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- Seit mehreren Tagen hatten wir nun den Markt vorbereitet. Chalid stand mir bei allen Aufgaben geduldig und strebsam zur Seite und es überraschte mich, wieviele Mitglieder des Basars sich uns an diesem Abend angeschlossen hatten. Wir hatten den Thyren schon vorab eine Nachricht geschickt, denn wir hielten es für angemessen uns anzukündigen und ihr Willkommen zu erbitten. Ihre Antwort, eine gastfreundschaftliche Einladung, ließ nicht lange auf sich warten und brachte mein Herz zum Schlagen. Damals wussten wir zu diesem Zeitpunkt nichts von den Schlachten, die auf dem Land der Thyren und vor ihren Brücken ausgetragen wurden. Es waren die Hüter des Nordlichts gewesen, die uns überhaupt darüber in Kenntnis setzten. Innerhalb von MenekUr wurde es erst laut, als der Emir zur Schlacht aufrief, die Krieger heranholte. Doch die Thyren lehnten weiterhin unseren geplanten Marktbesuch nicht ab. Und so kamen wir. Begleitet von Bewaffneten, gingen wir den mit reichen Schätzen beladenen Tieren voran. Wir hatten uns wirklich Mühe gegeben Stücke zu entwerfen und zu verzieren, welche die Kultur er nordischen Krieger ehrte, die unsere Welt mit der ihren verband. Wir wurden mit offenen Armen, mit einem breiten Lächeln und mit einem Krug Met willkommen geheißen. Die thyrischen Frauen wirkten groß und grob und gewiss hatten sie allesamt einen wehrhaften Charakter, aber als ich das Leuchten in ihren Augen sah, die Freude und Begeisterung für die feine Zier der Kleider - empfand ich Wonne in der erkannten Gemeinsamkeit. Auch die thyrischen Männer haben etwas an sich, dem ich viel Sympathie abgewinnen kann. Ich erinner mich auch gerne an den Nordmann zurück, mit dem ich noch im Haus der Familie Ryzan über den Boden kroch um mit ihm gemeinsam ein Kleid für seine Verlobte zu nähen. An die Thyren, die bei mir im Basar saßen, schwitzten und schnauften und mir geduldsam die Tradition des ersten Schlucks zu Ehren der Ahnen erklärten. Soviel Achtung war in ihrer Lautheit, soviel Achtsamkeit den zarteren Wesen gegenüber... und dabei so wenig Zweifel daran, dass sie zu den ehrbarsten und stärksten Kriegern gehörten. Norwin, einer der größten unter ihnen, kam noch an meinen Stand um sich zu bedanken, für unsere Anwesenheit, die mitgebrachte Hoffnung, das Leben und für meine Worte, die er selbst in seiner Höflichkeit 'groß' nannte. Es war gut, dass wir zum Markt kamen, das war es.
Und ich liebe diese Reisen, genieße sie mit einer undefinierbaren Freude. Und je weniger Menekaner wir sind, desto mehr blühe ich in der Freiheit der Fremde auf. Von der massigen Anwesenheit meines eigenen Volkes fühle ich mich erdrückt, hineingezogen in die pressende Masse. Bedroht und beschützt. Ich weiß es nicht.
Ich wusste auch nicht, woher die anderen Menekaner von der Beerdigung erfuhren, die heute Abend in Wulfgard stattfinden sollte. Ich hatte keine Aushänge in MenekUr gefunden, aber manchmal war ich auch blind dafür. Aber sie kamen nach und nach herbeigeströmt. Ob der Basar dazu etwas beigetragen hatte? Vielleicht ja oder nein, aber wir waren ein guter Anfang gewesen, ein deutliches Zeichen.
Wir lernten an dem Abend, dass die Thyren schwarz zur Trauer tragen, dass sie sich in die Kilte ihrer Rudelsheuler..? kleideten. Sie feierten den Kampf, sie feierten den Weg der Gefallenen an den Tisch der Ahnen. Blut der Feinde, die schwarzen Federn, die Wegbegleiter, die Raben und goldenen Reiter. Schellenkränze. Sie feierten den Raben als den Wächter der Toten, den Führer der Seelen. Den eingewickelten Toten auf dem Scheiterhaufen legten sie ihre Waffen bei, die sie im Leben stolz getragen und auch an der Tafel noch mit sich führen sollten, als setzten sie dort ihre Aufgabe fort. Auf ein Kaltblut steigen sie, reiten hinweg, werden Saufen, Fressen und Kämpfen. Ich versuchte wie aufgesogen von dieser fremden Szenerie so viel zu verstehen wie möglich, aber der Akzent machte es mir manchmal schwer. Dennoch: Die Thyren redeten in der Handelssprache um ihren Freunden die Möglichkeit zu folgen zu geben. Und sie ließen sie teilhaben. Auch mich. Meine kleinen zitternden Hände hielten den grob geschnitzten Griff einer Fackel, wie sie auch links und rechts von mir gehalten wurde. Dutzende von uns standen in einem weit reichenden Halbkreis und sollten das Feuer weiterreichen, zu einer Lichterkette und die Flammen mit den Toten teilen. Es war atemberaubend, es fühlte sich bedeutsam an. Und obgleich mein Leben von soviel Trauer erfüllt war, empfand ich eine Erleichterung, wie lange nicht mehr. Sie alle wirkten nicht verzweifelt, sie waren stolz. Und dieser Stolz war ansteckend.
Und dann ging alles in einem Meer aus Flammen auf. Und der friedliche Gedanke lebte für wenige Augenblicke auf hinein zu steigen und ihnen zu folgen...
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