Frombart Blaufels - der Weg aus den tiefen Stollen.

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Gast

Frombart Blaufels - der Weg aus den tiefen Stollen.

Beitrag von Gast »

I.

Alles hatte seinen festen Platz und seine Ordnung, ganz nach dem Willen des Schöpfers. Und so war Frombart davon überzeugt, dass er als kleines Zahnrädchen im Getriebe des Volkes als Pilzernter auserkoren war - so wie es schon sein Vater und sein Großvater und dessen Väter getan hatten. Stoisch hatte er die übliche 'Walz', die traditionelle Suche nach sich selbst und Cirmias als Kurzbart abgeschlagen und war weiter mit seinen Brüdern, Schwestern und Cousins , wie jeden Tag in die tiefen Stollen der Blaubartfamilie gestiegen, um die schmackhaften Pilze zu ernten, mit denen sie ihren Gewinn erzielten. Warum etwas anderes suchen, wenn er doch wusste, dass er Cirmias in seinem Herzen wusste und sein Tagwerk den Schöpfer ehrte? Nein, er musste nichts suchen, dass er schon mit in die Wiege gelegt bekommen hatte, als der Schmiedegott seine Seele angefacht hatte. Er empfand seine Aufgabe ebenso wichtig in den Augen des Schöpfers, wie die der anderen.

Während er als Kind noch bei der Verarbeitung der nach Hause gebrachten Pilzernte mithalf, so durfte er sich als Kurzbart schon dem Sammlertrupp anschliessen und bei der gefährlichen Pilzernte Hand anlegen - denn allerlei scheußliche Monstrositäten, die in den tieferen Stollen und Gängen hausten machten jeden Ausflug zu einer heiklen Angelegenheit. Einzig die älteren Familienmitglieder wurden im Stollenkampf geschult, um den Sammlertrupp zu schützen. Stets hatte Frombart mit Ehrfurcht zu seinen älteren Genossen gesehen, die sich aufopfernd und mutig in den Kampf gegen die Feinde der Tiefe warfen und sich stets als Ziel gesetzt den 'Wächtern der Tiefe' zugeteilt zu werden.
Während andere Jungbärte auszogen, um die 'Suche' anzutreten und die Stollen nach oben gen Nilzadan und Oberfläche zu nehmen, widmete sich Frombart sturrköpfig, aber gewissenhaft dem 'Familiengeschäft' - er verspürte keine Abenteuerlust oder das Sehnen den Gerüchten und sagenumwobenen Geschichten Nilzadans und der Oberwelt nachzugeben, denn er hatte seinen Platz gefunden....nun gut, er hatte gehört das Bhir in Nilzadan soll von unvergleichlich guten Bhir Darn gebraut werden. So schwärmte ihm jedenfalls stets sein Cousin vor, der den Handel in Nilzadan tätigte.

Doch der lockende Ruf des Nilzadaner Bieres verstummte an dem Tag, an dem ihm sein griesgrämiger Onkel Schild und Kurzaxt in die Hand drückte und mit für ihn typischen, grummelig kargen Worten dem Schutztrupp zuteilte. Mit vor Stolz berstender Brust hatte sich Frombart in die Reihen der 'Wächter' eingereiht und fühlte sich mit sich und Cirmias vollkommen im Reinen.

Doch seine erste Bewährungsprobe als Wächter verlief anders, als er es sich erhofft hatte. Wie üblich marschierten sie in die tieferen Stollen hinab und ernteten ein Pilzfeld nach dem anderen ab, während die lauernde Dunkelheit schwieg und es nach einem ertragreichem Tag aussah und Frombart nur das mürrische Schweigen seines Onkels aushalten musste.
Aus dem Rückweg geschah das Unglück: Während man sich schon heiter dem Abendgenuss in Gedanken und Gesprächen fröhnte und nach einer ordentlichen Mahlzeit und einem zünftigen Bier sehnte, wurden die Steinbeisser-Träger unruhig...und dann geschah es ziemlich schnell. Frombart hörte noch das verärgerte Schnaufen seines Onkels, ehe der Stollenboden und die Wände an vielen Stellen aufbrachen und sich eine Flut Grabwürmer über die Schar ergoss. Die nächsten Herzschläge waren erfüllt vom panischen Geklacker der Steinbeisser, den dumpfen Warnrufen der anderen Kaluren und dem lauten Schimpfen seines Onkels, der mit seiner Kurzaxt auf einen Grabwurm eindrosch. Schwarze, facettenreich schillernde Augen starrten Frombart entgegen, ehe sich zupackende Mandibeln um sein rechtes Bein schlossen und höllisch zubissen. Cirmias steh mir bei!, rief er in Gedanken, während er den Stiel seiner Axt zwischen das Kneifwerkzeug des Grabwurms stemmte, um den eisigen Griff zu brechen. Schmerzen schossen wie glühende Lava durch sein Bein - ehe er die Mandibelschraube lösen konnte und einen schwankenden Schritt zurück tat. Raschelnd setzten sich die vielen Füße des Wurms in Bewegung, um seinem Opfer nachzusetzen. Diesmal konnte der Kalure noch sein Schild abwehrend hochheben, was ihn vor dem schmerzhaften Biss bewahrte. Der Ansturm des Grabwurms warf ihn aber zurück und mit einem keuchenden Aufprall landete er seitlich am Panzer eines Steinbeissers, während im die Luft aus den Lungen gepresst wurde. Vor seinem verschwimmenden Augen sah er den Wurm erneut nachsetzen und wurde sich der Axt bewusst, die er noch immer stoisch in der Rechten umklammert gehalten hatte. Mit letzter Kraft zog er einen schimmernden Bogen...Chitin knackte, ehe ihm Schwarz vor Augen wurde - in der Ferne vermeinte er das tiefe, bassartige Grollen eines Tieres zu hören und mit dem Gedanken an einen alten, stattlichen Höhlenbären glitt er in die Bewusstlosigkeit über.

Es hatte einige Wochen gedauert, bis er die Quetschung seines rechten Beines auskuriert hatte - der Trupp war heil nach Hause gekommen, es gab ein paar leichte Verletzungen und den Verlust eines Steinbeissers zu beklagen. Seine Bewährungsprobe hatte er geschafft und sein Onkel erzählte ihm immer wieder stolz an seinem Krankenbett was für ein großes Vieh von Grabwurm er erschlagen hätte! Als Frombart auf den Höhlenbären zu sprechen kam, grummelte sein Onkel: "Ach, das hast Dir eingebildet. So tief wandern die Petzen nicht...hast wahrscheinlich zuviel Pilzsporen beim Aufprall eingeatmet"...und so schien das Thema erledigt.
Als er wieder ohne Einschränkungen gehen konnte spürte Frombart zum ersten Mal etwas Ungewohntes: ein Hadern und Zögern. War der Bärenruf ein Zeichen Cirmias oder hatte er wirklich eine zuviel Ladung von den Pilzsporen abbekommen? Jedes Mal, wenn er an das Brüllen dachte, überkam ihn ein ehrfurchtsvoller Schauer - würde er weiter glücklich sein, wenn er wie üblich seinem Tagwerk nachging oder beleidigte er den Schöpfer, wenn er ein Zeichen übersah?

Er fasste einen Entschluss. Er würde seinen Cousin nach Nilzadan begleiten, vielleicht wussten die Meister der Bauhütte sein Erlebnis zu deuten und dann konnte er wieder beruhigt in die tiefen Stollen zurückkehren - so dachte er jedenfalls....
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