"Suchst du in Bajard
Der Mond strahlt hell in dieser Nacht
Der Wald strahlt umso heller."
Das Papier sank auf seinen Bauch. Was hatte es damit auf sich? Llynya hatte ihm den Pfeil gebracht der neben der Bank gesteckt hatte.
Er hatte nur dagesessen, vor seinem Haus, den Kopf in die Ranken gelehnt, hatte auf das Meer geblickt, sein Gemüt von Sorgen geplagt, voller Unmut hatte er versucht durch das Kreischen der Möwen und das Rauschen des Meeres die Sorgen für einen Augenblick zu vergessen. Mit dem Stock in der Hand versucht sich auf sich selbst zu konzentrieren, der Melodie zu lauschen, die ihn bereits sein Leben lang leitete, führte, beschützte.
Schon eine Zeit lang schlich der Mann um sein Haus. Doch die Augen des Druiden hatten ihn nicht gesehen, hatte nicht gesehen, wie der um die Hausecke geschaut hatte, nicht gesehen, wie er die Sehne in den Bogen spannte, nicht gesehen, wie er hinter der Hausecke niederkniete und den Pfeil aus der Sehne entließ. Ein lautes Zischen am Ohr vorbei in die hölzerne Wand seines Hauses.
Der Blondschopf wurde aus den Gedanken gerissen, er hob die Hand, bat die Mutter, den gerade entdeckten Maskierten zu fassen und sie erfüllte ihm seinen Wunsch. Das Gras wuchs, die Halme stärkten, rankten sich um seine Stiefel. Der Angreifer wand sicher herum und wollte seine Schritte schnell vom Tatort weglenken, doch er strauchelte, er fiel, durch die Ranken aufgehalten. Ein Mann trat hinzu, wollte den Angreifer festhalten.
Lukan hob die Hand, liess die Ranken um den Körper des Angreifers wachsen, wer war er, der es sich anmaß ihn zu beschießen? In Bajard? Doch der Maskierte liess sich nicht beirren. Folgte dem Plan den Druiden zu verletzen oder gar zu töten? Die rechte Hand hatten die Ranken noch nicht eingeschlossen, mit ihr zog der Attentäter ein Messer, warf es in Richtung seines Gesichtes. Es traf, verletzte die Wange, zog einen tiefen Schnitt durch das Fleisch im Gesicht des Druiden.
Der Fremde wusste was er tat, er schien jede Möglichkeit geplant zu haben, zog eine Phiole aus seiner Kleidung und zerstörte sie neben sich auf dem Boden. Dämpfe traten auf. Richard, der sich in etwas Entfernung aufhielt, sprang von seinem Pferd, als er sah, dass der Druide unter den Krämpfen seiner Muskeln zusammensank. Er hatte die Dämpfe eingeatmet, hatte keine Maske auf gehabt wie Richard oder der fremde Schütze. Der nächst nebenstehende Mann hatte sich schnell den Robenärmel vor das Gesicht geschlagen, doch Lukan hatte einen vollen Atemzug von dem Mittelchen genommen. Es hatte ihn aufgeregt, dass jemand am helllichten Tage auf ihn schoss, so hatte er wutentbrannt die Luft eingeatmet und musste nun die Konsequenzen tragen.
Seine Muskeln gaben nach, krampften schmerzhaft und gaben ihm keine Möglichkeit mehr die Ranken zu halten, ließen ihn keinen klaren Gedanken mehr fassen. Hart schlug er auf den Boden auf. Lediglich seine blauen Augen konnten erkennen, wie Kahor und Richard dem Angreifer folgten...
Nun lag er hier, in seiner Hängematte, umgeben von den Pflanzen die er so liebte. Er war von einem Hinrah und Llynya hergebracht worden. Den Clansmann kannte er nicht, doch er hatte nicht gezögert zuzugreifen.
Ein daher gelaufener Alchemist hatte ihm einen Wundheiltrank verabreicht.
Diese Stadt war zwiegepalten. Zum einen voll von Menschen, die sich gegenseitig an die Gurgel gingen, sich mit Pfeilen beschossen und von Menschen, die sich gegenseitig halfen, Menschen, die sich Heiltränke verabreichten, die Wunden versorgten.
Suchst du in Bajard
Der Mond strahlt hell in dieser Nacht
Der Wald strahlt umso heller
Er suchte in Bajard ja.. er suchte nach Frieden, nach Freiheit und nach etwas Ruhe vor all seinen Gedanken.
Was wollte man ihm sagen? Was wollte der Angreifer ihm sagen?
Der Mond scheint hell in dieser Nacht?
Nur zögernd stand er wieder auf, die Füße trugen ihn unsicher und ab und zu durchfuhr ein Krampf sein Bein. Der Stock, der neben seiner Hängematte stand gab ihm Halt. Er ging hinaus, öffnete die Tür vorsichtig um einen Blick in die Nacht zu werfen.
Der Wald strahlt umso heller.
Er würde bis morgen warten.. Ein wenig ausruhen würde nicht schade