Die Sonne war längst untergegangen und man konnte richtig fühlen, wie sich die Luft abkühlte. Langsam wurden die Tage wieder kürzer und sanft stieg der Nebel zwischen den Bäumen auf. Kalt und feucht fühlten sich die Grashalme an ihren blanken Füßen an und doch galt es heute noch etwas zu erledigen. Etwas wichtiges und unaufschiebbar.
Der Tag an sich war wieder einmal geprägt von Arbeit und dem unermüdlichen Drang der Clanner ihre Heimat aufzubauen. Frühmorgens strich sie über die einzelnen Plätze, legte hie und da ihre selbstgebaute Waage - eine Konstruktion aus einer Schiene mit einer Holzkugel, mittig eine Kerbe, um die korrekte Ausrichtung festzustellen - an und kontrollierte so die langsam entstehenden Fundamente.
Sie waren ausgesprochen fleißig und manche Korrekturen - sie war nun einmal pedantisch, und wenn das Fundament nicht korrekt war, musste sie nochmal anfangen - war für die Clanner nervenaufreibender als für sie selbst. Doch sie machten ihre Sache ausgezeichnet. Jeder packte an, jeder half. Leider hatte wohl Skardr das deutlich schlechte Los gezogen und hatte sich bereit erklärt mit ihr am Händehaus zu bauen. "Weyter reyn! Ney doch ney soweyt!" blaffte sie immer wieder zu ihm hinüber, als der Stützpfosten wieder, kaum merklich, zu tief in der Erde war. "Dat wyrd doch schyef!"
Wohl eine Zerreißprobe für seine Nerven, doch der Holzwurm ließ sich einfach nicht abhalten ständig mit ihrer Waage zu messen und erst dann entspannt zu nicken, als die Kugel wirklich an der mittigen Kerbe war. Aye, so kann was draus werden.
Geschuftet, geackert den ganzen Tag und abends, als sie kaum mehr etwas im schwachen Schein der Lampen sehen konnten, stand endlich das Fundament der Hütte. Freilich, der Boden fehlte, die Feinheiten fehlten noch, aber das würde kommen.
Doch die allerwichtigste Aufgabe hielt sie zurück und stiefelte spät nachts mit einer Laterne durch den Wald. An jedem Stumpf legte sie langsam, voller Ruhe und Ehrfurcht, etwas zu Essen und Trinken hin.
"Labt euch, und verzeyht uns. Wyr danken euch, dass yhr euer Heym gebt, damyt wyr eynes erhalten".
Und so lag nicht nur Fressen und Trinken für die Baumgeister da, die Erfahrung vor einem Jahreslauf hatte sie zu sehr gelehrt, sondern dazwischen, immer wieder, steckte sie bereits leicht keimende Eicheln in die Erde, besprühte sie etwas mit Wasser und kehrte schlußendlich zu ihm. Er würde immer ihr Ankerpunkt sein und stets zurückkehren. Niemals vergessen.
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