In der Frühe...

Angelina de Arganta

In der Frühe...

Beitrag von Angelina de Arganta »

Zärtlich strich sie Rafe das Haar aus der Stirn und sah ihn mit einem Lächeln auf den Lippen an. Dann beugte sie sich vorsichtig vor und küsste ihn nur ganz sanft auf den Mund. Er brummte leise und drehte sich um.
Angelina seufzte. Sie empfand so viel Zärtlichkeit für ihn, aber sie wollte ihn jetzt nicht wecken. Er brauchte seinen Schlaf und sie wollte den frühen Morgen nutzen, um nach Kräutern und Pilzen im Wald zu suchen. Wenn sie heim kommen würde, bliebe ja noch Zeit, noch einmal zu ihm zu kriechen und ihn dann auch zu wecken.
Vorsichtig schob sie sich unter der Decke hervor und verließ das warme Bett.

Mit einem Messer in der Hand und einem Korb über dem Arm verließ Angelina den Garten.
Als sie den nahen Wald betrat, atmete sie die würzige Waldluft tief ein. Gern wäre sie bei ihrem Gemahl geblieben, doch sie liebte es auch, allein durch den Wald zu streifen.
Gerade erst kündigte sich der neue Tag an. Die Vögel waren schon erwacht und schmetterten ihr Begrüßungskonzert. Feine Tautropfen benetzten das Gras und den weichen Waldboden.
Angelina suchte den Boden mit den Augen ab und schritt zügig voran.

Sie hatte schon einige Ginseng und Pilze in ihrem Korb gesammelt und bückte sich gerade erneut, um eine Knoblauchzehe vorsichtig aus dem Boden zu ziehen.
Ohne Vorwarnung traf sie ein gewaltiger Schlag von hinten. Messer schienen sich in ihre Schultern zu versenken und sie wurde nach vorn geschleudert. Als ihr Kopf mit einem Knirschen gegen einen großen Stein schmetterte, hörte sie nur noch dieses alles übertönende Geräusch… dann wurde es still und dunkel um sie herum.
Der Panther, der sie angesprungen hatte, fauchte triumphierend, schnüffelte an seiner Beute und umrundete sie dann mit geschmeidigen Bewegungen.
Scheinbar gelangweilt hob die große Katze ihre Nase in den sachten Morgenwind…

In der Stille tauchten immer wieder Bilder auf.
Mutter.. mit ihren liebevollen und wissenden Augen.
Kelan, der ihr seine Hände erwartungsvoll entgegenstreckte… die sie aber nicht fassen konnte. Viel zu schnell war er wieder fort.
Tari mit seinem fröhlichen Lachen. Er winkte ihr übermütig und warf ihr eine Kusshand zu…
Angelina spürte die Gewissheit, dass er einmal ein starker Mann sein wüde, wie sein Vater…
Und dann sah sie Rafael mit seinen schönen, silbernen Augen und seinem jugendlichen Grinsen, das sie so sehr an ihm liebte. Er blinzelte ihr zu und sagte etwas. Sie verstand seine Worte nicht, doch sie sah ihm an, dass er ihr etwas Liebevolles zurief …
Wie gern hätte sie bei ihm verweilt… ihm ihre Liebe versichert…
Doch über ihre Lippen drang kein Wort …
Die Bilder schwanden … Gedanken hörten auf gedacht zu werden.

Stille.
Rafael de Arganta

Beitrag von Rafael de Arganta »

Als er am frühen Morgen erwachte war Angelina schon weg.
Minutenlang blickte er an die Decke, sich darüber ärgernd das ihre Arbeit sie so einnahm.
Warum hatte sie ihn denn nicht geweckt?
Noch immer müde stand er auf, wusch sich, zog sich an und ging hinab, nur um stirnrunzelnd fest zu stellen das Angelina ihre Heilertasche nicht mitgenommen hatte.
Etwas mulmig war ihm schon, dennoch dachte er sich nicht viel dabei.
Es kam öfter vor das sie aus dem Haus war.
Kurz trank er einen Schluck Milch, dann legte er ihr eine kleine Notiz hin, das er im Schloss wäre, bevor er dann ging.

Es waren einige Schriftstücke durch zu arbeiten, und erst spät in der Nacht kam er nach Hause zurück.
Etwas verwundert war er schon als er es im dunkeln liegen sah und die Notiz die er geschrieben hatte noch genauso da lag.
War sie wieder zu ihrer Mutter gegangen? Aber nein, ihr Pferd war noch da, also konnte sie eigentlich nicht so weit fort sein.
Er zog sich den Mantel noch einmal über und trat hinaus.
Eine Fackel anzündend, ging er zur Feste der Allianz, doch dort hatte sie auch niemand gesehen. Bei Tim war die Suche ebenso erfolglos wie bei den Kutschstationen.
So musste er ohne Hinweise wieder nach Heim gehen.
Er hätte auch nicht gewusst wo er noch suchen sollte.
Er kannte die Patienten seiner Frau kaum.

Er räumte noch das Geschirr fort, auf jedes noch so kleine Geräusch hörend, dann setzte er sich vor den Kamin und wartete.
Wartete vergebens.
Als der Morgen graute, wurde aus dem mulmigem Gefühl Angst.
Tiefe alles zerfressende Angst.
Erneut begab er sich hinaus.
Sattelte sein Pferd um die Gegend ab zu suchen.
Vergebens.
Wo er nur konnte fragte er nach ihr, doch als ihm niemand Antworten konnte, ritt er zu Angelinas Mutter.
Er wollte die alte Frau und seinen Sohn nicht ängstigen, dennoch ließ es sich nicht vermeiden.
Aber auch hier war sie lange nicht gewesen.
Er fluchte leise in sich hinein, und hatte Mühe seine Schwiegermutter und seinen Sohn dazu zu bringen an Ort und Stelle zu bleiben.
Man wollte sich verständigen wenn man was hörte.
„Angelina, wo bist du nur?“ sprach er leise verbittert, und schier meinte er das Herz würde zerreißen vor Sorge.

Nach drei Tagen wusste er schon nicht mehr wo er suchen sollte.
Er aß nicht. Trank kaum etwas, und fühlte sich leer wie schon lange nicht mehr.
„Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Versuchte er sich immer wieder Mut zu machen, doch brachte es nicht sehr viel.
Fast meinte er jeden Stein umgedreht zu haben und selbst, in Rahal war sie nicht.
Er hatte einiges riskiert um seinen Freund sprechen zu können, der sich in Rahal eingeschlichen hatte, und nur um dann endgültig zu wissen das die Erde sie verschluckt zu haben schien.

Sie war nun eine Woche fort.
Rafael hatte keine Tränen mehr.
Keine Tränen und keine Hoffnung.
Angelina hätte ihn niemals ohne Nachricht gelassen wenn ihr nichts geschehen wäre, und einfach so gehen, ohne ein Wort? Das war nicht ihre Art. Schon gar nicht Tari alleine zu lassen.
Es musste ihr was geschehen sein, und der junge Ritter hatte das Gefühl es Zerreiße ihn.
Sie war irgendwo, hatte seine Hilfe gebraucht und er war nicht da gewesen. Er hatte ihr nicht zur Seite stehen können. Doch wo war sie?
Er konnte sich nicht vorstellen das sie einfach weg war. Fort... alles von ihr.
Der Gedanke sie nie wieder zu sehen brachte ihn fast um, und erneut suchte er den Weg an den Strand beim Meer.

Wie verlockend war es.
Einfach hineinsteigen in das Wasser, bis es über ihm zusammenschlug.
Alles vergessen, keinen Schmerz mehr spüren.
Der Gedanke ließ ihn nicht mehr los bis er ein Pferd nahen hörte.
Fast erstaunt bemerkte er das Eileen vor ihm anhielt abstieg und zu ihm kam.
Sie schien sich Sorgen gemacht zu haben, und setzte sich zu ihm.

Lange redete sie mit ihm. Überzeugte ihn davon das er Freunde hatte. Freunde die für ihn da waren, dazu seine Verantwortung Tari gegenüber. Der Junge brauchte ihn jetzt mehr denn je.
Er konnte nicht so einfach gehen.
Als Rafael lange schwieg sprach Eileen noch einmal auf ihn ein, und Rafael erklärte sich einverstanden zurück zum Schloss zu gehen, nur sollte sie vorreiten.
Er wartete noch bis sie sich entfernt hatte, dann ließ er den Kopf auf die Knie sinken und weinte.
Thelor von Reensdorf

Beitrag von Thelor von Reensdorf »

In sich gekehrt saß Thelor auf einer Bank in Varuna.
Arton erzählte ihm einiges was so halb an seine Ohren drang!
Von dem Lauten der Hufe auf der Steinstraße aufgeschreckt blickte Thelor schließlich auf und musterte den gegen die Sonne stehend Reiter.
Es war Rafael, seine Augen waren Rot umrandet wie nach Zeiten vieler tränen, sein Pferd war Staubig und hatte lange keine rast und keinen Stall mehr gesehen.
>> Temoras Allgegenwärtiger Segen Sire<< sagte Thelor ruhig ihn sich aber genau betrachtend.
Stumm nickte er und ließ sich erst auf ein Gespräch mit Arton ein, während jenem deutlich wurde, dass etwas Passiert sei!
Die Trauer in Rafaels Augen mischte sich nun mit Zorn in seinem herzen und zusammen verließen sie seinen Mund, während er teils sehr Laut mit Arton einige Worte wechselte.
Schließlich wandte sich Sire Argata an Thelor .
>> Gehe und suche die anderen Mitglieder der Allianz.
Angelina ist entschwunden und sie ward seit 2 Wochen nicht mehr gesehen.
Großer Kummer und Angst um sie liegt auf meinem herzen, gehe und informiere die anderen auf das sie mir bei meiner suche helfen mögen.<< Dies sprach Rafael ruhig , ganz anders wie er eben noch mit Arton sprach.
>> Ja ich will gehen und tun was in meiner Macht steht, doch verzweifelt nicht und gebt eure hoffnung nicht auf.<<
Somit trennten sie sich und Thelor befolgte die Anweisungen Rafaels .
Dalana D´Ron

Beitrag von Dalana D´Ron »

Wie viel Kummer und Schmerzen kann ein Mensche eigentlich ertragen? Diese Frage schwirrte Dalana im Kopf herum, dabei schaute sie Raf neben sich an. Er, der fuer alle immer der starke, kuehne und tapfere Ritter ist, saß neben ihr und ließ seine Gedanken und Gefuehle freien lauf. Es war ein Privileg das Dalana hatte, Rafael so zu sehen wie er wirklich war. Gerade hatte sie selbst erfahren das Angelina nun schon seit Wochen verschwunden war und niemand wusste um ihren Verbleib. Es gab keine Hinweise oder Anhaltspunkte wo sich die Heilerin befand.

„Was sagt dir dein Herz Raf? Es gibt nichts staerkeres was Menschen verbindet als die Liebe.“ Forschend schaute sie ihren geliebten Freund in seine, vor Kummer und Leid, gequaelten Augen. „ Es spuert nichts mehr.“ War die kurze Antwort von Raf. Dal holte tief Luft.“ Dann musst du dich wohl auf das schlimmste gefasst machen.“ Sicherlich waren diese Worte hart und nicht gerade Trost spendend, aber warum sollte sie ihn irgendwelche Hoffnungen machen wenn sogar sie selbst nicht daran glaubte das man Lina so schnell fand.

Es war immer schwer einen geliebten Menschen zu verlieren und sie wusste selbst zu gut wie es sich anfuehlt. Damals als sie ihr Kind verlor erschien ihr die Welt trostlos, ohne Farbe, ohne Sinn. Man fuehlte sich als waere man da und war es irgendwie doch nicht und diese ewige Frage, wie es nun weiter gehen soll, machten es nur noch schlimmer.

Dalana wusste jedoch eines, dass Rafel solange nicht ruhen wird bis er weiss was mit Angelina geschehen war, jedoch solange wuerde an ihn die Ungewissheit nagen und ihn, wuerde er nicht aufpassen, zerstoeren. Die aeltere Frau schloss fuer einen kurzen Moment der Erinnerungen die Augen. Als sie von Angelina das erste Mal hoerte, versetzte es ihr einen Stich und als Rafael und Lina heirateten baute sich in ihr allmaehlich die Eifersucht auf. Oh ja sie war Eifersuechtig auf die um Jahre juengere Angelina. Dal hatte Angst, dass Rafael sie nun vergessen wuerde, da er eine Familie hatte und sie hatte Angst ,dass alles nicht mehr so sein wuerde wie es frueher war. Ein Teil ihrer Angst hatte sich bestaetigt, jedoch musste sie es hinnehmen. Noch nie hatte sie darueber mit Rafael gesprochen und sie wusste auch nicht ob sie es jemals tun wuerde.

Wieder fand sich ihr Blick an Rafael haengend wieder. Mit auf die Suche gehen konnte sie nicht, ihre Behinderung war nicht gerade dafuer geeignet. Das einzige was ihr blieb war Rafael spueren zu lassen das jemand fuer ihn da war und ihm eine helfende Hand reichte. Ja, sie wuerde fuer ihn da sein, so wie sie es immer war. Eine gute, alte, helfende Freundin.
Rafael de Arganta

Beitrag von Rafael de Arganta »

Leer und ausgelaugt fühlte er sich. Innerlich zerrissen und an dem letzten Fünkchen Hoffnung festhaltend.
Er wäre Falk fast an die Kehle gegangen als er die Vermutung aussprach das sie entweder Tod, oder wie Viola damals vielleicht von den Mädchenhändlern verschleppt war.
Jetzt irgendwem als Lustsklavin dienen würde ....
Die Flasche die Rafael in der Hand hatte landete an der Wand, wo sie zersplitterte und er blickte stumpf dem Rinnsaal nach der die Wand herablief.
„Angelina, wo bist du nur?“ Wisperte er den Kloss der in seiner Kehle herablief fort schluckend.
Aus dem einst so lebensfrohem Ritter war ein Mann geworden der keine Freude mehr zu spüren schien.
Freunde....
Sie waren es die ihn jetzt aufrecht hielten. Wäre Eileen nicht gekommen als er am Strand gesessen hatte wer weiß schon was er getan hätte.
Freunde die bei ihm waren, Freunde die mit halfen zu suchen. Seine, Ihre Freunde.
Falk würde nichts unversucht lassen dessen war er sich sicher.

Es war das einzigste was ihn im Moment aufrecht hielt.
Seine Freunde ... Adrian, Eileen, Dalana, Falk... Seine Leute
Die er in der letzten Zeit nicht gerade Sanft angefasst hatte und seine Aufgabe.
Seine Aufgabe als Reichsritter und das Gespräch mit dem Baron hatte ihn ihm eine neue Aufgabe, eine neue Idee geweckt.
Geboren durch das Gespräch.... Geboren aus seiner Hoffnungslosigkeit und innere Wut die er spürte.
Wut darüber das er nicht bei Angelina gewesen war als sie ihn gebraucht hatte.
„ich bin bei dir ... wenigstens in Gedanken bin ich bei dir.“ Wisperte er trostlos darüber zu wissen das sie es nicht hören konnte.

Schlaf ... fand er kaum noch.
Dafür arbeitete er. Arbeitete wie ein Berserker.
An sich an der Allianz ... einen neuen Trainingsplatz errichtend, an der Idee eines neuen Schutzes für das Reich.
An seinem Glauben zu Temora den er im Moment mied.
Er fühlte sich von ihr verlassen. Nicht nur das er nicht mehr ihr Paladin war, nun hatte er auch noch das was er liebte verloren.
Dennoch war er gestern fast auf den Mann losgegangen der ihren Namen beleidigte, hatte die Tugenden mit Worten verteidigt, wo er doch so viel Lieber sein Schwert gezogen hätte, einfach um seiner Verzweifelung Luft zu machen.
Einfach auf etwas eindreschen ....
Aber was hätte es gebracht.

Obwohl es mitten in der Nacht wahr verließ er das Haus.
Er ertrug die Einsamkeit, die Kälte nicht die es ausstrahlte ohne sie.
Er würde ins Schloss gehen, vielleicht war noch irgendjemand wach... und wenn nicht....
Auch im Schloss lagerte guter Wein.








[/b]
Hudgarr Stolzenfels
Beiträge: 6
Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Beitrag von Hudgarr Stolzenfels »

Um die Mittagszeit entschied sich Hudgarr, Hasen für Mhyri, jagen zu gehen. Damit sie weiter kochen konnte, was sie leidenschaftlich gern tat. In der nähe des Anwesens von Rafael, mitten im Wald erspähte er einen Hase, welcher aber als er näher kam in einem Busch zuflucht suchte. Als er näher an den Busch trat erschrack Hudgarr jedoch, denn ein zerrissener Umhang getränkt mit getrockneten Blut, lag in der nähe des Busches auf dem waldigen Boden. Auch in der nähe des Busches fand er Blut und ihm würde langsam, um so mehr Blut er sah, klar, dass keiner einen solchen Blutverlust überlebt haben konnte. Den Umhang aufhebend kam ein Korb zum vorschein gefüllt mit schon getrockneten Pilzen und Kräutern, die bereits begannen zu zerfallen. Dies alles zusammenpackent lief er zurück in die Stadt. Hudgarr wollte so schnell wie möglich zum Kastell kommen, um den Hauptmann zu informieren. Jedoch kam er nicht so weit, auf dem Weg zum Kastell traf er auf Rafael, immernoch aufgebracht und voller sorge, zeigte er jenem den Umhang und den Korb.
Rafael de Arganta

Beitrag von Rafael de Arganta »

Der Boden schwankte ... es war ihm als käme er näher und ganz sicher wäre er gefallen hätte ihn nicht ihrgendwer gehalten.
Wer...
das war ihm ganz egal.
Der Umhang ... ja!
Er kannte ihn nur zu gut. Er hatte ihn einst für Angelina gekauft. Sie hatte ihn oft getragen wenn sie hinaus ging.
Jetzt war er zefetzt, blutüberströmt.

"Wir denken... ein Raubtier." hörte er eine Stimme wie durch Watte an sein Ohr dringen und er versuchte sich zu straffen, stramm zu stehen, seine Sinne wieder zu ordnen.

"Und.... Angelina?" fragte er nach, mit einer Stimme die nicht ihm zu gehören schien.
"Nichts." antwortete Hudgar. "Ein paar Schleifspuren weiter ins Dickicht, dann nichts mehr." erklärte er peinlich berührt.
Rafael war speiübel, sein Herz raste und in seinem Kopf hörte er sich immer wieder NEIN brüllen. Doch kein Laut kam über seine Lippen.
War das die Strafe dafür das er sich von Temora abgewandt hatte?
Nein. Gab er sich selber die Antwort.
Temora hätte das nicht zugelassen.
"Bringt mich hin!" befahl er mit einer schon fast zu selbstsicheren Stimme und hatte doch Mühe seine Fassung zu halten.
Unwirsch fast, schob er die Hände beiseite die ihn hielten und allen Widersprüchen zum Trotz bestand er auf sein Vorhaben.

Hudgar führte ihn in den Wald, unweit seines Hauses.
Tief im Gebüsch... Angelina musste Ginseng gesucht haben, fanden sich noch mehr Blutspuren.
"Soviel Blut zu verlieren, das konnte kein Mensch überleben." Hörte er ein wispern, das woher auch immer kam.
Er sank in die Knie, nun nicht mehr aufrecht stehen könnend.
Er war nicht bei ihr gewesen als sie ihn gebraucht hatte.
Ein Schluchzen entrang sich seiner Kehle, als er sich dem Verlust
bewusst wurde.
Sie würde nicht wiederkommen.
Er hatte ihr nicht helfen können als sie ihn brauchte.
Sie, die immer für jeden Menschen da war, half wo sie es nur gekonnt hatte, war in der Stunde ihrer Not alleine gewesen.

"Lasst mich alleine!" befahl er keine Disskussion zulassend.
Und er wartet bis alle gegangen waren bevor er seinen Tränen endgültig freien lauf ließ und haltlos um die Frau die er so sehr geliebt hatte zu weinen.
Angelina de Arganta

Beitrag von Angelina de Arganta »

Sie hörte Stimmen.
Leise, melodische Worte, die sie nicht verstand… es kam ihr vor, wie ein Gesang.
War sie bei Temora?
Es war dunkel.
Sie kämpfte, wollte die Augen öffnen, doch schien ihr Körper ihr nicht zu gehorchen. Sie lauschte weiter dem leisen Gesang und glaubte, ein altes Kinderlied zu hören.
Ihr Körper schmerzte, vor allem die Schultern und in ihrem Kopf schien ein dumpfes Summen zu herrschen. Nein… es war nicht der Gesang… es war…
Die wohlklingenden Laute lullten sie regelrecht ein.
Langsam entspannte sie sich wieder und versank erneut in der wohltuenden Dunkelheit, die sie nicht verlassen konnte…
Auch nicht wollte?

Angelina lag in einem sauberen Bett ganz flach auf dem Rücken, den Kopf im Nacken abgestützt und den Oberkörper auf einem Schafsfell weich gelagert. Ihr Kopf und ihre Schultern waren bandagiert.
Seit zwei Wochen war sie nun ohne Bewusstsein, doch ihre Reflexe funktionierten und so konnte sie zumindest flüssig ernährt werden.
Davon bekam sie jedoch nichts mit.
Ihre Bewusstlosigkeit war tief und nur selten tauchte sie daraus bis kurz vor dem Erwachen auf. Dann wurde sie unruhig. Ihre feingliedrigen Hände glitten in solchen Momenten suchend über das weiße Laken und über die Decke, unter ihren geschlossenen Lidern konnte man dann ihre raschen Augenbewegungen erkennen.

Sanft streichelte Jasmin Hill die Hand ihrer Tochter und fuhr fort, die alten Kinderlieder mit ihrer melodischen Stimme leise zu singen. Schon als Lina noch klein war, hatte sie ihr vorgesungen um sie zu beruhigen…


.
Antares von Falkenburg

Beitrag von Antares von Falkenburg »

Mutter Jasmin sprach leise, aber eindringlich mit ihrem Enkel.
Sie wollte unbedingt, dass Tari nun endlich in die Stadt lief, um seinem Stiefvater zu berichten, dass Angelina gefunden worden und inzwischen bei ihnen war.
Antares blieb bei seiner Weigerung. Er wollte bei seiner Mutter bleiben wie in den vergangenen Tagen.
„Aber wer hilft Dir, wenn ich fort bin?“
„Zwei Tage komme ich schon ohne Dich zurecht, Tari. Rafael sorgt sich doch. Vielleicht glaubt er, Deine Mutter sei gestorben. Du musst ihm sagen, was geschehen ist… ich hatte es ihm doch versprochen… wenn wir etwas erfahren, dass wir ihn dann benachrichtigen.“
Tari stöhnte seinen Unmut heraus.
„Und wenn sie stirbt… und ich bin nicht bei ihr?“ fragte er unwirsch, seine Angst hinter dem barschen Ton verbergend.
„ Ich glaube nicht, dass sie stirbt, mein Junge. Ich glaube, sie wird bald die Augen aufschlagen… sie hat kein Fieber bekommen und immer häufiger wird sie unruhig. Das ist ein Zeichen dafür, dass sie sicher bald aufwacht. Bitte Tari.. Du musst gehen! Ich kann doch nicht selbst gehen und Deine Mutter mit Dir hier allein lassen.“
Antares fuhr sich mit den Händen durch seinen rotblonden Haarschopf und stöhnte auf.
Leise öffnete er die Tür zum Schlafraum, in dem seine Mutter bleich und still auf dem Bett lag. Er trat zu ihr und nahm ihre schlaffe Hand in die Seine, drückte einen sanften Kuss auf ihren Handrücken und flüsterte: „ Mama… ich beeile mich. Bitte.. geh nicht weg. Aber Großmutter hat Recht.. Rafael muss wissen, dass Du hier bist. Ich hab Dich lieb, Mama.“
Er presste seine Wange in die Hand seiner Mutter, legte dann diese wieder auf das Laken an die Seite Angelina’s und wischte sich verstohlen über die Augen.
Bloß nicht weinen.. Oma machte sich auch so schon genug Sorgen! Außerdem wollte er einmal Ritter werden.. und Ritter waren tapfer..

Antares fand Rafael im Schloss, wie er es erwartet hatte. Froh darüber, dass er von einer der Wachen erkannt wurde und deshalb Zutritt gewährt bekam, war er durch das riesige Gebäude gelaufen, um schon nach kurzer Zeit auf seinen Vater zu treffen.

Völlig aufgelöst berichtete er Rafael, dass ein Holzfäller Angelina wie leblos im Wald gefunden hatte und sie auf seinem Pferd zu sich nach hause brachte. Doch weil sie auch nach drei Tagen immer noch nicht aufgewacht war, hatte er sie dann zur Großmutter getragen…
„Er hat gesagt… ‚nicht alle Tage findet man solch eine Frau im Wald… ich wollte sie pflegen und dachte, vielleicht bleibt sie dann bei mir. Aber nun hab ich Angst, dass sie womöglich stirbt.’ Oma konnte es gar nicht fassen, dass es Mama war, die er ins Haus trug…“
Rafael war aufgesprungen und starrte seinen Sohn an.
„Sie lebt?“ brach es aus ihm wie ein Schrei heraus.
Tari konnte nur zurückstarren und nicken.
Den Jungen am Handgelenk gepackt haltend und hinter sich herziehend stürmte der Ritter mit langen Schritten aus dem Grafenschloss.
„Wir reiten hin!“ war seine einzige Erklärung an Tari, der sich beeilte, Schritt zu halten.
Rafael de Arganta

Beitrag von Rafael de Arganta »

Der Ritt dauerte lange und Tari schlief vor ihm auf dem Pferd fast ein. Gehalten nur durch die Arme Rafaels.
Tausende Gedanken schossen ihm durch den Kopf.
Angelina lebte.
Natürlich freute er sich.... Freute sich darüber seine Frau bald wieder gesund zu sehen, und dennoch nagte das schlechte Gewissen in ihm.
Über Wochen hatte er um sie getrauert, kaum gegessen, kaum geschlafen... sich sogar fast versucht das leben zu nehmen, und erst seit einigen Tagen hatte er sich gefasst..

Gefasst weil er Freunde hatte, gefasst weil es eine Frau gab die ihm Halt gab.
Erneut wie schon vor Monaten. Aber wie hatte er Angelina das antun können? Wie könnte er es nun Felicitas antun erneut sich von ihr ab zu wenden? Er schüttelte den Kopf und sah kurz beschwichtigend auf Tari als dieser schlaftrunken zu ihm aufsah.
Er konnte, nein wollte sie nicht missen... genauso wenig wie Angelina, dennoch....
Er fühlte sich hin und her gerissen. Zerrissen... er liebte Angelina, doch ihrer beider Arbeit nahm so viel Zeit in Anspruch das sie sich kaum sahen... geschweige denn wirklich Zeit für einander hatten.

Felicitas?
Gestern als er bei ihr im Theater war.. konnte er die gegenseitige Anziehung nicht verleugnen. Es war als knisterte es zwischen ihnen und den Kuss den er ihr gab, war mehr als unzüchtig gewesen und dennoch hatte er ihn sich nicht verkneifen können, und schon gar nicht vermochte er sich einzureden, das sie ihn kalt ließ.
Er dachte an sie ... dachte an Angelina und verkniffen die Lippen zusammen beißend, trieb er Argos weiter an.
Er wollte das es Angelina gut ginge, wollte sie nicht verletzen... genauso wenig wie Felicitas... wie er es schon einmal getan hatte.
Er fluchte lautstark das erste Wort aus sich rauslassend dann den Rest nur denkend um Tari nicht zu wecken.

Zum ersten Mal in seinem Leben wusste er nicht was er tun sollte.
Er war mit Angelina verheiratet, das sollte ihm eigentlich Antwort genug geben.
Eigentlich ...
Gab es ihm aber im Moment nicht! Zu verwirrt war er.
Statt froh zu sein das sie lebte, das alle Kummer, Verzweifelung umsonst gewesen war.
Sie Lebte ... sie lebte ... sagte er sich immer wieder, und zuckte zusammen als Tari vor ihm einen Schrei ausstieß
„OMAAAAAAAAAAAAAAA MAMAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA“
Rief er als die Hütte in Sichtweite kam und war schon vom Pferd gesprungen noch bevor Rafael selber absteigen und ihm helfen konnte.

Angelinas Mutter trat hinaus zu ihm, mit einem Lächeln auf den Lippen und er konnte sich dem flauen Gefühl nicht entziehen, das sich in ihm ausbreitete.
„Wie geht es ihr?“ fragte er sofort, und die alte Heilerin nickte einfach. „Sie schläft. Sie braucht noch viel schlaf. Aber ich bin sicher das sie bald aufwachen wird.“
Er nickt verbissen, trat an ihr vorbei ins Haus, wo Tari schon am Bett von Angelina saß und munter drauflos brabbelte.
Rafael trat heran, setzte sich neben sie, die Hand auf die Schulter Taris legend.
„Lass sie doch schlafen, Tari. Bitte.“
Der Junge nickte und Rafael warf zum ersten Mal einen Blick auf das blasse Gesicht seiner Frau.
„Wird wieder gesund. Hörst du?“ wisperte er leise, ihre Hand nehmend.
Angelina de Arganta

Beitrag von Angelina de Arganta »

Es wurde heller… und dann die Kinderstimme.
Tari? Tari.. mein Schatz!
Sie kämpfte sich weiter zum Licht…
Nicht weggehen.. ich komme.. ich will Dich sehen!

Angelina nahm wahr, was um sie herum vorging, doch war es ihr noch nicht gelungen wieder ins Bewusstsein zu gelangen. Sie mühte sich. Wollte sprechen, die Augen öffnen.

Und dann vernahm sie die geliebte Stimme ihres Mannes.
Er war da!
Innerlich jubelte sie. Er war gekommen!
Wie oft hatte sie sein Gesicht gesehen in ihren Träumen… hatte mit ihm gesprochen… ihn gebeten, zu ihr zu kommen…
Rafe war da!

Sie konnte spüren, dass er ihre Hand ergriff und konzentrierte sich darauf, seine Finger zu drücken. Er sollte wissen, dass sie sich nach ihm gesehnt hatte und nun froh war, dass er bei ihr war.

Oh, wenn doch diese Dunkelheit nur weichen würde!
Der Körper wieder dem Willen gehorchte!

„Rafe“ kam es ganz leise über die trockenen Lippen Angelina’s.
Ihre Lider waren schwer wie Blei, doch sie flackerten und wie nach einem schwer erkämpften Sieg lag ein kleines Lächeln auf ihren Lippen, als es ihr endlich gelang, die Augen zu öffnen.

„Rafe… Du bist bei mir“ flüsterte sie und versuchte ihn anzusehen.

Ihr fielen die Augen wieder zu. Sie konnte es nicht verhindern.
Doch sie nahm das Bild seines Antlitzes mit in ihre Träume und das Lächeln hielt sich auf ihren Lippen.
Angelina war aus der langen Bewusstlosigkeit erwacht und schlief nun.
Bleich und mit dunklen Schatten unter den Augen wirkte sie schmal und zerbrechlicher als sonst. Einen Verband brauchte sie nicht mehr und so war für Rafael die verheilte Wunde auf der Stirn als rötliche Narbe gut sichtbar.
Er hatte mit fragendem Blick zu seiner Schwiegermutter aufgeschaut und Lina’s Finger fest umklammert.
„Sie ist aufgewacht… Rafael… das hast du bewirkt!“
Freudestrahlend sah die alte Heilerin von dem jungen Ritter zu ihrer Tochter und trat eilig ans Bett. Sanft strich sie der Schlafenden über die Stirn.
„Wirst Du bleiben können? Lina wird sich bestimmt schneller erholen, wenn Du bei ihr bist.“
Jasmin Hill sprach mit Rafael, ohne den Blick von ihrer Tochter zu wenden. Freude und Zuversicht standen in ihren Augen.
Tari wandte den Blick von seiner Mutter und sah nun seinen Vater erwartungsvoll an.
Rafael de Arganta

Beitrag von Rafael de Arganta »

Würde er bleiben? Er hätte mit dieser Frage rechnen sollen, er hätte sich früher Gedanken machen sollen.
Sein Zögern ... ein Zögern zu lange und Jasmin fragte wieder. "Du musst weg?"
Kaum merklich nickte er, das Gefühl der Scham unterdrückend. Er wollte zurück, nach Varuna. Etwas brodelte dort. Irgendetwas lag in der Luft.
ABer noch etwas trieb ihn fort. Fort von hier, fort von Angelina.
Schuldbewußtsein.
Das wissen darum das noch jemand anderer seine Gedanken beschäftigten.
"Rafael was ist los?" riss die Stimme seiner Schwiegermutter ihn aus den Gedanken.

Durchdringend sah sie ihn an, und erst jetzt wurde ihm bewusst das er ihr keine Antwort gegeben hatte.
"Ich ... Ich kann nicht." murmelte er ausweichend. Zu Ausweichend als das es ehrlich klangt.
"Gibt es Ärger?"
Rafael schluckte. "Auch." Sein Blick flog zu der schlafenden Angelina, und alles in ihm zog sich zu sammen.
Liebte er sie noch?
Ja.
Liebte er sie noch genug?
Er horchte in sich horchte auf das Ja das kommen sollte ... kommen musste, aber es blieb aus.

Damals als sie ging, hatte Felicitas ihn schon halt gegeben.
Der dauernde Streit um ihre Berufung hatte ihm Kraft gekostet. .. Kraft... und vielleicht auch ein Teil seiner Liebe.
Immer wieder wenn er sich Frei machen konnte, war sie bei einem Patienten, und wenn er unterwegs war, war es Angelina die auf ihn wartete. Sie hatten einfach zu wenig Zeit für einander gehabt, und es hatte auch Streit darüber gegeben.

Er dachte an Dalana, die sich immer wieder um ihn gekümmert hatte.
Fast hätte er sich sogar ihr zugewand.
Und jetzt ... Felicitas. Eine Frau mit zwei Gesichtern. Die harte unnahbare Baronin oder die Frau die so voller Feuer war.
Er stöhnte auf. Was tat er hier Angelina nur an.
"Tari geh mal hinaus spielen, ich muss mit deinem Vater reden."
Hörte er die alte Heilerin sagen die ihn die ganze Zeit prüfend angesehen hatte.

Er hatte zu lange geschwiegen. Zu wenig gesagt. Und diese wenigen Worten waren mehr als wenn er seiner Schwiegermutter alles gesagt hätte.
Sie wartete nur so lange bis Tari hinaus gegangen war dann stellte sie sich vor ihn. Ihn direkt ansehend.
"Es gibt eine Andere?!" sagte sie ihm auf den Kopf zu.
"Ja."
hörte er sich sagen bevor er sich wirklich darüber klar werden konnte was er antworten wollte.
Die Backpfeife der alten Frau hatte er kommen sehen, aber er wich nicht aus. steckte sie still ein, sie nur ansehend.
Er hatte es ja verdient und dennoch...

"Geh!" fuhr sie ihn an!
"Sofort! Raus aus meinem Haus!"
Er nickte nur still, blickte dann noch einmal gen Angelina, um dann den Kopf kurz zu senken, sich um zu drehen und dann still zu gehen.

Draußen verabschiedete er sich noch von Tari, bevor er auf sein Pferd stieg.
"Gib gut Acht auf deine Mutter, ja? Versprich es mir." sprach er den Jungen an, mit Mühe seine Tränen zu unterdrücken.
Der Kleine nickte sofort. "Ritterehrenwort!" meinte er mit fester Stimme, und liess sich von Rafael noch einmal in den Arm nehmen.
"Papa, du weinst ja?" fragte der junge erstaunt. "Musst du doch nicht. Mama geht es wieder gut. Bald kommen wir nach Hause."
Rafael konnte nur nicken. "Ja... ich weiss ja... und es ist... nur der Regen. Ich weine doch nicht."

Er drückte Tari noch einen Kuss auf die Stirn dann setzte er ihn ab, und ritt gen Varuna.
Angelina de Arganta

Beitrag von Angelina de Arganta »

„Wo ist Rafe?“ kam es als ein Flüstern über ihre Lippen und ihre suchenden Augen versuchten offensichtlich einen Blick auf ihren Mann zu erhaschen.
Die alte Heilerin legte ihr Nähzeug aus der Hand und ging zu ihrer Tochter hinüber.
Sie nahm ein Glas mit frischem Wasser von dem kleinen Tischchen neben dem Bett und hielt es Angelina an die Lippen, den Kopf dabei abstützend.
„Er konnte nicht bleiben.. mein Kind“ sagte sie und versuchte ihre Emotionen dabei zu unterdrücken.
Die viel zu großen Augen in dem blassen Gesicht Angelina’s richteten sich fragend auf ihre Mutter. Dann trank sie und als sie bedeutete, dass sie genug hatte, stellte Jasmin Hill das Glas zurück auf den Tisch und setzte sich auf die Bettkante, nahm die schmale Hand ihrer Tochter und streichelte sie mütterlich.
„Werde erst einmal gesund, mein Kind.“
Sie zögerte unter dem fragenden Blick Angelinas.
Was sollte sie bloß tun? Sie konnte Lina doch nicht sagen, dass ihr Mann es eilig hatte zu einer anderen Frau zu kommen. Diese Männer! Sie brachten so viel Leid über die Frauen.. und so wenig Freude!
„Warum?“ fragte Angelina leise und ihr zog sich vor Furcht das Herz zusammen. War etwas Schlimmes geschehen?
„Warum ist er nicht hier?“
„Er hat in Varuna zu tun, Lina. Und wo soll er schlafen?... Du musst jetzt zu Kräften kommen und dabei kann Rafael dir nicht helfen.“
Könnte er doch… dachte sie. Doch sie wollte ihre Tochter nicht beunruhigen.

Angelina wandte den Blick ab. Traurigkeit machte ihr zu schaffen.
Das sah Rafe so gar nicht ähnlich, dass er nicht bei ihr blieb.
Wie lange war sie von zuhause fort?
Was war eigentlich geschehen?
Sie hatte das Haus verlassen… hatte Pilze gesammelt…
Und dann? Sie erinnerte sich nicht mehr, wie sie hier zu ihrer Mutter gekommen war.

„Bitte Mutter, erzähle mir, was mit mir geschehen ist.“

Es war eine kurze Geschichte über eine lange Zeit, die die alte Heilerin zu erzählen wusste.

„Seit Wochen bin ich schon hier bei dir?“
Angelina war fassungslos.
Mit einem Nicken bestätigte Jasmin Hill die Frage.
„Ja.. und Rafael hat geglaubt, du hättest den Angriff nicht überlebt, Lina.“ Sie mochte Angelina nicht ansehen und so entging ihr das Mienenspiel in deren Gesicht.
Erst nach einer Weile hatte Lina sie sich wieder gefasst.
So schlimm hatte es um sie gestanden?
„Ich möchte nach hause, Mutter“ sagte sie leise und klang betroffen.
Vehement schüttelte ihre Mutter den Kopf.
„Kommt nicht in Frage, Lina… Erst muss es Dir wieder gut gehen… dann sehen wir weiter.“
„Dann sehen wir weiter?.. Warum?“
Jasmin rückte auf der Bettkante ein wenig hin und her. Sie fühlte sich offensichtlich unwohl… denn hatte ihre Tochter überhaupt noch ein Zuhause? Einen Mann sicher nicht mehr. Aber sollte sie es ihr sagen?
Sie räusperte sich und sah ihre Tochter fest an.
„Lina… Rafael dachte, du wärst… du hättest…“ Sie senkte die Stimme.“ Du wärest gestorben. Es wurde dein blutiger Umhang gefunden…
und.. nun…“ Sie biss sich auf die Lippe und senkte den Blick. Angelina drückte ihre Hand und versuchte sich aufzusetzen.
„Ja?“ fragte sie mit kläglicher Stimme, ihr innerer Aufruhr stand ihr deutlich ins Gesicht geschrieben. „Und was noch?“
„Er.. hat eine andere Frau, Lina“ sagte Jasmin leise und nahm Angelina sogleich in die Arme.
Angelina blieb stumm.
Die Gedanken rasten ihr nur so durch den Kopf.

Kein Zuhause mehr… er liebt mich nicht mehr… ist er nur gekommen um zu sehen, ob ich schon tot bin? Nein.. nein..
Warum?.. Warum hat er eine andere? So schnell.. nachdem er glaubte, ich wäre nicht mehr.
Und nun will er mich nicht mehr?

Ihr liefen heiße Tränen über das Gesicht und sie spürte kaum die streichelnde Hand auf ihrem Rücken. Ihr war speiübel.
Für einen Moment wünschte sich Angelina nicht überlebt zu haben.

Dieser Schmerz war wie ein kleiner Tod.
Angelina de Arganta

Beitrag von Angelina de Arganta »

Die Luft war schwer vom Aroma des Waldes. Es roch nach Pilzen und feuchtem Laub.
Der Herbst war näher als der Sommer es noch war, doch die Sonne wärmte immer noch angenehm.

Vor dem kleinen Haus im Wald saß Angelina auf der Bank. Sie hatte die Beine weit von sich gestreckt, die Augen geschlossen und den Kopf an die Hauswand hinter sich gelehnt.
In den letzten Tagen sah ihre Mutter sie häufig so dasitzen. Manchmal perlten ihr Tränen über die Wangen, welche allmählich wieder etwas Farbe bekommen hatten.
Es bereitete Jasmin Hill Kummer, ihre Tochter so in sich gekehrt zu sehen.
Viel besser wäre es gewesen, wenn Lina ihre Enttäuschung, ihren Gram herausgeschrieen hätte. Doch sie grübelte viel und wenn sie weinte, dann ging sie in den Wald, um ihre Tränen vor Mutter und Sohn zu verbergen. Die geröteten Augen zeugten davon, wenn sie heim kam.
Das einzig Tröstliche für die Mutter war, dass ihre Tochter sich körperlich wirklich schnell erholte. Anfangs hatte sie beim Gehen gestützt werden müssen, jede Tätigkeit war eine große Anstrengung gewesen. Doch schon nach wenigen Tagen hatte Lina nach Kleidung gefragt, weil sie gern an die frische Luft gehen wollte. Und so hatten die beiden Frauen einen Rock und eine Bluse aus dem Schrank gesucht und diese Kleidung enger genäht.

Angelina zog sich das Schultertuch ihrer Mutter fester um die Schultern.
Die Sonne war angenehm, aber dennoch fröstelte sie immer so leicht.
Seit dem Moment, in dem sie erfahren hatte, dass ihr Mann eine andere Frau hatte, kreisten ihre Gedanken unaufhörlich darum.
Wer sie wohl war?
Eine junge Frau, sie sie nicht kannte?
Galt das Wort, das er vor Temora und der Heiligkeit bei der Trauung gegeben hatte, überhaupt nichts mehr?
Alle die Jahre hatte sie doch absolut treu und mit ihrer ganzen Liebe zu diesem Mann gestanden. Sie war ihm Freundin, Vertraute und Geliebte gewesen. Mitunter sogar Ratgeberin. Und das war nun nichts mehr wert?
Oder hatte er ein Recht darauf, sie so schnell zu vergessen… und musste sie auf ihn verzichten, weil er geglaubt hatte, sie sei tot?

Abgrundtiefe Enttäuschung und Verlassenheit ergriffen sie. Wie so oft, seit der Eröffnung durch ihre Mutter, dass Rafael eine andere Frau hatte, fühlte Angelina sich von ihrem Mann verraten.
Den Gedanken „Kelan war da doch ganz anders“ versuchte sie zu verscheuchen, sobald er sich meldete, denn er war ihr kein Trost, sondern verstärkte ihre Traurigkeit nur.

Tränen quollen aus den Augenwinkeln und Angelina versuchte dagegen an zu schlucken.
Beschämt schaute sie sich um, ob Tari auch nicht in der Nähe war und sie so sehen konnte.
Mit einem Zipfel des Schultertuches wischte sie die Tränen fort.
Sie musste mit Rafael sprechen… auch wenn sich bei diesem Gedanken ihr Magen zusammenkrampfte.
Wenn sie ihn auch nicht halten konnte, so musste doch geklärt werden, was aus ihnen werden sollte… was aus ihr werden würde.
Wo sollte sie mit Tari leben? Ihr kleines Haus hatte sie doch erst vor einem halben Jahr abreißen lassen, damit sie einen Garten anlegen konnte.
Was sollte nun mit Tari’s Ausbildung werden?
Rafael war sicher nicht mehr der geeignete Ausbilder für ihren Sohn. Ob er nun Ritter war oder nicht… er war Tari kein geeignetes Vorbild mehr. Wie sollte Rafael ihm unerschütterliche Treue vorleben?
Unmut stieg in ihr auf, als sie sich vorstellte, dass ihr Sohn während der Ausbildungszeit bei Rafael und seiner Geliebten leben sollte.

Aufseufzend erhob Angelina sich von der Bank vor dem Haus und blinzelte in die Sonne, die gleich hinter den Baumwipfeln verschwinden würde. Sie strich sich über die Stirn… und befühlte die Narbe, die ihr bleiben würde.

Diese und die Narben auf ihren Schultern würden ihren Körper wohl entstellen, doch viel schwerer würden die zurückbleibenden Narben wiegen, die ihre Seele davon getragen hatte… wenn der jetzige Schmerz endlich beginnen würde zu heilen.
Rafael de Arganta

Beitrag von Rafael de Arganta »

Was hatte er alles verloren, was gewonnen.
Angelina... sie würde so verletzt sein.
Er konnte es ihr nicht einmal selber sagen, von Tari ganz zu schweigen.
Angelinas Mutter hatte ihn rausgeworfen und das wohl zu Recht.
Dabei hatte er sich erhofft, das er irgendwann mit Angelina reden konnte, sie würde ihn verfluchen, aber vielleicht konnten sie Freunde bleiben.. irgendwie jedenfalls, und wenn etwas Zeit vergangen war.
Vielleicht würde sie verstehen... aber wohl nicht.
Zuwenig Vorwarnungen hatte es gegeben, obwohl es immer wieder zu Streit kam weil sie sich verpassten.
Ja, es war natürlich mit seine Schuld.
Stunden verbrachte er im Schloss, und wenn er heimkam, schlief Angelina oft schon oder war selber unterwegs, obwohl sie wohl vorher Stunden auf ihn gewartet hatte.
Er wusste nicht was werden würde, er konnte nur der Dinge harren die da kommen würden.

Dann Dalana....
Freundin... Vertraute und fast mehr. Er seufzte,
Das Gespräch mit ihr verlief ebenso anders als er gedacht hatte.
Sie schien es schon schwer auf zu nehmen das er sich von Angelina getrennt hatte, aber das es eine Neue gab ...
„Schuft“ hatte sie ihn genannt und er konnte nur fassungslos zusehen wie sie ihre Sachen packte, ihn dabei anfunkeln als würde sie gleich auf ihn losgehen.
In dem Moment verstand er fast gar nichts mehr.
Er versuchte sie auf zu halten, sich vor die Tür zu stellen bis sie ihm gestand was sie wirklich bewegte, und er wusste in dem Moment nicht ob er sie in den Arm nehmen oder schütteln sollte.
So viele Jahre kannten sie sich, so viele Jahre in der er nicht einmal etwas ahnte.
Begriff sie nicht das sie ihm etwas bedeutete? Das sein Leben etwas fehlen würde wenn sie nicht mehr da war?
Sie konnte doch nicht einfach gehen. Nicht so einfach. Doch sie konnte.
Rafael jedoch gab die Tür erst frei als sie ihm versprach das es nicht für Ewig sein würde.
Das sie eines Tages wiederkommen würde.
Dann ging sie.
Soviel zerbrach in ihm.
Die Liebe verschenkt die Vertraute verärgert ... und wofür?
Er schloss die Augen.
Für eine Frau die ihn Ruhe gab, Frieden... Liebe und Berauschtheit.

Sie war so viel in einem.
So vielschichtig, und viele würden nicht einmal jene Felicitas zu sehen bekommen in der er sich langsam aber sicher verliebt hatte.
Kurz lächelte er sogar.
Wäre sie nur die Baronin, so hätte er nicht einmal in Betracht gezogen sie näher kennen zu lernen.
In dieser... Rolle, war sie eher Kalt, wirkte berechnend und für andere sicher, sehr sicher sogar hochnäsig.
Doch hatte sie ihn hinter ihre Facetten sehen lassen. Er kannte die wahre Felicitas, die ebenso verletzlich wie berührt sein konnte. Sie war nicht nur die Baronin.
Hinter dieser Maske steckte eine Frau mit Ängsten, Sehnsüchten und... sehr viel Feuer.

Doch war es genau die Baronin in ihr die ihn noch immer etwas abschreckte.
Die Situation war absurd. Zum einen sich zu einer Frau hingezogen fühlen aber auch gleichzeitig vor einem Teil von ihr flüchten wollend.
Rafael war nur heilfroh das wenigstens der Graf, Felicitas irgendwann ebenso durchschaute.

Anfangs ihm ebenso wie Dalana Vorhaltungen machend, ja sogar überlegend ihn fort zu schicken in die Königsstadt, mahnte er Rafael dann wenigstens zur Diskretion, wenn er dieses... Verhältnis auch nicht guthieß.
Er wünschte das Rafael alles mit Angelina regelte!
Als der Graf am Nächsten Tag dann auf ihn und die Baronin traf, bat er sie gleich zu einem Gespräch.
Er war dabei sehr direkt und Felicitas wurde es auch., und irgendwann wurde das Gespräch dann inoffizieller, und Rafael konnte spüren wie die Rolle der Baronin immer mehr bröckelte, und die Felicitas zum Vorschein kam der er so zugetan war.
Ja, in diesem Moment gestand er sich und ihr ein das er sich verliebt hatte, aber im selben Atemzug das er die Baronin nicht mochte.
Es war wirklich obskur.

Er dachte an Angelina, Dalana... mit ihnen hatte er nicht nur eine Geliebte und Vertraute verloren, durch seine eigene Schuld, sondern auch Freunde.
Das Leben jedoch würde weitergehen und trotz jener Schuld in sich fühlte er sich glücklich und seit langen Wochen zum ersten Mal wieder ausgeglichen.

Die Zeit würde zeigen wie es weiterging, und er hoffte vor allem insgeheim das die Harfnerin über die Baronin siegen würde.
Antworten