Irgendwo tief in der neutralen Zone auf dem Festland...
Kleine Perlen der herrschenden Taunässe rinnen an einer Felswand herab. In einer Kuhle vor dem Vorsprung vereinen sie sich zu einer kleinen Lache. Einzelne, gewitzte Perlen suchen sich den Weg über eine kleine Spalte, um über den Abgrund kullern zu können. Ein leises Tropfgeräusch ertönt, als jene Perlen auf die kleinen Holzscheite eines erloschenen Lagerfeuers vor dem Höhleneingang schlagen. Das Echo jenes Geräusches dringt leise in die schmale, schulterhohe Höhle hinein.
Ab und an vernimmt man ein leises Schnaufen in der sonst sehr ruhigen Nacht. Eingekuschelt in einem großen weichen Pelzmantel liegt die junge, rothaarige Frau, ein wenig verdreht vor einer vollgestopften Tasche. Ein kleines, ziemlich mitgenommenes, altes Lederbuch schmiegt sich sanft zwischen ihrem Körper und den Unterarmen.
Die geschlossenen Augenlider flackern ab und an wie wild hin und her, dabei umklammert sie das Büchlein umso mehr. Die wilden Träume gönnen ihr anscheinend nicht viel Erholung. Ihre Gestalt wirkt ebenso leicht abgemagert, das Gesicht von Dreck und Staub benetzt.
Ein blechernes Quietschen ertönt. Die junge Frau, wohl völlig erschöpft, verengt nur kurz die Augen unter den geschlossenen Lidern.
„Haben wir Sie!“ Die Stimme tief, brummend. Die Geräuschkulisse nimmt allmählich immer mehr zu. Das Klirren von sich übereinander reibenden Kettengliedern schallt in der Höhle umher.
Die junge Frau zuckt mit ihrem Kopf immer mehr umher, ehe sich die Augenlider langsam öffnen. Sie vermag es, drei dunkle Gestalten direkt vor sich wahrzunehmen.
Die Männer stehen in der sehr niedrigen Höhle gebeugt um sie herum.
Sie blinzelt vermehrt, die Schlaftrunkenheit scheint ihr noch die Sinne zu rauben. Ein hässliches, schmales Gesicht, leicht in einer Kapuze gehüllt nähert sich, die kratzige Stimme schallt in der Höhle umher.
„Seinen Segen Nemia Werheim, das Spiel ist vorbei.“
Die hässliche, drahtige Fratze grinst ihr dabei diabolisch, siegesgewiss entgegen. Im gleichen Augenschlag zieht er dabei das Büchlein sanft aus ihrem Griff heraus. Nemia blinzelt erneut, der Blick scheint klarer zu werden. Die Konturen schärfen sich, diese Fratze, sie kommt ihr irgendwie bekannt vor. Ein kleines Medaillon baumelt an seinem Hals herunter. In der Mitte prangt das Symbol einer Sumpfechse.
Ihre Augen weiten sich ruckartig, wohl erst jetzt realisierend, was um sie herum passiert. Noch bevor der spitze Schrei ihre Kehle verlässt, umschließt ein alter Lumpensack ihren Kopf, sie spürt nur einen kurzen Schlag, dann wird alles wieder dunkel.....
Es war vorbei, sie wurde ergriffen. In der Benommenheit huschten immer wieder Fragmente ihrer Vergangenheit durch den Kopf.
Sie, als kleines Mädchen ihrem Vater beim Bestellen des Feldes zuguckend, huscht sie zwischen den Salatköpfen flink wie ein kleines Kätzchen hin und her. Recht tollpatschig zertritt sie dabei einige der Köpfe.
Viele Male wurde sie von ihm getadelt. Sie solle sich benehmen, lernen zu arbeiten. Wem nützt dieses ständige Katz und Mausspiel mit den Nagern, wenn man sie sowieso wieder frei lässt. Auch wenn die Eltern an die heilige Mutter Eluive glaubten, gegen die Feldmäuse hatte der Vater immer etwas.
Sie, als heranwachsendes Mädchen, alleine an der Grenze des Waldes hockend. Um sie herum, allerlei skurrile, einfache, teils nicht identifizierbare Schnitzereien. Ein kleiner, wohl selbst gebauter Zedernbogen, hängt starr an ihrer kleinen Schulter herab. In etwas weiterer Entfernung steht auf einer Lichtung eine verlassene Eiche. Die Rinde jenes Baumes ist an einigen Stellen zerfetzt. Pfeile stecken, teilweise abgebrochen, in willkürlich wirkenden Abständen, in dem Fleisch des Baumes. Die Rinde hängt an einigen Stellen wie vermoderte Haut schlaf herab.
Erneut klingt ihr die Stimme des Vaters im Kopf. „Nemia, was hast du wieder angestellt?! Die Eiche stand bereits zu meiner Jugend. Um schmeiß diesen Krempel endlich weg. Keiner möchte Schnitzereien eines untalentierten Bauernmädels. Ab mit dir aufs Feld! Und pack den Bogen weg!“
Sie, als heranwachsende junge Frau, zusammengekauert in einem tiefen Dickicht aus Sträuchern, alleine in der tiefen Nacht. Alleine im Unbekannten, nur einen treuen Begleiter bei sich habend, ihren Bogen. Es war jene Nacht, indem sie die fremde Frau kennen lernte. Zwei Augen funkelten ihr in der klaren Nacht entgegen. Sie war es, die sie fand, alleine, weit weg von zuhause. Die Augen kamen Nemia so bekannt vor, als hätte sie die letzten Nächte bereits von ihnen geträumt. Doch anscheinend waren dies nie Träume und der Besuch war nicht der Erste.
Sie, als junge Erwachsende, der Bogen war nicht länger ihr einziger Begleiter. Zusammen streiften sie durch Wälder, Gebirge, Städte und Dörfer. Was ihr Ziel war, wusste Nemia nie genau, aber sie wusste was ihre Aufgabe war. Jagen, Feuerholz sammeln, beobachten und zuhören. Die Frau sprach nicht viel, doch waren die wenigen Worte immer wohl überlegt. Unterschwellig lehre sie Nemia in verschiedenen Dingen. Der Glaube wurde nie direkt angesprochen, aber Nemia erkannte wem sie ihr leben widmete. Öfters saß sie alleine am Feuer, dort wartete sie auf die Frau, die eine Freundin geworden war, deren Rat man sich stets zu Herzen nehmen sollte.
Der Schädel dröhnt.
Sie liegt zusammengekauert auf einem polternden Wagen. Ihre Augen schlagen benommen wirkend immer mal wieder auf. Allerlei Wortfetzen vernimmt sie dabei. Schließlich vermag sie die Worte immer besser zu verstehen.
„Woher genau habt ihr ihren Namen?“ Es ist die selbe brummende, tiefe Stimme aus der Höhle. „Warum ist sie alleine und verflucht nochmal, wo ist die eigentliche Zielperson?“ „Wir brauchen den Namen und ihre Aufzeichnungen!“
Ihre Augen flackern unter dem übelriechendem Lumpen noch leicht benommen hin und her.
„Sie war bereits alleine in Kaltenbeck, das sagen zumindest meine Quellen. Meine Quelle beschrieb die Frau recht zutreffend, dort konnte ich auch den Namen erfahren. Der Hunger und der ständige Stress treiben sie irgendwann immer in die Arme von anderen Menschen.“ Die kratzige Stimme scheint amüsiert. „Habt ihr alles eingepackt?“ Raunzt er nur.
Eine weitere Stimme ertönt, welche Nemia bislang noch nicht vernahm. Sie scheint viel jünger, klar, direkt über ihr. Anscheinend schiebt jener den Karren. „Na klar, hab alles zusammengepackt! Liegt alles neben dem hübschen Ding! Erzählt mal, was hat sie überhaupt mit der ganzen Sache zu tun? Mittlerweile sind wir doch bestimmt über einen kompletten Mondzyklus hinter denen her.“
„Hast dich verliebt oder was, Bürschchen? Das Ganze geht dich auch nichts an, nur weil du seit einigen Zyklen die Anwärterzeit überstanden hast, mit Biegen und Brechen, dazu angemerkt.“ Zischt es aus dem Hässlichen nur so heraus, bis die laute brummige Stimme ermahnend das Wort erhebt.
„ Ruhe jetzt! Ihr Beide treibt mich seit Wochen in den Wahnsinn oder soll ich Euch das Zweite Gebot der Gehorsamkeit verdeutlichen?“ Die Stimme wirkt ernst, bedrohlich, bestimmend.
Eine kurze Zeit vernimmt man nur das leise Zirpen der Heuschrecken, der Karren knautscht dabei klagend in der sonst ruhigen Nacht. Nemia rührt sich kaum und wartet gebannt ab.
„Also Rogan, erzähle es ihm schon. Schließlich muss ich auch wissen, wie mein zukünftiger Knappe mit so etwas umgeht.“
„Na gut, na gut. Die Kurzfassung.
Ihr wisst, dass ich im Dienste des Glaubensbewahrer Durak stehe? Und ihr wisst, dass jener den Platz vom verstorbenen Lanto übernommen hat?
Es ist nicht nur eine andere Person im Amt, sondern unsere Machtstellung innerhalb des Tempels wird dadurch gestärkt. Unsere Gilde besitzt nun mehr und höhere Position als die Schatten der Nachtruhe. Wie dem auch sei, ihr wisst das Lanto keinen natürlichen Tod gestorben ist. Es war Mord. Besser gesagt Gift. Eine Probe dessen wurde seiner Wunde entnommen und eingelagert. Die Täter werden so überführt, es gibt ein Buch, welches als einziges Beweismittel dient, weil es nur einem Mann gelang jenes Gift herzustellen und nieder zu schreiben. Natürlich müssen wir den Verdacht ausräumen, etwas damit zu tun zu haben. Und hier haben wir die mutmaßliche Begleitung der Mörderin.“
Nemia wusste das dies gelogen war, Durak selbst hat seinen Kollegen ermordet. Aus reinem Machthunger, nicht für den All-Einen und dem vorankommen der Sache.
„Wir sollten uns einen Unterschlupf suchen, der Tag bricht in wenigen Augenblicken herein. Sofern wir die Hafenstadt überwunden haben, sind wir schon fast wieder im Alatarischem Reich.“ Wirft die brummige Stimme ein.
Der Karren wendet sich ein wenig hin und her, sie scheinen die Richtung leicht zu ändern, die sonst so ruhige Fahrt wird rauer. Der Karren klappert plötzlich auf, gerät ins Schwanken, wohl ist der Weg kaum passierbar. Da passiert es, Nemia entweicht ein kurzes, leises Keuchen.
Ertappt, ein erneuter Schlag auf den Kopf lässt sie wieder in die Träume entschwinden.
Sie blinzelt, es ist immer noch dunkel, aber ihr kam die Umgebung bekannt vor, die Kapuze wurde von ihrem Kopf entfernt. Die Augen wanderten über den kahlen Felsboden. Abgenagte Knochen und Exkremente verteilten sich durch die ganze Höhle. Jene Höhle sollte ihr erster Schlafplatz werden, doch geschult von ihrer Begleiterin wusste sie, dass sie hier jederzeit Besuch bekommen könnte.
Der hässliche Stand in unmittelbarer Nähe vor ihr, das kleine lederne Büchlein in der Hand haltend. „Dann wollen wir mal sehen, das müsste es sein. Unsere Reise ist von Erfolg gekrönt.“
Kurze Zeit herrscht Stille, man hört nur das leise knistern der Pergamentseiten.
„Deine ruhige, abwartende Art hält mich von dummen Taten ab.“ Hört man es nur murmelnd, wieder knistert das Pergament.
„Dein herzhaftes Lachen, lässt mich vor Freude strahlen...?“ Es knistert hörbar schneller, anscheinend blättert er wie wild in dem Büchlein umher.
„Mein Glück fand ich in der Nacht, als ich dich zum ersten Mal sah...?“
„Was ist das hier?! Schlechte Poesie?! Das kann nicht das Buch sein, kein Siegel, keine Rezepte. Verdammt wir stecken in der Klemme!“
Das Knistern verstummt plötzlich, anscheinend war er auf der letzten Seite angekommen.
„Hört Euch das an, Moment...
Meine Dummheit war es, die dir das Leben stahl. Deine starren, leeren Augen sind das Letzte was ich von dir sah.“
Der Schmerz, der durch Nemia's Leib fährt, wurde unerträglich. Schlimmer als jede Verletzung, als jede Folter.
„Das heißt, sie ist tot? Wo ist dann das Buch des Glaubensbewahrers Durak!?“ Die von Kettengliedern belegte Rückhand des Hässlichen trifft klatschend auf ihre Wange. Nemia keucht aus, kleine Fäden aus Blut laufen ihr den Mundwinkel herunter, sie spuckt seitlich aus.
Schließlich hört man es, das leise Knurren, der Grund warum sie diese Höhle gemieden hat. Es war das Rudel, rückkehrend aus der nächtlichen Jagd. Alles ging ganz schnell, tumultartig erklang das klirrende Geräusch der gezogenen Schwerter.
Die Geräuschkulisse war extrem. Es herrscht völliges Chaos, es regnet Blut. Schmerzhafte Schreie und das wehklagende Jaulen verletzter Wölfe durchzogen die Höhle.
Das war die Chance, ihr Büchlein lag am Boden, rasch ergriff sie es, dabei huscht sie schnell zwischen den Gestalten voran.
Katz und Maus, sie war schon immer flink.
Als sie durch den Ausgang der Höhle tritt, verklingen die Geräusche langsam, sie weiß nicht wer den Kampf gewonnen hat. Haben die Wölfe gewonnen, so könnte sie ihr Leben fortführen wie bisher. Sollten die Wölfe verloren haben, würde sie auf ewig die Gejagte sein. Sie selber ist ausgehungert, verletzt und immer noch leicht benebelt, nachsehen kann sie in diesem Zustand nicht.
Die Flucht war die einzige Möglichkeit und jene ergriff sie. Stundenlang rennt sie durch die Wildnis, bis sie am Hafen angekommen ist. Völlig erschöpft schleicht sie sich auf eines der größeren Schiffe und lässt sich zwischen einigen Fässern und Tauen nieder, die Augen schließen sich.
Die junge Frau steht an der Reling, sie hat es geschafft den Kapitän zu überzeugen, sie nicht von Bord zu schmeißen. Sie konnte nicht das Risiko eingehen noch irgendjemanden ihren Namen zu sagen, nicht solange die Lüge des Gilde nicht offen gelegt wurde.
Sie konnte sich noch genau an diese Nacht erinnern. Nemia wusste wie so oft nicht, warum sie dort waren, oder was ihre Aufgabe war. Es war das erste Mal das Nemia mitgenommen wurde. Sie sollte im Falle, dass ihre Freundin entdeckt wird, einen Gegenstand entgegennehmen und schnell in die Nacht entschwinden.
Die Begleiterin entschwand in der Dunkelheit, sie wollte das Buch des Alchemisten aus der Bibliothek des dieser verräterischen Sumpfechsengilde entwenden. Dieses Buch würde beweisen, dass das Gift, welches für die Ermordung des Glaubensbewahrers Lanto genutzt wurde, von ihnen selbst entwickelt wurde.
Auf einmal herrschte Hektik, Gardisten rannten in den Straßen umher, ihre Begleiterin wurde anscheinend entdeckt. Eine Dunkle Gestalt näherte sich schnellen Schrittes, es war ihre Freundin. „Hier nimm, schnell“ Sie drückte ihr das Buch in die Hand und rannte die Straßen entlang, in einiger Entfernung kamen die Gardisten auf sie zu. Nemia kauerte sich in ihr Versteck, die Gardisten stürmten an ihr vorbei. Sie schlich zwischen den Gassen hin und her, einige Gardisten hatte sie bereits ausgetrickst. Aber auf einmal schlug ihr Kopf gegen etwas Hartes. Ehe sie sich versah, griff eine Hand nach ihr. Doch die Begleiterin war plötzlich dort, sie nahm es mit dem Mann auf. Es war das erste mal, dass sie ihre Begleiterin den Tanz der Klingen vollführen sah. Doch nur eine kurze Unaufmerksamkeit reichte aus, das massive Schwert des Gardisten streifte an ihrem Becken entlang, eine tiefe Wunde hinterlassend. Im selben Moment vergrub Sie doch auch ihren Dolch im Auge des Gardisten, welcher leblos zu Boden sank. Diese Verletzung, es war Nemia's Schuld. Sie hatte eine Abzweigung falsch genommen. der Plan, meisterhaft von ihrer Begleiterin geschmiedet, doch die unerfahrene Nemia macht mit einem Fehler alles zunichte. Sie schafften es aus der Stadt zu fliehen. Trotz das die Verletzung gut versorgt wurde, fing sie an zu eitern. Das war das Ende ihrer Begleiterin, sie hatte nur eine Bitte. Erledige die Aufgabe, überbringe das Buch, sodass der Verrat aufgedeckt wird. Die letzten Worte klingen immer noch in Nemia's Kopf. „Nileth Azur“
So wurde der letzte Wille vollbracht, das Buch wurde abgegeben, nun konnte sie nur noch hoffen das jenes weiter getragen wird und die Verbrecher ihre Strafe erfahren.
Nemia's Augen wandern langsam über die See, dabei hält sie das Büchlein offen in den Händen. Mit einem Kohlestift tippt sich die junge Frau immer mal wieder gegen die Schläfe, ehe sie jenen ansetzt und auf der letzten Seite etwas hinzufügt.
„Nymeria... dein Name soll nun der meine sein, damit mir jeden Tag bewusst wird, wer du für mich warst.“
Es war zu gefährlich ihre Geschichte zu erzählen, ihren Namen zu nennen. Sie musste zuerst herausfinden ob die Verräter hier auch ihr Unwesen treiben. Ihr Weg soll ein Neuer werden, angekommen auf Gerimor würde sie sich im Kampf üben, mehr beobachten und aufmerksamer sein.
Eines Tages wäre Nymeria hoffentlich stolz auf sie.
Sie klappt das Buch schließlich zu und verstaut es in ihrer Tasche.
Ein Gesicht - Zwei Namen
- Nemia Werheim
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- Registriert: Samstag 29. Dezember 2018, 19:11
Ein Gesicht - Zwei Namen
Zuletzt geändert von Nemia Werheim am Sonntag 10. Februar 2019, 11:21, insgesamt 2-mal geändert.
- Nemia Werheim
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Ein leises, dumpfes Pochen hallt zwischen den Häuserwänden in einer abgeranzten und dreckigen Gasse hin und her. Müll liegt an den modrig nassen Wänden der Gebäude. Die grob zusammengewürfelten Pflastersteine sind durchsetzt mit große Spalten und kleine Anhöhen die sich durch die Gasse ziehen. Das Geräusch ihrer Stiefel, wird aufgrund der Erhöhungen vom leichten Klacken der Beschlagung begleitet.
Die junge Frau, mit langsamen Schritt, bedächtig, tritt durch den scheinbar unendlichen Gang der Gasse. Ihr Ausdruck auf dem Gesicht wirkt erschöpft, als würde sie jeden Moment zum rasten umkippen wollen und doch bewegen sich ihre Beine stetig weiter, als würde sie von den seidenen Fäden eines Puppenspielers geführt werde. Als sich nach der schier unendlichen geraden eine Kurve auftut, beginnt sich das Schritttempo automatisch zu erhöhen und sie kann sich nicht dagegen wehren. - Endlich eine Abzweigung - waren die Gedanken die sich in Nemia auftaten und ein wohliges Gefühl von Erleichterung machte sich in ihrem Körper breit. Noch einige Schritte, die Abzweigung kommt immer näher, bald hat sie es geschafft. Sie wendet sich herum, vor ihr türmt sich ein Berg aus Panzerplatten auf.
Die zuvor recht dunkle, düstere und teil unheimliche Umgebung wird durch den massiven, glänzenden Stahl durchzogen. Die Augenlider beginnen wie wild auf und ab zu schlagen. Leicht geblendet, beginnt sie erst nach und nach zu erkennen, was dort überhaupt vor ihr steht. Ihre Blick fällt aufmerksam über den prunkvoll gestalteten Plattenpanzer, ein großer, brüllender Panther ziert jenen. Die Augen beginnen an der hünenhaften Gestalt empor zu klettern, doch noch bevor sie das Gesicht erspäht, greift die große, in harten Leder eingehüllte Hand in ihre Richtung. Der Schock ist ihr ins Gesicht geschrieben, sie weicht nach hinten weg. Die Ketten des Puppenspielers scheinen gelöst zu sein, sie kann sich eigenständig bewegen. Sie flüchtet mit einem katzenhaft eleganten Sprung zurück in den Gang, ehe sie innehält. Erneut versperrt ihr die mächtige Gestalt den Weg und jene Hand kommt wieder bedrohlich wirkend auf sie zu. Wie kann das sein, wie kann er überall sein? Rasch wendet sie sich mit einer Drehung auf dem Absatz des Stiefels herum.
Sie lässt sich nicht packen! Doch als sie sich herum dreht, merkt sie schon, wie sich die Finger um ihre Kehle herum legen. Der Druck nimmt ihr den Atem, das Weiß der Augen beginnt sich ein wenig nach vorne zu wölben, ihr Blick wird verschwommener.
Eine weitere Gestalt betritt die Szenerie, viel filigraner, vertrauter. Dann passiert es, der hünenhafte streift sein mächtiges Schwert an der Flanke ihrer Begleiterin entlang.
Eigentlich nur ein kleiner Schnitt, aber das Blut schießt wie die Lava aus einem explodierenden Vulkan in alle Richtungen. Ein Regen des Blutes beginnt. Die Tropfen schlagen wie kleine Nadelstiche auf ihr Gesicht. Unaufhaltsam prasselt das warme, feuchte Nass auf sie ein. Sie erstickt, bekommt keine Luft mehr. Die Schwemme auf ihrem Gesicht scheint nicht zu stoppen, immer weiter wird sie vom Blut benetzt.
Der innere Schmerz durchzieht ihren ganzen Körper.
Nemia reißt die Augen auf, sie schreit direkt los.
„NYMERIA!“
Dunkle, geschlitzte, vertraute Augen schauen ihr ruhig entgegen. Die raue Zunge der großen Wildkatze fährt immer wieder schleckend über Nemia's Wange. Aus dem Hintergrund erklingt eine besorgte, weibliche Stimme.
„Nemia, es war nur ein Traum, beruhige dich. Es ist alles gut, du bist in Sicherheit.“
Seit einigen Tagen wandelt sie bereits auf Gerimor, doch die Träume kehren immer wieder zurück.
Die stets besorgte Stimme hat ihr viel Trost gespendet und so kennt sie als einzige die Wahrheit, Nemia's Geschichte und ihren echten Namen. Bei ihr wollte sie sich verstecken, alles vergessen. Doch die Vergangenheit holt sie immer wieder ein. Das kann kein Zustand sein, sie muss aktiv werden. Schon lange hegte sie diesen Plan, er schwirrte immer wieder durch ihren Kopf. Es war sehr gefährlich, aber vielleicht sollte sie sich ihrer Angst stellen.
Die Höhle der Löwen, besser gesagt des Panthers, sie weiß wo dieser Ort ist. So nahm sie ihren Mut eines Tages zusammen und wanderte in diese Richtung.
Die junge Frau, mit langsamen Schritt, bedächtig, tritt durch den scheinbar unendlichen Gang der Gasse. Ihr Ausdruck auf dem Gesicht wirkt erschöpft, als würde sie jeden Moment zum rasten umkippen wollen und doch bewegen sich ihre Beine stetig weiter, als würde sie von den seidenen Fäden eines Puppenspielers geführt werde. Als sich nach der schier unendlichen geraden eine Kurve auftut, beginnt sich das Schritttempo automatisch zu erhöhen und sie kann sich nicht dagegen wehren. - Endlich eine Abzweigung - waren die Gedanken die sich in Nemia auftaten und ein wohliges Gefühl von Erleichterung machte sich in ihrem Körper breit. Noch einige Schritte, die Abzweigung kommt immer näher, bald hat sie es geschafft. Sie wendet sich herum, vor ihr türmt sich ein Berg aus Panzerplatten auf.
Die zuvor recht dunkle, düstere und teil unheimliche Umgebung wird durch den massiven, glänzenden Stahl durchzogen. Die Augenlider beginnen wie wild auf und ab zu schlagen. Leicht geblendet, beginnt sie erst nach und nach zu erkennen, was dort überhaupt vor ihr steht. Ihre Blick fällt aufmerksam über den prunkvoll gestalteten Plattenpanzer, ein großer, brüllender Panther ziert jenen. Die Augen beginnen an der hünenhaften Gestalt empor zu klettern, doch noch bevor sie das Gesicht erspäht, greift die große, in harten Leder eingehüllte Hand in ihre Richtung. Der Schock ist ihr ins Gesicht geschrieben, sie weicht nach hinten weg. Die Ketten des Puppenspielers scheinen gelöst zu sein, sie kann sich eigenständig bewegen. Sie flüchtet mit einem katzenhaft eleganten Sprung zurück in den Gang, ehe sie innehält. Erneut versperrt ihr die mächtige Gestalt den Weg und jene Hand kommt wieder bedrohlich wirkend auf sie zu. Wie kann das sein, wie kann er überall sein? Rasch wendet sie sich mit einer Drehung auf dem Absatz des Stiefels herum.
Sie lässt sich nicht packen! Doch als sie sich herum dreht, merkt sie schon, wie sich die Finger um ihre Kehle herum legen. Der Druck nimmt ihr den Atem, das Weiß der Augen beginnt sich ein wenig nach vorne zu wölben, ihr Blick wird verschwommener.
Eine weitere Gestalt betritt die Szenerie, viel filigraner, vertrauter. Dann passiert es, der hünenhafte streift sein mächtiges Schwert an der Flanke ihrer Begleiterin entlang.
Eigentlich nur ein kleiner Schnitt, aber das Blut schießt wie die Lava aus einem explodierenden Vulkan in alle Richtungen. Ein Regen des Blutes beginnt. Die Tropfen schlagen wie kleine Nadelstiche auf ihr Gesicht. Unaufhaltsam prasselt das warme, feuchte Nass auf sie ein. Sie erstickt, bekommt keine Luft mehr. Die Schwemme auf ihrem Gesicht scheint nicht zu stoppen, immer weiter wird sie vom Blut benetzt.
Der innere Schmerz durchzieht ihren ganzen Körper.
Nemia reißt die Augen auf, sie schreit direkt los.
„NYMERIA!“
Dunkle, geschlitzte, vertraute Augen schauen ihr ruhig entgegen. Die raue Zunge der großen Wildkatze fährt immer wieder schleckend über Nemia's Wange. Aus dem Hintergrund erklingt eine besorgte, weibliche Stimme.
„Nemia, es war nur ein Traum, beruhige dich. Es ist alles gut, du bist in Sicherheit.“
Seit einigen Tagen wandelt sie bereits auf Gerimor, doch die Träume kehren immer wieder zurück.
Die stets besorgte Stimme hat ihr viel Trost gespendet und so kennt sie als einzige die Wahrheit, Nemia's Geschichte und ihren echten Namen. Bei ihr wollte sie sich verstecken, alles vergessen. Doch die Vergangenheit holt sie immer wieder ein. Das kann kein Zustand sein, sie muss aktiv werden. Schon lange hegte sie diesen Plan, er schwirrte immer wieder durch ihren Kopf. Es war sehr gefährlich, aber vielleicht sollte sie sich ihrer Angst stellen.
Die Höhle der Löwen, besser gesagt des Panthers, sie weiß wo dieser Ort ist. So nahm sie ihren Mut eines Tages zusammen und wanderte in diese Richtung.
- Nemia Werheim
- Beiträge: 247
- Registriert: Samstag 29. Dezember 2018, 19:11
Es war einer dieser besonders kalten Nächte. Nemia saß zusammengekauert vor dem knisternden Feuer eines Kamins, die Beine leicht angewinkelt, hält sie ein großes Bärenfell aufgebauscht vor ihrem Schoß. Den Oberkörper leicht nach vorne gebeugt, kuschelt sie ihre untere Gesichtshälfte in das flauschige Fell.
Wie sie in diesem Haus gelandet ist, wusste sie selber nicht mehr so genau. Glückliche Fügung, gepaart mit Freundlichkeit und Einfallsreichtum. Der erste Schritt ist vollbracht, sie hat ihren Fuß vor den Toren Rahal's. In einigem Abstand zur Obrigkeit lernte sie nach und nach immer mehr Gesichter kennen. Es war kein leichtes, sich in den Arbeitsalltag zu integrieren, dabei nicht aufzufallen, aber da musste sie durch. Nun war sie an einem Ort, wo sie erst mal beobachten konnte. Trotzdem nagte das ständige Schauspiel, der Stress, die Angst entdeckt zu werden, aufzufliegen, an ihr.
Es gab bis dahin nur einen Ort, wo sie alles um sich vergessen konnte, sich schon beinah heimisch fühlte, die liebende Wärme spürte, doch ihr neuer Weg ließ nicht oft zu, heimlich dort hin zurückzukehren.
Die Augen wandern gedankenverloren über das flackernde Spiel. Die lodernde Flammen machen sich über einen Holzscheit her. Das leise Knacken verrät, dass jener zu zerfallen beginnt. Kleine, leuchtende Funkeln wirbeln im Kamin umher.
Als kleines Mädchen war Nemia zwar recht frech, jedoch überaus liebenswürdig jedem Lebewesen gegenüber. Ihre Mutter war so stolz, was für ein Mädchen sie Groß gezogen hat. Das Herz blühte ihr noch mehr auf, als sie erkannte, das Nemia die Natur genau so liebte, wie sie einst als kleines Mädchen. Nahe ihres Hofes war ein kleines Stückchen Wald, sie verbrachte ihre halbe Kindheit hier, Mutter ließ sie gewähren. Die Natur, die Lebewesen, all dies muss behütet und beschützt werden, Nemia war stets bereit dafür.
Sie wurde älter und trotzdem kümmerte sie sich lieber darum einen Sperling durch den Winter zu bringen, als Zuhause mit anzupacken. Vater stimmte dies immer missmutiger.
Die Tiere im Wäldchen waren ihre Freunde geworden. Kontakt zu anderen Kindern hatte sie kaum, warum auch? Auf dem Dorf war das kleine, zierliche, meist mit Dreck besudelte Mädchen nie wirklich willkommen. Zu wild und ungehobelt, so war die allgemeine Meinung über sie.
Die Waldbewohner waren zuerst auch skeptisch, mieden das aufgeschlossene Mädchen ebenso, ihre stürmische Art erzeugte meist nur Panik. Aber mit der Zeit schienen die Füchse, Kaninchen und Eichhörnchen immer zutraulicher zu werden.
An der großen alten Eiche erlebte sie zum ersten Mal die Grausamkeit der Natur. Einer ihrer treuen Begleiter lag regungslos am Boden. Es war der Sperling, den sie mit viel Arbeit durch den Winter brachte. Überall lagen Federn und Daunen auf dem trockenen, staubigen Boden. Kratzspuren und herausgerissenes Grün kreisten das leblose Vögelchen ein. Der kleine Piepmatz trug Bisswunden an seinem Leib. Nemia wusste, wer ihm das angetan hat. Es war der Fuchs, eigentlich auch ein gern gesehener Besucher. Doch warum hat er ihren kleinen Liebling nur gerissen und nicht verspeist? War es einfach nur die Mordlust?
In der Natur hat eigentlich alles seinen Sinn, so dachte die kleine Nemia. Doch dies hatte keinen Sinn.
Sie war zu jung, um zu verstehen, dass so das Leben ist.
Sie war traurig, bedrückt und so entstand, ohne es zu beabsichtigen, der Samen des Zweifels tief in ihrem Innern. Er war noch so klein, so unbedeutsam, über eine sehr lange Zeit hinweg. Doch er lauerte stets auf die Gelegenheit an Größe zu gewinnen.
Wie sie in diesem Haus gelandet ist, wusste sie selber nicht mehr so genau. Glückliche Fügung, gepaart mit Freundlichkeit und Einfallsreichtum. Der erste Schritt ist vollbracht, sie hat ihren Fuß vor den Toren Rahal's. In einigem Abstand zur Obrigkeit lernte sie nach und nach immer mehr Gesichter kennen. Es war kein leichtes, sich in den Arbeitsalltag zu integrieren, dabei nicht aufzufallen, aber da musste sie durch. Nun war sie an einem Ort, wo sie erst mal beobachten konnte. Trotzdem nagte das ständige Schauspiel, der Stress, die Angst entdeckt zu werden, aufzufliegen, an ihr.
Es gab bis dahin nur einen Ort, wo sie alles um sich vergessen konnte, sich schon beinah heimisch fühlte, die liebende Wärme spürte, doch ihr neuer Weg ließ nicht oft zu, heimlich dort hin zurückzukehren.
Die Augen wandern gedankenverloren über das flackernde Spiel. Die lodernde Flammen machen sich über einen Holzscheit her. Das leise Knacken verrät, dass jener zu zerfallen beginnt. Kleine, leuchtende Funkeln wirbeln im Kamin umher.
Als kleines Mädchen war Nemia zwar recht frech, jedoch überaus liebenswürdig jedem Lebewesen gegenüber. Ihre Mutter war so stolz, was für ein Mädchen sie Groß gezogen hat. Das Herz blühte ihr noch mehr auf, als sie erkannte, das Nemia die Natur genau so liebte, wie sie einst als kleines Mädchen. Nahe ihres Hofes war ein kleines Stückchen Wald, sie verbrachte ihre halbe Kindheit hier, Mutter ließ sie gewähren. Die Natur, die Lebewesen, all dies muss behütet und beschützt werden, Nemia war stets bereit dafür.
Sie wurde älter und trotzdem kümmerte sie sich lieber darum einen Sperling durch den Winter zu bringen, als Zuhause mit anzupacken. Vater stimmte dies immer missmutiger.
Die Tiere im Wäldchen waren ihre Freunde geworden. Kontakt zu anderen Kindern hatte sie kaum, warum auch? Auf dem Dorf war das kleine, zierliche, meist mit Dreck besudelte Mädchen nie wirklich willkommen. Zu wild und ungehobelt, so war die allgemeine Meinung über sie.
Die Waldbewohner waren zuerst auch skeptisch, mieden das aufgeschlossene Mädchen ebenso, ihre stürmische Art erzeugte meist nur Panik. Aber mit der Zeit schienen die Füchse, Kaninchen und Eichhörnchen immer zutraulicher zu werden.
An der großen alten Eiche erlebte sie zum ersten Mal die Grausamkeit der Natur. Einer ihrer treuen Begleiter lag regungslos am Boden. Es war der Sperling, den sie mit viel Arbeit durch den Winter brachte. Überall lagen Federn und Daunen auf dem trockenen, staubigen Boden. Kratzspuren und herausgerissenes Grün kreisten das leblose Vögelchen ein. Der kleine Piepmatz trug Bisswunden an seinem Leib. Nemia wusste, wer ihm das angetan hat. Es war der Fuchs, eigentlich auch ein gern gesehener Besucher. Doch warum hat er ihren kleinen Liebling nur gerissen und nicht verspeist? War es einfach nur die Mordlust?
In der Natur hat eigentlich alles seinen Sinn, so dachte die kleine Nemia. Doch dies hatte keinen Sinn.
Sie war zu jung, um zu verstehen, dass so das Leben ist.
Sie war traurig, bedrückt und so entstand, ohne es zu beabsichtigen, der Samen des Zweifels tief in ihrem Innern. Er war noch so klein, so unbedeutsam, über eine sehr lange Zeit hinweg. Doch er lauerte stets auf die Gelegenheit an Größe zu gewinnen.
- Nemia Werheim
- Beiträge: 247
- Registriert: Samstag 29. Dezember 2018, 19:11
„Seinen Segen.. Macht und Stärke... Des All-Einen Segen.. Sein Zorn soll dich leiten!“
Gedankenverloren starrt Nemia an das aufwendig gestaltete Mauerwerk, eingekuschelt unter der flauschigen Wolldecke, wiederholt sie immer wieder diese Worte. 'Es sind nur Worte, trau dich einfach sie zu sprechen. Du weißt, dass dein Herz die Wahrheit kennt.'
Mit einem mulmigen Gefühl sprach sich immer weiter Mut zu. Das dieser Weg nicht einfach werden würde, hatte sie schon zuvor gewusst. Aber das selbst eine einfache Floskel sie in große Schwierigkeiten bringen könnte, darauf wäre sie nicht gekommen.
Immer wenn Themen wie Herkunft, Glauben, Pläne für die Zukunft angesprochen wurden, versuchte sie sich aus dem Staub zu machen.
Was soll sie sagen, würden die Menschen ihr glauben, es verstehen? Oder würde ein Flüchtigkeitsfehler alles zunichte machen, was sie bislang erreicht hat?
Es ging teilweise soweit, dass sie eine Magenverstimmung über Tage hinweg vortäuschen musste, nur um den ständigen Fragen und skeptischen Blicken zu entfliehen.
Für den Anfang war dies alles nur Schauspielerei, doch das mulmige Gefühl in der Magengegend war schon einige Tage in ihr angewachsen, große Ziegelsteine waren auf ihren Schultern gebunden, sie konnte diesen Druck kaum noch aushalten.
Die Maskerade aufrecht zu erhalten, keine Schwäche zu zeigen, stets die Wahrheit zu biegen und niemals ehrlich zu sein, entlud sich schließlich in ihrem Bett, in einem nicht endenden Fluss an Tränen.
Diesen Weg hat sie sich selber ausgesucht. Einsamkeit war ihr nicht fremd. Doch an diesem Ort, in dieser Situation, kam es ihr so vor, als würde ihr Herz von Tag zu Tag immer weiter absterben. Die Tränen wurden ihr ständiger Begleiter, in der sonst so ruhigen Nacht.
Sie merkte, dass sie sich mehr einbringen muss, um aufzuzeigen das sie es ernst meint. Erst dann würden die Zweifel ausgeräumt und sie kann sich wieder auf ihr eigentliches Ziel konzentrieren.
Zulange schon hat sie sich wie eine verschrecktes Mäusschen in ihrem Zimmer versteckt.