„Sagt treuer Sohn der Azeezah, wenn ihr den Hauptteil eures Lebens mit dem Schutz verschiedener Karawanen verbracht habt, dann war euch vermutlich noch neda das Glück beschieden, euch in der Heimat ein oder zwei Frauen zu erwählen? Oder irre ich und jene harren in der Heimat auf eure Rückkehr aus?“
Ich sitze gerade an dem Zusammenbau einer Wasserpfeife und denke über die Momente nach, die ich in den letzten Abenden erlebt habe. Konzentriert befestige ich mit Hitze kleine Glasblüten an der Rauchsäule der Wasserpfeife. Was hat der Anan darauf geantwortet?
“Neda, ich bin ledig.“
Es ist seine Art. Kurz und bündig zu antworten. Er legte viel Höflichkeit in diesen vier Worten. Ob das Zhenzrael aufgefallen war? Mir jedenfalls war das Thema unangenehm, so habe ich doch mehr oder minder eine 'Absage' von Ahmad erhalten, auch wenn er es nicht deutlich ausgesprochen hat sondern es mir vielmehr durch die Blume ausgerichtet hat. „Ich kann gerade nicht so wie ich will.“ Zack, so einfach war das. Aber das was in meinem Herzen passiert kann ich nicht einfach so abstellen. Ich lerne damit zu leben, aiwa. Ich habe es zu akzeptieren, aiwa.
“Worauf ich hinaus wollte, indem ich dieses Thema anführte ist, mein Wissen darum, wieviele junge Natifahs es in unserem stolzen Hause gibt. Ein Janitschar, wie du könnte vielleicht dort fündig werden eh?“
Aiwa, die Yazirs waren viel vertreten. Das ist mir auch schon aufgefallen, aber... aber es gibt mehr als dieses eine stolze Haus. Und es gibt wunderbare Blüten die neda den Yazirs angehören, wo Ahmad fündig werden konnte.
Ich spüre genau wie mein Herzschlag jetzt bei meiner Arbeit bei diesem Gedanken sich wieder beschleunigt. So erging es mir ähnlich an dem Abend als dieser Dialog zwischen Zhenzrael Yazir und Ahmad Fadlan Azeezah stattgefunden hat. Es ist mir sehr schwer gefallen, die Fassade aufrecht zu halten. Es war mir unangenehm. Aber so sind die Anans. Es ist ihnen recht egal, wer mit ihnen am Tisch sitzt während sie plaudern.
Ich atme tief durch und beginne den Bauch der Wasserpfeife mit einem dunklen Farbton zu lasieren. Seine Stimme hallt mir immernoch im Kopf wieder:
“Aiwa, das ist gut möglich. Ich – bin auch durchaus mittlerweile offener für so etwas, um es einmal so auszudrücken.“
Diese verflixte Erdbeere, die mir Noura anbot. Ich wusste schon, warum ich nichts essen wollte. Aber der höflichkeitshalber habe ich das Angebot angenommen. Ich biss von der Erdbeere ab sodass mein Antlitz nicht zu sehen war. Ich kann das mittlerweile sehr gut. Die nächsten Worte zwischen Zhenzrael und Ahmad brannten sich in mein Gedächtnis ein:
“Ich glaube, ich weiss was du damit meinst. Der ein oder andere von uns zieht den Ehrgeiz und Tatendrang der raschen Häuslichkeit und Verantwortung für eigene Familie vor, eh?“
„Zum Einen das, zum Anderen lege ich, trotz meiner zuweilen sehr konservativen und weniger emotionalen Art tatsächlich Wert darauf, dass es nicht eine Heirat aus irgendeinem Prinzip heraus wird. Von daher dürfte es noch etwas dauern.“
Meine Augen schliessen sich, als der Pinsel abgelegt wird.
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Die Erdbeere, die ich eigentlich Noura zum Abbeissen reichen wollte fiel mir bei Ahmads Antwort aus den Fingern. Bei der All-Mara. Ich wäre am liebsten im Boden versunken. Wieder einmal. Das war für mich der Augenblick aufzubrechen. So erhob ich mich und stellte mein Glas ans Wasserbecken und verabschiedete mich bei den Anwesenden. Ahmads Abschiedsgruß ereilte mich an der Türe. Immerhin hatte er noch reagiert.
Nun weiss ich: Ich muss meine Esra aufsuchen....