Wenn die See ihre Opfer fordert (Seemannsschicksal)

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Elias Finn Maron

Wenn die See ihre Opfer fordert (Seemannsschicksal)

Beitrag von Elias Finn Maron »

Er spürte den heftigen schlag und wurde beinahe sofort aus der alten
Hängematte geworfen. Der unsanfte Sturz riß ihn augenblicklich aus dem
leichten Schlaf und ächzend rappelte er sich vom Boden auf.
Nicht rasch genug, denn der nächste, heftige Ruck durch das schiff ging und
den jungen mann schon wieder rückwärts auf den Hosenbogen legte.

"Riiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiff!"

Der Schrei, welcher von Deck bis herab in die Schlafkabinen hallte, klang
so grausig nach Panik, Tod und Verderben, dass sich die nackenhaare des
Schiffsjungen Lias rasch aufstellten.
Trotz des stetigen Zittern und Knirschen im bauch des alten, mächtigen kahns
konnte er sich aufrichten und hastete von der angst getriegen die stufen
zur Oberfläche hinauf.

Mit entsetzen konnte er dann das dortige Spektakel nur kurz ins Auge fassen.
Der mast drohte herabzubrechen und aufgrund des sturmes, welcher nun
mit Wut und Hass drohte das Schiff zu zerreißen, stöhnte das ganze
Holzwerk wehklagend auf.

"Wir sind auf ein Riff gelaufen... "

Irgendwoher drang eine wehklagende Stimme zu ihm... der Bootsmann?
Dann allerdings erstarb sie - von einer Welle fortgespült.

Sterben... ich werde sterben...
Die kleine Erkenntnis und mit der letzten kraft eines Verzweifelten
versuchte er das verhedderte Segel mit heftigen rucken an den Seilen
und Tauen zu lösen, zu retten.
Als sich ein weiterer Felsbrocken spitz in den Bauch des Schiffes bohrte,
wurde er nach vorne geschleudert und hart schlug der Schädel gegen
den angeknickten Mast.

Lias spürte aufgrund der bewusstlosigkeit schon nicht mehr, als sich nur
wenige momente später seine Lunge mit wasser füllte und er langsam
hinab in die tiefe des schönen, ewig stillen Meeres zog.
Er träumte... von seiner Liebe, von allem was ihm Gutes erfahren war.
Träumte und konnte selig im sanften, tiefen Grabe einschlafen.

[img]http://www.artamatik.co.nz/images/All_individual_images/Underground-Collections/Face/Drowning-Quietly.jpg[/img]
Alassea

Beitrag von Alassea »

Irgendjemand kam zu ihr, wer wusste sie nicht mehr, es war ihr auch egal. Einzig die Nachricht das ein Elias Finn Maron unten im Süden an den Strand gespühlt worden war und nicht mehr lebte war alles was sie verstand. Rasch zog sie sich ihren Umhang über und schwang sich auf ihre kleine Stute. Irgendjemand wollte sie aufhalten aber sie schlug nur blind mit ihrem Stab um sich und ritt so schnell es ging zum Strand runter.

Eines hatte sie im Leben schnell gelernt.

Glaube nur das was du selber siehst, denn Worte können lügen.


Doch diesmal hatten die Worte nicht gelogen. Sie sah den Körper schon von weitem, heranrennende Banditen die sich einen Schatz erhoften, wurden kurzerhand von ihrem Stab niedergeschlagen, regelrecht mit dem harten Holz der Kopf zertrümmert, sobald sich auch nur einer von ihnen heranwagte. Kein Wort ging über ihre Lippen, nur Gedanken rasten durch ihren Kopf.

Eluive sage mir
was habe ich falsch gemacht
das du mich so dermassen strafst.
Du hast damals zugelassen das
mein erstes Kind starb.
Du hast zugelassen das
ein grossteil meiner Schwestern starb.
Du hast zugelassen das ich
das Waisenhaus aufgeben musste,
du hast zugelassen das ich den Hof aufgeben
musste, du hast zugelassen das meine
sogenannte Familie meinen Bruder den
Mutter zu mir sande mir weggenommen hat und
jetzt nimmst du mir auch noch den einzigen
Menschen den ich in meinem Leben
wirklich geliebt habe. Den Menschen dem ich
neben Ronya vollends vertraut habe.
Sage mir was ich falsch gemacht habe!


Man glaubt gar nicht welche Kraft Trauer und Wut einem geben kann, als sie zerrend und schiebend den Körper auf das Pony drückte. Als würde das Tier spüren das sie Hilfe brauche legte es sich nieder, so das sie es leichter hatte. Ihr Unterleib schmerzte bei all dem was sie tat, aber es war ihr egal. Sie fragte sich ernsthaft was das alles noch für einen Sinn hatte. Wärend sie mit den Zügeln, die sie dem Pony abnahm den Körper so gut es ging festband gingen Bilder der Erinnung durch ihren Kopf.

Wie sie so da sass und sie Elias von sich erzählte, oben auf der Fensterbank und wie er sie geküsst hatte damit sie begriff das er ihr zwar zuhörte, aber das das eben Vergangenheit war. Sie erinnerte sich noch wie verlegen er dreingesehen hatte, wie er sich entschuldigt hatte und sie ihn dann einfach geküsst hatte um seine Lippen zu schliessen um zu sagen das es keiner Entschuldigung bedurfte. Zusammen hatten sie sich um die Waisenkinder gekümmert und er war immer für sie da gewesen wenn sie erschöpft ins Bett gefallen war. Er hatte sie getragen wenn ihr Gurt aufgegeben hatte. Sie erinnerte sich auch an die erste Nacht. Lange, sehr lange nach dem ersten Kuss war das gewesen. Er war bei seiner Schwester gewesen und erst Abends wieder gekommen nach vielen Tagen des Bangens und Hoffens. Dann erinnerte sie sich wie er sich gefreut hatte Vater zu werden. Wie er sie hochgehoben und herumgewirbelt hatte, geküsst hatte und zu sich selber sagte das sie entlich eine Familie würden. Wie er sie angestrahlt hatte als sie ihn gefragt hatte wann sie heiraten würden.Sie hörte sogar noch sein helles für einen Mann schön klingendes Lachen, sah seine Augen vor sich und seine Haare.

Das alles würde es nicht mehr geben, denn ihr Elias, ihr im Grunde Verlobter, war nicht mehr. Die Stute ging langsam neben ihr her wärend sie den Weg zum Lager einschlug. Die Tore wurden aufgemacht als sie ankam. Die Stute bliebe stehen mit Elias auf ihrem Rücken, aber Alassea ging weiter, schnurstracks in ihr Zimmer an ihren Schreibtisch und vergrub sich wie in Trance in ihre Arbeit. Sie überliess es anderen was mit Elias' Körper passieren würde. Sie konnte einfach nicht mehr.
Alassea

Beitrag von Alassea »

Sehr lange sprach sie mit Ronya. Eigendlich fing das Gespräch mit einem anderen Thema an, aber Alassea hatte das Bedürfniss ihrer engsten Vertrauten und besten Freundin mitzuteilen was passiert war. Sie sagte es recht kühl, als ginge es sie eigendlich nichts an das ihr Verlobter tot war. Irgendwann ging sie dennoch auf Ronya zu und lehnte sich an sie. Sie spürte einfach dass wenn sie sich nicht irgendwo anlehnte sie es voellig verdrängen würde. All die Monde hatte sie gewartet. Gebang, gehofft, Wutausbrüche gehabt, sich ausgemalt wie sie sich benehmen würde wenn er wieder vor ihr stehen würde. Sie hatte sich ausgemalt wie beide Kinder in einem Garten herumtollten. Und das alles würde nie passieren, nie würde sie an ihn gelehnt dasitzen und den Kindern zusehen.

Nach dem Gespräch schnappte sie sich ihre Stute und suchte die nahe Umgebung ab. Schnell fand sie einen frischen schlampig gemachten Erdhügel und buddelte. Wie zuvor am Strand schob und zerrte sie ihn auf die Stute und ging südlich des Lagers zu einer schönen Stelle die mit Pflanzen umgeben war. Dort nahm sie eine Schaufel, die sie am Pferd gebunden dabei hatte und grub unter Schmerzen ein Loch. Manchmal kniete sie sich hin und versuchte mit ruhigen Atmungen den Schmerz zu überbrücken und grub dann weiter.

Danach zerrte sie Elias so sanft es ging in das Loch und schuettete die Erde wieder drauf. Lange blickte sie sich um, bis sie einen grossen recht Flachen Stein fand den sie zusammen mit der Stute zum Grab zog und daraufstellte. Mit einem anderen Stein und einem alten Schmiedehammer den sie noch von Markus hatte hämmerte sie Worte in den Stein.

Die Sonne stand schon lange im frühen Abendschein als sie fertig wurde. Man konnte sogar die Worte lesen die sie da eingehämmert hatte

Elias Finn Maron
Vater und Verlobter
Möge sie deiner Seele gnädig sein


Danach nahm sie erschöpft eine Rose und die Vase die sie von ihm einst bekommen hatte und stellte sie zusammen mit seinem Schneiderwerkzeug auf das Grab und befestigte es. Als sie entlich fertig war nahm sie ihre Stute am Zügel und trat langsam zum Lager zurück.
Alassea

Beitrag von Alassea »

Zwei Tage war es jetzt her. Zwei Tage in denen sie kaum Schlaf fand. Sie vergrub sich in ihre Arbeit und ging zwischendurch immer mal zum Grab. Liebevoll pflanzte sie zu der Rose noch eine kleine gelbe Blume. Dann stand sie lange einfach nur da und blickte auf das Meer. Manchmal gesellte sich Kyra dazu und sah mit ihr zusammen schweigend auf das Meer hinaus. Es brauchten kaum Worte, sie verstand sie auch ohne jenen.

Sass sie in ihrem Zimmer und arbeitete mal nicht glaubte sie alles würde über sie hereinbrechen. Die Decke ihr auf den Kopf fallen. Kyra hatte gesagt sie sei eine starke Frau. Sie musste stark sein, ob sie wollte oder nicht. Sie wollte nicht darüber reden, aber dennoch rutschte es ihr oft heraus. Sätze wie

Ich bin beim Grab

Oder

Ich habe vorhin eine neue Blume geflanzt, irgendwer hat sie herausgerissen

Dann sah man sie nur duselig im Lager an und in ihr kroch eine Wut herauf ohne das sie sie halten konnte oder wusste wieso sie so zornig wurde. Am schlimmsten für sie aber war das die die es wussten die auf einmal noch mehr behandelten als wäre sie krank. Alle waren leise in ihrer Gegenward, fragten ob sie etwas gutes für sie tun konnten. Am liebsten würde sie nur noch schreien und davon laufen.

Das Leben geht weiter, es ging vorher Monde lang ohne ihn und es wird auch jetzt ohne ihn weitergehen.

So hatte sie zu Kyra gesprochen. Es musste einfach weitergehen. Einal hörte man sie dann doch schreien, als sie alleine in ihrem Zimmer war, der letzte Schrei der Wut die ihr in brodelte.

Warum hast du mich alleine gelassen, warum bist du so einfach gegangen?
Ich habe dich gebraucht und ich brauche dich verdammt nochmal


Wenn sie redete dann im Grunde langsam nur noch belangloses Zeug. Dinge wie das sie das letzte Fass fertig habe, dass sie die unwichtigen beiseite geräumt habe und so Dinge eben. Nichts von Wert, zumindes nichts was für sie im Moment noch einen Wert hatte. Kaum bemerkbar kroch ihr alter Hass gegen Männer wieder hoch, jenen Hass den sie durch Elias verloren hatte. Sie war bitter enttäuscht von ihm, ohne es wirklich zu wollen.

Ich sitze hier schwanger herum und du du liegst tot herum, lässt mich wiedermal mit allem alleine. Alles war mal wieder wichtiger nur dein eigenes Kind und deine zukünftige Frau nicht.

Solche Gedanken hegte sie wenn sie nicht am Grab war. Dort hegte sie andere Gedanken da war ihr nach weinen zumute. Da spürte sie Sehnsucht. Da vermisste sie ihn einfach nur. Aber da spürte sie auch eine gewisse Nähe zu ihm die ihr ein wenig innerliche Ruhe gab. Von Tag zu Tag verstand sie immer deutlicher wie es Ronya gegangen war und noch gehen musste, so ohne ihren Sohn. Sie bewunderte ronya innerlich noch mehr, dass jene die Kraft aufnahm und sie immer und immer wieder tröstete und die richtigen Worte für Alassea fand.
Alassea

Beitrag von Alassea »

13 Tage war es jetzt her als sie das letztemal am Grab war. Jetzt kniete sie da wieder, haltlos weinend, die schmalen blassen Hände in die noch immer lockere Graberde verkrampft. Fast schien es als wollte sie ihn sich einfach wieder greifen. Der Tag war anstrengend und auch sehr schmerzhaft für sie gewesen, ihr schwirrte der Kopf von all den Dingen die ihr gesagt worden war und sie konnte sich an kaum einen Satz davon mehr erinnern, es war einfach zu viel gewesen. Sie wusste das sie dabei auch selber zu oft knapp an der Gürtellinie vorbeischoss und innerlich schämte sie sich, aber das zuzugeben dafür war sie einfach zu stolz.

Seit Tagen schon lag das Baby anders, jedesmal wenn es trat trat es ihr in die Nieren, auch jetzt hier am Grab und sie krümmte sich vor Schmerzen. Ein Privileg das sie sich erlaubte wenn sie alleine war. Seit Tagen hatte sie nicht mehr richtig geschlafen, ihr Rücken schmerzte von dem zusätzlichen Gewicht, jeder Tritt war für sie ein Gang durch die Hölle. Morgends war sie meistens noch vor Ronya auf den Beinen und schlich sich in den Wald, wo sie sich immer wieder übergab. Nachts arbeitete sie bis zur Erschöpfung. Es ging ihr nicht darum die Beste zu sein, aber es ging ihr darum da zu sein und wenn es auch nur darum ging einen Wunsch zu erfüllen. Wenn sie schlief wachte sie schnell schreiend wieder auf, Träume die sie plagten, Gedanken die sich in die Träume schlichen, Gefühle. Jeder dieser Träume endete damit das sie ihre engsten Freunde und nahe stehensten begrub. Sie es ihren ersten Sohn, oder Schwestern, oder Elias.

War es die angst wieder jemanden den sie mochte und liebte zu verlieren, dass sie immer distanzierter wurde? Sie wusste keine Antwort darauf. Alassea hatte selber gemerkt das sie sich von allen, ja sogar von
Ronya immer mehr entfernte. Es quälte sie und ronya hatte heute recht gehabt mit dem einen Satz

Irgendwas quält dich, dass sehe ich dir an

Aber irgendwas blockierte Alassea, sie konnte nicht sagen

Ich trauere, ich mag nicht mehr, wo ist der eine Frieden hin.

Nur Ronya hätte diesen Satz verstanden, den Frieden den sie bei Eluive gespürt hatte, den Frieden den sie kurzzeitig bei den Heilungen nochmal spüren durfte. Sie konnte es einfach nicht sagen, sie hörte bei Gesprächen denen sie still lauschte immer wieder wie oft die anderen schon jemanden verloren hatten. Sie konnte es nicht sagen, weil sie wusste das Ronya ihren Sohn vor gerademal einem halben sommer verloren hatte. Sie konnte es nicht sagen weil Taja ihren Liebsten erst vor einem Sommer verlor. Sie hörte das Leid der anderen und begrub ihr eigenes immer tiefer. Schlecht gelaunt von Schmerzen und sich selber vergabend murrte sie nur noch herum, ohne auf den Punkt zu kommen, ohne aufzustehen und zu rufen was ihr wirklich am Herzen lag.

Leise schluchzte sie auf und zupfte noch einige verwelckte Blüten, die sie im Tränenschleier kaum erkennen konnte, von den Blumen ab ehe sie sich erhob und mit verdreckten Händen zum Lager zurück stolperte.
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