- Wind in den Weiden, so weise den Weg,
Zeig dein Gesicht, in den Blättern verweht.
Wind in den Weiden, wohin es auch geht,
In deine Hand ward mein Schicksal gelegt.
Wind in den Weiden, so weise den Weg. -
- Oonagh
Die glattschimmernde Hand von der Rinde des Baumes ziehend, sah sie in seine Krone hinauf und atmete den frischen Duft ein.
Die zarten pinken Blüten welche er trug, zeugten nur von der Art seiner Früchte.
In kräftigen Rottönen bishin zu fast dunkelvioletten Farben leuchteten die kleinen Kirschen in prächtigem Glanz.
Seitdem sie sich für das Baumhaus am Ende des Nebelwaldes entschieden hatte, hatte sie jenen Baum vom kleinen Pflänzchen bishin zu jenem stolzen Baum aufgezogen.
Manchmal wenn sie auf ihrer Schaukel saß, legte sie den Kopf in den Nacken und verlor sich vollends in der Farbenpracht dieses Wesens.
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Sie freute sich bereits den ersten Kuchen aus den Früchten zu fertigen, oder auch einige Tropfen der besonderen Öle in einen ihrer großen Kessel zu träufeln, um eine wunderbare Seife daraus zu schaffen.
Doch für heute hatte sie sich eine andere Aufgabe zu Eigen erklärt.
Manchmal, in Momenten einer Unterhaltung oder auch schon morgens wenn sie die hellen Augen öffnete, besann sie sich.
Nicht immer war sie voller Aufgaben und dem Ernst ihres Lebens gewesen.
Sie wollte die Leichtigkeit in sich zurück, die Unbeschwertheit mit der sie Heimgekommen war.
Sie schloss die Augen und begann sich auf die Geräusche und Regungen um sich herum zu konzentrieren.
Wind - raschelnde Blätter - umherzirpende Vögel oder Eichhörnchen.
Wasser - das beruhigende Plätschern des Wasserfalls - Blüten von denen die Tropfen rannen.
Sie legte sich auf die Wiese zurück und ließ die Finger durch das Gras wandern.
Erde - Leben - Wurzeln.
Deswegen war sie hierher zurückgekommen.
Sie wollte tanzen mit dem Wind, und trällern mit dem Wasser.
Sie wollte voller Lebensfreude blühen.
Eine tiefe Erinnerung zurück verriet ihr wie es begonnen hatte.
Sie versank in ihre Meditation und sah:
Ihren Bruder, Yalhaniir.. und ihre Schwester Elu`beth, aber vor allem sah sie auch ihre Schwester Fay'na'lyn.
Jene war ihr als erstes begegnet, nachdem sie den lebendigsten aller Wälder betreten hatte.
Mit einem hellen Kichern war sie aus dem Gebüsch gesprungen und hatte versucht sie zu erschrecken.
Die Umarmung welche die vertraute Schwester ihr geschenkt hatte war eine stürmische gewesen und hatte sie sogleich die Energie und dass zurückgewonnen Leben spüren lassen.
Die nackten Füße die das kühle Nass des Bodens fühlten.
Die sanft gespitzten Ohren welche bereits ihre damaligen Freunde rufen hörten.
Der helle, fiepende Ton und die baldig flauschige Berührung welche sie spürte ließ auf ihre Beiden stetigen Begleiter schließen welche zu ihr herangetreten waren.
Nowje der mit seiner grauen Nase und den ebenso grauen Ohren, dem restlichen weißen Fell seines kleinen Körpers trotzte,
stand aufrecht neben ihr und hielt die kleinen Pfötchen in einer Männchenposition.
Und auch das Kitz welches sie damals aufgezogen hatte, hatte bereits eine stattliche Größe erziehlt.
Mit flinken Sprüngen und geübten Tritten folgte sie der ebenso grünen Schwester gekonnt durch den Wald,
bis sie in der Stadt der Städte standen.
- Ered Luin.
Ein von Marmor umrundeter Brunnen bestimmte den großen Marktplatz und kurz hielt sie Inne,
um jenes erste Wiedersehen in sich aufzunehmen.
Natürlich war die Stadt im Vergleich zum lebendigen Wald viel zu kalt, und doch wusste sie, sie war Zuhause angekommen.
Die Schwester rief in heller Stimme nach ihr und sogleich tänzelte sie mit einigen leichtfüßigen und hibbeligen Sprüngen auf sie zu.
Mit einem liebevollen Lächeln hielt die Feya ihr die Hand entgegen.
Eona gluckste erfreut auf und streckte die ihre zur Schwester um jene Hand zu berühr....
Sie riss die Augen auf und starrte in den sich zeigenden Himmel und atmete tief durch.
''Hmrz...'', kurz musste sie schlucken und sich besinnen.
Ja, Fay' war schon vor vielen, vielen Mondläufen von Ihnen gegangen.
Der Baum, welcher zu ihr gehört hatte war von jenem Moment an ohne Leben gewesen.
Stumm und ohne ein freudiges Rascheln in den Wipfeln.
Verflogen war die leichte und erquickende Stimmung aus ihrem Tagtraum.
Mit einem Blinzeln und einem ungläubigen Augenreiben sah sie zu dem Kirschbaum hinauf und schluckte erneut.
Die gerade reifen Früchte waren nicht mehr an ihrer Stelle und nur die hellen, noch gelben Früchte waren zurückgeblieben.
Nanu?, welches Leckermäulchen hatte sich denn hier ausgetobt.
''Diese Schlingel..'', nuschelte sie und begann zu schmunzeln,
doch mit jener Aussicht und dem Gedanken an die verborgen gebliebene Schwester wurde es ihr für einen Moment bewusst.
- Verlust
Verlust hatte zu ihrer Veränderung beigetragen.