Im Namen der Faust [Lichtenthal - Quest]

Antworten
Baznuk Donnerfaust

Beitrag von Baznuk Donnerfaust »

Sämtliche Tafeln dieser Unternehmung werden zügig verschwinden.

[s]
Große Tafeln im gesamten oberen Nilzadan Verkünden folgendes für Cirmias Volk.
Bekanntmachung

Das Volke Lichtenthal, vertreten durch Eveliina von Talgrund im Namen des Kriegsrates unter Thelor-zâr von Berchgard ist am gestrigen Abend Offiziell mit der bitte an uns heran getreten im Konflikt der Faust zu unterstützen.

Unterstützt durch den Schöpfer des Vertragswerk mit dem Zâr von Gipfelsturm von Berchgard - Chrom von den Felsschläger sind alle Anwesenden Kaluren überein gekommen der bitte folge zu leisten.

Es ist Cirmias Volk, dass nun mit Taten den Wert dieser nutzbringenden und ertragreichen Beziehungen würdigt. Die bereits vor Wochen am Berchgard Pass stationierten Graiks werden bis in die Stadt Thelors-zâr vorgelegt. Die Stadt muss um jeden Preis und mit allen mitteln gesichert und gehalten werden. Gleichsam werden für den Fall einer Belagerung auch erstes schweres Gerät und Kriegsgeräteapparaturen zur Verfügung gestellt.

Jedem Kind Cirmias steht es frei, sofern sich die offensiv Pläne der Regiments Truppen mit der Sicherung der Stadt am heiligen Berg in Einklang befindet seinen Freunden und Waffenbrüdern in vorderster Front beizustehen.

Wie es seit Jahren schon bestand hat in den Beziehungen zur Stadt am Nilzadan ist auch weiterhin jedem Schutzsuchenden aus dem Ostreich der sichere Eintritt und Aufenthalt in den Berg zu gewähren. In diesem Zusammenhang wird das Rüstrecht bis auf weiteres für jeden ausgesetzt.

Für die Fähigsten der Apparaturen Bauer gilt die Anweisung weiteres leichteres und bewegliches Kriegsgerät zur Verfügung zu stellen sowohl für die Verteidung Berchgards als auch für den Angriff am Lager der Faust. Da es sich überwiegend um Holzbefestigungen handelt wird keine zu große Gerätschaft benötigt.

Möge Cirmias Hammer unseren taten folgen und wohl gefallen in unserem tun finden.

Für Cirmias,
den Berg

Baznuk Donnerfaust
Meister der Bauhütte

Tambar Donnerfaust
Novize der Bauhütte
[/s]

[img]http://fs5.directupload.net/images/160715/687pg55s.png[/img]
[URL=http://www.bilder-upload.eu/show.php?file=ecfa4d-1497167793.png][img]http://www.bilder-upload.eu/thumb/ecfa4d-1497167793.png[/img][/URL]
Zuletzt geändert von Baznuk Donnerfaust am Donnerstag 15. Juni 2017, 15:03, insgesamt 1-mal geändert.
Lucien de Mareaux

Beitrag von Lucien de Mareaux »

„Alle lügen, haben Angst und haben Hoffnung.“

„Ich erwarte, dass Ihr nicht das tut, was wir anderen vorhalten und somit mit zweierlei Maß zu messen.“


Ich fühlte mich wie ein gescholtener kleiner Junge, der auf frischer Tat ertappt wurde. Verdammt nochmal. Wirklich, sie war darin noch besser als Majalin zuweilen. Wobei nein, meine Frau ging damit anders um, was es nicht unbedingt angenehmer machte, wenn ich Schelte bekam (in der Regel ja zu Recht, muss ich zugeben). Aber diese Frau? Als stünde ich vor meiner leiblichen Mutter, die sich plötzlich für meine Umgangsformen interessierte! Es war zuweilen gruselig, wirklich richtig gruselig – und ich fügte mich in mein elendiges Schicksal, zumindest für den Moment. Was blieb mir auch anderes übrig? Klappe halten in Zukunft, Lucien, ganz weiträumig die Klappe halten.

Ich setzte mich an unseren großen Tisch, legte mein Notizbuch vor mich aus und lauschte einen Moment auf die Stille im Haus. Alle schliefen den Schlaf der Gerechten und der Ungerechte wachte unten und brütete ein Ei aus.
Blender. Stimmte. In vielerlei Hinsicht und ich sah oder erlebte das auch nicht zum ersten Mal. Weder, die Tatsache andere auflaufen zu lassen zum eigenen Vorteil und sei es nur zur Selbstdarstellung, noch die bemühte und leicht durchschaubare Schönfärberei.
Blender. Stimmte. Auch wenn es mir nicht galt, so traf das auch auf mich zu, wenn auch in anderer Fassung und Form. Vielleicht auch nicht ganz so anders. Je nach Blickwinkel betrachtet, sah es doch schon ganz schön mies für mich und mein Seelenheil aus. Die Schelte war unerwünscht, aber berechtigt. Rotzlöffel.
Alle lügen. Stimmte. Ob mit der Wahrheit oder einer wahrhaftigen Lüge. Beide Formen waren Lügen waren in der Regel ein Mittel zum Zweck, meistens zu dem des eigenen Vorteils, Selbstschutz, in der Not gesprochen. Gesagt war gesagt.
Alle haben Angst. Stimmte. Wobei, blieb ich bei mir, ich nicht um mich fürchtete. Aber ich hatte Familie und wollte sie weiterhin sicher wissen. Umfassend sicher.
Alle tragen Hoffnung in und mit sich. Stimmte. Denn die Hoffnung starb bekanntlich zuletzt, und war zugleich so vielfältig, dass es schwer, wenn nicht gar unmöglich, werden dürfte, jedwede Hoffnung zu erfüllen.

Schiffe aus Schwarzwasser. Söldner. Regiment. Bürgerkrieg. Aufstände und Unruhe, Hunger und Leid, organisiert bis ins kleinste Detail. Halbgarer Kompromiss-Vorschlag. Inakzeptabel. Oder halb akzeptabel. Eine Möglichkeit vielleicht einen ganzheitlichen Kompromiss daraus erwachsen zu lassen, zum Vorteil aller.
Möge der machthungrige Drecksack, der dahinter steckte in Kra’thors Schlund fahren und dort in ewiger Verdammnis schmoren! Was war ich versucht die alten Handwerkszeuge hervorzuholen, herauszufinden, wer es war und dann… etwas völlig unsinniges zu tun! Das erzählte ich aber wirklich lieber gar niemandem, denn was darauf folgte, konnte ich mir zehn Mal ausrechnen und es käme von etlichen Seiten, nicht nur von Seiten meiner Frau. Das gäbe Prügel in einem ungehörig hohen Maße. Das war so dämlich wie nicht durchdacht und lediglich eine Ausgeburt der inneren inzwischen kalten Wut. Aber ich würde so gerne!
Nur war ich hier vermutlich besser aufgehoben. Das mochte wer anders besorgen, jemand vor Ort. Wo auch immer dieser Ort war. Ein Traum! Ein Traum, der in alte Verhaltensweisen zurückfiel, die ich mir eigentlich verboten hatte. Aber davon waren dieser Tage einige wieder an die Oberfläche zurückgekommen, und nicht nur die Besten. Die Schelte waren sowas von berechtigt, sie ahnte nur die Hälfte von dem, wofür ich sie verdient hatte.

So, und nun finde spontan eine Lösung, Lucien, in aller Eile. Eine gangbare, die auch ihr gefiel. Zur Hölle, warum hatte ich mich nur darauf eingelassen?
Lucien de Mareaux

Beitrag von Lucien de Mareaux »

„Wir haben eine Empfehlung seiner Majestät, das Ganze möglichst in Frieden zu lösen.“

Natürlich war es ein Schlag in die Magengrube gewesen. Und ich hatte damit rechnen müssen, dass irgendein Mensch, der mich kaum kannte, mit der Unterstellung aufwarten würde, ich könnte ja alle und alles verraten und wann damit wohl zu rechnen wäre. Es war auch nicht die einzige Beleidigung gewesen innerhalb dieser Diskussion. Was dieser Person offenkundig ebenso entging, war die Tatsache mindestens noch eine weitere Person am Tisch damit angegangen zu haben.
Mit mir konnte dieser Mensch zweifelsohne so verfahren, in der Regel, mit der anderen Person allerdings nicht unbedingt. Aber wer sich einmal in Rage gesprochen hatte, sich bar jeden gehaltvollen Arguments in einer solchen Debatte befand, war für derlei Finessen nicht zugänglich, das kannte ich selbst von meinen schlechtesten Seiten und Zeiten nur zu gut.
Es hätte mich nicht mal überraschen dürfen, dass es gerade von dieser Person kam. Nicht, dass dieser Mensch mich kannte – keineswegs. Diese Person hatte erst vor ein paar Wochen überhaupt meinen Namen erfahren. Für mich aber sprach die ganze Haltung Bände. Und das nicht nur über dieses Geschöpf selbst. Innerlich ließ mich die Debatte tatsächlich lächeln, auch wenn die Unterstellung des Verrats in der Magengrube brannte. Menschen verrieten so viel über sich selbst, wenn sie sich vergaßen.
Während sich dort die Rage steigerte, achtete ich lediglich darauf, höflich zu bleiben, selbst nicht ins selbe Niveau abzudriften und mich nicht angreifbarer zu machen, als ich es ohnedies schon war.
Ich hatte währenddessen mitbekommen, dass sich jemand in dem Moment für mich verbürgte, als die Angriffe gegen mich (und einer weiteren Person) überhand nahmen. Die zweite Person, die diesem Beispiel folgte, ein wenig später, aber dennoch genauso unmissverständlich, war in dem Moment selbst abgelenkt gewesen und durfte sich ebenso offenkundigen Beleidigungen stellen.
Fast wäre mir herausgerutscht, dass genauso diese Haltung es war, die der Faust und allen, die sich gegen den Adel aussprachen, so dermaßen in die Hände spielte, dass es mir übel wurde, aber ich nahm mich im letzten Moment noch zurück. Viel lieber ließ ich mich von der tiefen Dankbarkeit tragen, die ich für die zwei Menschen empfand, die mir den Rücken stärkten, ohne wenn und aber.

Dieses Intermezzo ging mir spät in der Nacht noch durch den Sinn, insbesondere nach einem weiteren Gespräch, in dem ich erfahren durfte, dass es ein Empfehlungsschreiben zu diesem Dilemma gab. Dieses Schreiben war nicht von irgendwem verfasst worden, sondern von der Führung des königlichen Regiments, das seine Majestät selbst begleitete. Wenn ich es richtig verstanden hatte, enthielt das Dokument eine Empfehlung, die im Auftrage seiner Majestät von der Schreiberin verfasst worden war. Die Empfehlung lautete, die Angelegenheit mit der Faust, wenn irgend möglich friedlich zu lösen.
Da wurden die Vorwürfe und Beschuldigungen des (möglichen) Verrats noch haltloser. Bedauerlich aber war daran, dass dieser Umstand einem Beisitzenden beim ersten Gespräch bekannt gewesen war, dies aber mit keinem Wort Erwähnung gefunden hatte. Vielleicht hatte er es vergessen, das vermochte ich nicht zu beurteilen. Aber ich ging doch davon aus, dass diese Erwähnung die Diskussionen, die aufgekommen waren, von vorne herein im Keim zu ersticken vermocht hätte.
Ich bat unseren Informanten allein schon deshalb in aller Höflichkeit darum, die geladene Runde von diesem Schrieb nachträglich in Kenntnis zu setzen. Natürlich würde mir das keine Entschuldigung einbringen, denn dazu wäre ja Einsicht nötig. Weder das eine noch das andere entsprach auch nur annähernd dem, was ich erwarten durfte. Mich selbst ging das nicht wirklich an. Ich fragte mich aber, ob meine beiden Fürsprecher das auch so stehen lassen würden auf lange Sicht.
Es würde sich ebenfalls zeigen, ob diesen Worten auch Anklagen an höherer Stelle folgten. Tatsächlich rechnete ich damit, einzig nur deshalb, damit es mich nicht überraschen konnte.
Dennoch, diese Eröffnung lies mich lächeln. Es war mir Entschädigung genug. Mehr als genug.

Viel trauriger an dem Ganzen war, dass ich mich wirklich um Zusammenarbeit bemühte, mit jedem von ihnen, so gut ich es halt vermochte. Es war nicht perfekt, ich war es schließlich auch nicht – wer war das schon? – aber ich konnte immerhin von mir behaupten, mich zu bemühen. Ich blieb höflich, bemühte mich auch um Freundlichkeit, oder zumindest um eine wertneutrale Haltung, egal wie es in mir drinnen manches Mal aussah. Aber es gab wohl stets die Menschen, die ihre eigenen Befindlichkeiten nicht zurücknehmen konnten oder auch nicht wollten, auch nicht unter denen die es können oder wollen sollten, - und wohl auch die, die ihre Befindlichkeiten versuchten auf ihr Gegenüber zu projizieren und zwar in jeder Lebenslage. Dazu war jede Unterstellung recht.
Bei Temora, ich wusste selbst nur zu gut, wie schwer das war, musste aber doch feststellen, wenn man den Dreh erst einmal heraus hatte, konnte das sogar sehr leicht fallen, vor allem wenn man den Nutzen daraus so offensichtlich präsentiert bekam. So leicht, wie die Verbeugung zum Abschied, trotz Zwist und Beleidigungen, und dem kühnen Wunsch, dass das Licht die Wege erhellen möge.

Irgendwann hakte ich die Sache gedanklich ab und wandte mich Wichtigerem zu. Ich hatte von Einkäufern gehört, die entweder noch nie oder seit endloser Ewigkeit nicht mehr da gewesen waren und Waren gekauft hatten, die zu denken gaben. Nach den vorliegenden Informationen versuchten die Alatari inzwischen sich die Faust zum „Freund“ zu machen, denn der Feind meines Feindes ist ja bekanntlich mein Freund. Die Taktik war nicht neu und könnte tatsächlich funktionieren, wenn man dieser noch mehr Futter gab. Etwas, was so oft bei uns schon versucht worden ist, dass wir es fast als Alltag empfanden. Für die Faust war das aber vermutlich etwas Neues. Also musste ich wohl auf den Feldgottesdienst pfeifen und zusehen, ob ich dort jemanden aufstöbern konnte. Einzig der Alleingang machte mir ein wenig Bauchweh, aber Eile hielt ich dennoch für geboten, wollten wir nicht, dass man mit dem Finger auf uns zeigte am Ende. Ich dachte auch bei mir, dass dieser Gang durchaus verzeihlich war, diente er doch der Sache und einem besseren Verhältnis.
Ich hatte darüber hinaus in meiner unschöneren Vergangenheit lange genug mit der anderen Seite zu tun gehabt, um zu wissen, wie sie in mancherlei Hinsicht vorgingen – und sie waren darin auch nicht zu unterschätzen, auch wenn andere bei uns das gerne herunterspielten, beschönigten oder einfach nur mit einem Abwinken abtaten. Nun von Hinterlist, Intrige und Schattenkünsten verstand ich auch ein bisschen. Mal sehen, wer am Ende besser war.
Allein diese Tatsache ließ mich weiterhin vorsichtig sein, auch und vielleicht auch insbesondere der Faust gegenüber. Ich mochte ihn wirklich, sehr sogar, seine offene Art schrie oft laut danach ihm vertrauen zu wollen. Bislang hatte er keinerlei Grund und Anlass gegeben seinen Worten nicht zu trauen, trotzdem hielt ich mich zur Wachsamkeit und Vorsicht an. Denn gerade so ein Verhalten öffnete Türen – wusste ich ja selber nur zu gut. Türen, die manches Mal besser verschlossen blieben. Vielleicht wollte ich der Hoffnung in mir dahingehend nachgeben, aber die Schule des alten Herrn saß tiefer, die Lehre der Straße noch tiefer, die immer wieder sagte „Irgendwann betrügen sie dich alle um irgendwas.“

Von neuerlicher Unruhe gepackt, sah ich nochmal nach der schlafenden Familie, bevor ich mich zum Kloster schlich und unter dem Baum des Lichts versuchte wieder ins eigene Gleichgewicht zu finden, indem ich mich dort ins Gras setzte und die Augen schloss. In Gedanken stellte ich mir die Lichtbringerin vor, der ich in Gestalt noch nie begegnet war, wohl aber ihre Berührung hatte spüren dürfen. Es schien mir lange her zu sein, als wir damals die kleine blaue Schatulle geborgen hatten. Die Erinnerung ließ mich flüchtig schmunzeln. Damals war mir das alles furchtbar dramatisch und tragisch vorgekommen, es hatte zum ersten Mal etwas tief in mir bewegt. Genauso hatte die Begegnung mit Brynn – ich glaube, es war ihre Gestalt gewesen, wenn ich das recht im Sinn hatte – eine Saite angeschlagen. Leicht nur. Die meisten Saiten jedoch berührten, wie so oft, die Menschen um mich herum, vielleicht weil ich es gerne wirklicher, ja, greifbarer, hatte. So wie den Baum des Lichts. Der war sehr wirklich für mich, sehr greifbar und strahlte einen ungemeinen Frieden aus. Ich liebte diesen Ort der Stille und Einkehr, die Luft um den Baum herum. Das war damals schon so gewesen.
Mir kamen erneut die Menschen in den Sinn, die mich fragten, ob ich Priester sei oder es vorhatte zu werden. Ich ließ die Fragen mir vorübergleiten und lauschte auf mein Herz, das nach wie vor sicher war, dass dies nicht mein Weg war oder sein würde. Nein, ich war mit dem, was ich war, genau richtig so. Allerdings musste ich wohl ein paar Saiten angeschlagen haben bei diesen Menschen, unbeabsichtigt, allein nur damit, dass ich eben ich war, meine Ansicht vertrat, und für das eintrat, was mir Herz und Bauch sagten, aber auch der Verstand anriet. War ein gutes Gefühl. Und eine Bestätigung dafür, dass ich es nicht ganz so falsch anging, wie mir manch andere gerne glauben machen wollten, ob nun beabsichtigt oder unbeabsichtigt.


„Herrin im Licht,
wache über die unbescholtenen Seelen unter deinen getreuen Dienern,
wache über jene, die fest im Glauben an dich sind,
wache über die Suchenden, die auf dem Weg zu Dir noch stolpern mögen,
wache über die Fehlgeleiteten, deren Herzen dennoch für dich schlagen.

Herrin im Licht,
sende uns Deine Wärme und Zuversicht,
Deinen Mut und deine Stärke,
Deine Weitsicht und Visionen,
Deine Liebe und Weisheit.

Bitte reiche uns Deine Hand und leite uns,
dort wo wir selber blind sind,
da wo wir sehend sind,
dort wo wir taub sind,
da wo wir hörend sind.

Merke auf,
sieh auf Deine Kinder,
denn Deines dunklen Bruders Diener schmieden neue Pläne.
Hilf den Deinen die rechten Pfade zu betreten,
um in Deinem Namen und unter Deiner Führung zu bestehen.“


Ich verhielt eine Weile lang still dort an Ort und Stelle, atmete tief durch und setzte schließlich leise, flüsternd, wieder an:

„Herrin im Licht, vergib mir.
Ich bin nur ein mäßig guter Diener Deiner.
Allzu oft verliere ich mich in alten Mustern und Verhaltensweisen.
Allzu oft sind sie dem, was Dein dunkler Bruder schätzt, viel zu nahe.
Ich schätze, selbst der Sternenvater hätte einiges zu tun,
wollt ich bei Ihm Vergebung erbitten.

Ich weiß um die dunklen Flecken auf meiner Seele
und auf meinem Herzen, und ich hoffe inständig,
Du kannst vergeben.
All die Schuld, die ich auf mich geladen habe,
und Du weißt, sie ist nicht gering.
Und selbst wenn Du vergibst,
so werde ich diese Schuld nie vergessen.

Bitte, führe Deine Kinder zusammen,
hier, wie auf dem Festland.
Wer auch immer tatsächlich im Recht ist,
das weißt Du allein viel besser als wir hier auf Erden.
Wenn Deine Kinder es nicht können,
so sei Du es, die Recht spricht, Recht verlangt, Recht bringt.
Ich weiß, ich erbitte viel. Vielleicht ist es zu viel,
aber ich muss es versuchen.
Nicht um meinetwillen, aber um meiner Familie, Freunde,
Bekannten, um der Gläubigen und sogar um der Feinde Willen.
Und sei es nur, um nichts, wirklich gar nichts, unversucht zu lassen.“
Benutzeravatar
Helisande von Alsted
Beiträge: 4067
Registriert: Mittwoch 8. Mai 2013, 05:42

Beitrag von Helisande von Alsted »

Wieder ein stiller Morgen in aller klaren Schärfe. Ein neuer Morgen, der frisch und voller Unschuld als reizender Frühsommertag zu einem neuen Tag wurde. Über den Grashalmen ging weicher Nebel empor, irgendwo zirpten Vögel und auch das übliche frühmorgendliche Tiertreiben war zu beobachten. Doch von all dem nahm die Offizierin nichts wahr. Sie stand angelehnt an die Absicherung der Furt und beäugte fragend und misstrauisch das gurgelnde Wasser im Fluss.
Alle Flüsse fließen zum Meer.
Alle Berge enden im Tal.
Alles Leben findet seinen Tod.
Die gestrige Sitzung des Kriegsrates hatte erneut alle Facetten des Herzogtums gezeigt. Vom Adel bis ins Niedere waren dort in einem Raum die Taktiker, die Diplomaten, die Politikier, die Treuen, die Opportunisten und auch die Besonnenen gewesen. Es war faszinierend zu bertrachten wie sich diese Rollen verteilten und wie sie jedesmal neu gefunden worden. Das Reich brauchte alle diese Farben, die sich dort trafen und versuchten ein einheitliches Bild der Situation zu malen. Jeder versuchte mit seinem eigenen Pinsel den Stil des Bildes zu prägen. Die unvermeidbaren Auseinandersetzungen waren nun weder überraschend noch neu und auf ihre ureigenste Art auch ungemein beruhigend. Gerade fühlte sich fast alles für die Rosthaarige so an als ob es ihr wie trockener Sand durch die Finger rieseln wollte. Wie lange hatte sie gebraucht um zu verstehen, dass man jemanden nicht mögen musste um ihm zu vertrauen, dass man jemandem nicht vertrauen musste um ihn zu mögen?

Was zu hälst, kannst du nicht halten.
Was dich hält, hälst auch du.


Diese vorgebliche Stimme der Vernunft warf ihr und dem Adel allgemein vor sich in ihren Anwesen bei Wein zu verstecken und das Volk leiden zu lassen. Blinzelnd wurde einer Libelle nachgeschaut, dann ein Mundwinkel verzogen. Nur wo ihr Anwesen angeblich stand, dass hatte man vergessen ihr mitzuteilen. Sie bewohnte nun gemeinsam mit ihrem Gatten das vermutlich kleinste Haus in ganz Berchgard. Nicht mal Wein hatten sie seit langer Zeit gemeinsam getrunken....
Der Faust waren ihre Angriffspläne verraten worden und es stand zu befürchten, dass das alatarische Reich anfing mit den Schwarzwasser-Söldnern zu kungeln. Es wäre zu charmant gewesen, wenn jemand sie selbst als Oberst über ihre Angriffspläne in Kenntnis gesetzt hätte. Wenn man schon verraten wird, dann sollten die Informationen wenigstens stimmen!

Hinter der glatten, weißen Stirn hatte der Kompromißvorschlag des frischbeförderten Oberstleutnant Alfred lange gearbeitet. Ihre politische und pragmatische Seite wäre dazu geneigt die Faust auf der freien Fläche in Richtung Sumpf anzusiedeln. Die Kompass und Schwert hatte vor Jahren dort ein Anwesen und es müsste dort noch einen Brunnen geben. Sollte die Faust sich dort einmauern und warten. Warten auf Alatarien, warten auf eine Entscheidung auf dem Festland, warten auf den Winter - was halt als erstes eintreffen würde. Den Verlust Junkersteyns jedoch hinnehmen und selbst abziehen, das kam bei aller tiefer Sympathie für die Eirenseer-Soldaten nicht in Frage.

Das Reich befestigen und auf eine längere Zeit des Belagertwerdens vorbereiten. Engpässe bauen, die das Bewegen von größeren Verbänden erschwerten. Ein paar nette Fallen als Überraschung vorbereiten und sorgsam kleine Aktionen als Nadelstiche planen. Sollte die Faust angreifen, würde sie gegen verschlossene Mauern und auf geräumte Höfe rennen. Nach und nach würde man dann dazu übergehen ihre Patroullien abzufischen und zu dezimieren. Egal wie groß, keine Armee war unendlich mit Männern ausgestattet.

Dann bliebe da noch der ungeklärte Punkt der Cabezianer. Jener Punkt rieb ihr immer noch wie ein Kiesel im Stiefel. Jedoch wollte sie nicht ungehorsam sein, auch wenn alles in ihr danach schrie. "Kein Ritter Alumenas verhandelt mit Piratenkapitänen". Das war der klare Befehl gewesen, Soldaten sind gehorsam. Es bleib die stille Hoffnung, dass die kleine Blonde es schaffte den Kapitän zu dessen Zufriedenheit zu informieren und zu ködern. Wenn nicht, so war man wenigstens brav und gehorsam geblieben als Ritter.
Spontan wurde ihr speihübel.
Brav und gehorsam und vermutlich tot.

Der größte Schnitt, den sie jedoch fühlte war die Tatsache, dass sie den kleinen blonden Jungen in ihren Träumen nicht mehr fand. Diese warme und sichere Verheißung durch Temora aus der Nacht ihrer Schwertleite. Ihr noch ungeborenes Kind, dass sie nun nicht mehr wiederfand in ihren Träumen. Manchmal meinte sie ihn rufen zu hören, verloren und allein. Doch auch dieser Ruf wurde leiser und sie konnte ihn nicht beantworten oder wiederfinden.
Vermutlich wirst du nun nie geboren...

Diese Gedanken wurden an die Seite geschoben. Der Morgen war klar, die Luft war frisch. Heute war heute, morgen würden neue 100 Tage beginnen und ihre Arbeit war noch nicht getan. Bis zum letzten Atemzug. Doch welche Rolle hatte nun sie im Kriegsrat selbst inne? Ihr Gatte würde beim Kanzler vorsprechen und sich eine Weisung geben lassen. Es gab eine Empfehlung Seiner Majestät in einem Brief, die berücksichtigt werden sollte, sofern möglich. Die Entscheidungen oblagen nicht ihr, vermutlich nicht mal dem Oberbefehlshaber. Temora würde die Münze werfen.
Kopf oder Zahl.
Kopf.
Immer Kopf.


So macht Bewußtsein Feige aus uns allen.
Der angebornen Farbe der Entschließung
wird des Gedankens Blässe angekränkelt,
und Wagestücke hohen Flugs und Werts,
durch diese Rücksicht aus der Bahn gelenkt,
verlieren so der Handlung Namen.


Hamlet III, 1. (Hamlet)
William Sharespeare
Benutzeravatar
Thancred Dynar
Beiträge: 148
Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Thancred Dynar »

Es war beinahe wie in alten Zeiten, als Berchgard noch einen Hafen hatte und die kleine Weft neben dem Handwerkshaus bisweilen das Postschiff, ein Fischerboot oder den kleinen Handelssegler des HHG ausgebessert und kalfatert hatte. Schöne, ruhige Zeiten der Prosperität waren das gewesen.
Der Geruch erinnerte ihn stark daran.
Wo jetzt wohl Kaptän Störrenbrandt war und ob die Windsbraut die Stürme überstanden die getobt hatten als die Welt sich so veränderte, Lamerst gar unterging?
Damals hatten sie Pech in Fässern aus Drachenfels importiert. Jetzt aber
Waren die Handelswege von Eirenseer Piraten abgeschnitten.
Die Sache war also gar nicht so einfach
Shyra, Jakop und der Zausel hatten des Abends wenn sie gemeinsam an Werkzeugen, Rüstwerk und Speeren für die Verteidigung Berchgards schmiedeten, beraten wie sie den Bedarf an Pech decken könnten welchen die Obristin des Regiments aufgweorfen hatte. Eine recht effektive Verteidigungsmethode wie man neidlos anerkennen musste.
Shyra war schon eifrig am herstellen von vier grossen Kesseln und das helle Klingen des Treibhammers wurde durch den Kessel noch verstärkt.
Jakop und der Zausel hatten sich auch die Köpfe rauchen lassen um einen Schwelofen zu konstruieren in welchem sie aus Zedern- und Birkenrinde das benötigte Pech zu sieden gedachten; Selbst beim Köhler vor Kronwalden hatten sie schon angefragt und einiges an Teer kaufen können aus dem sie ebenfalls Pech kochen wollten.

Der Ofen dazu war allerdings eine ganz andre Sache
Dicht musste er sein, und aus solidem Lydit gebaut. Auch musste wie beim
Schmelzofen für Metalle Brennmaterial und das zu Kochende Meterial gut und doch hitzefreundlich getrennt werden. Um eine Schamottauskleidung
würd man wohl nicht herumkommen.
Das allein würd jedoch nicht reichen denn bei einem kleineren Versuch hatte der Zausel mit rußverbranntem Gesicht herausgefunden dass es ganz und gar nicht schlau war, da an die siedende Teer- Rinden- und Pechmischung Luft rankommen zu lassen. Nein Als ihm der kleine Versuchsofen um die Ohren geflogen war kam ihm irgendwie doch der Gedanke dass das keine ganz so gute Idee war. Wer hätte gedacht dass das Licht der Erkenntnis eine Stichflamme ist!

Also nochmal von vorne
Steine wurden sauber zugehauen, mit glatten Kanten so dass sich ein rundes, dichtes Gefüge ergab. Und nun kam es zu Gute dass in den Vorräten des Zausels und des HHG sich noch etliche Barren aus Lehmputzrohmasse und andren dichten Erden befanden wie sie zu früheren Zeiten auf Fuchatero abgabut wurden. So wurde einige Zeit experimentiert; und schliesslich fanden sie eine Mischung die der Hitze standhielt und dennoch zimlich dicht zu nennen war.
Immerhin blieb der Ofen ganz und im Ineren schwelte die Pechmasse im Kessel munter vor sich hin, und nicht draussen Thancreds Bart. - oder gar Cirmias behüte! die schöne Kappe!

So war denn viele Tage aus der Schmiede ganz und gar ungewohntes zu hören das Ratschende Geräusch des Schälmessers als Birkenrnde in grosser Menge geschält wurde, und das Schnitzen von Dauben für die Küferwaren. Jakop half voll fleiss Amelie gar beim Fällen weiterer Birkenstämme und so war bald das ganze Handwerkshaus damit beschäftigt eifrig den Schwelofen zu füttern in dessen Kessel sich Schusterpech und Teerpech bildeten. Die Menge an Holz jedoch die sie dafür aufbringen mussten war enorm. Und so war das HHG nicht beinahe jeden Tag geöffnet wie es sonst zu sein pflegte. Oft waren alle bis auf eine Ofenwache im Wald und schlugen Brenn- wie auch Schwelhölzer welche
die fleissigen Handwerker im Schwiesse ihres Angesichts und nicht minder im Schweisse der armen Packpferde Sterweise ins HHG schleppten.
Amelie und auch Shyra waren da unermüdlich. Und auch vor dem Alter, und sogar seelischer Grausamkeit wurde nicht halt gemacht: Ja, selbst der
alte Zausel wurde mit vielerlei Ködermaterial Versprechungen und allerlei Druckmitteln von Shyra und Keshra in den Wald gescheucht, Ein Schmied beim Holz hacken - das stell sich mal einer vor !
Zuletzt geändert von Thancred Dynar am Donnerstag 15. Juni 2017, 15:02, insgesamt 1-mal geändert.
Baznuk Donnerfaust

Beitrag von Baznuk Donnerfaust »

Noch bevor die letzten, für diese Mission abgestellten Graikler Ihre Stellungen in der Stadt am Fuße des heiligen Berges beziehen konnten, verschwanden sie noch vor Sonnenuntergang wieder in den mächtigen Hallen des Berges. Nebst den ersten schwer Apparaturen ist es lediglich ein kleiner Holztisch mit ein wenig Proviant bestückt der für die Nachzügler stehen geblieben ist was von der kürzlichen hohen Präsenz der Kinder Cirmias in der Stadt zeugt.
Zuletzt geändert von Baznuk Donnerfaust am Donnerstag 15. Juni 2017, 15:01, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Shyra Dynar
Beiträge: 783
Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Beitrag von Shyra Dynar »

Nachdem die Kessel fertig waren war auch ihre Arbeit in der Schmiede so gut wie getan. Was nun, da kam ihr eine Idee und sie setzte sie auch sogleich in die Tat um. Gepoltere und lautes Schieben von Möbeln, brachte sogar ihren Liebsten nach oben und als er sah das die Taverne oben komplett leer gefegt war, grinste er nur und meinte "Wie kann ich dir helfen mein Licht?"

"Schatz ich hab folgendes vor und das trägst du bitte auch heute am Abend auf der Versammlung vor. Pass auf, ich werde hier mit Gardinen abgeteilt, einige Schlafplätze herrichten, mit je einem Bett, einem Tisch, einem Handtuch oder auch zwei, mehr liegen drüben in den Kisten und einer kleinen Kommode, sowie einer Waschschüssel ausstatten. Die Tür zum zum Bad ist geöffnet und der Gang ins Kontor abgeriegelt, baden ist also auch möglich. Danach werde ich Essen und Getränke vorbereiten, falls wer hungert oder wem dürstet." schmunzelnd schaut sie zu ihm und meint dann "ich brauche also 5 Betten Schränke Tische, du weißt schon in fange schon mal an" Gesagt und getan und bald waren im oberen Stockwerk fünf nette Schlafplätze hergerichtet.

Als ihr Liebster dann zu der Versammlung aufbrach begab sie sich in die Taverne und fing an recht leckere Gerichte zusammen zu stellen und Tee zu kochen.

Sie hoffte inständig das er mit guten Nachrichten zurück kommen würde.......
Zuletzt geändert von Shyra Dynar am Freitag 16. Juni 2017, 01:52, insgesamt 1-mal geändert.
Ich muss mich NICHT für alles verantwortlich fühlen oder?
Janarey

Beitrag von Janarey »

Was bist du bereit zu opfern?

Wider einmal hies es das Land vor einem Feind zu verteidigen.
Doch war der Feind der ihnen gegenüber im Lager saß überhaupt ein Feind?
Sie stammen aus dem selben Reich und glauben an die selbe Göttin und doch kamen sie nicht in Frieden.
Soldaten wie wir, allesamt schworen sie einen Eid die Krone und das Volk zu beschützen. Und dennoch sitzen sie uns gegenüber in einer Siedlung verschanzt und sind darauf aus den König zu stürzen.
Ein Feind ist jemand der in ein Gebiet eindringt und trotz aufforderung die Waffen nieder zu legen zum Angriff bläst. Der sich nicht darum schert, das in einer Schlacht Menschen sterben. All dies ist Anlass genug die Faust als Feind zu betrachten und nicht klein bei zu geben.
Es galt also einen Weg zu finden jene davon zu überzeugen die Waffen zu strecken und sich zurück zu ziehen, oder sie zu vernichten.
Auf der gestrigen Bürgerversammlung kam der Moment wo es sich die ehemalige Unteroffizierin nicht weiter mit anhören konnte und erhob ihre Stimme. Die Ansage war klar und unmissverständlich.
Sie würde lieber Junkerstein niederbrennen als es dem Feind zu überlassen. Und mit dieser Einstellung stand sie offenbar nicht alleine da. Nach nur einigen Stunden Schlaf machte sie sich dann daran kurz vor Sonnenaufgang durch Berchgard zu gehen und sich alles an zu sehen. Ihr besonderes Augenmerk lag hierbei auf die Verteidigungsmöglichkeiten.
Das Handwerkshaus zu Gerimor war bereits unermüdlich dabei die verschiedensten Gerätschaften zu fertigen um Eindringlinge ab zu wehren.
Nun galt es einen Platz für jene Gerätschaften zu finden und diese an zu bringen. Zusätzliche Unterkünfte wurden für Flüchtlinge geschaffen. Das Lazarett wurde bereits geöfnet vom Baron und konnte nach Bedarf von den Heilern genutzt werden. Und auch die Heilerstube des Handwerkshauses wurde öffentlich gemacht. Das Volk war bereit und sich einig.
Dieser Gedanke zauberte der Schmiedin ein Lächeln ins Gesicht als sie hoch oben auf der Wehrmauer saß und runter auf die Häuser blickte.
Für sie war es nicht die erste Schlacht die sie schlug und vieles musste sie opfern um ihrem Eid treu zu bleiben. Doch wieviel war sie bereit zu opfern, wie weit würde sie gehen?
Ernst von Eichengrund

Beitrag von Ernst von Eichengrund »

Ein leises Seufzen entfloh seinen Lippen als er endlich aus der durchgeschwitzten Lederrüstung herauskam. Die letzten Monate hatten ihn auf verschiedenste Weise gezeichnet. So waren die anstrengenden Treffen des Kriegsrates das Eine, die Diskussionen und Vorbereitungen ausserhalb davon das Andere. An diesem Tage jedoch war die körperliche Anstrengung eine Abwechslung, die so unwillkommen nicht wahr. Die Schreiben und anhaltenden Gespräche ermüdeten ihn mehr, körperliche Arbeit, wie der gerade vollendete Palisadenbau und das tägliche Training hingegen, führte dazu das er sich bedeutend lebendiger fühlte. Sicherlich, Sir Vaughain hatte ihn stets dazu angehalten mitzudenken, politisch abzuwägen, vielleicht an der ein oder anderen Strippe zu ziehen und Diplomatie wie auch Strategie zu pflegen wie eine alte Jungfer ihr Porzellangeschirr. Dennoch war er stets, auf seine Weise, eher jemand gewesen der sich in seiner Körperlichkeit und dem Tatendrang definierte.

Dieser Tag war einer dieser Tage an dem er zum Grossteil dem nachhängen konnte. Der Palisadenbau von Schwingenstein stand an. Der Trupp war leidlich klein, das lag sicherlich an den anderen Terminen die in den doch so trügerisch ruhigen Tagen der Waffenruhe anberaumt waren. Dennoch hatte es mit ihm eine Zahl von 4 Klosterwächtern, namentlich Shala, Lya Landerwal und Nathelia Salberg und einer Delegation aus dem Kelpie, namentlich Lyas, Lyon und Lyanni Landerwal mehr zu dem Palisadenaufbau von Schwingenstein geschafft als er Eingangs vermutet hatte.


[url=http://www.fotos-hochladen.net][img]http://www.fotos-hochladen.net/uploads/1dertruppld9h8sk1xv.jpg[/img][/url]

Die Aufgaben waren schnell verteilt, ein jeder tat das was er sich am ehesten zutraute, während Shala die Umgebung mit einigen Erdklumpen, in Fachkreisen Elementare der Erde genannt die Rückendeckung für den Bautrupp antrat. So wurde vom Schaufel-und-Picken-Trupp, zudem er selbst zählte, zuerst der Boden aufgegraben, während der Beil-und-Anspitz-Trupp die Stämme die sie vorher mühsam hergeschafft hatten zu einer ordentlichen Palisade formte. Die Mauer des Klosterwachhauses wurde als Anhaltepunkt genommen um es mit den Häusern von Schwingenstein zu verbinden. Platz für ein Tor wurde selbstredend ebenso gelassen.

[url=http://www.fotos-hochladen.net][img]http://www.fotos-hochladen.net/uploads/2derbeginnb6yljsokpv.jpg[/img][/url]

Das integrieren der Häuser in den Wall hatte sich schon bei dem Kampf um Schwingenstein in den Jahren zuvor bewährt. Nicht nur das die oberen Stockwerke der Häuser einen guten Aussichtspunkt lieferte, nein auch die steinernen Fundamente boten mehr Schutz und sparten Zeit beim Aufbau. Etwas was Angesichts des kleinen Trupps einen besonders wertvollen Vorteil bot.

[url=http://www.fotos-hochladen.net][img]http://www.fotos-hochladen.net/uploads/3weitergebautzb3lhnmra9.jpg[/img][/url]

So war es auch gegeben, das die Verbindungen zwischen den Häusern schnell aufgebaut werden konnten um, dem Plan nach, zumindestens einen äusseren Ring um Schwingenstein zu schliessen. Selbstredend wurde auch ein Tor im Süden gelassen, für etwaige Nachschubswege. Innere Ringe waren zwar ebenso geplant, jedoch sollten diese erst dann aufgebaut werden, wenn es denn wirklich zu Kampfhandlungen kommen sollte. Bei allen war die Hoffnung jedoch gross, das es nicht soweit kommen würde.

[url=http://www.fotos-hochladen.net][img]http://www.fotos-hochladen.net/uploads/4zwischenstckphgic6n238.jpg[/img][/url]

Abschliessend wurde der natürliche Wall mit dem Berg Schwingensteins eingesäumt. Rundherum den Ring ohne weiteres abzuschliessen. Die Palisaden wurden ordentlich zusammen vertäut und hochgewuchtet, der Stamm wurde in die Furchen eingelassen und dann auch wieder zugegraben, festgeklopft und auf Haltbarkeit überprüft. Eine schwere Arbeit doch es war eine Arbeit bei der man immer weiter sah wie etwas entstand aus dem was man tat.

[url=http://www.fotos-hochladen.net][img]http://www.fotos-hochladen.net/uploads/5palisadenbaub4no1mg0xc.jpg[/img][/url]

Es dauerte viele Stunden bis sie sich zusammen hinsetzen, ein Bier zum Feierabend geniessen konnten und redeten. All das liess Spannungen abweichen, bis einige Nachzügler der Besprechung im Regiment eintrafen, dann begannen erneut diese leichten, leichten Kopfschmerzen die sich anbaten wenn die Diskussionen kompliziert wurden...

Immer wurde alles kompliziert...
Hekja Hinrah

Beitrag von Hekja Hinrah »

Ein gewaltiges Rufhorn für Berchgard


Lange saß sie vor ihrer Hütte und blickte auf den Wald hinaus. Ein so gewaltiges Horn…. Ein Rufhorn für Berchgard. Noch nie hatte sie derartiges vollbracht. Immer wieder kritzelte sie eine Skizze auf das Holzbrett, nur um es im nächsten Moment wieder umzuzeichnen. Nein, besser so… Nein, das ist zu klein. Oder doch so?

Bis tief in die Nacht hinein grübelte sie. Wie sollte es aussehen und vor allem, wie sollte es beschaffen sein, dass ein Städder es auch benutzen konnte, ohne dass ihm die Puste ausging?

Klein das Mundstück, doch der Trichter und der Kranz gewaltig, um die Tragweite zu garantieren, dass man es weit genug hin hören konnte.

Die nächste Schwierigkeit bestand darin, aus welchem Holz und vor allem: Welcher Baum? Aus einem einzigen Baum würde sich so ein Horn nicht herstellen lassen, also welche finden, die sich in der Beschaffenheit und Krümmung gleichen würden.

Mit einer Fackel in der Hand stapfte sie in den Wald. An Schlaf war nicht zu denken, war die Zeitspanne bis zur Fertigstellung äußerst kurz. Fünf Tage…. Sie hatte nur fünf Tage. Und Valkja müsste noch die Befestigung herstellen und sie benötigte Ringe, damit die einzelnen Teile des Hornes halten würden.

An Schlaf war in dieser Nacht sowieso kaum zu denken stapfte der Hinrah-Holzwurm immer tiefer in die Wälder. Das Knacken der Äste unter ihren Füßen durchbrach die Rufe der Eulen, die über den Baumkronen hinwegflogen. Und da standen sie… Wie Zwillinge ragten die beiden Fichten in die Höhe. Der Wuchs und die Krümmung waren ident, wenn auch spiegelverkehrt. Erleichterung machte sich in ihr breit, während sie die Fackel in den Boden rammte und Unmengen an Essen aus ihrer Tasche kramte, um sie an den Stämmen der beiden Eichen zu legen. Die Baumgeister sollten zufriedengestellt werden, nicht einen Fehler würde sie sich dieses mal erlauben.

Stunden verbrachte sie dann damit die beiden Fichten zu fällen, zu entästen und auf eine brauchbare Länge zu kürzen. Der Schweiß tropfte von ihrer Stirn als sie auf die bearbeiteten Stämme blickte. Nun galt es das Pferd zu holen und die Stämme ins Dorf zu bringen. Die nächsten Schritte waren nicht minder anstrengend. Das Aushöhlen jener war ein zeit- und kraftaufwändiger Akt. Noch immer nicht vollkommen genesen von den letzten aufreibenden Wochen machte sich die hagere Thyrin an die Arbeit.

Immer wieder nickte sie über ihrer Arbeit ein, gönnte sich dann und wann doch eine kleine Pause, trat zum Feuer und genoss das Zusammensein mit dem Rudel. Nur drei Tage… in nur drei Tagen war es langsam erkennbar, was diese großen Holzstücken darstellen sollten. Die Form des Horns war langsam erkennbar und auch Valkja wurde zu Rate gezogen. Die Teilstücke, obwohl mit Leim verbunden mussten zusätzlich mit einem Ring zusammengehalten werden.

Und dann tatsächlich, es war fertig. Und es war noch Zeit für einen kleinen Feinschliff, und hie und da wurden feine Verzierungen in das Holz und das Metall gearbeitet. Bereit für den Transport nach Berchgard schickte Hekja ein Holzbrett zu Heinrik.

Und erst dann sank sie erschöpft über dem Horn in einen ruhigen Schlaf von Schwertern und Eichen.



[URL=http://www.directupload.net/file/d/4754/oqhdtbkh_jpg.htm][img]http://fs5.directupload.net/images/170616/temp/oqhdtbkh.jpg[/img][/URL]
Misolia Melanis

Beitrag von Misolia Melanis »


Erneut würden nach der öffentlich Sitzung einige säuberlich auf hochwertigem Papiere
Abschriften eines Protokolls ihren Weg an das Lichtenthaler Feldlager, das Adoraner
Rathaus, dem Schwingenstein Kloster sowie den Regimentsvorhof gelagen um dort
entweder aufgehangen oder ausgelegt jedem Bürger Lichtenthals frei und öffentlich
zugänglich zur Einsicht zu sein.



*****************************************************************************

An das Volke und Bürgertum Lichtenthals.

Hiermit sei verkündet, dass es am fünfzehnten Tage der Schwalbenkunft im Jahre 260
erneut eine öffentliche Sitzung der Bürger Lichtenthales im Regiment gab, an dem ein
jeder Bürger, der dem Rufe durch einen Aushang folgte, erneut eingeladen war um sich
über die aktuelle Lage im Reiche, sowie die Pläne der nächsten Tage zu informieren.

In diesem Aushang wird ein jeder, der Lichtenthal als sein Zuhause, seine Heimat und
Wohnort ansieht, über die wichtigsten Punkte des Informationsabend aufgeklärt und im
weiteren Sinne über das weitere gemeinsame Handeln gegen die Faust informiert.

Niederschrift / Protokoll des Informationsabends für
das Volk von der 15ten Schwalbenkunft im Jahre 260


Sir Heinrik von Alsted begann den Abend mit der bitte, an alte Fragen der letzten Sitzung
aufzuschliessen. Da es diesbezüglich keine Meldungen gab, ging das Wort der neuen
Sitzung an den werten Bürger Thancred mit der Frage:

"Wie geht es nach dem end der Waffenruh wohl weiter"

Die Antwort folgte, gesprochen durch den verehrten Sir Heinrik von Alsted.

Das wird sich aus den Aktionen der beiden Parteien ergeben. Es sind weitere
Angebote in beide Richtungen gegangen und unser Hofkanzler von Eulenburg
prüft jene gerade abschließend. Zu hoffen wäre, das wir zur Normalität zurück
kehren und ein Blutvergießen ausbleibt. Sollte sich diese Hoffnung nicht bestätigen
haben wir vorgesorgt.


Die nächste Frage kam vom werten Bürger Zahrak Salberg:

"Ist ein offener Kampf vorerst ausgeschlossen oder müssen wir immer noch damit rechnen?"

Sir Heinrik von Alsted vertritt hierzu die folgende Meinung.

Ein offener Kampf wird zumindest von unserer Seite nicht forciert. Wir sind allerdings
von Freunden wie den Sturmheulern und den Kaluren umgeben. Jene haben Hilfe im
Verteidigungsfall zugesagt. Sollten wir also angegriffen werden, wird sich die Übermacht
relativieren und wir kämpfen auf unserem Grund und Boden, was uns ebenso einen
Vorteil verschafft.


Als nächstes gab der Bürger Thancred einen Bericht zu Protokoll, die Speere für Berchgard
seien zu einem Dutzend geschmiedet, die HHG habe ebenfalls Notunterkünfte vorbereitet und
den Saal über der Taverne Dorfkrug hergerichtet. Werkzeuge und etlich Holz lägen ebenso
bereit. Die Schmiede wird im Verteidigungsfall für Reparaturen, die Heilerstube für Verletzte
offen sein. Auf die Frage nach dem Aufsetzen eines Siedekessels für Pech wurde er an Fräulein
Janaray verwiesen.

Misolia Melanis lässt für das königliche Lehrhospital von Lichtenthal ausrichten, dass die
Einrichtung in Adoran erweitert wurde und nun einen zusätzlichen Behandlungsraum und
Betten bereit gestellt bekommen hat.

An jene Bürger die ein blauen Schreiben "Die Stimme der Vernunft" im Postkasten haben
oder hatten, gab Sir Heinrik von Alsted folgende Worte mit auf den Weg:

Ich bin mir sicher das einige der hier Anwesenden Bürger so eines erhalten hat.
Für mich ist es eine Abwechslung zu den bläulichen Drohbriefen, die ich sonst erhalte.
Jene, die sogar meine Taverne und meine Tochter bedrohen, doch möchte ich mit euch
darüber sprechen. Für mich gehen daraus zwei Dinge hervor. Wir suchen einen Krieg,
den wir nicht begonnen haben und wir tun nichts für unsere Bürger.
Das wir diesen Krieg nicht gewollt haben ist jedem hier klar, doch besonders schmerzt
mich das wir angeblich nichts tun. Wir stehen hier in einem Gebäude.
Einem gut erhaltenen und wehrfähigen Gebäude. Wir haben es sehr guten Handwerkern
wie euch zu verdanken. Doch damit endet die Arbeit nicht und hier möchte ich einmal
Freiherrin von Thronwall gewürdigt wissen. Sie ist es nämlich die dafür sorgt das dieses
Gebäude steht. Wie jedes andere. Das die Leute die sie instand halten bezahlt werden.
Das wir eine Straße haben, einen Hafen und das der Handel fließt. Das wir nicht im Dreck
ersticken und das ihr alle in ein gemütliches Bett, nach eigenem Wunsch am Abend sinken
könnt und wisst das die Mauern euch schützen.


An dieser Stelle gab es eine Ehrerbietung an die werte Nyome von Thronwall.

Die folgende Ansprache folgte von Lady Helisande von Gipfelsturm.
Der Oberstleutnant Alfred der Faust hat Lichtenthal unterbreitet, dass man Junkersteyn
abschreiben solle und man sich von den Palisaden zurückziehen mag. Ebenso solle man
seine Kriegsvorbereitungen auf den Westen konzentrieren. Die Faust würde dies als
Zeichen guten Willens erachten und vermutlich nicht angreifen.

Diese Option wird momentan von Sir Thelor von Gipfelsturm an den Kanzler weitergereicht
und geprüft. Allerdings stellte sich im Laufe der nächsten Stunde der Versammlung ein
eindeutiger Tenor heraus. Man lasse sich von der Faust nicht erpressen und würde Junkernsteyn
lieber den Flammen hinterlassen als einem kriegerischem Heer mit teils zweifelhaften Ansichten,
Absichten und Vorgehensweisen.

Zum Abschluss des Abends nach einigen hier nicht erwähnenswerten Diskussionen über
die bereits im Vorfeld bekannten Ansichten der Faust gab Sir Heinrik von Alsted noch zu
Protokoll, dass es noch einige Bauvorhaben geben wird, mit der bitte auf die Aushänge
am Regiment und den Marktplätzen zu achten. Für die Bürgerdelegation ist weiterhin
Gardist Rabbe zuständig. Spenden gehen für Adoran diesbezüglich an Gardist Rabbe und
in Berchgard an Fräulein Janaray.


*****************************************************************************
Zuletzt geändert von Misolia Melanis am Samstag 17. Juni 2017, 18:29, insgesamt 2-mal geändert.
Benutzeravatar
Helisande von Alsted
Beiträge: 4067
Registriert: Mittwoch 8. Mai 2013, 05:42

Beitrag von Helisande von Alsted »

Stetig zu wenig Zeit zu haben für alles war inzwischen eine übernommene Gewohnheit geworden. Viele Gespräche verblieben halb geführt, viele Gesten nur in Teilen erwiedert und einiges an Gebeten viel zu kurz gesprochen. Doch war es diesmal dieses wenig Zeit, was ihr eine neue Sicht eröffnete. Heinrik stand vor den Bürgern und das nicht mehr als weit gefürchteter Kontrolleur von Bürgerbriefen, sondern als Ritter. Ein Ritter Alumenas, der sich seiner Aufgabe und seiner Verantwortung voll bewusst erschien. Vergebung und Anerkennung in seinen Worten, gleichsam auch Mahnung und Stabilität.

Nur zögerlich war sie an seine Seite getreten, denn im Grunde brauchte er sie nicht. Nicht mehr. Über diese beinahe schmerzhafte Erkenntnis würde sie nachdenken, wenn sie Zeit dafür hatte. Die Stimmung im Raum war schwer zu beschreiben, gleichsam entschlossen wie auch ernst. Ein Hauch von Bitterkeit schwang mit und dem Vortrieb, den die Vermeidung von Hilflosigkeit mit sich brachte.

Sie hatte die Bürger unterschätzt.
Weit unterschätzt.

Jener Gedanke sich diplomatisch zu verhalten, still zu halten und ja alle zu schützen wurde von ihnen weg geweht. Für einen Moment hatte sie doch Sorge, dass sich ein Fackelmob zusammenrotten würde und sich auf den Weg nach Junkersteyn begab. Der Moment konnte abgewendet werden und die Besonnenheit hielt Einzug. Jedoch in einer scharfen und klaren Form, die sie selbst überwältigte.

So nachvollziehbar die Nöte der Eirenseer auch war, so ehrbar die Soldaten der Faust sich auch teilweise verhielten, für die Bürger waren sie Eindringlinge, Besatzer, Usurpatoren, Gegner. Sie waren weder gelitten noch geduldet. Nachdrücklich wurde der Abzug und die Aufgabe der Faust gewünscht. Sollte dies nicht friedlich geschehen, so mehrten sich die Stimmen eher Junkersteyn selbst anzuzünden.

Man mochte ihnen Leichtsinn unterstellen, doch weit gefehlt. Sie sahen durchaus auch die Gefahr aus dem Alatarischen Reich. Aber die Schuld für die vermeidliche Schwächung Lichtenthals wurde der Faust zugeordnet und nicht dem Versagen des Regimentes. Nun hatte die Bürgerdelegation die Aufgabe erhalten der Faust zu verdeutlichen, dass sie sich verziehen sollte. Diese Entwicklung würde Sir von Gipfelsturm in aller Deutlichkeit Seiner Exzellenz mitteilen. Die Idee der Faust Junkersteyn zu überlassen und mit ihnen verbündet gegen Alatarien zu ziehen wurde von den Bürgern kategorisch abgelehnt. "Die dringen hier ein, besetzen uns und wir sollen dann auf gut Freund mit denen machen? Wir sind doch nicht bescheuert!"

Jedesmal wenn die Offizierin an diese Szenen zurückdachte, klappte ihr die Kinnlade erneut hinunter. Jedes Gesicht, jede Geste in dieser Versammlung hatte zum Ausdruck gebracht, dass die Bürger hinter Lichtenthal standen. Notfalls wohl auch bis zum Letzten. Mit erhobenem Kopf und dem Blick nach vorn biss sie die aufkeimende Rührung hinweg. Gefühlsduselei hatte auch ihre Zeit.

Jetzt war die Zeit der Einigkeit. Hoffentlich wurde diese nicht durch eine Entscheidung zersplittert. Denn sie selbst und auch ihr Oberbefehlshaber hatten keine Ahnung wie sie der Bürgerschaft einen Pakt mit der Faust erklären sollten, vom Willen dazu mal ganz abgesehen.


Man erblicke das Große nicht in der Menge
der verbundenen aber doch kleinen Einzelwesen,
man schaue das Große in der Macht,
die Millionen Geister zu einem Bunde berechnete
und aneinanderschloß.

Jean Paul
(1763 - 1825), eigentlich Johann Paul Friedrich Richter, deutscher Dichter, Publizist und Pädagoge
Arenvir von Kronwalden

Beitrag von Arenvir von Kronwalden »

Lässt man einem Vorgang nur genug Zeit, so entwickelt er ein Eigenleben, dass der geneigte Planer weder vorhersehen noch irgendwie nutzen kann. Dies Eigenleben beherbergt in sich Tatkraft, unvorhergesehene Veränderung der Gegebenheiten kurzum wird die so sorgfältig gepflegte Gleichung gestrichen und man verbleibt in der Welt der Variablen.

Es heisst, wer Wind sät, wird Sturm ernten. Und offenbar sollte es genau dazu kommen. Von Anfang an hatte ihm die Selbstgefälligkeit, die schneidende Überheblichkeit der Faust und insbesondere ihres Obersten missfallen. Er war selbst Offizier mit genügend Meriten, um sich unter seinesgleichen kaum verstecken zu müssen. Solch ein Verhalten allerdings hatte er -wenn überhaupt- allenfalls Rahal gegenüber an den Tag gelegt.

Nun musste er mit ansehen, wenngleich er den Vorgang selbst nicht gesehen hatte, wie der Faust genau dieses Verhalten zum Sargnagel geschmiedet wurde. Hatten sie wirklich geglaubt, die Bewohner Lichtenthals würden einfach kommentarlos hinnehmen, was die Faust von sich gab?

Sie hatten das Volk bei weitem unterschätzt. Sie hatten die Entschlossenheit des Adels, des Militärs aber insbesondere des Volkes bei weitem unterschätzt. Eine derartige taktische Missinterpretation der Gegebenheiten hatte es lange nicht mehr gegeben, doch hier lag sie vor aller Augen.

Was die Zukunft da bringen würde, stand in den Sternen geschrieben. Jeder wusste, dass Lichtenthal nicht schweigend klein bei geben würde. Zur Stunde wusste aber niemand mehr als das.

Und Adel hin, Adel her, ein Adeliger, der etwas auf sich hielt, stellte sich nicht ohne Not gegen sein eigenes Volk. Sie hatten das Recht für ihre Heimat zu streiten. Und auch wenn er es anders vorgezogen hätte, allein schon um ihrer Sicherheit willen, wer war denn er bitte schön, ihnen dieses Recht abzusprechen? Das würde nicht passieren.

Es standen interessante Zeiten bevor, jetzt, wo das Ende des Waffenstillstandes zum Greifen nahe war. Eine neue Art der Entschlossenheit hatte in Lichtenthal Einzug gehalten. Diese allerdings, war mit Stahl ummantelt und unnachgiebig.

Die Faust hatte ihre Chance gehabt, Frieden zu halten. Es sah ganz so aus, als hätte man diese Chance zu spät genutzt.


Mord rufen und des Krieges Hund entfesseln
William Shakespeare
(1564-1616), England, einer der größten Dichter der Literaturgeschichte
Dorin Hammer
Beiträge: 167
Registriert: Samstag 22. April 2017, 16:10

Dorins Entäuschung geboren aus Vorurteil oder Ernüchterung?

Beitrag von Dorin Hammer »

Dorin verlässt die Bürgerversammlung und beißt sich auf seine Lippe.
Er denkt sich: „Halt jetzt bloß deinen Mund! Du hast schon viel zu viel gesagt!“

Niemand mag Schlaumeier, das weiß Dorin genau. Das die Sitzung nicht spurlos an ihm vorbei gehen würde, hatte er bereits befürchtet. Aus dem Grund wollte er sich in der Miene verkriechen. Schürfen bis er vor Erschöpfung in sein Bett fällt… bloß keinen Gedanken an Politik zulassen.

Es kam anders:“ Es ist ein neues Land. Das ist ein anderer Adel. Es ist ein Neubeginn! Also raff dich auf Dorin und gebe dieser Gemeinschaft eine Chance!“
Mit diesen Gedanken bereitet er sich pfleglich vor. Trug seine feinsten Kleider auf, um gebührlich zu erscheinen und begab sich pünktlich auf den Weg.
Dann sah er das Schauspiel. Wäre er doch schürfen gegangen der dumme naive Narr.

Anstatt konstruktiv zu Infomieren wurde viel Zeit mit verunsicherter Selbstbeweihräucherung vertrieben. Die meisten Aussagen erschienen Dorin schwammig. Es kam ihn sogar so vor als ob nicht einmal die Führungsriege sich auf ein Vorgehen und eine Einschätzung des Feindes einigen konnte.

So wurde, für Dorin, ein Bild gezeichnet von verunsicherten Anführern. Welcher Mensch nötigt sonst den Teilnehmer einer Versammlung Applaus ab, bevor der Auftritt vorbei ist?
Dorin konnte sich nicht zurückhalten. Er musste sich Klarheit verschaffen. Er stellte eine Prüffrage:
„Was ist das Ziel der Faust?“
Es ist eine Frage die er in den letzten Tagen öfter stellte. Für die er fast immer eine Antwort hörte.
„Die Faust will den Adel, den König, absetzen“.
Doch diese Antwort sagt nichts über die eigentliche Motivation aus oder das finale Ziel der Faust.
Was nützt es der Faust das der Adel abgeschafft oder ausgetauscht wird?
Lautet die Antwort a) Sie erhoffen sich selbst zu bereichern und zu ermächtigen … oder lautet die Antwort b) Sie hoffen an Essen für sich und ihre hungrigen Familien auf dem Festland zu kommen.

Nach Sicht von Dorin sollte ein Temoragetreuer sich diese Frage stellen. Jemand der sein Land angreift weil er aus Gier handelt, (version a) muss mit aller Härte bekämpft werden und bezwungen werden.
Jemand der aus Motiv b, also aus Hunger handelt, den kann man vielleicht ohne Gewalt wieder zurück ins Reich gewinnen. Man müsste den Hunger auf dem Festland bekämpfen und nicht die Hand des hungrigen Bettlers abschlagen. So versteht Dorin die Tugend des Mitgefühls.

Diese Frage muss zuerst beantwortet sein, um die Faust bewerten.
Diese Frage muss auch zuerst beantwortet sein um die nächsten Schritte der Faust zu erahnen.

Während machtgierige Ganoven, sich skrupellos jederzeit zum richtigen Preis mit den westlichen Reich verbünden würden um ihre Ziele zu erlangen. Würden das verzweifelte Hungernde nicht oder nur tun wenn man ihnen keine andere Wahl lässt.
Natürlich gibt es noch mehr Möglichkeiten wie sich die Motivation bei der Faust darstellen könnte. Es könnte eine Temoratreue Mannschaft und eine Machtgierige Führung geben. Doch auch dies zu wissen, wäre nützlich um Führung und Mannschaft zu entzweien.
Was die Faust bei Adoran versucht könnte man auch mit ihr versuchen.

Für eine Konsolidierung der Meinung bedarf es einen Abgleich der Information und Einschätzung.
Das ist in der Versammlung so nicht geschehen.

Einen weiteren Moment wird Dorin nicht vergessen.
Die Bürger wurden informiert dass die Verbündeten Völker, wie Menekaner und Thyren, das lichte Reich im Verteidigungsfall unterstützen würden.
Für Dorin ist nicht nachvollziehbar wie jemand so einen Satz kommentarlos an seine Bürger übermitteln kann. Da hat das Lichte Reich an eine Invasionsarmee eine halbe Grafschaft verloren. Knapp 15% des Reiches sind in Feindeshand. Wenn das nicht ein Verteidigungsfall ist was dann?
Wenn Adoran gefallen ist?
Wenn die Mauern von Menekar einmal belagert werden, sollte Dorin dann sagen: „meldet euch wenn sie vorm Palast stehen, dann helfen wir.“

Ein Lichtblick war das benehmen von Nyome der Vogtin von Adoran. Sie schien die gesamte Veranstaltung tapfer auszuhalten. Tapferer als er selbst.

Nun seit Stunden ist Dorin in der Miene und grübelt vor sich hin.

Er macht sich Gedanken:
„Mit Glück wird alles von alleine gut.“
„Aber was wenn nicht?“
„Welche Vorbereitungen muss ich treffen.“
„Ist Adoran und meine Schmiede sicher?“
„Wohin könnte ich fliehen?“
„Was muss ich jetzt machen damit ich fliehen kann?“
„Sollte ich nicht lieber von unten führen?“
„Würden man mir überhaupt zuhören, oder mir wieder nur sagen: ich solle mir keine Sorgen machen.“
„Aber was geschieht, wenn ich nichts mache?“
„juhu ein Goldbrocken!“
Valkja Tryant

Beitrag von Valkja Tryant »

Der Abend
In den letzten Tagen hatte Valkja viele aus dem Rudel kennen gelernt. Seit dem ersten Eintreffen fühlte sie sich hier wohl. Sturmoeve war nun ihr zuhause und sie fühlte wie herzlich sie empfangen wurde. Besonders das Heikja mochte sie sehr, sie war wie eine richtige Schwester für sie. Doch sie spürte auch wie unruhig es im Moment im Rudel war. An diesem Abend wollten einige Claner nach Berchgard aufbrechen. Denn dort galt es eine Besprechung vorzunehmen. Valkja war schon ganz aufgeregt, denn sie war noch nie in einer größeren Stadt und deshalb auch entsprechend neugierig. Interessiert folgte sie den Gesprächen, schaute sich um und war fest entschloßen ihren Beitrag zu leisten.

Am nächsten Tag
Der vorherige Abend war nicht nur sehr lang, sondern auch sehr interessant gewesen. Sie hat Dinge gesehen die sie vorher nicht für möglich gehalten hätte und hatte einen tiefen Einblick in die Strukturen der Städter erlangt. Auch wenn sie das ein oder andere davon nicht mögen wüde, war der Ausflug es allemal wert gewesen. Zudem waren die Claner auch mit einem guten Gefühl zurück gekehrt. Schließlich hatten sie jetzt ein festes Ziel und auch Valkja war sehr froh das sie nun wusste wie sie helfen konnte.

Der Auftrag
Sie hatte nun verstanden das ein großes Signalhorn angefertigt werden sollte. Doch so ein riesiges Horn wog natürlich auch viel und wie konnte dies besser gehalten werden als durch eine stabile Metallbefestigung. Valkja beschloß die geeignete Metall Legierung zusammen zu gießen, außerdem überlegte sie sich genau wie das Metall zusammen gehalten werden sollte. Ob es hier besser war mit Bolzen zu arbeiten oder die Metallstücke mit Nieten zu befestigen.

Die Skizze
Dazu fertigte sie sich eine genaue Skizze. Heikja hatte sie auch wissen lassen wie groß das Horn wurde und sie konnte anhand ihrer Messungen weitere Überlegungen anstellen. Mit einem Kohlestift versuchte sie erst auf dem Boden einige Probezeichnungen. Es dauerte sehr lange bis sie endlich mit dem Ergebnis zufrieden war. Jene wurde in ein Holzbrett eingeritzt und mit den entsprechenden Maßen versehen. Hier und da wurde eine zusätzliche Kerbe eingeritzt um Abmessungen genauer hervor zu heben. In dem Brett war nun deutlich, eine Metallkonstruktion zu erkennen die später das Horn halten sollte.

In der Mine
Als sie nun mit den Vorbereitungen fertig war, ging es an die Arbeit. Stunden verbrachte sie damit das Erz aus der Mine zu schürfen. Mit jedem Aushub schaffte sie mehr der begehrten Metallstücke heran um sie dann in der Esse draußen zu festen Barren zu verarbeiten. Schon nach einer halben Stunde war ihre Haut über und über mit Staub bedeckt. Jener legte sich nach der Zeit so zäh nieder, das ein einfaches abklopfen kaum noch Besserung verschaffte. Mit festem Griff betätigte sie den Blasebalg. Die Luft die dadurch über die Esse strömte ließ das Feuer noch heißer werden. Das glühende Metall was sich darin befand schimmerte in rot orangenen Farben und warf die Hitze zurück. Sie hatte bereits die ganze Nacht durch gearbeitet. Ein letztes Mal wischte sie sich den Schweiß ab bevor sie nun damit begann alles zusammen zu fügen.

[img]http://www.softloading.de/wp-content/uploads/holy-war-schmiede.jpg[/img]
Antworten