Eine kleine Hand griff unsicher nach seinem Herz und schloss die langen dürren Finger um das pochende Etwas im Inneren der drahtigen Brust, welche von simplem, weißem Stoff verhüllt war, der langsam aber stetig durch die kalte, prasselnde Flut durchnässt wurde.
Die Hand spürte die Bewegungen. Sie war kalt.
Er saß nur dort auf der kleinen Treppe vor dem großen Hof in Bajard. Um diese Zeit und bei diesem Wetter war niemand zu sehen und die Dunkelheit der Nacht verschlang den jungen Mann, der allein und mit angezogenen Beinen auf zwei Stufen kauerte und bedächtig mit trübem Blick in den ebenso gespenstischen wie tiefschwarzen Himmel starrte.
Der Regen wurde immer stärker. Aber das war ihm egal.
Sie musste wohl schon schlafen, es war nirgends Licht zu erkennen.
Des Abends wartete sie oft auf ihn, konnte nicht eher schlafen bis er zurückgekommen war. Die Arbeit musste heute kräftezehrend gewesen sein... und er zu lange fort...
"Ich glaube, dass dir die Zeit dort gut tut Leith"
...Woher konnte sie das wissen wenn sie doch niemals dort war?
"Du wirst es bestimmt zu etwas bringen... ich glaube an dich"
So schien es doch auch ihm auf den ersten Blick...
"Bring mir das Buch! und dann... TÖTE SIE"
Die Stimme... Leith erinnerte sich an die Stimme, welche ihn an diesen Punkt gebracht hatte...
Nein... Sie war nicht... nicht mehr da...
[img]http://home.arcor.de/llastobhar/Llastobhar/Leith/SadLeith.JPG[/img]
"Herr Llastobhar, in meiner Eigenschaft als Zeremonienmeister habe ich Euch eine Botschaft zu überbringen..."
Schwarze Stäbe... der Fall von schwarzen Stäben...
Die Anzahl reichte nicht aus... reichte nicht aus...
Wer hatte das schwarze Holz geworfen? Aus welchem Grund?
„…Eurer persönlichen Integrität im Umgang mit magischer Macht…“
Ja. Das war es. Wegen des Buches. Der Qual im Inneren, welcher er sich nicht hatte entziehen können. Der Wille war zu schwach. Schwächer wohl als der seines Urgroßvaters oder der seines Vaters selbst.
Wäre jemand anderes dazu in der Lage gewesen dem Fluch zu entgehen? Wenn selbst Caradawc dem Fluch vor Jahren verfiel?
Er war weitaus stärker und weiser als Leith nun war… doch … selbst er hatte sich nicht gegen den Fluch zur Wehr setzen können, soviel wusste der junge Mann dort im Dunkeln.
Doch wer hatte es beim Ritual der Stäbe erwähnt? Wer hatte etwas darüber gesagt? Und warum?
Es kamen doch nur zwei Menschen in Frage... zwei Familienmitglieder...
Leith sah dem unaufhaltsamen Regen entgegen und spürte ihn auf seiner Haut.
Sollte das alles schon vorbei sein? Der Weg zu Stärke, Weisheit, Macht sollte hier und auf diese Weise enden?
Die feingliedrigen Finger hoben sich von den Knien und bildeten wie in Zeitlupe und durchzogen von wilder Entschlossenheit Fäuste.
Nein!
Es wird so nicht enden! Nicht hier, nicht jetzt… und auch nicht in absehbarer Zeit.
" Die Priora Princeps hat Eure verlängerte Probezeit auf zwei Lektionen begrenzt…"
Er würde beweisen, dass er es verdient hatte aufgenommen zu werden… dass er es verdient hatte ein Magier zu werden… dass er die Fähigkeiten besaß größeres zu vollbringen als allein auf einer Treppe inmitten der Nacht zu sitzen.
Leith stand auf. Trotz dass er sich langsam mit geballten Fäusten erhob, schien die Zeit um ihn herum noch langsamer zu laufen. Sein linker Arm begann schmerzhaft zu brennen, während er mit stechendem Blick in die Finsternis starrte. Wohl schien ihn die nasse Flut zu verschonen. Die dicken Tropfen prasselten zu Boden, durchnässten alles was in ihren Weg kam. Und dennoch suchten sie sich ihren Weg auf magische Weise um den Körper des jungen Mannes herum, berührten weder seine Haut noch die Kleidung.
Er war sich dessen nicht bewusst.
Am morgigen Tag würde es beginnen. Das Training. Er würde seinen Geist und Körper trainieren. Tag für Tag hart an sich selbst arbeiten. Und er musste Una finden.
Es war nun Zeit zu zeigen was es heißt den Namen Leith Llastobhar zu tragen.
[img]http://home.arcor.de/llastobhar/Llastobhar/Leith/Leithhard3.JPG[/img]
tropfende Erinnerungen
-
Una Llastobhar
"Ich werde ihm bestimmt nichts sagen oder ihn sonst irgendwie darauf ansprechen... das musst du ihm erklären... wenn du denn magst..."
Sie beobachtete wie der Zwilling rasch den Blick senken musste und deutlich der Schmerz, welcher seine oftmals so strengen Züge entstellte, wahrnehmen. Fast wollte sie eine Entschuldigung hinterherwerfen, wollte ihm sagen, dass die Kälte ihrer Worte nicht nur aus Gründen des Unverständnis bezüglich seiner bizarren Wahl am Ritual der Stäbe war, wollte ihm erklären, dass da ganz andere Gedanken in ihrem Kopf schwirrten, welche ihre Schultern strafften und den Blick eisig machten... doch Viljo war schneller.
"Ja, ich werde mit ihm reden, nur.... nur nicht heute..."
Kleinlaut... sie hatte ihren Bruder nicht einmal im Angesicht des Zornes ihres hohen Vaters Eoin so kleinlaut gesehen. Es tat ihm wahrlich leid und doch konnte wohl niemand die Entscheidung rückgängig machen, denn die Stäbe waren gefallen und darunter ein einziger Schwarzer...
Ihr Lächeln gefror, welches nur wenige Momente davor in solcher Zuversicht erstrahlt war, als der Name des nächsten Novizen genannt worden war... "Leith Llastobhar". Er hatte sich nichts zu schulden kommen lassen, war seinen Aufgaben doch gewissenhaft nachgekommen und hatte zudem mit wachsender Begeisterung an den Aktivitäten des Konvents teilgenommen. Warum sollte er eine Ablehnung erfahren? Niemand würde einen schwarzen Stab... schwarzen Stab...
Viljo war direkt in ihrem Blickfeld und für wenige Augenblicke war sie überzeugt davon, dass ihr die Augen eben sicherlich einen Streich gespielt hatten, doch die ernste und nachdenkliche Miene des Zwillings belehrte sie eines Besseren. Dennoch war sie im ersten Moment unfähig sich auch nur zu bewegen. Langsam ratterten die Gedanken voran und ein flaues Gefühl in ihrem Magen machte sich bereit.
Ein Scherz... das ist ein schlechter Scherz, nicht? Wie kann er nur... vor Finja und Calor einen solchen albernen Witz...
Doch die trüben Züge Viljos verneinten ihren fiebrigen Verdacht erneut. So lauschte sie nur wenige Minuten später mit offenem Munde und vor Entsetzen geweiteten Augen der Erklärung für diese unfassbare Entscheidung.
Das Buch!
Das verdammte Buch und der damit verbundene Fluch, welcher Leith so heftig zugesetzt hatte. DAS sollte der Grund sein? Diese schrecklich tragische Sache, die einen jeden von ihnen gleichermaßen hätte treffen können und welche Leith eh schon gebrandmarkt hatte? Dies war der Grund...?
Umso länger Viljo sprach um so mehr schäumte die Wut wie die peitschende Gischt eines Meeres in ihr auf und so hörte sie sich selber nur wenige Momente später mit zornesbebender Stimme eine Gegenerklärung abliefern und konnte nicht umhin ihrem Gegenstück lodernde Blicke zuzuwerfen. Jener zuckte bei der zischelnden Hitze ihrer Worte zusammen und konnte ihr bald nicht mehr in die Augen sehen.
Doch der Stab war gefallen und allesamt wussten nun über diesen Makel, welchen das Buch mit sich gebracht hatte, bescheid.
Sie müssen doch sehen wie sehr er gekämpft und auch gesiegt hat. Himmel, war sie denn die Einzige, die bemerkt hatte, dass Leith Arm seitdem steif und in Bandagen gepackt war? Er hatte viel geoftert und gegen das Dunkel gesiegt... wer konnte das schon von sich behaupten?
Finjas Stimme holte sie wieder in die Gegenwart zurück und mit geballten Fäussten nahm sie betroffen langsam erneut Platz auf ihrem Thron, während die Priora Princeps ihr weises Urteil verkündete:
Er, Leith Llastobhar, sollte die Chance bekommen sich nochmals unter Beweis zu stellen, doch vorerst würde es keine Aufnahme geben... und Calor verschwand hinter dem Vorhang um Leith Bescheid zu geben...
Ruhig wandte sie nun den Blick von ihrem Zwilling ab und blickte die Strasse entlang ihrem Vetter entgegen. Leith lächelte und winkte ihnen schon von weitem zu. Sie zwang sich dieses Strahlen genauso aufgesetzt zu erwidern und schwor sich in just diesem Augenblick, dass auch sie beide noch ein ernstes Wörtchen miteinander reden mussten...
Sie beobachtete wie der Zwilling rasch den Blick senken musste und deutlich der Schmerz, welcher seine oftmals so strengen Züge entstellte, wahrnehmen. Fast wollte sie eine Entschuldigung hinterherwerfen, wollte ihm sagen, dass die Kälte ihrer Worte nicht nur aus Gründen des Unverständnis bezüglich seiner bizarren Wahl am Ritual der Stäbe war, wollte ihm erklären, dass da ganz andere Gedanken in ihrem Kopf schwirrten, welche ihre Schultern strafften und den Blick eisig machten... doch Viljo war schneller.
"Ja, ich werde mit ihm reden, nur.... nur nicht heute..."
Kleinlaut... sie hatte ihren Bruder nicht einmal im Angesicht des Zornes ihres hohen Vaters Eoin so kleinlaut gesehen. Es tat ihm wahrlich leid und doch konnte wohl niemand die Entscheidung rückgängig machen, denn die Stäbe waren gefallen und darunter ein einziger Schwarzer...
Ihr Lächeln gefror, welches nur wenige Momente davor in solcher Zuversicht erstrahlt war, als der Name des nächsten Novizen genannt worden war... "Leith Llastobhar". Er hatte sich nichts zu schulden kommen lassen, war seinen Aufgaben doch gewissenhaft nachgekommen und hatte zudem mit wachsender Begeisterung an den Aktivitäten des Konvents teilgenommen. Warum sollte er eine Ablehnung erfahren? Niemand würde einen schwarzen Stab... schwarzen Stab...
Viljo war direkt in ihrem Blickfeld und für wenige Augenblicke war sie überzeugt davon, dass ihr die Augen eben sicherlich einen Streich gespielt hatten, doch die ernste und nachdenkliche Miene des Zwillings belehrte sie eines Besseren. Dennoch war sie im ersten Moment unfähig sich auch nur zu bewegen. Langsam ratterten die Gedanken voran und ein flaues Gefühl in ihrem Magen machte sich bereit.
Ein Scherz... das ist ein schlechter Scherz, nicht? Wie kann er nur... vor Finja und Calor einen solchen albernen Witz...
Doch die trüben Züge Viljos verneinten ihren fiebrigen Verdacht erneut. So lauschte sie nur wenige Minuten später mit offenem Munde und vor Entsetzen geweiteten Augen der Erklärung für diese unfassbare Entscheidung.
Das Buch!
Das verdammte Buch und der damit verbundene Fluch, welcher Leith so heftig zugesetzt hatte. DAS sollte der Grund sein? Diese schrecklich tragische Sache, die einen jeden von ihnen gleichermaßen hätte treffen können und welche Leith eh schon gebrandmarkt hatte? Dies war der Grund...?
Umso länger Viljo sprach um so mehr schäumte die Wut wie die peitschende Gischt eines Meeres in ihr auf und so hörte sie sich selber nur wenige Momente später mit zornesbebender Stimme eine Gegenerklärung abliefern und konnte nicht umhin ihrem Gegenstück lodernde Blicke zuzuwerfen. Jener zuckte bei der zischelnden Hitze ihrer Worte zusammen und konnte ihr bald nicht mehr in die Augen sehen.
Doch der Stab war gefallen und allesamt wussten nun über diesen Makel, welchen das Buch mit sich gebracht hatte, bescheid.
Sie müssen doch sehen wie sehr er gekämpft und auch gesiegt hat. Himmel, war sie denn die Einzige, die bemerkt hatte, dass Leith Arm seitdem steif und in Bandagen gepackt war? Er hatte viel geoftert und gegen das Dunkel gesiegt... wer konnte das schon von sich behaupten?
Finjas Stimme holte sie wieder in die Gegenwart zurück und mit geballten Fäussten nahm sie betroffen langsam erneut Platz auf ihrem Thron, während die Priora Princeps ihr weises Urteil verkündete:
Er, Leith Llastobhar, sollte die Chance bekommen sich nochmals unter Beweis zu stellen, doch vorerst würde es keine Aufnahme geben... und Calor verschwand hinter dem Vorhang um Leith Bescheid zu geben...
Ruhig wandte sie nun den Blick von ihrem Zwilling ab und blickte die Strasse entlang ihrem Vetter entgegen. Leith lächelte und winkte ihnen schon von weitem zu. Sie zwang sich dieses Strahlen genauso aufgesetzt zu erwidern und schwor sich in just diesem Augenblick, dass auch sie beide noch ein ernstes Wörtchen miteinander reden mussten...
-
Leith Llastobhar
Der Schweiß tropfte in schweren Perlen zu Boden, wie Regen in einem Unwetter.
Muskeln spannten sich und brannten feurig unter der Haut wie glühendes Eisen.
Die Knöchel trieben kleine Risse und waren übersäht mit Schrammen.
Und dennoch sausten sie abermals auf ihr Ziel zu, wie von einer teuflischen Unruhe getrieben.
Noch einmal. Und erneut.
Der Sack voll Sand war zu seinem besten Freund geworden. Minütlich, stündlich, täglich.
Abermals ein schwerer Hieb und dann ein Tritt.
Immer wieder. Ohne Pause. Bis die Arme zu schwer wurden um sie zu heben. Bis er die Augen schloß und sich konzentrierte.
Sein Ziel ward gefunden... und er würde nicht eher aufhören, bis er es erreicht hätte.
Beschütze Sie, notfalls mit deinem Leben!
Nie wieder... Niemals...
Gewalt wird nicht mit Gewalt vergolten, aber man muss Stark sein um Gewalt abzufangen.
Ronya... Alassea...
Beide hatten sie irgendetwas gegen das, was er liebte, und ihr Hass nahm Formen an, die Leith nicht bereit war tatenlos mit anzusehen.
Auch beunruhigten ihn die mehrfachen Stimmen, die einen nahestehenden Konflikt andeuteten. Eisenwart würde gegen den Clan Hinrah ziehen, in Bajard gab es erneut mehrfache Scharmützel, in Rahal brauten sich abermals dunkle Wolken zusammen.
Er musste sich wappnen... für einen Krieg den er niemals führen wollte. Für einen Krieg, den man nicht gewinnen konnte.
Schütze die Unschuldigen... Schütze sie mit all deiner Kraft.
Trainiere weiter... verlange deinem Körper alles ab... konzentriere dich, so wie du es nie zuvor getan hast... bündle die Energie auf einen Punkt, bewege es! Bewege dein Ziel!
Es entzog sich seiner Wahrnehmung, aber dennoch schaukelte der Sandsack leicht, bevor er die Augen aufschlug und ihn unverändert vorfand. Nur um sich im folgenden abermals und noch härter, noch angestrengter zu konzentrieren.
Körper und Geist trainieren und die eigens aufgestellten Tugenden befolgen.
Allem vorweg vorallem eines:
Gib nicht auf!
[img]http://home.arcor.de/llastobhar/Llastobhar/Leith/Leithhart.JPG[/img]
Muskeln spannten sich und brannten feurig unter der Haut wie glühendes Eisen.
Die Knöchel trieben kleine Risse und waren übersäht mit Schrammen.
Und dennoch sausten sie abermals auf ihr Ziel zu, wie von einer teuflischen Unruhe getrieben.
Noch einmal. Und erneut.
Der Sack voll Sand war zu seinem besten Freund geworden. Minütlich, stündlich, täglich.
Abermals ein schwerer Hieb und dann ein Tritt.
Immer wieder. Ohne Pause. Bis die Arme zu schwer wurden um sie zu heben. Bis er die Augen schloß und sich konzentrierte.
Sein Ziel ward gefunden... und er würde nicht eher aufhören, bis er es erreicht hätte.
Beschütze Sie, notfalls mit deinem Leben!
Nie wieder... Niemals...
Gewalt wird nicht mit Gewalt vergolten, aber man muss Stark sein um Gewalt abzufangen.
Ronya... Alassea...
Beide hatten sie irgendetwas gegen das, was er liebte, und ihr Hass nahm Formen an, die Leith nicht bereit war tatenlos mit anzusehen.
Auch beunruhigten ihn die mehrfachen Stimmen, die einen nahestehenden Konflikt andeuteten. Eisenwart würde gegen den Clan Hinrah ziehen, in Bajard gab es erneut mehrfache Scharmützel, in Rahal brauten sich abermals dunkle Wolken zusammen.
Er musste sich wappnen... für einen Krieg den er niemals führen wollte. Für einen Krieg, den man nicht gewinnen konnte.
Schütze die Unschuldigen... Schütze sie mit all deiner Kraft.
Trainiere weiter... verlange deinem Körper alles ab... konzentriere dich, so wie du es nie zuvor getan hast... bündle die Energie auf einen Punkt, bewege es! Bewege dein Ziel!
Es entzog sich seiner Wahrnehmung, aber dennoch schaukelte der Sandsack leicht, bevor er die Augen aufschlug und ihn unverändert vorfand. Nur um sich im folgenden abermals und noch härter, noch angestrengter zu konzentrieren.
Körper und Geist trainieren und die eigens aufgestellten Tugenden befolgen.
Allem vorweg vorallem eines:
Gib nicht auf!
[img]http://home.arcor.de/llastobhar/Llastobhar/Leith/Leithhart.JPG[/img]