[Quest] Hoffnungsloser Fall?!

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Der Erzähler

[Quest] Hoffnungsloser Fall?!

Beitrag von Der Erzähler »

Müde schleppte sich Gaspare, das Kutschpferd in seinen allerbesten Jahren, den Wald- und Wiesenweg entlang. Der junge Mann, der die Zügel in den Händen hielt, hatte ebenfalls langsam aber sicher Mühe, die Augen noch halbwegs wachsam geöffnet zu lassen. Immer wieder drückten die Lider schwerer herab und die Welt in der Dunkelheit dahinter lockte mit watteweichen, angenehmen Träumen.
"Iusto?!", schreckte ihn eine besorgte aber dennoch recht schmetternde Stimme aus dem Inneren der Kutsche auf, "Wie lange dauert das denn noch? Sind wir nicht langsam mal an diesem... äh... diesem..."
"See, mein Herr?", versuchte er zu helfen und dabei das Gähnen zu vertuschen.
"Genau, bei diesem See da! Wie lange dauert es noch? Meine Kleine braucht ihre Ruhe und den Schlaf und..."
"Mir geht es gut, Vater.", unterbrach ihn eine sanfte, liebreizende aber schwächlich leise Stimme, ebenfalls aus dem Kuschteninneren.
"Ach Tinchen, mein Herz, wir sehen zu, dass es dir wirklich bald gut geht. Noch heute müssen die Aushänge aufgehängt werden... hörst du, da draußen? Noch heute!"
Er unterdrückte ein gequältes Seufzen und brachte eher kleinlaut hervor:
"Ja, Herr, ich bringe sie sofort an, sobald wir angekommen sind."
"Sehr gut... moment, was? Nein, du Narr! Zuerst muss das Zelt stehen, mein Herz braucht Ruhe und Schlaf!"
"Aber Vater, es geht mir wirklich gut..."
"Mein armes, armes Mädchen - sind wir denn bald da?!"
"Sicher, Herr, ganz bald, gleich quasi!"
Er schloss die Augen und hoffte innig, dass dies die Wahrheit war und er dem täglichen Wahnsinn für heute ein Ende bereiten könnte...
Zuletzt geändert von Der Erzähler am Freitag 8. März 2019, 16:31, insgesamt 1-mal geändert.
Der Erzähler

Beitrag von Der Erzähler »

Erneut musste Gaspare leiden, als der das arme, brave Tier dazu nötigte, noch vor Mitternacht (oder wenigstens nur kurz danach!) mit ihm einen halsbrecherischen Ritt bis an die Grenzen beider Reiche und nach Bajard zu wagen.
Dort wurden sie verteilt, die Aushänge, die da laut verkündeten:

HILFE GESUCHT!

Ich, Blasius Iosep Pfeffergold, Oberhaupt des Pfeffergoldschen Gewürzimperiums,
biete eine stolze, kostbare Belohnung
aus meinen umfassenden Sammlungen rarer und seltener Güter,
demjenigen, der meine geliebte Tochter Ernestine Milennia Pfeffergold
von einer sehr seltsamen und gar zehrenden Krankheit befreien kann.*

Wer sich dieser Aufgabe heldenhaft stellen mag,
der möge in den nächsten Abenden unser Zelt am kleinen See
nahe des blutigen Denkmals besuchen.

Pfeffer, Salz und Safran stets in Eurer erlesenen Speisekammer!


Blasius Pfeffergold

* - ohne sie dabei zu töten, versteht sich!
Zuletzt geändert von Der Erzähler am Mittwoch 6. März 2019, 00:01, insgesamt 1-mal geändert.
Der Erzähler

Beitrag von Der Erzähler »

Tiefe Furchen hatten sich in seine Stirn gegraben und er ließ die Schultern sinken. Da hatte Rainart seinen durchaus ansprechenden Traum, in dem die dralle Heilerin mit den neckenden Sprüchen eine nicht unbedeutende Rolle spielte, nicht nur abrupt unterbrochen, nein, die danach folgende "Behandlung" durch diese Quacksalberin hatte Tinchen auch genau gar nicht geholfen. Im Gegenteil, sie hatte die ganze Nacht über Magenschmerzen durch die Medizin geklagt und jetzt war zwar dieser Schrecken überstanden aber ihre Miene wieder leer und das Gesicht blass.

"Die Damen sagten, du musst mehr raus, mein Tinchen...", begann er besorgt und sanft, wie eine Glucke vor dem goldenen Küken.
Blinzelnd sah sie auf und versuchte zu lächeln, doch auch das wirkte eher wie eine Grimasse.
"Und was schlägst du da vor, Vater?"
"Ein Spaziergang? Vielleicht mit etwas Kuchen und... lass uns doch noch diese Geistesheiler aufsuchen."
Da schwand auch die Grimasse und wieder schien sein Kind so fern, so weit weit weg. Er ächzte.
"Sehr wohl, Vater..."
Er widerstand dem Impuls sie zu schütteln und anzuflehen, ihm doch wenigstens Widerworte zu geben. Stattdessen holt er Luft, drehte sich um und brüllte nach Rainart, der damit wohl Sack und Pack bewachen musste.
Rainart würde auch den Helfenden ausrichten, dass Meister Pfeffergold und dessen liebreizende Tochter zwischen der achten und neunten Abendstunde wieder am Zelt einfinden würden.
Der Erzähler

Beitrag von Der Erzähler »

Die Verzweiflung stand im langsam ins Gesicht geschrieben und unsicher ließ er den Blick über das Pergament wandern, welches nun auch noch den ein oder anderen Farbklecks zur Schau stellte, schweifen.
Warum eigentlich immer er?
Er hatte sich bereits daran gewöhnt, den Kutscher zu mimen, wo er doch eigentlich eine Ausbildung zur Leibwache genossen hatte. Na und die Sache mit der Kocherei nahm er keinem krumm, immerhin belohnte ihn das gnädige Fräulein mit einem langen Blick und einem zarten, feinen Lächeln, wenn er ihr ein paar Kirschküchlein brachte. Irgendwie war es auch kein allzu großes Problem, die Termine Meister Pfeffergolds zu jongliedern, die Wäsche zu waschen, das Unkraut zu jäten, die Möbel zu reparieren, den Stall sauber zu halten, die Tiere zu füttern und zu pflegen ABER er war bei weitem kein Künstler und seine Handschrift ähnelte dem, eines ungeduldigen, kleinen Jungen. Warum man nun gerade ihn abgestellt hatte, um die Plakate zu beschmieren, würde ihm ein Rätsel bleiben.
Nun gut, es war vollbracht und sah eher aus wie wirre Kunst - hoffentlich lockte man damit nun auch möglichst viele Künstler:

HÖRET, HÖRET!

***

Am letzten Tage des Wochenlaufes,
namentlich dem 10. Lenzing des Jahres 262,
wird am See neben dem blutigen Denkmal zu Varuna ein


BARDENWETTSTREIT

ausgerufen.
Dazu laden wir alle Geschichtenerzähler, Dichter, Sänger, Tänzer,
Liedermacher, Portraitmeister und andere Vertreter der schönen Künste
ab der siebten Abendstunde ein, eine Kostprobe ihres Könnes
zur Schau zu stellen.

Wer Schwermut und Kummer aus dem Herzen der holden
Ernestine Milennia Pfeffergold am besten vertreiben kann,
wird Sieger des Wettstreits und darf sich einen Schatz aus
umfangreichen Sammlung voller Kostbarkeiten aussuchen.

So stimmt die Instrumente, ergreift eure Staffeleien und hebt den Federkiel,
es darf, kann und soll wahre Kunst vollbracht werden!
Blasius Pfeffergold
... und am Abend des Ganzen wurde die Zeit noch einmal dick unterstrichen...
Zuletzt geändert von Der Erzähler am Sonntag 10. März 2019, 13:51, insgesamt 2-mal geändert.
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