Stumm - aber nicht taub

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Gast

Stumm - aber nicht taub

Beitrag von Gast »

..nachdem er auf dem befördernden Schiff schon heftig drangsaliert wurde, weil er nach einer Krankheit des Kehlkopfes nicht mehr sprechen kann, steigt Rapo Polinu in Bajard erleichtert aus dem Schiff. Hier, so hatte ihm sein alter Großvater gesagt, hier wird man dich so wie du bist akzeptieren und du kannst deinen vorgezeichneten Weg machen.
Rapo Polinu ist ein großer, vierschrötiger Mann mit leuchtender Glatze, die er gern mit einem Federhut bedeckt. Auffallend große Hände verraten, das er schwere Arbeit nicht scheut, ja sogar gewöhnt ist. Er trägt immer einen schon abgegriffenen Zettel mit sich mit dem Hinweis, das er nicht sprechen, aber gut hören, lesen und schreiben kann. Meist verständigt er sich durch zeigen oder Gesten, selten schreibt er etwas auf, um sich anderen verständlich zu machen. Lange Übung hat ihn gelehrt, sich ganz gut verständlich zu machen, wenn seine Gegenüber Geduld und Phantasie mitbringen für ihn.

Rapo's Weg sei vorgegeben, sagt sein Großvater und Rapo kennt seinen Weg. Großvater war Bauer mit kärglichem Land, wenig Vieh und konnte seine Familie nur mühsam ernähren. Der Vater ein erfolgreicher Jäger am Hofe eines großen Ritters, er kam bei einer Wildschweinjagd ums Leben.
Als sein Großvater das Ende nahen spürte, nahm er Rapo beiseite, steckte ihm einige Goldstücke zu und bat ihn, hierher nach Bajard zu fahren. Wir kommen hier schon klar, mein Junge, so sprach er zu dem immerhin schon dreissig Jahre alten Jungen, sieh zu das du dort Fuß fasst. Es ist ein schönes und ein reiches Land, du wirst dort als Fischer, Jäger oder Bauer sicher ein gutes Auskommen haben. Winkend standen sie dann alle am Hafen, als er abfuhr, mit dem festen Versprechen, seine Mutter nachzuholen sobald wie möglich.

In Bajard kaufte sich Rapo als erstes eine Angel, denn angeln war seine Spezialität. Schnell hatte er dort gute Fischgründe gefunden und seine sauber hergestellten Bratfische und Fischfilets wurden ihm im Hafen von Bajard gerne abgekauft. Hier hatte er auch erste Kontakte mit der einheimischen Bevölkerung, enttäuschend, weil die meisten ihn ignorierten, weil er nicht sprechen konnte.

Eine freundliche Schneiderin in Bajard, die nahm sich die Zeit, ihm zuzuhören und ihn zu verstehen und dann auch den gewünschten Rucksack anzufertigen und nach seinem Wunsch zu färben. Auch stattete sie ihn ganz aus eigenem Antrieb mit festem Schuhwerk und solider Bekleidung samt neuem Hut aus, ganz ohne viel Gold von ihm zu verlangen. Mit Tränen der Dankbarkeit stand Rapo vor dem großen Spiegel und hat dann diese Schneiderei verlassen. Das Begrüßungsgeschenk wird er der Schneiderin niemals vergessen und er nimmt sich fest vor, dieses Geschenk eines Tages mit aller Freude und Dankbarkeit zurückzuerstatten.

Fröhlich brummend und quengelnd zieht er nun ans Wasser, um Fische zu fangen und die dann in Bajard am Feuer am Tor anzubieten. Dort sieht man ihn oft sitzen und vergnügt, aber schweigend seine Fische verarbeiten.
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