Doch jener, welchen dieser Lenz mitbringen sollte, war kaum zu erahnen. Verheißungsvoll war da doch die Vorhersage des vergangenen Winters, als sie sich nur zum Spaß die Karten legen ließ. Sprachen sie doch von einem Verlust. Und trifft sich jener Brief, den sie eines Abends von Cadan überreicht bekam, zur Erfüllung jener Vorhersage ganz gut.
Grade noch im Beisammensein, überfliegen ihre Augen die Zeilen. Laut liest sie jene mit einem Mal vor:
Die Gedanken waren mannigfaltig: War das jene Vorhersage? Oder doch nicht eher ein Gewinn? Die Gefühle gemischt: Geprägt von Trauer, Wehmut vielleicht gar Zorn. Aber auch von Freude. Vielleicht würde Caillean so ja etwas Gutes lernen? Aber will Adrian ihn zum Schneider machen? Oder was hatte es damit auf sich? Wie würde es ihm gehen? Fragen über Fragen ..Des Herren Segen Linejra,
lange ist es her dass ich fortgegangen bin. Und unsere beiden Söhne sind sicherlich schon ordentlich groß geworden. Wie du sicher weißt, lege ich viel Wert auf den Weg des Herrn, und so sehe ich es als meine Pflicht an, soweit ich es vermag, meine Söhne zu fördern wo es geht.
Aus diesem Grund werde ich alsbald den größeren - Caillean - abholen kommen. Auf dass ihm eine angemessene Ausbildung zuteilwird. Er wird dazu in meiner Heimat eine Schule besuchen, die ich freilich bezahlen werde. Deine Aufgabe wird es sein, dich ebenso um den Jüngeren - Gillean - zu kümmern.
Ich werde ihn bald abholen.
Möge der Herr seine Pranke schützend über euch halten
Adrian Wroth
Lange dauerte es nicht, bis jene Stund gekommen war, an der es galt Abschied zu nehmen. Und so ging der Knirps, dem an nichts fehlen sollte, voll bepackt mit Kleidern, seinem Holzschwert, einem großen Sack voll mit Mamas Keksen, und noch ein paar Dingen auf das Schiff, das ihn fortbringen sollte. Winkend stand seine Mutter - Linei - alleine am Ufer. Erst mit den Tränen kämpfend, als Caillean es nicht mehr zu sehen vermochte.
Es war ein Verlust für sie. Es war Schmerz. Und doch auch Vorfreude auf jenen Tag, an dem sie sich wiedersehen würden.