an Alternativen wegen. Und in einem Fischerdorf will ja nun wirklich niemand leben, dessen Geruchssinn noch halbwegs intakt ist. Es könnte also schlimmer sein.

    Wie Ihr wisst, stehe ich den Bewohnern des alatarischen Reiches stets, nicht nur in heldenhaften Schlachten die so manche Arie hervorbringen, sondern auch mit alltäglichen Ratschlägen und Weisheiten beiseite. Ihr dürft also unbesorbt sein, da ich mich entschlossen habe, mir Euer Anliegen anzuhören.

    Sofern es sich nicht spontan an einem der beiden letzten Tage dieses Wochenlaufs zu den Nachmittagsstunden einrichten lässt, werde ich wohl wieder ab der zweiten Woche des Wechselwind zur Verfügung stehen.

    Bis dahin verbleibe ich mit Grüßen aus dem Bollwerk Rahal,
    heilige Stadt des Einen Gottes,

    Sein Wille überdauert
    -
    Varcuvius

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Auriane Treuwind
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Beitrag von Auriane Treuwind »

*Gerade räumte sie noch die letzten Dinge aus den Truhen wieder aus in ihr Haus und seufzte einmal. Entweder bräuchte sie ein größeres Haus, damit sie einem ihrer geheimen Wünsche endlich nachkommen konnte oder sie musste umbauen oder umräumen... oder sich schlicht jeglichen Krempels entledigen, den sie besaß. Wobei... aus einem nebensächlichen Gedanken erst neulich hatte sich klammheimlich ein kleiner Funke in ihre Gedanken eingenistet... warum nicht einfach eine Kiste mit Plunder an die Seite stellen, aus der sie sich bedienen konnte, wenn die Gefühle einmal Überhand nahmen und sie einfach nur der Zerstörungswut anheim fallen wollte? Auch wenn sie die meiste Zeit sicherlich ein ruhiges Gemüt besaß, konnte es sicherlich nicht schaden, wenn man die andere Seite einmal auslebte. Also gut, es war beschlossene Sache. Eine Zerstörungskiste musste her. Gerade als sie die ersten Dinge hineinlegen wollte, läutete ihr Glöckchen. Misstrauisch ging der Blick zu ihrem Küchenfenster... wer war der Störenfried? Wieder einer der Arbeiter von der frisch eingerichteten Schmiede gegenüber ihres Hauses? Die verrückte blonde Heilerin? Einer der Kunden, der endlich mal seine Bestellung nach einigen Mondläufen hat abholen wollen? Das Läuten erinnerte sie daran, dass Ihr Haus an einem wirklich belebten Ort stand. Belebter gar als ihr Haus im Hafenviertel damals und seitdem die Schmiede dort stand, auch lauter. Und während sie noch darüber grübelte, ob sie schlicht einen Krug aus dem Fenster werfen sollte, um den Störenfried zu vertreiben oder vorgeben sollte, dass sie schlicht nicht daheim war, läutete es erneut, wobei sie stolperte und nun doch fluchte. Verdammt, nun konnte sie nicht mehr so tun als sei sie nicht im Hause! Auf der anderen Seite hätte Piaras sie ohnehin verraten, das alte Plappermaul. Er war vermutlich besser informiert, wer in diesem kleinen Häuschen da am Ende der Gasse ein und ausging als sie selbst sogar. Die Küchenschränke sprachen so manches Mal Zeuge von den Besuchern in ihrem Hause, während sie nicht da war. Ein kurzer Blick auf den Zopf, ob der auch noch ordentlich war, ein Abklopfen der Kleider, dann ging es auch schon zur Türe, welche sie erst einen Spalt weit öffnete, um vorsichtig hinauszuspähen. Derzeit wusste sie nie, wen sie erwarten konnte. Als es offensichtlich ein Bote war, öffnete sie die Türe doch etwas weiter, nicht ohne den Fuß dahinter zu stellen... sicher war sicher! Und so nahm sie jene Antwort entgegen, nicht ohne den Boten mit einigen Klimpermünzen zu entlohnen und dann wieder die Türe hinter sich zu schließen. Beim Hineingehen stolperte die Schneiderin abermals an die Trümmerkiste, weil ihr Blick schon gebannt an dem Schreiben hing. Sie stieß sie dieses Mal nur beiseite und ging in ihre Werkstatt, während sie bereits die ersten Zeilen las und sich mehr und mehr ein immer tieferes Schmunzeln auf den Lippen zeigte. Ein Freund der Worte also, wusste sie es doch! Die Umschmeichelungen und Überredungsversuche seinerseits in Düstersee und Rahal hatte sie nicht vergessen, auch nicht die einmaligen Eindrücke, die er ihr damals geboten hatte. Ob er sich wohl auch noch daran erinnerte? Das war eine ihrer ersten Berührungen mit Magie gewesen, welche sich umso eindrucksvoller in ihr Gedächtnis gebrannt hatte. Ob er das wohl wusste? Schlagartig schüttelte die junge Frau den Kopf, sie verfiel wieder in Erinnerungen und Gedankengänge, die sie wohl viel weiter noch tragen würden. Er schien also ein Freund der Worte zu sein, ob sie ihm so auch antworten könnte? Ein Versuch war es wert, das anzuwenden, was sie in den ganzen Mondläufen gelernt hatte. Und so zog sie eines der dickeren Pergamente hervor, ergriff Federkiel und Tinte, um in künstlerisch anmutenden Buchstaben nun ihrerseits die Antwort aufzusetzen.*
Des All-Einen Gunst mit Euch, Judikator Varcuvius,

es erfreut und betrübt mich zugleich, dass Ihr meine Entscheidung als überdenkenswert erachtet, sie dennoch als annehmbar anseht. Wobei ich an dieser Stelle ein Eingeständnis zu Euren Gunsten zulassen muss: Ich beneide Euch um Euer Haus im Tempelviertel, aufgrund seiner Nähe zum Tempel. Die einzige Alternative wäre hier jenes Haus, welches wegen seiner Größe wohl vielmehr für eine Familie geeignet wäre denn für eine einzelne Schneidersfrau. Doch seid unbesorgt, mein Haus hier in Düstersee hat nicht nur die erstrebte Nähe zum hiesigen Tempel, nein, auch einen herrlichen Ausblick aufs weite Meer und den stets glühenden RaKun. Gerne könnt Ihr Euch selber einen Eindruck von meiner Bank vor dem Hause machen, wie schön es vor allem in den Abendstunden des Tages dort ist.
Auch wenn Düstersee als Stadt zählt, so könnte man es zumindest als halbes Fischerdorf betrachten, so oft, wie man hier jemanden angeln und die Fische verarbeiten sieht. Doch die Meeresbrise weiß diese Düfte abzurunden, sodass sie einem vielmehr in angenehmer Erinnerung bleiben. Gerade sind wieder einige Zimmer frei im Rathaus, überzeugt Euch selber von den Reizen Düstersees.

Ebenso ist es erfreulich vernehmen zu können, dass Ihr Euch dazu entschlossen habt, meinem Anliegen Gehör zu verleihen. Zu meinem Ansinnen wäre sicherlich auch das Interesse vorhanden, wenn Ihr mir die, von Euch angesprochenen Arien zeigen könntet, meine Neugierde ist geweckt, von welchen Heldentaten sie zu künden wissen. Ansonsten gilt mein Augenmerk jedoch auch nunmehr den möglichen Weisheiten, vielleicht können sie mein Anliegen ebenso voranbringen.

Gerne würde ich unser Zusammentreffen in naher Zeit sehen, so würde ich mich tatsächlich freuen, wenn es an einem der beiden letzten Tage dieses Wochenlaufes sein könnte, allerdings kann ich Euch dahingehend keine feste Zusage zu den Zeiten machen, daher würde ich, sofern Ihr erlaubt, Euch aufsuchen und mein Glück versuchen wollen, sollten sich unsere Wege wider der Hoffnung nicht kreuzen, so würde ich Euch um einen Termin für den 08. oder 09. Wechselwind bitten, da ich mir nicht sicher bin, wie lange mir Zeit gegeben sein wird.

So entsende ich Euch nur die besten Grüße aus dem halben Fischerdorf Düstersee gen des Bollwerks Rahal.


Möge Ihm gefallen, was Er sieht!

Auriane
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Auriane Treuwind
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Beitrag von Auriane Treuwind »

*Sie lässt über einen Boten ausrichten, ob es dem Varcuvius heute am Nachmittag genehm wäre, wenn sie sich treffen würden. Und falls ja, wo es stattfinden solle.*
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Auriane Treuwind
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Beitrag von Auriane Treuwind »

*Gen Varcuvius wird ein weiterer Bote entsandt der ebenso höflich wie zuvor anfragen will, ob der Liedkundige an einem der genannten Tage Zeit hätte.*
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Varcuvius
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Beitrag von Varcuvius »

Als dem zweiten Boten, im Gegensatz zum ersten, geöffnet wird, wirkt der Magier ein wenig zerzaust und in Eile.
'Ah, richtig! Richtet dem guten Fräulein Auriane doch bitte meine besten Grüße aus, der 8. Wechselwind kommt mir an den Abendstunden ganz zu pass. Ich würde hierfür die 19. Stunde vorschlagen, selbstredend in Rahal. Leider kam ich bisher aufgrund von... Gründen nicht zu einem Antwortschrieb. Wartet einen Moment,' der Hagere verschwindet kurz, um mit einem kandierten Skorpion wieder zu erscheinen. Mit einem aufmunternden Nicken wird dem Boten die letharische 'Köstlichkeit' gereicht und die Türe geschlossen, als würden gerade Dinge zu erledigen sein, die keine größere Pause erlauben.
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Auriane Treuwind
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Beitrag von Auriane Treuwind »

*Ganz verzückt war die junge Dame als der Bote mit der letharischen Kostbarkeit zurückkam. Jener reichte ihr wohl eher mit spitzen Fingern diese Delikatesse während er ihr die Worte ausrichtete. Seufzend sah sie auf die Notiz hinab, welche ebenso von einem Termin zur achten Abendstunde kündete. Die Nase wackelte mächtig als sie nun hin- und herdachte und den Boten knabbernd beobachtete, wie er ihre Antwort abwartete. Vermutlich entgleisten seine Gesichtszüge gar als die Dame dieses Stückchen auch noch mit Genuss zu verspeisen schien. Schließlich wird sie den Boten wohl ausrichten lassen, dass sie sich für diese überaus schmackhafte Speise bedanke und ihn gerne zur siebten Stunde aufsuchen würde, sofern es ihr erlaubt sei, zwischenzeitlich kurz einem Geschäft nachzugehen, welches sicherlich nicht zu viel Zeit kosten und mit ihm teilen würde. So er für weitere Delikatessen dieser Art sorgen würde, würde sie für einen Tee oder Wein sorgen.*
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