Es war die Nachtigall und nicht die Lärche

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Benjamin Acalon
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Ein Frosch im Käfig

Beitrag von Benjamin Acalon »

„Buuhuu, seht mal, das ist der gruselige Kartoffelkeller, wo Satan seine Konserven lagert."
Supernatural
Mein Zeitgefühl hatte ich inzwischen fast vollständig verloren. Ich konnte nicht einmal mehr genau sagen, wie lange ich nun schon in diesem Keller hockte. Es könnten Stunden sein, oder Wochen. Ich weiß es nicht.
Es gab nur eines, über das ich Gewissheit hatte. Ich begann mich zu verändern. Mehr, als ich es vorher für möglich gehalten hatte.
Vieles davon ließ ich geschehen. Auch aus Angst, vor meinem alten Leben. Aus Angst, wieder in die alten Abgründe zu rutschen. Ich wollte keinesfalls zurück.
Selbst jetzt, wo ich meine Tage in einem Keller verbrachte. Eingesperrt in einen Käfig. Ich vermisste mein altes Leben nicht. Kein bisschen.
Nunja, da waren ein paar Kleinigkeiten. Mein Kater allen voran. Aber ich wusste auch, dass der kleine Kerl problemlos auf sich selbst aufpassen konnte. Dann war da vielleicht noch mein Bett, das vermisste ich schon. Mit allem dran und.. drauf.

Es gab jemanden, der mir die Hand reichte und mir half, nicht abzustürzen. Auf ihre ganz eigene Art und Weise. Unter anderen Umständen hätte ich dem Küken lang und breit vorgetragen, was an ihren Ideen blödsinnig war. Das Dumme daran war nur, sie hatte Recht. Und das mit wirklich allem.
Sie ließ mich immer wieder aus dem Käfig raus und leistete mir Gesellschaft. Auch wenn sie eine miserable Köchin ist. Ich mochte es gern, die Zeit mit ihr zu verbringen.
Ich hatte sie wirklich sehr gern und diese Erkenntnis war für mich nicht mehr neu.

Es war vor allem die Enge, die mir zu schaffen machte. Mein Käfig war nur drei Schritt lang und kaum zwei breit. Ich hatte gerade so genug Platz, um mich auf dem Boden auszubreiten.
Mein Rücken und meine Glieder schmerzen nach jeder Stunde Schlaf, weil zwischen mir und dem Stein nur eine Wolldecke lag.
Allerdings hatte ich inzwischen, hauptsächlich aus Langeweile, mein persönliches Trainings-Programm begonnen. Ich achtete nur penibel genau darauf, dass es niemand mitbekam.
Diese Verausgabung mit Kniebeugen, Klimmzügen an den Gitterstäben und einigen anderen Übungen, half mir auch, schlafen zu können. Zumindest war ich danach jedes Mal erschöpft genug, um direkt umzukippen.

Ansonsten waren meine Aktivitäten ziemlich eingeschränkt. Der Magier hatte weitere Ausflüge verboten. So musste ich mich mit Lesen, Schreiben und Zeichnen beschäftigen.

Ich sehnte den Tag herbei, an dem ich endlich raus durfte und mal wieder die Sonne sehen konnte. Schon seltsam, wie man Selbstverständlichkeiten vermisst, wenn man sie erst mal verloren hat.
Doch vorerst blieb mir nichts anderes als abzuwarten und mich in Geduld zu üben.
Es liegt in der Natur des Menschen, dass er die Notwendigkeiten der Dinge geduldig erträgt, aber nicht den bösen Willen der anderen.
Jean-Jacques Rousseau
Zuletzt geändert von Benjamin Acalon am Dienstag 4. November 2014, 21:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Benjamin Acalon
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Re: Ein Frosch im Käfig

Beitrag von Benjamin Acalon »

„Würdest du mir bitte sagen, wie ich von hier aus weitergehen soll?“
„Das hängt zum großen Teil davon ab, wohin du möchtest“, sagte die Katze.
Aus Alice im Wunderland von Lewis Caroll
Ich sah zu, wie es vor meinem Fenster langsam dämmerte. Bis die Nacht herein brach. Ich lag noch immer in meinem Bett und hatte auch nicht das Bedürfnis, noch einmal aufzustehen.

Selbst durch das geschlossene Fenster hörte ich die Menschen am Hafen. Hier war immer etwas los. Schiffe kamen und gingen, ebenso wie die Leute mit ihnen. Ladung wurde gelöscht und Kisten rumpelnd über die Pier getragen.
Ab und an drangen sogar Gesprächsfetzen an mein Ohr, ohne dass ich ein Wort verstand.

In meinem Haus selbst war es still. Kein Klopfen riss mich aus den Gedanken, kein Scharren, kein Mauzen, oder kleine Pfoten, die über mich hinweg trampelten.
Nichts.

Seit dem ich aus dem Keller des Konvents geschmissen und an die Garde weitergereicht worden war, hatten beinahe alle nur noch das Nötigste mit mir gemacht.
Immer wieder beschlich mich das Gefühl, das sie davon ausgingen, jemand anders würde schon alles machen.
Der Magier ging davon aus, ich würde alle Informationen auf dem Silbertablett serviert bekommen und jammerte nur aus Gewohnheit. Die Catula ging davon aus, dass ich laufend mit dem Küken zusammen hing und von ihr alles bekam, was ich wollte. Und sie ging anscheinend davon aus, dass der Magier mir bereits alles beigebracht hätte und ich ohnehin Unterricht von der Catula bekam.

Das richtig blöde an der Sache war, das keines von den Dingen zustimmte. Der Magier hatte zwar versucht, mir was beizubringen, doch bevor ich nach Rahal verschleppt wurde, hatte ich ihm nie zugehört. Die Catula traf ich kaum.
Einzig diesem Mädchen konnte ich nicht vorwerfen, dass sie nichts tat. Allerdings setze sie immer wieder an den völlig falschen Stellen an. So langsam hatte ich das Gefühl, das sie mir nie wirklich zuhörte.
Sie schaffte es aus nichtigen Dingen große Probleme zu machen. Diese bezog sie danach auf mich und gab mir die Schuld an allem. Sie sagte mir sogar, ich solle mich endlich damit abfinden und begriff nicht, dass ich es längst tat.
Wie meine große Liebe zum Alkohol. Mich persönlich hatte das nie wirklich gestört. Ich wusste selbst, dass ich zu oft an der Flasche hing. Aber das war nun mal das beste und einzige Ventil, das ich hatte.
In der Zeit im Gefängnis hatte ich kaum ein wirklich starkes Bedürfnis zum Trinken gehabt. Jedoch nicht, weil sie mich entwöhnt hatte, sondern weil sie immer da war und mir zuhörte. Aber das verstand dieses Mädchen nicht.

Sie hatte ihre Familie, sie hatte ihren Lehrer und ihren Platz in dieser Stadt. Sie hatte alles, was ich mir wünschte und ich hätte Augenblicklich den Platz mit ihr getauscht. Trotzdem jammerte sie mir immer noch die Ohren voll.
Sie jammerte, weil sie sie beschützten, weil sie sich Gedanken um sie machten. Das Mädchen wusste wirklich nicht, was für ein großes Glück sie hat.

Für mich war alles nur voller Widersprüche. Allein die Art und Weise, wie die anderen mit mir umgingen.
Wie viele Predigten, darüber was für einen langen Weg ich vor mir hatte, habe ich gehört? Aber sie waren enttäuscht, weil ich nicht nach vier Wochen ein perfekter Gläubiger war.
Wie viele Fragen stellte ich, die mir keiner beantworten wollte? Wie oft sahen sie mich mit ihren Enttäuschten Blicken an, weil ich noch nicht alles wusste, sondern hinterfragte.
Wie oft hatte ich gesagt, dass ich einfach nur durcheinander war, weil mir so viel Wissen fehlte?
Und warum sahen sie mich immer nur so enttäuscht an.

Ich ertrug diese Blicke einfach nicht mehr. Ich war Überfordert und fühlte mich in Stich gelassen. Eigentlich wollte ich nur jemanden zum Reden. Doch entweder überforderte mich irgendjemand maßlos, weil ich einfach keine weiteren Widersprüche und weitere Fragen, oder noch mehr Verwirrungen, in mein Gedächtnis hämmern konnte, oder sie waren enttäuscht.

Ich spürte, wie sehr es an mir zehrte.
Die Stimme tief in mir, die mir sagte, ich soll weglaufen, wurde immer lauter. Ich hörte das leise Flüstern in meinem Hinterkopf, wenn sie mich wieder so ansahen.

Lauf weg. Flieh. Nimm deine Sachen und lauf. Es ist ganz einfach, du hast es dein Leben lang getan. Keiner kann dich aufhalten. Lauf.

Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, dass ich in diesem Keller eingesperrt war. Dort ging es mir nicht gut, aber ich war voll entschlossen zu kämpfen. Ich war mir sicher, Rahal würde mehr und besseres für mich bereithalten, als Adoran, wenn ich mich nur genug anstrengte.
Doch mein Leben hatte sich nicht im Mindesten verändert. Im Gegenteil, es wurde von Tag zu Tag schlimmer.

Nun war ich allmählich an meine Grenzen gelangt und wusste nicht mehr weiter. Ich mochte nicht einmal mehr mein Haus verlassen, weil ich nicht wusste, welche Abneigungen mir diesmal entgegen schlugen. Welchen Fehler dichteten sie mir wohl heute an, einfach damit sie sich nicht die Mühe machen brauchten, nach mir zu sehen?

Eigentlich fehlte es nur noch, das mich jemand fragte, warum ich mich denn vor allem verschloss. Statt offen zu sein, für diese wunderbaren, neuen Dinge in Rahal. So viele Lügen und so viele Lügner.
Ich musste mich verschließen. Ich musste alles abblocken, denn wenn ich das nicht tat, würde ich daran zerbrechen und vergehen.
Ich konnte mich auf keine Hilfe von außen verlassen, egal wie direkt, oder indirekt ich nach Hilfe rief. Mit all dem war ich auf mich gestellt und ich musste etwas tun, um mich zu schützen.

Meine Fragen wollte ich nicht mehr stellen. Sollen sie doch enttäuscht sein. So brauchte ich mich nicht zu fragen, warum und das sie meine Bemühungen nicht sahen.

Wenn sie enttäuscht sein wollten, dann gebe ich ihnen einen Grund, wirklich enttäuscht zu sein.

Es war keine Frage mehr, ob ich scheitern und daran zerbrechen werde, die Frage war nur noch, wann.
Ich konnte es mir schon bildlich vorstellen, das sie, an diesem besonderen Tag, auf mich herab sehen werden und sich gegenseitig sagen:
„Ich wusste doch, dass er es nicht schafft.“
Was soll ich tun?, dachte er. Sag schon. Was soll ich tun?
Aber der Mond gab ihm keine Antwort.
Aus der Herr der Diebe von Cornelia Funke
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Benjamin Acalon
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Beitrag von Benjamin Acalon »

Sasuke: "What if I were to kill the ones you love most?"
Kakashi: "You sure could get me with that, but unfortunately for me, no such persons exists. Those people have already been killed."
Naruto Shippuuden
Die Schneedecke glänzte weiß im Dämmerlicht. Der Sturm am Abend hatte alles durchgewirbelt und viele Wellen in den Schnee gemalt. Doch nun war alles ruhig und der Wind nur schwach.
Hier und da zwitscherte etwas, ab und an raschelte es auch, als ein Vogel sich plötzlich erhob und davon flatterte.
Ansonsten begrüße mich der Morgen mit Stille. Ich hatte die Nacht in einer Gaststube verbracht und war nun wieder auf dem Weg in den Wald.
Ich genoss die Ruhe und die Abgeschiedenheit. Hier traf man kaum einen Menschen. Nur gelegentlich irgendeinen Holzfäller. Ansonsten wirbelten die Kutschen und Pferde die Wege und Straßen hinunter. Die meisten waren so geschäftig, das sie keinen Blick für die Winterlandschaft übrig hatten.

Leider wanderten auch meine Gedanken laufend nur zu einem Punkt.
Ich konnte diese Stadt nicht mehr ertragen. Dieses große, leere Haus. Die ganzen Menschen dort, ich hielt es einfach nicht mehr aus.
Es war vor allem die Nähe zu etwas, das ich so sehr ersehne, aber doch nie erreichen konnte.

Ich musste so langsam mit der Erkenntnis fertig werden, dass ich nie einen Platz finden werde, an dem ich mich sicher und willkommen fühle. Ich werde keine Gemeinschaft finden, die mich wirklich will.
Nein, ich musste mit dem Wissen leben, das ich nicht hierher gehöre.

Denn eigentlich müsste ich alles wissen. Ich müsste diesen Glauben verstehen und leben können. Weil mir anscheinend alles beigebracht wurde, was ich wissen muss.
Ich konnte es aber nicht. Verstehen, tat ich das erstrecht nicht. Mir schwirrten noch immer Fragen durch den Kopf. Fragen, die ich nicht stellen durfte.

Hinzu kam, dass ich mich inzwischen sehr nach meinem alten Leben zurück sehnte.
Ich wollte mein Haus zurück, meinen Garden mit den beiden Obstbäumen und der Hängematte. Ich wollte meinen Kater zurück, unbedingt zurück. Er fehlte mir sehr.
Und ich wollte das Mädchen von damals zurück. Als sie noch freundlich war und ich wichtig für sie.
Damals waren beide oft zu mir gekommen. Beinahe täglich. Damals wollten sie auch noch etwas von mir.
Und nun? Nichts als Einsamkeit, Unsicherheit und Angst.

Es war eine Schneewehe, die mich aus den Gedanken riss. Sie klatschte mir direkt ins Gesicht.
Ich kämpfte den Schnee von meinem Gesicht und sah mich blinzelnd um. Der Sturm kam wieder und genauso heftig, wie vorher.
Als ich eben noch in meiner Gedankenwelt versunken war, hatte ich davon nichts bemerkt.
Nun war es zu spät, den ganzen Weg zum Gasthof zurück zu laufen. Ich musste mir hier einen Unterschlupf suchen und zwar schnell.

Erst nachdem mich der Wird schon eine Weile hin und her geschubst hatte, fand ich ein Versteck. Es war eine Aushöhlung im Berg. Keine richtige höhle, da es kaum einen ganzen Schritt in das Gestein hinein reichte.
Aber für mich würde es genügen.
Versteckt, hinter einigen Büschen und Sträuchern, zwängte ich mich in die Aushöhlung und kauerte mich dort zusammen.

Eigentlich, dachte ich, während ich den jammern des Windes lauschte, war es gar keine so gute Idee, mitten im Wald in eine Höhle zu kriechen. Solche Höhlen hatten die Angewohnheit, den ein, oder anderen Bären zu beherbergen. Teilweise auch anderes Getier.
Aber für einen Bären war diese hier eindeutig zu klein. Sie reichte selbst für mich kaum aus.

Im Stillen vermutete ich, dass dies das Werk eines eifrigen Bergarbeiters war.
Nachdem sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, sah ich meine Vermutung bestätigt. Überall waren kleine Kanten und Abstufungen. Typische Spuren von einer Spitzhacke.
Vielleicht war der Stein hier irgendwann mal von Metall durchzogen. Oder jemand hatte sich bloß einige Steine geholt. Für irgendein Haus in der Nähe.

Zumindest ließ es sich eine Weile hier aushalten. Ich hatte mir selbstverständlich Verpflegung eingepackt. Außerdem fror ich nicht, da ich mich selbst auch eingepackt hatte.

Außerdem fiel es doch ohnehin nicht auf, wenn ich fort blieb. Auf mich wartete niemand.

Irgendwann später, an diesem düsteren Tag, schlich sich eine Kaninchenfamilie zu mir herein. Anfangs saßen sie nur stocksteif da und starrten mich an. Ich starrte zurück.
Als ich jedoch ein paar Brotkrümel vor ihre Wackelnasen streute, entspannen sie sich.
So hatte ich immerhin auch ein bisschen Gesellschaft.
Ich glaube, Gott hat diesen Ort verlassen. Ich glaube, ich habe die Hölle gesehen. Und sie ist weiß. Schneeweiß.
North & South
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Benjamin Acalon
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Verlorene Freundschaft

Beitrag von Benjamin Acalon »

Castiel: Sam, Dean, my "people skills" are "rusty." Pardon me, but I have spent the last "year" as a multidimensional wavelength of celestial intent.
Supernatrural
Ich musterte den Brief lange und versuche ihre Worte auf mich wirken zu lassen.
Anfangs war ich einfach nur Wütend. Fürchterlich wütend. Doch als diese aufbrausende Wut wieder erloschen war, ließ sie nichts als Enttäuschung zurück.

Nein, sie war keine Freundin. Wie ironisch, das sie schrieb, sie würde immer ein offenes Ohr haben, mir aber nie wirklich zuhörte. Ihre Zeilen waren wieder der Beweis dafür, dass sie nur sah, hörte und las, was sie hören wollte.

Das Konvent wird Euch wohl verschlossen bleiben, alleine schon weil Eure negative Einstellung gegenüber den Magistern und der Vicaria nicht dazu beitragen wird das ihr Euch nicht selbst Steine in den Weg legt.

Ich wusste nicht, wie oft ich ihr nun gesagt habe, dass ich selbst die Gesellschaft des Magisters vermisste. Ebenso wie seine Gestalt als Katze. Auch die Probleme mit ihrem Bruder waren längst aus dem Weg geschafft. Nein, sie war das Problem.
Katharina wollte mich nicht in ihrer Nähe haben, warum, verstand ich nicht. Aber nun war sie allein es, die mir den Weg zum Konvent endgültig versperrte.

Die Vicaria war ihr Lieblingsthema in dem Zusammenhang. Jedes Problem, das ich mit ihr hatte, nahm dieses kleine Mädchen als persönliche Beleidigung gegen sich selbst. Nicht einmal die Vicaria selbst fasste das so auf. Im Gegenteil, sie nahm es als Anlass, sich näher mit ihr zu befassen.
Aber das wusste dieses Mädchen natürlich nicht. Dazu müsste sie sich nach Düstersee begeben und nach mir sehen. Etwas, das offenbar viel zu viel verlangt war.

Ein Ding der Unmöglichkeit, das man jemandem, der einem doch angeblich etwas bedeutete, mal einen Besuch abstatte. Einfach nur um zu sehen, ob er wirklich noch da war und nicht längst verschleppt, oder von seinen alten Freunden zur Strecke gebracht worden war.

Der Brief flog im hohen Bogen durch den Raum und landete irgendwo in der Ecke, hinter dem Regal. Weit entfernt von meinen Blicken.

Es waren alles Lügen. So viele Lügen.
Sie würden mich nicht fallen lassen, doch sie haben es getan. In dem Moment, in dem ich nicht mehr den braven Schoßhund abgegeben habe. Als ich anfing, für mich selbst einzustehen, statt blind dem zu tun, was sie von mir verlangten.
Das war der Moment, an dem sie mich einfach fallen ließen. Der Moment, an dem sie mich in Stich ließen.
Obwohl sie stets behauptet haben, sie würden mich nie allein lassen.

Ich spürte, wie diese Gedanken allein die Wut in mir hoch kochen ließen. Doch wieder einmal wusste ich nicht, was ich damit anfangen sollte.

Katharina irrte sich in so vielen Dingen, die mich betrafen. Unsere Gespräche endeten immer gleich. Weil sie mir nicht zuhörte. Weil sie nicht glauben konnte, das sie einem Irrtum verfallen war.

Ich atmete tief ein und aus. Mit den Atemstößen stellte ich mir vor, wie dieses Gefühl selbst aus mir heraus gepustet wurde. Schließlich blieb nur ein dumpfer Schmerz zurück.

Mein Vertrauen zu ihr war eindeutig verloren. Meine Freundschaft zu ihr bröckelte mit jedem Tag immer mehr. Ich war von mir aus auf sie zugegangen, ich war zu ihr gegangen, um noch irgendwas zu retten. Nun war sie am Zug.
Das Mädchen würde die Wahrheit nur dann verdienen, wenn sie endlich einen Schritt in meine Richtung machte. Wenn sie allein und von sich aus nach Düstersee kommen und sich ansehen würde, was an meinen Worten dran ist, nur das konnte mich noch überzeugen.

Das Geräusch der Schlafzimmertür riss mich aus meinen Gedanken und ich sah zum Vorhang.
Bei dem Anblick musste ich einfach schmunzeln. Sie war nun zwar ordentlich angezogen, aber sie sah noch immer zerzaust und völlig fertig aus.

„Und was lernen wir daraus?“ Fragte ich schnippisch und fing mir einen düsteren Blick ein. „Finger weg vom Wildkraut.“
Könnte ich bitte mit dem Drogenhändler des Hauses sprechen?
Last Action Hero
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Benjamin Acalon
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Veränderung

Beitrag von Benjamin Acalon »

Doch das ist mir scheißegal, ich laufe lachend vor die Wand. Und es gibt doch einen Grund, warum ich das verdammt nicht lasse, Irgendwann habe ich das Scheißding eingerannt.
Versengold
Alle Dinge vergehen irgendwann mal. Das war einfach der Lauf der Natur. So wie auf den Sommer der Herbst folgte. Wie die Sonne die Nacht verdrängte. Oder ein Leben, das aufblühte und wieder verging.
Für Beziehungen schienen diese Regeln ebenfalls zu zählen. Oder vielleicht nur für meine, vielleicht kam es mir auch einfach nur so vor.
Doch die Veränderung, welche über mich herein gebrochen war, machte mir schwer zu schaffen.

Zunächst war da meine Lebens und Kampfpartnerin. Sie war offenbar dem Beispiel des verschwundenen Ahads gefolgt und ließ sich einfach nicht mehr blicken. Vor einer Weile ging es noch, da kam sie wenigstens ab und an. Ich konnte mit ihr reden, oder wir prügelten uns gemeinsam durch Höhlen und Horden von Monstern.
Doch ihre Besuche wurden weniger und mein Haus schien mir, mal wieder, ziemlich leer.

Zeitweise wurde es so schlimm, dass ich nicht mal mehr spielen wollte. Dabei hatte mich der Klang meiner Laute stets aus den schlimmsten tiefen herauf geholt. Nun lag sie, kaum berührt, in einer Ecke. Meine Muse war fort.

Normalerweise würde ich nun zu meiner Nachbarin gehen. Bei ihr war es oft irgendwie laut und wuselig, vor allem dank der Kinder. Ein sehr angenehmer Kontrast zu meinem leeren, stillen Haus.
Doch auch das war Vergangenheit. Sie hatte, neben einem tobenden Krieg, ganz andere, eigene Probleme. Und dazu einen neuen, mit dem sie vermutlich jede freie Minute verbrachte.

Ich kannte ihn kaum, wie sollte ich da offen über irgendwas reden? Die Abende, an denen wir zusammen saßen, sie mir ihre Sorgen über die Kinder oder den Ahad erzähle und ich selbst mal jemanden hatte, bei dem ich offen sein konnte. Diese Abende waren Vergangenheit.

Wenn ich nun etwas über sie erfuhr, dann nur über dritte. Dabei dachte ich immer nur, früher hätte sie mir das selbst erzählt.
Es schmerze, wenn eine Freundschaft sich auf so eine Art distanziert. Und der Schmerz führte zur Wut. Enttäuscht war ich auch.

Natürlich war es möglich, wie manche Veränderungen es sich an sich hatten, das auch diese wieder etwas Positives hervor brachte.
Doch im Moment rutschten mir gleich zwei Dinge aus den Fingern, an denen mein Herz hing und davon gab es sonst wahrlich nicht viel.

Selbst diese Schlacht würde irgendwann vergehen, zur Erinnerung werden und irgendwann verblassen. Wie so viele davor.

Doch all das tröstete mich nicht über den Gedanken hinweg dass es, wenn sich der Staub gelegt hatte, nie mehr so sein würde, wie es mal war.

He does and always will, feel as though he deserves the punishment he gets. And that’s what breaks my heart. Because he takes so long to become loyal, yet he breaks so easily.
Supernatural
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Benjamin Acalon
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Beitrag von Benjamin Acalon »

Once I rose above the noise and confusion
Just to get a glimpse beyond this illusion
I was soaring ever higher
But I flew too high

Carry on my wayward son - Kansas
Ich saß mal wieder vor dem Kamin, genoss die Wärme und sah zu, wie das Feuer an den Holzscheiten fraß und sie verzehrte. Bis nur noch schwarze Klumpen, mit den Umrissen ihrer einstigen Gestalt, zurück blieben.

Die Situation wurde von Tag zu Tag schwieriger.
Vielleicht lag es daran, dass ich die meiste Zeit allein verbrachte, oder das es kaum jemanden gab, mit dem ich offen reden konnte.
Fakt war, das meine Abneigung wuchs.

Vor einer Weile noch hätte ich meine Hand für sie ins Feuer gelegt, sprichwörtlich. Ich war so sehr davon überzeugt, ein Teil ihrer kleinen Familie dazustellen.
Wie konnte ich nur so dämlich sein?
Ich war geblendet von meiner eigenen Vorstellung, dem Gedanken gefunden zu haben, was ich so lange gesucht habe. Und mich darin völlig verrannt.

Ich schloss die Augen und spürte, wie die Wärme der Flammen über mein Gesicht tanzte. Ab und an unterbrochen von einem kühlen Luftzug.

Vielleicht war es wirklich Gleichgültigkeit. Oder ich war einfach nur ein netter Zeitvertreib. Brauchbar, weil sie sonst allein gewesen wär.

Natürlich hatte ich ihr gegenüber selbst nie tiefere Gefühle. Jene hatte eine junge Priesterin für sich gepachtet. Aber ich hatte sie gern, genauso wie ihre Kinder.
Nachdem der Ahad so plötzlich auf und davon war, hatte ich mich bemüht, irgendwie für sie da zu sein. Und das, im Gegensatz zu so einigen anderen, ohne mich direkt in irgendwas einzumischen.
Ich gönnte ihr die neue Beziehung aus tiefstem Herzen. Nur leider war sie an das größte Arschloch geraten, das dieses Reich zu bieten hatte.
Dank ihm verstand ich vollkommen, warum meine Schwester den Glauben an den Tempel einbüßte. Das Alatar so jemandem zu seinem Diener machen konnte, bewies äußerst schlechten Geschmack.

Möglicherweise fühlte er genau dasselbe, wie ich. Oder er war so besitzergreifend, das er keinen Mann in der Nähe seiner Liebsten haben wollte.
Als wir im Keller zusammen saßen drehte er den Blick nur weg. Sprach nicht mit mir. Hielt mich dieser Scheißkerl nun schon für unter seiner Würde?

Aber ich sagte nichts und spielte das Spiel mit. Insgeheim war es das, was ich mir geschworen hatte, keinen Streit mehr provozieren.
Es war einfach genug und ich wusste, dass ich am Ende den Kürzeren ziehen würde.

Ich öffnete die Augen nur langsam wieder. Mein Gesicht fühlte sich kühl an.
Mit Verwunderung stellte ich die Dunkelheit im Zimmer fest und das das Feuer bis auf die Kohlen runter gebrannt war.
Mit frischem Holz und ein paar Spänen entfachte ich das Feuer neu. Daraufhin breitete ich mich auf dem Teppich aus, mit dem Feuer um Rücken.

Immerhin hatte ich beschlossen die imaginäre Tür für ihre Älteste offen zu lassen. Wenn sie mich denn brauchte.

Außerdem gab es da noch etwas anderes, was ich klarstellen musste.
Ungeachtet der Konsequenzen.
Carry on my wayward son
There'll be peace when you are done
Lay your weary head to rest
Don't you cry no more
Carry on my wayward son - Kansas
Gast

Re: Weitermachen

Beitrag von Gast »

...
Zuletzt geändert von Gast am Sonntag 16. Oktober 2016, 19:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Verlust

Beitrag von Benjamin Acalon »

Am Tempel ist ein Gedicht mit dem Titel "Verlust" in den Stein gemeißelt. Es hat drei Worte, aber der Dichter hat sie ausgekratzt. Man kann Verlust nicht lesen, nur empfinden.
Die Geisha
Lilian ist tot. Die Nachricht traf mich viel härter, als ich es erwartet habe.
Die Nachricht hämmerte in meinem Kopf und vernebelte mir die Gedanken, wenigstens für ein paar Augenblicke.
Zu meinem Glück war die blonde Regimentlerin, die mir die Botschaft über ihr Ableben überbracht hatte, selbst ganz schön durch den Wind. Ansonsten wäre ich nun mit ihrem Schwert im Magen nach Hause gegangen. Oder eben gar nicht.

Irgendjemand, der sich bei unserem kleinen Geplänkel dazu gestellt hatte, stellte die Frage, die mir selbst durch den Kopf ging: „Ist das dein Ernst?“
Es war ihr Ernst, leider. Sie hatte auch keinen Grund, mich anzulügen. Niemand wusste, wie eng mein Kontakt zu Lilian war, auch nachdem ich die Seiten gewechselt hatte.

Als ich langsam wieder zu mir kam, spürte ich bereits den Holz Schaft und das kalte Metall meiner Waffe in der Hand. Es war unheimlich, wie selbstverständlich ich nach dem kleinen Wunderwerk der Technik griff.
Ich kam nicht zum ‚Schuss‘. Wir verschoben die Mordversuche einstimmig auf ein anderes Treffen.

Auf halbem Weg nach Hause beschlich mich wieder das beklommene Gefühl, das ich immer hatte, wenn ich an Rilytia dachte. Sie war ebenfalls fort. Ob verschollen, oder verstorben, ein schwarzer Strich in einem Buch hatte es mir nur allzu deutlich vor Augen geführt.

Die Frau, die ich geliebt habe, war fort.
Die Frau, der ich alles anvertrauen konnte war tot.

Ich blieb stehen und sah zum Himmel hoch.
Naema, Imara, Katharina, Rilytia und nun auch noch Lilian. Nicht, das Lilian in die Liste meiner verflossenen und verschollenen passte, aber ich hatte einiges für sie übrig.

Irgendwann, nachdem ich schon eine Weile auf einem Fleck stand und wie ein Vollidiot in den Himmel starrte, bewegten sich meine Füße von allein weiter. Sie trugen mich wie von selbst nach Hause, direkt vor mein Sofa. Ich musste mich nur noch fallen lassen.
Für einen kurzen Moment widerstand ich dem Drang, meine eigenen Füße zu loben.

Ich fühlte mich so schuldig, wenn ich an die beiden dachte. Keiner der beiden hatte ich irgendwie helfen können. Ich hätte mir viel mehr Mühe geben müssen.
Warum war ich nicht auf die Idee gekommen, Rily zu folgen? Oder zu versuchen, Lilian auf meine Seite zu ziehen, ihr klar zu machen das sie den ganzen Adligen Dreck hinter sich lassen kann?

Meine Gedanken ratterten noch eine ganze Weile, bis ich endlich Schlaf fand.

Der nächste Morgen kam und das erste, was ich tat, war mich in die Badewanne zu legen. Tatsächlich hatte ich meine Körperpflege, in Ermangelung weiblicher Anwesenheit, etwas vernachlässigt.
Ich genoss das Bad und stand zum Schluss vor dem Spiegel, um mir das aus dem Gesicht zu rasieren, was man noch mit viel Wohlwollen als drei Tage Bart bezeichnen kann.
Ich bereute die Rasur hinterher. So ganz ohne schwarzes Fell im Gesicht sah ich viel zu jung aus. Also, so jung, wie ich tatsächlich war. Nicht so jung, wie ich immer behaupte, zu sein.

Auf dem Weg in die Küche fiel mir der Brief wieder in die Hände. Das war kein Zufall, ich zog ihn bewusst aus dem Regal und setzte mich damit auf meinen Platz auf dem Küchentresen. Von hier aus konnte ich direkt aufs Meer sehen.
Ich streifte das Papier glatt und musterte die saubere, schnörkelige Handschrift.
Sie hatte Recht, mit allem, was sie mir geschrieben hatte. Mit Lilian Kontakt zu halten, Briefe zu schreiben und heimliche Treffen zu veranstalten, hätte sich falsch anfühlen müssen. Aber das tat es nicht.
Besonders der letzte Satz des Briefes versetzte mir einen Stich.

Ich sah wieder auf das Meer hinaus. Dabei fiel mir ein, warum mich diese Naturgewalt so faszinierte.
Das Meer stand nie still. Ganz egal, wer kam und ging, es bewegte sich immer weiter. Daran sollte ich mir ein Beispiel nehmen.

Mein Blick landete wieder auf dem Brief und ich strich mit der Hand über die letzte Zeile.

Ich werde es vermissen. Pass auf dich auf.

Ich werde euch auch vermissen. Rilytia und dich.

Meine Beine rutschten wieder vom Küchentresen und der Rest folgte. Gerade als ich den Brief zurück in das Regal legen wollte, hielt ich abrupt an und starrte zum Fenster. Mein durchsichtiges Spiegelbild starrte zurück.

Verdammter Dreck! Was mache ich, wenn irgendwer meine Briefe unter ihren Sachen fand?!

Nach einem Moment ernüchterte sich meine Miene und ich wandte mich schulterzuckend von dem Fensterspiegelbild ab.
Neehh.. wer durchwühlt schon die Sachen einer Hochadligen.

Ihr seid der schlechteste Pirat, von dem ich je gehört habe.
Aber Ihr habt von mir gehört!

Fluch der Karibik
Zuletzt geändert von Benjamin Acalon am Dienstag 7. Februar 2017, 12:35, insgesamt 2-mal geändert.
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Benjamin Acalon
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Beitrag von Benjamin Acalon »

Okay Minion, du hattest Recht, und ich hatte... weniger Recht!
Megamind
Ich frage mich, ob ich mich wirklich so sehr verändert habe. Aber ich fühlte mich kein bisschen anders.
Eigentlich habe ich mich in der letzten Zeit wohl gefühlt. Ich dachte, ich mache alles richtig und war entsprechend selbtsicher. Wahrscheinlich traf mich die Enttäuschung deswegen so sehr.
Man hatte mir Probleme gemacht, ohne das Recht dafür zu haben. Ich hatte sogar unwissend mehr getan, als nötig.

Nun ist mir klar, das es hierbei nicht um Gerechtigkeit, oder um korrektes Verhalten ging.
Was ich nicht verstehe, ist der Grund für diesen ganzen Blödsinn. Mir fielen nur zwei ein, weil ich ein Problem mit einem Arkotither gehabt hatte, oder weil ich Pirat bin. Jedendalls haten sie mich für einen.
Ich sah mich nicht als Pirat. Eher als Seemann in Ausbildung. Aber Piraten segeln auf ihren Schiffen und überfallen andere Schiffe. Bisher habe ich weder das eine, noch das andere getan.
Ganz davon abgesehen, stamme ich nicht mal von der Insel.

Aber es reicht aus, um mich zu verurteilen.
Das ist die Tatsache, die mich wütend machte. Hinzu kam, das sich anscheinend kaum jemand für meine Seite der Geschichte interessierte. Bis jetzt wussten nur ein Gardist und eine Letharin darüber bescheid.
Ich habe zwar versucht, es dem Ritter zu erzählen, aber der wollte mir nicht zuhören. Er ging auch davon aus, das ich unrecht habe und es ist schließlich einfach, mir allein die Schuld zu geben.
Doch gerade von ihm habe ich sehr viel mehr erwartet. Er warf mir vor, ich würde meine Gefühle nicht unter Kontrolle haben. Gleichzeitig ließ er sich so sehr aufhetzten, das er keine gerechte Entscheidung fällte.
Dafür warf er das gesamte, schlechte Verhalten seines Knappen mit der Begründung über Bord, das er nunmal so ist und das jeder weiß.

Wenn er glaubt, das ich das einfach hinnehme und weiter mache, wie bisher, hatte er auf Sand gebaut.
Immerhin wurde mir vorgeworfen, mich nicht an die Regeln zu halten, allgemein gesprochen. Grund genug mich in Zukunft penibel genau an alle Regeln, Gesetze und Vorgaben zu halten. Und das so gewissenhaft, das ich keinen seiner Aufträge je wieder erfüllen kann.

Ich stehe zu meiner Aussage, das Respekt von beiden Seiten kommt. Einseitig ist das nunmal nicht überlebensfähig. Genauso wie Streit stets von zwei Seiten ausgefochten wird.
Sicher erwarte ich keine Verbeugungen. Aber ich erwarte, das sie mich nicht wie einen kleinen Trottel behandeln.

Interessant war die Behauptung, das ich alles wissen muss, was in Rahal vor sich geht. Rahal ist schließlich auch ein Ort, wo jeder mit seinen Informationen hausieren ging. Wo sich niemand um Spione sorgte und alles, was geschah, auf öffentlichen Aushängen stand.
Ich frage mich ernsthaft, ob der Ritter seinen eigenen Worten lauscht. Es klang so gar nicht danach. Ihm selbst hatte ich eine Bitte vorgetragen, in der es um Informationen ging, die mir wichtig waren. Ich vermute diese Bitte hat er bereits wieder vergessen.

Er war es auch, der nicht mal ansatzweise erklärt hat, was die Legion ist. Damals als er anfing die Leute hinein zu zwingen.

Diese ganzen Vorfälle haben mich noch zu einem anderen Schluss gebracht.
Rahal ist nicht bereit, für ein Piratenschiff.
Natürlich habe ich dafür gekämpft. Ich selbst wäre zu gern auf einem Schiff auf und davon gesegelt, oder hätte unseren Feinden mit roten Segeln Angst und Schrecken eingejagt.
Aber der Vorfall hat mir deutlich gezeigt das es, im Moment jedenfalls, nicht möglich ist dieses Schiff für Rahal zu fahren.
Sie sind einfach nicht in der Lage uns von den anderen zu trennen.
Es gibt kein vollendetes Glück, jede Beziehung hat irgendwie ihre Probleme. Dass sie funktioniert merkt man daran, dass man sie weiterführen will, auch wenn alles nervt.
Scrubs
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Benjamin Acalon
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kyrie eleison

Beitrag von Benjamin Acalon »

Es wurde von Tag zu Tag schwerer, sie zu ertragen. Die Menschen, die ganze Stadt. Es war fast verrückt, dass ich mich vor ein paar Monden im Reich noch richtig wohl gefühlt habe.
Das war, im wahrsten Sinne des Wortes, Vergangenheit.

Nun war ich ein Feind in den eigenen Reihen. Jemand der störte, jemand, der gegen den Strom schwimmt und das mögen Rahaler nicht.
Wir mögen Schubladen, Ordnung und Perfektion.

Der Grund, warum ich das Reich einst auf seine Art geliebt hatte, war einfach. Deine Taten zählen, nicht deine Titel. Ich habe keinen Kampf ausgelassen, kein Fest und keine Bauvorhaben. Ich stand beinahe immer in der vorderen Reihe.
Alles, was ich wollte, war der Respekt, der mir gebührte. Respekt dafür, dass ich dort war, wenn sie mich brauchten, dass ich kam ohne mich lange bitten zu lassen.

Vorbei, Vergangenheit. Ein Kampf ist sinnlos geworden.
Manchmal betrachtet man sich selbst durch die Augen von jemand anderem. Wenn man Glück hat, gefällt einem was man sieht. Oder man lernt etwas daraus. Aber wenn einem nicht gefällt, was man sieht, kann man nur hoffen, dass man nicht zu viel kaputt gemacht hat.
Scrubs

Der Hauptmann, als ich mich damals im Reich einfügte, war er für mich der Inbegriff des Ritters. Stark, klug, respekteinflößend.
Eine Zeit lang habe ich sogar versucht ihm besonders aufzufallen. Ich habe sogar den Hilfsgardisten gemacht, wenn keiner seiner bezahlten Leute in der Nähe war.

Er hat mit ein paar einfachen Worten so viel kaputt gemacht. Dank ihm haben sich meine Probleme aufgehäuft und ich war einfach nicht mehr in der Lage, dagegen anzukämpfen.
Aber sowas kann er von seinem hohen Ross aus nicht sehen.

Sagt mal, hat sich keiner außer mir gefragt, warum im Reich niemand mehr Bürger sein möchte? Vielleicht ein paar Handwerker, die lieber in der Garde waren. Aber das, was sich lohnte anzustreben, war Würdenträger zu sein.
Immer schön nach unten treten und dabei nach oben schauen (Versengold).
Wer steht denn schon gern am unteren Ende der Nahrungskette, wo er nicht beachtet wird und nicht willkommen ist? Ich?

Nach allem, was geschehen ist, wünsche ich mir, dass sie mich einfach vergessen und in Ruhe lassen. Mich einfach leben lassen, wie ich will, still am Rand des Geschehens. Rahal hatte mich doch ohnehin verloren. Ich weiß nicht, wie ich es anders sagen soll. Einfach.. verloren.
Vertrauen gab es nicht mehr, wird es auch nicht mehr geben.

Wenn ich bloß nicht immer so laut und stur wäre. Wenn ich den Kopf einziehen und zu allem ja und danke sagen könnte.
Vielleicht kann ich das, wenn ich genug übe. Schließlich habe ich vorher schon beweisen, dass ich Masken tragen kann, damit niemand sieht, wie ich selbst bin. Mich hinter Lügen und Geschichten zu verstecken, ist meine Spezialität.

Ich habe noch ein paar anstrengende Tage vor mir, aber dann nehme ich meine Sachen und gehe. Vielleicht für ein paar Tage, vielleicht für Wochen. Spielt das eine Rolle?
Why does a man do what he mustn't? For her. To be hers. To be a kind of man.
And she shall look on him with forgiveness... and everybody will forgive and love. He will be loved. So everybody's okay, right?
C-can we rest now? Buffy? Can we rest?

Buffy the Vampire Slayer

Ich möchte doch nur eine Zeit lang nicht ich selbst sein.

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Benjamin Acalon
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Dankbarkeit

Beitrag von Benjamin Acalon »

Ein bisschen Dankbarkeit hätte diesem Idioten von Barde gutgestanden. Nicht mir gegenüber. Gegenüber dem Ritter und der Garde, jenen die seinen jungen Freund tatsächlich befreit haben. Während er irgendwelche Märchen von einem Kraken in unseren Gewässern erzählte.

Ich persönlich erwartete gar nichts, denn mehr bekam ich in der Regel auch nicht. In diesem Fall stimmte das zwar nicht ganz, doch es ging schnell wieder seinen gewohnten Gang.
Ich möchte gerne das Kriegsbeil begraben - mitten zwischen Deinen Augen.
Chicago Hope

Mir war auch klar, dass die Letharen mich sehr schnell wieder wie den letzten Dreck behandeln würden. Natürlich vorzugsweise jene, mit denen ich noch nie einen Satz gesprochen hatte.
Aber mit mir kann man es auch machen. Ich beschwere mich nicht mehr, über nichts und niemanden.
Egal wie man das Bild dreht, ich bin kein vollwertiger Bürger des Rahalischen Reiches. Alles, was ich tue, ist in ihren Augen nichtig. Das mach ich ganz allein für mich.

Wie zum Beispiel zu helfen, einen schwer verletzten Stadthalter aus einem sinkenden Keller zu befreien, während seine Freunde doof glotzend danebenstanden oder schon die Flucht angetreten hatten.
Leider blieb dabei ein Teil von seinem Fuß auf der Strecke, weil ich die Nägel in der Dunkelheit und dem Brackwasser nicht mehr finden konnte. Aber das war ein vergleichsweise kleiner Preis, zum Ertrinkungstot in einem muffelnden Keller. Zumindest hoffte ich, dass er auch so dachte.
Es war schön zu sehen das er schnell wieder auf den Beinen war. Auch wenn ich den Blick, den er dort im Keller draufhatte, durchaus kannte.

Was mich sehr viel mehr freute, war das die Jugendlichen alle wohlbehalten nach Hause gehen konnten. Mit leichten Verletzungen, Hunger und einem unangenehmen Geruch. Aber sie waren allesamt sehr lebendig.

Ich führte meine Streifzüge durch die Wälder des Reiches fort. Denn so ganz traute ich dem Braten nicht, was die Ruhe von diesen Banditen anging.
Zudem war das eine gute Ausrede um Rahal und die unangenehmen Konfrontationen zu meiden.

Als die ersten Schneeflocken vom Himmel fielen, stand ich mitten im Wald, zwischen großen Bäumen. Der Schnee hatte es schwer, hier durch die Äste zu kommen. Trotzdem brachte ein Arschloch von Schneeflocke es fertig, direkt in meinem Nacken zu landen.

Undank ist der Welt Lohn.
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