Erinnerung zum Frühstück

Antworten
Adrian von Hohenfels

Erinnerung zum Frühstück

Beitrag von Adrian von Hohenfels »

Leere, die Hand wanderte über das Laken. Lang schon ungewohnt war dieses Gefühl. Sollte, musste es nun wieder Gewohnheit werden? Er würde kämpfen, er wollte kämpfen, doch wie sehr durfte er? War es Schicksal, so gewollt? Oder nur eine Prüfung des Herzens? Würde Temora helfen können? Ja gewiss, doch war es vielleicht so gewollt, so vorgesehen? Füreinander bestimmt, daran wollte und würde er glauben. Würde das Schicksal hierüber lachen und aufzeigen, dass es anders entschied? Würde ihr Herz wiederentdecken oder neue Wege suchen? Viele Fragen, zuviele! Sie musste zurückkehren, er würde nicht ruhen, bis dies sicher war. An ein „Oder“ wollte er nicht denken. Es durfte dieses oder nicht geben!

Ihren verwirklichten Traum hatte er ihr vorgeführt. Unentschlossen schien sie noch, selbstgeschaffenes auch als eben dies anzusehen. Die Tiere hatten ihr die Nähe deutlich aufgezeigt, keinen Zweifel gelassen, sie so gut zu kennen, wie ein jeder in ihrer Umgebung sie kannte. Einzig sie selbst schien zu zweifeln, ob sie noch sie selbst war. Ihre Familie? Wäre ihr dies Halt und Lösung? Musste er sie nicht sogar anschreiben? Auf der anderen Seite erbat sie Zeit, sicherlich in allem, so wohl auch hierin. Wäre nicht hierin auch Gefahr, sie würde ihre Sorge bestätigt sehen, das alles sei nur ein Spiel, eingefädelt durch den Vater? Nein es musste einen anderen Weg sie wiederfinden zu lassen, was verloren ging. Und sollte es keinen geben, würde er wieder um sie werben. Noch hundertfach, wenn nötig.

Er hatte es angesprochen, ihre erste scheue Annäherung. Damals am Strand, als alles was er schaffen wollte ein Ort der Ruhe und Nähe fern mahnender Augen war und es doch zunächst mehr einem Geschäfstessen glich, als wolle man einen Vertrag aufsetzen, der alle Gefahren und Sorgen abhandelte und alles absichern sollte. Er konnte nicht umhin bei dieser und allen Erinnerungen der vergangenen zwei Jahre, ein um das andere mal zu Schmunzeln. All die kleinen Neckereien und auch die deutlichen Tadelungen. Nichts war vergessen, er musste sich eben für sie beide erinnern, wenn nötig. Ein Gedanke entstand in ihm. Eine kleine Überraschung, albern anmutend möglicherweise und doch etwas woran er festhielt. Die frühe Morgenstunde würde nötig sein.

Nochmals erhob er sich und durchstriff die nächtlichen Gänge des Schlosses. Stille und Frieden lag in den Mauern, doch im Moment eher Einsamkeit gleichkommend. Ihr Lächeln vor seinem geistigen Auge, würde es je wieder so offen geschenkt sein? Die kleine Idee würde es vielleicht in ihr Gesicht zaubern, er vermochte es nicht zu sagen, würde es nicht einmal sehen, wenn alles sein würde, wie vorgesehen. Und doch ihr hoffentlich eine Überraschung. Die Küchenmagd war deutlich verwundert über die späten Wünsche, doch erfüllte sie sogleich in allem Eifer, zusagend sie in aller Frühe vor dem Zimmer bereitzustellen. Auch Garvagh würde wie gefordert bereit stehen.

Der Morgen kam und wie beordert wurde er zu früher Stunde geweckt. Ein eiliger Ritt zunächst gen Westen, besorgend, was die Überraschung komplett machen sollte in einem kleinen Behältnis. Eine kleine Muschel noch hinzugelegt. Wieder huschte ein Schmunzeln über seine Lippen als er sich in eiligem Ritt gen Berchgard aufmachte. Die Tore wurden ihm eiligst geöffnet sahen ihn die wachenden Gardisten schon von fern. Einige beschwichtigende Worte, beruhigten diese schnell und machten deutlich, dass seine Eile gewiss nicht in Verfolgern begründet war. So hielt er schliesslich erst wieder auf der letzten Brücke vor Eileens kleinem Hof an. Garvagh war schnell angebunden. Der Wildfang würde zu viel Lärm veranstalten, wollte er doch unbesehen wieder entschwinden.

So würde Eileen an diesem Morgen einen Korb vor dem Tor des Hofes finden. Gut bestückt mit einigen leckereien und einer Flasche lieblichen Eisweines sowie einem kleinen Fläschchen Sand und folgender Nachricht:

Einen guten Morgen wünsche ich dir, Sonne des Reiches!

Was du verloren hast, werde ich für dich wiederfinden. Möge es dich erinnern an den gemeinsamen Abend im Sonnenuntergang am Strand, als wir das erste mal wahre Nähe zueinander fanden. So bringe ich dir einen Teil des Strandes sowie die Speisen die wir damals miteinander teilten. Die Sonne konnte ich leider nicht einfangen, doch die Sonne erstrahlt durch dich an diesem Ort. Bewahre es in deinem Herzen, so wie ich es seit jeher bewahre, hierum bitte ich.

In Liebe


Adrian
Eileen von Hohenfels

Zeitsprung

Beitrag von Eileen von Hohenfels »

Sie las Adrians Brief mehrfach. Ihr war immer noch schwindelig, wenn sie nur an all die Umstände dachte.

Sie hatte einen Grafen geheiratet. Unglaublich
Wann war der Traum zu ende ?

Seit dem seltsamen Tag, an dem sie unvermittelt in diesem langen Gang im Schloss wach geworden war, stürzte sie in ein endlos tiefes Loch.

Eileen war am Vorabend schlafen gegangen, zu Hause, bei ihren Eltern. Sie hatten ihren Geburtstag gefeiert und Eileen hatte bekannt gegeben, dass sie am nächsten Tag in die Ferne aufbrechen wollte, mit unbestimmtem Ziel.
Es traf ihre Eltern nicht überraschend wie es schien, hatte das Thema schon des öfteren in der Luft gelegen.

Sie hatten getanzt, gut gegessen und getrunken. Ein ausgelassener Abend, ein warmes Bett welches sie empfangen hatte, und dann dieser Traum.

Konnten Träume so real sein ?

Anfangs hatte sie gedacht, ihr Vater hätte dann doch zu einer üblen Finte gegriffen, um seine längst erwachsene widerspenstige Tochter schlussendlich doch noch gewinnbringend in feste Hände zu bringen ... Ein Graf !

Man sagte ihr, sie habe das Gedächtnis verloren.
War sie umzingelt von guten Schauspielern ? Würde man sie so betrügen ? Konnte man so eine Ehe aufbauen.

Es hatte etwas gedauert bis sie erkannte, dass alles zu perfekt war, um inszeniert zu sein.
Ihr Pferd Mirage war hier. Sie war auf Gerimor, niemand hatte gewusst, dass sie hierher gewollt hatte.
Sie hatte Hunde, die sie kannten. Tiere würde man nicht täuschen können, oder ?

Und schließlich hatte sie sich verändert. Nicht dass sie über Nacht älter geworden wäre, aber sie war zäher, drahtiger geworden ... von der Arbeit, der sie nachgegangen war, wie Adrian ihr sagte.

Er hatte ihr, ihr kleines Anwesen gezeigt, welches sie sich erarbeitet hatte. Allein, in all ihrem Stolz und ihrer Sturheit.
Etliche Fuder geschlagenen Holzes lagen dort, eine schwere Axt oben auf.

Nein sie wurde nicht getäuscht, ... wenn sie nicht immer noch träumte, einen mehr als realistischen Traum träumte, dann hatten diese Menschen recht.

Es fehlten ihr zwei Jahre. Zwei Jahre in ihrem Kopf. Zwei Jahre die ihr Leben umgekrempelt hatten, dass sie Angst bekam, sie sei nicht mehr sie selbst, oder habe sich verkauft und verraten.

Nocheinmal glitt ihr Blick über die Zeilen.

Oder gab es solche Wunder ? Musste nicht entsetzlich viel passiert sein, dass ein Graf sich dazu herablies eine bürgerliche zu Ehelichen, was auch immer er vom Stapel gelassen hatte, dass das funktionierte ?

Schwere Kost.

Wehmut und der Wunsch nach Wahrheit und Erinnerung machte sich breit und breiter.

Sie war Eileen Galway! ... "de Galway" neuerdings, und darüber hinaus "von Hohenfels".

Aber bis hier hin kannte sie sich.
Und wenn dieses empfundene Jetzt nur Tage vor dem Moment war, andem sie Adrian von Hohenfels kennenlernen sollte, wusste sie, dass sie sich nicht einem dahergelaufenen eingebildeten Adligen an den Hals werfen würde. ... zum verrecken nicht!

Er musste etwas besonderes sein ...

Mit einem schwachen Lächeln machte sie sich über die Leckereien her.

Blieb die Erinnerung aus, würde es weitere Zeit brauchen bis ihr schwante auf was sie sich mit Herz und Seele eingelassen hatte, aus Überzeugung mit unbeugsamen Willen und in Liebe.
Rafael de Arganta

Beitrag von Rafael de Arganta »

Wo ist der Graf ist er hin?
Der Gardist stand vor Rafael mit die Augen gen Boden gerichtet. „Das sagte er nicht, Sir. Aber er ist alleine geritten. Hat keinerlei Wachen mitgenommen.
Rafael stöhnte auf. Mal wieder.
„Südtor?“ Mutmaßte er. Wobei der Gardist in einer hilflosen Geste die Schultern hob.
„ich... weiß es nicht. Sir. Ich habe noch nicht nachgefragt.“
Der Ritter nickte nur während er sich den Mantel anzog und sein Schwert gurtete. „Wann?“ fragte er kurz und knapp nach und drehte sich wieder zu dem Gardisten um der nicht antwortete.
„Wann?“ fragte er noch mal und schärfer nach, und der Mann vor ihm begann zu stottern.
„Etwa... vor... einer guten halben.... Stunde... eher Stunde!“
Rafael wurde fast blass. „WAS?!“ fragte er nach „Wir konnten uns nicht einigen wer euch jene... Nachricht überbringt, da man auch sagte ihr würdet... ruhen.“

Der Ritter stöhnte auf. „Wir sprechen uns noch!“
Dann eilte er hinaus.
Er ahnte wo der Graf war. Aber konnte sich dieser nicht einmal daran halten nicht alleine das Schloss zu verlassen?
Zuviel Gefahren warteten im Moment auf ihn.
Eileen. Er würde zum Kloster geritten sein um nach seiner Frau zu sehen.

Eine wahrlich komische Geschichte war e es gewesen.
„Eindringlinge!“ hatte jemand gerufen gehabt. Und sofort war ein wildes Getümmel im Schloss losgebrochen. Jeder suchte und als Darna vollkommen aufgeregt den Namen des Grafen gerufen hatte, hatte Rafael auch nichts und niemand mehr aufhalten können. ER war hinauf gestürmt, hatte die abgeschlossene Tür des Grafen eingerammt, wobei er sich die Schulter auskugelte, und dort nichts gefunden als den schlafenden Grafen.
Der Eindringling selber ... entpuppte sich zum Schrecken aller als formlose durchsichtige Gestalt.
Ein Geist.
Ein Geist der durch Eileen hindurchging... und dann verschwand.
Verschwand das war die Frage. Vielleicht steckt er noch irgendwie wo in Eileen.
Denn Fakt war das sie Erinnerungslücken aufwies.
Sie konnte sich nicht erinnern, das sie Adrian geheiratet hatte.

Rafael konnte sich gut vorstellen wie der Graf fühlen mochte.
Er hatte erst Anara verloren, und jetzt ... die Frau die er liebte? Nein... er würde nicht aufgeben. So schnell sicher nicht.
Sie war die Frau die er liebte, er brauchte sie, die ihm halt gab.
Adrian war nicht der Typ der so schnell aufgeben würde, denn damit würde er in diesem falle seine Leben aufgeben.

Er zügelte sein Pferd, ritt langsamer, wollte ihm Zeit geben.
Er hoffte für Beide das sie einander wiederfanden. Egal wie.
Auch wenn Eileen ihm einen Moment lang Avancen gemacht hatte, so geschah dieses wohl nur aus der Verwirrung heraus, und dem Vertrauen in einen Ritter. Sie würde erkennen das Adrian der Mann war den sie liebte, und Rafael hoffte das das bald geschehen würde, denn die Grafschaft brauchte gerade jetzt einen Grafen der mit allen Sinnen da war.

Am Kloster angekommen, hörte er sehr schnell das Eileen nicht da war, und nickend wendete er sofort sein Pferd.
Es gab nur einen Ort wo sie sein konnten. Einen Ort an dem man sie längst hatte hinführen sollen.
Ihr Haus!
Eigens von ihr erschaffen, durch ihre eigenen Arbeit mit ihren Tieren und den hoffentlich eigenen Erinnerungen die dort zurück kehren konnten.

Jetzt beeilte er sich wirklich nicht mehr.
Er wollte den Beiden so viel Zeit wie möglich lassen und fühlte sich fast wie ein Eindringling.
Aber er konnte einfach nicht zulassen das der Graf alleine war. Gerade jetzt nicht wo sich irgendetwas zusammenbraute.

Als er am Hause ankam, sah er beide schon von Weitem.
Adrian kniete vor ihr und schon hielt Rafael an, wissend das er jetzt sicher mehr als stören würde.
Langsam sein Pferd wendend wollte er gerade wieder davon reiten, als er angesprochen wurde.
Man bat ihn... nein befahl ihm zu bleiben.
Und so folgte er der ... Bitte.
Kurz nur sprachen sie miteinander, doch die Zeit reichte aus, um auf zu zeigen das Eileen längst noch nicht die Alte war.
Obwohl... die Alte schon ... sie war die Eileen wie sie wohl vor Jahren gewesen war, nur eben ohne Erinnerung an die letzten Jahre.
Aber das würde, das musste einfach wiederkommen.
Er wartete bis Adrian sich von Eileen verabschiedet hatte, verneigte sich dann selber knapp vor ihr, bevor er auf sein Pferd stieg und Adrian dann zurück zum Schloss geleitete.

Was immer er für die Beiden tun konnte, er würde es versuchen.
Antworten