Wenn der Wind mit dem Sand tanzt

Anisha

Beitrag von Anisha »

Die Tage vergingen wie im Fluge, Anisha fühlte sich wohl in dieser Wüstenstadt. Man nahm sie kaum wahr, wenn sie durch die Gassen lief, sich hier und da etwas essbares erbat und sich irgendwo auf den Sonnenwarmen Steinen ein Nachtlager suchte. Doch etwas schien vorzugehen was zunächst nur die Anwohner zu spühren schienen. Anisha bemerkte schon, dass das Wetter rauher wurde und die Winde stärker. Doch vermochte sie nicht zu deuten, ob dies hier normal war oder
nicht. Vielmehr beobachtete sie wie die Einheimischen mit besorgten Gesichtern die Blicke gen Horizont richteten und sich dann aufgeregt miteinander unterhielten. Anisha mochte die fremde Sprache, auch wenn sie sie nicht verstand und oft konnte sie an deren Stimmlage und den Gesten der sprechenden etwas deuten. Sie verstand also, dass etwas nicht zu stimmen schien.

Bald schon zeigte sich, weshalb die Einheimischen zunehmend nervöser wurden. Das Wetter, nein es war kein Wetter es waren gewaltige Kräfte die da wirkten und Anisha ängstigten. Anisha fand in vielerlei Hinsicht Wärme und Sicherheit bei den Menekanern, eine Schlafstadt in dem
ein oder anderen Geschäft, draußen konnte sie sich nicht mehr aufhalten.
Als sich jedoch die Situation so dramatisch verschärfte, dass die Stürme selbst die Häuser wegzuwehen drohten und sich erst zarte, dann tiefere Risse durch die Gemäuer zogen und überall knirschte und knackte, wurde die Stadt immer Menschenleerer und Anisha begriff nicht wohin alle flohen. Sie hatte keinen Keller, keinen sicheren Unterschlupf und selbst als sie sich versuchte in Möbelstücken eine Schlafstatt zu suchen, konnte sie die bedrohlichen Geräusche und ihre immer stärker werdende Panik nicht verdrängen. Schliesslich wollte sie nur noch eines, nach Hause zurück nach Varuna, wo sie das Waisenhaus suchen sollte wie es ihre
sterbende "Mutter" ihr gesagt hatte.

Sie nahm allen Mut zusammen und verließ die Taverne, die sie als letzte Schlafstätte aufgesucht hatte. Zum Hafen wollte sie, komme was wolle. Sie ergriff das zarte schöne Prinzessinnenkleid, welches Mukthaar ihr anfertigen gelassen hatte und band es sich so um den Laib, dass es auch den Kopf und das Gesicht bedeckte, ihr Beutel war gefüllt mit Gaben Mitleidiger. Sie band ihn sich auf den Rücken um die Hände frei zu haben. Mutig kämpfte sie sich gegen den Wind bis sie im Freihen stand. Der peitschende Sturm entlud den getragenen Sand gegen ihren kleinen schmalen Körper und warf wie in Sekundenschnelle um. Sie versuchte die Richtung zum Hafen auszumachen und kroch auf allen Vieren vorwärts.
Anisha war so erschrocken und verwirrt von der Gewalt gegen die sie
ankämpfen musste, dass sie schlagartig die Orientierung verlohr.

Ein lautes schnaufen erschreckte sie, und sie stiess gegen ein Bein. Sie blickte auf und sah ein Lama vor sich, welches sich ebenfalls gegen den Wind stemmte. Ob man es zurückgelassen hatte oder ob es sich losgerissen haben mochte, jedenfalls sah es selbst für einen Laienblick alt aus und es trug lediglich ein geknüpftes Halfter. Anisha jedoch war glücklich es zu sehen, denn mit ihm zusammen würde sie es vielleicht zum Hafen schaffen. Sie nahm allen Mut zusammen und zog sich an seinem langen Fell hoch auf den Rücken. Beinahe wäre sie vom Sturm wieder heruntergeweht worden, doch mit aller Kraft krallte sie sich um seinen Hals. Das Tier lief los, langsam um jeden Schritt kämpfend, aber wesentlich kraftvoller als Anisha es gekonnt hätte. Sie klammerte sich auf seinem Rücken fest so gut sie konnte und vertraute darauf dass es die
richtige Richtung nahm. Sehen konnte sie sowieso nichts und so hielt sie die Augen geschlossen, schmerzten sie doch sowieso schon vom hineingepeitschten Sand.

Viele Stunden später hatte sie begriffen, dass das Tier nicht zum Hafen gelaufen war. Sie weinte stumm in sein Fell hinein und wähnte sich verlohren. Sie würde irgendwo in dieser ewigen Wüste inmitten des Sanfsturms mit dem alten Tier sterben, soviel war gewiss. Die Stadt musste weit entfernt sein, denn das Tier schritt seit einer Ewigkeit beständig voran. Sie wusste nicht welcherart Hoffnung ihr nun noch Lebensmut geben sollte, doch zumindest war noch ein Fünkchen davon vorhanden, das ausreichte sie zum essen und trinken zu bewegen. Auch als es dunkelte, befand Sie sich immernoch auf dem Rücken des Tieres und ebenfalls am nächsten Tage. Sie hörte auf die Zeit zu schätzen und hing bald völlig vom baldigen Tode überzeugt im Fell des Lamas.

Die Zeit flog dahin, langsamer als der Sturm aber schnell genug ihr die Sinne zu rauben, und die Schritte des Tieres wurden bald langsamer und beschwerlicher. Anishas Wasserschlauch war bereits trocken und ihr Beutel barg keine Früchte mehr. Anishas Kräfte schwanden, ihre Hände
hielten ihren Körper nur noch durch einen nicht lösbaren Krampf auf dem Rücken des Lamas, als das Tier schliesslich unter ihr zusammenbrach. Anisha blieb noch eine ganze Weile auf dem toten Tier liegen bis sie begriff was gerade passiert war. Sie hatte keine Trähnen, doch mit
dem Lebensende des Tieres, war auch ihr letzter Hoffnungsfunke erloschen.

Mit einem letzten Blick in den tobenden Sand wollte sie aufgeben und ihr junges Leben davonwehen lassen. So blickte sie ins Licht und ein letzter Gedanke galt der Wärme und Liebe ihrer verstorbenen Mutter, als sie plötzlich vor sich Bäume sah. Sie rieb sich das wundgepeitschte Gesicht um besser zu sehen. Mühsam kroch sie vom Rücken des Lamas und hielt den Stoff des Kleides dem wehenden Sand entgegen und mit letzen Kräften schleppte sie sich so voran in Richtung der Bäume. Es schien ihr als hätte mit dem Bild vor sich auch der Sturm gelegt und würde sich weitaus weniger gegen sie stemmen als die Stunden und Tage zuvor. Sie konnte es kaum glauben, als ihr beim Ankommen in der Oase tatsächlich Menschen entgegen kamen. Wimmernd brach sie dort zusammen, es war beinahe schmerzhaft, als sich in ihr die Hoffnungslosigkeit löste und unsagbarer Erleichterung Platz verschaffte.
Saheeb Masari

Beitrag von Saheeb Masari »

Nur langsam beruhigte sich Saheebs aufgebrachtes und aufgewühltes Gemüt wieder. Selbst hier, in abgeschiedener Einsamkeit von allen anderen, am Ostrand der Oase schaffte er es nicht, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen.

Wieso machte sie es ihm so schwer? Und sich selbst gleich mit? Noch immer geisterte Charis durch seinen Kopf und belastete ihn. Und dann die Sache mit Aalina - ihm war klar geworden, dass zwei Personen in ihm waren. Der eine war der Bruder, nett, hilfsbereit und zuvorkommend und hin und wieder mit einem flotten Spruch auf den Lippen, wenn es sein musste und die Situation es erlaubte.
Der andere war der politische Mensch in ihm. Er war Familienoberhaupt und hatte für die Ehre seines Hauses und das Wohl seiner Familie zu sorgen. Er war Handelsminister des Erhabenen und damit Repräsentant des menekanischen Volkes. Hier waren keine Späßchen und Ausflüchte erlaubt, das war das wirkliche, das echte Leben. Jede Entscheidung, die hier getroffen wurde, konnte die letzte sein, und kein Aufstand und keine Unbotmäßigkeit durfte geduldet werden.

Und nun traten Fadi und Zaina an ihn heran und baten ihn um Wohlwollen für ihre Liebe? War den beiden noch zu helfen? War es nicht schwer genug, das unvollständige Haus Masari zusammen zu halten, nein, musste er sich nun auch noch um Ehre und Ehe kümmern?

Zunächst hatte sich Saheeb nur auf ein Gespräch mit seiner Schwester gefreut - sie wollte etwas mit ihm besprechen, dass für sie von äußerster Wichtigkeit war und niemanden sonst aus dem Lager etwas anzugehen schien. Wer konnte auch an so etwas denken? Saheeb war sich sicher, es hatte etwas mit Ra'ed zu tun, mit den Zwistigkeiten des Hauses oder sie hatte vielleicht sogar etwas von Charis... nein. Sie wollte alleine mit ihm sprechen, das wollte er ihr nur zu gern zugestehen.

Mit ausladenden Schritten, froh, etwas von den anderen abseits sprechen zu können, ging er zum Rand der Oase - Zaina hingegen ließ auf sich warten. Wie ruhig der Sturm hier wirkte im Vergleich zu dem, was er an der Salzmine erlebt hatte. Hier spürte er wieder ein wenig die Ruhe und die Kraft, die von dieser endlosen Einöde ausging, hier fühlte er sich geborgen. Und fast etwas missmutig drehte er sich um, als er die Schritte hinter sich vernahm. Doch hinter ihm wartete nicht seine kleine, liebreizende Schwester - sondern sie zusammen mit dem Statthalter, Fadi aus dem Hause Yazir.

Die beiden wirkten auf merkwürdige Weise verlegen, und doch ergriff Fadi das Wort und tat kund, was die beiden bedrückte. Er gestand seine ernsthaften, tiefen und aufrichtigen Gefühle, die er für Zaina empfand, und auch sie gab ihm, ihrem eigenen Bruder und Oberhaupt, zu verstehen, dass sie mehr für Fadi empfand als reine Freundschaft, viel mehr. Sie wollten es Saheeb mitteilen, statt sich heimlich zu lieben, und sie baten um sein Wohlwollen.

Sein Wohlwollen. War sie verrückt geworden? War diese Schwester, Tochter des Fateen, eines ehrwürdigen Mannes, und der Yasemeen, einer ehrvollen Frau, nun endgültig ihres Verstandes beraubt worden? Wütend schnaubte Saheeb, der nun an eine Palme gelehnt dasaß, vor sich hin. Er erinnerte sich noch genau an jenen Tag, als sie mit Saalih zu ihm kam - damals stand sie ähnlich verlegen vor ihm wie heute. Wie konnte er aber auch ahnen, dass... zurück. Saalih hielt um ihre Hand an. Ein Ifrey, ein Mitglied der größten Verräterfamilie des Reiches. Nur zu gerne hätte Saheeb ihm diese Hand verweigert, wenn er denn einen Grund gefunden hätte. Stattdessen hielt sie all seinen Fragen stand, gab immer wieder zur Antwort, dass sie ihn liebte, von ganzem Herzen und über alles. Wer kann einer solchen Frau verwehren, sich zu vermählen?

Und nun das. Sie, eine verlobte Frau, deren künftiger Gemahl fernab von seinem Volk auf dem Festland saß und keine Möglichkeit hatte, zu ihr zu kommen, suchte Schutz in den Armen eines anderen Mannes, als gelte ihr Wort, als gelte Saheebs Wort NICHTS. Statt sich an die Pflichten zu halten, die sie als Frau zu erfüllen hatte, statt sich an ihr Wort zu halten, dass sie gegeben hatte, beschwerte sie sich nun, dass Saheeb sie nicht verstand. Wie sie glücklich werden sollte mit einem Mann, den sie nicht liebte? Wie lange würde sie Fadi lieben? Einen Monat? Zwei?

Nein, es musste geordnet werden. Zuviel Chaos ringsum. Zaina war mit Saalih verlobt. Saalih war, auch wenn dies durchaus ungünstig war, auf dem Festland gefangen und konnte nicht bei ihr sein. Zeitgleich rettete sie sich in die Arme eines anderen Mannes, vielleicht tatsächlich aus Liebe und Gefühlen, vielleicht wurde sie auch nur von dessen Macht angezogen. Saheeb war sich der Beweggründe seiner Schwester nicht mehr sicher. Wie dem auch sei, nun traten beide, der Statthalter selbst, der um die Bedeutung der Ehre und die Wichtigkeit der Ehe wusste, und Zaina, die offen und ungezwungen ihr Herz und ihre Hand vergeben hatte, vor ihn und baten um Wohlwollen für eine Bindung, die nicht rechtens war.

Was verlangte sie von ihm? Sollte er sich und sein Haus entehren? Welche Stellung würde das Haus Masari im Reich der Wüste noch haben, wenn bekannt würde, dass das Oberhaupt ganz offiziell zuließ, wie sich die Töchter von Mann zu Mann schwangen? Welch Aufschrei des Entsetzens und welch Erzürnen würde ihm aus dem Hause der Ifrey entgegen gebracht? Keinen Deut besser als der größte Verräter wäre er, würde er dieser Verbindung zustimmen.

Doch was war mit ihm? Mit Saheeb selbst? Er kannte die Kraft der Liebe, dieses Gefühls, das einem zugleich Sicherheit und Trost, aber auch unendliches Leid zu bringen im Stande war. Ja, als Bruder konnte er sie verstehen, besser, als sie es wusste. Doch es war nicht der Bruder, der hier sprach. Es war nicht der Bruder, der hier sprechen durfte. Hier war er wieder das Oberhaupt, die oberste Familieninstanz und Bewahrer der Familienehre.

Er würde mit Sharie sprechen. Er würde mit Saalih sprechen. Doch niemand würde ihn dazu bringen, seine Entscheidung umzustimmen, bevor ihre Verlobung gelöst war und sie ihn überzeugt hatte von der Ernsthaftigkeit ihrer Gefühle. Seufzend erhob er sich.

"Es tut mir leid, Zaina. Diesmal kann ich dich nicht mehr bewahren...", murmelte er betrübt und geknickt, ehe er sich wieder zu den anderen Menekanern gesellte.
Zaina Masari

Beitrag von Zaina Masari »

In der Oase, im aufgeschlagenen Lager, wurde es langsam immer ruhiger. Es gab nur noch wenige, die vermisst waren, auch diejenigen, die noch fehlten, auch sie würden es noch zur Oase schaffen … und wenn nicht, dann hoffte man, dass sie irgendwo einen sicheren Unterschlupf finden konnten.
Die Sorge ließ dennoch niemanden in Ruhe, sie zeichnete die Gesichter immer wieder, auch wenn man öfter mal den ein oder anderen lachen sah. Unruhe, Kummer und Sorge hatte immer die oberste Hand.

Ein neuer Hoffnungsschimmer bot sich, eine Quelle mit Wasser tat sich auf, genau im Zelt des Emirs, der ehrwürdigen Familie Omars. Ein wahres Wunder, das Eluive uns schickte und sie nahm zu, sie wurde von Zeit zu Zeit immer ein Stückchen größer. Ein wahrer Lichtblick in solch einer Zeit. Nun gab es wieder einiges zu tun. Sie mussten das Zelt an einen anderen Fleck verschieben, damit die ehrwürdige Familie Omar nicht im nassen schlafen musste sowie auch die Quelle dann vor dem Wind schützen. Wieder gab es etwas zu tun, und die Langeweile, diese Art „Nichts tun zu können“ stellte sich für diesen Moment ein. So nahmen sie die restlichen Seile, Felle, die noch über waren und bauten zusätzlich eine Schutzwand, verschoben das Zelt auf einen anderen Fleck, so dass die Wasserquelle frei lag, atmen konnte, aber dennoch gut geschützt war.

Zaina dachte immer Salz schürfen wäre hin und wieder harte Arbeit, aber jetzt ... ihre Kräfte ließen langsam nach, schwach fühlte sie sich, ausgelaugt und unnütz. Nichts ging vorwärts, außer das der Sturm sich einen Weg schaffte, die Stadt auszulöschen, sie gar untergehen zu lassen.
Stille Ängste, Furcht drückten die Hoffnungsschimmer nieder. Ihre Gefühle selbst machten zusätzlich noch Saltos, sie sprangen zusammen mit ihrem Verstand hin und her. Alles drehte sich nur noch im Kreis. Sie kam nicht mehr vorwärts und auch nicht mehr zurück. Immer wenn sie einen Augenblick für sich gefunden hatte kreisten Gedanken in ihrem Kopf, wie Stimmen hörten sich jene an:

Wenn es für Dummheit einen Preis gäbe, würde ich ihn garantiert gewinnen. Gefühl und Verstand trennen sich voneinander und machen mein Leben zunichte. Wozu braucht man überhaupt einen Mann an seiner Seite? Ich glaube davon hab ich bald genug.

Was willst du verstecken? Du bist in den Mann verliebt, willst du uns erschrecken und ihn von der Kante stoßen? Ändere deine Meinung, sonst bist du allein und er ist nicht mehr für dich da.

Oh nein … niemals … nie im Leben, nicht so.
Gib zu, du schwebst nur auf Wolken.
Kein Liebeskram mehr, nein ich will keinen Mann mehr, es wird das Beste sein.

Ich will die Männer nur vergessen. Sonst werde ich’s irgendwann noch bitter bereuen. Das Ganze sollte ich vergessen. Sonst werde ich nächtelang nur noch weinen.


Was soll denn das Gejammer, du willst alles nur vermeiden. Es gibt für Dich doch nur noch einen.
Du wirst schon sehen, lass die Liebe in dein Herz und sag ja dazu


Es tut nur weh … nein ich will keinen Mann mehr, es wird das beste sein.
So muss es sein … ich will keinen Mann, lasst mich allein, ich will keinen mehr.


Sieh’s endlich ein, du bekommst einen Mann ... er wartet nur auf Dich.
Na fein, kann sein … außer ihm keinen anderen Mann …

Ihr Verstand sagte immer noch „Nein“ zu ihr, doch ihr Herz gewann jedes Mal die Macht über sie. Sie konnte ihre Gefühle nicht mehr verleugnen. Sie fühlte sich zu Fadi hingezogen wie zu keinem anderen. In seiner Nähe konnte sie die ganze Welt vergessen, und nur noch der Augenblick und sie beide zählten. Ein Blick zu ihm und ihr Herz schlug schneller, ihr Magen verkrampfte sich und ein wundervolles Gefühl legte sich über sie und mit jedem Tag wurde es mehr. Entschlossen nahm sie sich vor, sobald als möglich mit ihrem Bruder darüber zu sprechen. Er sollte nicht wieder vor den Kopf gestoßen werden, vor vollendete Tatsache gestellt werden. Sie wollte Klarheiten schaffen, wenn auch der wichtigste Punkt nicht geklärt sein konnte.

Zaina suchte das Gespräch mit ihm, doch sie ging nicht allein … sie nahm Fadi mit hinzu. Vielleicht war es ein Fehler, nicht zuerst allein mit ihrem Bruder zu sprechen, doch war sie froh darüber, Fadi an ihrer Seite zu wissen. Saheeb reagierte trocken und kühl, als sie ihre Gefühle vor ihm offenbarten. Er zweifelte an ihr und ihrem Vertrauen. Es schmerzte, nein, es tat weh. Keinerlei Verständnis schien er zu haben. Keinerlei. Er warf ihr vor, aus Not heraus gehandelt zu haben, allein des Sturmes wegen. Was glaubte er eigentlich, worüber sie den ganzen Tag nachdachte … würde sie zu ihm gehen, wenn sie sich ihrer Gefühle nicht sicher wäre? Sie würde sich selbst verraten. Sie war enttäuscht, gekränkt. Sie hatte nicht erwartet, dass er es mit Freude hinnahm, doch hoffte sie auf Verständnis und vielleicht auch tröstende Worte, doch nichts kam. Nichts dergleichen. Sie war enttäuscht und vielleicht würde sie das Gespräch mit ihm nochmal suchen. Allein, um sich zu erklären.
Fadi Yazir

Beitrag von Fadi Yazir »

Einige Zeit lag er an dem Abend noch wach am Feuer. Es war ruhig geworden und er wähnte den Rest des Lagers im Schlaf. Selten war es so ruhig wie jetzt. Das ganze Volk oder der größte Teil davon, der in der Oase eine Zuflucht gefunden hatte, war hier dicht beieinander und so war tagsüber das Treiben ähnlich, als hätten sie früher zur besten Tageszeit auf dem Basar gewohnt. Man kam nur selten dazu einen klaren Gedanken zu fassen, wo es doch gerade jetzt so nötig war wie fast nie zuvor.

Sorgen und Nöte wechselten sich ständig mit kleinen Freuden und Wundern ab. Sie kamen fast nie wenn man sie erhoffte oder herbei wünschte, sondern meist immer dann, wenn man nicht mit ihnen rechnete. Dieses Wechselspiel aus Sorgen und Wundern schien alles zu durchziehen, im Großen für das gesamte Lager, wie auch im Kleinen für ihn selbst. Erst am Morgen hatte er noch mit Sorge auf die Wasservorräte geschaut und musste feststellen, dass sie wohl im Laufe des Tages zur Neige gehen würden. Einige Zeit überlegte er, woher sie am Besten neues Wasser gewinnen könnten. In der Wüste war dies nicht so einfach wie noch in der Stadt. Gerade, als er am Abend die Lage dem Erhabenen vortrug, kam dann das Wunder - unverhofft und plötzlich. Eine Quelle tat sich auf, direkt unter dem Erhabenen selbst. Ein Zeichen Eluives, dass sie ihr Volk nicht verlassen hat und wie eine Erneuerung des Bandes zwischen ihr und den Omar.

Eilig wurde das Zelt des Emirs so umgesetzt, dass sich die Quelle entfalten konnte und sie geschützt war. Seine Gedanken waren jedoch meist bei Zaina. Seit sie zu ihm gekommen war, dachte er selten an etwas Anderes. Es war wie ein Wunder und auf der anderen Seite waren die ganzen Sorgen. Als sie zu Saheeb gingen, reagierte er ablehnend und schien sogar etwas ungehalten. Er wusste selbst, wie ihm das Ganze erscheinen musste und hatte sogar zu einem gewissen Teil Verständnis für ihn. Als Oberhaupt war er für alles was in seinem Haus passierte verantwortlich und zu den Sorgen die der Sturm brachte, kam das für ihn nun dazu. Doch hoffte er, dass auch Saheeb in ihm zum Vorschein kommen würde und nicht nur das Oberhaupt der Masari.

Einige Zeit überlegte er noch, was die nächsten Tage bringen würde. Man wollte ausziehen, die sandsteinfressenden Wesen aufzuspüren und einen Weg finden, sie zu vernichten. Vermutlich würde die Antwort auf die Frage, wie sie hergekommen seien helfen. Doch keiner kannte die Antwort. Wenn dann der Sturm abziehen würde, könnte man die Stadt wieder beleben und den Hafen eröffnen. Und dann ... Wieder dachte er an sie. Sie weckte ungeahnte Gefühle in ihm und nirgens wollte er mehr woanders sein als bei ihr. Sie würden gemeinsam alle Sorgen vertreiben und allen Widrigkeiten trotzen. Langsam schlief er ein...
Saheeb Masari

Beitrag von Saheeb Masari »

Unendliche Müdigkeit hatte wieder einmal von ihm Besitz ergriffen. Es war hier, in der ruhigen und heimeligen Oase, die nun sogar eine eigene Wasserquelle ihr eigen nannte, nicht viel anders als in der staubigen und dunklen Salzmine. Saheeb war zum Nichtstun verdammt, denn er war weder als Baumeister noch als Krieger sonderlich zu gebrauchen, er saß auf engstem Raum mit Menschen, die ihn mit Fragen und Sorgen belästigten und konnte nichts tun, als in die Wüste zu starren. Früher hatte er in solchen Zeiten in seinem Haus die gesamte Einrichtung umgeräumt, war in die Salzmine gegangen und hatte das kostbare Gut geschürft oder hatte mit Zaina gesprochen. Nichts von alledem war mehr möglich, seit er hier war - und nur schwerlich verdrängte er die stärker werdenden Gedanken, dass er lieber in der Salzmine als in der Oase gewesen wäre.

Charis war noch immer nicht in der Oase aufgetaucht. Mit einem Mal war dieser Gedanke wieder übermächtig und drängte den Zorn und die Hilflosigkeit, die er über die Situation und auch über Zainas Verhalten verspürte, kräftig und unaufhaltbar beiseite. Irgendwo dort draußen, in einem Meer aus Sand, Stein und seltsamen, gefährlichen Wesen musste sie sein. Vielleicht - mit viel Glück und Eluives Segen - lebendig. Viel wahrscheinlicher jedoch tot.
Saheeb vertraute seine Sorgen jedoch niemandem an. Wieso auch? Jeder der Menschen, die dort in der Oase saßen und gemeinsam lachten und trauerten, hatte Familienangehörige, die im Sand verschollen lagen. Wie glücklich konnten jene sein, die wenigstens ihre nähere Familie beisammen hatten, so wie er. Es stand ihm nicht zu, zu klagen und zu jammern, nur weil er seine Liebe verloren hatte. Stattdessen hatte er mit Hoffnung und Mut seinem Volke einen Teil von sich zu geben, damit es nicht unterginge.

In seinen Träumen jedoch waren die Gefühle übermächtig, Verbitterung, Hass, Zorn und Hilflosigkeit brachen dort über ihn herein wie endlose Wellen. Und sie veränderten, auch wenn er es nicht wollte. Saheeb war immer weniger der aufgeweckte und lebenslustige Menekaner, den seine Geschwister vor dem Sturm vielleicht noch gekannt hatten. Immer mehr sonderte er sich ab, vertiefte sich in seine Rolle als Oberhaupt eines Familienhauses und beobachtete mehr seine Familie, als sich mit ihnen zu beschäftigen. Wenn er sein Glück schon nicht erfüllt sah, wenn Eluive selbst ihm seine Liebe nahm, so musste er wenigstens für die Ehre seines Hauses sorgen.

Seine Gedanken wanderten auch wieder zu den beiden Verliebten - seiner Schwester und Fadi. Ein kurzes Lächeln huschte über sein Gesicht, ehe es erstarrte, ehe der Blick ernst und erbarmungslos in die Wüste ging. Er, Saheeb, Sohn des Fateen und der Yasemeen, Kind aus dem Hause der Masari und als Salzschürfer und ältester Mann Oberhaupt des Familienhauses, würde seinen Eltern, seiner Familie und dem Emir zur Ehre gereichen. Wenn Liebe und Familie nicht lohnten zu leben, so würde die Ehre seinen Verlust ersetzen. Mit diesem - für ihn recht tröstlichen - Gedanken sackte sein Kopf wieder auf die Seite und er schlief, an eine Palme gelehnt, wieder ein.
Charis Yazir

Beitrag von Charis Yazir »

Der Wind ließ nach, ihr Körper schmerzte und sie fühlte sich wie ausgetrocknet. Langsam öffnete sie die Augen. „Himmel!“ entfuhr es ihr, wo war sie nur. Umhüllt von Sand, lag sie mitten in der Wüste, als sie zu sich kam. Sie blickte sich um, kleine Windböen verbunden mit den winzigen Sandkörnern, schlugen ihr noch hin und wieder ins Gesicht. Kraftlos fühlte sie sich. Zerbrochen und allein. Sie rappelte sich auf, doch fiel es ihr schwer. Wie in Trance setzte sie einen Fuß vor den anderen, ein trockener Husten überfiel sie, doch sie mühte sich den Weg weiter. Einwenig Wasser hatte sie noch, damit konnte sie sich noch einwenig auf den Beinen halten. Sie lief weiter in die Wüste ohne Ziel, keine Ahnung wohin, hauptsache weit weg von der Stadt, die in Trümmern lag. Irgendwann, nach geraumer Zeit … ein Zeitgefühl hatte Charis nicht mehr, doch kam es ihr unendlich vor, lag die Oase vor ihr. Ein Lichtblick in ihren Augen. Anscheinend schienen noch mehr dort zu verweilen, sie glaubte wenigstens daran, wenn ihre Augen sie nicht trügten. Erschöpft, kraftlos und verängstigt kam sie dort an, lehnte sich an eine Palme und schlief erstmal ein.
Saheeb Masari

Beitrag von Saheeb Masari »

Stille. Leere. Eine endlose, einsame Leere ergriff Besitz von dem jungen Menekaner mit der braunen, vom Schweiße glänzenden Haut. Ein tiefgehendes Gefühl tief in ihm, das durch nichts und niemanden mehr zu tilgen war. Vielleicht war es ein schlechtes Gewissen. Vielleicht war es auch Hoffnungslosigkeit und der Wunsch nach dem Tod. Viel wahrscheinlicher war es alles zusammen. Ein Gemisch aus den dunkelsten und trübsten Gedanken und Gefühlen, die man verspüren konnte.

Einsam saß Saheeb so in der Wüste, nicht weit von der Oase entfernt, aber doch weit genug, um nichts mehr von den Menekanern zu hören oder zu sehen. Nur hin und wieder konnte er ein Lachen vernehmen, ab und an auch Stimmen, die leise, nur wie ein Flüstern, an sein Ohr drangen. Er hingegen rührte sich nicht. Steif, als sei er gefroren, blickte er über die schönen, geschwungenen Sanddünen, beobachtete, wie der Wind den Sand davontrug, Berge von Sand so an einer Stelle aufhob, um sie an einer anderen wieder niederzulassen. Dies war ein endloses Spiel, so endlos wie die Weite und die Ruhe, die dieses einmalige Reich, die Wüste, so einzigartig und kräftig machten, selbst. Zu Überleben in einer Gegend wie dieser hieß Kampf, hieß Anstrengung. Doch gegen nichts in der Welt hätte Saheeb diese sandigen Weiten gegen die fruchtbaren Wiesen und dunklen Wälder des Festlandes und der umliegenden Inseln getauscht.

Doch nun plagten ihn andere Gedanken und Gefühle als die Wüste, als die Kraft, die in ihr steckte. Er hatte mit Sharie gesprochen. Er hatte mit Zaina gesprochen. Diese unseelige Liebesgeschichte um Zaina - wieso nur quälte sie ihn so sehr? Noch nie war sein Innerstes so zwiegespalten und noch nie hatte seine eigene Schwester ihn so gefoltert wie diesmal.
Die Angelegenheit war ebenso einfach wie kompliziert zugleich, die Gedanken schienen sich nicht zu ordnen. Zuviele verschiedene Aspekte waren aufgetaucht, zuviele Leute involviert.

Zaina war seine Schwester. Genauer seine Zwillingsschwester. Er liebte sie, nicht so, wie Fadi oder Saalih, sondern auf eine Art, wie nur er, ihr Bruder, sie lieben konnte. Es gab, das musste er Aalina zugestehen, eine Zeit, da hatte er sie geradezu verehrt. Da war sie das einzige seiner Familienmitglieder gewesen, denen er sich anvertrauen konnte. Da war sie gewissermaßen die Frau seines Lebens gewesen, die einzige Frau, die es gab.
Zaina war noch etwas anderes, sie trug eine Gabe, die im Hause der Masari weit verbreitet war - sie war geziert von einer anmutigen und glänzenden Schönheit. Oh ja, Zaina war schön, war hübsch. Selbst unter Menekanerinnen empfand Saheeb sie als einen Diamanten in einem Haufen aus Gold. Doch wer hätte jemals gedacht, dass ihm, ihrem Bruder, diese Schönheit eines Tages zum Verhängnis werden würde?

Saheeb musste lächeln bei diesem Gedanken. Er sah Zaina vor sich, wie sie gestrahlt hatte, als er aus seinem selbstgewählten Exil zurückgekehrt war, als er - zugegeben etwas verloren und fast bereit, wieder zurück zu gehen - vor den Toren Menek'Urs gestanden hatte. Eine strahlende junge Schönheit, einzigartig unter den warmen Strahlen der Sonne. So und nicht anders wollte er sie in Erinnerung behalten, nicht mit verweintem und gepeinigtem Gesicht wie an diesem Tage. Oh nein, er konnte einfach nicht dieses Bild einer gezeichneten Zaina behalten - gezeichnet nicht durch den Schmerz der Trauer oder des Verlustes, sondern durch seine Worte. Und doch ließ ihn dieses verdammte und verfluchte Bild nicht mehr los.

Lange Zeit hatte er Zaina für eine Frau gehalten, die sich niemals verlieben würde. Er hatte auch sich für einen Mann gehalten, der zwar mancher Frau den Hof machen, aber sich niemals fest binden würde. Und sie, seine Schwester, die Frau, mit der er über alles gesprochen hatte, sie hatte ihm auch nie ein Zeichen gegeben, dass sich an diesem Zustand jemals etwas ändern könnte.
Plötzlich stand sie dann da mit Saalih, als er gerade müde und erschöpft dabei war, Salz in kleine, weißgefärbte Säcke abzufüllen. Wie hatte er ahnen können, was da passieren würde? Dass Saalih und Zaina schon seit längerem verliebt und glücklich waren - und heiraten wollten? Für Saheeb brach in diesem Moment eine Welt zusammen, eine Welt, die nie wieder zurückkehren sollte. Es war, als hätte er selbst beschlossen, sich zu binden, als sie da vor ihm saßen, in seiner Wohnung, in der Wohnung des Oberhauptes, und Saalih um ihre Hand anhielt. Und Saheeb wusste, wieso er sie so gedrängt hatte, ihre Absicht zu hinterfragen. Er wusste, wieso er so dringlich und hart darauf bestanden hatte, dass sie sich sicher sein musste. Sie konnte noch nicht bereit sein, sich zu binden. Wie konnte sie, wenn er selbst es nicht war? Aber vielleicht war er einfach nur der langsame, kindische Bruder. Sie war eben erwachsen geworden, er war das Kind geblieben. Er würde sie nicht von ihrem Glück fernhalten, und wirklich wirkte sie zufrieden, glücklich und frei. Was mehr konnte ihr Bruder also tun, als ihren Wunsch zu erfüllen?

Nun trat sie wieder an ihn heran. Er selbst hatte sich inzwischen verändert, so sehr verändert. Er hatte Madeeha kennen gelernt, eine wunderbare Menekanerin - und sie verloren, bevor er sich seines Glückes bewusst wurde. Nie hatte er erfahren, wohin sie gegangen war, nie konnte er ihr schreiben und sagen, was ihm jene kurzen Stunden in der Taverne bedeutet hatten.
Dann war er auf Charis getroffen, jene junge und freche Menekanerin, die ihm noch heute den Kopf verdrehte, obwohl er sie nur dreimal gesehen hatte, nur kurz jeweils, obwohl sie irgendwo in der Wüste sein musste, verschollen - tot. Denn dass sie gleichzeitig an der Oase angekommen war, ahnte er nicht. Ihr scheinbarer Verlust traf Saheeb tief, tiefer als manch andere Sachen, die man ihm vorgeworfen oder anvertraut hatte. Und sie verbitterten ihn.

Auch seine Gefangenschaft im heiligen Berge Cantar, die scheinbar ewig währte und der er ebenso wie dem sicheren Tod nur knapp entronnen war, hatten ihn gezeichnet. Der Verlust der beiden Wachmänner, die nun mit dem Tode ringen mussten, wenn sie nicht schon untergegangen waren, schmerzte ihn tief, manchmal suchten ihn die Geister der beiden Menekaner im Schlaf heim. Wieso sie? Wieso nicht er?
Der Verlust des kleinen Fuad. Er war nie in der Oase angekommen, in der Mine schien er auch nicht gewesen zu sein. Er hatte sich diesen Menschen doch nicht eingebildet? Er hatte mit ihm gesprochen, hatte ihn getröstet und ihm Geschichten erzählt. Das konnte keine Einbildung gewesen sein. Wieder ein Mensch, den er verloren hatte. Wieder ein Mensch, den er nicht retten konnte.

Stück für Stück wurde ihm entzogen, was sein Leben ausmachte. Seine Liebe. Die Menekaner, die er mochte, die er schätzte, die er in sein Herz geschlossen hatte. Überall Verlust und Tod. Der Sturm forderte schrecklichen Tribut und riss Saheeb immer mehr in einen Strudel aus Selbstmitleid und Schmerz, in den er nicht gelangen wollte. Es blieb nur noch eines - seine Familie. Ja, er würde seiner Familie nun als gerechtes und strenges Oberhaupt dienen, vielleicht würde er wenigstens auf diese Weise etwas zu einem guten Ende bringen.

Und nun trat Zaina wieder auf die Bühne, ausgerechnet jetzt. Er konnte ihr keinen Vorwurf machen dafür, weder ihr noch Fadi, denn auch seine Gefühle konnte er nachvollziehen. Wieder konfrontierte sie ihn mit neuen Gefühlen - Gefühlen, die bereits entfaltet und aufgeblüht waren. Hatte nicht er, Saheeb, ihr sofort gestanden, dass er begann, etwas für eine Frau zu empfinden? Sie zu lieben? Zaina hatte nie daran gedacht. Stets informierte sie ihn, wenn es der Brauch und die Ettikette verlangte. Und nun standen die beiden Liebenden vor ihm, glücklich und mit diesen kleinen, verstohlenen Blicken, die sich Verliebte nun einmal zuwerfen. Und er? Was war mit ihm? Ihm war das genommen worden. Ihm war so vieles genommen worden.

Mit einem Mal handelte er nicht mehr rational. Mit einem Mal war der Mensch in ihm verschwunden, war das Amt in ihm aufgegangen. Und was bei einem einfachen und freundlichen Gespräch mit Fadi und Zaina begonnen hatte, endete noch schrecklicher in einem Einzelgespräch mit der Frau, die er Zwillingsschwester zu nennen hatte. Der Bruder in ihm, der Mensch, war verletzt. Tief verletzt - nicht von Zaina. Sie zu treffen war jedoch seine einzige Möglichkeit, seinen Schmerz loszuwerden.

Und dann war da noch seine Aufgabe, sein Amt. Als Oberhaupt hatte er sie dennoch vor Fehlern zu bewahren, für die letzten Endes er gerade stehen würde. Sie war ihrem Verlobten versprochen, hatte sich selbst zu diesem Schritt entschlossen. Sie hatte ihn gedrängt, ihnen das Ja-Wort zu geben, obwohl er nie mit eigenen Augen sehen konnte, wie die beiden sich zärtliche Blicke zuwarfen, sich küssten oder einfach nur Hand in Hand durch die Straßen schlenderten. Er hatte ihr einfach vertraut. Doch ein Oberhaupt durfte scheinbar nicht vertrauen. Denn es hatte sich gezeigt, wohin solches Verhalten führen konnte.

Er machte Zaina schreckliche Vorwürfe. Beschuldigte sie, nicht mehr vertrauenswürdig zu sein. Noch mehr - er warf ihr vor, von Mann zu Mann zu springen, ihre Gefühle und das Wort, dass sie Saalih gegeben hatte, nicht ernst zu nehmen. In seinen Augen war sie ein Kind, das mit dem Feuer spielte - in dem Bewusstsein, dass ihr Bruder sie retten würde. Eine junge Frau, die ihre Reize nutze und Mann um Mann um den Finger wickelte. Nein, das war sie doch nicht, nein, das war nicht Zaina.

Wen trafen diese Vorwürfe eigentlich? Zaina? Natürlich, die Tränen rannen ihr übers Gesicht und sie hatte sich von ihm gelöst. Sie schien ihren Bruder zu verabscheuen. Wieder eine Schwester, die er verärgert und erzürnt hatte. Wieder eine Schwester, der er anscheinend genau das verwehrte, was ihr wichtig war. Dabei waren die meisten seiner Vorwürfe an ihn selbst gerichtet. Er hätte dem Eheversprechen mit Saalih niemals zustimmen dürfen. Er hätte Zaina niemals derartige Dinge an den Kopf werfen dürfen, nur weil sie ehrlich und offen auf ihn zuging. Sie hatte seine Hilfe gesucht und er hatte sie beschuldigt, beleidigt und beschimpft.

Ein letztes Mal hatte er versagt. Nun war ihm auch die Familie entglitten, das letzte Gerüst, an das er sich halten konnte. Er hatte keine Träne für sich übrig, spielte nur mit einer Hand im Sand und starrte an den Horizont, wo sich schwarze Wolkenberge aufgetürmt hatten. Die letzten Strahlen der Sonne gleißten noch einmal hell auf, dann war es dunkel. Nur die Sterne funkelten am Himmel wie die Seelen der Verstorbenen, die am Himmel über ihre Nachfahren wachten.

Seine Gedanken scherten aus zu seinen Eltern, zu Yasemeen und Fateen. Was würde nur sein Vater von ihm halten - sein ach so guter und ehrbarer Sohn, dem man vertrauen konnte und der hart und ehrlich für seine Familie und sein Volk arbeitete. Eigenhändig würde er ihn erwürgen, würde er seinen Sohn der Strafe zuführen, die ihm gebührte. Nun war er gefangen in dieser endlosen Spirale aus Selbstvorwürfen, Selbstmitleid und einem grenzenlosen Hass auf die Geschehnisse der Welt. Und dann dieses Gefühl der Leere. Was fehle ihm? Alles. Sein Lebenssinn war mit einem Gespräch zerbrochen, dass er selbst gesucht hatte.

Ein kurzes Wort durchzuckte seinen Verstand, und er nahm es ohne Regung, aber innerlich doch erschrocken wahr: Selbstmord. War das eine Lösung? Sie wären ihn los, ein für alle mal. Zaina konnte ihren Fadi lieben und ehelichen, wie sie wollte. Er wäre mit der Frau vereint, die er liebte. Seine Familie konnte endlich weise und gerecht geführt werden. Es schien so einfach zu sein - und doch viel zu einfach.

Nein, er war Menekaner und er besaß eine Ehre. Er hatte sich für die Dinge, die er wieder einmal verbrochen hatte, zu verantworten. Und er hatte die letzten Scherben, die von seinem Wüten und seinem unerfahrenen Gebrüll geblieben waren, zusammen zu kehren und zu kitten. Das beste aus seiner Situation machen... welch zynischer Spruch, wenn scheinbar alles am Boden war. Selbstmitleid war so eine befriedigende und erholsame Beschäftigung...

Immer mehr solche Gedanken und Wortfetzen kreisten und wirbelten durch seinen Kopf, zogen sich wie Fäden und Laufschriften vor seine Augen. Irgendwann legte sich Saheeb in den Sand, ohne es wirklich zu bemerken, und schloß die Augen, überwältigt von den Scherben seines Lebens. Wie schlecht es ihm doch ging - und wie tragisch, dass er nicht wusste, was wirklich vor sich ging.
Sahar Taj

Beitrag von Sahar Taj »

Die Abendschwere zog Sahar tief in ihren Bann, griff mit zärtlichen Händen nach ihrem Geist. Das Heulen des Sturmes schien in dieser Nacht gedämpft, die steten Geräusche des Lagers waren zu einem leisen, beruhigenden Summen verklungen. Obwohl sie der Unterhaltung am Lagerfeuer noch folgen wollte, legte sich die Müdigkeit wie ein schweres Tuch über die junge Bardin. Die halblauten Stimmen, Khalidas stets mit leiser Ironie hinterlegten Worte, Ismaaels gebrummte Erwiderungen und Ibraheems ruhig vorgebrachte Meinungen bildeten eine einschläfernde Geräuschkulisse. Die Sicherheit unter Freunden zu sein, das Gefühl für diese Nacht wieder einmal der Ungewissheit des Schicksals entronnen zu sein, ließen sie dämmrig in den Schlaf entschwinden.

In diesen Tagen des Lagerns in der Oase, beengt durch die immerwährende Gegenwart anderer Geister, Gedanken und Geräusche, hatten sich der Bardin immer wieder einzelne Eindrücke aufgedrängt. Es gab Menekaner die in dieser schweren Lage in jedem Augenblick an Stärke zu gewinnen schienen. Sie verbreiteten Sicherheit und Hoffnung wie eine Fackel das Licht in die Dunkelheit trägt. Wo sie gingen und standen breitete sich steigender Mut in den Herzen der zu Boden Gedrückten aus. Sahar selbst fand diese Kraft in sich selbst nur bedingt. Zu sehr war sie noch in ihrer Sorge verstrickt, zu sehr suchte sie in dieser Lage die Einsamkeit um ihre Gedanken ordnen zu können. Dennoch konnte sie nicht umhin diese Menekaner zu bewundern. Sie vereinten die Eigenschaften in sich, die in den alten Geschichten ihres Volkes so sehr geschätzt wurden. Mut, Stärke, ein gefühlvolles Herz.


Das Herz war ihr leichter geworden als ihr wieder einmal die Möglichkeit gegeben wurde ihre Gedanken, alle Träume und die Trauer der vergangenen Tage in Musik zu verpacken. Die Finger glitten wie von selbst über die Saiten ihrer Laute, in ihre Stimme schlichen sich die Sehnsucht nach einem Tag ohne drückende Sorge, der Wunsch nach Freiheit und Mitgefühl. Mitgefühl für Zaina, über deren Wangen während ihres Liedes Tränen rannen. Ihr Kummer schien seit Tagen immer größer zu werden und noch zusätzlich zur steten und grauenvoll alltäglichen Sorge zu wachsen. Sahar wusste um ihre Verlobung mit Saalih, und sie hatte auch die Blicke gesehen die Fadi und Zaina von Zeit zu Zeit tauschten. Die Hintergründe entzogen sich jedoch ihrer Kenntnis und so beschränkte sie sich darauf, alle Hoffnung und alles Verständnis das sie für Zaina empfand, in ihr Lied zu legen. Silbrige Tränen rannen aus ihren schönen Augen und wurden von Schleier und Atemschutz aufgesogen bevor sie hinab in den Wüstensand tropfen konnten. Manchmal waren Tränen heilsam und lösten den Schleier aus Alltagssorgen von den Augen. Sahar konnte nur hoffen das auch diese Tränen heilsam sein würden. Ihre Geschichte sollte davon sprechen, dass die Liebe und das Glück errungen sein wollen, einen steten Kampf fordern. Und das dieser Kampf ein gutes Ende nehmen konnte, wenn man sich mit ganzem Herzen dafür einsetzte. Die zärtlichen Worte, gesprochen zwischen einem Liebespaar das vor vielen Jahren den Stoff zu diesem Lied gab, klangen noch in ihren Ohren nach.
  • „Lass mich für immer bei dir sein
    Dein Leib ist mir ein Schrein
    Deine Augen mir ein Tor
    Zu unbekannter Seeligkeit“
Die Liebe, so körperlos und unfassbar sie auch sein mochte, war in einer solchen Situation ein Rettungsanker. Auch Sahar sehnte sich in den tiefsten Stunden der Nacht nach einer Hand die zart ihr Haar berührte, nach Augen die ihre Seele entblößen konnten. Sie sehnte sich danach einen warmen Körper neben sich zu spüren und ihren Kopf an einer Schulter zu bergen. Ihre Stärke und das Lächeln flohen vor der Nacht, ließen sie angstvoll und einsam zurück.
Fadi Yazir

Beitrag von Fadi Yazir »

Erschöpft aber zufrieden kniete er sich ans Feuer. Für einen Moment schloss er die Augen und begann seinen Dank an Eluive zu richten. So viele Sorgen, Nöte und Ängste das Volk in den letzten Wochen zu erleiden hatte, so vieles wurde ihm gegeben. Die letzten Tage waren voller Ereignisse und ließen kaum Zeit, zurück zu blicken. Doch nun war er weitgehend allein und fand etwas Ruhe. Es war ein fast seltener Moment der Ruhe.

Der Erhabene hatte den Wunsch geäußert mehr über die Natur der Wesen zu erfahren, um einen Weg zu finden, sein Volk wieder zurück in die geliebte Stadt führen zu können, seinem Volk wieder den Platz zu schenken, der ihm zustand. Er war ein ebenso großer Visionär wie schon sein Vorgänger, wie vermutlich alle Omar. Er wollte den Weg annehmen, den Eluive seinem Volk zeigte und es auf diesem führen. Und wie schon zu den Entstehungszeiten dieses stolzen Volkes, sollte es auch diesmal nicht schadhaft sein, diesen Weg zu beschreiten.

Einige Zeit hatte er vor einigen Tagen an der Quelle gesessen. Er musste einige Menekaner auswählen, die die gefährliche Aufgabe übernehmen müssten, sich den Wesen entgegen zu stellen ohne zu wissen, wie sie sie bekämpfen konnten. Gewiss war nur, dass ihnen Säbel wie auch Pfeile nichts anhaben konnten. Keine Waffe konnte sie vernichten. Er starrte auf die Oberfläche der Quelle und erhoffte sich eine Eingebung, wie sie es wohl anzustellen vermochten, da auch sein Wissen um die Elemente keine Hilfe versprach. Hadiya saß neben ihm, doch ihre Worte drangen nicht richtig zu ihm durch. Immer wieder schweifte er in Gedanken ab. Nach einiger Zeit trat Khalida an sie heran und riss ihn aus seinen Gedanken hoch. Ihr Einfall, die Wesen mit dem von der Schöpferin gegebenen Wasser zu bekämpfen weckte reges Interesse in ihm. Mit welcher Waffe, wenn nicht mit einer von Eluive gegebenen, sollten sie diese Wesen wohl schädigen können. Als später Ismaael an ihn herantrat und ihm ebenso diesen Vorschlag unterbreitete war er entschlossen den Versuch zu wagen.

Am nächsten Tag zogen sie aus, sich den Wesen zu stellen. Er hatte Hakan und Kemail ausgewählt ihn zu begleiten. Beide waren sie jung und tapfer und so voller Tatendrang, dass ihnen die Gefahr in ihren Ausmaßen nicht zu sehr bewusst sein sollte. Hadiya nahm er mit sich. Er nahm sie häufig in den letzten Wochen mit sich, wenn er wegging, so dass er selbst ein Auge auf ihr Wohlergehen werfen konnte. Sie sollte sich nicht in Gefahr begeben. Etwas hinter ihnen sollte sie die Wesen beobachten, so sie eine Reaktion zeigten. Er selbst wäre mit den beiden anderen zu sehr beschäftigt und würde gar noch etwas wichtiges übersehen können.

Bei den Wesen angekommen, schickte er zuerst Hakan los, gegen eines mit seinem Säbel anzugehen und wie erwartet konnte er nichts gegen sie ausrichten und erlangte nur müdes Interesse bei den Wesen. Diese waren dabei, die Überreste des alten Übungsplatzes zu verspeisen. Dann zückte er einen Wasserschlauch, warf diesen mit aller Kraft und er zerplatzte beim Auftreffen auf dem Wesen. Er war wie versteinert für einen Moment, als nicht das erhoffte Ergebnis eintrat. Das Wesen zuckte einen Moment und schritt dann weiter auf sie zu. Wie sollte er die wesen nur untersuchen, wenn sie eine ständige Bedrohung darstellten. Schnell kam ihm eine Idee. Hakan und Kemail würden eine Schleife um seine Beine legen und ein Erdwesen würde dann den Sandsteinfresser zu fall bringen, was ihnen nach einem gescheiterten Anlauf auch gelang. Erneut verschütteten sie nun Quellwasser über diesem und die gewünschte Wirkung trat auch ein. Sie brauchten nur um einiges mehr als erwartet. So verbrauchten sie fünf ganze Wasserschläuche, bis sie ein Bein, einen Arm und einen Kopf aufgelöst hatten. Und selbst jetzt schien der unheilige Rest noch weiter zu leben, so scharrten der verbliebene Arm und das verbliebene Bein weiter in dem weichen Wüstensand.

Zufrieden blickte er auf die Überreste. Sie hatten einen Weg gefunden ihr Land zu befreien, ihren Weg zurück in die Stadt gefunden. Doch die Mengen des Quellwassers, das sie benötigen würden um alle Wesen restlos zu vernichten nahm schnell gewaltige Mengen an. Einfacher wäre es wohl, sie ins Meer zu treiben, so dass sie sich dort selbst auflösen konnten. Möglicherweise war es nicht nur Quellwasser sondern ganz einfach jegliches Wasser. Kemail befreite sich von seiner Rüstung nahm einen brocken Sandstein auf, um mit diesem die Wesen in die Fluten zu treiben, jedoch ohne den gewünschten Erfolg. Das einzige Mittel war das Wasser aus der von Eluive gegebenen Quelle.

Eilig kehrten sie zur Oase zurück. Unzählige Vorbereitungen waren zu treffen, damit sie Aussicht auf Erfolg hätten. Nachdem alle unterrichtet waren begann man im ganzen Lager die Anweisungen umzusetzen. Aus überzähliger Kleidung, Leder und selbst Palmenblättern wurden Wasserschläuche geschaffen, die wieder von anderen befüllt und abseits gestapelt wurden. Die Näharbeiten waren etwas, für das nicht alle geschaffen waren. Die Erhabene forderte ihn auf, an den Näharbeiten, wie sie auch selbst, teilzunehmen. Nie hätte er sich gedacht, eine solche Arbeit durchzuführen und auch die tatsächlichen Bemühungen ersetzten nicht das fehlende Geschick zu Gänze. Ein jeder Krieger, der an das Feuer trat, um zu sehen, wie der Statthalter Näharbeiten verrichten musste, saß nach einer freundlichen Einladung schnell neben ihm und durfte sich ebenso in jener Arbeit üben, so dass nach einiger Zeit eine größere Runde entstand und auch eine ausreichende Menge an Wasserschläuchen gefertigt werden konnten, auch wenn einige Exemplare gewiss der Nacharbeit durch geschicktere Hände bedurften.

Nach einiger Zeit kamen auch jene zurück, die er aussandte, die Überreste der vorher erlegten Wesen zu erkunden. Die Überreste der Wesen in Form von Matsch härtete schnell aus in der Hitze und schien gar noch fester als die Wesen selbst zu sein und auch erneutes überschütten mit Quellwasser löste es nicht wieder. Die Probe, die ihm in einem Schlauch gelöst in Wasser überreicht wurde nahm er an sich und verstaute sie sorgsam.

Dann kam einer jener Momente, in denen er selbst glaubte einen sehr hellen Moment zu haben, er gar sich fast der Inspiration durch Eluive selbst erfreuen zu können. Wesen, durch Waffengewalt oder Magie nicht angreifbar. Würden sie auch normales Gestein vertilgen…..
Kurz dachte er an seine Gefangenschaft in Nilzadan zurück. Sie würden nach und nach den gesamten Berg abtragen und verspeisen und nur sie, das von Eluive geführte Volk hätten die Macht ihrem Treiben ein Ende zu bereiten, so sie es wollen würden. Zusammen mit Zaina und Amira eilte er zur Südküste an dem er ein kleines Felsmassiv in Erinnerung hatte und ließ drei Brocken lösen. Sie würden ausprobieren, ob ihnen Eluive einen mächtigen Säbel in die Hand gegeben hatte, ihr Volk von der ständigen Gefahr einfallender mordlüsternder Zwerge zu befreien.

Als am nächsten Tag sich alle am Feuer versammelt hatten. Begann er gerade die Truppen einzuteilen und auf das ihnen bevorstehende vorzubereiten, als er erneut einen Gedanken fasste. Schnell warf er sein ursprüngliches Vorhaben um, eilig mit den Truppen loszuziehen, um sein Land von den Wesen zu befreien. Der aushärtende Matsch würde, wenn er aushärtet nahezu unzerstörbar sein. Eilig begann er neu einzuteilen. Einige sollten Palmen fällen, andere aus ihnen kurze Bretter formen, die Frauen sollten Rinde schneiden und mit den Streifen die Bretter zu Formen binden, auf dass der Matsch in ihnen zu Ziegeln geformt werden könne. Es wäre ein wahrhaft prächtiger Schutzwall, der dem Reich den Frieden und Schutz geben würde, den es zum Erblühen bräuchte.

Dann trat der Erhabene mit seiner Frau heran, gerüstet sein Volk in die wohl wichtigste Schlacht zu führen, die es je zu bestreiten hatte. Nicht ohne Stolz zeigte er den Stein, den Amira aus der Probe gewonnen hatte und den zersplitterten Säbel, dem Kemail ein wenig nachzutrauen schien und eröffnete seine Pläne, die Wesen gegen die blutrünstigen Zwerge einzusetzen. Der Emir schien nachdenklich und stellte viele Fragen, die vor allem die Sicherheit des Volkes betrafen. Mit einigen hatte er gerechnet und eine Antwort parat. Mit anderen weniger, doch war er zu sehr von der Idee fasziniert um sie aufzugeben, so dass er versuchte all seine Bedenken zu zerstreuen, was ihm schlussendlich die Erlaubnis einbrachte seine Idee zu verwirklichen.

Sharie schien ebenso angetan von dem Vorhaben, so dass sie sich meldete ihn zu begleiten drei Sandwesen wegzulocken. Während der Rest im Lager verblieb und erst später zur Vernichtung der Wesen schreiten sollte, luden sie die drei Brocken auf ein Lama und zogen aus. Sie wollten sie zu dem Felsmassiv im Süden führen, wo sie einige Tage genügend Fels hätten, von dem sie sich nähren konnten.

Nachdem die Wesen erst zurückhaltend auf die Felsen reagierten waren diese kaum noch von den verbleibenden fern zu halten, nachdem sie den ersten verspeist hatten. Ein kurzer Jubelschrei entfuhr im, als er im Geiste vor ihm sah, wie sein Plan Wirklichkeit werden würde. So lockten sie drei Wesen mit dem Lama im Schlepptau durch die Wüste. Der Weg war weitaus beschwerlicher als erwartet, hatte er den Sturm nicht bedacht und die Schrittgröße der Wesen, so dass sie so schnell wie irgend möglich durch die Wüste eilen mussten. Der Sturm erschwerte jedoch nicht nur ihr Vorankommen und ließ die Wesen immer wieder bedrohlich näher kommen, sie drifteten auch weit ab nach Osten, wo sie jedoch wieder auf ein kleines Felsmassiv trafen, an dem sie die Wesen erst einmal zurücklassen konnten. Grade angekommen, versuchte das vordere der drei Sharie zu packen, die im letzten Moment noch zurückweichen konnte und in den Sand sprang. Schnell entfernten sie sich ein stück und er sah mit Freude, wie sie gefallen an dem Fels fanden. Die Felsen, die nun ihre Schuldigkeit getan hatten, ließen sie am Felsmassiv zurück, bevor sie mit dem Lama gen Oase ritten.

Sharie wollte nun eilig den inzwischen Aufgebrochenen hinterher eilen, während er nur den Wunsch hatte, die Ruhe in der Oase zu erleben, um einige neue Gedanken für das weitere Vorgehen zu finden. So kniete er nun am Feuer und richtete seinen Dank gen Eluive. Der Schutzwall der entstehen könne, die Wesen die sie weglocken konnten und dafür, dass in diesem Moment ihr Volk der Bedrohung Einhalt gebieten würde. Bald würden sie zurückkehren und ihren großen Sieg feiern. Der zurückgehaltene Kaktusschnaps würde in Strömen fließen, einen klaren Kopf könnten sie Morgen wieder fassen.

Seine Gedanken schweiften ab, zu den Truppen, zu den Handwerkern und Händlern, die alle in jenem Moment den Kampf gegen die Wesen aufnahmen. Und unter ihnen auch seine Schwester. Sie und Zaina bat er vorher noch vorsichtig zu sein und immer genügend Abstand einzuhalten und er hoffte, sie würden wohlbehalten mit den anderen zurückkehren. Je mehr Zeit verging, desto unbehaglicher wurde ihm. Er dachte fast nur noch an sie und an die Verwirrungen der letzten Tage. Die Streitereien mit Saheeb, Sharies Art, wie sie ihn anblickte, als Saheeb ihr davon wohl berichtet hatte und ihre Andeutungen. Bald würde wieder die Zeit kommen, in dem man sich dieser Sachen annehmen würde. Und er würde erneut mit Saheeb sprechen müssen. Er müsste ihm verdeutlichen können, wie sehr seine Worte seine Schwester verletzten und ebenso den Unterschied zwischen der Liebe zur Familie und der Bewahrung der Ehre dieser und schlichter Angst vor dem Missfallen, was einige finden würde, wenn er seiner Zwillingsschwester, seiner Familie näher stehen würde als ihnen.

Nachdem die Truppen bei Anbruch der Dunkelheit noch nicht den Weg ins Lager zurückgefunden hatten, war seine Unruhe soweit gestiegen, dass er nacheilte. Er musste sehen und Gewissheit erlangen um ihren Verbleib. Schon aus einiger Entfernung vernahm er das Getümmel und Kampfschreie, die ausgestoßen wurden, wenn ein neuer Wasserschlauch gen der Wesen geworfen wurde. Im Sand verstreut, sah er die Formen liegen, die sie erstellt hatten und in ihnen den getrockneten Steinmatsch.

Bis zum Morgen dauerten die Kämpfe und einige Male gingen sie zu der Stelle zurück, an die sie die Wasserschläuche gebracht hatten. Vollkommen erschöpft sah man wild verstreut die Formen liegen, dazwischen zermatschte Wesen, über die sich jemand beugte um diesen in neue Formen zu schütten, während die Anderen das nächste Wesen aufspürten. Als die Sonne schon einige Stunden aufgegangen war und das letzte Wesen gesichtet wurde, war die Freude und Erleichterung bei allen ins Unermessliche gestiegen. Jeder mobilisierte seine letzten Reserven und ein jeder wollte einen Schlauch werfen, um dieses letzte Wesen dorthin zurück zu schicken, wo er hergekommen war. Dann sank er in den Sand herab und versuchte im Getümmel all jene auszumachen, die seiner Familie angehörten oder einmal angehören würden.
Der Erzähler

Beitrag von Der Erzähler »

Als der letzte Wasserschlauch mit einem satten Platschen auf die zuckenden Reste des letzten Sandtitanen trifft, kehrt Stille ein.
Schlagartig beendet der Wind seinen Tanz mit dem Sand, läßt ihn zur Ruhe kommen.
Gleichsam reißt der vom Sand getrübte Himmel auf und überall auf Menekur fallen dicke Tropfen nieder... Regen.
Einzig dort, wo die drei Sandtitanen hingeführt, an den grauen Felsen mag Wind und Sand mit ihnen spielen.

Hier und dort kriechen Skorpione aus den aufgewehten Sandhügeln, graben sich die Scarabäen aus ihren Verstecken, schlängeln die Riesenschlangen durch die Sanddünen.
Dem aufmerksamen Beobachter wird nicht entgehen, dass urplötzlich sich auch kleine, grüne Spitzen durch die Sandkörner schieben, um bald, Vergangenes Lügen zu strafen und sich ins Bild einfügen, als wäre nichts geschehen.



Auf See:

Das Schiff schlingert im Sturm, Regen und Gischt peitscht den sich mühsam haltenden Seemännern ins Gesicht. Die gebrüllten Befehle des Kapitäns, von den Sturmböen von seinen Lippen gerissen, dringen nur leise zur Mannschaft, während die nächste Welle über den Bug kracht und das Vorschiff überschwemmt. Der Vormast ragt aus den Strudeln, wie ein Baum auf überflutetem Feld. „Wind aus Nord!“
Die alte Hecla war unzählige Male auf der Route Bajard – Lameriast geschippert.. dieses Mal war sie auf dem Rückweg und mit Erzen beladen.
Unerbittlich spielt die See mit der alten Dame und schiebt sie durch Wellenbrecher und Wellentäler Südwärts.. dorthin, wo seit einiger Zeit kein Schiff mehr anlegte.
Die Mannschaft macht sich bereits mit dem Gedanken vertraut, an der Küste Menekurs zu zerschellen. Die nächste Welle, die nach achtern schießt, reißt die Tapferen von den Füßen, während die Hecla noch damit beschäftigt ist, das unerwünschte Wasser der letzten Welle durch die Speigatten abzuschütteln.
Um die Masten und Bäuche der Seemänner gebundene Taue halten sie zwar nicht auf den Beinen, aber an Bord. So manch einer ist geneigt, das Tau zu lösen, um sich von Bord spülen zu lassen, in der Hoffnung, den Sturm zu überleben und von einem anderen Schiff aufgenommen zu werden.
Zu weit jedoch ist die Hecla inzwischen von der Route entfernt.
Als die rauhen Seeleute ihr vermeintlich letztes Gebet gesprochen und sich auf die Füße gekämpft haben, dreht der Wind ab und überläßt die alte Dame ihrem Schicksal.
Als die Sicht klar wird, sieht die Mannschaft mit Erstaunen, dass sie dicht an der Küste Menekurs sind.. so dicht, wie schon lange kein Schiff mehr.

Eintrag im Logbuch:
Kamen in einen Sturm, Wind Nord, kein Mann über Bord.
Menekanische Küste in Sicht, ruhige See.
Machen die Hecla flott und nehmen Fahrt auf nach Bajard.
Melden dem Hafenmeister, dass Menekur wieder angelaufen werden kann.
Fadi Yazir

Beitrag von Fadi Yazir »

Ein Schreiben wird dem Kommandierendem der Stadtwache überreicht.

Salam, den tapferen und aufopfernd ihren Dienst versehenden Mannen der Stadtwachen und seinem Kommandierendem,

schwere Zeiten liegen hinter unserem Volk. Großes musste geleistet werden und viel Leid musste hingenommen werden. Doch durch die Gnade und Führung Eluives konnte das strebsame und tapfere Volk der Menekaner all jenes überwinden. In diesen Zeiten hat sich erneut auch gerade Eure Truppe bewährt und seinem Volk unschätzbare Dienste geleistet. Hierfür gilt Euch mein besonderer Dank.

Um unser Reich wieder erneut aufblühen zu lassen, gilt es jedoch gerade jetzt, nicht zu ruhen und nachzulassen, sondern mit gleicher Entschlossenheit zu handeln, wie in den Wochen zuvor. All jene Eurer Truppen, die nicht den Hafen vor Eindringlingen schützen oder die Familie des Erhabenen selbst, werden hierzu zu den Wiedererrichtungsarbeiten eingeteilt.

Es wurde beschlossen, die Stadt von Grund auf neu zu errichten, da die verbliebenen Reste unserer einstmals blühenden Stadt zu stark beschädigt wurden. Die Trümmerreste werden hierzu aus der Stadt geborgen, so sie weiter verwertbar sind. Damit die Arbeiten zügig angegangen werden können, sind insbesondere einige Arbeiten vorzubereiten oder durchzuführen. Die von Euch einzuteilenden Leute sind angewiesen in den Trümmern nach Überlebenden und Toten zu suchen und diese zu bergen. Jeder Leichnahm ist vor seiner Bestattung zu identifizieren. In schwierigen Fällen sind die Oberhäupter der Häuser anzusprechen. Ein bereits eingeteilter Trupp wird die Ruhestätte unserer Vorfahren freilegen, auf dass jene danach dort bestattet werden können. Weiter sind Zelte am Hafen zu errichtet, auf dass die Arbeiter dort Platz finden werden, sowie die aufgetürmten Trümmer- und Häuserreste mit Gerüsten zu versehen, so dass sie abgetragen werden können.

Eluives Gegenwart möge Quell Eurer Inspiration sein,

Fadi Yazir
Statthalter Menek'Urs
Hadiya Yazir

Beitrag von Hadiya Yazir »

Die Sterne waren hier viel näher als anderswo, fast als könnte man sie greifen.
Hadiya lehnte mit dem Rücken an einer Palme und schaute in den Himmel. Leise drangen die Geräusche aus dem Lager zu ihr. Stimmen, von denen die noch am Feuer sassen und hin und wieder auch ein Schnarchen. Sie liebte ihr Heimatland, diese Wüsteninsel, die andere wohl einfach nur als unwirtlich bezeichnen würden. Aber nirgendwo anders strahlten die Sterne so hell, wie hier auf Menek'ur.

Hadiya wischte sich mit dem Handrücken über die Augen und bemühte sich, die aufsteigenden Tränen zu unterdrücken. Heute war alles über ihr zusammen gebrochen, die Fassung, die sie so mühsam versucht hatte, aufrecht zu erhalten, sie hatte sie verloren. Und sie schämte sich entsetzlich dafür. Als die Erhabene sagte, das bevor mit den Aufbauarbeiten begonnen werden könne, zuerst nach Überlebenden und Toten gesucht werden müsse, wurde es Hadiya zum ersten Mal bewusst. Diese Endgültigkeit, die dann mit einem Schlag alle Hoffnungen nehmen würde. Diesen Gedanken, den sie verdrängt hatte, den sie nie hatte wahr haben wollen. Sicher sie hatte Glück gehabt, ihre Brüder waren gerettet, sie waren hier in der Oase.Täglich dankte sie Eluive für dieses Geschenk. Aber was war mit den anderen? Diejenigen, die vielleicht ihre ganze Familie verloren hatten. Die nie mehr mit ihren Geschwistern, Eltern, Verwandten zusammen sitzen konnten. Mit ihnen lachen, mit ihnen reden. Ismaael, Kemail, Sahar und so viele andere, von deren Familie noch keiner zurück gekommen war, den Weg in die Oase gefunden hatte.

Die Tage und Wochen hier, sie hatten das Volk der Menekaner enger zusammen geschweisst. Ein jeder tat was er konnte, war sich für keine Arbeit zu schade. Trotz dem Schmerz, den sie gerade empfand, huschte ein Lächeln über ihr Gesicht. Sie war stolz darauf, diesem Volk anzugehören, das sich gegen das alles stellte, das nicht aufgab und immer noch Hoffnung hatte. Auf die Erhabene, die sich so kümmerte, so umsichtig war, ein offenes Ohr für alle hatte, auf den Emir, der sich selbst so mutig den Wesen aus Sand entgegen gestellt hatte.
Ismaael Masari

Beitrag von Ismaael Masari »

Es gab einfach einige Schritte im Leben, die man nur schwer tun konnte. Es war wieder einer dieser Augenblicke. Er suchte sich den passenden Moment und erklärte Hadiya in diesem recht hastig, dass er aufbrechen musste. Wohin? Nun, es hatten sich viele Ifrey, Yazir und Masari bei der Oase eingefunden. Es gab also immernoch Familien, die verschollen waren, auch seine eigene Familie. Jedenfalls musste er sich nun beeilen, erst wenige Stunden war der Sturm nun beruhigt - er konnte also endlich reagieren, ohne die Leute an der Oase in Stich zu lassen, oder selbst im Sturm verloren zu gehen.

Er wollte gar nicht wissen, wie viel er nun an Zeit verbraucht hatte. Langsam wurde alles besser, die Umwelt erträglich, diesmal schmerzte das Atmen nicht - allein durch die Hitze bedingt. Und so, erschlafft, müde, innerlich zerrüttet durch die vielen Gedanken, die ihm durch den Kopf schossen, da sah er das, was er nicht erhofft hatte, aber womit er gerechnet hatte. Wenigstens, ja wenigstens, musste es schnell gegangen sein. Dem war aber nicht der Fall. Sein Vater, die Mutter, der ältere Burder und die jüngere Schwester. Die gesamte Familie, alles was er noch Familie nennen konnte, waren alle tot. Dabei schien es, als wären sie vom eigenen Haus erschlagen worden - erschlagen? Oder waren sie darunter qualvoll erstickt? Die Gedanken allein an die Gesichter, den Menschen, denen langsam das letzte Leben ausgehaucht wurde. Nun konnte er nur noch eines für seine Liebsten tun. Er hob Gräber aus, füllte die Löcher mit toten Leibern, legte die Schicht aus Erde wieder über sie. Eine einfache Tat, die zwar viel Kraft kostete, aber was bringte es einem schon? Es war, als würde man mit einem Stück seines Lebens abschließen...Es ging etwas in ihm verloren.

Aus Trauer wurde Selbstzweifel, aus Zweifel wurde Wut, aus Wut wurde Hass. Noch wusste er nicht worauf er so wütend war, oder woher die Wut kam. Aber er ging mit gezogenem Säbel durch die Wüste. Alles was ihm an Tieren unterwegs begegnete.. war danach nur noch eine rote Masse von Brei. Entstanden aus Hass.
Zaina Masari

Beitrag von Zaina Masari »

Viel Zeit ist bisher vergangen … die Sandwesen wurden erfolgreich ausgelöscht, der Sturm hat sich gelegt, und nun drängte sich das Bild der zerstörten Stadt immer mehr in ihr Gedächtnis. Alle waren noch nicht gefunden, viele Familienangehörige fehlten noch, waren vermisst. Schlagartig wurde ihr bewusst, was dies eigentlich bedeutete, hatte sie diesen Gedanken doch immer verdrängt. In den Hintergrund geschoben.
Einige ihrer Familie waren sicher in der Oase, mehr Glück konnte man nicht haben, doch immer noch fehlte eine Schwester … ebenso auch ihre Eltern. Sie wusste nicht, was mit ihnen passierte, ob es ihnen gut geht oder ob sie dem Sturm erlegen waren. Weinend, bemüht die Fassung zu bewahren saß sie etwas abgelegen in der Oase und lies die Gedanken nur über sich rieseln. Sie musste Haltung bewahren, sie konnte jetzt nicht die Fassung verlieren. Bisher war sie stark und lies sich kaum etwas anmerken. Das durfte jetzt nicht brechen, es galt noch soviel zu tun. Jetzt hieß es nach den „noch“ Vermissten zu suchen, Verletzte zu bergen … Trümmer beiseite räumen, den Berg freilegen … die Stadt wieder aufbauen. Wäre er nicht gewesen, wäre er nicht an ihrer Seite … hätte sie das alles nie durchgestanden. Er gab ihr Kraft, gab ihr Sicherheit, so vieles von dem andere nur träumen durften … ein unbeschreibliches Gefühl von Liebe und Glückseeligkeit, doch auch jenes wird durch die schweren Lasten getrübt, die sie noch zu tragen hatten, die noch zu überstehen waren. Ein schwerer Weg … steinig, trüb und ungewiss … vieles stand ihnen noch bevor, was zu bezwingen war.
Saheeb Masari

Beitrag von Saheeb Masari »

Eine Woche oder länger war es nun schon her, seit der Sturm sich aufgelöst und das menekanische Volk in der Oase wieder freigegeben hatte. Seitdem war so vieles geschehen. Das Ahnengrab war freigelegt worden, man hatte mit den Bauarbeiten einer neuen Stadt begonnen.

So lag es nahe, dass die Erhabene aus dem Hause der Omar, Safiya, ehemalige Ifrey, einem Salzschürfer schließlich die Aufgabe übertrug, für die Bergung der Salzmine unter dem Berge Cantar zu sorgen. Und Saheeb schwor, er würde sich dieser Aufgabe annehmen, so gut es ihm möglich war. Er würde Leute brauchen, kräftige Leute, die bereit waren, ihm zu helfen. Er würde Werkzeug brauchen, Schaufeln, Spitzhacken. Und er würde sich vorher ansehen müssen, was zu tun war, wie schwer der Schaden in Wirklichkeit war, den der Sturm angerichtet hatte.

So dauerten die Vorbereitungen für die Befreiung der Mine ihre Zeit. Zusammen mit Fadi und Zaina besorgte Saheeb Eisen von der neuen Insel, reines und brauchbares Metall für die Schaffung zahlreicher stabiler und kraftvoller Werkzeuge. Schon mit Kemail und Hadiya hatte er zuvor genug Holz für Zainas Handwerk beschafft. Und während Zaina sich an die Arbeit machte und zahlreiche Werkzeuge für die Menekaner schuf, untersuchte Saheeb bereits den eingestürzten Mineneingang.

Ein gewaltiger Sandberg versperrte den Zutritt zur Mine, darin vergraben und verborgen zahlreiche Holztrümmer und Zeltplanen aus dem Gerüst, das dort ehemals aufgebaut stand. Es würde viel Kraft und Zeit kosten, den Unrat beiseite zu schaffen, man würde gutes Wetter und viele Leute brauchen. Und beides war auf Menek'Ur kein großes Problem.

So kam nun der Tag, an dem beides zahlreich versammelt war: Werkzeuge gelagert in einer Eisentruhe, die Zaina eifrig und voller Fleiß geschaffen hatte, und kraftvolle Hände die bereit waren, sich diesem Unternehmen entgegen zu stürzen: Hadiya, Tochter aus dem Hause Yazir und fleißige Schneiderin, Fadi, Statthalter im Auftrag des Emirs und ebenfalls Sohn aus dem Hause Yazir, Zaina, Tochter aus dem Hause Masari und Salzschürferin und er selbst. Saheeb. Salzschürfer. Dazu eine Ansammlung an Wachleuten, die auf Geheiß von Aamir Masari, einem Wachmann am Rande der Oase, den Gefährten nachgefolgt waren.

So standen sie nun also an der Mine nach einem langen und nicht einfachen Weg durch die Wüste. Noch immer wirkte der gewaltige Trümmer- und Sandhaufen gewaltig und allen war klar, dass dieses Unternehmen nun deutlich mehr Zeit und Kraft in Anspruch nehmen würde als manch einer gedacht hatte. Mit vereinten Kräften begannen sie mit der Arbeit, jeder mit seinem Werkzeug und unterstützt von einem mächtigen Erdwesen beschworen von Fadi, dessen gewaltige Pranken gute Dienste leisteten. Saheeb fühlte sich seit langem wieder in seinem Element, als er mit der Schaufel einen Sandhaufen hinter sich aufschüttete. Zaina begann Sand von oben herab zu werfen - ein nicht unbedingt gefahrloses Unterfangen, und in der Tat fing der Berg unter ihr zu rutschen an, so dass alle das Herz stehen blieb vor Furcht. Doch die junge Frau beherrschte Sand und Berg nicht minder gut wie Saheeb, so dass sie sicher und wohlbehalten unten ankam.

Als schon ein gutes Stück des Haufens abgetragen war trug es sich jedoch zu, dass der Sandhaufen erneut kräftig ins Rutschen kam und unglücklicherweise Fadi, der zu nahe daran stand, unter sich begrub. Die Sandlast mochte einiges wiegen und sich selbst zu befreien war ein Ding der Unmöglichkeit. Mit aller Kraft zogen Hadiya und Zaina den Statthalter aus seiner misslichen Lage - und nicht zu früh: wenige Momente später drang ein Haufen aus zahlreichen Skorpionen aus eben jenem Sandhaufen, in dem Fadi noch vor wenigen Momenten gefangen war. Im Sturm der vergangenen Wochen musste diese Tiere dort Zuflucht gesucht haben - und in der Tat schienen sie wenig begeistert, dass die Menekaner nun versuchten ihr neues Heim aus dem Weg zu räumen.

Mit einem Mal jedoch brach ein gewaltiges Ungeheuer aus dem Sand hervor, ein Skorpion größer als jene, die noch immer nervös und aggressiv durch den Sand krochen. Ohne Unterschweife griff er die Handwerker an und nur Fadis magische Kräfte vermochten, dem Untier ein Ende zu bereiten.

Nun war klar - die Rettung der Mine würde sich nicht so einfach gestalten, wie man gehofft hatte. Es war unklar, welch schauderhaftes Unheil sich seit jener Zeit niedergelassen haben mochte, als Saheeb und die anderen aus der Mine gerettet worden waren. So gingen Fadi und Saheeb alleine voraus, um den dunklen Stollen der Salzmine zu erkunden, während Hadiya und Zaina alleine im sicheren Sonnenlicht zurück blieben. Im Inneren war es unglaublich dunkel - kein Wunder. Die Lichter und Kerzen waren schon abgebrannt, als Saheeb noch in der Mine verborgen gewesen war. Die Dunkelheit jedoch schien den Wesen zu gefallen - im Gegensatz zu den unwillkommenen Eindringlingen, die sich nun langsam und vorsichtig durch die Mine pirschten. Zahlreiche Erdwesen brachen aus dem Dunkel auf die beiden Männer herein, und erneut war es Fadis magische Kunst, die den beiden das Leben zu retten vermochte. Saheeb vermochte in dieser Situation nicht viel zu helfen, doch mit einem flüchtigen Blick nahm er wohlwollend zur Kenntnis, dass der Minenstollen noch immer stabil und sicher war. Nur... weder die Leichname noch die lebenden Körper der beiden einstmals zurückgelassenen Wachleute fand er nicht. Ihm schauderte, als er sich vorstellte, was jene Wesen mit diesen beiden tapferen und loyalen Männern gemacht haben mochten.

Als die Mine sicher und gesäubert erschien, wagten die beiden Männer sich wieder an die Sonne, um den Frauen von ihrem Erfolg zu berichten. Um sie jedoch nicht zu beunruhigen gab man lieber vor, sich von der Sicherheit der Mine überzeugt zu haben - die Sorge um ihr Wohl mochte zu groß werden, würde man von den unheiligen Wesen berichten, die dort ihr Heim gesucht hatten. Die Befreiung der Mine war vollbracht. Der Eingang war befreit von Sand und Trümmern, die nun in einem weiten Kreis vor dem Eingang verstreut lagen, die Mine selbst gereinigt von allen Unwesen.

Nun stand nur noch eine Sache an: die Reparatur der Salzmühle und die Besorgung einer kleinen Truhe, in der die tüchtigen Salzschürfer und Händler wieder in der Lage wären, ihre Steuern zu bezahlen. Eine Truhe war schnell besorgt, Zainas Hände waren flink und die Truhe schon kurze Zeit nach der eiligen Rückkehr in die Oase bereitet. Zusammen mit Zaina und Hadiya kehrte Saheeb dann - beladen neben der Truhe auch noch mit einigen Holzbrettern und etwas Eisen - zurück zur Salzmine. Reste der Salzmühle standen noch immer noch, der Mühlstein lag achtlos an einem tragenen Holzpfeiler, der die Mine abstützte. Der Sturm hatte einige Bretter und Balken der Mine zerbersten lassen und gemeinsam schafften nun Hadiya und Saheeb die Trümmer hinaus, ersetzten die kaputten Stellen durch neues Material und erfreuten sich nach scheinbar ewiger Zeit endlich einer erneuerten Salzmühle. Noch immer schien Saheeb irgendetwas zu fehlen, doch der Tag hatte sich in die Länge gezogen und sie alle hatten sich Ruhe verdient.

Und so kehrten sie in der Tat zurück in die Oase und legten sich zur Ruhe, auf dass ihre Kräfte an einem folgenden Tag wieder groß genug waren, die letzten Trümmer vor der Mine zu beseitigen und endlich wieder ihrer Arbeit nachzugehen.
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