Müdigkeit

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Rafael de Arganta

Müdigkeit

Beitrag von Rafael de Arganta »

Müdigkeit, die er nicht zuließ, nicht zulassen konnte. Nur einen Moment ruhen... einen Moment schlafen. Schlafen und keine Träume haben, keine Gedanken, vor allem keine Gefühle.
Aber an Schlaf war nicht zu denken gewesen. Der Geist der durch Eileen gefahren war hatte einen bösen Schaden angerichtet, und solange Eileen nicht wieder sie selber war, würde der Graf kaum selber eine ruhige Minute haben.
Und er? Diese Hetze gegen die Ritterin versetzte ihm schon einen Stich. Wie konnten die Menschen vergessen was sie, oder die Ritter je für sie getan hatten.
Urängste waren es die sie trieben, man musste es verstehen.
Aber verstandne sie auch das sie keine Selbstjustiz zulassen durften?
Müde fuhr er sich mit der Hand über das Gesicht und setzte sich auf das Bett.

In was für Zeiten waren sie geraten.
Das Volk erhob sich wegen eines Gerüchtes, und irgendwer was, bereitete etwas vor.
Einen besseren Zeitpunkt konnten man doch gar nicht wählen.
Niemals zuvor war Varuna, die Grafschaft von innern heraus so geschwächt wie jetzt.
Eine Ritterin im Kerker.... die Gardisten unmotiviert... teilweise weil sie auf Seiten des Volkes Waren, teilweise weil sie auf Seiten der Ritter und des Reiches waren.
Wie hatte der Gardist gemeint als Darna fragte ob der Herr nun zufrieden sei der sie mit zum Kerker gebracht hatte?
Und auf seine zynische Bemerkung er wäre wohl erst zufrieden wenn Rahal das nächste mal wieder vor der Tür stehe und sie die Ritterschaft erneut für sie das Leben riskieren würde...“
Als der Mann sich dann doch etwas kleinlaut zurückzog warf ihm einer der Gardisten ein „Ich nicht mehr soll Rahal sie holen. Sie haben es nicht anders verdient.“ Die Zurechtweisung von ihm wurde wohl noch im nächsten Raum zu hören gewesen sein, aber verdammt, auch wenn er den jungen Mann nur zu gut verstand. Er war Gardist.
Es war ja erfreulich das so viele auf der Seite Darnas standen, und auch würde alles versuchen sie zu schützen, aber alles andere ging zu weit.
Die Menschen hatten Angst.
Himmel, wenn er könnte würde er zu Temora beten das es kein Blutvergießen geben würde.
Wie könnte er das Schwert gegen seine eigenen Leute erheben?
Wie jedoch könnte er zulassen das man eine Ritterin in Selbstjustiz lynchen würde.
Fast fürchtete er sich davor was passieren konnte.

Er erhob sich wieder, wanderte ziellos in dem kleinen Raum im Schloss umher.
Kurz nur viel sein Blick auf das unangetastete Abendessen das man ihm gebracht hatte, und den Krug Wein.
Rot wie Blut war er und Rafael drehte es sich der Magen um.
So rot wie das Blut auf Angelinas Umhang war er.
Hatte er noch Hoffnung? Glaubte er noch? Tränen hatte er kaum noch.
Peinlich berührt wie das die Ritterin ihn in Tränen aufgelöst, schluchzend auf Knien vor dem Kamin vorgefunden hatte.
Aber er hatte Freunde.
Freunde die für ihn da waren, Freunde die ihm Halt gaben.
Zu Hause... war er seit dem kaum noch.
Zu seiner Trauer jedoch war ein neues Gefühl hinzu getreten.
Schuldbewusstein
Zum einen das er nicht bei Angelina gewesen war als sie ihn brauchte. Eigentlich war er nie für sie da gewesen, weil er die meiste Zeit im Schloss verbrachte, und sie wenn er mal daheim war, sich um ihre Patienten gekümmert hatte. Er hatte ihr deswegen sogar Vorwürfe gemacht.

Und zu alle dem...
Schuldbewusstsein, weil er heute das erste mal nicht an sie gedacht hatte.
Und alles fing mit einem harmlosen Satz Adrians an

„Ich habe aber einen Auftrag für dich, da ich mich im Moment nicht auch noch darum sorgen möchte. “
„Aha?“ hatte er nur fragend gemeint, überlegend was jetzt noch an Hiobsbotschaften kommen würden. Denn weg aus Varuna hätte er sich nicht schicken lassen, doch des Grafen Antwort zog ihm für einen Moment den Teppich unter den Füssen fort. „Die Baronin von Stolzenfels müsste unterrichtet werden über die aktuellsten Entwicklungen.“ Er hatte einen Moment lang keine Antwort, starrte den Grafen nur an. „Sie ist wieder hier?“ fragte er nicht wissend wie er jene Gefühle in sich deuten sollte.
„Ich denke es ist dir auch ohnehin gute Ablenkung , suche sie heute noch auf in den Abendstunden.“
Nur langsam hatte er den Kopf geschüttelt. „Ich ... kann da nicht hingehen.“ Hatte er dann mühsam an seinem Klos im Hals hervorgestoßen,“
Doch hatte Adrian ab gewunken. „Du wirst, ich bestehe darauf . Ich erwarte lediglich dass du sie über die neuesten Entwicklungen unterrichtest. Reden wirst du wohl gewiss noch können, oder?“
In diesem Moment hatte Rafael eher nicht das Gefühl das er es noch können würde. Er hatte die Baronin damals sehr verletzt, genauso wie dann wegen ihr Angelina.
Wahrscheinlich hatte er in diesem Moment eher so ausgesehen als würde er davon laufen wollten, aber gepresst nickte er. „ich... werde es versuchen, murmelnd.“ Hatte er Adrian hinterher gesehen, als dieser dann ging.

Felicitas von Stolzenfels,
Rafael seufzte. Es war Monate her das er sie getroffen hatte.
Wie würde sie jetzt sein? Was war aus der Freundschaft geworden die er damals so abrupt beendet hatte, und vor allem den Gefühlen die auch in ihm gewesen waren, obwohl er Angelina so sehr liebte.
Er hatte sich gefühlt als würde er zu seinem ersten Rendevouz gehen als er Abends zu ihr ritt, und als er sie sah, wusste er kaum was er sagen sollte. Sie hatte sich kaum verändert, war ruhiger geworden, so hatte es den Anschein, obwohl er das wohl eher als Bedauerlich empfand.
Dennoch glühten ihre Augen immer noch so wie vor Monaten.
Als sie ihn hereinbat, folgte er ihr und sah ihr dann peinlich berührt zu wie sie den Tee zubereitete.
Eigentlich wollte er nur loswerden was es an Informationen gab und doch.. gönnte er sich dann die Minuten der Ruhe.
Als er dann aufstand um zu fragen ob er helfen könnte, war er von der Situation selber so nervös und abgelenkt das er den Tee mit kaltem Wasser aufbrühen wollte, was Felicitas ein Lachen entlockte.
Wie dumm musste er wirken und so stellte er den Kessel erst einmal auf die Feuerstelle.
Erst dann setzten sie sich an den Tisch, und Rafael berichtete ruhig und präziese von den letzten Ereignissen.

Erst als der Tee zubereitet war, gingen sie langsam wieder in das alt vertraute Du über, aber Zeit wirklich über andere Dinge zu reden hatten sie auch nicht.
Der Alltag hatte ihn schnell wieder eingeholt. In Form von Adrian Greif, der lautstark nach ihm rief.
Man hatte ihn wohl hergeschickt im Wissen das er hier wäre um ihn zum Kloster zu holen, wo es wohl Problem gab.
Mit einem Handkuss hatte er sich von Florence verabschiedet.

Ja, in der Zeit bei ihr, hatte er wirklich Ruhe gehabt. Sich seit Wochen wieder wohl gefühlt.
Aber jetzt?
Würde er Schlaf finden?
Mit einem Handwisch, schob er das Tablett vom Tisch nur um sich dann auf den Stuhl fallen zu lassen den Kopf auf die Verschränkten Arme zu legen.
Ruhe... nur ein wenig Ruhe.
Ohne Gedanken, ohne Gefühle. Ohne das daran denken was wäre wenn, oder daran was kommen könnte.
Er wollte es nicht, er konnte es nicht, es war alles so schwer geworden und die Minuten in dem er er selber sein konnte, ohne Sorgen und Pflichten, waren so selten so kostbar geworden, und lagen schon Wochen zurück.
Rafael de Arganta

Beitrag von Rafael de Arganta »

Angespannt wie er war setzte er sich aufs Bett.
Brote hatte sie ihm gemacht.
Er ertappte sich bei einem Lächeln. Als wäre sie keine Baronin, als wäre es etwa selbstverständliches... obwohl... war es ja auch.
Sie konnten wieder Freunde werden.
Sie waren sich so ähnlich, verwandte Seelen. Er hatte wieder Ruhe finden können. Ruhe um heute bestimmt schlafen zu können.
Auch wenn er innerlich aufgewühlt war.

So wie er war ließ er sich aufs Bett fallen, die Augen geschlossen.
„Bitte heute Nacht KEINE, Ereignisse. Bitte heute Nacht niemanden der etwas von ihm wollte. Bitte heute Nacht einfach nur schlafen ... schlafen... schlafen....“
und während er dies noch dachte, war er auch schon eingeschlafen.
Der Müde Körper forderte seinen Tribut, aber auch die geschundene Seele forderte diesen, und so kamen mit dem Schlaf die Träume.
Angelina.... Dalana... Felicitas .... Geliebte, Frau, Vertraute, Freundin… Angelina war alles in allem gewesen ... aber in diesem Traum... verschwammen die Konturen, bis er schließlich nicht mehr wusste wer wer war.
Frauen bei denen er... er sein konnte. Die sein Innerstes kannten, die ihn verstanden ohne Worte. Bei ihnen fand er immer Ruhe, konnte sein wie er wollte. Der Ritter, der Mann oder eben nur einfach Rafael.
Wie hatte Felicitas heute gemeint? Wie ein kleiner Junge. Und ihr Abschiedssatz „Im übrigen ich mag Kinder.“ Hatte ihn seit Wochen das erste mal wieder zum Lachen gebracht.

Er hatte in ihr die Freundin wieder gefunden, die sie einst auch schon gewesen war.
Wenn auch er Furcht vor diesem Treffen gehabt hatte, und wenn auch ein Gefühl der Schuld und des angezogen werden in jedem Treffen mitschwang, so fühlte er sich wohl bei ihr, in ihrer Nähe.
Sie war da für ihn... schon wieder einmal.
Und er hoffte nur das er seine Schuld bei ihr irgendwann einmal abbezahlen konnte.
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