Die Zeit verstrich ohne dass ihr ein passender Vergleich dafür in den Sinn gekommen wäre. In all den letzten Wochen und Monaten hatte es bedeutende Eckdaten gegeben, welche die Zeitspanne aufzuteilen versuchten, begreiflicher machten. Aber an sich fühlte sich dieses Jahr wie eine große Dunstwolke an, die ständig weiter zog, mit neuen Aufgaben und Zielen. Die langgeplante Hochzeit der Lenjars war abgeschlossen, eine liebreizende kleine Tochter war dem Paar geschenkt worden, zwei weitere in Johannas Leben präsente Menschen kamen mit einem Vermählungswunsch zu ihr. Und auch die Hochzeit von Lady Helisande und Sir Thelor stand direkt vor der Haustür. Wieder ein großer Meilenstein, dem im Reich ein großes Aufatmen folgen würde. Daneben standen noch immer die fahlen Schatten vergangener Scheidungen und die grauen Wolken der Trauerzeit für andere Verbliebene.
Und natürlich die Klosterwache. Noch im letzten Jahr hatten die verbliebenen Geweihten mit Wehmut darüber gesprochen, ob sie das Projekt der Klosterwache einstellen sollten und sich dafür Bedenkzeit genommen. Doch war dies nun in Wohlgefallen aufgegangen. Treue, gut ausgebildete aber auch ganz bescheidene, humorvolle Charaktere stehen nun in den Farben des Klosters den Geweihten zur Seite. Johanna hatte sich redliche Mühe gegeben auch Angebote der Beschäftigung zu stellen und ihre Vorstellungen davon waren durch den Einsatz jedes einzelnen übertroffen worden. Beispielhaft hatten sie Johanna bei ihrer von Temora erteilten Aufgabe zur Seite gestanden und ihre Reihen auch für Johannas Bekannte und Freunde geöffnet. Das war ein gutes Zeichen, die gereichte, einbindende Hand bei gefestigtem Stand. Auch wenn sie sich hier noch einmal ein paar Positionen klären sah.
Vieles war aber auch nicht leicht gewesen und ihr doch mehr zugesetzt, als sie es wahr haben wollte. Es äußert sich teilweise in einer missgestimmten Launenhaftigkeit, die ihr Nachbar eher milde erfreut als „normale Menschlichkeit“ bezeichnet hatte. Sie war enttäuscht gewesen ob vieler sich summierender Dinge großen und kleinen Ausmaßes. Sei es ein nachts ausartender Streit mit einer Freundin, den die Freundschaft der Herrin sei dank überstanden hat, schriftliche absurde Anschuldigungen, die Pflichterfüllung wirklich undankbarer Aufgaben, nicht eingehaltene Termine, Beschwichtigungen, angelogen worden war sie auch. Aber das gehörte dazu und ging vorbei. So musste sie nur besten Gewissens versuchen im Sinne der Tugenden und in einigen Angelegenheiten im Namen der Kirche richtig zu reagieren. Das machte es nicht einfacher, aber einfach war der Weg nie gewesen, den sie sich gewählt hat. Es war nicht einfach die undankbaren Aufgaben zu übernehmen, die unangenehmen Sachen zu formulieren, Entscheidungen zu treffen und konsequent für sie einzustehen, selbst wenn man es für eine Institution tat. Es sorgte weder für das Gefühl der Erhabenheit, noch für Freude oder Schadenfreude. Im Kloster konnte vor allem Aurea das nachvollziehen.
Neben all dem ging beinahe unter, dass sie vor etwa fünf Wochen unter vielen Glückwünschen ihre dritte Weihe erhalten hatte. Die Aufgaben hatten sich nicht geändert, aber ihre Möglichkeiten, aus denen sie tiefen Glaubens schöpfte. Umso mehr griffen nun die Tugenden des Kodex der Ritterlichkeit.
Das alles war es wert.
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Alsamar





