Wenn der Wind mit dem Sand tanzt

Sahar Taj

Beitrag von Sahar Taj »

Der Sturm war an Menek’Ur vorüber gezogen, hatte hinter sich eine Schneise der Verwüstung gezogen. Seine Folgen waren jedoch nicht nur negativ gewesen – im Gefolge der Angst und des Chaos waren Menschlichkeit und gegenseitige Hilfe entstanden. In einer solchen Situation war der wahre Charakter eines Menschen einfacher zu erkennen. Stärken und Schwächen lagen blank auf dem Wüstensand, ließen auf engstem Raum keine Ausflüchte zu. Mit jedem Tag wurde es schwerer die Fassung zu bewahren, nicht nur selbst stark zu sein, sondern auch anderen eine Stütze zu bieten.

Wie kleinmütig es jedoch war, die Hoffnung zu verlieren zeigte sich mit dem Erscheinen der Quelle. Jeder Tropfen verhieß die mütterliche Wärme Eluives, ließ die matt gewordenen Augen ihrer Kinder wieder leuchten. Als der Sturm sich senkte, mischten sich Fassungslosigkeit und aufkeimender Jubel. Sie hatten überlebt, dank der liebevoll helfenden Hand Eluives. Es war einer dieser Tage, in denen die Wüste in voller Pracht und Schönheit blüht. Zartgrüne Spitzen drängten sich durch den Sand, reckten sich dem warmen Sonnenlicht entgegen. Die Quelle funkelte und gleißte in allen Farben eines Regenbogens, lag vor den Menekanern wie ein Kristall. Es war wieder still geworden in der Oase, als Kemail und Sahar vor diesem Wunder niederknieten. Es war ihnen zugleich ein tiefes Bedürfnis der Mutter ihren Dank zu entrichten.

Ein lauer Wind strich sanft, wie eine zarte Berührung über die Beiden. Er ließ Sahars Schleier wehen, die wenigen Haarlocken die sich daraus befreien konnten bewegten sich wie in einem Tanz. Der Wind brachte Ruhe mit sich, Muskel um Muskel entspannte sich in den strapazierten Körpern. Müde gewordene Augen schlossen sich, beide Menekaner überließen sich dem Wiegenlied des Windes. Er wisperte, flüsterte, formte leise Worte. Sahar hob das Kinn und lauschte mit geschlossenen Augen, staunend wie ein kleines Kind.

Mein Kind der Wueste ... Sahar. Lausche mir, Kind der Toene und der Melodien.. lausche mir und lass dich tragen ...

Ein leiser Schauer lief über den Körper der Bardin, hob die feinen Härchen an ihren Unterarmen empor. Im Wind war eine Melodie verborgen, wartete nur auf einen hingebungsvollen Zuhörer. Ihr Herz begann schneller zu schlagen, verband sich mit dem Rhythmus des Wüstenliedes. Dann, plötzlich wie eine Kerze sich entzündet oder verlischt, offenbarte sich ihr der Grundton dieser Melodie. Und ein leiser Laut der Überraschung, der unbändigen Freude löste sich von ihren leicht geöffneten Lippen. Jeder Ton suchte seinen Weg durch ihre Glieder, ließ ihren Körper vibrieren unter neu entdeckter Kraft. Eine silbrige Träne löste sich aus ihren Wimpern und suchte seinen Weg über das leuchtende, hingebungsvoll zum Himmel erhobene Gesicht der Bardin. Mit einem letzten Wispern verklang die Stimme, verklang das Lied und der sanfte Wind. Mit unendlichem Bedauern, und dennoch voller Zuversicht gab Sahar dass ihr abgeforderte Versprechen.

Ich werde nie vergessen…


Noch Tage, Wochen darauf war Sahar einsilbig, hob in jeder nur möglichen Situation den Blick zum Himmel empor. Ein selbstvergessenes, nach innen gerichtetes Lächeln entstand dann auf ihren Lippen, die dunklen Augen vermochten ihren Schatz nicht mit anderen zu teilen. Die geschenkte Kraft hielt an, und ließ sie die niederschmetternde Tatsache ertragen, dass auch nach dem Ende des Sturmes kein einziger ihrer Familie in die Oase gefunden hatte. Als alles Warten vergebens schien, schnürte sie Proviant für mehrere Tage in ein Tuch und nahm ihren Bogen auf. Sie musste selbst auf die Suche gehen. Der Stammsitz ihrer Familie würde Auskunft darüber geben ob sie geflohen waren oder ihr Heil dort gesucht hatten.
Hadiya Yazir

Beitrag von Hadiya Yazir »

Nachdenklich kaute sie auf ihrer Unterlippe. Den ganzen Abend schon hatte sie sich den Kopf darüber zerbrochen. Selbst Fadi hatte keinen Rat gewusst, und das war etwas, das Hadiyas Welt immer erst einmal ins Wanken brachte. Schon als kleines Mädchen, war ihr Bruder immer derjenige gewesen, zu dem sie ging, wenn sie nicht weiter wusste, wenn sie wieder einmal in Schwierigkeiten geraten war. Es war für sie eine unumstössliche Tatsache, das Fadi immer helfen konnte.
Aber dieses Mal waren sie sich beide einig, das sie vor einem zuerst einmal unlösbaren Problem standen. Denn hier war auch sehr viel Feingefühl gefragt.

So sehr es sie beide beschämte, aber diese zwei Personen, die zwar die Vorraussetzungen für diese doch sehr viel Sensibiltät erfordernde Aufgabe besassen, waren durch ihr Verhalten untragbar geworden. Missbilligend schüttelte Hadiya den Kopf, beide Frauen waren auch noch Mitglieder der eigenen Familie. Das war etwas, das es noch bedeutend schlimmer machte. So dreist zu sein und die Anweisung der Erhabenen zu missachten, schlichtweg zu verweigern, das fasste sie immer noch nicht. Selten war Hadiya etwas so unangenehm gewesen, hatte sie so peinlich berührt, als das in Gegenwart von Safiya zugeben zu müssen. Die andere, sprach wohl mehr, als es gesund war, dem Alkohol zu, wie Fadi es selbst miterleben musste. Beide brachten durch ihr Verhalten Schande über das Haus Yazir. Aber darum würde sich gekümmert werden.

Hadiyas Hauptsorge galt im Augenblick eher dem Befinden der Erhabenen. Die letzten Tage waren für alle sehr anstrengend gewesen, sie selbst spürte jeden einzelnen Muskel und die Blasen an ihren Händen zeugten davon, das der Umgang mit der Schaufel nicht zu ihren täglichen und gewohnten Arbeiten gehörte. Aber selbst dann hatte sie sich noch nicht übergeben müssen, sowie Safiya am heutigen Morgen. Nein, und solche Schwindelanfälle hatte sie auch noch nicht gehabt, trotz der ganzen Arbeit. Also musste es etwas anderes sein. Vielleicht etwas Falsches gegessen, aber hielt sich das dann wirklich hartnäckig über so viele Tage?

Der Einzige mit dem sie darüber gesprochen hatte, war Fadi gewesen. Er war sofort ihrer Meinung, das man das nicht auf sich beruhen lassen kann und vor allen Dingen sehr verschwiegen damit umgehen müsse, um das Volk nicht zu beunruhigen. Mühsam hatte Hadiya der Erhabenen die Zusage abgerungen, das sie sich wenigstens etwas mehr Ruhe gönnt. Aber sie würde ein Auge darauf haben und vor allen Dingen alles daran setzen, einen fähigen Heiler aufzufinden.
Zaina Masari

Beitrag von Zaina Masari »

„Der Salzberg“ … irgendwann sollte auch dieser frei geräumt werden. Der Eingang sah übel aus, zerrissene Zeltplanen, gebrochene Holzbalken, Gestein … alles in Trümmern und Fetzen und das ganze noch mit massig Sand bestückt, vom Sturm drübergefegt. Es bedeutete viel Arbeit, sehr viel Arbeit. Die Zeit schien still zu stehen und doch zu schnell davon zu eilen. Merkwürdig alles. Irgendwie dauerte ihr alles zu lange, und doch konnte sie es kaum abwarten, endlich irgendetwas zu tun. Am liebsten hätte sie die ganze Sache selbst in die Hand genommen, doch wollte sie ihrem Bruder nicht zuvorkommen. Doch viel länger warten wollte sie auch nicht mehr. Alles dauerte seine Zeit, zuerst die Rohstoffe für die Werkzeuge beschaffen, jene dann auch zu fertigen. Es dauerte eben. Allerdings war sie endlich froh, wieder eine Aufgabe zu haben, die wie für sie gemacht schien, denn es lenkte sie von so manchen Gedanken ab, die immer wieder den Fordergrund in ihrem Herzen suchten. Nein, sie liebte so manchen Gedanken, nur hin und wieder schlichen sich Sorgen mit Kummer vermischt in ihr Herz und genau diese wollte sie am liebsten nicht wahr haben.

Ein sanftes Lächeln huschte über ihr Gesicht, immer dann, wenn ihr bewusst wurde, wie tief ihre Gefühle für Fadi aus dem Hause Yazir, sich in ihr prägten und ausbreiteten. Einst war Saalih, aus dem Hause Ifrey, es noch gewesen, bei dem sie glaubte, keine Liebe könnte tiefgründiger sein, keiner könnte sie glücklicher machen, wie er. Doch alles schien nun verschwommen und sich in nichts aufzulösen. Sie suchte das Gespräch mit Saalih, er sollte nicht im Ungewissen bleiben, das konnte sie ihm nicht antun. Sie konnte sich nicht erklären, wie ihr geschah, sie wusste nur, dass es so geschah und es war ein wundervolles Gefühl, wie auch ein beschwerliches, denn noch war sie verlobt … Sie hatte Angst davor, mit Saalih zu sprechen, ihm zu offenbaren, was mit ihr los sei, welche Gefühle um sie streiften. Sie wusste um sein Temperament, schließlich kannte sie ihn bereits eine lange Zeit, auch wenn er ihr hin und wieder fern und fremd war, ihre Angst war nicht ganz unberechtigt. Es tat weh, ihn so wütend, so aufbrausend und doch so zerbrechlich zu sehen während sie miteinander redeten. Wie sehr musste sie ihn mit ihren Worten verletzt und gar beleidigt haben, sie wusste er liebte sie von ganzem Herzen, doch schlichen sich leise Zweifel ein. Seine Art ihr gegenüber zu stehen, sie anzusehen, sie anzufassen, wie wenn sie nur ein kleines Flittchen wäre, er verlieh ihr einen Ausdruck, der ihr schon unglaublich erschien. Es schmerzte und innerlich zerriss es ein Band von Gefühlen in ihr, dass sie nicht mehr retten konnte, nicht mehr wollte. Die Verlobung lösen … ein Gedanke, den sie mit sich trug und ihn Aufrecht erhielt. Sie wusste was es mit sich trug, diesen Gedanken auszusprechen, doch lies er sie mit den Worten „Ich liebe Dich viel zu sehr, um Dich an meine Seite zu zwingen!“ ziehen. Diese Worte hämmerten sich in ihre Gedanken und ließen sie nicht mehr los. Nach all dem was geschehen war, es tat unheimlich weh, ihn so am Boden zerstört zu sehen. Ihr wurde klar, was sie angerichtet hatte. Was konnte sie ihm jetzt noch geben? … kein Wort brachte sie über die Lippen. Eine liebevolle Umarmung … eine sanfte Berührung … das was richtig gewesen wäre, konnte sie ihm nicht mehr geben, ihre Gefühle zogen sie weit von ihm fern, Saalih war ihr so fremd geworden. So sehr sie ihn liebte, geliebt hatte, so unantastbar schien er jetzt, als er von ihr ging. Tränen verschleierten ihre Augen, ihr Gesicht … sie brauchte Ruhe, sehr viel Ruhe. Zaina musste wieder zu klaren Gedanken gelangen. Ordnung und Ruhe in sich und mit sich finden. Und dann … dann erstmal zu Fadi, zu dem Mann, für den sie diesen Weg auf sich nahm, für den sie ihren Verlobten im Stich ließ, ihr Versprechen brach. Sie wollte nur noch zu dem Mann, dessen Anwesenheit allein schon ausreichte, um ihr Herz vor Glück zum strahlen und förmlich zum Aufglühen brachte. „Was hatte Fadi nur an sich, was sie so in den Bann zog? Wenn er sie nur in den Armen hielt, glaubte sie vor Glück zu verbrennen. Es war ein wundervolles Gefühl, man glaubte zu träumen, und doch war es wahr.“

Schnell verwarf sie ihre Gedankengänge wieder und widmete ihre Aufmerksamkeit dem Salzberg. Der Aufgabe, den Eingang des Berges wieder frei zu räumen. Schon ein paar mal führten ihre Wege sie zum Berg, um abzuschätzen, wie viel Arbeit, wie viel Werkzeuge und wie viel Mannen benötigt werden, damit die Arbeit so leicht wie möglich viel. Schliesslich wollte sie Saheeb so gut es ging unterstützen. Gemeinsam, mit ihrem Bruder, Hadiya und Fadi machten sie sich dann auf den Weg dorthin. Gegen später kamen dann noch ein paar Wachmänner nach, die wohl von Saheeb angewiesen wurden zu folgen. Nun hieß es Sand und Trümmer weg schaffen. Innerlich seufzte sie auf beim Anblick des gewaltigen Trümmer- und Sandhaufen, doch ließ sie es sich nach Außen hin nicht anmerken. Langsam und vorsichtig kletterte sie den mächtigen Haufen hinauf, um von oben den Sand abzutragen. Es ging voran, auch das von Fadi beschworenen Erdwesen tat sein Gutes, es arbeitete sich schnell vorwärts und erleichterte die Arbeit für alle. Doch dann, ein kurzer Augenblick nur … sie schwankte oben auf dem Sandhaufen, als jener dann ins Rutschen kam. Zuerst entgleitete ihr die Situation und sie versuchte festen Halt unter ihren Füßen zu finden, als der Boden unter ihr nachgab. Irgendwann, in wohl kurzer Zeit, fasste sie sich und versuchte ihr Gleichgewicht mit dem Sand in Einklang zu bringen, um dann schließlich sicher am Boden auf zu kommen.

Der Sandhaufen war schon recht klein, im Vergleich zum Anfang … ein gutes Stück haben sie bereits geschafft, doch lies die Festigkeit des Sandhaufen zu wünschen übrig, immer wieder rutschte der Sand nach und eine kleine Sandlawine schob sich auf Fadi zu. Starr vor Schreck stand sie da, als sie sah, wie der Sand versuchte, Fadi darunter zu begraben. Sie wollte noch nach seiner Hand greifen, ihn von dort wegziehen, doch der Sand war schneller wie sie. Hadiya stürzte auf ihn zu, voller Sorge und Schreck in den Gliedern, griff nach seinem Arm und zog … genauso wie sie es auch selbst tat …. „Nein! Nicht Fadi! Es durfte ihm kein Leid zustoßen, nicht dem Mann den sie so sehr liebte! Der letztens noch Worte an sie richtete, die sie mit unsäglichem Glück erfüllte.“
Mit allen Kräften zogen sie ihn da heraus und letztendlich gab der Sand auch nach. Dank Saheeb, der ebenso auf ihn zu eilte, um ihn mit allem was ihm möglich war, aus seiner misslichen Lage zu befreien, gelang dies wohl und Fadi schien ohne Schaden davongekommen zu sein. Erleichtert und glücklich darüber fiel sie ihm um den Hals, am liebsten hätte sie ihn gar nicht mehr los gelassen, doch wenige Minuten später drang ein Haufen kleiner Skorpione aus dem noch übrigen Sandhaufen. Diese Wesen schienen gar nicht glücklich, dass wir ihr Heim zerstörten. Scheinbar hatten sie sich dort eingenistet und ein warmes zu Hause gefunden, recht wild bewegten sich die kleinen Viecher umher … mehr wie zurückweichen blieb einem nicht über. Wie hasste sie doch diese kleinen, stechenden Skorpione. Sie hätte mit allem gerechnet, doch nicht mit so was. Kurz darauf schlüpfte ein, wohl größeres, mächtigeres Wesen dieser Art nach einer Weile hervor. Ohne Umschweife trachtete es nach den Menekanern … griff jeden an, der sich ihm in den Weg stellte. Letztendlich war auch dieses Untier aus der Welt geschafft. Der Schreck saß tief, Angst machte sich in ihr breit. „Was würde noch alles auf sie zukommen?“ Leise, zischelnde Geräusche drangen aus dem Inneren des Berges hervor. Fast schon unheimlich klang es.
Fadi und Saheeb wiesen Hadiya und sie an, draußen zu warten, während sie sich im Inneren umsahen. Brav verweilten sie dort und warteten. Die Ungeduld wuchs mit ihnen. Was dauerte es nur so lange? Nicht einmal die Wachen hielten es für nötig hinein zu gehen, um nach ihnen zu sehen. Nein, stur blieben sie draußen bei Hadiya und Zaina stehen. Wie Feiglinge sahen sie aus, das machte sie nur noch wütender, wobei diese Wut die Sorge um die beiden Männer unterdrückte, die sich zur selben Zeit noch im Inneren des Berges befanden. Und ja, irgendwann kamen sie aus dem Berg und taten so, als wäre nichts gewesen. Kaum mochte man ihnen glauben schenken, doch wollte sie nicht weiter nachfragen. Die Freilegung des Salzberges war schon anstrengend und nervenaufreibend genug. Aber es war geschafft, und sie konnten sich wieder auf den Weg zurück zur Oase machen. Erleichtert und erschöpft waren wohl alle miteinander, dennoch musste die Salzmühle wieder aufgebaut werden, ebenso auch nochmals eine Truhe für den Emir aufgestellt werden. Kaum an der Oase angelangt, machte sich Zaina auch schon daran, eine Truhe zu basteln, die standhaft genug war, in der Mine aufgestellt zu werden. Sie sammelten noch einiges an Holz und Eisen zusammen und gingen wieder zurück um die restlichen Arbeiten zu erledigen. Ein anstrengender Tag … der sich mit Erfolg auszeichnete als endlich alles erledigt war.
Fadi Yazir

Beitrag von Fadi Yazir »

Einige Tage und Wochen waren seit Beginn des Wiederaufbaus vergangen und man konnte die Pracht und den Glanz, die von der neuen Stadt nach ihrer Fertigstellung ausgehen würden bereits mehr als nur erahnen. Langsam schritt er durch die angelegten Straßen und Gassen und beobachtete mit zunehmender Freude die Scharen der Arbeiter. Nach und nach kam er so durch alle bereits fertiggestellten und noch im aufbau befindlichen Teile der Stadt. Das Handelsviertel am Hafen, die Palastanlagen, und die einzelnen Wohnviertel der Stadt.

Die Stadt würde das strahlende Zentrum eines ewig währenden Reiches werden, da war er sich gewiss. diesem und ähnlich schwärmerischen Gedanken nachhängen, stand er im zukünftigen Sitz des Statthalters, als der Kommandant der Stadtwachen ebenfalls den Bau betrat und ihn mit einem Neigen seines Hauptes begrüßte. Kurz teilten sie ihre Begeisterung für die entstehende Stadt, bis sein Blick ernster wurde und er eine Schriftrolle zückte, welche er Fadi reichte.

"Die Auflistung derer, die dem Sturm und seinen Folgen zum Opfer fielen, werter Statthalter.", waren seine kurzen begleitenden Worte. Schnell wollte er die Zeilen überfliegen stockte jedoch schon bei den ersten Namen und blickte den Kommandanten vor ihm an, um sich der rRichtigkeit zu vergewisern. "Ihr wisst um wen es sich hierbei handelt?" Fragte er jenen und dieser antwortete mit einem stummen Nicken. "Eben aus jenem Grund stehen diese Namen gleich oben, mein Statthalter."

"Haben die Toten wie angewiesen ihre letzte Ruhe in der Grabstätte unserer Ahnen gefunden?" Nachdem ihm auch diese Frage mit einem langen Nicken beantwortet wurde, ließ er sich mitteilen, wo er die erhabene Safiya finden würde, um ihr selbst die Nachricht vom Tode ihrer Eltern überbringen zu können.
Faaris Yazir

Beitrag von Faaris Yazir »

...
Shalimah Kartal

Beitrag von Shalimah Kartal »

Staunend lief das kleine Mädchen die gerade neu aufgebauten Gassen entlang und besah sich mit offenem Mund die Pracht der neuen Stadt.
Hier und da sah man auch noch zu dieser recht späten Stunde einige Arbeiter an den Mauerwerken arbeiten, doch im Grossen und Ganzen war die Stadt fertig gestellt. Shalimah war nun schon seit Stunden unterwegs und auch wenn es zwischendurch so schien als hätte sie sich verlaufen, fand sie schnell wieder den richtigen Weg um weiter zu ziehen.

Nachdem sie meinte alles besichtigt zu haben ließ sie sich nicht unweit von der hiesigen Bank auf einer Bank nieder und begann zu überlegen wo wohl ihr altes Haus gestanden haben mag. Sie konnte sich nicht mehr erinnern und je mehr sie versuchte sich zu entsinnen desto verzweifelter wurde sie, denn bald überkam sie ein Gefühl von Verrat ihren Eltern gegenüber. Es waren bereits Monate vergangen, seit dem sie ihre Mutter verlor und immer noch suchte das Mädchen nach ihr. Den Gedanken daran, dass diese für immer fort sein sollte, konnte, nein durfte sie nicht zulassen. Das würde ihr ihr Vater niemals verzeihen. So war er doch stets stolz auf seine kleine Tochter, auf ihren Stolz und ihre Tapferkeit. Und dies hat er ihr auch immer wieder gesagt. "Du bist meine Sonne Shali" sagte er "ich bin froh dass du die Schönheit deiner Mutter geerbt hast. Doch Eluive sei dank hast du den Mut von mir." fügte er mit einem Augenzwinkern zu. Unwillkürlich musste Shali bei jenen Worten kichern, denn sie wusste, dass ihre Mutter trotz ihrer Würde eine eher ängstliche Menekanerin war. Immer wieder haben Shalimah und ihr Vater sich darüber amüsiert, wenn die Mutter mal wieder kreischend vor einem Skorpion davonlief.
All diese Erinnerungen zauberten ein Lächeln auf das Gesicht der kleinen Menekanerin. Doch auch dieses mal musste sie schließlich der harten Realität ins Auge blicken. Ihre Eltern waren fort und das erste mal seit Monaten musste Shalimah sich eingestehen, dass sie sie niemals mehr wieder sehen würde. Ein Gefühl von Angst durchdrang ihren kleinen Körper und erneut begannen sich Tränen in ihren Augen zu sammeln. Unsicher blickte sie sich um, um sicher zu gehen dass sie auch niemand sah. Und als sie sich dessen dann vergewisserte, konnte sie ihrer Trauer ihren Lauf lassen. Laut schluchzend ließ sie ein ganzes Meer von Tränen über ihr Gesicht laufen.
So saß sie einige Minuten, es hätten aber auch Stunden sein können, das vermochte sie nicht mehr zu sagen, da, bis sie keine Kraft und auch keine Tränen mehr hatte.
Sie streckte ihren Kopf der Sonne entgegen und schickte ein kleines Gebet für ihre Eltern gen Eluive. Nun musste sie auf sich selbst acht geben. Doch sie würde es schaffen, das wusste sie. Denn trotz ihrer Jugend verfügte Schali bereits über das Wissen um die Tugenden des menekanischen Volkes. Und sie war nicht allein. Sie hatte Freunde gefunden, Menekaner die sich um sie sorgten und sich um sie kümmerten. Stets konnte sie sich an Zaina wenden und auch Saheeb, Kemail und Ali wurden ihr zu vertrauten Spielgefährten. Ismaael wollte ihr sogar das schwimmen beibringen. Und obwohl er nicht so gut und weit spucken konnte wie sie selbst, vertraute Shalimah ihm.

„Vielleicht, irgendwann einmal, wenn sie es schaffen würde immer freundlich und höflich zu sein, würde sie ja jemand bei sich aufnehmen“ dachte sie bei sich. Schließlich konnte sie ja schon Brot backen und Knöpfe annähen konnte sie auch. Putzen mochte sie nicht so gerne, aber auch dies würde sie tun wenn es denn sein müsste. Wenn ihr ihr großes Mundwerk nicht wieder im Weg stehen wird, würde sie ein neues zuhause finden, dessen war sich Shali sicher, denn auch Zuversicht hatte sie von ihrer Eltern gelernt.
Saheeb Masari

Beitrag von Saheeb Masari »

Das Volk Menek'Urs hatte überdauert und eine Gefahr überstanden die vieles übertraf, was die vergangenen Jahrzehnte gebracht hatten. Verwüstung und Leid, Zerstörung und Elend, Tod und Verlust hatte der Sturm gebracht und vielen Männern und Frauen alles genommen, was sie besaßen. Viele hatten stumm und bedrückt in die Wüste gestarrt und sich an jenen kleinen Funken Hoffnung gekrallt, dass ihre Brüder, Schwestern, ihre Eltern oder Kinder durch den Sturm an den einzig sicheren Ort finden würden, doch die Wenigsten wurden belohnt für ihren unerschütterlichen Glauben.

Dennoch hat Eluive ihrem Volk ein kostbares und unbezahlbares Geschenk gemacht, den Geschmack süßen Lebens. Nie zuvor hatte Saheeb den Wert seines eigenen Lebens so hoch eingeschätzt, nie zuvor war er sich in diesem Maße bewusst gewesen, dass dies alles, diese Insel und der Reichtum, der ihnen vergönnt war, nicht nur ein Werk ihrer starken und fleißigen Hände war. Die Mutter selbst gab und gewährte Leben, vermochte es jedoch auch wieder zu nehmen. Die Stadt war zerstört, viele Frauen, Männer und Kindern umgekommen. Sie hatte ihr Volk Demut und Hoffnung gelehrt und sie doch nie allein gelassen.

Nun stand Saheeb in den Straßen einer neuen Stadt, die glanzvoller und prächtiger war als alles, was er jemals gesehen hatte. Menek'Ur war wahrlich der Glanz der Wüste, die goldene Perle unter den Städten. Die breiten, rotgekachelten Straßen, der sauber behauene und verputzte Sandstein, der im Sonnenlicht golden strahlte, all diese Brücken, Treppen, Absätze... das menekanische Volk hatte bewiesen, dass sie die besten Baumeister besaßen, dass selbst aus Verwüstung und Zerstörung etwas entstehen konnte, dass alles Vorangegangene in den Schatten stellte. In den Häusern und Brunnen sowie den kleinen Gartenanlagen stellte das Volk zur Schau, was es vermochte und was es besaß, und zahlreiche Besucher würden vor Staunen vergehen, würden sie diese Wege dereinst beschreiten.

Nun schien alles wieder seinen Weg zu gehen, langsam würde Leben einkehren in das neue Prachtwerk der Wüste und Schritt für Schritt würde jeder wieder seinem gewohnten Leben nachhängen. Die Wehmut jedoch würde bleiben, die Erinnerung an jene Tage in der Oase, an die schönen wie die schlimmen Momente. Keiner würde diese Zeit jemals wieder vergessen können.
Ein trostvoller Gedanke. Mit diesem beschaulichen Gedanken kehrte Saheeb zurück an die Arbeit und packte seine Taschen. Es wurde Zeit für die Reise.
Ismaael Masari

Beitrag von Ismaael Masari »

Das Gespräch war unausgesprochen kurz. Wahrscheinlich war es auch vielleicht auch besser so, denn sonst hätte er unangenehme Fragen beantworten müssen. Er war schon ziemlich großzügig vom Oberhaupt der Masari - Saheeb - ihm seinen letzten Ausraster gegen Kemail zu verzeihen. Beide waren absolut hitzige Sturköpfe, wäre sie nicht beide vor Erschöpfung umgekippt, würden heute wohl der eine den anderen im Ahnengrab unterbringen müssen. Ismaael war froh, dass er doch nicht so stark war, dass er den Kampf noch großartig hätte weiterführen können. Er war froh über das augenscheinliche Unentschieden. Im Endeffekt hatten beide jedoch gewonnen. Ein Leben behalten, anstatt eines vorsätzlich zu nehmen. Mord war eine der härtesten Strafen auf Menek'Ur. Selbst, wenn es im Duell geschehen worden wäre. Immerhin sind Menekaner Menekaner, egal, wie sehr man sein gegenüber verachtet. Ismaael musste auch nicht wirklich viel Provokation und Spott von Seitens Kemail erwarten, trotzdem mochte er ihn nicht, weil sich Kemail oft einmischte. Der junge Krieger wusste nicht, wie er mit Kemails Freundlichkeit und Fürsorge umgehen sollten und vielleicht war auch das sein Problem. Er konnte sich einfach nicht in Kemail hineinversetzen.

Letztendlich hatten sie sich gegenseitig nur einige schwere Verletzungen zugefügt, wo sie sich auch noch einige Wochen erholten. Narben blieben - sowohl auf der Seele, als auch am Leibe. Verletzungen gingen irgendwann hinfort, Schmerz kam und blieb wie er wollte, aber die Narben blieben für ein Leben lang. Sie standen für Erinnerung. Ismaael würde wissen, was man nicht dürfe, sollte er diese Narbe erblicken. Immer wieder würde es ihm in das Gedächtnis kommen. Er arrangierte sich nunmal damit und somit war es für ihn getan. Er hatte wieder gelernt. Lernen war doch gut - dachte er sich mit einem beschämten Grinsen über die eigenen Dummheiten, die er so anstellte und von sich gab. Vor allem hatte er aber dadurch etwas geschaffen, was ihm überaus wichtig war, nämlch Vertrauen. Eines der wichtigsten Güter im Leben eines Menekaners. In Kemail hatte er nun einen Freund gefunden, auf den er sich sicherlich verlassen konnte. Er sah es durch die Gespräche die sie führten. Hier erkannte er Ähnlichkeiten.

Das Volk hatte sich große Mühe gegeben und Ismaael war zufrieden mit der Arbeit, die seine Landsleute leisteten. Auch er war aufopferungsvoll und trug Steine, schob einen auf den nächsten, schwitzte und keuchte. Er war ermüdet, aber dennoch gab es ihm ein Gefühl, das ihn absolut mit Stolz erfüllte. Es spendete seinem Herzen eine gewisse Wärme, die ihn zu Hochleistung herantrieb. Vielleicht versuchte er sich aber auch nur von den Gedanken an Hadiya abzulenken. Er machte lenkte sich krampfhaft ab - koste es, was es will. Als wollte der Säbelschwinger ihr einfach nicht vor die Augen treten, um sich in eine peinliche Situation zu bringen. Hatte er jetzt wirklich schon Angst vor Hadiya? Schämte er sich für den Kampf gegen Kemail? Höchstwahrscheinlich war es ihm einfach zu viel geworden. Der Tod seiner gesamten Familie, die gütige Aufnahme bei den Masari. Seine Angebetete wusste sicher nichteinmal davon. Zumindest vom Kampf hatte sie erfahren - sie hatte nach seiner Gesundheit gefragt. Wie es ihm ergehen würde. Sie sorgte sich immernoch um ihn und Ismaael wusste nicht, ob er sich darüber freuen sollte, oder lieber nicht. Er wollte ihr nicht schaden und sie wissen lassen, dass es ihm eben zur Zeit nicht wirklich so gut ging. Vor allem wollte er sie doch fragen, ob sie ihm beim Einrichten seines Hauses helfen würde. Er wollte alles einfach gehalten haben - viele Kissen, ein kleiner Teppich - nicht zuviel verlangt. Dennoch war es schwer für ihn, sie einfach mal wieder anzusprechen.

Sein Blick lag auf dem Haus im Stadtteil der Masari. Saheeb und Zaina strahlten eine solche Wärme und Liebe aus, von der er sich ebenso ernährte. Er nahm sich seinen Teil der Familie. Dabei bot ihm Amira doch ihre Frechheiten, über die er sich köstlich amüsierte. Sie war sehr jung und frech - so als wolle sie direkt ein bestimmtes Klischee erfüllen. Es gelang ihr ziemlich gut. Ihm fiel auch hin und wieder ein, dass er doch Sahar versprochen hatte, dass sie bei ihm schlafen dürfe. Aber momentan hatte er noch nichteinmal ein Bett aufgestellt, geschweigedenn, dass er sich mal um ein Gastbett gekümmert hätte. Mit der Absicht, sich endlich um die Einrichtung zu kümmern, kroch er wieder in seinen Schlafsack. Der Krieger würde bald sicher seine Ausbildung anfangen, sollte die Stadt wieder zur gewohnten Organisation gefunden haben. Er schloss die Augen. Der Säbel war nur einen Schritt weit von ihm entfernt. Wie ein guter Freund, der über ihn wachte.
Antworten