Mondlicht, silberner Glanz, lichtes Glimmen.
Das gleiche Nachtglühen, welches nun ihr Gesicht sanft und weich umspielte,
die bleiche Haut in der weisslichen Farbe von frischer Milch erstrahlen ließ,
hatte vor wenigen Stunden die markanten Züge eines menschlichen Raubtieres erhellt – ein Bild, welches sich nicht mehr von der reinen, erschütterten Seele abstreifen ließ.
Es haftete wie Harz an weichen Kinderhänden und fraß sich knabbernd, einem tollwütigen Marder gleich, tiefer in die Psyche. Die Pupillen inmitten der großen, nebelig grauen Augen schrumpften beinahe auf Stecknadelkopfgröße zusammen, als sich die grässliche Momentaufnahme auch noch ihres Gehörs bemächtigte und eine Stimme, dunkel, glatt und höhnisch sanft, wie der blutrote, schwere Bajarder Wein, der dieses seltsam leichte Gefühl in den Gliedern und die unsichere Schwummrigkeit im Kopf mit sich brachte, stolz und kalt verkündete:
Ich bin Jago di Trequona…
Bleiche Lippen öffneten sich unter einem leisen, keuchenden Aufschrecken und ein zittriger Schauder bahnte sich fast neckend den Weg vom Hinterkopf über die Wirbelsäule herab, unweigerlich umklammerten die schmalen Hände in einer umarmenden Geste die dünnen Oberarme, als müsse sie sich schützend wärmen.
In der Tat spürte sie Kälte, wie schleichendes Gift in ihren Adern, langsam durch ihren Körper kriechen und dies lag sicherlich nicht an dem lauen, verspielten Sommerwind, welcher über die nackte Haut strich… aber es war so viel angenehmer und einfacher diesem die Schuld zu geben und so tappten kleine, bloße Füße über die hölzernen Dielen in raschen Schritten zurück zum warmen Bette.
Abrupt hielt sie dann jedoch inne und jegliches Geräusch verklang, als der Blick ein neues Ziel gefunden hatte und jenes mit einem schmerzenden Stechen in der Brust verzweifelt versuchte gegen die Alptraumvision zu tauschen, welche sich nicht vom inneren Auge lösen wollte:
Die schlafende Gestalt eines jungen, anmutigen Mannes, dessen dunkles Haar nun in wirren Strähnen sein recht ebenmäßiges Gesicht umrahmte. Ach, wie oft hatte sie diesen Anblick in der letzten Zeit genossen, geradezu in sich aufgesogen und für schlechtere Zeiten in ihrem Herzen verschlossen… bewahrt. So brauchte sie nun auch keinen längeren Lidschlag um die kaum merklichen, dennoch drastischen Unterschiede zum eigentlichen, idyllisierten Portrait des schlafenden Liebsten zu finden:
Seine Hände hatten sich in das Laken gekrallt, als versuchten sie den Stoff zu würgen, fast als würde er sich zum raschen Aufsprung bereit halten waren die Muskeln nicht völlig entspannt, sein Gesicht drückte alles andere als den friedlichen Eintritt in die Welt der Träume, als vielmehr fieberhafte, innere Unruhe aus… unter den etwas zuckenden Lidern huschten die Augen unstet umher.
Munter stachen abertausende, glühende, unsichtbare Nadeln in ihrer Brust umher und ritzten verletzend alles was sie erwischen konnten, als ihre Ohren nun auch seine Worte des Vorabends ein weiteres Mal zu vernehmen glaubten und Vorwürfe spitz niederprasselten.
Rasch glitt sie unter die dünne, kühle Decke und schlang sie um den nun bebenden Körper – der Schlaf würde ihr wohl vorerst versagt bleiben.
Wie eine Motte ins Licht!
So war sie durch die Nacht gehuscht, das hellblaue Kleid flatterte wie leichte Schmetterlingsflügel am schmalen Mädchenkörper, die puppengleichen Züge waren von ernster Entschlossenheit aber auch törichter, dummer Neugierde gezeichnet – und so fand sich die naive, angelockte Motte plötzlich inmitten einer laut zuschnappenden Falle, an welcher sie sich schmerzlich verbrannte und schließlich fiel… herabstürzte in eine dunkle, gähnende Leere… bis er sie auffangen konnte, die närrische Motte.
Wo war ihre Vorsicht gewesen, als sie an diesen abgelegenen Ort alleine inmitten der Nacht gewandert war?
Wo war ihr Selbstvertrauen geblieben, als sie vor ihm zusammenschrumpfte wie ein verschrecktes Kaninchen?
Wo war ihre Kraft hingekommen, als sie sich verzweifelt versucht hatte aus diese Umarmung zu winden, welche ihr den Atem raubte und Panik wie trockenes Stroh entfachte?
Wo war jegliches Bewusstsein versteckt, als sie sich in all dieser Zeit, einer kleinen Ewigkeit gleich, nicht einmal daran erinnerte wer sie war und zu was sie doch befähigt sein musste?
Welcher Zauber hatte sie zur Motte, zur Marionette, zur Beute gemacht?
So massiv die wild rotierenden Gedanken auch um jene Fragen kreisten, sie begriff nicht, dass sie keiner überirdenen Magie in jener Nacht erlegen war.
Vielmehr hatte man eine noch immer illuminierte Schwachstelle aufgedeckt, hatte einen bildlichen Dolchstoß ins Ziel geführt und eine Atmosphäre geschaffen, der sie nicht gegenübertreten hatte können.
Vermutlich hätte sie zumindest den Versuch gehabt mit allem anderen – und wären es Morddrohungen, dunkle, blutrünstige Bestien oder verbale Attacken gewesen – umzugehen, doch diese Chance war ihr hierbei versagt geblieben… stattdessen blieb das Bewusstsein der Motte in ihr bestehen und mit ihr die blanke Angst.
Angst vor einer ausstehenden Konfrontation
„Man sieht sich, Jagotin.... Una...“
Angst vor der gähnenden Leere, der Lichtfalle, dem Sturz
„Du hast mich schon verstanden, Püppchen... also zier dich nicht weiter...“
Angst vor Jago di Trequona...
[img]http://home.arcor.de/llastobhar/Llastobhar/Una/DepriUna.jpg[/img]
ANGST (oder die Motte und Jago di Trequona)
-
Una Llastobhar
ANGST (oder die Motte und Jago di Trequona)
Zuletzt geändert von Una Llastobhar am Dienstag 1. August 2006, 19:35, insgesamt 3-mal geändert.
-
Jago di Trequona
Unweit von Rahal schloß sich der rot glühende Sphärenriß hinter Jago di Trequona und der Zauberer wurde vollständig von der Finsternis der Nacht verschluckt. Aber was für einer Nacht! Noch immer vibrierten alle Sinne des Magiers, das Blut schoß ihm in heißen Ströhmen durch die Adern, die Muskulatur spannte sich wie die eines Panthers vor dem Sprung. Der schwarze Mantel bauschte sich im Wind, als er mit weit ausgreifenden Schritten auf das Stadttor Rahals zuhielt. Die Nacht war zwar bisher ein wenig anders verlaufen, als er es vorgehabt hatte und doch schoß ihm der Erfolg heiß und glühend durch den Körper. War er zwar bei Una nicht am Ziel angelangt, so hatte doch durch sein unplanmäßiges Auftauchen der Hofmagier Jagotin mehr mit ansehen müssen, als es ihm vermutlich lieb war. Sein Püppchen in den Armen eines anderen, gegen ihren Willen erschauernd und angezogen von einem Mann, der auf der anderen Seite stand. Auf der wahren Seite der Macht.
Die rauchgrauen Augen des Zauberers blitzen auf, als er sich wieder an den Gesichtsausdruck der beiden erinnerte, als seine Worte ihr Ziel trafen - ob Jagotin sich denn beteiligen wolle....
Zu schade aber auch, daß dieses Püppchen jetzt nicht die Saat eines Arkorithers unter dem Herzen trug. Wie der Gryffenhorster wohl darauf reagiert hätte.....?
So ruckartig, als wendete man von der einen Seite einer Medaille nun die andere ins Licht, verflog die Hochstimmung Jagos, als er an den Erzmagier dachte und Haß und Wut machten sich in ihm breit. War ihm vorher noch das Blut prickelnd durch die Adern geschossen, wurde ihm die Verweigerung des endgültigen Triumpfes nun zur Qual.
Der Schritt der schweren Stiefel auf den dunkel glänzenden Pflastersteinen Rahals bog ab und wandte sich den schmierigen, stinkenden Hintergassen zu, in denen mit anderen Waren als Obst und Gemüse gehandelt wurde.
"Una.... Una Llastobhar...." zischte er durch die zusammengebissenen Zähne, während ihm im Vorbeigehen verheißungsvoll ein paar zarter Hände über den Arm strichen und seinen Oberschenkel streiften. Zwei Häuser weiter wurden ihm verlockend weibliche Rundungen präsentiert, doch auch hier ging er vorbei, ohne sich aufhalten zu lassen. Erst an der Straßenecke fiel sein Blick auf ein erbärmlich dürres Ding und er hielt inne. Zwei große, neblig graue Augen glommen überrascht und hoffnungsvoll auf, als der gutaussehende Herr ihr mit hinein folgte.....
In dieser Gegend Rahals sorgte es nicht weiter für aufsehen, als am nächsten Morgen die Leiche des jungen Mädchens auf ihrem Zimmer gefunden wurde. Was ihre hartgesottenen Berufskolleginen viel eher aus der Fassung brachte war die Tatsache, daß das junge Ding offenbar auf dem Höhepunkt seines Lebens durch Genickbruch gestorben war.
[img]http://img155.imageshack.us/img155/8598/vampiremovie15fz5.jpg[/img]
Die rauchgrauen Augen des Zauberers blitzen auf, als er sich wieder an den Gesichtsausdruck der beiden erinnerte, als seine Worte ihr Ziel trafen - ob Jagotin sich denn beteiligen wolle....
Zu schade aber auch, daß dieses Püppchen jetzt nicht die Saat eines Arkorithers unter dem Herzen trug. Wie der Gryffenhorster wohl darauf reagiert hätte.....?
So ruckartig, als wendete man von der einen Seite einer Medaille nun die andere ins Licht, verflog die Hochstimmung Jagos, als er an den Erzmagier dachte und Haß und Wut machten sich in ihm breit. War ihm vorher noch das Blut prickelnd durch die Adern geschossen, wurde ihm die Verweigerung des endgültigen Triumpfes nun zur Qual.
Der Schritt der schweren Stiefel auf den dunkel glänzenden Pflastersteinen Rahals bog ab und wandte sich den schmierigen, stinkenden Hintergassen zu, in denen mit anderen Waren als Obst und Gemüse gehandelt wurde.
"Una.... Una Llastobhar...." zischte er durch die zusammengebissenen Zähne, während ihm im Vorbeigehen verheißungsvoll ein paar zarter Hände über den Arm strichen und seinen Oberschenkel streiften. Zwei Häuser weiter wurden ihm verlockend weibliche Rundungen präsentiert, doch auch hier ging er vorbei, ohne sich aufhalten zu lassen. Erst an der Straßenecke fiel sein Blick auf ein erbärmlich dürres Ding und er hielt inne. Zwei große, neblig graue Augen glommen überrascht und hoffnungsvoll auf, als der gutaussehende Herr ihr mit hinein folgte.....
In dieser Gegend Rahals sorgte es nicht weiter für aufsehen, als am nächsten Morgen die Leiche des jungen Mädchens auf ihrem Zimmer gefunden wurde. Was ihre hartgesottenen Berufskolleginen viel eher aus der Fassung brachte war die Tatsache, daß das junge Ding offenbar auf dem Höhepunkt seines Lebens durch Genickbruch gestorben war.
[img]http://img155.imageshack.us/img155/8598/vampiremovie15fz5.jpg[/img]
-
Feoras de Jagotin
Rein objektiv betrachtet hätte es doch eigentlich nicht wirklich passieren können.
Der Ausritt in Richtung Rahal, abgehalten in der stillen, verschwindend kleinen Hoffnung irgendetwas über die Arkorither herauszufinden, blieb den durchschlagenden Erfolg schuldig. Recht müde war er, als er wieder zurück gen Varuna ritt, die Gedanken kreisten um viele Dinge, nur nicht um das "Hier und Jetzt". Warum sollten sie auch, er wagte sich nah an die Höhle des Löwen heran, ohne Aufsehen zu erregen, da fühlt man sich in den eigenen Gefilden doch erst recht sicher. So hielt er Jago und Una, die sich am kleinen Teich nahe der Hauptstadt befanden, beim ersten, flüchtigen Blick einfach nur für ein frisch verliebtes Pärchen, welches die laue Sommernacht genießt. Doch der zweite, weitaus zögerlichere Blick verriet mehr...
"Una? Aber wieso... und wer ist eigentlich...?" schoß es durch seinen Kopf. Scheinbar unbemerkt stieg er von seinem treuen Pferd ab und umrundete den See, eine alte Eiche als Ziel, die er als Deckung nutzte, um das ganze Geschehen ungesehen zu beobachten. Grauenvolle, im Nachhinein nur zu verwerfliche Gedanken quälten ihn - würde Una tatsächlich mit einem anderen anbandeln? Una?
So genau wusste er wohl nicht, ob er glücklich oder zutiefst schockiert sein sollte, als er dann bemerkte, dass sie es nicht tat - vielmehr versuchte Jago sich mit Gewalt Una zu Eigen zu machen. Doch die Entscheidung viel schnell, er war zutiefst schockiert... und nicht zuletzt wütend, falls dieses spärliche Wort seinen Gemütszustand überhaupt zu beschreiben in der Lage ist.
Er unterbrach das ganze, störte das Raubtier auf seinem Beutezug, rettete das scheinbar hilftlose Mädchen. "Ich sagte es Euch doch... die Schlachtfelder sind nicht dort, wo Ihr es vermutet." entsprang es in einem überlegenen, süffisanten Ton Jagos Kehle, die Feoras nur zu gerne mit allerlei scharfem Schneidewerkzeug maltretiert hätte. So ganz ist er sich immernoch nicht sicher, ob es nun gut oder schlecht war, dass der Erzmagier sich nach einem kurzen Geplänkel durch einen Sphärenriss zurückzog, aber es steht mit Sicherheit fest: Ungesühnt wird diese abscheuliche Tat nicht bleiben. Irgendwann... ja, irgendwann wird er die Rache spüren, bevor sein Orden aus den Chroniken gestrichen wird, daran bestehen zumindest für Feoras nicht annähernd Zweifel.
Und doch gibt es Wichtigeres als die Rache am Täter, nämlich die Liebe zum Opfer, die aber leider nicht die Ausmaße annehmen kann, wie es nötig und wünschenswert wäre. Es wäre ja auch zu schön, wenn die Arkorither die Füße einmal still halten würden, denn dem Grafen das Leben zu retten ist zwar eine Heldentat, aber wohl eher eine zweifelhafte, wenn man sich überlegt, dass es doch angenehmer wäre, wenn die Zeiten besagte Taten nicht von den vermeindlichen Helden fordern würde. Alles kommt zu kurz - da sind die Angelegenheiten am Konvent und zu Hofe noch das unwichtigste, scheinbar ohne jeden Belang, wenn er nur an seine Liebste denkt.
Nein, so kann es nicht weitergehen... in einigen Belangen. So wird es nicht weitergehen!
Der Ausritt in Richtung Rahal, abgehalten in der stillen, verschwindend kleinen Hoffnung irgendetwas über die Arkorither herauszufinden, blieb den durchschlagenden Erfolg schuldig. Recht müde war er, als er wieder zurück gen Varuna ritt, die Gedanken kreisten um viele Dinge, nur nicht um das "Hier und Jetzt". Warum sollten sie auch, er wagte sich nah an die Höhle des Löwen heran, ohne Aufsehen zu erregen, da fühlt man sich in den eigenen Gefilden doch erst recht sicher. So hielt er Jago und Una, die sich am kleinen Teich nahe der Hauptstadt befanden, beim ersten, flüchtigen Blick einfach nur für ein frisch verliebtes Pärchen, welches die laue Sommernacht genießt. Doch der zweite, weitaus zögerlichere Blick verriet mehr...
"Una? Aber wieso... und wer ist eigentlich...?" schoß es durch seinen Kopf. Scheinbar unbemerkt stieg er von seinem treuen Pferd ab und umrundete den See, eine alte Eiche als Ziel, die er als Deckung nutzte, um das ganze Geschehen ungesehen zu beobachten. Grauenvolle, im Nachhinein nur zu verwerfliche Gedanken quälten ihn - würde Una tatsächlich mit einem anderen anbandeln? Una?
So genau wusste er wohl nicht, ob er glücklich oder zutiefst schockiert sein sollte, als er dann bemerkte, dass sie es nicht tat - vielmehr versuchte Jago sich mit Gewalt Una zu Eigen zu machen. Doch die Entscheidung viel schnell, er war zutiefst schockiert... und nicht zuletzt wütend, falls dieses spärliche Wort seinen Gemütszustand überhaupt zu beschreiben in der Lage ist.
Er unterbrach das ganze, störte das Raubtier auf seinem Beutezug, rettete das scheinbar hilftlose Mädchen. "Ich sagte es Euch doch... die Schlachtfelder sind nicht dort, wo Ihr es vermutet." entsprang es in einem überlegenen, süffisanten Ton Jagos Kehle, die Feoras nur zu gerne mit allerlei scharfem Schneidewerkzeug maltretiert hätte. So ganz ist er sich immernoch nicht sicher, ob es nun gut oder schlecht war, dass der Erzmagier sich nach einem kurzen Geplänkel durch einen Sphärenriss zurückzog, aber es steht mit Sicherheit fest: Ungesühnt wird diese abscheuliche Tat nicht bleiben. Irgendwann... ja, irgendwann wird er die Rache spüren, bevor sein Orden aus den Chroniken gestrichen wird, daran bestehen zumindest für Feoras nicht annähernd Zweifel.
Und doch gibt es Wichtigeres als die Rache am Täter, nämlich die Liebe zum Opfer, die aber leider nicht die Ausmaße annehmen kann, wie es nötig und wünschenswert wäre. Es wäre ja auch zu schön, wenn die Arkorither die Füße einmal still halten würden, denn dem Grafen das Leben zu retten ist zwar eine Heldentat, aber wohl eher eine zweifelhafte, wenn man sich überlegt, dass es doch angenehmer wäre, wenn die Zeiten besagte Taten nicht von den vermeindlichen Helden fordern würde. Alles kommt zu kurz - da sind die Angelegenheiten am Konvent und zu Hofe noch das unwichtigste, scheinbar ohne jeden Belang, wenn er nur an seine Liebste denkt.
Nein, so kann es nicht weitergehen... in einigen Belangen. So wird es nicht weitergehen!
-
Una Llastobhar
Längst war die in mattes, ungefärbtes Wollweiß gekleidete Gestalt wie ein letztes, lichtes Aufflackern mit den Schatten verschmolzen. Dunkelheit hatte gleichermaßen von Gemüt und Herz Besitz ergriffen und breitete sich träge in aller Gemütlichkeit aus, während eine diffuse, ungreifbare Last die Schultern schwere machte und beinahe höhnend herabdrückte. Dennoch blieb der helle Blick eines nebelfarbenen, glasig anmutenden Augenpaares starr auf den Punkt, an welchem die Lichtgestalt von der Finsternis geschluckt worden war, gerichtet und schwadenförmige Schlieren durchzogen die glänzende, wie in Trance geweiteten Pupillen.
Losreißen?
Ein Ding der Unmöglichkeit!
Piesackend stocherten Wut, Verwirrung und Enttäuschung wie kleine, personifizierte Teufelchen in ihr mit langen Gabeln herum und erinnerten sie ohn’ Unterlass daran, dass sie wieder einmal auf eine so simple List hereingefallen war und ferner die Schuld an einem verpatzten Triumph und verletztem Stolz trug. Calor hatte nicht auch nur annähernd die Chance gehabt sich voll und ganz dem vernichtenden Schlag zu widmen, da sie es war, welche wie ein unfähiges Kind mit unausgereiften Wirkungen um sich warf und entsetzt zusehen musste, dass es ihm ohne Anstrengungen gelang die Bemühungen ihres Fachgebietes mit lässiger Geste zu negieren. Was half ihr die Kunst der Beschwörung, wenn der Erzfeind sich darüber nur voller Belustigung amüsieren konnte?
Bitter und auch etwas schal war ihr der zunächst so süß gekostete Triumphhauch im Munde zurückgeblieben, als sie begriff, dass ihre Kraft noch nicht langte um ihm, Jago di Trequona, die Stirn zu bieten.
Sicherlich, ihre Worte, in Zorn und plötzlich loderndem Hass gesprochen waren stolz, kühn und rebellisch, doch auch sie waren dem blanken Entsetzten und der Angst gewichen, als er erneut Hand an sie legen konnte und sich der Griff seiner Hand wie eine eiserne Klaue um den Arm schloss. Hilflos wie ein Lumpenpüppchen geschüttelt, aufschreiend… und dabei dennoch den leise gezischten Worten lauschend.
„Ich habe es sehr oft mit Beschwörern zu tun... und mit kleinen, widerstrebenden Mädchen.“
„Fein... Jago... di Trequona... aber _ich_ bin nicht eines eurer kleinen Mädchen!“
„Schade eingentl…“
- dann biss der Hund zu. Ihr einziger kleiner Triumph – ein zerfetzter Hemdsärmel und einige Schrammen. Kaum glorreich, wenn man dann die Waage genauer betrachtete. Welche Erfolge hatte er hingegen verzeichnen können?
Mit einem widerwärtigen Kuss hatte er Calor degradiert, mit einem Hohnlachen ihren Stolz zerschlagen, mit wölfischem Grinsen und geflüsterten Worten erneut… als der Schauder sie nun aus der steifen Paralyse riss, zwang sie sich den Gedanken nicht bis zum Ende zu verfolgen und blickte stumpf an sich herab.
Ein jämmerliches Bild!
Zwar hatte ihr naiv zu spät gewirkter Schutz die bleiche Haut vor dem plötzlichen Inferno verschont, nicht aber die Robe, welche nun nicht einmal mehr die Knie bedeckte und verschmorte Ränder statt güldenen Saum waren zurückgeblieben. Calors plötzlicher Wasserschwall hatte die davor bewahrt plötzlich nackend in Varuna zu stehen und die noch tropfenden, wirr im Gesicht klebenden, schneeweißen Haarsträhnen erinnerten sie auch an jene Schmach. Stumm machte sie auf dem Absatz kehrt und ging in Innere der Villa…
Er weiß wo wir wohnen, wo Calor residiert… er weiß es!
Auch diesen Gedankenfetzen striff sie mühsam ab, als sie gleichermaßen den Robenrest mit einem einfachen, langen Rock aus einer der im Flur stehenden Holztruhen tauschte. Irgendwie war es plötzlich schwer die nächste Türe zu öffnen und Feoras entgegenzueilen, wieder das schwache, naive Kind zu bestätigen.
„Oh... ich kann ihm nicht einmal verübeln, dass er mich für so enorm dümmlich hält. Bisher bin ich ihm in jede Falle wie ein tapsender Welpe freudig hineingerannt...“
Der Blick hatte nun das blanke Spiegelglas im Flur gefunden und mit einer seltsamen Mischung aus Verwunderung und Irritation das gespenstisch bleiche, unwirklich anmutende Wesen darin entdeckt, welches nun ohne die prächtige Robe, nur noch mit dünnem Miederlein und dem Rocke bekleidet tatsächlich schwächlich und zerbrechlich wirkte.
Leichte Beute!
War es das? War sie die schwache Stelle des Konvents? Das schwarze Schaf? Das lächerliche Püpplein?
„..kleine Una…“
Ihre Hände krampften sich zusammen und als der Schmerz auf den Handflächen wie Flammenzungen zu brennen begann hob sie jene verwundert an und starrte auf die vielen, winzigen Brandblasen. Ja, richtig… sie hatte das restliche Feuer von Hand erstickt und sich dabei all die Wunden zugezogen… bei all den hämmernden Gedanken dann vergessen… vergessen… wie albern.
Es waren erneut andere, nicht sichtbare Wunden gewesen, welche tiefer und blutiger geschnitten hatten. Sie heilten nicht… er hat Salz hineingestreut. Erneut nur mit Worten, Blicken, Gesten die ihr Kraft raubten, den Boden unter den Fußen wegzogen und die nackte Angst zurückließen.
„Und noch etwas... wir wären ein schönes Paar geworden, Una Llastobhar...“
Als die Erinnerung an jenen Satz und die gierigen Lauerblicke des Raubtieres sich ein weiteres Mal fast greifbar in ihrer Seele manifestierten war es zu viel – sie gab auf!
Laut klapperte die hölzerne Türe zum Esszimmer, stolpernd gehastete Schritte polterten über die Holztreppe in die gemeinsamen Gemächer und es war wieder das Kind Una, welches Feoras förmlich entgegenflog, am ganzen Körper zitternd und im verzweifelten Versuch die glitzernd herabrinnenden Tränen mit dem Gesicht an seine Brust gepresst versiegen zu lassen.
[img]http://home.arcor.de/llastobhar/Llastobhar/Una/Melouna.jpg[/img]
Losreißen?
Ein Ding der Unmöglichkeit!
Piesackend stocherten Wut, Verwirrung und Enttäuschung wie kleine, personifizierte Teufelchen in ihr mit langen Gabeln herum und erinnerten sie ohn’ Unterlass daran, dass sie wieder einmal auf eine so simple List hereingefallen war und ferner die Schuld an einem verpatzten Triumph und verletztem Stolz trug. Calor hatte nicht auch nur annähernd die Chance gehabt sich voll und ganz dem vernichtenden Schlag zu widmen, da sie es war, welche wie ein unfähiges Kind mit unausgereiften Wirkungen um sich warf und entsetzt zusehen musste, dass es ihm ohne Anstrengungen gelang die Bemühungen ihres Fachgebietes mit lässiger Geste zu negieren. Was half ihr die Kunst der Beschwörung, wenn der Erzfeind sich darüber nur voller Belustigung amüsieren konnte?
Bitter und auch etwas schal war ihr der zunächst so süß gekostete Triumphhauch im Munde zurückgeblieben, als sie begriff, dass ihre Kraft noch nicht langte um ihm, Jago di Trequona, die Stirn zu bieten.
Sicherlich, ihre Worte, in Zorn und plötzlich loderndem Hass gesprochen waren stolz, kühn und rebellisch, doch auch sie waren dem blanken Entsetzten und der Angst gewichen, als er erneut Hand an sie legen konnte und sich der Griff seiner Hand wie eine eiserne Klaue um den Arm schloss. Hilflos wie ein Lumpenpüppchen geschüttelt, aufschreiend… und dabei dennoch den leise gezischten Worten lauschend.
„Ich habe es sehr oft mit Beschwörern zu tun... und mit kleinen, widerstrebenden Mädchen.“
„Fein... Jago... di Trequona... aber _ich_ bin nicht eines eurer kleinen Mädchen!“
„Schade eingentl…“
- dann biss der Hund zu. Ihr einziger kleiner Triumph – ein zerfetzter Hemdsärmel und einige Schrammen. Kaum glorreich, wenn man dann die Waage genauer betrachtete. Welche Erfolge hatte er hingegen verzeichnen können?
Mit einem widerwärtigen Kuss hatte er Calor degradiert, mit einem Hohnlachen ihren Stolz zerschlagen, mit wölfischem Grinsen und geflüsterten Worten erneut… als der Schauder sie nun aus der steifen Paralyse riss, zwang sie sich den Gedanken nicht bis zum Ende zu verfolgen und blickte stumpf an sich herab.
Ein jämmerliches Bild!
Zwar hatte ihr naiv zu spät gewirkter Schutz die bleiche Haut vor dem plötzlichen Inferno verschont, nicht aber die Robe, welche nun nicht einmal mehr die Knie bedeckte und verschmorte Ränder statt güldenen Saum waren zurückgeblieben. Calors plötzlicher Wasserschwall hatte die davor bewahrt plötzlich nackend in Varuna zu stehen und die noch tropfenden, wirr im Gesicht klebenden, schneeweißen Haarsträhnen erinnerten sie auch an jene Schmach. Stumm machte sie auf dem Absatz kehrt und ging in Innere der Villa…
Er weiß wo wir wohnen, wo Calor residiert… er weiß es!
Auch diesen Gedankenfetzen striff sie mühsam ab, als sie gleichermaßen den Robenrest mit einem einfachen, langen Rock aus einer der im Flur stehenden Holztruhen tauschte. Irgendwie war es plötzlich schwer die nächste Türe zu öffnen und Feoras entgegenzueilen, wieder das schwache, naive Kind zu bestätigen.
„Oh... ich kann ihm nicht einmal verübeln, dass er mich für so enorm dümmlich hält. Bisher bin ich ihm in jede Falle wie ein tapsender Welpe freudig hineingerannt...“
Der Blick hatte nun das blanke Spiegelglas im Flur gefunden und mit einer seltsamen Mischung aus Verwunderung und Irritation das gespenstisch bleiche, unwirklich anmutende Wesen darin entdeckt, welches nun ohne die prächtige Robe, nur noch mit dünnem Miederlein und dem Rocke bekleidet tatsächlich schwächlich und zerbrechlich wirkte.
Leichte Beute!
War es das? War sie die schwache Stelle des Konvents? Das schwarze Schaf? Das lächerliche Püpplein?
„..kleine Una…“
Ihre Hände krampften sich zusammen und als der Schmerz auf den Handflächen wie Flammenzungen zu brennen begann hob sie jene verwundert an und starrte auf die vielen, winzigen Brandblasen. Ja, richtig… sie hatte das restliche Feuer von Hand erstickt und sich dabei all die Wunden zugezogen… bei all den hämmernden Gedanken dann vergessen… vergessen… wie albern.
Es waren erneut andere, nicht sichtbare Wunden gewesen, welche tiefer und blutiger geschnitten hatten. Sie heilten nicht… er hat Salz hineingestreut. Erneut nur mit Worten, Blicken, Gesten die ihr Kraft raubten, den Boden unter den Fußen wegzogen und die nackte Angst zurückließen.
„Und noch etwas... wir wären ein schönes Paar geworden, Una Llastobhar...“
Als die Erinnerung an jenen Satz und die gierigen Lauerblicke des Raubtieres sich ein weiteres Mal fast greifbar in ihrer Seele manifestierten war es zu viel – sie gab auf!
Laut klapperte die hölzerne Türe zum Esszimmer, stolpernd gehastete Schritte polterten über die Holztreppe in die gemeinsamen Gemächer und es war wieder das Kind Una, welches Feoras förmlich entgegenflog, am ganzen Körper zitternd und im verzweifelten Versuch die glitzernd herabrinnenden Tränen mit dem Gesicht an seine Brust gepresst versiegen zu lassen.
[img]http://home.arcor.de/llastobhar/Llastobhar/Una/Melouna.jpg[/img]
-
Feoras de Jagotin
Die Frau aus dem Haus, den Studienraum passend ausgeleuchtet, ein dickes und überaus interessantes Buch auf dem Lesepult - kann es einen perfekteren Moment geben, um gestört zu werden?
Nein, natürlich nicht. Das größere Problem bei dieser Sache war allerdings wohl eher, dass die Störung nicht nur ein dahergelaufener Bote war, der irgendeine "unglaublich wichtige" Depesche überbringt, sondern die Frau, deren Abwesenheit dem geneigten Leser in seiner Konzentration nicht gerade abträglich war. Der Schock, dem Feoras beinahe erlag, begründete sich allerdings eher darin, dass Una mit verbrannten Kleidern, von brandblasen überzogenen Händen und nass wie ein begossener Pudel dastand - naja, immerhin wie ein Königspudel.
Es folgten lange Momente der Nähe, der Zärtlichkeit, des Trostes. Er wusste nicht einmal annähernd, wieso Una so vor ihm stand und sich an ihn drückte, wieso sie weinte. Es dauerte einzige Zeit, doch irgendwann konnte sie sich langsam fassen und begann zu berichten ... zu berichten von einem erneuten Zusammentreffen mit Jago di Trequona und von - nein, so weit kam sie nicht.
"Jago di Trequona?" donnerte es nur in einem unnatürlich wirkenden Tonfall aus Feoras heraus. In diesem Moment hätte er einem wütenden Feuermagier wohl alle Ehre gemacht, denn der seltene Fall trat ein, dass die Gefühle in ihm überkochten, so dass ein orkanartiger Windstoß durch das ganze Haus fegte, welcher Fenster und Türen aufschlug, Scheiben gingen zu bruch. Das äußerst intuitive, eigentlich eher in die "unkontrollierten Jugend" passende Wirken verklang ebenso schnell, wie es aufzog, so dass Una weiter berichten konnte. Jago - Gespräch - Calor - Kampf... er bekam nur die groben Umrisse mit, seine Gedanken waren längst wieder zu ganz anderen Dingen beflügelt.
"Feoras? Una? Ist etwas passiert?" klang dann eine wohlbekannte Stimme aus dem Garten hervor. Man muss Cathal wahrlich eines lassen: Er hat scheinbar das unglaubliche Talent, ständig die Nachbarschaft aus dem Schlaf zu brüllen, auch wenn man es bei den vielen zerbrochenen Scheiben zur Abwechslung sogar verstehen könnte.
Er wurde hineingebeten und mit dem Nötigsten von Feoras selbst unterrichtet, während Una sich einige etwas weniger verbrannten Kleider anlegte.
Doch ein gemütlicher Abend zu dritt sollte dies keinesfalls werden, nur wenige Minuten nach der Ankunft Cathals ließ Feoras den Mantel von der Flurgarderobe zu sich schweben, auch der Stab erschein in seiner Hand. Er wollte in den Konvent... er musste in den Konvent. Eigentlich wäre es wohl korrekt gewesen, bei Una zu bleiben und dieser die volle Zuwendung zu schenken, doch dafür war er viel zu aufgewühlt - zumal ja auch Cathal da war. Er musste in den Konvent... Calor war sicher auch da.
"Ich sollte anstatt den Dämonen wohl einmal ein paar Arkorither jagen gehen..." .... dies war wohl der Satz, welcher Una in tiefste Sorgen stürzte. Sie flehte ihn fast an, nicht alleine in einen privaten Feldzug zu ziehen. Und auch wenn Feoras das am liebsten gemacht hätte, tat er es nicht. Die Wut war so stark wie nie in ihm, doch veranlasst dies einen Menschen längst nicht zum faktischen Selbstmord.
"Viele Dinge werden sich ändern!" hatte er irgendwann in dem Gespräch zu Una gesagt, doch dieser Satz sollte ihn an diesem Abend nichtmehr loslassen.
In der Tat, es wird sich einiges ändern, denn so kann und darf es nicht weitergehen.
Nein, natürlich nicht. Das größere Problem bei dieser Sache war allerdings wohl eher, dass die Störung nicht nur ein dahergelaufener Bote war, der irgendeine "unglaublich wichtige" Depesche überbringt, sondern die Frau, deren Abwesenheit dem geneigten Leser in seiner Konzentration nicht gerade abträglich war. Der Schock, dem Feoras beinahe erlag, begründete sich allerdings eher darin, dass Una mit verbrannten Kleidern, von brandblasen überzogenen Händen und nass wie ein begossener Pudel dastand - naja, immerhin wie ein Königspudel.
Es folgten lange Momente der Nähe, der Zärtlichkeit, des Trostes. Er wusste nicht einmal annähernd, wieso Una so vor ihm stand und sich an ihn drückte, wieso sie weinte. Es dauerte einzige Zeit, doch irgendwann konnte sie sich langsam fassen und begann zu berichten ... zu berichten von einem erneuten Zusammentreffen mit Jago di Trequona und von - nein, so weit kam sie nicht.
"Jago di Trequona?" donnerte es nur in einem unnatürlich wirkenden Tonfall aus Feoras heraus. In diesem Moment hätte er einem wütenden Feuermagier wohl alle Ehre gemacht, denn der seltene Fall trat ein, dass die Gefühle in ihm überkochten, so dass ein orkanartiger Windstoß durch das ganze Haus fegte, welcher Fenster und Türen aufschlug, Scheiben gingen zu bruch. Das äußerst intuitive, eigentlich eher in die "unkontrollierten Jugend" passende Wirken verklang ebenso schnell, wie es aufzog, so dass Una weiter berichten konnte. Jago - Gespräch - Calor - Kampf... er bekam nur die groben Umrisse mit, seine Gedanken waren längst wieder zu ganz anderen Dingen beflügelt.
"Feoras? Una? Ist etwas passiert?" klang dann eine wohlbekannte Stimme aus dem Garten hervor. Man muss Cathal wahrlich eines lassen: Er hat scheinbar das unglaubliche Talent, ständig die Nachbarschaft aus dem Schlaf zu brüllen, auch wenn man es bei den vielen zerbrochenen Scheiben zur Abwechslung sogar verstehen könnte.
Er wurde hineingebeten und mit dem Nötigsten von Feoras selbst unterrichtet, während Una sich einige etwas weniger verbrannten Kleider anlegte.
Doch ein gemütlicher Abend zu dritt sollte dies keinesfalls werden, nur wenige Minuten nach der Ankunft Cathals ließ Feoras den Mantel von der Flurgarderobe zu sich schweben, auch der Stab erschein in seiner Hand. Er wollte in den Konvent... er musste in den Konvent. Eigentlich wäre es wohl korrekt gewesen, bei Una zu bleiben und dieser die volle Zuwendung zu schenken, doch dafür war er viel zu aufgewühlt - zumal ja auch Cathal da war. Er musste in den Konvent... Calor war sicher auch da.
"Ich sollte anstatt den Dämonen wohl einmal ein paar Arkorither jagen gehen..." .... dies war wohl der Satz, welcher Una in tiefste Sorgen stürzte. Sie flehte ihn fast an, nicht alleine in einen privaten Feldzug zu ziehen. Und auch wenn Feoras das am liebsten gemacht hätte, tat er es nicht. Die Wut war so stark wie nie in ihm, doch veranlasst dies einen Menschen längst nicht zum faktischen Selbstmord.
"Viele Dinge werden sich ändern!" hatte er irgendwann in dem Gespräch zu Una gesagt, doch dieser Satz sollte ihn an diesem Abend nichtmehr loslassen.
In der Tat, es wird sich einiges ändern, denn so kann und darf es nicht weitergehen.
-
Una Llastobhar
Die leichten Absätze klapperten leise auf dem harten Kopfsteinpflaster und warfen das matte Echo an den düsteren Wänden der kalten Steingebäude zurück – wieder hinein in den dumpfen Nebel, welcher etwas über dem kalten Untergrund lag und aus jeder Ritze der Kanaldeckel aufzusteigen schien. Gnadenlos hielten die dichten Schwadenwolken den Mond gefangen, welcher somit nur diffuses, schwaches Licht durch die Geisterfetzen senden konnte, was wiederum zur Folge hatte, dass dieses Halbdunkel die Augen nur noch mehr verwirrte als es die völlige Finsternis hätte vollbringen können. Schatten wurden zu monströsen Wesen, verschmolzen zu sich bewegenden Trugbildern und zauberten regelrechte Fratzen in die wabernde Umgebung.
Wahrlich, Varuna hatte bei weitem schönere Sommernächte erlebt, doch der Regen mit all seinen Schauern hatte den Nebel gerufen und die erstickende Stille, welche sich in manchen Gegenden der tagsüber so prächtigen Stadt nach Mitternacht wie eine weitere Decke ausbreitete, brachte ihren Anteil zur weniger sakralen als vielmehr alptraumartigen Geisteratmosphäre dar. Dennoch stockten die stetigen, flachen und sehr raschen Schritte nicht als sich der späte Spaziergänger nur unermüdlich gen Westtore zu arbeiten schien. Die Kapuze des graugrünen Umhanges, welcher die kindlich kleine und schmächtige Gestalt nicht nur verhüllte, sondern gleichermaßen alters- wie geschlechtslos erscheinen ließ, war nur bis zur Hälfte ins Gesicht gezogen und warf einen schwarzen Schatten über die Züge. Im Inneren der rabenfarbenen Lichtmaske glommen mit mattem Kältefeuer zwei hellgraue Augen, sich ihren Weg blicklich durch den Wattenebel brennend. Eisige Ruhe und kühne Furchtlosigkeit reckten den Körper stolz in eine gerade, beinahe verwegene Haltung, während die Schritte zwar nicht an Geschwindigkeit einbüßen mussten, jedoch merklich größer wurden. Fast erweckte die kleine Gestalt den Eindruck, als wisse dieses Wesen um eine innewohnende Macht ihrer Selbst, welche dieses unerhörte Maß an Selbstsicherheit und kalter Beherrschung mit sich brachte.
Doch unter der Maske namens Macht brodelte es noch immer!
Aufgewühlt von Worten, Szenen und Ereignissen der letzten Tage hatte Una aus dem Hause Llastobhar, Priora des Zweiges der Beschwörungen und Pendant des hohen Herren Hofmagier Feoras de Jagotin, erneut keinen Schlaf finden können und hatte sich klammheimlich wie ein Dieb davongeschlichen. Sie war ihren Füßen gefolgt, als lenke sie der Schlafwandel und hatte entsetzt im ersten Moment festgestellt, dass sie nicht wusste wohin sie denn überhaupt unterwegs war. Doch alles hatte sich nahtlos bisher ineinander gefügt…
Dunkle Gewänder hatte sie scheinbar aus einer Laune heraus mit schiefem Lächeln bei der jungen Schneiderin Leana fertigen lassen und just diese waren nun ihre wunderbar passende Ausgehkleidung, welche sie trotz des grauenerregenden Gespensterlichtes fast unsichtbar machten. Bald war ihr nur allzu klar, dass sie aus der Stadt heraus wollte und noch einen weiten Marsch vor sich zu haben schien. Die Zeit sich wie ein kleines Mädchen vor dem finsteren Alptraum der Nebelstraßen und deren unzähligen Dunkelfratzen oder dumpfen Geräuschen zu ängstigen hatte sie nicht und im Kopf pochten andere Gedanken mit welchen man sich unweigerlich beschäftigen wollte.
Irgendwo da war zum Beispiel ein Schrei.
Hell aufschrillend vor Schmerz und dennoch mit dumpfem Nachhall.
Flackernde Kerzen, gerüttelt und in ihrem sinnlichen Ruhespiel durch eine Welle des unbändigen Hasses und des lodernden Zornes geschürt. Der folgende orkanartige Wirbelhauch erstickt kurz darauf das panisch flackernde Licht der meisten ohne jegliche Gnade. Dann barsten klirrend die obersten Fenster und das ächzende Quietschen aus dem Untergeschoss verriet, dass auch die Haustüre aus den Angeln gerissen wurde.
Dann jedoch glitzerten die zweifarbigen Augen verräterisch und zum Hass gesellte sich die Verzweiflung eines unsicheren, überwältigten Jungen.
Selbst jetzt duckte sich die Nachtgestalt unter der Erinnerung und etwas zog wie ein Gewicht an dem Inneren ihrer Brust. Mit leisem Keuchen reckte sie nur wenige Lidschläge danach tapfer das Kinn und ballte die Rechte, welche aberwitzigerweise plötzlich heiß zu werden schien. Alles in ihr brüllte förmlich nach einem Ventil, gierte seit Tagen unmenschlich nach einer Lösung, die mehr als nur ein ferner Lichtblick am Ende eines dunklen Tunnels sein konnte. Der Wunsch diesen „Tunnelgang“ mit voller Gewalt und all dem längst gärendem Hass in lautem Getöse zu sprengen war überwältigend und so flog das Tor auch von jenen eher schwächlichen Armen gelenkt geradezu auf.
Die Füße zogen sie in einer fragwürdigen Abkürzung durch den Wald und mit jedem Schritt kamen neue, beunruhigende Szenen in ihrem schäumenden Gemüt ein weiteres Mal bildlich auf.
„Wie viel liegt dir an mir?“
„Muss ich dir diese Frage wirklich beantworten? Ich denke das weißt du doch mehr als genau…“
„Wenn ich nun sterben würde und einen letzten Wunsch frei hätte… würdest du alles versuchen um ihn mir zu erfüllen?“
„Mit Sicherheit! Aber wie kommst du nun darauf?!“
„Darf ich vorausgreifen und den Wunsch auch jetzt äußern?“
… ein stummes, doch versicherndes Nicken…
„Beschütze ihn… mit allem… ich flehe dich an… beschütze ihn!“
„Ich verspreche es dir bei meinem Blute…“
Vergiss dieses Versprechen nie!
Als die Sonne kalt und bleich den Nebelatem in blutigen Schlieren durchzog um so den ersten Anspruch auf die Herrschaft über den Tag zu verkünden, saß sie stumm auf der Pritsche in ihrem ehemaligen Zimmer im Gasthof nahe der Ruinen Tirells und blätterte mit kalten, starren und gefestigten Zügen rasch in einem Buch. Weitere knittrige Pergamente und staubige, alte Folianten türmten sich in greifbarer Nähe auf. Einige der Bücher befanden sich ohne die Erlaubnis des hohen Herren Vaters in ihrem Besitz, denn nicht all das niedergeschriebene Wissen der hauseigenen, mächtigen Bibliothek war licht und rein und dennoch bot es die Möglichkeit auf einen Vorteil. Sie studierte still, las und lernte.
Es war an der Zeit – die waghalsige Verwandlung der Motte hatte begonnen.
[img]http://home.arcor.de/llastobhar/Llastobhar/Una/ColdUna.JPG[/img]
Wahrlich, Varuna hatte bei weitem schönere Sommernächte erlebt, doch der Regen mit all seinen Schauern hatte den Nebel gerufen und die erstickende Stille, welche sich in manchen Gegenden der tagsüber so prächtigen Stadt nach Mitternacht wie eine weitere Decke ausbreitete, brachte ihren Anteil zur weniger sakralen als vielmehr alptraumartigen Geisteratmosphäre dar. Dennoch stockten die stetigen, flachen und sehr raschen Schritte nicht als sich der späte Spaziergänger nur unermüdlich gen Westtore zu arbeiten schien. Die Kapuze des graugrünen Umhanges, welcher die kindlich kleine und schmächtige Gestalt nicht nur verhüllte, sondern gleichermaßen alters- wie geschlechtslos erscheinen ließ, war nur bis zur Hälfte ins Gesicht gezogen und warf einen schwarzen Schatten über die Züge. Im Inneren der rabenfarbenen Lichtmaske glommen mit mattem Kältefeuer zwei hellgraue Augen, sich ihren Weg blicklich durch den Wattenebel brennend. Eisige Ruhe und kühne Furchtlosigkeit reckten den Körper stolz in eine gerade, beinahe verwegene Haltung, während die Schritte zwar nicht an Geschwindigkeit einbüßen mussten, jedoch merklich größer wurden. Fast erweckte die kleine Gestalt den Eindruck, als wisse dieses Wesen um eine innewohnende Macht ihrer Selbst, welche dieses unerhörte Maß an Selbstsicherheit und kalter Beherrschung mit sich brachte.
Doch unter der Maske namens Macht brodelte es noch immer!
Aufgewühlt von Worten, Szenen und Ereignissen der letzten Tage hatte Una aus dem Hause Llastobhar, Priora des Zweiges der Beschwörungen und Pendant des hohen Herren Hofmagier Feoras de Jagotin, erneut keinen Schlaf finden können und hatte sich klammheimlich wie ein Dieb davongeschlichen. Sie war ihren Füßen gefolgt, als lenke sie der Schlafwandel und hatte entsetzt im ersten Moment festgestellt, dass sie nicht wusste wohin sie denn überhaupt unterwegs war. Doch alles hatte sich nahtlos bisher ineinander gefügt…
Dunkle Gewänder hatte sie scheinbar aus einer Laune heraus mit schiefem Lächeln bei der jungen Schneiderin Leana fertigen lassen und just diese waren nun ihre wunderbar passende Ausgehkleidung, welche sie trotz des grauenerregenden Gespensterlichtes fast unsichtbar machten. Bald war ihr nur allzu klar, dass sie aus der Stadt heraus wollte und noch einen weiten Marsch vor sich zu haben schien. Die Zeit sich wie ein kleines Mädchen vor dem finsteren Alptraum der Nebelstraßen und deren unzähligen Dunkelfratzen oder dumpfen Geräuschen zu ängstigen hatte sie nicht und im Kopf pochten andere Gedanken mit welchen man sich unweigerlich beschäftigen wollte.
Irgendwo da war zum Beispiel ein Schrei.
Hell aufschrillend vor Schmerz und dennoch mit dumpfem Nachhall.
Flackernde Kerzen, gerüttelt und in ihrem sinnlichen Ruhespiel durch eine Welle des unbändigen Hasses und des lodernden Zornes geschürt. Der folgende orkanartige Wirbelhauch erstickt kurz darauf das panisch flackernde Licht der meisten ohne jegliche Gnade. Dann barsten klirrend die obersten Fenster und das ächzende Quietschen aus dem Untergeschoss verriet, dass auch die Haustüre aus den Angeln gerissen wurde.
Dann jedoch glitzerten die zweifarbigen Augen verräterisch und zum Hass gesellte sich die Verzweiflung eines unsicheren, überwältigten Jungen.
Selbst jetzt duckte sich die Nachtgestalt unter der Erinnerung und etwas zog wie ein Gewicht an dem Inneren ihrer Brust. Mit leisem Keuchen reckte sie nur wenige Lidschläge danach tapfer das Kinn und ballte die Rechte, welche aberwitzigerweise plötzlich heiß zu werden schien. Alles in ihr brüllte förmlich nach einem Ventil, gierte seit Tagen unmenschlich nach einer Lösung, die mehr als nur ein ferner Lichtblick am Ende eines dunklen Tunnels sein konnte. Der Wunsch diesen „Tunnelgang“ mit voller Gewalt und all dem längst gärendem Hass in lautem Getöse zu sprengen war überwältigend und so flog das Tor auch von jenen eher schwächlichen Armen gelenkt geradezu auf.
Die Füße zogen sie in einer fragwürdigen Abkürzung durch den Wald und mit jedem Schritt kamen neue, beunruhigende Szenen in ihrem schäumenden Gemüt ein weiteres Mal bildlich auf.
„Wie viel liegt dir an mir?“
„Muss ich dir diese Frage wirklich beantworten? Ich denke das weißt du doch mehr als genau…“
„Wenn ich nun sterben würde und einen letzten Wunsch frei hätte… würdest du alles versuchen um ihn mir zu erfüllen?“
„Mit Sicherheit! Aber wie kommst du nun darauf?!“
„Darf ich vorausgreifen und den Wunsch auch jetzt äußern?“
… ein stummes, doch versicherndes Nicken…
„Beschütze ihn… mit allem… ich flehe dich an… beschütze ihn!“
„Ich verspreche es dir bei meinem Blute…“
Vergiss dieses Versprechen nie!
Als die Sonne kalt und bleich den Nebelatem in blutigen Schlieren durchzog um so den ersten Anspruch auf die Herrschaft über den Tag zu verkünden, saß sie stumm auf der Pritsche in ihrem ehemaligen Zimmer im Gasthof nahe der Ruinen Tirells und blätterte mit kalten, starren und gefestigten Zügen rasch in einem Buch. Weitere knittrige Pergamente und staubige, alte Folianten türmten sich in greifbarer Nähe auf. Einige der Bücher befanden sich ohne die Erlaubnis des hohen Herren Vaters in ihrem Besitz, denn nicht all das niedergeschriebene Wissen der hauseigenen, mächtigen Bibliothek war licht und rein und dennoch bot es die Möglichkeit auf einen Vorteil. Sie studierte still, las und lernte.
Es war an der Zeit – die waghalsige Verwandlung der Motte hatte begonnen.
[img]http://home.arcor.de/llastobhar/Llastobhar/Una/ColdUna.JPG[/img]
-
Jago di Trequona
Der Erzmagier stand am Fenster und rieb sich gedankenverloren über den Unterarm, an dem ihn am gestrigen Abend Unas Höllenhund gepackt hatte. Die Schrammen waren bereits von neuer, rosiger Haut überzogen und das leise Geklimper von Fläschchen und Phiolen hinter ihm erinnerte ihn daran, daß die Heilerin wahrlich ganze Arbeit geleistet hatte.
Ja, der gestrige Abend war ein Triumph gewesen, auch wenn diese schöne, schimmernde Medaille bei genauerer Betrachtung ein paar matte Stellen aufwies. Bettlerkleidung - beim Herrn, was für eine Schmach, aber mit dem Gryffenhorster hatte er tatsächlich nicht gerechnet. Eigentlich hatte er nur, mit Perücke und angeklebtem Bart, in ein paar Lumpen gehüllt vor dem verhassten und ihn doch immer wieder faszinierenden Konvent in Varuna gesessen in der stillen Hoffnung, der kleinen Beschwörerin dort zu begegnen und sich an ihren angsterfüllten, nebelgrauen Augen zu erfreuen, wenn er ihr mitten in Varuna seinen Namen ins Ohr raunen würde.
Dummerweise war dann der Gryffenhorster um die Ecke gebogen.
Jago knirschte leise mit den Zähnen, als die Wut wieder in ihm hochstieg. Erst die kleine Llastobhar, die sich viel zu unbeeindruckt gezeigt hatte und ihm mit diesen vermaledeiten Höllenhunden drohte - dann Calor, der ihn sofort erkannt hatte. Ihn, Jago di Trequona, in Bettlerkleidung! Als er sich zu Calor umwandte hatte er die Schmach, in sein helles Ebenbild zu blicken, nicht mehr ertragen können. Lodernd vor Zorn hatte er sich Bart und Perücke herunter gerissen. Wo war nur seine, Jagos, kühle Überlegenheit geblieben, die Calor doch so hervorragend beherrschte?! Er hatte es vor einiger Zeit geschafft, Calor aus der Fassung zu bringen - er gierte danach, daß es ihm wieder gelingen möge.
Die zornverzerrten Züge des Erzmagiers glätteten sich jedoch zusehends. Gelingen möge? Nicht doch, es war ihm gelungen. Der Gryffenhorster hatte wohl nicht damit gerechnet, daß er auch noch andere Taktiken beherrschte, als das bloße, stumpfe, langweilige Duell zwischen zwei Gleichgestellten. Jaja, vielleicht hätte er den nächsten elementarmagischen Schlag seines Gegners nicht zur Gänze aufhalten können, vielleicht hätte er ihm auch ernsthaften Schaden zugefügt - aber warum das ausprobieren, wenn man statt dessen dieses Püppchen mit dem Zauberstäbchen in Brand setzen konnte. Der Gryffenhorster war zu sehr Ehrenmann, als daß er sich nicht sofort um seine kleine Freundin gekümmert hätte. Gesagt getan, der Plan war aufgegangen, Calor hatte seinen letzten Schlag abgebrochen und war sofort zu Una geeilt.
Zumindest wollte er das.
Jago lächelte. Das Lächeln war eiskalt, doch in seinem Inneren entzündete sich erneut die heiße Flamme von Genugtuung und Macht.
Es war zu schön gewesen, Calor am Kinn zu packen und sein Antlitz zu ihm zu drehen.
Es war zu schön gewesen, als sich die rauchgrauen Augen des Siegers in die blaugrauen Augen des Untergebenen gebohrt hatten.
Es war zu schön gewesen, als er - Jago di Trequona - die finale, demütigende Tat ausgeführt hatte.
[URL=http://img178.imageshack.us/my.php?image=jagopostingaq9.jpg][img]http://img178.imageshack.us/img178/9168/jagopostingaq9.th.jpg[/img][/URL]
Ja, der gestrige Abend war ein Triumph gewesen, auch wenn diese schöne, schimmernde Medaille bei genauerer Betrachtung ein paar matte Stellen aufwies. Bettlerkleidung - beim Herrn, was für eine Schmach, aber mit dem Gryffenhorster hatte er tatsächlich nicht gerechnet. Eigentlich hatte er nur, mit Perücke und angeklebtem Bart, in ein paar Lumpen gehüllt vor dem verhassten und ihn doch immer wieder faszinierenden Konvent in Varuna gesessen in der stillen Hoffnung, der kleinen Beschwörerin dort zu begegnen und sich an ihren angsterfüllten, nebelgrauen Augen zu erfreuen, wenn er ihr mitten in Varuna seinen Namen ins Ohr raunen würde.
Dummerweise war dann der Gryffenhorster um die Ecke gebogen.
Jago knirschte leise mit den Zähnen, als die Wut wieder in ihm hochstieg. Erst die kleine Llastobhar, die sich viel zu unbeeindruckt gezeigt hatte und ihm mit diesen vermaledeiten Höllenhunden drohte - dann Calor, der ihn sofort erkannt hatte. Ihn, Jago di Trequona, in Bettlerkleidung! Als er sich zu Calor umwandte hatte er die Schmach, in sein helles Ebenbild zu blicken, nicht mehr ertragen können. Lodernd vor Zorn hatte er sich Bart und Perücke herunter gerissen. Wo war nur seine, Jagos, kühle Überlegenheit geblieben, die Calor doch so hervorragend beherrschte?! Er hatte es vor einiger Zeit geschafft, Calor aus der Fassung zu bringen - er gierte danach, daß es ihm wieder gelingen möge.
Die zornverzerrten Züge des Erzmagiers glätteten sich jedoch zusehends. Gelingen möge? Nicht doch, es war ihm gelungen. Der Gryffenhorster hatte wohl nicht damit gerechnet, daß er auch noch andere Taktiken beherrschte, als das bloße, stumpfe, langweilige Duell zwischen zwei Gleichgestellten. Jaja, vielleicht hätte er den nächsten elementarmagischen Schlag seines Gegners nicht zur Gänze aufhalten können, vielleicht hätte er ihm auch ernsthaften Schaden zugefügt - aber warum das ausprobieren, wenn man statt dessen dieses Püppchen mit dem Zauberstäbchen in Brand setzen konnte. Der Gryffenhorster war zu sehr Ehrenmann, als daß er sich nicht sofort um seine kleine Freundin gekümmert hätte. Gesagt getan, der Plan war aufgegangen, Calor hatte seinen letzten Schlag abgebrochen und war sofort zu Una geeilt.
Zumindest wollte er das.
Jago lächelte. Das Lächeln war eiskalt, doch in seinem Inneren entzündete sich erneut die heiße Flamme von Genugtuung und Macht.
Es war zu schön gewesen, Calor am Kinn zu packen und sein Antlitz zu ihm zu drehen.
Es war zu schön gewesen, als sich die rauchgrauen Augen des Siegers in die blaugrauen Augen des Untergebenen gebohrt hatten.
Es war zu schön gewesen, als er - Jago di Trequona - die finale, demütigende Tat ausgeführt hatte.
[URL=http://img178.imageshack.us/my.php?image=jagopostingaq9.jpg][img]http://img178.imageshack.us/img178/9168/jagopostingaq9.th.jpg[/img][/URL]