"Nur eine Erkältung"

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Lythiana Cronor

"Nur eine Erkältung"

Beitrag von Lythiana Cronor »

Ein röchelndes, hohles Husten erfüllte die kleine Kammer im Gasthaus Rahals. Unruhig warf sich Lythiana auf dem Bett herum, die Laken waren schon vollkommen zerknüllt und schweißgetränkt. Die Augen der jungen Frau waren geschlossen. Schweißperlen glitzerten auf Stirn und Wangen, welche unnatürlich gerötet waren und so in krassem Gegensatz zum sonst totenbleichen Gesicht standen. Lythiana träumte... oder befand sich zumindest in einem Zustand, der dem des Träumens sehr nahe kam. Vor ihrem inneren Auge wechselten sich Bilder in rascher Folge ab.
Das Gesicht Mikhails, des jungen Burschen der vor vielen Jahren das Erwachen ihrer Gabe am eigenen Leib spüren musste.... Saskya, die sich mit einem frechen Grinsen zu ihr umdrehte.... Letast, der ihre Verbannung aus Rahal aussprach... Albea, die davon predigte, alle Gefühle hinter sich zu lassen... Jago... der Meister, der sie zuckersüß anlächelte... ein verbotener Kuss... das Gesicht Niathaels, dem ihren sehr nahe...
Ein erneuter Hustenanfall schüttelte den zierlichen Körper, nahm Lythiana die Luft zum Atmen und riss sie aus dem schlafähnlichen Zustand. Sie setzte sich, verzweifelt nach Luft ringend, im Bett auf, schwang die Beine über die Bettkante, schaffte es irgendwie, sich auf die eigenen Füße zu stellen und taumelte zum kleinen Tisch in einer Ecke des Raumes, auf welchem ein mit Wasser gefüllter Krug stand. Schwarze Punkte tanzten vor ihren Augen. Wasser... Wasser würde ihrer ausgedörrten Kehle gut tun, würde den Hustenreiz beenden... Die junge Frau griff zum Krug, setzte ihn an die Lippen... und kam nicht mehr dazu, aus ihm zu trinken. Die schwarzen Punkte verdichteten sich.. nahmen ihr Blickfeld ein... bis sie schließlich nichts mehr sah. Der Krug entglitt ihrer Hand, fiel zu Boden... gefolgt von Lythiana. Ein Klirren, dann ein dumpfer Aufschlag... dann Stille.
Niathael Carrtha

Beitrag von Niathael Carrtha »

Und täglich grüßt das Murmeltier .. oder in seinem Fall der stetig miserabel gelaunte Kutscher .. wobei das Grüßen mehr einem animalischen Raunen ähnelte ..

"Gu-Guten Morgen." der junge Mann, äußert gepflegten Äußeres und Besitzer eines charismatischen Lächelns neigte in aller Höflichkeit sein Haupt.
"Mor'n." erwiderte man ihm während theatralischen Ächzens die Zugrösser lieblos getätschelt wurden.

Mittlerweile sparte sich der Kutscher die Frage nach dem Ziel des Burschen - was Niathael nun auch spüren ließ wie sehr sich die letzten Tage ritualisierten. Behutsam schloß er die Kutschentüre nach dem Ausstieg und steuerte geradewegs auf das pompöse Stadttor zu, wo er den fremden Grußfloskeln mit anerkennendem Nicken oder untertänigem Lächeln entgegnete.

Bajard hatte schon vor Zeiten seinen Reiz verloren, die ihm nahe Stehenden ließen sich an einer Hand abzählen, seine Motivation suchte sich immer tiefere Löcher und die Durchreisenden erweckten noch nie sein Interesse. Sein Blick wanderte wachsam wie der eines sich auf der Jagd befindlichen Tieres durch die Gassen. Er kannte den Weg. Einmal grade' aus, ... die hohen, kargen teils von Efeu umwobenen Steinwände des Bruderschaftsgebäudes beäugte er jedes Mal mit naivem Erstaunen - war doch eher hölzerne Einfachheit aus Bajard gewohnt. Nach einem kurzem Moment des Sinnierens also dann rechts um, ehe es ihn an der Bibliothek vorbei, ein arenenartiges Bauwerk weiter an ein kleines Gewässerchen führte.

Herberge zum schwarzen Panther - Pleonasmus, - dann schlich er einem Einbrecher gleich die hölzernen Treppen hoch. Die morschen Bretter unter seinen Füßen knarrten. Um ihn herum tuschelten die Menschen, wenn gleich da eigentlich gar keine waren. Er hatte sich mit der Tatsache schon vor Jahren abgefunden - dennoch - oben angekommen öffnete er mit diebischer Leisigkeit die eisenbeschlagene Holztüre.

Vorsichtig drückte er ein Ohr an die Zimmertüre zu seiner Linken. Die Augen geschloßen konzentrierte er sich auf ein mögliches Geräusch das auf ein zu Hause sein der Bewohnerin schließen ließe.[/i]
Jago di Trequona

Beitrag von Jago di Trequona »

Da er sowieso schon in Rahal war, hatte er eigentlich nur rasch bei Schwester Lythiana vorbei sehen wollen. Vielleicht hatte sie einiges von dem Zeugs an Tinkturen, was er ohnehin noch brauchte. Was er allerdings vorfand, als er ohne zu klopfen die Tür öffnete, hatte er so nicht erwartet. Die junge Magierin lag schweißüberströmt und totenblaß in den Kissen, gequält von einem Husten, der ihr immer wieder die Luft zum atmen nahm. Neben ihr auf dem kleinen Schemel vor dem Schminktisch ein Bursche, kaum dem Knabenalter entwachsen, der offensichtlich das Baderhandwerk ausübte.
Die Sorge, die den Erzmagier bei Lythianas Anblick erfaßte, war tatsächlich echt und ein Erstickungsanfall seiner jungen Schülerin trug nicht gerade zu seiner Beruhigung bei.
Es war ihr sichtlich unangenehm, daß er sie so sah, matt, hilflos, gequält vom brennenden Schmerz in der Brust, der ihr den Atem nahm. Es schien sie zu verwundern und gleichzeitig warf sie ihm einen dankbaren Blick zu, als er sich auf die Bettkante setzte, um ihr ein Glas Wasser zu reichen.
Kurze Zeit später, in der Tasche eine Schatulle mit einigen Phiolen des Heilers, machte er sich wieder auf, nicht ohne dem Burschen einen zweiten Beutel Gold zuzuwerfen.
"Ich brauche sie noch.... Tu deine Arbeit und tu sie gut."

Er konnte es sich jetzt absolut nicht leisten, ein talentiertes Mitglied seines Ordens durch so etwas lästiges wie eine Krankheit zu verlieren.
Niathael Carrtha

Beitrag von Niathael Carrtha »

Spät Nachts erst verließ der Bursche die Wohnstätte der Erkrankten. Noch lange hatte er sie mit Substanzen traktiert, die in anderen Händen tödliches Gift hätten sein können. Er fragte sich ohnehin stetig wieso er sich diese Sache und vorallem die missgünstige Arroganz ihrer Ordensbrüder antat.

Das Gold das ihm der Maskierte für die Behandlung seiner Vertrauen da ließ packte er achtlos auf ihr Nachtkästchen ... welch Hohn, zum Einen fing er ohnehin nicht viel mit Gold an und zum anderen war die Menge der Münzen ein tränenerfülltes Lachen wert.

Viel konnte ihm diese Frau nicht wert sein dachte er sich zunächst, ehe er diese Worte dann sogar noch verbalisierte - die Stimmung drohte zu kippen. Das er für diesen Spott eigentlich nichtmal eine trächtige Kuh ihrer Schmerzen entledigte ersparte er sich auf Weiteres in erlernter Höflichkeit.

Doch das sollte nicht das letzte Treffen gewesen sein, ... allmählich begann er einen unnatürlich starken Drang zu verspüren mehr über die Rahaler Gegebenheiten, dessen Kulturkreise und gesellschaftliche Normen erfahren zu wollen, nicht zu letzt unwichtig der ihm noch viel zu unbekannte Glaube dieser exzentrischen Leute.
Lythiana Cronor

Beitrag von Lythiana Cronor »

Als die Schritte Niathaels auf der Treppe verklungen waren, ließ sich Lythiana mit einem leisen Seufzer auf ihr Bett fallen. Nun, da sie alleine war, spürte sie ihre momentane Schwäche wieder sehr deutlich... Zwar hatte Niathaels Behandlung letztlich doch angeschlagen, das Fieber war gesunken, der Hustenreiz hatte nachgelassen und sie konnte wieder relativ frei atmen, doch war sie noch alles andere als gesund. Immer noch war ihr leicht schwindelig, sie fühlte sich matt und hatte ganz sicher noch Fieber. Nachdenklich, fast schon missmutig starrte Lythiana auf die nur angelehnte Tür ihres Zimmers. Es passte ihr gar nicht, dass erst Niathael und dann auch noch Jago sie so schwach gesehen hatte...wieso in Alatars Namen konnten sich beide nicht um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern?! Sie hätte die Krankheit sicher auch ohne die Hilfe des Heilers überstanden... was bildete dieser sich überhaupt ein, einfach ungefragt in ihr Zimmer einzudringen? Was hatte er überhaupt bei ihr gesucht? Sie wurde wirklich nicht schlau aus ihm. Auf der einen Seite wirkte er so schüchtern und zurückhaltend - so sehr, dass es fast schon verlockend war - aber auf der anderen Seite konnte sie gelegentlich erkennen, dass das längst nicht alles war... er verbarg etwas vor ihr, wollte sich ihr nicht öffnen. NOCH nicht... Lythiana lächelte sacht bei der Vorstellung, ihn eines nicht allzufernen Tages dazu zu bekommen. Eine neue Herausforderung...
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