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Erfahrung kennt keine Gnade
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Reeva Schwarzwacht





 Beitrag Verfasst am: 21 März 2018 22:57    Titel: Erfahrung kennt keine Gnade
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    __________________________________________________________________________________


    Mein Name ist Reeva, Reeva Schwarzwacht. Ich zähle inzwischen 24 Sommer und habe bereits eine
    mehrjährige Ausbildung an den Waffen hinter mir. Die Zeit der Ausbildung war eine Zeit der Strenge,
    der Regeln, der Entbehrungen, des Zorns und des Blutes. Ich erinnere mich noch daran, wie mein
    Vater mich an den Toren des hiesigen Ordens außerhalb von Thyrna meinem Schicksal überließ. Der
    Orden befasste sich ausschließlich mit den hiesigen Glaubensstatuten und der Kriegskunst. Er
    unterwies die Kinder, die hergebracht wurden in Religion und Kampf. Liebe erfuhren sie dort nicht,
    lernten aber schnell, wie sehr sie auf ihre Kameraden angewiesen waren. Einmal im Jahr wurde eine
    Schar von acht bis zehn Kindern rekrutiert. Sie kamen aus jeder Gesellschaftsschicht. Die Ausbildung
    zieht sich über Jahre hin, die Prüfungen wurden bestanden oder endeten mit dem Verweis aus dem
    Orden oder im Tod.
    Die, mit denen man in den Orden aufgenommen wurde, bildeten schnell eine Einheit, unterstützten
    sich gegenseitig und richteten sich darauf ein auch innerhalb des Ordens zu überleben.

    Ich bin Reeva, ich habe keinen Vater und keine Mutter, keine Geschwister, keine Verwandten. Ich
    habe nur Erinnerungen. Erinnerungen, die erst mit dem achten Lebensjahr beginnen, ab dem Tag, da
    ich durch das Tor des Ordens schritt. Ich lernte Disziplin, Strenge, Härte, ich lernte Religion und den
    Kampf, ich lernte zu überleben.
    Vor einem Jahr verließ ich Thyrna, verließ den Orden, meine Brüder und Schwestern. Ich wurde vom
    Meister hinaus geschickt, nachdem ich die letzte Prüfung bestanden hatte, mit nicht viel mehr als ein
    wenig Handgeld und den Sachen, die ich am Leib trug. Keine Ausrüstung, keine Waffen, kein Pferd.
    Die Passage zum Übersetzen bezahlte ich mit harter Arbeit.

    Ich bin Reeva, Reeva Schwarzwacht, und ich ging vom Schiff hinunter und betrat ein kleines Dorf,
    das von sich behauptete neutraler Boden zu sein. Ich würde überleben.

    __________________________________________________________________________________


Zuletzt bearbeitet von Reeva Schwarzwacht am 09 Apr 2018 10:16, insgesamt einmal bearbeitet
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Reeva Schwarzwacht





 Beitrag Verfasst am: 23 März 2018 10:08    Titel:
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    __________________________________________________________________________________

    Mein Name ist Reeva Schwarzwacht. Vor wenigen Tagen ging ich in Bajard von Bord eines einfachen
    Handelsschiffs, das mir die Überfahrt hierher ermöglichte. Mir war vor der Abreise viel über Gerimor
    erzählt worden. Noch mehr hatte ich gelesen. Sie hatten mich so gut als möglich vorbereitet, und ich
    hatte einige Prüfungen vor mir. Eine davon nennt sich Geduld und Nachsicht.
    Dieser Kerl wusste diese Prüfung zu etwas Besonderem zu machen. Ich musste ihm zugestehen, dass
    er sich auf das Beste darauf verstand seine Mitmenschen zu reizen und sich unbeliebt zu machen. Ich
    verstand jedoch noch nicht, warum er das tat, und legte mir selbst eine Aufgabe auf. Vielleicht fand
    ich heraus, was ihn dazu antrieb.
    Er hatte darüber hinaus die Eigenart Sätze unbeendet zu lassen, und im gleichen Atemzug begann er
    schon einen Zweiten. Mir fiel ebenfalls auf, dass er meist dazu neigte, wenn er unruhig wurde, und
    zu viele Dinge gleichzeitig geschahen. Der Einfall der „Horde“ in Begleitung des Rabendieners und des
    angeblich Todgeweihten, dessen Krankheit anstecken sein sollte, oder auch nicht, aber vielleicht ja
    doch, brachten ihn meinem Dafürhalten nach ein wenig aus der Fassung.
    Ich erkannte in der Rotte das, was mir bereits oft begegnet war: Soldaten, Kämpfer, Mörder, mich
    selbst. Der derbe Umgang mit uns störte mich nicht, noch überraschte er mich. Es amüsierte aber
    sehr, dass einer nach Benimm schrie und selbst nichts davon in annehmbarer Weise vorweisen
    konnte. Aber von diesem Schlag gab es auf der Welt mehr als genug. Allerdings musste ich einem von
    ihnen vielleicht beizeiten klarmachen, dass ich kein Betthupferl war, dem jemand einfach durch mein
    Haar kraulte. Vielleicht. Auch hier war Geduld und Nachsicht die Prüfung, musste mir aber ehrlich
    eingestehen, dass beides für einen Moment entglitten war, als ich versucht hatte ihm mit der Faust
    einen Pferdekuss auf sein Bein zu pflanzen.
    Sie waren unserer schnell überdrüssig und gingen ihrer Wege, aber mir war klar, dass ich ihnen nicht
    zum letzten Mal begegnet war. Obschon mein komischer neuer Freund froh war, als diese „Horde“
    weiterzog, versicherte er mir noch einmal, dass sie allemal besser waren, als das, was im Osten lebte.

    Bevor ich dieser Behauptung auf den Grund ging, zog ich es vor, mir zunächst einmal anständige
    Kleidung zu beschaffen.
    Darüber hinaus war es Zeit für eine etwas handfestere Unterkunft als der Schlafsaal der Herberge.
    Ein Zimmer für mich allein würde dem für den Anfang genügen. Es war erschwinglich und viel Platz
    benötigte ich nicht. Aber eines nach dem anderen. Erst die Kleider, dann das Zimmer. Eine oder zwei
    Nächte im Schlafsaal zu verbringen, schadete mir nicht und war mir noch dazu nicht fremd.

    Für einige Momente glitten meine Gedanken zurück nach Thyrna, zum Orden, zu den Kameraden.
    Ich vermisste meine Brüder und Schwestern. Andere hätten ihre neue Freiheit sicher genossen. Eine
    von meinen Schwestern tat dies mit Sicherheit. Mir fiel es schwer. Der Ordensalltag hatte etwas
    Strukturiertes und Disziplinierendes gehabt. Es ging mir auf, dass ich mir diese Struktur nun selbst
    diktieren musste. Also begann ich damit meinen Tagesablauf bis ins Kleinste zu planen.

    Mein Name ist Reeva Schwarzwacht. Ich habe ein Ziel, und ich habe mir geschworen, es auch zu
    erreichen.

    __________________________________________________________________________________


Zuletzt bearbeitet von Reeva Schwarzwacht am 09 Apr 2018 10:16, insgesamt einmal bearbeitet
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Reeva Schwarzwacht





 Beitrag Verfasst am: 26 März 2018 12:53    Titel:
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    __________________________________________________________________________________

    Ich bin Reeva Schwarzwacht, und ich weiß, ich werde meine letzte Prüfung bestehen. Meine Heimat
    ist ihnen bekannt, der Orden nicht. Ich überlege, ob ich in Zukunft darüber zunächst einmal nichts
    weiter erzählen sollte. Es scheint die, die davon hören zu irritieren, von einer Ausnahme einmal
    abgesehen. Sie hat ein reges Interesse daran mehr davon zu hören und zu erfahren, und wirkt mir
    sehr aufgeschlossen dem gegenüber. Auch sie scheint in mir eine andere Person zu sehen, die sie
    einst kannte. Ich frage mich wer dieser Mensch gewesen ist, dem ich so sehr gleiche.

    Es gibt mehr, als die genannten Drei, die zu beachten sind. Weit mehr. Natürlich war mir das vorher
    bereits klar gewesen, aber ich frage mich dennoch, warum sie es so heruntergespielt hatte, warum
    sie sagte, es werde wenig Wert auf ein angemessenes Verhalten gelegt. Ich hatte nicht den Eindruck,
    dass sie mir hatte schaden wollen, warum also? Gedankenlosigkeit? Vielleicht nur eine ganz
    eigenwillige Ansicht? Die Bibliothekarin verwies hingegen auf das, was ich erwartet hatte.
    Die Frauen unterscheiden sich grundsätzlich voneinander. Es wird interessant sein beide näher
    kennenzulernen.

    Inzwischen hat sich der Kreis der Gesichter erweitert, denen ich einen Namen zuordnen kann. Ich
    kam anfangs nicht umhin mich zu fragen, ob manch einer davon mich für ein unmündiges Kind hielt,
    dem alles erklärt werden musste, führe das Verhalten inzwischen aber darauf zurück, dass ich neu in
    den Landen bin und man mir nur helfen möchte, mich besser zurecht zu finden. Es birgt etwas
    Herzliches in sich, dass einem Willkommen nicht unähnlich ist, auch wenn ich zwischendurch das
    unbestimmte Gefühl von Kränkung empfinde, dass mir trotz klarer Hinweise, worüber ich informiert
    bin, dennoch belehrt werde.
    Dennoch, ich halte es für ratsam mich auf eine lange Zeit der Belehrungen einzustellen. Mir scheint
    hier ist es nicht unbedingt wichtig, wo ich mich heute oder in zehn Jahren sehe, sondern auch, wo es
    die Leute mich sehen möchten. Mir scheint es, als hätten einige schon feste Pläne für mich, die ich
    selbst für meine Zukunft noch nicht sehen kann.

    __________________________________________________________________________________



Zuletzt bearbeitet von Reeva Schwarzwacht am 26 März 2018 12:54, insgesamt einmal bearbeitet
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Reeva Schwarzwacht





 Beitrag Verfasst am: 28 März 2018 14:49    Titel:
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    __________________________________________________________________________________

    Ich bin Reeva Schwarzwacht, Schwester meines Ordens, gefestigt und bar jeden Zweifels. Ich werde
    meine Prüfung bestehen. Die Bibliothekarin hatte mich gebeten etwas von meinem Orden für sie
    und ihre Wissenssammlung zu Pergament zu bringen. Am gleichen Tag war ein Brief zum Festland
    unterwegs gewesen. Der hohe Aspekt des Ordens sollte entscheiden, ob das Wissen zu teilen war.
    Heute war die Antwort eingetroffen, schneller, als erwartet.
    Seither bin ich damit befasst das Wesentliche auf Pergament zu bannen, das Herzblut des Ordens
    aber weiterhin zu wahren und nicht zu offenbaren. Der hohe Aspekt war unmissverständlich in
    seinen Anordnungen gewesen.

    Auch was meine Prüfung betrifft. Er hat einen Befehl hinterlassen, sollte ich bestehen. Er war
    zuversichtlich, dass der Befehl nicht bloß Worte bleiben würden. Der Befehl erfüllt mich mit tiefer
    Ehrfurcht. Ich weiß, es wird noch eine Weile dauern, bis ich die Größe dahinter ermessen kann, die
    mir zuteil wird, wie schwer die Verantwortung auf mir lasten wird, aber ich bin bereit mich dem zu
    stellen. Doch zunächst gilt es die eigentliche Prüfung zu bestehen. Ein Schritt nach dem nächsten zu
    gehen. Ich weiß, er prüft mich auch mit diesem Befehl, will wissen, ob ich deshalb den Weg aus den
    Augen verliere, übereifrig werde, Fehler begehe, mich aus der Ruhe bringen lasse, Grenzen über-
    trete, oder weiterhin Konsequenz walten lasse.

    Ich habe das alte abgegriffene Buch hervorgeholt, das unsere Statuten und Regeln beinhaltet. Es war
    das Erste, was ich zu lesen gelernt hatte, das Erste, was uns allen eingebläut wurde, bis wir es aus-
    wendig aufsagen konnten. Das, was uns als Erstes in Fleisch und Blut übergegangen war, was wir mit
    Blut bezahlt hatten.

        Katechismus des Ordens

        1. Achte die Statuten des Glaubens, bedingungslos und ohne Zweifel.
        2. Stehe ein für deinen Glauben und trage ihn weiter.
        3. Sei die Flamme und das Blut des Glaubens.
        4. Respekt soll dein Lehrmeister und treuster Begleiter sein.
        5. Nutze alles, was du hast, bist und sein wirst.
        6. Vertrete deine Brüder und Schwestern würdig und ehrenhaft.
        7. Handele weise und mit Bedacht.
        8. Verleihe deinem Wort Kraft und Glaubwürdigkeit.
        9. Beweise Konsequenz und Verlässlichkeit.
        10. Kämpfe und sei siegreich, ob mit Waffe oder Wort.
        11. Stehe ein für deine Worte und Taten.
        12. Stelle dich jeder Prüfung, die sich dir offenbart.
        13. Fürchte nicht den Tod.

    Wenn ich nur das Verzeichnis der Grundsätze lese, spenden sie mir Trost und vertreiben das Gefühl
    der Einsamkeit. Ich vermisse meine Schwestern und Brüder, auch wenn in meiner Einheit nur noch
    wenige von ihnen übrig sind. Von 15 waren nur noch 6 dem Orden angehörig und die letzte Prüfung
    wird die Zahl weiter schrumpfen lassen. Ich weiß, es hat einen Sinn und es ist gut, denn es hält den
    Orden gesund und stark.

    Ich blättere die nachfolgenden Seiten des alten Buches durch. Sie enthalten eine sehr ausführliche
    Erläuterung jedes einzelnen Grundsatzes des Katechismus. Mir ist danach mich darin zu versenken,
    weiß aber, dass dies bis zum Abend warten muss.

    Meine Gedanken irren zu dem Gespräch vom gestrigen Abend. Ein Spiel. Manche neigten das ganze
    Leben als ein großes Spiel zu betrachten. Ob er sich seines Talents bewusst war? Ich stelle fest, dass
    ich noch wachsamer sein muss. Hier darf ich nicht von Einfältigkeit ausgehen, ganz im Gegenteil. Es
    weckt Neugier und macht es sicherlich spannend, aber ich darf mich auch nicht über ein gesundes
    Maß hinaus davon verleiten und locken lassen.
    Ich bin Reeva Schwarzwacht und habe ein Ziel.
    __________________________________________________________________________________

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Reeva Schwarzwacht





 Beitrag Verfasst am: 03 Apr 2018 13:27    Titel:
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    __________________________________________________________________________________

    Ich bin Reeva Schwarzwacht, Schwester des Ordens, ich wanke nicht.

    Es ist gar nicht so leicht Worte zu Pergament zu bringen, die genug erzählen, aber nicht zu viel von
    dem verraten, was nicht nach außen dringen soll. Da es in meinem Zimmer keinen Tisch gibt, bin ich
    dazu übergangen die Bank als Tisch zu missbrauchen und mich stattdessen auf den Boden zu setzen,
    wenn ich etwas schreiben möchte.
    In einer der kürzeren Arbeitspausen fragte ich mich, ob die Nachbarin meine Nachricht gefunden
    hatte. Was das anging, hatte ich wenig Glück und traf sie nicht an. Vielleicht sollte ich mir deshalb
    den jungen Mann nochmal zur Brust nehmen. Er schien einen guten Draht zu ihr zu haben und ich
    wollte verdammt sein, wenn sie in die Fänge eines Übereifrigen geriet aus Unachtsamkeit oder gar
    Unbedarftheit.

    Eine Stunde später verließ ich mein Zimmer, die ungeordneten Pergamente ließ ich auf der Bank
    zurück und kümmerte mich um meine neuste Errungenschaft. Es war ein gutes Pferd, das für
    Ausritte und auch für weitere Strecken gut geeignet war. Allerdings war ich mir nicht sicher, ob es
    in einer Schlacht seinen Dienst verrichten würde, also wollte ich mich darum bemühen, dass es sich
    zum einen an mich gewöhnte und wir beiden zu einer Einheit verschmolzen, zum anderen weiter
    ausbilden. Die Züchterin hatte eine gute Ausbildung versichert, und nach dem ersten Ritt, war ich
    auch überzeugt davon, dass sie ihr bestes getan hatte. Ein paar Kniffe sollte das Tier aber noch lernen
    und so meine treue Merrit ersetzen. Zwar war dem Tier schon ein Name mitgegeben, aber ich wollte
    ihm einen eigenen Namen geben, einen, den es auch im Herzen trug.
    Ich verbrachte eine gute Stunde damit es zu striegeln, die Hufe zu säubern, zu satteln und aufzu-
    zäumen. Danach verließen wir die Stallung und verließen das Fischerdorf. Erst davor schwang ich
    mich in den Sattel und gönnte uns beiden einen weitschweifenden Ausritt über die üblichen Wege,
    die auch die Händler bevorzugten.

    Während des Ausrittes ließ ich meine Gedanken zu den vergangenen Tagen schweifen. Die waren
    sehr durchwachsen gewesen und hatten ein paar Absonderlichkeiten bereit gehalten gehabt. Es
    zeigten sich unterwartete Verbindungen, neugierige Geister, gepaart mit Wahnsinn und Perversion,
    Angenehmes, interessante Gespräche. Zwischenzeitlich sah ich mich mit der Frage konfrontiert, wo
    ich eigentlich gelandet war. Die Feststellung, dass ich mich nach einem ruhigen, heißen Bad in
    abgeschlossenen Räumlichkeiten sehnte, kam noch hinzu. Die öffentlichen Bäder waren nicht das,
    was ich bevorzugte, also war ich dazu übergegangen mir einen abgelegenen Teich oder See zu
    suchen und dort zu baden, auch wenn das Wasser noch eiskalt war.

    Inzwischen nahm ich an einem morgendlichen Lauf und Waffengang, nebst Übungen für Kraft und
    Ausdauer teil, und genoss es zutiefst. Mir war gar nicht bewusst gewesen, wie sehr ich es vermisste.
    Am ersten und zweiten Tag quälte mich fürchterlicher Muskelkater, inzwischen aber gewöhnte sich
    mein Körper wieder an die Ertüchtigung und ich fand zu alter Form zurück.
    Ich bekam jeden Muskel zu spüren, wenn ich ausritt, aber die Schmerzen waren Willkommen und
    würden genauso wieder vergehen mit der Zeit. Für mich waren sie ein Inbegriff von Freiheit und sie
    brachten eine rechtschaffende Erschöpfung mit sich, die mich gut schlafen ließ.

    Mein Ausflug führte mich am Kloster vorbei. In einiger Entfernung zügelte ich das Pferd und nahm
    mir die Zeit die Gemäuer eingängig zu betrachten. Sie hatten etwas Ehernes, Altes, etwas, dass mich
    an tiefstes Schweigen erinnerte, etwas Ehrfurcht gebietendes. Es machte die Ähnlichkeit der ach so
    unterschiedlichen göttlichen Geschwister deutlich.
    Ich fragte mich nicht zum ersten Mal, ob es mehr Menschen gab, die sich dies bewusst gemacht
    hatten. Zumeist begegnete ich der Verleugnung dieser allzu offensichtlichen Tatsache. Ob wir es
    Gebote oder Tugenden nannten, vieles vom Inhalt beider Seiten glich oder ergänzte sich, manchmal
    gab es Unterschiede. Ob Demut oder Ehrfurcht, ob Ehre oder Treue und Folgsamkeit. Es waren die
    Worte, die Bilder formten, die Erwartungen weckten, die ein Bewusstsein für etwas schufen, und
    die die Menschen glauben und folgen ließen. Worte, die weise gewählt worden waren, Worte, die
    an die Hand nahmen und führten. „Verleihe deinem Wort Kraft und Glaubwürdigkeit.“ Was konnten
    Worte alles bewirken. Wie wahr, wie wahr.

    Ein vergangenes Gespräch kam mir in den Sinn. War ich ehrgeizig? Hatte er Recht mit dieser
    Einschätzung?

    Ich bin Reeva Schwarzwacht, und ich bin ehrgeizig. Ich werde meine Ziele erreichen.
    __________________________________________________________________________________

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Reeva Schwarzwacht





 Beitrag Verfasst am: 09 Apr 2018 10:16    Titel:
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    __________________________________________________________________________________

    Ich bin Reeva Schwarzwacht und ich mache Fortschritte.

    Zwar beschränkte sich die letzte Woche hauptsächlich auf die Arbeit an meiner eigenen Kondition
    und Kraft, sowie auf die weitere Ausbildung meines Vierbeiners, aber auch hier konnte ich bereits
    Fortschritte feststellen. Der Muskelkater wurde erträglicher, auch wenn er nicht ganz wich, das Tier
    zeigte Interesse an seinen täglichen Aufgaben und war aufgeweckt und neugierig.
    Ich kam mit dem Verfassen meiner Texte langsam aber stetig voran. Ganz zufrieden war ich noch
    immer nicht, aber ich war zuversichtlich, dass ich das kleine Buch alsbald fertigstellen konnte. So-
    bald mir das gelungen war, wollte ich die Magistra noch einmal aufsuchen.

    Inzwischen hatte ich mich soweit eingelebt, dass mir das Zimmer, das ich bewohnte, sogar wie eine
    Heimstatt vorkam, und ich mich dabei ertappte noch länger hier verweilen zu wollen. Allerdings war
    auch klar, dass ich mein Vorhaben allmählich in die Tat umsetzen musste, bevor sich Gerüchte breit
    machten und ich nicht mehr dazu kommen würde. So nahm ich mir für die kommende Woche fest
    vor, einige Besuche zu tätigen und Erkundigungen einzuholen. Vielleicht war mir das Glück hold und
    ich vermochte alsbald die Pilgerstätte aufzusuchen.

    Darüber hinaus blieb das leidigste Thema, die Ausrüstung. Einen guten Teil hatte ich zusammen ge-
    tragen, es fehlte aber noch genug, vor allem am lieben Gold für die Bezahlung. Auch hierauf musste
    ich mich mehr konzentrieren in den kommen Tagen, damit das bald einmal ein Ende hatte. Ich wollte
    mich auf Anderes konzentrieren.

    Dem Befehl meines Aspekts folgend, machte ich kleine Fortschritte. Zwei. Ich hoffte, bald auch eine
    Dritte. Darüber musste ich noch mit ihm sprechen, das hatte ich am gestrigen Abend versäumt, aber
    manches brauchte Geduld und Zeit. Das Gespräch war dafür äußerst zufriedenstellend gewesen und
    hatte mich mit einem guten Gefühl an meine Schreibarbeit zurückkehren lassen.
    Auch, dass ich vermisst worden war in der letzten Woche, trug erheblich dazu bei, dass ich begann
    mich heimisch zu fühlen. Allerdings hielt ich eine gewisse Vorsicht nach wie vor für sinnvoll. Es hieß
    noch ein wenig abzuwarten, noch ein wenig auf gewisse Zähne zu fühlen, und zu schauen, ob das
    investierte Vertrauen auch gut eingesetzt war.
    Alles in allem sorgte die Entwicklung ganz langsam für eine etwas gelöstere Stimmung, die die erste
    Anspannung bei der Ankunft und in den ersten Wochen langsam zu vertreiben mochte. Ich konnte
    meine Erheiterung über die überraschten Blicke auf Grund eines Lächelns oder gar Lachens nicht von
    mir weisen. Fast hätte mich auch das noch einmal zum Lachen gebracht. Fast. Es hinterließ in jedem
    Fall die nicht gestellte Frage, ob sie wirklich glaubten, dass ich dazu nicht fähig war.

    Ich bin Reeva Schwarzwacht, natürlich kann ich lachen!
    __________________________________________________________________________________

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Reeva Schwarzwacht





 Beitrag Verfasst am: 16 Apr 2018 11:18    Titel:
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    __________________________________________________________________________________

    Ich bin Reeva Schwarzwacht und bin frustriert.

    Der Besuch am gestrigen verlief nicht, wie erhofft. Auch wenn ich mir vor Augen hielt, dass es die
    angetragene Forderung nur gut und richtig war, schien mir das Gefühl, dass mir erneut mit rigoroser
    Ablehnung begegnet wurde fast übermächtig. Natürlich waren die Gründe, die zur Vorsicht rieten,
    gegeben und das Handeln wohl überlegt gewesen. An solche Grenzen stoßend, erkannte ich wieder
    meine eigene nur allzu menschliche Schwäche, wenn Erwartung auf Realität traf und beides nicht
    überein stimmte. Ich war enttäuscht, frustriert und ärgerte mich gleichzeitig über mich und meine
    Naivität, meine kindische Hoffnung, dass ein Gespräch allein mich schon näher an mein Ziel brächte.
    Meiner gestrigen Gesprächspartnerin konnte und wollte ich gar keinen Vorwurf machen. Der Fehler
    lag hier ganz eindeutig bei mir. Dennoch hätte ich mich gerne willkommener gefühlt.

    Dass dieser Umstand zusätzlich dazu beitrug, dass mein Heimweh wuchs, empfand ich als erbärmlich.
    Ein wenig in Selbstmitleid versunken, lamentierte ich in meinem kleinen, bescheidenen Zimmer vor
    mich hin, in völlig überzogener Art und Weise, dass sie hier niemanden benötigten, gar hatten haben
    wollen, der bereit war mit anzufassen, zu unterstützen oder für das einzustehen vermochte, was er
    war und vielleicht einmal sein könnte.
    Natürlich war mir schon in dem Moment, wo ich es herausließ, klar, dass es eine enorm überspitzte
    und überzogene Ansicht der Tatsachen war und ich mich verhielt wie ein unreifes Gör, das seinen
    Willen nicht bekommen hatte. Das vermochte mich ziemlich schnell wieder auf den Boden der zurück
    holte und mich zur üblichen Disziplin finden ließ.

    Dass der spätere Verlauf des Abends mich erneut an diesen Punkt bringen sollte, wusste ich zu dem
    Zeitpunkt noch nicht. Ich machte mich zunächst einmal auf die Suche nach jemandem, wie ich es am
    Tag zuvor versprochen hatte. Als das nicht von allzu viel Erfolg gekrönt war, fand ich mich an meinem
    üblichen Platz ein, am Lagerfeuer Bajards, in der Erwartung hoffentlich nicht allzu lange warten zu
    müssen. Recht sollte ich behalten.
    Es gesellten sich alsbald auch einige Menschen mehr hinzu, und eine kleine Diskussion über Egoismus
    entbrannte, wobei das ein oder andere Gesagte einige in der kleinen illustren Runde zu treffen auf
    irritierende Weise schien.

    Als wir den Platz verließen, wies noch nichts darauf hin, wie unangenehm der Abend enden sollte.
    Die letzte halbe Stunde, bevor ich mein Heil in einer wenig disziplinierten Flucht suchte, war es, die
    den Abend ruinierte, nachhaltig genug, dass ich die Nacht kein Auge zu bekam, durch die Dunkelheit
    lief, nur um des Laufens Willen, bis meine Lungen brannten und die Beine nicht mehr wollten.
    Hatte ich gehofft, dass es das Gefühl, das mich zur Flucht getrieben hatte, vertrieb, so musste ich
    danach feststellen, dass es nicht half sich die Seele aus dem Leib zu rennen. Sogar die Erschöpfung
    brachte keinen Schlaf in dieser Nacht, so dass ich die morgendlichen Übungen dieses Mal ausfallen
    ließ.
    Auch hier war kein Vorwurf zu machen, auch wenn ich mir sehr bewusst war, welche ausgesprochen
    zu haben, in dem Versuch es nicht an mich heranzulassen. Ich stellte fest, dass die ganzen Umstände,
    denen ich mich derzeit ausgesetzt sah, mich dünnhäutig gemacht hatten. Zeit, das wieder zu ändern.

    Dabei weigerte ich mich, mir Gedanken darum zu machen, was über mich und mein Verhalten am
    Vorabend gedacht wurde. Ich verschloss das Thema, den Auslöser des Dilemmas, wieder in meine
    innere Truhe, hängte ein dickes, schweres Vorhängeschloss davor, und wandte mich mental dem zu,
    was mir bevorstand. Es gab Dinge, die konnte ich nicht ändern. Es nutzte also nichts, sich damit auf-
    zuhalten.

    Ich bin Reeva Schwarzwacht, ich gebe nicht auf! Jetzt erst recht!
    __________________________________________________________________________________

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Reeva Schwarzwacht





 Beitrag Verfasst am: 25 Apr 2018 14:50    Titel:
Antworten mit Zitat


    __________________________________________________________________________________

    Ich bin Reeva Schwarzwacht und stelle fest, manchem stehe ich hilflos gegenüber.

    Wie erkläre ich jemandem, warum ich glaube, woran ich glaube? Was für Worte braucht es, um
    jemanden von seinem Glauben zu überzeugen?

    In meiner Naivität ging ich mit der Annahme schwanger, dass es leicht sein müsste, jemanden dafür
    gewinnen zu können, auch wenn er bislang fern von Glauben und Regeln gelebt hatte.
    Nun hatte mich die Realität eingeholt und mir einmal mehr ihr nietenbewehrtes Schild in die Fresse
    geschlagen. Ich war so überrumpelt gewesen davon, dass Zorn in mir hochkroch, aus dem ersten
    purem Unverständnis heraus, warum mein Gegenüber sich derart bockig gebärdete und nicht
    verstehen wollte.
    Es fiel mir unsäglich schwer in dem Moment die Kontrolle über mich zu behalten und den erhaltenen
    Schlag nicht umgehend als Quittung in das Gesicht meines Gegenübers zu setzen, den er mir mit
    seinen Worten verpasst hatte.

      „Versetze dich stets in die Situation deines Gegenübers, wenn du ihn nicht sofort verstehst
      und versuche zu begreifen, warum er sich anders verhält, als du es erwartest.“

    Die Worte meines Aspekten kamen mir von allein in den Sinn, eingebläut in unzähligen Übungen und
    Unterweisungen zum Thema Diplomatie. Ich versuchte es, doch es gelang mir nur sehr mäßig. Die
    Erkenntnis, dass ich viel zu wenig über ihn wusste, machte sich nagend in mir breit. Es nutzte nichts.
    Das war ein Umstand, den ich nicht selbst zu ändern vermochte. Also wollte ich mich damit auch
    nicht weiter aufhalten. Ich erfuhr, was ich erfahren sollte, das musste genügen.
    Irgendwie war es ja gelungen den Bogen zu dem hin zu bekommen, wo es hingehen sollte, aber ich
    konnte das unmöglich meinem Vermögen zuschreiben. Das lag ganz sicher mehr an der Bereitwillig-
    keit meines Gegenübers sich trotzdem darauf einzulassen und zumindest zuzuhören und etwas
    darüber zu lernen. Mein versuchter Verweis an die Geistlichen schien da aber mehr zu schrecken,
    als einen Nutzen zu bringen. Ich sollte es sein, die es ihm erzählte.
    Es lag mir fern, die Arbeit anderer zu untergraben, womöglich sogar schlechter zu machen, und es
    dadurch zu verderben. Also würde er später trotzdem dorthin müssen, ob es ihm gefiel oder nicht.
    Vorerst aber wollte ich mein Bestes in der Vorbereitung versuchen, und vielleicht bekam ich ihn
    zu einem anderen Zeitpunkt davon überzeugt, das Gespräch mit einem Geistlichen zu suchen.
    Es wird sich zeigen, in Zukunft, wohin der Weg hier führt.

    Eine weitere Arbeit hatte sich inzwischen aufgetan, die ein wenig mehr dem entspricht, was ich bin.
    Es ist zwar nicht ganz das, was ich mir vorgestellt habe, aber für den Anfang kann und will ich mich
    nicht beklagen, zumal ich damit die Gelegenheit habe jederzeit ein Bad zu nehmen, und wenn mir
    der Sinn danach steht, das Zimmer in der Herberge aufzugeben. Bislang möchte ich die Bleibe aber
    noch behalten. Sie hat ihre Vorteile und ich gedenke sie zu nutzen.
    Alles in allem jedoch ist es das, was als ich eine glücklichere Fügung der letzten Wochen betrachten
    kann, und es weckt ein Quäntchen Hoffnung, dass doch nicht alles so desolat und unbefriedigend ist,
    wie es mir bislang erscheint.

    Aktuell warte ich noch auf eine Rückmeldung für mein inzwischen angegangenes Vorhaben, ein
    Besuch, den ich unter keinen Umständen versäumen will. Ich muss selbst erfahren, was es
    damit auf sich hat, will es sehen, fühlen und in mich gehen, um meine bisherige Zuversicht zu
    stärken. Eine eigens auferlegte Prüfung, wenn man so will.
    Danach wird es Zeit endlich weitere Schritte zu gehen. Dafür gilt es noch ein wenig mehr Gold zu
    verdienen, aber zumindest da bin ich mir sicher, dass das kaum ein Problem darstellen wird. Angeln
    wird meine neue Leidenschaft, auch wenn mir der Fisch inzwischen gewaltig stinkt.


    Ich bin Reeva Schwarzwacht, ich mache Fortschritte.
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Reeva Schwarzwacht





 Beitrag Verfasst am: 26 Apr 2018 11:15    Titel:
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    Ich bin Reeva Schwarzwacht und verzweifle an meiner schriftlichen Ausarbeitung zu meinem Orden.

    Nie hätte ich auch nur gedacht, dass es so schwer ist in Schrift zu fassen, was den Orden ausmacht,
    ohne zu viel von ihm zu verraten. Vielleicht muss ich der Magistra doch mitteilen, dass ich ihrem
    Wunsch nicht Rechnung tragen kann, ohne zu viel von dem Preis zu geben, was nicht hinaus dringen
    sollte. Es will mir einfach nicht gelingen über die ersten zwei Sätze hinaus zu gelangen, ohne mich
    in Dinge zu verstricken, die nicht gesagt und schon gar nicht niedergeschrieben gehörten. Ich
    schreibe dies insgeheim meinem Heimweh zu, das mich in regelmäßigen Abständen einholt.
    Also beschließe ich die Ausarbeitung erst einmal wieder ruhen zu lassen. Beizeiten muss ich mit der
    Frau ohnehin noch einmal sprechen. Ich benötige etwas, wobei sie mir helfen kann und hoffe,
    sie zeitnah aufstöbern zu können.

    In der Zwischenzeit wende ich mich anderem zu. Den frisch erhaltenen Brief des Akoluthen lege ich
    zu meinen Unterlagen hinzu, um ihn aufzubewahren. Hinzu kommt die Abschrift meiner Antwort.
    Was bleibt, ist mir vermehrt vor Augen zu führen, was ich ihm bereits über mich erzählt habe. Um
    es mir besser einprägen zu können, notiere ich es auf einem gesonderten Pergament:


      Heimat:
      Alrynes, Eherntrutz

      Familie:
      Schwester, Name Briselle (Tagträumerin; leicht schwachsinnig);
      Bruder Ebenezer (Randnotiz: noch nicht erwähnt)
      Vater, Name Nial;
      Mutter, Name Verla, verstorben nach der Geburt von Briselle
      (Randnotiz: noch nicht erwähnt);
      Orden

    Mir kommt die Mahnung des Aspekts in den Sinn sich möglichst nah an der Wahr-
    heit zu halten. Nur ein Detail weicht ein wenig ab, und der bereitete mir keine Sorge, da ich die Stadt
    Eherntrutz bei einer meiner Prüfungen hatte aufsuchen müssen. Ich kenne sie gut genug, um Frage
    und Antwort soweit standhalten zu können, dass es ausreichen dürfte. Wer wird schon verlangen
    es besser zu wissen, als ich es tue? Immerhin war ich dem Orden mit acht Sommern beigetreten. In
    der Zeit hatte sich sogar mein Geburtsort für mich derart gewandelt, dass ich es kaum wieder
    erkannt hatte, als ich die Stadt nach zehn Jahren das erste Mal wieder betrat.

    Einen naiven Moment lang gebe ich mich der Illusion hin, wenn ich die ganze Wahrheit sage, könne
    ich mein Ziel schneller erreichen, verwerfe es aber direkt wieder. Es steht eher zu befürchten, dass
    es mir jeden Weg verbaue, und das will ich nicht riskieren.
    Ich will dieses Wahrzeichen, dieses lebende Artefakt, der Schildmaid unbedingt sehen. Dabei
    stelle ich im Stillen fest, dass es mir nicht darum geht diesem zu schaden. Ganz und gar nicht. Ich
    will wissen, was geschieht, wenn ich ihm gegenübertrete.
    Es ist nicht so, dass es mich gleichgültig lässt. Das mulmige Gefühl in mir wird immer stärker, je mehr
    ich mich mit dieser Thematik befasse. Mir ist nur zu klar, dass dies die eigentliche Prüfung an mich
    darstellt.

    Er hatte gestern gefragt, ob er mich begleiten durfte. Nach dem Brief stelle ich fest, dass es ablehnen
    muss. Will er diesen Weg gehen, muss er sich selbst bemühen. Die Ablehnung wird nicht nur der
    Worte des Akoluthen wegen erfolgen. Ich habe eine leise und unbestimmte Furcht in mir, was dort
    geschieht und er von mir zu sehen bekäme. Irrational vielleicht, denn ich zweifle nicht. Aber wer weiß
    schon, was der Baum imstande ist auszulösen? Nein, der Moment ist zu persönlich. Ich möchte den
    Augenblick mit niemandem teilen.

    Ich bin Reeva Schwarzwacht, ich stelle mich meinen Prüfungen ohne zaudern.
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Reeva Schwarzwacht





 Beitrag Verfasst am: 11 Mai 2018 11:31    Titel:
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    Ich bin Reeva Schwarzwacht, ich lerne und lehre zugleich.

    Vor einigen Tagen war ich hin und hergerissen zwischen der Möglichkeit eine Unterweisung zu
    erhalten, oder bei der Eröffnung des Hospitals anwesend zu sein. Da ich zu ersterem bereits
    zugesagte, bevor ich von der Unterweisung erfuhr, wollte ich nicht vor den Kopf stoßen und blieb
    letztlich bei der Zusage. Das stellte sich für mich im Nachhinein in mehrfacher Hinsicht als eine
    sinnvolle Entscheidung heraus. Ob diese als gut zu bezeichnen war, das musste sich noch weisen.
    Ich erhielt eine Offerte für eine Anstellung, auch wenn ich nicht wusste, wie diese geartet sein
    würde, wenn ich zustimmte. Das Bemühen mich für den Westen zu gewinnen, war zum ersten Mal
    derart offensichtlich, dass er mich damit zu überraschen verstand.
    Natürlich ist es kein Vorwurf an all die anderen, mit denen ich bereits gesprochen hatte. Es gab auch
    da den Willen hier und dort zu finden, einen Neuankömmling für sich zu gewinnen, aber da war eher
    eine behutsame Herangehensweise vorhanden gewesen, die zuweilen auch schon einmal unterging
    in dem Schlamassel, den andere wiederum hervorriefen und mehr zur Flucht anregten, als zum
    Einzug.
    Und genau diese Vehemenz hinter der Offerte und den gesprochenen Worten schaffte die besagte
    Überraschung, auch wenn ich mich weiterhin höflich interessiert, wie sachlich gab, also sehr
    diplomatisch ausweichend im Grunde. Ich war mir nicht sicher, ob seine Fragen aus Interesse
    geboren waren, oder ob es Neugier war, wahlweise auch die Suche nach Kenntnissen über meine
    Person. Was mir auffiel war das Leben der Gebote, keine Almosen, keine Geschenke, Wein gegen
    einen Trank gegen Erkrankungen. Nützlich.
    Ich hielt meine Auskünfte wage, immerhin erfuhr ich von ihm lediglich den Stand und seinen Namen.
    Hier fehlte der Gegenwert an Informationen zu den von mir gegebenen und ich war nicht gewillt, ein
    allzu großes Ungleichgewicht entstehen zu lassen. Allerdings versprach ich, die Offerte im Hinterkopf
    zu behalten. Doch zunächst hatte ich noch andere Pläne.

    Der zweite Grund, weshalb die Entscheidung bei der Eröffnung eine sinnvolle war, war der Junge.
    Natürlich wies er darauf hin, dass er kaum jünger war als ich, rein an Jahren bemessen. Seine
    Unbeherrschtheit sprach allerdings eine ganz andere Sprache und offenbarte mir die Arbeit, die mir
    bei ihm noch bevorstand. Fast tat er mir leid nach unserer kleinen Prügelei, die ihm dazu dienen
    sollte, etwas Dampf abzulassen und seinen Zorn unter Kontrolle zu bekommen.
    Auch wenn ich acht gab, ihm nicht zu sehr zuzusetzen, hatte ich mich nur soweit zurückgenommen,
    dass er sich nach wie vor ernst genommen fühlen konnte, so dass er trotz der Rücksichtnahme
    ziemlich lädiert daraus hervor ging. Natürlich hatte auch ich einiges abbekommen, aber ich war es
    gewohnt und die Schmerzen, die daraus resultierten, waren mir mehr ein altbekannter und
    willkommener Gefährte, als ein Kümmernis.
    Es war in jedem Fall eine dringende Notwendigkeit alsbald mit ihm ein ausführliches Gespräch in
    aller Stille und Ruhe zu führen. Vielleicht nahm ich ihn dafür an einen abgeschiedenen Ort mit, der
    dennoch ein passendes Ambiente bot, und überlegte mir, welcher Platz dafür am besten geeignet
    sein mochte. Ließ ich ihn so laufen, wurde er zu einer Gefahr für sich selbst, und ich wollte verdammt
    sein, wenn es so weit kommen sollte. Er war ein guter Kerl, der am Anfang eines beschwerlichen
    Wegs stand. Den Weg der zu sammelnden Erfahrungen.
    Ich ahnte, was ihm fehlte, und es wurde Zeit dafür zu sorgen. Weitere Verzögerungen konnte und
    wollte ich mir da nicht mehr leisten.

    Genauso musste ich mir vor Augen halten, dass ich noch jemandem einen Besuch schuldete und ihn
    viel zu lange schon versetzt hatte. Nach dem Abend im Hospital fühlte er sich vermutlich noch mehr
    versetzt und vernachlässigt. Meine Schuld. Zeit es auszubügeln.

    Noch etwas, was ich auszubügeln hatte, aber sich als schwieriger erwies, als ich dachte, war der
    Streit mit dieser ungemein abweisenden und zornigen Frau. Was mich da geritten hatte, vermochte
    ich nicht so ganz genau zu sagen. Sie hatte sicher nicht in allen Vorhaltungen Recht, die sie mir an
    dem einen Abend an den Kopf geworfen hatte, aber mit einer ganz sicher: Ich hatte mir zu viel
    erlaubt und sie in Frage gestellt, und das vor anderen. Das stand mir keinesfalls zu.
    Im Grunde war sie eine Fremde für mich und ich hatte aus irgendeinem Grund ein Verhalten an den
    Tag gelegt, das ich meiner Ordensschwester angedeihen ließ, wenn sie über die Stränge schlug und
    sich gehen ließ. Mein Verhalten war geprägt von dem Wunsch des Beistands und eine Freundin zu
    sein, die auf den anderen achtete.
    Allerdings war ich nun einmal nicht ihre Freundin. Womöglich wollte sie nicht einmal eine haben, so
    sehr, wie sie sich bemühte alles um sich herum zu vergrätzen. Für mich machte sie den Eindruck
    eines waidwunden Tiers, das in die Ecke gedrängt worden war, und genau das war vermutlich auch
    der Grund, warum ich mich dazu getrieben gefühlt hatte, ihr helfen zu wollen. Wie auch immer, sie
    wollte keine Hilfe, ich hatte mich zu weit vorgewagt, mich ungebührlich verhalten, und es bedurfte
    nach wie vor einer Entschuldigung dafür. Vielleicht war ihr die gar nicht wichtig, mir aber schon.
    Nicht, um mein Gewissen zu beruhigen, sondern der guten Ordnung halber. Was daraus am Ende
    erwuchs oder nicht, würde sich zeigen. Ich hielt es für geraten mich nicht weiter aufzudrängen und
    gab mich sogar den Überlegungen hin, ob meine vorangegangene Idee wirklich gesund und gut war.

    Ich bin Reeva Schwarzwacht, ich musste wahrlich einige Gespräche führen.
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Zuletzt bearbeitet von Reeva Schwarzwacht am 11 Mai 2018 11:31, insgesamt einmal bearbeitet
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Reeva Schwarzwacht





 Beitrag Verfasst am: 12 Jun 2018 13:54    Titel:
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    Ich bin Reeva Schwarzwacht und gehe stets voran.

    Langsam fügte sich alles so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Der einzige Punkt, der nicht gelingen
    wollte, war der Besuch bei dem Baum des Lichts. Die Angst des Priesters schien ihn in jeder Hinsicht
    zu lähmen. Ein Umstand, der sicherlich beizeiten nutzbar war. Dem Akoluthen brachte er damit nicht
    unbedingt die richtigen Werte bei, aber das sollte mich nicht kümmern.
    Vielleicht versuchte ich mein Glück noch einmal bei der anderen Priesterin, von der ich gehört hatte.
    Möglicherweise besaß sie mehr Mut, Selbstsicherheit oder Zuversicht, als der Mann, der seine
    offensichtliche Angst und Unsicherheit an all dem hinter einem dauerhaften Lächeln zu verbergen
    suchte. Schade, denn ansonsten schien er mir ein umgänglicher, netter Mensch zu sein. Aber so hatte
    jeder seine Mängel und Makel.
    Ob ich die Mühsal allerdings noch ein weiteres Mal auf mich nehmen würde, um dorthin zu gelangen,
    wollte ich mir nochmal in Ruhe überlegen. Noch war nichts in Stein gemeißelt dahingehend.

    Mein Zimmer hatte ich hinter mir gelassen und gegen ein geräumiges Haus eingetauscht. Zwar war
    es nicht ganz das, was ich mir erhofft hatte, musste aber bei der Suche danach feststellen, dass
    sowas zurzeit nicht zu bekommen war. Also hatte ich das getan, was ich ebenso gut konnte: Das
    Beste aus dem, was zu kriegen war, herausholen. Und ich musste gestehen, ich war zufrieden mit
    dem Ergebnis. Jetzt fehlten nur noch ein paar Möbel, wofür die Bestellung schon heraus war, und ich
    konnte ein paar Einladungen aussprechen. Nein, nicht ganz, ich brauchte erst noch etwas Essbares
    und Trinkbares, was nicht gerade aus Alkohol bestand. Die Kosten gingen langsam ins Unermessliche.
    Schlimmer, als die Beschaffung der Ausrüstung! Nun ging mir auf, was der Lagermeister des Ordens
    zu bewältigen hatte bei den ganzen Mäulern, die sie stopfen mussten.

    Ich hielt am großen Tisch im Erdgeschoss inne und nahm das petrolfarbene Buch auf und strich fast
    schon liebevoll über den Einband. Es war das Einzige, was ich vom Orden hatte mitnehmen dürfen.
    Wieder einmal packte mich das Heimweh. Aber so anders, wie es hier auch war, so musste ich mir
    auch eingestehen, dass es sich langsam so anfühlte, als käme ich an. Wenn ich ehrlich zu mir selbst
    war, hatte ich damit nicht mehr gerechnet, dass diese Gefühle in mir Einzug halten könnten. Es
    waren nun schon Wochen vergangen, seit ich hier eingetroffen war. Wochen, in denen ich oftmals
    kurz davor war, meine Sachen einfach wieder zu packen und heimzureisen, die Prüfung als
    gescheitert anzuerkennen, und dem Orden auf andere Weise dienlich zu sein, als der es ursprünglich
    für mich vorgesehen hatte.
    Dann aber zwang ich mich zum Durchhalten. Und nun musste ich einsehen, dass genau das es war,
    was mich vorangebracht hatte. Inzwischen konnte ich mich über mangelnde Beschäftigung nicht
    mehr beklagen. Die Hafentaverne, gelegentlich ein wenig Schützenhilfe bei der Heilerin und nun
    half ich ebenso noch der Statthalterin bei ihrer etwas schwierigeren Post, oder bei Aushängen, die
    gemacht werden mussten.
    Sie hatte mir im Gegenzug dafür alles, was ich für das Haus brauchte, genäht und angefertigt, und
    war damit sozusagen in Vorkasse gegangen. Das hinterließ bei mir zwar ein leichtes Magengrimmen,
    aber ich war sicher, ich konnte mich in Zukunft mehr als genug erkenntlich zeigen. Davon war ich
    überzeugt.

    Die Hafenschenke ging sich ebenfalls an, wobei es sicher besser laufen könnte, aber ich hoffte doch,
    dass sich das noch geben würde mit der Zeit. Auch das Verhältnis zur Scharfschützin besserte sich
    allmählich. Inzwischen hatte nicht nur ich dort begonnen zu arbeiten, sondern auch noch zwei
    weitere. Alles in allem ging es sich gut an. Es blieb abzuwarten, wie es weiter gehen würde. Ich war
    gespannt und würde es auch noch bleiben.

    In mir, ganz im Stillen, reiften noch weitere Entschlüsse, weitere Dinge, die ich angehen wollte,
    aber das hatte Zeit. Ein Schritt nach dem nächsten und alles würde sich fügen, nach und nach, Stück
    für Stück. Davon war ich überzeugt.

    Ich bin Reeva Schwarzwacht und bin endlich zuhause angekommen.
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