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Dämmerung des Lichts...
Ein lautes, knarzendes Krachen und Gebrüll riss ihn an diesem Morgen aus dem Schlaf. Verwundert und erschrocken riss er die Augen auf und sah sich einen Moment orientierend um. Doch was das bernsteinfarbene Augenpaar erblickte, war nicht die gewohnte Umgebung. Nein, es war unschwer zu erkennen... anscheinend hatte er es nach dem gestrigen Ausflug nicht mehr mit dem letzten Schiff zurück geschafft. Das Schiff was nun am Steg anlegte, muss das erste oder vielleicht auch das zweite jenes Morgens sein...
Während er sich langsam aufrappelte, tat die Rüstung ihr übriges, um eben jenes Unterfangen samt der morgendlichen Trägheit zu erschweren. Murrend kämpfte er sich in den Stand, nur um dann sogleich etwas von dem übrig gebliebenen Essen zu nehmen...
Die letzten Tage steckten ihm anscheinend noch immer etwas mehr in den Knochen, als er wahr haben wollte. Und auch wenn die farbenfrohen Markierungen auf der Haut verblassten, so schmerzte die Rippengegend doch noch etwas mehr, als er es zugeben würde, zumindest nach diesen intensiven Übungen. Das Grüngelb entschwand bereits vor einigen Stunden und so blieb ihm, wie immer, nur der Gedanke und die Hoffnung, das seine Wege wohlwollend geleitet werden. Während er selbst sich nun auf den Heimweg machte und noch einmal die vergangenen Tage durch seinen Kopf strömen ließ... was sollte man auch sonst auf so einer langweiligen Schiffsfahrt machen?
Die Feierlichkeiten zu den Schwerttagen verliefen unerwartet ruhig. Nunja, zumindest ruhig im Sinne davon, das es keine großen Zwischenfälle gab. Ruhe suchte man bei solchen Massenveranstaltungen ja vergebens und es schlug sich hier und da gewiss auch auf die Gemüter nieder, ständig so viele Worte um sich herumfliegen zu haben.
Der Markt am ersten Tag war, wie so meist, anscheinend für alle Händler ein Erfolg und auch die meisten Gäste schienen durchaus zufrieden zu sein mit ihren Ausbeuten. Hier und da hörte man zwar auch ein paar harschere Worte, doch es war eher die Seltenheit. Unbekümmert.. Ja, unbekümmert könnte man es wohl nennen. So waren die meisten dieser Tage. Auch wenn es bei der zwischendurch durchgeführten Messe in der Kirche Adorans anscheinend kleine Magenverstimmungen bei einzelnen Personen gab, die sie dazu zwangen, kurz vor dem Segensspruch fluchtartig das Kirchengebäude zu verlassen. Vielleicht war das dauerhafte naschen am Gebäck und anderen Leckerein im Vorfeld nicht für jeden etwas ratsames...
Schmunzelnd sinnierte er noch eine Weile über jene Situation und Gedanken, ehe das Schiff mit einem lauten Rums am Zielhafen anlegte.
Eilig verließ er das Schiff und ging scheppernden und raschen Schrittes nach Haus.. Er wollte endlich aus dieser Rüstung und sich ein wenig entspannen, bevor die Aufgaben die er zu erledigen hatte ihn einholten. Einige davon waren schnell und einfach erledigt, andere widerrum würden einiges mehr Zeit in Anspruch nehmen. Doch weiß er bereits, wie er auch jene etwas zieführender und zeitnaher zur Beendigung bringen könnte.
Veränderung birgt Möglichkeiten... und manchmal birgt eine kleine Veränderung ganz viele, große Möglichkeiten...
Nachdem er sich der Rüstung entledigt hatte und seinen Platz unter dem künstlich angelegten Wasserfall fand, konnte er endlich etwas durchatmen. Und die Anstrengungen der letzten Tage schienen mit jedem Augenblick den er dort verweilte, wie einzelne Wassertropfen, die die Konturen seines vom Kampf gezeichneten Körpers entlang rinnen, hinfort zu fließen...
Vor allem der zweite Tag der Feierlichkeiten artete in mehr Anstrengung aus, als er ursprünglich geplant hatte. Eigentlich wollte er sich ganz entspannt um die Anmeldungen zum Turnier kümmern und seiner Dienstpflicht nachkommen. Es hätte auch beinahe geklappt, wäre da nicht dieser Ritter mit dem befehlsartigen Hinweis gekommen, das Khalrox sich gefälligst zum Turnier anmelden soll, samt seiner Kameradin. Auch die Anmerkung, dass er die nötige Teilnahmegebühr nicht dabei hat, verhalf nicht... denn der Ritter wollte sich um jene Entrichtung kümmern.
Dann sollte es eben so sein, die nötige Ausrüstung aus Silber samt einer Silberwaffe und Schild war schnell ausgeliehen und vom Schmied nochmals überprüft. Er hatte sich selbst für einen Zweihänder entschieden, während alle anderen mit Schild und Einhandwaffe in die Kämpfe gingen. Irgendwie dachte er sich eben, wenn er schon teilnehmen soll, dann gewinnt er entweder mit Spaß oder er geht erhobenen Hauptes mit Mut zu Boden.
Und im ersten Kampf sollte es auch so sein, die Kämpfe wurden Zwei gegen Zwei ausgetragen. Seine unmotivierte Einstellung machte sich auch in diesem Kampf bemerkbar und so war es kein Wunder, das ihn der Schildhieb eines Gegners gegen die Rippen, in einem unachtsamen Moment zu Boden brachte. Allzu traurig war er nicht über jene Niederlage, kämpfte er doch ohne Schild und war ohnehin weniger begeistert von jener Teilnahme. Die Vorfreude auf einen nun weiterhin entspannten Abend wurde ihm jedoch alsbald wieder geraubt. Denn anstatt nun, wie vorher gedacht, ausgeschieden zu sein... Wurde er samt Ruth, welche auch verlor, nochmals per Losglück in das Turnier gewählt. Wäre er nicht so überrascht gewesen über das abermalige aufrufen, das ihm die Worte im Hals stecken blieben, man hätte ihn wohl über den ganzen Turnierplatz fluchen hören...
Aber gut, dann trat er eben abermals im Zwei gegen Zwei an, diesmal an der Seite von Ruth. Ein Thyre und ein Flötenspieler waren nun die Gegner. Irgendwie tat ihm der Flötenspieler ja schon leid, aber er hatte sich immerhin freiwillig angemeldet. Diesmal dachte er sich jedoch, wenn er schon teilnehmen soll... dann lässt er sich nun nicht abermals einfach zu Boden bringen, sondern nutzt seine vorhandenen Mittel. Eine kurze Absprache mit seiner Kampfpartnerin folgte und die Sieger waren schnell gefunden. Der Zweihänder hatte seine Wirkung auf den Schilden der Gegner hinterlassen und auch seine Kampfpartnerin hatte einige gute Kampfbewegungen gezeigt. Doch im nächsten Kampf sollte es nun durchaus haariger werden. Sechs Kämpfer, alle gegen alle. Die ersten zwei die zu Boden gingen, sollten raus sein. Das Bernstein der Augen wanderte durch den Kampfring und schnell wurde ihm klar, das er hier wohl nun auch sein Schild nutzen müsste. Zum Scherz sprach er noch zum ausführenden Kampfrichter, dem Freiherr von Kronwalden, ob jener sich als Säule in die Mitte stellt... und anscheinend nahm jener das als ernst gemeinte Aussage auf und stellte sich tatsächlich als Säule in die Mitte. Ein Glück wurde er beim darauffolgenden Kampfgewusel nicht ausversehen umgerannt... denn die Blitze die angedroht wurden, waren keine schöne Aussicht. Aber auch jener Kampf konnte letztendlich gewonnen werden, oder besser gesagt, er ging icht als einer der ersten zwei zu Boden. Da danach der Kampf ohnehin unterbrochen wurde.
Eine kurze Verschnaufpause wurde den Kämpfern genehmigt, während sie sich nun auf vier Kämpfer, alle gegen alle vorbereiten sollten. Es waren neben ihm noch Ruth, Alanna und einer dieser Fanrasbande übrig. Irgendein ihm unbekannter Kerl, der beinahe schon bei der Anmeldung zur gebratenen Hühnerbrust geworden wäre... als er es wagte vor der neunten Abendstunde Größenwitze in Richtung Arenvir's zu machen. Natürlich kann man den Freiherrn hinter einem normalgroßen Schreibpult fast übersehen, aber man muss es ihm nicht noch unter die Nase reiben. Auch wenn jene Aussage durchaus ein Schmunzeln bei ihm selbst entlockte... Der vorletzte Kampf sollten nun also auch in der Variante alle gegen alle ausgetragen werden und ein kurzer Blick zu Ruth reichte, das beide sich auch in jenem Kampf als Sieger auszeichneten.
Und so war es also geschafft, er stand, wie beim Zweikampfturnier zur Einweihung der Ritterburg im letzten Jahreslauf, abermals im Finale. Seine Kontrahentin war eine dieser neuen Merats, die anscheinend zusammen mit den Fanras nach Gerimor kamen. Auch wenn er jene Familienbande nicht ganz einzuordnen wusste, so war ihm das ein oder andere bereits doch geläufig. Vor allem aber das seine Kontrahentin auf schnellen Waffen und Wendigkeit setzt. Als sie sich an ihren jeweiligen Seiten des Kampfringes gegenüberstanden und ansahen, kamen ihm einige Worte ins Gedächtnis, die sie mit jenem Fanras der zuvor verlor, gewechselt hatte bevor jener ganze Turniertrubel anfing. Sie schien nicht viel Erfahrung oder eher nicht viel Glück zu haben, im Kampf gegen richtige Krieger. Und da es ein Einzelkampf war, nur sie gegen ihn, war die Wahl für den Zweihänder nun abermals ein leichtes. Der Kampf selbst war sogar recht spannend, anscheinend lernte sie über den Verlauf der Turnierkämpfe bereits schnell dazu. Doch am Ende waren die Hiebe gegen das Schild wohl doch zu stark und ihre Wendigkeit verhalf nicht zum nötigen Glücksmoment. Abermals ein Turniersieg, auf diesem Boden... obwohl er nicht einmal teilnehmen wollte und eigentlich bereits ausgeschieden war. Nur das Losglück verschaffte ihm dann die Motivation, es doch ernsthaft zu versuchen... Welch Ironie.
Die Siegerehrung und die Danksagungen an die Veranstalter fanden kurz darauf statt und recht rasch gingen die Teilnehmer und Gäste nach den anstrengenden Abenden auch ihrer Wege nach Hause. Ihm selbst blieben ein paar blaue Flecken, schmerzende Rippen und ein Siegerschild samt Schwert...
Und er selbst kann auch nicht bestreiten, das ihn jener abermalige Sieg nicht stolz macht. Vor allem wenn man die ganzen Umstände betrachtet, welche ihn umgeben. Doch war es für ihn nicht einmal der Sieg, welcher ihn so stolz machte.. Nein, es war vielmehr das Zeichen, was ihm durch jenen gesandt wurde. Ein Zeichen, welches seine Wege oft so verborgen begleitet und in den unerwartetsten Momenten ein aufleuchten von sich gibt. Es bestärkte ihn, gab ihm neue Kraft...
Diese Kraft würde er nun nutzen,...
für seine Aufgaben und für die Aufgaben, die er jener zarten Gestalt stellen würde, die sich allmählich zu einem wahrhaft ebenbürtigen Gegenüber im Kampf entwickelt.
Doch für den Moment würde er sich nun noch etwas Ruhe gönnen, die Jagdbeute sortieren und einige Vorbereitungen treffen. Ja, auch diese gefräßigen Scharfzähnchen machten sich schon wieder bemerkbar. Ihr Hunger war wirklich unstillbar... also würde er sie wohl als allererstes füttern, ehe er sich daran macht, seine Aufgaben anzugehen und heute Abend ein deftiges Abendessen auf den Tisch zu bringen, das, so hofft er, nicht all zu lange unangerührt bleibt...
Wenn die Wege einen düsteren Mantel um sich tragen,
kein Licht ein erhellen würde wagen...
dann ist die Zeit reif, sich den flüsternden Dämonen zu stellen,
ihre Worte aufzunehmen und ihren Willen zu säen.