Nicht das Wahre...

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Sarog Pilyan

Nicht das Wahre...

Beitrag von Sarog Pilyan »

...an das sie doch viele Jahre glaubte. Es erschien im Gespräch mit ihr, als hätte sie dies nur allzu gerne abgelegt. Den Glauben, ihre Prinzipien, Versprechen, die sie sich machte. War es seine Schuld, dass er wieder ihre gesetzten Grenzen nahm? Und wenn, dann freute er sich nur umso mehr darüber. Er hatte es geschafft, etwas in einer Person zu erwecken. Lediglich seine Art und die gute Menschenkenntnis halfen ihm dabei. Er hatte eine gewisse Abhängigkeit entwickelt, vielleicht sie letztendlich um seinen Finger gewickelt. Offensichtlich konnte er jedenfalls gut mit ihr umgehen, und dass er es wohl langsam schaffte, sie von Temora abzubringen, das würde ihm eine unglaubliche innere Genugtuung geben. Zärtliche Berührungen, die Finger am schlanken Hals, Lippen an Lippen, eine Umarmung unter Liebenden, all das, das half ihm, half ihm sich zu regenerieren, seine Ruhe zu finden, sich wieder Mensch zu fühlen.

Beim letzten Treffen kam es auch wieder soweit. Anfangs hatte sie ihm misstraut, nur wenige Worte mit ihm getauscht und doch merkte er, dass er eine bestimmte Aura hatte, die ihr sehr gefiehl. Nach kurzer Zeit schon folgte sie seiner Bitte, ihn nach Rahal zu begleiten, eine Stadt, die sie nicht mochte, sie verriet ihren Namen, das sie auch nicht wollte. Nach etwas mehr Zeit, verriet sie ihm alles, was er wissen wolle - auch von ihrer Geschichte und ihrer tiefen Trauer, in der sie steckte. Sie hatte etwas getan, was für sie völlig außer Rahmen lag. Für ihn war es einfach nur alltäglich und er konnte mit Leichtigkeit über ihren "Fehler" hinwegsehen.

Erst mit ihrer plötzlichen Leidenschaft, die er weckte, die Nacht danach, überraschte ihn wirklich, denn auf diese Art kannte er sie wirklich nicht. In keinster weise hätte er sie so stürmisch oder dominant erwartet. Vielleicht gefiehl es ihm sogar. Zumindest gefiehl ihm die folgende Nacht. Er hatte etwas in ihr hervorgerufen. Mit aller Zufriedenheit schmiegte er sich an ihren Leib, ein Lächeln lag ihm auf den Lippen. Das Gästezimmer war für einen ganzen Tag reserviert und den wollte er auch nutzen. Heute sollte der Tag nur für die beiden da sein. Niemand anderen wollte er sehen. Er musste weiter in ihrem Verstand grübeln. Er musste formen und sie weiterhin von Temora abwenden. Mit der rechten Hand wanderte er über ihren Rücken und glitt die nackte, schweissbedeckte Haut entlang. Schließlich schloß er wieder die Augen, mit den Gedanken bei seinem Plan...
Sarog Pilyan

Beitrag von Sarog Pilyan »

Er erwachte am späten Nachmittag. Es war regnerisch und kalt. Sein Kopf schmerzte und die Lippen waren trocken, als hätte er seit einigen Tagen nichts mehr getrunken. Dennoch war er glücklich und entspannt. Er hatte die Nacht ausgekostet, jeden Augenblick dahinschmelzen lassen. Wieder war er einen Schritt weiter gekommen. Heute durfte er auch sicherlich einmal seinen verhassten Temoragläubigen auf der Nase herumtanzen. Noch ahnten niemand von seinem Plan und ihn kannte nichtmal wirklich jemand in Varuna und das sollte auch noch eine lange Zeit so bleiben, genau deswegen trug er auch noch tagtäglich diese dämlichen, blonden Haare, die weite Robe und einen Bart, der recht untypisch für ihn war. Als er sich auf dem Bett erhob, warf er nochmal einen Blick auf sie, wie sie zusammengekauert da lag. Schmunzelnd schob er die Decke über ihren freigelegten Rücken und wickelte sie vorsichtig ein, damit sie nicht aufwachte. Dann saß er wieder an der Bettkante, grub sein Gesicht in die narbigen Hände. Ein leises Einatmen, ein Füllen seiner Lungen mit Luft, das erweckte ihn wieder. Die Lebensgeister erwachten.

Nachdem er sich sein Hemd angezogen hatte, in die Hose geschlüpft war, sich halb in die Robe wickelte, wieder mit dem Wissen, er müsse sich tarnen. Den ganzen Tag über huschte er über den Marktplatz, wich gekonnt den Wachen aus, entglitt ihrem Blick, als wäre er einfach nur völlig unscheinbar und übe diese Rolle auch überzeugend aus. Wie ein Bettler, oder ein armseliger Bürger Varunas. Man könnte ihm nichts ansehen, vor allem nicht das, nach was er strebte, nach den großen Träumen, nach denen er seine bleichen, feingliedrigen Finger ausstreckte. Bis zum Abend hin, hatte er wieder gespeist, sein tägliches Gläschen Wein zu sich genommen und einfach nur Varuna erkundet. Sie war groß die Stadt, doch würde der Augenblick kommen, an dem sich der Orden zeigen musste und dann wurden mit Sicherheit die Schwachstellen Varunas angegriffen. Vielleicht würde ja sogar Sarog selbst einmal bei einem Feldzug dabei sein dürfen. Er hasste diese falsche Auffassung der närrischen Varunesen.

Die nächsten Schritte, die er tat, führten ihn Richtung Kloster. Gerade war dort wildes Geschrei zu vernehmen, Beschimpfungen. Diese Darna, mit der er vor wenigen Tagen noch am Tisch saß, schien wirklich gejagd zu werden. War sie nicht sogar adelig? Er verwarf den Gedanken für die nächsten Augenblicke zuerst. Dann wartete er ab, stand im Schatten eines Baumes und beobachtete einfach nur, wie sich die Menschenmasse verhielt. Als alles vorbei war, legte er ein Paket vor den Toren ab, auf dass es durch eine Wache Rafael erreiche.
Kayleigh Reingond

Beitrag von Kayleigh Reingond »

Eine sehr lange Zeit wandelte die junge Schützin nun bereits auf Gerimor, dennoch, etwas das sie selbst für sich 'Heim' nennen konnte gab es nicht. Aufgenommen in die Allianz des Lichts, die mitbegründet ward von ihrer Base Angelina de Arganta. Schemenhaft tauchten Fetzen der Erinnerung vor ihrem geistigen Auge auf, als Kayleigh allein in der Schenke zu Varuna saß und sich Wein servieren ließ. Ihre Daumen spielten auf dem hölzernen Tisch miteinander, hellgrüne, momentan glanzlose Augen starrten abwesend darauf.. Der Krieg den Varuna gegen Rahal führte, in dem Darion und sie in Gefangenschaft gerieten.. Die Anschläge, die hiernach auf die Allianz verübt wurden, die Hochzeit ihrer Angelina mit Rafael. Nie war Kayleigh eine Frau gewesen, die viel lachte, noch redete sie sonderlich gern. Eher sehr introvertiert würde ein jeder wohl von ihr berichten, selbst ihre Base. Stets war sie dagewesen, so ihre Hilfe gebraucht wurde. Erledigte was man ihr auftrug, bewies, daß man auf sie zählen konnte. Niemand vermochte wirklich viel über sie zu sagen.. Doch nunmehr ein halbes Jahr fast hatte sie sich nicht mehr bei der Allianz blicken lassen. Es gab kein Ziel, das sie geführt hätte.. Stets fanden sich diese Gedanken in ihrem Kopf..

Einst hatte sie der Heiligkeit ihre Taten gebeichtet, den Mord, den sie aus leidenschaftlicher Rache begangen hatte, an dem Mann der ihre Eltern getötet hatte. Ja, sie hatte der Heiligkeit gesagt sie würde bereuen.. Bereuen in Temoras Werk eingegriffen zu haben.. Kayleigh wußte nicht warum sie beichtete. Es half ihr nicht, keineswegs. Sie wuchs im Glauben an Temora auf, doch wohl eher waren es ihre Eltern, die ihr und ihrem kleinen Bruder das Fromme vorlebten. Doch all das erstarb in ihr, als sie ihre Eltern begrub.. In jenem Grab fand auch Temora ihren Platz, die in ihr nie wirklich einen inne gehabt hatte.. Fortan ward sie geleitet, einzig und allein jenen Mann zu finden und ihn zu töten.. Mit eigenen Händen.. Und ja.. Sie fand ihn – sie tötete ihn.. Doch ging es ihr nichtmal mehr um den Menschen.. Es war dieses.. Gefühl.. Nicht unbedingt der Zorn, der sie auf jenem Weg begleitete, der Haß, der sie zu verblenden schien, ihr die Sinne vernebelte. Aber die Vorfreude darauf sein Leben zu beenden, nachdem sie sein Vertrauen gewonnen hatte und im Besonderen jenen Augenblick, als sie das Leben aus seinen Augen weichen sah. Die totale Überraschung.. Perfekt..

Es gab bereits einen Menschen, dem sie davon erzählt hatte.. Yarin. Doch auch ihm konnte sie nicht alles erzählen.. Ja, Kayleigh vertraute sich ihm an, wohl auch weil sie etwas für ihn empfand. Jedoch.. Erst als sie in der Bank zu Bajard jenem Mann begegnete.. In jene dunklen, mysteriös wirkenden und geheimnisvoll funkelnden Augen sah, die sie vom ersten Moment an faszinierten, fasste sie eine abartige Art der Hoffnung.. Vollkommen treiben ließ sie sich.. Vergaß alles um sich herum, Yarin, die Allianz, ihr Haus in Bajard, das der Vermieter wohl nach einiger Zeit sogar räumen ließ, da die junge ADLerin, auf deren Wohnhaftigkeit in seinem Haus er immer stolz war, einfach nicht mehr auftauchte.

Bei ihm schien alles.. anders.. Kayleigh verlor sich.. Er hatte etwas an sich, das sie stets an jenes besitzergreifende Gefühl erinnerte, das sie verspürte, als sie jenem Mörder seine Strafe zuteil werden ließ. Er zog sie unheimlich stark an.. Sehr schnell kam die sonst eher nicht viel Wert auf menschliche Nähe legende Schützin ihm sehr nah.. Berührungen folgten Küsse.. Küsse gipfelten in Leidenschaft.. Sie spürte von Beginn an eine Art Verbindung zu ihm, doch hätte sie nicht in Worte fassen können, um was es sich dabei handelte. Recht schnell erzählte sie nun schon zum zweiten Mal, innerhalb kürzester Zeit, was sie ihr Leben lang als schwere Bürde auf ihren Schultern angesehen hatte. Fast hastig erzählte sie, um zu dem Punkt zu gelangen, der wirklich wichtig war.. Dem Mord, der Leidenschaft, die sie noch bis heute verspürte sobald ihre Gedanken zu jenem Moment zurückgingen. Doch.. Ihm schien sie es nicht sagen zu müssen, nein, er wußte es. Er fragte Kayleigh lediglich was sie empfand.. In jenem Moment der Rache.. Doch war es ihr nicht möglich Worte hierfür zu finden, so spürte sie aber wie jenes Gefühl erneut Besitz von ihr ergriff, sie zittrig einatmen ließ, sich die feinen Härchen ihres Nackens aufstellen als sie ihn aus verschleiert wirkendem Blick ansah, erwiederte: „Ich kann Dir nicht beschreiben wie es sich anfühlte, Sarog.. Aber…“ Ihre schmalen Finger griffen an den Kragen seiner Robe, vergruben sich in jenen und so zog sie ihn zu sich, legte in ihren leidenschaftlichen Kuß all das was sie in sich trug..

Eine jegliche Sinne raubende Nacht folgte.. Außerdem ein erholsamer, tiefer und wohliger Schlaf, wie man ihn nur in Erleichterung schlafen kann… Wie man ihn nur schlafen kann, wenn man den Mann neben sich hat, der einen gänzlich kennt.. _Richtig_ kennt. Nicht, welche Farben man mag, oder was einem am besten schmeckt.. Nein.. Dem man sich öffnen kann.. Dem man sich ohne Zweifel anvertrauen kann.. Der zu spüren scheint wie man ist..

Das Bein angewinkelt und über ihn gelegt, den Kopf auf seiner Schulter gebettet schlief sie wohlig ein, während sie seinen Arm um sich gelegt spürte und ihre schmalen feingliedrigen Finger auf seinem Oberkörper bettete..
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