Vertrauen ist heilig - Verrat dagegen himmlisch

Lanaya Shevanor

Beitrag von Lanaya Shevanor »

Die Schreiben hatten mich erreicht.
Das tiefe Stirnrunzeln zeigte deutlich was ich davon hielt. Es würde wohl doch weniger Zeit bleiben als ich angenommen hatte. Rasch wurde von Berchgard ein Bote entsendet der dem Grafen mitteilte das der Termin wahrgenommen werden würde. Bevor ich jedoch selbst aufbrechen wollten beschloss ich der Familie einen Besuch abzustatten. Die Ordenskleider unter einem weiten Mantel versteckt sah man mich von Rahal aus den Süden laufen. Kaum war der Sitzt des Ordens erreicht als ich auch schon die magische Rune vor der Türe zeichnete. Eine seltsame Ruhe überkam mich kaum das ich mich in den Mauern befand und tief sog ich die Luft ein. Hier war ein Ort der Macht. Ein Ort der Ruhe. Hier wurden Pläne geschmiedet, Entscheidungen getroffen und Wissen vermittelt. Die dicken Teppiche verschluckten jeden meiner Schritte und so trat ich gespenstisch leise nach Oben. Lächelnd betrachtete ich die Frau in der Bibliothek eine Weile ehe ich näher trat. Auch sie schien erfreut mich zu sehen. Täuschte es? Obgleich ich hier etwas gefunden hatte das mit am Herzen lag war ich vorsichtig. Schon früh hatte ich gelernt das die Dinge oft anders liegen als es zu Sein scheint. Das ganze Leben bestand aus Illusionen, Intrigen und Machenschaften. Doch sie schien es ehrlich zu meinen und so gesellte ich mich dazu. Wir sprachen geraume Zeit über die verschiedensten Dinge. Irgendwann jedoch trat Bruder Jago dazu und die Gespräche verstummten. Niemals würde er nachvollziehen können über was Frauen sprachen so sie unter sich waren. Einen Moment sahen wir ihn an und das Gespräch nahm eine überraschende Wendung. Bislang war mir nicht bewusst gewesen welche Vorliebe und Wirkung der alte Magus auf eine Frau haben könnte. Natürlich, seine Statur war durchtrainiert. Er verströmte eine gewisse Macht durch jede Pore die durchaus anziehend sein konnte. Aber dennoch war da etwas das mich seltsam von ihm distanzierte. War es die Reaktion der Schwester? Waren es die Blicke die sie tauschten. Er schien gar nicht zu bemerken wie er sie forderte, sie reizte. Es war durchaus interessant die Beiden zu beobachten, zu forschen. Doch was dann folgte... war bizarr. Unser Bruder Jago machte sich doch tatsächlich sorgen das der Graf ein alter, hässlicher Fettsack sein könnte den keine Frau eines Blickes würdigte. Würde er seine Stelle einnehmen? Kopfschüttelnd und etwas amüsiert lauschte ich seinen Worten. Drehten sich die Gedanken wirklich um etwas so nebensächliches wie die Sexualität? Würde er nicht einige Wochen eine Position einnehmen können ohne seinem Drang nachzugeben. Ein leichtes Schmunzeln schoss über meine Lippen als ich feststellte das er es wohl nicht könnte. Gleichsam fiel mir auf das keiner von uns über die Vorlieben und Gepflogenheiten des Grafes Bescheid wusste. Es würde in einem einzigen Fiasko enden so nicht mal mehr Informationen durchdrangen. Ob Bruder Kihdar seinen Auftrag erfüllt hatte wusste niemand. Ob der fette Freiherr wirklich dazu in der Lage war? Erstaunliches hatte ich schon vom ihm gesehen und gehört. Er besaß einen Wachen Verstand und man durfte sich keineswegs von seiner Statur täuschen lassen. Grübelnd über grübelnd stand ich eine ganze Weile da. Das Geplänkel von Lythiana und Jago spitze sich zu. Gerade als die Schwester dann vorschlug zu gehen um Jago mit mir alleine zu lassen wurde es mir zu absurd. Kurzerhand warf ich in den Raum das ich angenommen hatte wir würden alle drei gehen. Nach etwas hin und her lud ich die Beiden zu mir nach Hause ein. Es fanden sich noch immer etliche Flaschen verschiedenster Weine, Mete und sogar Bier in meinen Vorräten. Sie waren alle nicht gebraucht worden und würden ohnehin nur vor sich her stauben so das ich ordentlich davon auf den Tisch stellte. Doch auch hier konnten die Beiden nicht voneinander lassen. Eine Geste, ein Blick, unbewusst, gewollt, ich wusste es nicht. War mir doch diese Art miteinander umzugehen fremd. Noch nie hatte ich mich ernsthaft für einen anderen Menschen interessiert und ich hatte nicht vor meine Konzentration davon einschränken zu lassen. Dennoch musste ich wohl so intensiv zwischen ihnen einher gesehen haben das Lythiana mich letztendlich darauf ansprach. Etwas unzusammenhängendes murmelnd erklärte ich das ich erst einmal aus diesen unbequemen Kleidern steigen musste und sie daher einen Augenblick allein lassen würde. Aus de Augenblick wurde eine ganze Weile. Gelassen saß ich hinterm Vorhang in meinem Sessel und ging meinen Gedanken nach ehe ich irgendwann aufstand und die Beiden mit einem Krusteln warnte. Erst dann wurde der schwere Vorhang von mir angehoben und ich trat dazu die Szene musternd. Kurz vor seinem Gesicht hielt er ihre Hand fest den Ausdruck in beider Augen konnte ich kaum deuten. Ich schritt zum Tisch das Gesehene gänzlich ignorierend und setzte mich. Doch Schwester Lythiana schien genug zu haben sie wollte gehen. Ich sah sie an ehe ich mich erhob und zur Türe schritt. Kurzerhand ging ich hinaus und wartete draußen auf sie, ihnen noch einen Augenblick gebend. Als sie vor mir stand und mich ansah versicherte ich ihr sie könne unbesorgt sein. Dennoch ging sie rasch davon mit der Bitte sie nochmals aufzusuchen. Es schien tatsächlich nötigt das die Frage die vor Stunden gestellt worden war dringenden Klärungsbedarf hatte. Solch ein Geplänkel innerhalb des Ordens war nicht gut. Sahen sie das denn nicht?
Ich ging wieder hinein und verengte auf Bruder Jago´s Frage ob er gehen solle lediglich die Augen ehe ich verneinte. Was im Laufe des Abends folgte würde mir später zu schaffen machen. Er fragte ob sie sich mir anvertraut hätte. Er warf mir vor ein Eisblock zu sein der keinerlei Regung zeigte. Er schauderte noch immer bei dem Gedanken das der Graf nicht mit seinem jetzigen Standard mithalten könnte und er Verzicht üben müsste. Als er aufstand und mir durch Haar und über die Schultern strich, dabei von einem leidenschaftlichen Frauenkörper schwärmend wurde es mir zu viel. Natürlich riefen die Hände nahe meines Dekolletés ein wohliges Schaudern hervor. Natürlich reagierte ich doch wusste ich es zu verbergen. Doch viel sein mahnend gesprochener Name viel schärfer aus als ich es wollte und ich war erleichtert als er sich wieder setzte. In diesem Moment erinnerte er mich an eine läufige Hündin. War dies der Preis den er für seine Macht bezahlt hatte? Musste er als Ausgleich einer anderen Leidenschaft frönen? Noch immer aufgebracht das er es einfach gewagt hatte aufzustehen und mich zu berühren warf ich ihm vor das er sich nicht über das Betragen der Schwester wundern dürfte. Zudem sie sich nicht schamlos anbot sondern auf seine kleinen Gesten und Gebärden einging. Es schien ihm tatsächlich nicht bewusst zu sein wie sie einander reizten. Eine Weile noch flogen die Worte einher. Selten hatte ich ihn so energisch gesehen. In den Stunden die wir bisher miteinander verbracht hatten war er ruhig und überlegt gewesen. Doch hatte jede Münze zwei Seiten so war es wohl auch bei ihm. Irgendwann wollte er gehen. Ich öffnete ihm und noch im hinausgehen fragte er >>sind es Frauen?<< Innerlich musste ich ich ganz schön grinsen. Glaubte er wirklich er hätte keinen Erfolg weil ich eine andere Neigung hätte. Waren es Frauen? Nicht einmal ich war mir darüber bewusst. Ich suchte keinen Gefährten und keine Gefährtin. Ich brauchte niemanden. Ich wollte niemanden. Schmunzelnd verneinte ich seine Frage. >> Nein keine Frauen. Aber vielleicht achte ich das ältere Recht. Vielleicht achte ich die Freundschaft. Wer weis ...<< Eine Weile sah er mich an ehe er meinte mein letzter Satz hätte ihn gerettet und er würde sich gerne so verabschieden wie seine Vorfahren das einst Taten. Ich überlegte zwar was sich hinter den Worten verbergen mochte doch würde er wohl kaum mitten auf der Straße unsittliches gebaren an den Tag legen. Also stimmte ich zu. Angenehm überrascht wurde ich als seine Lippen kurz darauf meine Wange streiften und er sich langsam umwandte. Eine Weile sah ich ihm nach ehe ich wieder ins Haus huschte. Es war zu spät Lythiana noch aufzusuchen ich musste mich vorbereiten. Wir würden ein andermal darüber sprechen doch bis dahin vertrieb ich die Gedanken aus meinem Kopf. Es war ihre Sache, nicht meine. Meine Sache hingegen war es am morgigen Tag ein ordentliches Bild abzugeben. In aller Ruhe machte ich mich zu fortgeschrittener Nachtzeit auf nach Berchgard. Auf dem Schiff jedoch drangen mir die Worte des Tages im Kopf. Ein Eisblock... war dem wirklich so? Selbst wenn war das nicht eine positive Eigenschaft? Die Kleider für den morgigen Tag waren zurechtgelegt und hier würde sich die Dienerschaft um alles weitere kümmern. Doch nun galt es zu schlafen.
Jago di Trequona

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Mit raschen, weit ausgreifenden Schritten strebte der düstere Zauberer den nächsten Stufen entgegen, um noch tiefer in die Gewölbe der Ordensburg hinabzusteigen. Der Tritt der schweren Stiefel hallte durch die uralten Gänge, der schwarze Mantel bauschte sich und mit leisem Zischen und Knacken entzündeten sich die Fackeln, beleuchteten mit flackerndem Licht die Gestalt ihres Herrschers und knisterten leise, wenn Staub und Spinnweben in ihren Flammen verbrannten.

Es war so, wie es immer war, wenn große und wichtige Ereignisse anstanden. War er, Jago, am gestrigen Abend noch nervös und rastlos gewesen, so kehrte nun die gewohnte Zielstrebigkeit zurück, die ihn bis hierher und noch weiter gebracht hatte. Ja, er hatte viel studiert, er hatte sich mit Beschwörungen und Illusionen beschäftigt, ersteres in manchen Bereichen sogar bis auf Erzmagierniveau gebracht, auch wenn seine große Leidenschaft stehts die Kampfmagie geblieben war. Mit großer Genugtuung spürte er das vertraute Gewicht der Waffe an seiner Seite, die federnde Spannung der Muskeln, die Geschmeidigkeit der Gelenke. Vielleicht würde er all das für eine Weile aufgeben müssen, doch bei dem Gedanken zuckte er nur die Schultern. Die anfänglichen Sorgen, man könne ihm seine Gestalt dauerhaft nehmen, waren verflogen.

An diesem Punkt flogen seine Gedanken zurück zu den Ereignissen und Gesprächen des gestrigen Abends. Verdammt jung waren die Mädchen des Ordens, aber wenn er zurück rechnete kam er zu dem Ergebnis, daß er in seinem ersten Studienjahr kaum älter gewesen sein dürfte. 18 oder 19 Jahre vielleicht, ein junger Heißsporn, der damals unermüdlich zwischen Studierzimmer und Trainingsplätzen der varuneser Garde hin und her gewechselt war. Ganz anders als Lanaya, die ein lebender Eisblock zu sein schien. Der Schwester schien tatsächlich jegliches Lebensgefühl zu fehlen. Oder war es vorhanden, aber eingesperrt in einer kleinen Kiste? Auch möglich. Dann hatte sie wohl noch nicht den Richtigen getroffen, der das Schloß sprengen konnte. Was sie zu wenig hatte, hatte Lythiana hingegen zuviel. Er nahm ihr die zur Schau gestellte Kälte nicht ab. Er war sich sicher, daß sie sich innerlich nach Zärtlichkeit und Geborgenheit sehnte - und dieses Gefühl mit oberflächlicher Lust verbrannte. Er konnte sie verstehen und vielleicht war sie ihm ja ähnlicher, als sie dachte. Fest stand jedoch, daß sie gegenüber Lanaya mit Sicherheit das schwerere Schicksal zu tragen hatte.
Wie dem auch sei - er konnte daran sowieso nichts ändern. Er hatte sich Prinzipien gesetzt, auch wenn diese ihn hin und wieder hart ankamen.

Der Zauberer bog um die letzte Ecke und dann lag sie vor ihm, erhellt vom aufflammenden Fackellicht. Die Halle, in der seine Verwandlung stattfinden würde. Die feinen magischen Sinne registrierten sofort das unterschwellige Pulsieren des Liedes und als er nun langsamer weiterschritt, glommen kalt und blau die Runen auf, die teils seit ewiger Zeit hier verankert lagen, teils erst vor kurzem von ihm neu eingezeichnet worden waren.

Langsam stellte er die schwarze Tasche ab.
Jago di Trequona

Beitrag von Jago di Trequona »

Nachdem er die Tasche dort abgestellt hatte, legte er Umhang und Mantel ab und zog die seidig glänzende und tiefschwarze Robe hervor. Das Ritualgewand glitt ihm kühl und anschmiegsam durch die Hände, dann zog er es sich über.
Der Arkoritherdolch lag gut in seiner Hand, perfekt ausgewogen vom Heft bis zur Klinge, matt glänzend in einem tiefen Schwarz. Es war einer der großen Dolche, von einem Ordensmeister selbst geschmiedet, ein Artefakt von größter Macht. Mit dem Dolch in der Hand durchmaß er langen Schrittes die Abstände zwischen fünf ganz bestimmten Runen, dann zog der Erzmagier mit dem Dolch das Pentagramm in den Staub. Er spürte, wie ihm die Vorfreude prickelnd durch die Adern schoß - schon lange hatte er kein wirklich großes Ritual mehr vorbereitet, kein mächtiges Pentagramm mehr geweiht. Jetzt endlich war es wieder soweit, der Zauberer umgeben von mächtiger Magie, ganz in seinem Element. Ein unbemerktes Lächeln kräuselte Jagos Mundwinkel, als er die Seiten des Pentagrammes schloß. Hier ging es um ihn und um die Veränderung seines Selbst, es galt also, den Kraftlinien dieses Ortes so viel wie möglich von seiner eigenen Präsenz einzuverleiben. Erneut sah er prüfend auf das in den Staub geritzte Pentagramm, die Linien makellos, die Winkel exakt.
"Wer kann, der kann..." murmelte er zu sich selbst und während er noch sprach, umgriff er mit der linken Hand die scharfe Klinge und zog den magischen Dolch dann mit einem Ruck hervor. Die Schnitte in der geballten Faust brannten und der Schmerz züngelte sich wie Feuer seinen Unterarm hinauf, gierte wie eine Blutvergiftung nach seinem Inneren und trachtete danach, ihm den Verstand zu vergiften. Die unheilige Macht des Arkoritherdolches entfaltete ihre Wirkung und einen weniger geschulten Geist hätte sie wohl um den Verstand gebracht.
Doch der Erzmagier schloß nur für den Moment die Augen, den Kopf hoch erhoben, dann hatte er die schwelende Versuchung unter Kontrolle gebracht. Macht, Macht! Seine, Jagos ureigenste, Macht! Hier an diesem Ort wurde er selbst zur Macht, zum Inbegriff der dunklen Magie, als er nun langsam die Linien des Pentagramms abschritt, die Faust geballt. Langsam und gleichmäßig tropfte sein Blut auf die Linien im Staub.

Mit einem Lappen wischte sich Jago das Blut von der Hand und wickelte dann sorgfältig den Dolch darin ein, bevor er ihn zurück in die Tasche gleiten ließ. Dann kniete er sich vor die fünfte Spitze des großen Zaubersymbols. Seinen Geist nun ganz auf das ihn umgebende Lied eingestimmt, zog er die Fäden des Pentagrammes nach, lauschte dem düsterer werdenden Klang, der abdunkelnden Harmonie und begann dann langsam, hier und da einige Tonfolgen gänzlich zu verändern. Den Blick der rauchgrauen Augen glasig halb in dieser Welt, halb in der anderen, neigte er sich vor und hauchte seinen Atem über die Spitze des Pentagramms. Zugleich registrierte er das An- und Abschwellen der Klänge im Lied, ein Harmonienwirrwar, der sich ordnete und schließlich zum Crescendo anschwoll, geführt und geleitet unter seiner Aufsicht. Sein Blut auf den Linien im Staub begann sich auszudehnen, floß immer schneller und verschmolz mit den anderen Blutstropfen, bildete so schließlich ein blutrot glänzendes Symbol auf den Fliesen vor ihm. Gleichzeitig stob ihm der Wind durchs Haar, ließ den Staub von den machtvollen Zauberlinien verschwinden und im unstetig flackernden Licht der Fackeln verbreiterten sich die Linien immer mehr. Das gebändigte Feuer um ihn herum zischte, als wolle es sich gegen die widernatürliche Macht in dieser Halle wenden, rötlicher Nebel stieg über den Kraftlinien auf, der Erzmagier riß die Arme zur Seite, den Kopf weit in den Nacken gelegt, die Augen geschlossen, bäumte er sich auf den Knien auf und verband so die Melodie seines Lebens mit der immer eigenständiger werdenden Kraft des Zauberzeichens.
Dann erstarb der Spuk, der Nebel löste sich auf, die Fackeln brannten friedlich vor sich hin. Lediglich der zusammengesunkene, schwer atmende Körper des Erzmagiers zeugte noch von dem, was hier eben geschehen war. Er fühlte sich erschöpft, aber gleichzeitig so lebendig wie selten.
Langsam richtete er sich wieder in eine kniende Position auf und strich sich eine Strähne aus der staubverschmierten Stirn.

Das Lächeln dabei war echt.
Kihdar von Nebeltal

Beitrag von Kihdar von Nebeltal »

Mit geschlossenen Augen lehnte er sich tief in den Sitz, als die Kutsche, in der er nun saß, langsam Richtung Ordensburg wackelte. Das Hemd des Grafen lag sorgfältig gefaltet zu seiner Rechten. War es die Ironie des Schicksals, dass nun dieses ärmliche Stück Stoff, welches zufällig vom Grafen getragen wurde, nun das Kernstück ihrer Unternehmungen war?
Er hatte nun die letzten Wochen damit verbracht so viele Eigenschaften, wenn nicht gar Eigenheiten des Grafens herauszufinden. Alles was er nun wusste, war lediglich, dass man nicht viel über ihn wusste, weil er sich tagsüber tagelang in seinen Gemächern versteckte, um scheinbar den Staatsgeschäften nachzugehen.
Dieser Umstand konnte dem Orden äusserst dienlich sein. War es doch nur vom Vorteil, wenn das einfache Volk nichts von der Wandlung mitbekam. Doch diese Ritter des Reiches, die das Schloß wie Wachhunde bewachten konnten noch zum Problem werden. Er konnte sich Bruder Jago kaum als eine Lichtgestalt wie den Truchsess vorstellen, aber noch weniger zweifelte er an den Fähigkeiten seines Lehrmeisters, der sich im Gegensatz zu den Illusionistenschülern sicherlich eher auf mächtige Magie als auf einfache Schauspielkunst verlassen würde.

"Eine perfekte Illusion"... Immer wieder drehten sich seine Gedanken um diese drei Worte, die nun nach seinem Eintritt in den Orden kein bloßen Worte mehr waren...

Lanaya Shevanor

Beitrag von Lanaya Shevanor »

Endlich war es soweit.

Obgleich die letzten Tage anstrengend gewesen waren hatte sie es geschafft. Selbst einen Tag für sich hatte sie gewinnen können an diesem sie jedoch den Geschäften nachging und in den ewigen Sanden verweilte. Das dieses Land so heiß und trocken war hätte sie nicht erwartet. Obgleich der Stoff dünn gewählt und genügend getrunken worden war empfand sie die Hitze als drückend. Hohe Stiefel Lanaya. Welcher Dorftrottel zog hohe Stiefel an bei diesen Temperaturen? Sie schwitzte vor sich hin bereits nach kurzer Zeit gerötet auf der blassen Haut. Recht froh darüber dann in der Taverne verweilen zu können handelte sie mit dem Haus Masari.
Erst spät am Abend verweilte sie wieder in Rahal. Die letzten Anweisungen fanden ihr Ziel nach Berchgard. Das Schiff würde ablegen. In naher Zukunft würde sie sich nicht hinter der Baronin verstecken müssen um im Schloss zu verweilen. Kurz zierte ein grinsen ihre Lippen. Obgleich sie betrübt darüber war den letzten Auftrag noch nicht abgeschlossen zu haben, die letzte Gefahr nicht beseitigt wusste wurde es Zeit. Bruder Jago hatte den Mantel des Grafen und einige, hoffentlich wertvolle Informationen bereits vor 2 Tagen erhalten. Dieses stetige hin und her war anstrengend. Das Gesülze die Göttern betreffend währe ihr letztens fast trainiert in Rahal über die Lippen gekommen. Sie durfte die Lüge nicht leben. Sie gehörte dem Orden. Wortwörtlich ihr Blut band sie obgleich sie dies gerne hinnahm. Bis zum Ritual würde sie nun ruhen. Sie würde die Kraft brauchen.

Der nächste Abend

Ausgeruht und innerlich ruhig schritt sie im nachtschwarzen Ordensgewand den Pfad entlang. Der Magierin war es gleich ob sie heute jemand sah. Sie hatte sogar eine weitere Gestalt in dieser Gewandung gesehen die fast fluchtartig in die Kutsche stieg. Stirnrunzelnd nahm sie es wahr das ihr Gruß wirkungslos verhallte. Es war Zeit. Sollte der Bruder wichtigeres zu tun haben als dem Ritual beizuwohnen sie würde den Orden nicht enttäuschen. Ruhig Schritt sie weiter, ein ungwohntes Lächeln auf den Lippen. Freute sie sich? Vielleicht doch war sie sich dessen nicht sicher. Endlich hatte sie die Mauern erreicht. Sich kurz sammelnd zog sie mit dem Finger die wohl mächtigste Rune des Ordens ehe wie von geisterhand die Türen aufschwangen. Kein unwissender würde jemals in diese Mauern eindringen. Hier war ihr sitzt. Ein Ort voller düsterer Lehren und Magie. Ein Ort an dem sie sich wohl fühlte. Der Teppich dämpfte ihre Schritte und bald war sie wo sie einen Moment sein Wollte. Das Dach der Burg mit all seinen Zinnen bot einen wunderbaren Blick auf das Meer. Sie achtete die schönen Dinge des Lebens ohne sich in ihnen zu verlieren. So kalt sie auch für auf einen Fremden wirken konnte war sie im Grunde was sie war. Eine junge Frau die tatsächlich noch so unschuldig war das sie nie zuvor einen nackten Körper berührt hatte. Doch machte dieser Umstand sie nicht schwach. Im Gegenteil sie wusste um den Wert des jungfräulichen Blutes und würde es wahren solange sie konnte.

Schritte klangen auf und langsam wandte sie den Kopf. Der Freiherr war eingetroffen. Seinen Gruß erwidernd war sie froh nichts weiter zu dem Sonnenbrand zu hören und sie sprachen eine Weile miteinander. Bald jedoch wurden die Schritte nach Unten getragen. Still, gespenstisch leise auf dem Teppich. Hallend, lebendig auf den Steinstufen. Unten gab sie offen zu an einigen seiner Worte zu zweifeln. Hatte ihn Varuna verdorben? War er schwach oder so gerissen das sie ihn nicht durchblicken konnte? Kurz darauf trat Jago ein. Die schwarze Robe, gehalten in den Ordensfarben, umschmeichelte seinen Körper. Er wirkte wie ein Magnet der die Blicke auf sich zog und etwas in ihr registrierte einen Augenblick das sie sich wahrhaftig freute ihn zu sehen. Weitere kurze Worte wurden ausgetauscht. Dann jedoch erklang ein Geräusch das die 3 Ordensmitglieder sich straffen ließ. Klack... klack.. klack... Ein Stab der die Stufen berührte. Eine Gestalt die um die Ecke bog. Köpfe die sich in Ehrfurcht senkten. Eine Hand die gehoben wurde und einen stummen Befehl gab dem sie alle nach kamen.

Der Meister war gekommen.

Wie immer fühlte sie sich von der Macht die ihn umgab angezogen, mitgerissen, man konnte es nicht beschreiben. So abstoßend seine Gestalt sein Mochte so anziehend war die Aura die ihn umgab. Sie genoss das Prickeln auf der Haut das auftrat kaum das sie den Raum betreten hatten. Die wohl mächtigsten Magier die sie bislang kennen gelernt hatte in einem Raum der so voll Energie pulsierte. Sie ließ es wirken. Das Pentagramm am Boden war wohl schon vor einiger Zeit aufgeladen worden. Der Raum gespenstisch erhellt. Dann begann es.

Ruhig kam sie der Aufgabe nach, das Hemd und den Mantel des Grafen von Hohenfels, in eine Stoffpuppe zu zerschneiden. Kaum waren 2 Puppen sicher herausgeschnitten legte sie die Schere zur Seite. Nun riss sie mir den Fingern. Behutsam doch fest gab der Stoff endlich nach und sie konnte sich einige einzelne Garnfäden abschneiden die sie zu Dochten drehte. Erst hiernach trat sie zurück wohl etwas abwarten und gespannt. Das Eintreten eines weiteren Magier nahm sie erst wahr als dessen Gruß dicht neben ihr erklang. Kurz sah sie vom Geschehen auf ihm zunickend. Kihdar stattete jede der Kerzen mit einem Docht geflochten aus den Kleidern des Grafen aus. Dann endlich nahmen sie Aufstellung. Jeder fand seinen Platz an einer Spitze des Pentagrammes. Das Ritual begann.
Kihdar von Nebeltal

Beitrag von Kihdar von Nebeltal »

Die praktische Seite seiner Magierausbildung war ihm nicht unbedingt unangenehm, als ihm erst beim Anblick des Ritualraumes ersichtlich wurde, auf was das ganze Unternehmen hinauslief. In der Mitte des Raumes ein blutrotes Pentagram, welches die Energien der Magiewirkenden zu einer gewaltigen Einheit zusammenführen sollte. Ein aufgeschlagenes Ritualbuch, worin mächtige Magieformeln und Runen verzeichnet waren, lag ausgebreitet einsam auf einem sonst nur von zwei matt flackernden Kerzen flankiertem Altar.
Jago die Trequona, der Erzmagier des Ordens, würde bald... schon sehr bald... dem Truchsess des Reiches, Adrian von Hohenfels, wie ein Ebenbild gleichen.
Nein, sogar besser: Er sollte nicht nur aussehen wie Adrian, sondern ebenso riechen und sich anhören wie dieser. Den blanken Haß, die abgründigsten Verwünschungen und die dunkelsten Flüche ließen sie mit in ihre Magie einfließen. Die Kraft ihrer Emotionen und auch Gefühle nutzend, um ihre eigenen Energien zu bündeln und diese für das dunkle Werk zu gebrauchen.
Er spürte das unbändige Knistern in der Luft, sowie die eigene Angespannung in jeder einzelnen Muskelfaser seines Körpers, als sie endlich die Vorbereitungen abgeschlossen hatten, um den finalen und bedeutungsvollsten Schritt des Rituals zu wagen.
"Die perfekte Illusion."
Wie unterscheidet sich die perfekte Lüge von der Wahrheit?
Oder war es keine Lüge und doch nur die verdrehte Wahrheit? Was war überhaupt die Wahrheit? Kihdar hatte schon längst die Grenzen zwischen beidem zerstört, als er den Pfad der Lügen beschritten hatte.
Jetzt zählte nur noch eine Wahrheit.... Seine.
Lanaya Shevanor

Beitrag von Lanaya Shevanor »

Eigenschaften werden zum Fluch.
Lüge verwischt Wahrheit und Wahrheit weicht dem Schein. Sie lauschte den Worten die Gutes in Schlechtes wandelten oder schlechtes hervorhoben. Obgleich die letzte im Glied wusste sie genau was sie sagen würde. Einen aberwitzigen Moment hatte sie die Befürchtung ein anderer würde es aussprechen doch oblag es ihr. Alle 5 Verwünschungen trafen die Puppen. Immer mehr pulsierte der Raum, lud sich auf, die Luft war mit einem Prickeln erfüllt. Die Energien wurden fokussiert. Die Melodie nahm ihren Lauf und alsbald war zerstört was es zu zerstören galt. Vorsichtig wurde die Asche in eine Schale gefüllt. Das Ritual inzwischen weit fortgeschritten. Kräftezehrend, intensiv, fesselnd. Selbst so sie daran zerbrechen würde. Dafür lebte sie. Dafür starb sie. Nur flüchtig war ihr Blick über den durchaus ansehnlichen Jago gehuscht als dieser seine Position im Inneren des Pentagramms einnahm. Er war das Werkzeug. Das Mittel zum Zweck.

Jetzt jedoch nahm sie Sarog die Paraphernelia ab. Es widerte sie nicht an. Konzentriert, folgsam tat sie wie ihr geheißen wurde. Die Dinge wurden vermengt. Jede Zutat die Beigegeben wurde ward mit dem Zeichen des Ordens noch einmal Zusätzlich in ihrer Wirkung verstärkt. Dann endlich traten sie zurück. Alles war beigemischt selbst der Mutterkuchen hatte seinen Weg in das Gemisch gefunden. Nun war es an dem jungen Beschwörer den letzten Schritt mit Hilfe des Meisters zu vollziehen. Neugierig und neue Kraft schöpfend sah sie ihnen zu. Es war fesselnd zu sehen wie sie ihr Werk taten. Als das Gemisch einen bestimmten Farbton erreichte und die Luft bereits zum Bersten mit den Melodien gefüllt war atmete sie fast wie befreit auf als die Beiden zurücktraten. Sie war ein junges Glied des Ordens. Noch nicht an diese Macht gewöhnt und doch so sehr danach strebend. Nun war es wieder an ihr. Als einzige Schwester unter den Brüdern war sie es die den Gegensatz des Weiblichen zum Männlichen verkörperte.

Ohne Scheu wurde die Hand in die inzwischen in allen Farben schillernde Masse getaucht. Es war nicht unangenehm. Warm, geschmeidig floss die zähe Salbe durch ihre Finger ehe sie sich in der Handfläche sammelte. Vorsichtig trat sie in das Pentagramm vor Jago. Der nackte Mann schien seltsam entrückt, sein Blick in weite Ferne gerichtet. Kurz ließ die wärme seines Körpers ihre Wirkung nicht aus und sie straffte sich. Dann jedoch begann sie den nackten Leib mit der Tinktur zu salben. Vorsichtig doch gründlich wurde jede Stelle seines Körpers damit eingerieben bis er selbst in etlichen Farben zu glänzen schien. Zufrieden trat sie zurück an ihren Platz. In ihrer Hand war die Tinktur inzwischen verflogen. Ein Fremder hätte es nicht erklären können dich schließlich flossen hier die Melodien. Hier war alles möglich was noch vor Kurzem unmöglich erschien. Das Ritual nahm seinen Lauf. Der gesalbte Körper schien je weiter sie es vorantrieben um so mehr zu zucken, zu leiden. Er musste Schmerzen erfahren die wohl niemand nachvollziehen konnte. Später fragte sie sich wie es wohl wäre bei vollem Bewusstsein zu erfahren wie sich Organe veränderten, Knochen verschoben und eine neue Haut sich bildete. Doch in jenem Moment fragte sie sich ob er den Verstand verlieren würde. Er würde unnütz werden wenn dem so war und die Bemühungen verstärkten sich. Bislang war sie Kihdar auf den Notenlinien des Astralgefüges gefolgt. Bislang hatte sie den leichten Pfad gewählt, unterstützend, passiv und doch beständig, mächtig. Jetzt jedoch löste sie sich von der vertrauten Kraft des Bruders. Formte eigenständig nach bestem Gewissen das Lied sich auf den Meister konzentrierend. Ihre Stirn war glänzend und einen Moment wünschte sie ebenso nackt zu sein wie Jago um dem erstickenden Gefühl ihrer Kleidung zu entkommen. Dann, als es kaum noch auszuhalten war. Entluden sich die vereinten Kräfte.

Fast wäre sie zusammen gesunken. Zu jung die Magierin. Zu schwach. Der Stab rettete sie vor der peinlichen Begebenheit eine Schwäche vor den Brüdern bloß zu geben. Der Rest des Rituals verschwamm vor ihren Augen. Als sie kräftig genug war wieder klar zu sehen stand der Truchsess vor ihr. Diesmal musterte sie den nackten Körper offen. Sie studierte ihn. Alles glich dem Mann den sie vor Tagen kennen gelernt hatte. Sie konnte nicht umhin sich ein zufriedenes Lächeln erlauben. Der Meister zog sich zurück. Die Arbeit war vollbracht. Sie folgte alsbald Sarog die Steinstufen hinauf. Sie musste schlafen. Nur einen Moment wollte sie sich Oben in der Bibliothek setzen. Nur einen Moment verschnaufen. Dann jedoch spürte sie nicht einmal wie sie auf dem Stuhl wegdämmerte. Das helle Haar verteilte sich in Strähnen auf dem Tisch vor sich. Die Haltung gebeugt sichtlich unbequem. Traumlos und tief war der Schlaf. Die Kräfte forderten ihren Tribut. Erst Stunden später wachte sie auf. Sie fühlte sich noch immer matt doch wollte sie nach Hause. Den Kopf schüttelnd erhob sie sich. Erneut schluckten die Teppiche jedes Geräusch und sie kam bis in die untere Etage. Hier jedoch ließen ihre Kräfte nach. In einer Ecke schlief sie Stunden um Stunden. Nichts würde sie wach bekommen. Ihr war es gleich. Sie hatte etwas erfahren das diesen Preis allemal wett machte und so zierte noch im Schlaf ein feines Lächeln die Lippen.


Am nächsten Morgen in Berchgard.

Eine raue Männerstimme bellte Befehle. Anker wurden gelichtet. Taue gelöst. Es war früh. Noch rang die Nacht mit dem Morgengrauen und nahe der Küste zog Nebel über das Meer. Eine Gestalt befand sich an Deck. Das helle Haar und die aufgerichtete gerade Figur mochte man erkennen doch war es nicht die Baronin. Sie schlief noch immer in der Burg des Ordens. Es war erreicht worden was es zu erreichen galt. Die Baroni hatte den gewünschten Aufschub erhalten den sie brauchte um selbst dort den Schein zu wahren. Sie alle hatten Anweisung. Solange es nötig war würden auch sie den Schein wahren und offen eine Lüge leben tief im Innern dem Gottkönig ergeben. Das Schiff lief aus. Der Graf war in Kenntniss gesetzt worden und sie waren froh dem Gesülze über die falsche Göttin zu entkommen. Neue Anweisungen wurden mit nach Shevanor gebracht und in einigen Monaten würde ein Schreiben den Grafen erreichen das die Baronin sicher zu Hause verweilte. Der kräftige Mann lächelte ein undurchschaubares Lächeln. Alles war gut verlaufen.






Des Gottkönigs Wahrheit schillert für dich wie der Sterne Licht
deren Reinheit in den Farben des Mondes zerbricht
Erkenntnis macht dich so nass wie ein heftiger Regenguss,
erfrischt dich wie der Erde Atem den behäbigen Fluss
Der Glauben wirbelt dich wie Sturm empor das Herbstlaub
legt dich dann sanft zurück auf dunkler Erde Staub
Wissen lässt dich unerschütterlich stehen in Hitze, Sturm, Regen
ist wie ein Berg und darum nach allem anderen der größte Segen
Drum such erst Wahrheit, Erkenntnis dann Glauben in der Zeit
zusammen mit Wissen schafft all das ein Leben in Weisheit


Kihdar von Nebeltal

Beitrag von Kihdar von Nebeltal »

Die Torte mit dem Zuckerguß oder doch den saftigen Schinken mit der gepfefferten Kruste? Einen Moment lang verharrte er über dem Tisch gebeugt, als seine Hand über der Tischplatte schwebte und er sich plötzlich unschlüssig war, welche Nahrung ihm heute am Ehesten bekam. Seit seinem Eintritt in den Orden hatte er nunmehr kein saftiges Mahl zu sich genommen. Die Infiltration des Schloßes und die vielen Stunden, die er in der Bibliothek verbrachte ließen die Tage wie im Flug verstreichen, während er sich nur selten Pausen genehmigte. Hatte er etwa das wohltuende Gefühl eines vollen Magens vergessen, oder verlor dieses Gefühl nur zusehends an Bedeutung?

Der matte Lichtschein der unruhig flackernden Kerze beleuchtete den kleinen Raum, indem er nun saß, nur ungenügend. Doch zeichnete sich sein Spiegelbild trotz der schwachen Belichtung des Zimmers deutlich an der spiegelnden Oberfläche der Karaffe ab. Das zylinderartige Kristallglasgefäß mit der glatten gleichförmigen Oberfläche verzerrte das Bild in fast schon grotesker Art und Weise in die Höhe. Sein ründliches Gesicht, das er in Erinnerung hatte, wirkte nun ausgelaugt und im Gegensatz zu früher abgekämpft.

Er blickte auf sich herab und fuhr sich mit der Hand über den leicht gewölbten Bauch. Hatte er diesen nicht größer in Erinnerung gehabt?
Auf seinem buschigen Unterarm konnte er neuerdings Adern erkennen, von deren Existenz er zuvor noch nicht einmal etwas geahnt hatte.
War es die Belastung oder der andauernde Druck, der vom Orden ausging? Hatte er wirklich seine eigene Gesundheit vergessen- sich selbst vergessen- um dem Orden von Nutzen zu sein?

Bei diesen Gedanken verspürte er ungemeinen Durst... Durst nach mehr Selbsterkenntnis. Mit einem Handwisch fegte er die Karaffe vom Tisch, und somit ebenso das ihn verhöhnende Bild, sowie die wirren Gedanken der Tagträumerei.
Lanaya Shevanor

Beitrag von Lanaya Shevanor »


Zweifel...! ... Verrat...!
Ihre Gedanken flogen umher und scharf musterte sie den Freiherren. Erzählte er ihr gerade das sie nur Marionetten waren? Wollte er Zweifel wachrufen? Sie reizen? Die eisblauen Augen zogen sich verächtlich zusammen. Er war gebunden. Ebenso wie sie es war. Sie hatten ihre Seele verkauft für den Orden. Ihr Leben gehörte der Gemeinschaft. Doch er... er sprach davon ob sie niemals zweifelte.. ob ihre Gedanken niemals etwas anderes dachten. Sie wurde wütend. Das Gesicht inzwischen eine undurchdringliche Maske würde sie diese Worte nicht an sich heranlassen. Sie dachte in der Tat nichts anderes. Was glaubte er wer er war die Taten und Entscheidungen des Meisters anzuzweifeln. Was glaubte er wer er war ihr derlei Fragen zustellen. Schnaubend stand sie auf und beugte sich zu ihm. Die gezischten Worte machten wohl deutlich was sie davon hielt. Sie rauschte davon. Sollte er zweifeln. Sie würde sich nicht hinreisen lassen, oder doch?

Die Fasade bröckelte.
Kaum aus der Stadt hinaus und allein wurde der undurchdringliche Blick wesentlich weicher, nachdenklicher. Sie machte sich durchaus ihre Gedanken doch hatte sie kein Vertrauen diese mitzuteilen. Sie war misstrauisch und berechnend. Niemand sollte an sie herankommen. Nicht so. Nicht jetzt. Die Schritte wurden fast automatisch gen Ordensburg gelenkt. Hier war der Ort an dem alle Zweifel schwanden. Hier war sie zu Hause. Dies zählte mehr als alle Pflicht. Sie war sich nicht sicher was sie von dem Bruder und seinen Ansichten halten sollte. Es war seine Sache sie würde nicht daran rühren. Solange er seinen Zweck erfüllte gliederte er sich ein. Sollte dem nicht so sein würde sie ihm ohne mit der Wimper zu zucken entgegen treten. Grübelnd wurde das hübsche Köpfchen etwas gesenkt. Der Tisch vor ihr war leer und dennoch schien sie auf der Tischplatte etwas zu suchen. Erschrocken sah sie auf als die Türe geöffnet wurde und noch erschrockener starrte sie den Truchsess an. Seit dem Ritual hatte sie Jago nicht mehr gesehen. Er glich dem Grafen wie ein Ei dem Anderen und sie brauchte einen Moment sich daran zu gewöhnen. Ihr Blick der einen Moment zuvor noch verdächtig verletzlich gewesen war verschleierte sich prommt. Doch auch der Magier schien nicht er selbst. Die Sicherheit die er sonst vermittelte war verschwunden und überaus deutlich stellte sie fest das auch er ein Mann war der seinen Gefühlen und Gedanken nachhing.

Worte wurden gesprochen. Gesten ausgetauscht für die sie sich einige Tage zuvor eher die Hand abgehackt hätte als diese zutraulich auf eine Schulter zu legen und stärke zu vermitteln. Bei dem Gottkönig was tat sie da? Nicht er hatte schwach zu sein. Sie war die lernende sie sollte zweifeln. Dennoch war heute offensichtlich nicht ihr Tag. Das Gespräch ging weiter. Fast schon vertraut dann wieder so abweisend kühl. Sie machte einen Fehler. Einen Fehler den sie schon Momente später bereute. Sie ließ seine Worte, Gesten auf sich wirken. Ließ ihn an sich heran. Er durchdrang die Mauer. Dann jedoch bekam sie die Quittung. Sie wurde zurückgestoßen. Nicht genug Vertrauen um mit ihr zu sprechen. Spielte er mit ihr? Einen Moment hatte sie vergessen wen sie vor sich hatte und getroffen erhob sie sich. Es war geschehen. Zu spät. Sie floh. Hinaus aus dem Raum. Fort aus seiner Nähe. Langsam sollte sie Anfangen nicht mehr vom Orden zu erwarten als sie selbst bereit war zu geben. Sie hatte doch auch kein Vertrauen zu allen Mitgliedern. Sie machte doch auch Unterschiede. Erst war sie hinausgelaufen. Durch das Tor. Dann jedoch kehrte sie um. Es war nicht gut mit solch wirren Gedanken über Gerimor zu wandeln. Kaum wieder im Inneren der Burg setzte sie sich auf die Treppen. Nachdenklich den Blick auf die gegenüberliegende Mauer gerichtet. Was war hier gerade geschehen?

Schritte ließen sie zusammenfahren und sie schalt sich selbst. Hätte sie doch keinen ungünstigeren Platz wählen können. Jago stand vor ihr. Natürlich was setzte sie sich auch auf die Treppen zu seinen Gemächern. War es weil sie die Nächsten gewesen waren oder unbewusst weil sie die Konfrontation suchte. Sie wusste es nicht. Doch sie verbarg sich. Nicht so sicher wie sonst doch hoffte sie das der Blick fest genug war um sich nicht zu verraten. Sie war enttäuscht. Sie hatte Stärke gesucht und noch mehr Verwirrung gefunden. Eine Weile standen sie sich schweigend gegenüber. Ihre Gedanken kreisten. Waren Worte gesprochen Worden? Mit einem Mal fand sie sich in einer gänzlich unjagohaften Umarmung. Er war weder aufdringlich noch fordernd. Einfach nur.. wie man sich einen Mann vorstellte der mitgemacht hatte was ihm die Tage widerfahren war. Er bot trost und fand selbst hallt. Als sie sich lösten hatte er es geschafft. Nun konnte sie das Chaos nicht mehr leugnen. Hilfe, was passierte hier? Mehr laufend als gehend huschte sie in die Nacht. Eine Weile rannte sie durch die Dunkelheit sich ganz dieser hingebend. Sie mochte die Nacht. Bestimmt eine Stunde war sie gelaufen ehe sie verblüfft inne hielt. Ihre Gedanken hatten sich inzwischen wieder beruhigt. Dennoch nagte etwas in ihr. Etwas das Sänftigung suchte. Etwas das herauszubrechen drohte. Sie trat auf die Lichtung. Eine einzelne Gestallt am Feuer. Ein Bursche wohl nur wenig älter wie sie. Anzüglich das Lächeln. Für was hielt er sie? Wütend blitze es in ihren Augen auf. Zuviel war heute geschehen als weiterhin gelassen und ruhig zu bleiben.

„Welch Überraschung! Eine Maid um die Felle zu wärmen...“

Oh das hätte er wohl gerne. Sie schenkte ihm ein warmes Lächeln und trat näher. Einen Augenblick ließ sie zu das die festen Arme sie umschlungen dann jedoch konzentrierte sie sich. Lauschte den Melodien und schlug gnadenlos zu. Sein Schrei tat wohl und zufrieden beobachtete sie wie er die Hände an die Schläfen presste. Doch damit nicht genug. Sie hatte es satt das man in ihr nur einen Körper sah. Sie hatte es satt das einige Mannen unweigerlich daran dachten einer Frau würde es gefallen so man sie benutzte. Sie fügte ihm Schmerz zu. Es half. Je weiter sie ihn drangsalierte desto ruhiger wurde sie. Oh sie würde ihm etwas nehmen. Nie wieder sollten seine stechenden Augen eine Frau erblicken und dabei Erregung empfinden. Sie zwang ihn auf die Knie. Kalt und zynisch die Stimme flüsterte sie ihm zu was sie tun würde. Er zitterte, sie ebenfalls doch nicht vor angst. Sie genoss das Gefühl und begann die Illusion zu wirken. Keine Geräusche drangen mehr auf die Lichtung. Es schien fast als würde der Wald vor den dunklen Energien zurückweichen.
Das Gewand gab ihr Sicherheit. Wie hatte sie nur Zweifeln können? Den Dolch gelöst schnitt sie sich über die linke Handinnenfläche. Inzwischen stand sie hinter ihm und sah zu wie er bei jedem Tropfen ihres Blutes zusammenzuckte kaum das es seine Haut berührte. Für ihn war es nicht der lebenspendende Saft. Für ihn war es eine ätzende Flüssigkeit die ihm auf ewig das Augenlicht nahm. Der Schmerz in ihrer Handfläche war ein geringer Preis für das Amüsement das sie damit hatte. Der zuvor so sichere Mann wimmerte inzwischen wie ein Kind. Er rollte sich selbst zur Seite wie ein Kind noch immer wie wahnsinnig nach seinen Augen tastend. Sie war zufrieden. Das Ereignis hatte ihr die Möglichkeit gegeben wieder zu sich zu finden und in gewohnter Ruhe schritt sie davon. Erst zu Hause kümmerte sie sich um ihre Hand. Sie wollte den Schnitt nicht auf magische Weise heilen. Er würde sie noch einige Tage daran erinnern was geschehen war. Doch jetzt war sie bereit was vor ihnen lag. Bereit für den großen Schlag in Varuna.
Kihdar von Nebeltal

Beitrag von Kihdar von Nebeltal »

Er hatte schon zu lange dieses Spiel gespielt, um nicht die Kehrseite der Medaillie zu kennen.
Menschen für seine Zwecke zu benutzen war das Eine. Sich benutzen zu lassen das andere. Aber manchmal hatte er das Gefühl, dass kaum ein Unterschied für beides herrschte.
Er, der sein Leben lang gelogen und betrogen hatte, und für den ein wahres Wort sich nicht von einer dreisten Lüge unterschied, hatte einen Schwur geleistet- seine Seele verkauft.

"Würmer... die die vorher herrschten und nach mehr Macht strebten werden nun beherrscht."
Diese Worte trafen durchaus auf Lanaya und ihn zu.
Das war die Ironie des Schicksals, dass gerade zwei Adelige des Reiches ihr Aussehen verhüllten, um sich darüber zu beraten wie man dem ärgsten Erzfeind von Varuna zu mehr Macht verhelfen sollte.

Er hatte die letzten Jahre die ganze Zeit darauf hingearbeitet den Kronprinzen sowie den Truchsess zu stürtzen und eine neue Weltordnung zu erschaffen. Nun, da er dem Orden diente, rückte der Traum in greifbarer Nähe. Das Ritual war gelungen, und bald würde nur noch Chaos und Verderben in der Stadt des Grafen herrschen.
Aber hatte er wirklich die Folgen seines Handelns bedacht? Was würde sein "nach dem Fall des Reiches... wenn die königliche Familie nicht weiter sein wird als Staub und Asche, den wir so großzügig über den Boden verstreuen..."?
Er hatte die letzten paar Tage des Nichtstuns so intensiv über diese Thematik nachgedacht, dass er sich hat zu diesen Worten hinreißen lassen. Als er die Worte schliesslich ausgesprochen hatte, bereute er auch schon seine Dummheit und vor allem den Mangel an Vorsicht.
Andererseits war er überrascht, dass die Schwester dem Orden blind vertraute. Sie ließ sich scheinbar keineswegs von seinen Worten erweichen. Er hätte nur zu gerne einmal einen Blick hinter diese oberflächliche Fassade geworfen und seine eigene Neugierde befriedigt.

Als ein Mann der Lüge hatte er sich schon lang abgewöhnt blind zu vertrauen. Sich Wege offen zu halten bedeutete nicht unweigerlich, dass man nur halb bei der Sache war.
Gesunder Zweifel und Angst treiben zur Vorsicht und Vernunft. Blindes Vertrauen machte einen nur überheblich und vor allem verwundbar.

Es überraschte ihn, dass die Schwester dennoch so standhaft in ihrem Glauben war. Aber sie war noch jung, hatte Ideale.
Oder steckten da doch noch andere Gedanken dahinter, als sie plötzlich aufstand und mit vorwurfsvollem Blick das Weite suchte?
"Gedanken können verräterisch sein Kihdar." Ihr Worte klangen eiskalt in seinen Ohren... und doch empfand er irgendwie eine Art Genugtuung.
Er spürte plötzlich in diesem Moment, dass hinter der granitharten Fassade mehr war...

Für einen kurzen Augenblick hing er noch vor sich hinstarrend seinen Gedanken nach, ehe er sich von dem bequemen Sessel hochdrückte, um sich zu voller Größe aufzurichten...
Sie waren doch nur Marionetten. Doch diesmal beunruhigte ihn der Gedanke nicht mehr, als vor seinem geistigen Auge das Gesicht der Schwester erschien.
Macht hatte er gefordert und Loyalität hatte er geschworen. Er hatte nun keine andere Wahl als daran zu glauben, dass es ein äquivalenter Tausch war.
Sarog Pilyan

Beitrag von Sarog Pilyan »

Mit Unbehagen schritt er langsam die Treppe zum Beschwörergewölbe herunter. Die Hände waren schwitzig, der Blick höchstkonzentriert. Dies waren Erkennungszeichen für seine Nervosität. Er war zwar sehr neugierig und bereit weit zu gehen, um sich einen angemessenen Platz innerhalb des Ordens anzuzeignen - dennoch konnte es hier um sein Leben gehen. Er konnte viel gewinnen, oder alles verlieren. Hier ging es nicht darum, einfach nur vorsichtig zu sein, sondern, er musste bei dieser Queste einfach alles geben - ein hohes Risiko eingehen. Dabei wollte er sich doch immer zurückhaltend geben, nicht auf sich aufmerksam machen - nicht im Orden, nicht in der Welt. Aber was beim Ritual geschehen war, das gab ihm eine andere Sichtweise. Er hatte sich und seine Kraft vorher doch deutlich unterschätzt gehabt. Als der Meister ihn darum bat, dass er doch zusammen mit ihm das Ritual sprechen solle, kam er sich vor, als würde er wirklich gebraucht werden. Er setzte alles ein, was ihm seine Gabe und sein Wissen hergab. Die Hände als Unterstützung nehmend, formte er in aller Konzentration das Lied in seinen Gedanken. Kopfschmerzen brannten ihm auf dem Haupt, die Augen kniff er sich zusammen, als es immer intensiver wurde, als der ganze Druck ihn geradewegs unter sich begraben wollte. Genau in diesem Augenblick spürte er einige imaginäre Hand an seiner Schulter, jemand gab ihm Halt und erkonnte spüren, dass es der Meister war. Entweder sog er unauffällig an Sarogs Gabe, nutzte diese wohl als ein weiteres Standbein. Gleichzeitig verbreite er auf die Anwesenden eine solchen Mut, dass keiner auch nur annährend den Gedanken hatte, dass hierbei etwas schiefgehen konnte. Dafür war einfach alles viel zu perfekt geplant - natürlich.

Das Ritual war in kleinster, penibler Handarbeit durchgeführt worden. Einzig und allein, als Lanaya die Salbe an Jagos nacktem Leib auftragen musste, wurde auf Sarogs sonst so ernsten Miene ein Lächeln aufgelegt. Jedoch weigerte er sich dann, weiter so intensiv ihren Handbewegungen zu folgen, wohl aus reinem Selbstschutz. Sein Blick haftete eher auf dem Antlitz des Meisters, so grotesk und unwirklich es erschien, so machtvoll war auch sein Äußeres. Wenn man sich bis auf wenige Schritte von ihm entfernte, konnte man noch diese Aura erspüren, die alles und jeden um sich greifen wollte - die Feinde in einen brennenden Schlund begrabend. Den Hass auf alles Leben, die Unterwerfung Varunas - man sah es ihm an, man spürte es. Die Gabe war so stark in ihm, dass sie scheinbar sogar das Licht um ihn herum in einen dunkleren Ton tauchte. Sarog wollte genau so werden. Für ihn war der Meister in seinem Wesen, die reinste Perfektion der Macht - ein einzigartiges Vorbild. Aber was hatten schon Vorbilder für eine Funktion? Es ging nur darum, sich soweit zu steigern, bis man selbst seinem Vorbild gleichstand - danach musste man das Vorbild aus dem Weg räumen. Wenn man dabei versagte, war alles verloren und so konnte es danach nicht weitergehen - gerade bei den Arkorithern war dabei der Tod garantiert. Aber er hatte es schonmal soweit geschafft. Sein alter, persönlicher Lehrmeister war soweit, dass er dem damals jungen Magier alles beigebracht hatte, was für ihn notwendig war. Sarog glaubte ihm natürlich nicht, vielmehr wurde er nur misstrauischer. Es kam dazu, dass er dem einzigsten Menschen, dem er vertraute das Leben einfach aushauchte, mit einer Sanftheit, wie sie nur im Schlaf kommen konnte. Er wollte den alten Mann nicht leiden lassen. Er hatte ihm gute Dienste getan, aber irgendwo war der Punkt gekommen, an dem es einfach zu Ende gehen musste.

Der Fluch war gesprochen. Er hatte seine Macht für das Ritual gegeben und er lächelte völlig zufrieden.
Adrian Hohenfels

Beitrag von Adrian Hohenfels »

Eins, zwei, drei, vier..... umdrehen... eins, zwei, drei, vier.... umdrehen....

Genau vier Schritte maß der Abstand zwischen Bett und Wand. Vier Schritte hin, vier Schritte zurück. Auf und ab, auf und ab. Allmählich begann das eingesperrt sein an Jagos Nerven zu zerren.
"Mach dich mit deinem neuen Körper vertraut, bleibe in der Burg, verbirg dich vor der Welt."
Das waren die Worte des Meisters gewesen. Jago hielt inne und starrte in die blauen Augen des Truchsess, die ihm der Spiegel an der Wand offenbarte.
Natürlich hatte er die Weisung des Meisters befolgt und anfangs war er durchaus froh darüber gewesen, seine Gemächer nicht verlassen zu müssen. Das Ritual war erschreckender gewesen, als er gedacht hatte. Der Meister war ihm so nahe gewesen, daß ihn der Ekel noch Tage später plagte. Das Gefühl, wie sich sein eigener Körper aufgelöst hatte, schwammig und substanzlos geworden war, dann die Knochen krachten und sich verschoben um aus ihm einen neuen Menschen zu machen.... Der Blick der blauen Augen flackerte kurz. Was er genau gespürt hatte, wußte er nicht mehr. Er erinnerte sich nur noch an Ekel, Schmerz und namenloses Entsetzen.
Doch mittlerweile war der Anblick der blauen Augen, der blassen Haut und den silbrig schimmernden Haaren wenn doch nicht zur Gewohnheit, so doch vertrauter geworden. Er hatte alles getan, um sich mit den ungewohnten Proportionen vertraut zu machen, hatte sich innerhalb der Ordensburg einem straffen Training unterworfen und fühlte sich immer mehr wie ein Panther, den man in einen winzigen Käfig gesteckt hatte.
Ein weiterer unangenehmer Nebeneffekt dieser Situation war, daß er zuviel Zeit zum nachdenken hatte. Grübeleien über seine Situation. Grübeleien über Jana, die er nun länger nicht gesehen hatte und wohl vorerst auch nicht sehen konnte. Wenn er ehrlich war mußte er sich eingestehen, daß ihm das ganz und gar nicht gefiel, was ihn aus irgendwelchen Gründen ärgerte. Irgendwelche Gründe? Oh nein, er kannte sie ganz genau.
Er warf dem Truchsess einen ärgerlichen Blick zu und nahm seine Wanderung wieder auf. Die Besuche Lanayas und Lythianas hatten die Situation nicht gerade vereinfacht, doch das, was daraus resultiert war, konnte ihm sicher nützlich sein und stärkte ihm den Rücken. Jago nickte zufrieden. Wenigstens etwas positives hatte er der Situation also abgewinnen können.

Es wurde Zeit, es wurde endlich Zeit.
Sarog Pilyan

Beitrag von Sarog Pilyan »

Unruhig wippte er in seinem Sessel auf und ab. Die Hände fuhren instinktiv an den Armlehnen auf und ab. Die Tage sollte sich wohl einiges ändern. Immerzu fragte er sich, wie sich der neue Graf sich in seiner Haut wohl fühlte. Ihm war bewusst, dass solch eine Umwandlung außerordentliche Schmerzen mit sich brachte - er wollte es wissen, aber sicher nicht in Jagos Haut stecken. Ihm würde wohl zu aller erst das schauspielerische Können fehlen, dann wieder einfach nur die Motivation, zu erfahren, wie sich der Körper unter magischen, kraftvollen Bahnen verformte. Er sah ihn dabei intensiv an, beobachtete ihn unter seinem Leiden genaustens - in gewisser Weise, natürlich nicht offensichtlich, gefiel es ihm - es war wie eine leise Rache, für die paar Reklamationen, die er von Jago erfahren musste.
Adrian Hohenfels

Beitrag von Adrian Hohenfels »

Gift und Galle hatte Jago gespuckt, als man ihm mitgeteilt hatte, daß Bruder Kihdars Leiche am Meeresufer angeschwemmt worden war. Da opferte man Zeit und Geduld, um einem Schüler Wissen ins Hirn zu prügeln und was tat der Kerl, kaum daß er seine Prüfung bestanden hatte? Sterben! War vermutlich abgesoffen wie eine fette Ratte! Jago schnaubte und das flackernde Licht des dreiarmigen Kerzenleuchters tauchte seine Miene in ein zuckendes Spiel aus Licht und Schatten, verwandelte das edel geschnittene Gesicht des Grafen von Hohenfels in eine wutverzerrte Fratze. Der Kerzenleuchter flog gegen die Wand, so daß das Wachs nur so spritzte, dann wurde es dunkel im Turm des Erzmagiers.

Ein paar Tage später saß er auf einem Podest in einem thronartigen Stuhl in der großen Halle der Ordensburg, gehüllt in die schwarzen Gewänder des Ordens und bis zur Unkenntlichkeit vermummt. Hinter ihm standen die drei schwarzen Gestalten von Lythiana, Lanaya und Sarog.
Die drei Anführer einer Bande von Halsabschneidern und käuflichen Schurken standen vor ihnen in der weitläufigen Halle und steckten gerade leise tuschelnd die Köpfe zusammen. Die blauen Augen des Truchsess ruhten auf ihnen und Jago wartete gelassen hab. Entweder sie schlossen sich ihnen an. Dann konnten sie, genauso wie sie hereingekommen waren, mit verbundenen Augen die Burg wieder verlassen. Taten sie das nicht, dann würden wohl drei weitere unnötige Gestalten das Angesicht dieser Erde verlassen.
Sarog Pilyan

Beitrag von Sarog Pilyan »

Der junge Magier sah über die Schulter des Truchses, die Gestalten waren ein erbärmlicher Anblick. Sie hatten jeglichen Stolz, alle Ehre seit langsam abgelegt. Kannten sie so etwas? Nun, zumindest galt es, dass diese Personen Aufträge ausführen konnten. Sie würden hier mit ihrem eigenen Leben spielen müssen und deswegen war sich Sarog von ihrem Sieg sicherlich überzeugt. Diesen drei Typen war nur noch das Gold wichtiger als das Leben und die Verhandlungen waren absolut ideal verlaufen. War es die überzeugende Art Jagos gewesen, die unter dem Leib des Grafen steckt? Sarog erschien es, als ob die Personen eingeschüchtert erschienen. Es mag wohl der Grund gewesen sein, oder auch die Tatsache, dass bei dieser Aktion jeder der Anwesenden nur etwas gewinnen konnte.

Als er so dastand und sich seine Gedanken machte, wurde ihm mehr und mehr bewusst, wie weit sie eigentlich schon gegangen waren und es fiel ihm schwer zu verstehen, wieso er mal gedacht hätte, dass solcherlei Magie unmöglich zu wirken war. Es war doch doch zurückblickend ... das reinste Kinderspiel gewesen.
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