Es lief alles wie geplant. Er hatte den Alchimisten aufgesucht und die gewünschten Mittel bekommen. Der alte Tränkemischer fragte Iceron schon lange nicht mehr weswegen er diverse Aufputschmittel und Aphrodisiaka besorgte. Das Grinsen in dem Gesicht des zahnlosen Alten unterstrich die langgehegte Vermutung, das er haargenau wusste, weswegen der junge Mann mit dem femininen Antlitz, sie für den fast ums Dreifache ältere Baron holte.
Iceron hatte den Wein mit der Droge versetzt und dabei in seinen eigenen Becher nicht ganz so viel gegeben. Clavus sollte sich verausgaben – und das hatte er auch getan. Im Rausch und in seiner Gier hatte er erst aufgehört als die Bewusstlosigkeit ihn mit sich riss.
Auf diesen Moment hatte Iceron gewartet. Sich ankleidend, griff er zwischendurch nach dem Siegelring des träumenden Barons. Dann die Geldkatze von den Habseligkeiten und machte sich wie ein Landstreicher bekleidet aus dem Zimmer und der Burg seines Onkels davon. Aufgehalten wurde er nicht. Zu bekannt war die inoffizielle Tatsache das er das Spielzeug des Alten war. Am Hafen ließ er den Ring in ein Fass mit Fischabfällen fallen und zahlte nahezu den gesamten Inhalt der Geldkatze um einen Platz auf dem Schiff nach Bajard zu bekommen. Als sie 2 Stunden später aus dem Hafen schipperten betrachtete er die hell erleuchtete Silhouette der Burg seines Onkels. Endlich war er aus diesem, nie enden wollenden, Alptraum entkommen. Tränen liefen ihm über die Wangen, als sich die Erleichterung in seiner Brust breit machte. Noch einmal dachte er an die vergangene Zeit zurück, die für ihn mehr als nur einen Wegweiser legte.
Angefangen hatte es mit dem Weggang seines Bruders. Er erinnerte wie die Zwillinge zusammen in dem großen Bett des Onkels gelegen hatten und Raven ihm anvertraut hatte, das er nun auf Wallfahrt gehen wollte. Ein Jahr sollte sich Iceron nun alleine durchschlagen. Sie hatten sich gestritten. Die blanke Panik hatte sich im Herzen des zierlichen Jungen mit den langen Haaren von der Farbe des Schnees breit gemacht. Raven hatte mit seiner Gabe zum Kampf jedes Mal alle abgehalten, die Hand an die beiden legen wollten. Mit dem Spott, das er ein Mädchen sei kam er zurecht, doch immer wieder kam es zu Handgreiflichkeiten. Nun wollte der Einzige, der zwischen Iceron und den Zugriffen stand, ihn zurück lassen.
Wütend warfen sie sich gegenseitig Worte wie Verräter oder Memme entgegen und Raven hatte die Burg verlassen ohne das sich Iceron auch nur von ihm verabschiedet hätte.
Kaum war dieser weg, begann die Tortur für den zierlichen Jungen, der in
der Unterweisung der Kampfkünste, niemals auch nur zufriedenstellend gewesen war. Sie umringten ihn, zerrten an den gepflegten weißen Haaren, die Hände grabbelten überall an ihm herum.
„Na Vögelchen ist der Igel von dir davon gelaufen?“
„Sing für uns Vögelchen, lass uns deine Stimme hören.“
„Lass mal sehen ob du nicht doch ein Mädchen bist!“
„Sei nett zu mir Vögelchen...!“
Die Gefolgsmänner seines Onkels hatten ihn umringt und drangen auf ihn ein. Zu einer Kugel zusammengekrümmt, blieb er einfach auf dem Boden hocken die Arme schützten den Kopf.
„Was läuft hier?“, klang herrisch die Stimme des Waffenbruders des Onkels durch das Getümmel.
Ein Würgereiz machte sich in der Kehle des jungen Vandokirs bemerkbar. Der Baron hatte schon seit langem ein Auge auf ihn geworfen. Er hatte die begehrlichen Blicke immer gespürt und nun war der Alte gekommen um seinen Anteil an der Kriegsbeute zu holen?
„Verzieht euch ihr Pack! Das ist der Neffe eures Herrn!“ , klang es herrisch und kräftige Arme ergriffen die Kugel namens Iceron um sie aus dem Kreis der Hyänen zu tragen.
„Wer seine Hände behalten möchte sollte sich gut überlegen, ob er sie nochmals nach ihm ausstreckt.“
Pest... oder Cholera... Pest … oder....
Die Übelkeit schwappte über, als sich der junge Mann in den Gemächern des Barons übergab. Er war nicht der beste im Händeln. Blieb die Wahl zwischen:
Pest … Cholera... Pest...Cholera....
„Ich kann dich schützen, nun wo dein Bruder dich verlassen hat. Gewiss nicht ganz ohne Gegenleistung, du verstehst?“, eine Hand strich ihm die Haare aus dem Nacken und er fühlte einen warmen Atem über die Haut gleiten. Die Augen schlossen sich fest um den Aber herunterzuschlucken.
Pest...Cholera...Pest oder...Cholera.
Die Lippen pressten sich zu einem festen blutleeren Strich zusammen. Er rieb die Tränen aus den Augen, ehe er sich umdrehte und mit zitternder Stimme lächelnd erklärte:“ Mir ist nachts immer so kalt seit er weg ist, weißt du da Abhilfe Baron?“
Von da an verbrachte er die Nächte immer im Zimmer des Veteranen. Im Gegenzug legte tatsächlich keiner mehr die Hand an ihn und nie gab er dem Baron die Schuld für seine eigene Wahl. Vielmehr lernte er in dieser Zeit recht viel darüber was man weitläufig eine Unterart von Bedarf und Nachfrage nennen könnte.
Dem Onkel ward, nach Ravens Weggang, der Teil der Zwillinge geblieben, welcher für ihn mehr Ballast statt Nutzen bedeutete. Ein Mädchen hätte man zumindest verheiraten können. Hätte man sich je nur die Mühe gemacht, über den Kampfplatz hinweg zu schauen, hätte Iceron gewiss seinen Nutzen für die Familie beweisen können.
Mit der Zeit begann das Vertrauen zu seinem Spielzeug, dem Baron die Sicht für die Wahrheit zu vernebeln. Er hatte angefangen, sie für Liebende statt für Geschäftspartner zu halten. Iceron vergaß selten etwas und so ging er, die Erinnerungen wieder zurückdrängend in Bajard von Bord.
Bedarf und Nachfrage oder: Was kostet mich die Zukunft?
-
Iceron Vandokir
Er genoss den Marsch von Bajard in Richtung Rahal. Die Farben des Herbstes schienen ihm wie die unterschiedlichen Farben von Feuer.
Iceron hatte erfahren, dass ein Vandokir in der Ketzerstadt lebte. Auf sein Nachfragen erfuhr er den Namen seines Bruders und dankte Alatar dafür, dass sein Vater das nicht mehr mitbekommen konnte. Es war irgendwie abwegig, das der Stolz der Familie nach Adoran abgewandert war. Er wusste noch genau wie es damals immer und immer wieder Raven gewesen war, der ihn als Erstgeborenen übertrumpfte.
Raven, der besser mit den Hieb- und Stichwaffen hantierte, während Iceron die Handgelenke schmerzten.
Raven, welcher ihm Salbe für die entzündeten Gelenke brachte, nachdem Iceron, die Nächte durch mit dem Schwert üben musste.
Raven, der ihn im Ringen auf dem Boden festnagelte, ehe er auch nur versuchen konnte zu widerstehen.
Raven, der das Veilchen, das Iceron vom Onkel für den verlorenen Ringkampf kassierte, mit einem Steak abdeckte.
Raven, welcher auf dem Pferd focht als wäre er darauf festgewachsen und Iceron, der von einem Ast aus dem Sattel gefegt wurde.
Raven, der dem Stallburschen die Hände brach, nachdem dieser Iceron an den Hintern gefasst hatte, als er zur Strafe im Stall Dienst tat.
Raven, der ihm Essen brachte, als Iceron für die Hände des Stallburschen eine Woche lang im Burgverlies verbrachte.
Es zog sich immer so weiter. Iceron hatte jedes Mal für Ravens Können bezahlt. Aufgehört hatte das erst als Raven gegangen war.
Dann gab es keinen mehr mit dem er sich hatte messen müssen. Dann gab es lediglich die Möglichkeit zu Handeln.
Aufschauend betrachtete das Tor zu Düstersee. Tief durchatmend passierte er es und setzte sich für eine kurze Pause unter den dortigen Kirschbaum mittig des Dorfes.
Vielleicht konnte er hier das tun was er liebte? Etwas das Raven nie vollbringen würde. Er wollte lernen wie er mit Nadel und Faden umgehen musste. Ja er hatte es schon immer geliebt zu sehen, wie sich die Frauen in der Burg kleideten. Sacht blickte er in sein Bündel. Darinnen lag die kleine Puppe mit den schönen Kleidern. Noch immer dachte er dankbar an den reisenden Händler, der den langhaarigen, gerade mal sechs Jahre alten Iceron für ein Mädchen gehalten hatte und ihm die Puppe mit den Wechselkleidchen im Tausch gegen sein Plüschpferd überließ.
Sein Vater war wütend geworden, als er den erstgeborenen Zwilling mit der Puppe sah.
„Was willst du mit dem Mädchenzeug?“, hatte er ihn aufgebracht angeschrien.
„Bring das sofort den Magdtöchtern zurück!“
„Aber Vater...!“, die blauen Augen hatten sich bereits wieder schmerzlich verdunkelt.
„Nichts aber...mein Sohn widerspricht mir nicht! Tu was ich dir sage!“
„Ja Vater.“, mit hängendem Kopf schlurfte Iceron aus dem Empfangssaal. Dann hatte er die Puppe in die Kiste gepackt und in dem Geheimversteck der Zwillinge – einem Hohlraum hinter den Wandziegeln – verschwinden lassen. Säuberlich verborgen war das Spielzeug immer bei ihm geblieben. Aus Furcht man könnte es ihm nehmen, hatte er es nicht mehr öffentlich ausgepackt.
Als ihn eine junge Frau grüßte, zog er rasch sein Bündel zusammen und richtete sich auf ihr zurück grüßend.
Seine Worte schienen sie zu irritieren. Irgendwie waren die Leute in diesem Dorf nicht so sehr auf Rang und Kaste bedacht. Sie stellte sich ihm als Auriane vor. Sie war wohl eine der örtlichen Schneiderinnen erklärte sie . Die Gelegenheit ergreifend, während er an die Puppe dachte, fragte er ob sie bereit wäre ihn als Lehrling anzunehmen. Das schien sie zu überfordern. Sie war sauber, ordentlich und von angenehmer Gestalt - jedoch wirkte sie angespannt und irgendwie ganz anders, als die Frauen die er kannte. Auf die Versuche mit ihr zu flirten, kamen seltsame Antworten. Bisher hatte er eigentlich immer gute Ergebnisse im Tändeln erbracht. Manches Mal zu gute, wie er oft schmerzhaft erfahren hatte.
So sicher sich der Baron seiner gewesen war, umso ungehalten war er, wenn er erfuhr das die Mägde über sein Spielzeug sprachen.
„Bist du nicht ausgelastet genug?“, hatte er gewettert. “Wozu brauchst du noch Weiber?“
„Na weil das normal ist! Oder willst du das mein Onkel misstrauisch wird?“
„Trotzdem genügt es wenn du das nur einmal im Mond machst, nicht jede Woche eine andere!“
„Bist du etwa eifersüchtig, Baron?“, den Alten umarmend hatte er es geflüstert und die vom Schlag brennende Wange gegen den Rücken gedrückt.
„Sie sind nicht deine Rivalen...schließlich sind sie für mich was ich für dich bin...oder?“
Er hatte genau gewusst wie er ihn wieder aus seiner Wut holte.
Die Frauen waren viel bereitwilliger auf Schmeicheleien eingegangen – Auriane tat dies nicht oder wusste wohl nichts damit anzufangen. Das würde interessant werden, jemand der für Iceron absolutes Neuland war. Jedoch schien ihr wichtig, wie er sich kleidete und so fand er sich bald auf einem Gehöft wieder.
Iceron hatte erfahren, dass ein Vandokir in der Ketzerstadt lebte. Auf sein Nachfragen erfuhr er den Namen seines Bruders und dankte Alatar dafür, dass sein Vater das nicht mehr mitbekommen konnte. Es war irgendwie abwegig, das der Stolz der Familie nach Adoran abgewandert war. Er wusste noch genau wie es damals immer und immer wieder Raven gewesen war, der ihn als Erstgeborenen übertrumpfte.
Raven, der besser mit den Hieb- und Stichwaffen hantierte, während Iceron die Handgelenke schmerzten.
Raven, welcher ihm Salbe für die entzündeten Gelenke brachte, nachdem Iceron, die Nächte durch mit dem Schwert üben musste.
Raven, der ihn im Ringen auf dem Boden festnagelte, ehe er auch nur versuchen konnte zu widerstehen.
Raven, der das Veilchen, das Iceron vom Onkel für den verlorenen Ringkampf kassierte, mit einem Steak abdeckte.
Raven, welcher auf dem Pferd focht als wäre er darauf festgewachsen und Iceron, der von einem Ast aus dem Sattel gefegt wurde.
Raven, der dem Stallburschen die Hände brach, nachdem dieser Iceron an den Hintern gefasst hatte, als er zur Strafe im Stall Dienst tat.
Raven, der ihm Essen brachte, als Iceron für die Hände des Stallburschen eine Woche lang im Burgverlies verbrachte.
Es zog sich immer so weiter. Iceron hatte jedes Mal für Ravens Können bezahlt. Aufgehört hatte das erst als Raven gegangen war.
Dann gab es keinen mehr mit dem er sich hatte messen müssen. Dann gab es lediglich die Möglichkeit zu Handeln.
Aufschauend betrachtete das Tor zu Düstersee. Tief durchatmend passierte er es und setzte sich für eine kurze Pause unter den dortigen Kirschbaum mittig des Dorfes.
Vielleicht konnte er hier das tun was er liebte? Etwas das Raven nie vollbringen würde. Er wollte lernen wie er mit Nadel und Faden umgehen musste. Ja er hatte es schon immer geliebt zu sehen, wie sich die Frauen in der Burg kleideten. Sacht blickte er in sein Bündel. Darinnen lag die kleine Puppe mit den schönen Kleidern. Noch immer dachte er dankbar an den reisenden Händler, der den langhaarigen, gerade mal sechs Jahre alten Iceron für ein Mädchen gehalten hatte und ihm die Puppe mit den Wechselkleidchen im Tausch gegen sein Plüschpferd überließ.
Sein Vater war wütend geworden, als er den erstgeborenen Zwilling mit der Puppe sah.
„Was willst du mit dem Mädchenzeug?“, hatte er ihn aufgebracht angeschrien.
„Bring das sofort den Magdtöchtern zurück!“
„Aber Vater...!“, die blauen Augen hatten sich bereits wieder schmerzlich verdunkelt.
„Nichts aber...mein Sohn widerspricht mir nicht! Tu was ich dir sage!“
„Ja Vater.“, mit hängendem Kopf schlurfte Iceron aus dem Empfangssaal. Dann hatte er die Puppe in die Kiste gepackt und in dem Geheimversteck der Zwillinge – einem Hohlraum hinter den Wandziegeln – verschwinden lassen. Säuberlich verborgen war das Spielzeug immer bei ihm geblieben. Aus Furcht man könnte es ihm nehmen, hatte er es nicht mehr öffentlich ausgepackt.
Als ihn eine junge Frau grüßte, zog er rasch sein Bündel zusammen und richtete sich auf ihr zurück grüßend.
Seine Worte schienen sie zu irritieren. Irgendwie waren die Leute in diesem Dorf nicht so sehr auf Rang und Kaste bedacht. Sie stellte sich ihm als Auriane vor. Sie war wohl eine der örtlichen Schneiderinnen erklärte sie . Die Gelegenheit ergreifend, während er an die Puppe dachte, fragte er ob sie bereit wäre ihn als Lehrling anzunehmen. Das schien sie zu überfordern. Sie war sauber, ordentlich und von angenehmer Gestalt - jedoch wirkte sie angespannt und irgendwie ganz anders, als die Frauen die er kannte. Auf die Versuche mit ihr zu flirten, kamen seltsame Antworten. Bisher hatte er eigentlich immer gute Ergebnisse im Tändeln erbracht. Manches Mal zu gute, wie er oft schmerzhaft erfahren hatte.
So sicher sich der Baron seiner gewesen war, umso ungehalten war er, wenn er erfuhr das die Mägde über sein Spielzeug sprachen.
„Bist du nicht ausgelastet genug?“, hatte er gewettert. “Wozu brauchst du noch Weiber?“
„Na weil das normal ist! Oder willst du das mein Onkel misstrauisch wird?“
„Trotzdem genügt es wenn du das nur einmal im Mond machst, nicht jede Woche eine andere!“
„Bist du etwa eifersüchtig, Baron?“, den Alten umarmend hatte er es geflüstert und die vom Schlag brennende Wange gegen den Rücken gedrückt.
„Sie sind nicht deine Rivalen...schließlich sind sie für mich was ich für dich bin...oder?“
Er hatte genau gewusst wie er ihn wieder aus seiner Wut holte.
Die Frauen waren viel bereitwilliger auf Schmeicheleien eingegangen – Auriane tat dies nicht oder wusste wohl nichts damit anzufangen. Das würde interessant werden, jemand der für Iceron absolutes Neuland war. Jedoch schien ihr wichtig, wie er sich kleidete und so fand er sich bald auf einem Gehöft wieder.
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Iceron Vandokir
Kaum saß er an dem Tisch des Bauernhauses, welches gemütlich rustikal gestaltet war, wurde er bereits von der Freundin Aurianes begrüßt. „Tilly“oder Mathilda war deutlich normaler als Auriane, mit der er bisher zu tun gehabt hatte. Unterbewusst atmete er auf, so hatte er nicht gewusst ob es an seiner Person oder einfach an der Andersartigkeit der hübschen Schneiderin gelegen hatte. Der Hof gehörte wohl Mathilda und die beiden plapperten eifrig Fragen stellend und von sich selbst erzählend auf ihn ein. Es wirkte, als sei es für Frauen, völlig normal, einen fremden jungen Mann aufzugabeln, ihn zu sich nach Haus einzuladen und ihn sofort wie einen Familienangehörigen zu behandeln. So erfuhr er das nun, Mathilda in glücklichen, festen Händen war. Als sich dann Verol ihnen anschloss und man ihm ein diffuses Nachbarschaftsverhältnis enthüllte war Iceron schon jenseits von Gut und Böse. Es ging um Besuche in jeweils der Wohnung des anderen, Wanddurchbrüche und die Tatsache das Auriane und Verol in Icerons Augen perfekt füreinander geschaffen schienen. Sie verstanden sich prächtig und doch wollte keiner der Beiden mehr. Er warf mehrmals an diesem ersten Abend einen Blick auf den geheimnisvollen Hut Verols und die Stimmung, als auch seine eiserne Zurückhaltung, schwankte ein wenig als Fiete auftauchte. Ein junger Kerl, mit einer Art an sich, die einem schwindlig werden ließ. Unlängst stieg die Temperatur mit den jeweiligen Themen drastisch an. Für einen Augenblick fühlte er sich nach daheim in die Burgküche zurückversetzt...
„Icy hast du das wirklich getan?“, fragte damals die hübsche Magd mit dem Schmollmund, während sie ihm ein Stück ihres Zwetschgenkuchens unterschob.
„Was hätte ich denn tun sollen? Anders krieg ich ihn nicht besänftigt, das weißt du genau und Erin muss ich auch aus dem Weg gehen.“, hatte er gedämpft geantwortet während er sich von dem Schlagrahm auftat.
„Vielleicht tut es dir gar nicht schlecht!“, kam es ein wenig tadelnd zurück. „Die verliebt sich in jeden hübschen Kerl in der Burg. Nachher hätte sie dir ein Blag angehängt.“
„Aber er kann sich doch auch jede Magd nehmen. Da gäbe es einige die ihn nicht zurückweisen würden.“, rechtfertigte er sich und leckte einen Streusel von den Fingern.
„Tut er aber nicht. Er schaut nur dich an. Manchmal wird mir ganz schlecht wenn ich seinen Blick bemerke. Irgendwann schlägt er dich bis du dich nicht mehr rührst.“, die Stimme seiner besten Freundin wurde von einem ängstlichen Ton untermalt.
Er griff nach ihrem Unterarm und zog sie neben sich, um sie ganz fest zu umschlingen.
„Mach dir keine Sorgen Moni. Er wird sich nicht sein Lieblingsspielzeug kaputtmachen. Hast du den Barden gesehen der gestern vor dem Onkel vorgesprochen hat? Er ist so wahnsinnig ansehnlich und hat mir sogar schon Zeichen gegeben.“
„Icy...wenn du das wieder tust und mit 'nem Kerl... wenn der Baron das rauskriegt...der macht dich tot.“
„Ach was!“, hatte er lachend geantwortet.
Tatsächlich hatte er ihn lediglich verprügelt für den jungen Barden. Stattdessen hatte man Moni nachdem sie 4 Tage gefehlt hatte, totgeschlagen im Kohlenkeller gefunden. Den Schuldigen hatte man nie gefunden.
Die Gespräche wurden dank Fietes Hinzukommen immer zweideutiger und so schob er die Erinnerungen beiseite. Aus Gewohnheit widersprach er schwach, als er nach männlichen Geliebten gefragt wurde. Doch war es wohl bei weitem kein so großes Problem, auch mit dem eigenen Geschlecht zu verkehren, wie es auf der Burg gewesen war. Nachdenklich hatte man es unversehens von den männlichen Geschlechtsteilen und als Auriane mit ihrer so bezaubernd weltfremden Art und Weise nachfragte wovon nun gesprochen wurde, gab Iceron ihr einen kleinen Hinweis. Dies wiederum endete damit das seine auserwählte Meisterin unverhohlen auf seinen Schritt starrte und ihm so die Hitze in die Wangen trieb.
„Schau doch nicht so darauf!“, meinte er verlegen und ihr schien aufzugehen was sie gerade in ihrer Neugierde getan hatte. So kam Iceron nicht umhin ihr auf den Kopf hin zu zu sagen, wie unaussprechlich niedlich sie nun wirkte.
NIEDLICH – welch unheilvolles Wort. Was andere Frauen sich geschmeichelt fühlen ließ, wirkte auf Auriane wie ein Tarantelstich. Und so zog sie ihren Dolch um ihn damit zurecht zu weisen? Oder zu bedrohen? Ihn zum Narren zu halten? Alatar allein wußte was sie damit bezweckte und Iceron, völlig perplex von dieser Reaktion, rutschte näher zu Verol. Männer hielten für gewöhnlich zusammen. Dies war jedoch, so musste der junge Mann herausfinden, eher ein frommer Wunsch, denn die Tatsache, als Verol nun seinerseits zur Klinge griff und gegen ihn richtete. Nur langsam senkten beide ihre Waffen wieder worauf in Icerons Kopf die Frage schallte: Was zum Raben war nunderen beider Problem gewesen? Es stellte sich heraus das NIEDLICH ein ungewünschtes Wort war, was man allerdings, als Neuer nicht wirklich wissen konnte. Einzig Fiete merkte die Absurdität des Ganzen und verließ, nachdem er seine Meinung dazu äußerte das Haus.
Irgendwas war eindeutig seltsam, doch Iceron war es ja bereits gewohnt immer auf dem Hochseil zu balancieren. Nichtsdestotrotz machte er sich schließlich auf und zog sich für diesen Tag von den Beiden zurück, den Ratschlag von Fiete, sich besser etwas anderes zu suchen noch immer in den Ohren.
„Icy hast du das wirklich getan?“, fragte damals die hübsche Magd mit dem Schmollmund, während sie ihm ein Stück ihres Zwetschgenkuchens unterschob.
„Was hätte ich denn tun sollen? Anders krieg ich ihn nicht besänftigt, das weißt du genau und Erin muss ich auch aus dem Weg gehen.“, hatte er gedämpft geantwortet während er sich von dem Schlagrahm auftat.
„Vielleicht tut es dir gar nicht schlecht!“, kam es ein wenig tadelnd zurück. „Die verliebt sich in jeden hübschen Kerl in der Burg. Nachher hätte sie dir ein Blag angehängt.“
„Aber er kann sich doch auch jede Magd nehmen. Da gäbe es einige die ihn nicht zurückweisen würden.“, rechtfertigte er sich und leckte einen Streusel von den Fingern.
„Tut er aber nicht. Er schaut nur dich an. Manchmal wird mir ganz schlecht wenn ich seinen Blick bemerke. Irgendwann schlägt er dich bis du dich nicht mehr rührst.“, die Stimme seiner besten Freundin wurde von einem ängstlichen Ton untermalt.
Er griff nach ihrem Unterarm und zog sie neben sich, um sie ganz fest zu umschlingen.
„Mach dir keine Sorgen Moni. Er wird sich nicht sein Lieblingsspielzeug kaputtmachen. Hast du den Barden gesehen der gestern vor dem Onkel vorgesprochen hat? Er ist so wahnsinnig ansehnlich und hat mir sogar schon Zeichen gegeben.“
„Icy...wenn du das wieder tust und mit 'nem Kerl... wenn der Baron das rauskriegt...der macht dich tot.“
„Ach was!“, hatte er lachend geantwortet.
Tatsächlich hatte er ihn lediglich verprügelt für den jungen Barden. Stattdessen hatte man Moni nachdem sie 4 Tage gefehlt hatte, totgeschlagen im Kohlenkeller gefunden. Den Schuldigen hatte man nie gefunden.
Die Gespräche wurden dank Fietes Hinzukommen immer zweideutiger und so schob er die Erinnerungen beiseite. Aus Gewohnheit widersprach er schwach, als er nach männlichen Geliebten gefragt wurde. Doch war es wohl bei weitem kein so großes Problem, auch mit dem eigenen Geschlecht zu verkehren, wie es auf der Burg gewesen war. Nachdenklich hatte man es unversehens von den männlichen Geschlechtsteilen und als Auriane mit ihrer so bezaubernd weltfremden Art und Weise nachfragte wovon nun gesprochen wurde, gab Iceron ihr einen kleinen Hinweis. Dies wiederum endete damit das seine auserwählte Meisterin unverhohlen auf seinen Schritt starrte und ihm so die Hitze in die Wangen trieb.
„Schau doch nicht so darauf!“, meinte er verlegen und ihr schien aufzugehen was sie gerade in ihrer Neugierde getan hatte. So kam Iceron nicht umhin ihr auf den Kopf hin zu zu sagen, wie unaussprechlich niedlich sie nun wirkte.
NIEDLICH – welch unheilvolles Wort. Was andere Frauen sich geschmeichelt fühlen ließ, wirkte auf Auriane wie ein Tarantelstich. Und so zog sie ihren Dolch um ihn damit zurecht zu weisen? Oder zu bedrohen? Ihn zum Narren zu halten? Alatar allein wußte was sie damit bezweckte und Iceron, völlig perplex von dieser Reaktion, rutschte näher zu Verol. Männer hielten für gewöhnlich zusammen. Dies war jedoch, so musste der junge Mann herausfinden, eher ein frommer Wunsch, denn die Tatsache, als Verol nun seinerseits zur Klinge griff und gegen ihn richtete. Nur langsam senkten beide ihre Waffen wieder worauf in Icerons Kopf die Frage schallte: Was zum Raben war nunderen beider Problem gewesen? Es stellte sich heraus das NIEDLICH ein ungewünschtes Wort war, was man allerdings, als Neuer nicht wirklich wissen konnte. Einzig Fiete merkte die Absurdität des Ganzen und verließ, nachdem er seine Meinung dazu äußerte das Haus.
Irgendwas war eindeutig seltsam, doch Iceron war es ja bereits gewohnt immer auf dem Hochseil zu balancieren. Nichtsdestotrotz machte er sich schließlich auf und zog sich für diesen Tag von den Beiden zurück, den Ratschlag von Fiete, sich besser etwas anderes zu suchen noch immer in den Ohren.
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Iceron Vandokir
Den späten Herbst genießend, lag er am Ufer des alatarischen Reiches. Vor ihm steckte die Angel auf einer Astgabel, während Iceron ein Nickerchen machte.
...er lag die Hand- und Fußgelenke in Ketten splitterfasernackt auf einer Bank ausgebreitet, als hätte jemand vor ihn zu sezieren. Er fühlte die Blicke der Gäste auf seiner hellen Haut tanzen. Verlegenheit übermannte ihn und eine heiße Röte brannte auf seinen Wangen, als er die Augen zusammenkniff und den Kopf abwandte. Tränen glitzerten im Wimpernschatten und zogen rasch abkühlend ihre Bahnen über das junge Gesicht. Irgendwas würde kommen, das wusste er genau. Panik zog sein Herz zusammen, gerade als es versuchte wild pumpend zu zerbersten. Die Augen aufreißend ruckte Iceron, an den Ketten gefangen nach oben und...
...blickte in das Antlitz einer jungen Frau. Ein anziehendes Äusseres, gepflegt und ordentlich. Automatisch stahl sich ein Lächeln auf seine Lippen ehe er sich gewahr wurde, das das nicht zum Szenario von eben passte. Ein Traum?
„Des Herren Gunst!“, grüßte er noch ein wenig wage. Sich ihr zuwendend erblickte er die Insignien ihres Standes und rappelte sich auf um sich vor ihr zu verneigen.
„Statthalterin!“, kam es aus seiner Kehle. „Ich muss eingenickt sein.“
Sie nahm es mit einem Schmunzeln hin und es zeigte sich das sie gerade ihn auch gesucht hatte.
Die Statthalterin Düstersees hatte Fragen an ihn und so folgte er ihr auf dem Fusse.
Schnell stellte sich heraus, das es sich erneut um die Niedlichkeits-Angelegenheit ging und er bemühte sich redlich, ihre Bedenken deswegen zu zerstreuen. Es war schließlich nicht das erste Mal gewesen, das er Bekanntschaft mit dem scharfen Stahl gemacht hatte.
Nicht gerade gern erinnerte er sich an die seltsamen Spiele des Barones.
Eingeschneit auf der Burg des Onkels gab es an den kurzen Tagen im ersten Winter ohne Raven, kaum genug Abwechslung, um den Amüsementhunger des Alten zu befriedigen. Iceron wusste nie was ihn mit dem Einsetzen der Dunkelheit in den Gemächern seines Gönners erwarten würde. Mal lagen feinste Frauengewänder bereit, in die er sich zwängen musste; dann wieder gab es mit Rauschkräutern versetzte Weine und Salben, die an gewissen Körperstellen erschreckende Wirkung zu Tage förderten. Die Klingen,welche in dem Eimer mit Eis steckten hatten ihre Wirkung ebenfalls gezeigt. Sie auf der bloßen Haut zu fühlen und wie sie hin und wieder kleine Schnitte hinterließen – nie tief genug um Narben zu hinterlassen – hatte er gehasst. Tatenlos zusehen zu müssen wie er stets der Laune seines Bettgefährten ausgesetzt war hatte ihn wahnsinnig gemacht.
„Soll ich hier schneiden mein Schöner?“, mit vom Wein schwerer Zunge hatte es der Baron gefragt.
„Willst du mich töten?“, kam die Gegenfrage mit leicht zitternder Stimme.
„Ein kleiner Schnitt wird dich nicht umbringen!“, klang es tadelnd gefolgt von dem Schmerz als die kalte Klinge die Haut fast liebevoll und behutsam öffnete.
„Schau wie schön das Rot auf deiner Haut...“
Schweigend, regelrecht andächtig hatte der Alte beobachtet, wie sich über dem Schnitt der rote Tropfen bildete, wuchs und anschwoll um schließlich überzufließen und kleine rote Bäche auf die helle Haut zeichnete. Sacht hatte er den Rinnsal mit der Zunge aufgenommen und ein weiteres Messer aus dem mit Eis gefüllten Eimer gezogen. Dieses hatte er an der Hüfte Icerons plaziert.
„Hier? Oder tiefer?“, sacht fuhr die Klinge in Richtung seiner Lenden.
Panik durchzuckte den Kopf des jungen Mannes und er griff nach der Hand des Alten. Innehaltend, blickte dieser in die hellen Teiche der blauen Augen seines Geliebten. Iceron kannte diesen Blick, würde er nun nicht richtig handeln wäre die Wunde im Anschluss größer und die folgende Nacht schmerzhafter. Tief einatmend blickte er in die Augen des alten Kriegers und benetzte die Lippen mit der Zungenspitze. Sein Griff um die Hand verfestigte sich und er griff mit der freien Hand nach dem Nacken des Barons. Dessen Gesicht näher- und sich selbst zugleich zu ihm hinziehend presste er die Lippen auf die nach Wein schmeckenden seines Partners. Dabei sank die Klinge, ungefähr einen halben Finger breit, in seinen Unterbauch.
Überrascht durch den Kuss löste sich der Griff des Alten um die Klinge und er zog Iceron an sich.
Sich schlafend stellend fühlte er die Hände, die die Schnitte versorgten deutlich über seinen Körper wandern und Heilsalbe auftragen. Als er ein entsetztes Einatmen vernahm, kostete es einige Überwindung die Scharade aufrecht zu erhalten. Brennend fühlte er wie die Salbe auf die Wunde in seinem Unterleib aufgetragen wurde, ehe sie ihre betäubende Wirkung freisetzte.
„Verzeih mir mein Schöner“, flüsterte der Alte betroffen.“Ich tus nie wieder.“
Anfangs hatte Iceron ihm auch tatsächlich geglaubt. Doch diese Versprechen waren nie wirklich von Dauer.
„Ich bin's gewohnt.“, meinte er nochmals bekräftigend.
Dennoch sei derlei nicht Normalität in Düstersee, betonte die Statthalterin.
Um den guten Willen zu demonstrieren zeigte sie ihm ein wundervolles Schnittmuster und versprach ihm dieses eigenhändig beizubringen sobald er die Grundtechniken beherrschte.
Dankbar fiel Iceron, am Ende des Tages, in die Laken seines Bettes im Zimmer der Herberge Rahals.
...er lag die Hand- und Fußgelenke in Ketten splitterfasernackt auf einer Bank ausgebreitet, als hätte jemand vor ihn zu sezieren. Er fühlte die Blicke der Gäste auf seiner hellen Haut tanzen. Verlegenheit übermannte ihn und eine heiße Röte brannte auf seinen Wangen, als er die Augen zusammenkniff und den Kopf abwandte. Tränen glitzerten im Wimpernschatten und zogen rasch abkühlend ihre Bahnen über das junge Gesicht. Irgendwas würde kommen, das wusste er genau. Panik zog sein Herz zusammen, gerade als es versuchte wild pumpend zu zerbersten. Die Augen aufreißend ruckte Iceron, an den Ketten gefangen nach oben und...
...blickte in das Antlitz einer jungen Frau. Ein anziehendes Äusseres, gepflegt und ordentlich. Automatisch stahl sich ein Lächeln auf seine Lippen ehe er sich gewahr wurde, das das nicht zum Szenario von eben passte. Ein Traum?
„Des Herren Gunst!“, grüßte er noch ein wenig wage. Sich ihr zuwendend erblickte er die Insignien ihres Standes und rappelte sich auf um sich vor ihr zu verneigen.
„Statthalterin!“, kam es aus seiner Kehle. „Ich muss eingenickt sein.“
Sie nahm es mit einem Schmunzeln hin und es zeigte sich das sie gerade ihn auch gesucht hatte.
Die Statthalterin Düstersees hatte Fragen an ihn und so folgte er ihr auf dem Fusse.
Schnell stellte sich heraus, das es sich erneut um die Niedlichkeits-Angelegenheit ging und er bemühte sich redlich, ihre Bedenken deswegen zu zerstreuen. Es war schließlich nicht das erste Mal gewesen, das er Bekanntschaft mit dem scharfen Stahl gemacht hatte.
Nicht gerade gern erinnerte er sich an die seltsamen Spiele des Barones.
Eingeschneit auf der Burg des Onkels gab es an den kurzen Tagen im ersten Winter ohne Raven, kaum genug Abwechslung, um den Amüsementhunger des Alten zu befriedigen. Iceron wusste nie was ihn mit dem Einsetzen der Dunkelheit in den Gemächern seines Gönners erwarten würde. Mal lagen feinste Frauengewänder bereit, in die er sich zwängen musste; dann wieder gab es mit Rauschkräutern versetzte Weine und Salben, die an gewissen Körperstellen erschreckende Wirkung zu Tage förderten. Die Klingen,welche in dem Eimer mit Eis steckten hatten ihre Wirkung ebenfalls gezeigt. Sie auf der bloßen Haut zu fühlen und wie sie hin und wieder kleine Schnitte hinterließen – nie tief genug um Narben zu hinterlassen – hatte er gehasst. Tatenlos zusehen zu müssen wie er stets der Laune seines Bettgefährten ausgesetzt war hatte ihn wahnsinnig gemacht.
„Soll ich hier schneiden mein Schöner?“, mit vom Wein schwerer Zunge hatte es der Baron gefragt.
„Willst du mich töten?“, kam die Gegenfrage mit leicht zitternder Stimme.
„Ein kleiner Schnitt wird dich nicht umbringen!“, klang es tadelnd gefolgt von dem Schmerz als die kalte Klinge die Haut fast liebevoll und behutsam öffnete.
„Schau wie schön das Rot auf deiner Haut...“
Schweigend, regelrecht andächtig hatte der Alte beobachtet, wie sich über dem Schnitt der rote Tropfen bildete, wuchs und anschwoll um schließlich überzufließen und kleine rote Bäche auf die helle Haut zeichnete. Sacht hatte er den Rinnsal mit der Zunge aufgenommen und ein weiteres Messer aus dem mit Eis gefüllten Eimer gezogen. Dieses hatte er an der Hüfte Icerons plaziert.
„Hier? Oder tiefer?“, sacht fuhr die Klinge in Richtung seiner Lenden.
Panik durchzuckte den Kopf des jungen Mannes und er griff nach der Hand des Alten. Innehaltend, blickte dieser in die hellen Teiche der blauen Augen seines Geliebten. Iceron kannte diesen Blick, würde er nun nicht richtig handeln wäre die Wunde im Anschluss größer und die folgende Nacht schmerzhafter. Tief einatmend blickte er in die Augen des alten Kriegers und benetzte die Lippen mit der Zungenspitze. Sein Griff um die Hand verfestigte sich und er griff mit der freien Hand nach dem Nacken des Barons. Dessen Gesicht näher- und sich selbst zugleich zu ihm hinziehend presste er die Lippen auf die nach Wein schmeckenden seines Partners. Dabei sank die Klinge, ungefähr einen halben Finger breit, in seinen Unterbauch.
Überrascht durch den Kuss löste sich der Griff des Alten um die Klinge und er zog Iceron an sich.
Sich schlafend stellend fühlte er die Hände, die die Schnitte versorgten deutlich über seinen Körper wandern und Heilsalbe auftragen. Als er ein entsetztes Einatmen vernahm, kostete es einige Überwindung die Scharade aufrecht zu erhalten. Brennend fühlte er wie die Salbe auf die Wunde in seinem Unterleib aufgetragen wurde, ehe sie ihre betäubende Wirkung freisetzte.
„Verzeih mir mein Schöner“, flüsterte der Alte betroffen.“Ich tus nie wieder.“
Anfangs hatte Iceron ihm auch tatsächlich geglaubt. Doch diese Versprechen waren nie wirklich von Dauer.
„Ich bin's gewohnt.“, meinte er nochmals bekräftigend.
Dennoch sei derlei nicht Normalität in Düstersee, betonte die Statthalterin.
Um den guten Willen zu demonstrieren zeigte sie ihm ein wundervolles Schnittmuster und versprach ihm dieses eigenhändig beizubringen sobald er die Grundtechniken beherrschte.
Dankbar fiel Iceron, am Ende des Tages, in die Laken seines Bettes im Zimmer der Herberge Rahals.
-
Iceron Vandokir
„Über dem Rathaus hat es Zimmer frei.“, hilfsbereit hatte Auriane ihn darauf hingewiesen.
Dafür benötigte er keinen Bürgerbrief, das wusste er wohl. Aber ohne Zugehörigkeit gab es keinen Schutz. Als er der Statthalterin Rahals begegnete, hatte er dieselbe Wärme gefühlt, wie im Beisein von Statthalterin Crain. Egal wo man sich im Reich des Herrn befand. jeder seiner Diener würde dort die Wärme der Zusammengehörigkeit empfinden.
Gedankenverloren kam er an einem der Höfe vorbei, die für das leibliche Wohl der Bewohner des rahalischen Reiches sorgten. Über den Zaun blickend sah er einen jungen, kräftigen Mann und grüßte ihn freundlich.
Luca, wie sich der Landwirt vorstellte, führte Iceron hinein in das gemütliche Bauernhaus des Hofes. Wieder einmal führte der Geruch einer bäuerlichen Küche ihn in die Vergangenheit der Burgküche seiner Jugend.
„Na ihr zwei seid ja richtig hübsch! Wo kommt ihr denn her? Hat eure Mutter kein Gold um euch Kleidchen zu kaufen? Schau mal Fanny die zwei jungen Damen sind doch allerliebst!“,regelrecht vernarrt blickte die Köchin der Burg auf die weißschöpfigen Zwillinge herab. Die strahlenden Augen zusammenkneifend stemmte Raven die Hände in die Hüften und protestierte:“Heee!Bin kein Dame - bin ein Mann!“
Iceron jedoch schob den Daumen in den Mund und trat automatisch hinter seinen Bruder in Deckung.
„Kein Mädchen? Und das hinter dir ist?“, fragte die Köchin verdattert.
„Mein Ice! Ice ist auch kein Mädchen!“
Wie immer übernahm Raven die Unterhaltung während Iceron zurückblieb.
„Ice...? Seid ihr die Jungs von Ritter Theodor?“, fragte sie und betrachtete die zwei 6 jährigen Knirpse.
„Das mein Papa. Und Ice sein Papa auch.“, gab der Kleine Auskunft.
„Duhu...Tante? Wir mögen Kuchen gerne, weisst du?“,kam Icerons zartes Stimmchen schließlich, vorsichtig hinter dem Rücken Ravens hervor.
Ein Lächeln schlüpfte über Icerons Lippen, als er an die erste Erkundung der Burg seines Onkels zurückdachte. Dann wurde sein Blick von einer jungen, hübschen Frau aufgefangen, die den Raum betrat, eben als sie das Geschäft mit der Wolle verhandelten. Sofort grüßte er sie und stellte sich höflichst vor. Lagara, wie sie sich nannte, war wohl die Eigentümerin des Hofes und bot sich an ihm beim Transport nach Rahal zu helfen. Dankbar nahm er dieses Angebot an und schon bald zogen sie in ein neckendes Gespräch verwickelt gen der Hauptstadt. Nach dem Verstauen der Ware blieben sie noch für einige Momente nebeneinander hocken und unterhielten sich. Mehrmals kam das Gespräch auf Beziehungen zwischen Mann und Frau. Bei jedem Mal kam es Iceron jedoch so vor als sehne sich die hübsche Bäuerin nach einem Anker, welcher Liebe und Stabilität in ihr Leben bringen würde. Die Versuchung war groß, vor allem da sie ihn eindeutig wissen ließ, das er in ihren Augen genau zu ihr passte. Jedoch war ein Anker das, was Iceron nie gelernt hatte zu sein. Die Unterhaltung verursachte ihm langsam ein klammes Gefühl in der Magengegend und er blieb bei der Meinung, das er momentan nicht wirklich etwas Festes suchte. Als sie sich an diesem Abend trennten, dachte er noch lange Zeit über Dinge wie Begehren und Liebe nach und fragte sich nach dem Sinn des Ganzen. Bevorzugte er nun Frauen oder Männer? Mochte er es lieber andere zum Beben zu bringen oder wollte er erschauern? Frauen, waren für ihn anbetungswürdig. Sie hatten all das, was er nicht haben durfte. Es war so leicht ihnen das zu geben was sie sich wünschten, wo er doch ihre Wünsche so sehr als seine eigenen verstand. Er liebte es sich mit schönen Dingen zu umgeben. Er mochte liebliche Düfte und süße Speisen. Brauchte die Bestätigung, das man ihn ernst nahm und hasste es wenn genau das nicht der Fall war. Nicht zuletzt mochte er es gern anderen ein gutes Gefühl zu geben. All das war was eine Frau für ihn ausmachte. Nun gut und der Aspekt Begehren in den Lenden der Männer zu wecken um den Reigen des Lebens zu vollenden.
Sich rücklings auf das Gasthausbett legend, betrachtete er mir leerem Blick die Zimmerdecke, während seine Hände sich in seinem Nacken ineinander verschränkten. Die leere des bettes wurde ihm nur allzu bewusst. Nicht viele Nächte hatte er in seinem Leben allein verbracht. Neben den leidenschaftlichen, teils besitzergreifenden, Umarmungen der Bettgefährten fielen ihm die unschuldigen, reinen Umarmungen seines Bruders ein. Die Zwillinge hatte seit ihrer Geburt immer nebeneinander geschlafen. Sie hatten sich als Kleinkinder aneinander geschmiegt, als Teenager gegenseitig aus dem Bett getreten. Sich bis zum Einschlummern unterhalten und sich gegenseitig Geheimnisse anvertraut. Ein Lächeln zog sich über Icerons Lippenpaar, als er sich an das Gespräch über Mädchen und wie man sie am Besten umwarb, erinnerte.
„Du schreibst ein Gedicht und bringst ihr süsse Kekse!“, war Icerons Plan gewesen.
„Das ist ein Geschenk, so was geht nicht Ice! Ich würde ihr einen kleinen Hund oder ein Kätzchen bringen“, tadelte Raven den Bruder, welcher sein Kissen fest vor der Brust umschlungen hielt.
„Ach die Tiere wohl nicht, oder was? Ich tät' ihr natürlich sagen sie müsste die Kekse probieren, damit ich weiß wie sie mir gelungen sind! Somit wird ein Schritt zur Perfektion draus!“, meinte er altklug.
„Der Hund wird sie beschützen und die Katze fängt die Mäuse! Das ist dann eher praktischer Nutzen!“
So ihre Pläne weiter spinnend waren sie bald weg geschlummert.
Es war so sehr eine Gewohnheit geworden das unglaublich beruhigende Atemgeräusch einer anderen Person zu hören, das es Iceron in den ersten Nächten nach Ravens Weggang nicht gelingen wollte einzuschlafen. Diese Tatsache, hatte sich aber erledigt nachdem er seine Nächte in den Gemächern des Barons verbrachte. Auf dem Schiff, hatte es nur einen großen Schlafraum für die Passagiere gegeben und so schlief Iceron erst nach der Ankunft in Rahal wieder allein. Es brachte ihn fast um den Verstand, wie still es in dem Zimmer war. Sich endlos wälzend, gelang es ihm erst im Morgengrauen ein wenig wegzudämmern...
Dafür benötigte er keinen Bürgerbrief, das wusste er wohl. Aber ohne Zugehörigkeit gab es keinen Schutz. Als er der Statthalterin Rahals begegnete, hatte er dieselbe Wärme gefühlt, wie im Beisein von Statthalterin Crain. Egal wo man sich im Reich des Herrn befand. jeder seiner Diener würde dort die Wärme der Zusammengehörigkeit empfinden.
Gedankenverloren kam er an einem der Höfe vorbei, die für das leibliche Wohl der Bewohner des rahalischen Reiches sorgten. Über den Zaun blickend sah er einen jungen, kräftigen Mann und grüßte ihn freundlich.
Luca, wie sich der Landwirt vorstellte, führte Iceron hinein in das gemütliche Bauernhaus des Hofes. Wieder einmal führte der Geruch einer bäuerlichen Küche ihn in die Vergangenheit der Burgküche seiner Jugend.
„Na ihr zwei seid ja richtig hübsch! Wo kommt ihr denn her? Hat eure Mutter kein Gold um euch Kleidchen zu kaufen? Schau mal Fanny die zwei jungen Damen sind doch allerliebst!“,regelrecht vernarrt blickte die Köchin der Burg auf die weißschöpfigen Zwillinge herab. Die strahlenden Augen zusammenkneifend stemmte Raven die Hände in die Hüften und protestierte:“Heee!Bin kein Dame - bin ein Mann!“
Iceron jedoch schob den Daumen in den Mund und trat automatisch hinter seinen Bruder in Deckung.
„Kein Mädchen? Und das hinter dir ist?“, fragte die Köchin verdattert.
„Mein Ice! Ice ist auch kein Mädchen!“
Wie immer übernahm Raven die Unterhaltung während Iceron zurückblieb.
„Ice...? Seid ihr die Jungs von Ritter Theodor?“, fragte sie und betrachtete die zwei 6 jährigen Knirpse.
„Das mein Papa. Und Ice sein Papa auch.“, gab der Kleine Auskunft.
„Duhu...Tante? Wir mögen Kuchen gerne, weisst du?“,kam Icerons zartes Stimmchen schließlich, vorsichtig hinter dem Rücken Ravens hervor.
Ein Lächeln schlüpfte über Icerons Lippen, als er an die erste Erkundung der Burg seines Onkels zurückdachte. Dann wurde sein Blick von einer jungen, hübschen Frau aufgefangen, die den Raum betrat, eben als sie das Geschäft mit der Wolle verhandelten. Sofort grüßte er sie und stellte sich höflichst vor. Lagara, wie sie sich nannte, war wohl die Eigentümerin des Hofes und bot sich an ihm beim Transport nach Rahal zu helfen. Dankbar nahm er dieses Angebot an und schon bald zogen sie in ein neckendes Gespräch verwickelt gen der Hauptstadt. Nach dem Verstauen der Ware blieben sie noch für einige Momente nebeneinander hocken und unterhielten sich. Mehrmals kam das Gespräch auf Beziehungen zwischen Mann und Frau. Bei jedem Mal kam es Iceron jedoch so vor als sehne sich die hübsche Bäuerin nach einem Anker, welcher Liebe und Stabilität in ihr Leben bringen würde. Die Versuchung war groß, vor allem da sie ihn eindeutig wissen ließ, das er in ihren Augen genau zu ihr passte. Jedoch war ein Anker das, was Iceron nie gelernt hatte zu sein. Die Unterhaltung verursachte ihm langsam ein klammes Gefühl in der Magengegend und er blieb bei der Meinung, das er momentan nicht wirklich etwas Festes suchte. Als sie sich an diesem Abend trennten, dachte er noch lange Zeit über Dinge wie Begehren und Liebe nach und fragte sich nach dem Sinn des Ganzen. Bevorzugte er nun Frauen oder Männer? Mochte er es lieber andere zum Beben zu bringen oder wollte er erschauern? Frauen, waren für ihn anbetungswürdig. Sie hatten all das, was er nicht haben durfte. Es war so leicht ihnen das zu geben was sie sich wünschten, wo er doch ihre Wünsche so sehr als seine eigenen verstand. Er liebte es sich mit schönen Dingen zu umgeben. Er mochte liebliche Düfte und süße Speisen. Brauchte die Bestätigung, das man ihn ernst nahm und hasste es wenn genau das nicht der Fall war. Nicht zuletzt mochte er es gern anderen ein gutes Gefühl zu geben. All das war was eine Frau für ihn ausmachte. Nun gut und der Aspekt Begehren in den Lenden der Männer zu wecken um den Reigen des Lebens zu vollenden.
Sich rücklings auf das Gasthausbett legend, betrachtete er mir leerem Blick die Zimmerdecke, während seine Hände sich in seinem Nacken ineinander verschränkten. Die leere des bettes wurde ihm nur allzu bewusst. Nicht viele Nächte hatte er in seinem Leben allein verbracht. Neben den leidenschaftlichen, teils besitzergreifenden, Umarmungen der Bettgefährten fielen ihm die unschuldigen, reinen Umarmungen seines Bruders ein. Die Zwillinge hatte seit ihrer Geburt immer nebeneinander geschlafen. Sie hatten sich als Kleinkinder aneinander geschmiegt, als Teenager gegenseitig aus dem Bett getreten. Sich bis zum Einschlummern unterhalten und sich gegenseitig Geheimnisse anvertraut. Ein Lächeln zog sich über Icerons Lippenpaar, als er sich an das Gespräch über Mädchen und wie man sie am Besten umwarb, erinnerte.
„Du schreibst ein Gedicht und bringst ihr süsse Kekse!“, war Icerons Plan gewesen.
„Das ist ein Geschenk, so was geht nicht Ice! Ich würde ihr einen kleinen Hund oder ein Kätzchen bringen“, tadelte Raven den Bruder, welcher sein Kissen fest vor der Brust umschlungen hielt.
„Ach die Tiere wohl nicht, oder was? Ich tät' ihr natürlich sagen sie müsste die Kekse probieren, damit ich weiß wie sie mir gelungen sind! Somit wird ein Schritt zur Perfektion draus!“, meinte er altklug.
„Der Hund wird sie beschützen und die Katze fängt die Mäuse! Das ist dann eher praktischer Nutzen!“
So ihre Pläne weiter spinnend waren sie bald weg geschlummert.
Es war so sehr eine Gewohnheit geworden das unglaublich beruhigende Atemgeräusch einer anderen Person zu hören, das es Iceron in den ersten Nächten nach Ravens Weggang nicht gelingen wollte einzuschlafen. Diese Tatsache, hatte sich aber erledigt nachdem er seine Nächte in den Gemächern des Barons verbrachte. Auf dem Schiff, hatte es nur einen großen Schlafraum für die Passagiere gegeben und so schlief Iceron erst nach der Ankunft in Rahal wieder allein. Es brachte ihn fast um den Verstand, wie still es in dem Zimmer war. Sich endlos wälzend, gelang es ihm erst im Morgengrauen ein wenig wegzudämmern...