Die Grünländer haben oftmals eine falsche Auffassung über die in Menek’Ur lebenden Tavinis. Bei vielen Grünländern besteht der Irrglaube, dass Tavinis mit dem Sklavenstand vom Festland gleichzusetzen sind. Dies widerspricht jedoch den Leitsätzen der All-Mara, nach denen das auserwählte Volk der Sonne lebt und strebt.
Die Auffassung der Grünländer sei nur kurz angeschnitten: Erniedrigung, Gewalt, Ausnutzung, Schändung und Schädigung fürs Leben. Dies spricht gegen die Nächstenliebe und Wertschätzung, die die Menekaner jedem Geschöpf der All Mara zusprechen, so seine Seele nicht hoffnungslos durch fehlerhaftes Verhalten verloren ist. Denn Sklaven, wie sie von den Grünländern gehalten werden, haben erfahrungsgemäß zu keiner Zeit ihres Lebens Freude an dem was sie tun, geschweige denn erfahren sie einen friedvollen und würdigen Umgang.
Der von der Mara auserwählte Emir hat keine Einwände gegenüber dem Tavinitum, solange sich ein jeder an die Sitten und Traditionen der Menekaner hält. Im Reich der Sonne werden ihre Dienste im Allgemeinen wohlwollend und dankbar angenommen.
Historisch betrachtet ist zu vermuten, dass Tavinis hauptsächlich für Aufgaben eingesetzt wurden, die als unrein bezeichnet wurden, die unter normalen Umständen aber auch von den Natifahs des Hauses erledigt werden mussten. So zählte der Hausputz, insbesondere die Reinigung von Zuber und Abort dazu, daneben aber auch die Verkostung der Familie und der Gäste. Was höchst unwahrscheinlich ist, ist heute wie damals der Einsatz von Tavinis im Bereich der Führung und Verwaltung. Undenkbar ist der Gedanke an Liebesbeziehungen zwischen Menekanern und Tavinis - ein Menekaner würde niemals unterhalb seines Standes solche Beziehungen eingehen. Möglich ist dagegen, dass Tavinis ursprünglich für Bauarbeiten und andere harte körperliche Arbeit eingesetzt wurden, wobei dies ebenso eine Aufgabe der Hauslosen und der in Ungnade Gefallenen darstellt.
Heutzutage sind klassische Hausarbeiten, die Bedienung der Herren/Herrinnen und Gäste, Botengänge und Besorgungen, die Instandhaltung von Gebrauchsgegenständen und viele weitere Tätigkeiten ein Aufgabenfeld der Tavinis. Des Weiteren obliegt einer Tavini die Möglichkeit, in den Dienst der Armee einzutreten, wenn ihr Herr/ ihre Herrin keine Einwände hegt. All jene genannten Aufgaben und Tätigkeiten würde auch eine Natifah erledigen, weshalb es ein Fehler ist zu behaupten, dass Tavinis wie Sklaven in Menek’Ur gehalten werden.
Die Vermutung, dass das Tavinitum vor allem der Integration dient, ist nicht weit hergeholt. Im Austausch mit einer Tavini wurde bestätigt, dass sie von ihrer Herrin in allen möglichen Belangen erzogen und geschult wurde und dies allgemein gang und gäbe sei. Teilweise unterstützt die ehrenwerte Esra die Tavinis höchstpersönlich, indem sie ihnen die menekanische Sprache lehrt. Die Tavinis lernen im Grunde genommen wie die Natifahs, eine perfekte Blüte zu werden. Dazu gehören die Schwerpunkte Aufmerksamkeit, Zuvorkommenheit und das nötige Maß an Gehorsam.
Nach Angabe der befragten Tavini bereitet es ihr keine Schwierigkeiten, ihr Leben in Menek'Ur, unter der Vormundschaft eines Herrn oder einer Herrin als eine Art von Wohlstand anzusehen. Tavinis wissen meist selbst, wie viel schlechter es ihnen gehen könnte, wären sie woanders untergekommen. Es ist ihnen laut eigener Aussage eine Ehre und Freude zugleich, dem Reich Menek'Ur mit ihren Fähigkeiten dienen zu können.
Die Arbeitskraft und Dienstbarkeit einer Tavini wird meist mit Gold erworben. Dabei handelt es sich nach menekanischer Auffassung um einen Vertrag mit der Tavini oder den Personen, die über sie die Vormundschaft besitzen. Dieser Vertrag erlegt der Tavini nicht nur Pflichten auf, er stattet sie auch mit gewissen Rechten aus - darunter das Recht auf Schutz, Obsorge und Unterstützung. Meist ist der Vertrag zeitlich begrenzt und nach Ablauf ihrer Dienstzeit gilt eine Tavini vor dem Gesetz als frei. Es gibt jedoch die Möglichkeit, weiter freiwillig im Dienste ihrer Herren zu verbleiben oder sich in Menek’Ur niederzulassen.
Abschließend kann man festhalten, dass das Unterbringen von Tavinis im menekanischen Haushalt nicht verwerflich ist, geschweige gegen die Traditionen und Gesetze des Reiches Menek’Ur verstößt, gar dem Glauben und den Leitsätzen der All Mara widerspricht. Denn sonst müssten die Menekaner ihre gesamte Gesellschaftsordnung und die Art und Weise, wie sie ihre Jüngsten erziehen, in Frage stellen.
Eine Tavini lässt sich viel passender als eine in die menekanische Gesellschaft zu integrierende Person beschreiben, die sich mehr oder weniger freiwillig der Vormundschaft eines Herrn oder einer Herrin unterwirft. Des Weiteren sei angemerkt, dass ein jeder Herr oder Herrin einer Tavini verpflichtet ist, diese dem Sanjak vorzustellen, auf dass die Tavini in den Büchern der Stadt gelistet wird. Dies dient zu ihrem Wohle und ihrem Schutz.