Im Namen der Faust [Lichtenthal - Quest]

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Gast

Beitrag von Gast »

Wo waren nur die vielen Männer und Frauen hin, die vor einigen Tagen noch zahlreich am Angriff auf den Vorposten neben ihr gestanden hatten?
Lagen so viele verwundet in den Lazaretten?

Ernergisch hatte sie die Schaufel in das Gras getrieben und sich mit ihrem rechten Bein und Körpergewicht draufgestützt, um sie tief ins Erdreich zu treiben. Die Fuhre Erde, Pflanzen und Gras wurde auf die Außenseite des entstehenden Grabens geschippt, den sie zusammen mit der Gardistin Rabbe und einigen anderen Regimentlern aushob.
Ein hufeisenförmiges Vorwerk sollte errichtet werden, dem ein Hauptwerk folgen sollte.
Schon jetzt schmerzten ihr Arme und Rücken, während ihre körperliche Kondition kaum mit den gedrillten Soldaten des lichtenthaler Regiments mithalten konnte.
Sie war weder handwerklich geschult, noch hatte sie 'Stahl in den Armen', wie die Gardistin zurecht bemerkte.
Sie konnte und wollte aber auch nicht untätig nebendran stehen und zuschauend darauf warten, dass eine Aufgabe für die Liedweber angekündigt wurde. Einen Graben mitausheben würde sie wohl bewältigen können.

Das Gesetz war schlicht: Sie war eine Bürgerin des Herzogtums und der Kriegsstand war ausgerufen worden.
Bürger sind im Rahmen ihrer Möglichkeiten verpflichtet dazu beizutragen, Städte, Siedlungen und Herzogtum zu schützen.
Trotzdem fluchte Veilya leise und herzhaft bei der undankbaren Arbeit, die aber gemacht werden musste.
Sie vertraute den Adeligen und Führern dieses Herzogtums, allen voran Arenvir, Thelor, Helisande und auch Nyome - den Hochadel kannte sie nicht.
Und so reflektierte sie zwar jedes Mal prüfend die ausgehenden Befehle, kam ihnen aber sofort nach. Sei es nun im Wald Holz zu sammeln, an Erkundungsflügen teilnehmen, den Vorposten mit zu stürmen, die Toten einzusammeln und würdig herzurichten oder eben auch einen verfluchten Graben bei diesen schweißtreibenden Witterungen auszuheben.
Man konnte sich einfach in einer solchen Situation nicht das 'Sahnebonbon' aussuchen und sich beim Rest verweigern.
Stumm blickte sie über die Schulter und betrachtete die Regimentler, allen voran Rabbe, die zwar ebenfalls schnaufend, aber ohne ein Wort des Klagens den Graben hinter ihr verbreiterten und vertieften - sie spürte in diesem Moment ein Gefühl der Dankbarkeit und des Respekts für diese Frauen und Männer.
Als ihr Blick jedoch auf das ein oder andere Grüppchen fiel, dass sorglos vor sich hin plauderte, statt zu arbeiten, grummelte sie.
Wie konnte man nach den schmerzlichen Verlusten und der stets drohenden Gefahr hier an diesem Ort so unbefangen von allerlei Nichtigkeiten reden? Naivität? Teekränzchen konnte man am Schutz des heimischen Kaminfeuers abhalten, denn dies hier war kein spannendes Abenteuer für Bürger, sondern essentieller Ernst.
Waren die beiden Gardisten eigentlich immernoch da, die man für ihren Schutz abgestellt hatte? Veilya hatte den Überblick verloren.
Verschwitzt und verdreckt schaufelte sie weiter.
Zuletzt geändert von Gast am Samstag 20. Mai 2017, 10:58, insgesamt 1-mal geändert.
Kila Rabbe

Beitrag von Kila Rabbe »

„Rabbe.“ „Gratuliere, ihr seid Freiwillige.“ raunte die Stimme von Arenvir zu ihr rüber, während er schon ein Stück vor dackelte. „Freiwillige, wofür, Freiherr?“ sie ging ihm nach „Ihr habt die Bauaufsicht und koordiniert die Leute.“ „Jawohl, Freiherr.“ Arenvir teilte den freiwilligen Helfern die Pläne mit, wie, was, wo. Beschrieb das Vorwek genau und Kila machte sich gedanklich bereits eine Zeichnung im Kopf, wobei sie dies nie zu Papier hätte bringen können. Als sie anschließend übernahm, schaut sie sich einen Moment um. Sie war überrascht, dass ihr diese Aufgabe übertragen wurde. Luninara und Lyanni blieben vorne an der Reiterbremse um Wache zu halten.
So teilte Kila fluchs die Leute ein, gab jedem eine Aufgabe und versuchte alle mit ein zu beziehen. Das KLLH war für die Verschnürung der Pfähle zuständig, gab Miso die Leitung für das kleine Trüppchen und einzelne Leute brachten sich selber ein, äußerten Ideen und Kila stimmte gut gelaunt ein und dankte ihnen. Sie selber übernahm, mit Veilya und Sandor das Ausheben des Grabens für das Vorwerk.
Immerzu wurde sie von einem Kameraden unterbrochen, gab Auskünfte und Meldungen. Drehte gelegentlich eine Runde und koordinierte die fleißigen Bienchen. Ihr Blick ging dennoch immer wieder in den Norden, der Baulärm war sicher meilenweit zu hören und ein Stein fiel ihr von Herzen, als Frau Oberst selber in den Norden watschelte um dort Wachtstellung zu beziehen.
Es dauerte nicht lange und die Einteilungen wurden über Bord geworfen und jeder packte dort an, wo es gerade nötig war. Kilas Arme brannten, selbst für sie war ein Graben ausheben nichts alltägliches und sie sammelte ihre ganze Kraft zusammen um auch noch die Pfähle im Boden ein zu graben und den Dreck fest zu schlagen.
Sie wusste, was sie den Leuten abverlangte, wusste, dass ihnen allen noch der Schrecken der Schlacht in den Knochen steckte. Und dennoch wollte sie ein Gefühl des Zusammenhalts vermitteln, dass sie selber, nebst dem Holzhacken und Palisadenaufstellen einer der schwereren Aufgaben übernahm. Die Worte von Luninara hallten dabei durch ihren Kopf. „Erteile nie einen Befehl, den du selber nicht ausführen würdest.“ Und so war es auch, sie packte selber mit an, beklagte sich nicht ein mal und hielt den Kopf für alle Anwesenden hoch.
Sie waren noch vor der Dämmerung fertig und als der erschöpfte Arbeitstrupp ins Lager zum wohlverdienten Abendbrot ging, kamen ausgeruhte Soldaten über die Brücke und übernahmen die Nachtwache.
Kila wartete bis wirklich jeder von den fleißigen Helfern die Brücke passiert hatte und ging dann selber ins Lager zurück und widmete sich den Pferden um jene zu füttern und zu tränken. Räumte hier und da noch ein wenig auf und gesellte sich anschließend ans Lagerfeuer zu den anderen Kameraden und fleißigen Bienchen. Sie tranken auf die gefallenen Kameraden und plauderten ein wenig unbefangener als sonst. Die körperliche Arbeit hatte ihnen allen gut getan und hatte anscheinend die Gedanken etwas frei gemacht. Mit einem Gefühl, etwas geleistet zu haben, was die letzten Tage nur schwer zu verspüren war, fiel Kila später ins Feldbett und fand schnell einen ruhigen Schlaf.
Misolia Melanis

Träume

Beitrag von Misolia Melanis »

Sie schreckte kurz zusammen, sie war wohl eingenickt und hatte abermals einen schrecklichen
kurzen Traum. Es war bereits das zweite Mal in dieser Nacht, ein Nachwehen der letzten Tage die
ihr kleiner Traumpalast versuchte zu verarbeiten. Es war ein wildes Potpourri aus Szenen, die
gleichsam gruselig als auch erschreckend waren. Sie stand an der Brücke, vor sich Körperteile
haushoch stapelnd. Sie wollte weglaufen und rannte auf der Stelle stehend. Ein Rabe auf der Schulter
in ihr Ohr flüsternd, ob sie auf der richtigen Seite stand. Ein übergroßer Ritter in blau-goldener Rüstung,
der bedrohlich immer näher auf sie zuschritt mit einem verbrannten Gesicht. Es war der Feldwebel
der sein Schwert erhob und in ihre Richtung schlug.

Sie griff zu einem Krug Wasser, am Lagerfeuer des Lichtenthaler Heeres hockend - um sich herum
Soldaten, Freunde, Helfer. Eine Wegstunde mit dem Pferd lagen zwischen ihnen und der Faust.
Ein Name, der dieser Tage zurecht verdient war. Es war eine Faust die ihnen ins Gesicht schlug,
als sie versuchten den ersten Grenzposten, eine Taverne vor Junkernsteyn, zurück zu erobern.

Der gestrige Tag sollte diese Niederlage wieder ausgleichen. Man sammelte sich, raufte sich
zusammen. Sie hoffte, dass sie dem alten Trankerl-Opi nicht einen falschen Floh ins Ohr gesetzt
hatte als sie nach der ersten Ankündigung Arenvirs zu den Äxten, Dolchen und Flachs-bündeln
griffen um die Palisaden neu zu bauen, ein kleines Bollwerk an der Brücke zu errichten um zu
verhindern, dass die Faust ungehindert in den Süden ziehen konnte. Wie Sklavenameisen.
Es war ihr kein schlimmer Begriff und doch könnte er falsch verstanden werden und ins negative
gezogen werden. Lichtenthal war in gewisser Weise ein kleines emsiges Ameisenvolk. Es gab das
obere Haupt das irgendwo hoffentlich in Sicherheit hockte, darunter die Soldatenameisen die
gemeinsam mit Kundschafterameisen und anektieren Sklavenameisen eine Gemeinschaft bildeten
um ihren Fortbestand zu sichern.
Die Faust im Gegenzug war ein aggressives Bienenvolk. Sie bauten sich einen Bienenstock in
Junkernsteyn und jeder Versuch ihn zu entfernen würde ihn im Verbund zustechen lassen.

Ihre ersten Zweifel an die Pläne der Obrigkeiten in den ersten Wochen waren nun ebenfalls
verflogen durch den Auftrag den sie und Sandrani von der werten Von Talgrund erhielten und
im Laufe des nächsten Tages durchführen würden. Es waren unberechtigte Zweifel, geschwängert
durch die Unwissenheit was da hinter verschlossenen Türen ablief um die Faust in die Knie zu
zwingen. Misolia war ein Mensch, der häufig betrogen und hintergangen wurde. Sie ist häufig in
gefährliche Fettnäpfchen gelaufen durch das Vertrauen an andere, die sie auf gefährliche Einsätze
schickten ohne sich genügend vorzubereiten. Hier schien es nun anders. Sie konnte durch einen
kleinen Türspalt hineinblicken in die Vorbereitungen der Adeligen und des Regiments..und das gefiel ihr.

Sie erinnerte sich wieder an die Worte ihres Vaters die er ihr, bevor sie hinaus in die Welt zog, mit auf den Weg gab.
Worte, die sie unbewusst ernst nahm und ihr im Laufe der Jahre wichtige Türen öffnete und sie offen hielt.

Höre zu und lerne, höre den Edlen und dem Gesinde zu, lerne von Rittern und von Schafhirten.
Und vergesse nie, die größte Tugend ist es..Demut zu zeigen.

Auch wenn es dir schwer fallen wird Misolia, manchmal musst du Demut zeigen. Es wird Momente geben an
denen du Zweifel an dir selbst oder andere haben wirst, das verstehe ich. Du wirst nicht alles auf dieser Welt
hinterfragen können und es wird auch nicht immer eine Antwort auf deine Fragen geben. Man wird dir nicht
immer dankbar sein und nicht jeder Mensch wird dir wohlgesonnen gegenüberstehen wie du es dir vielleicht
wünschen wirst. An diesen Tagen musst du Demut zeigen um innere Stärke und Weisheit zu erlangen.
Kämpfe für das, was dir wichtig ist aber verliere nie den Überblick auf das Wesentliche.


"Wie recht du doch hattest..danke Vater."

Sie murmelte es leise zur inzwischen versiegten Feuerstelle, trank den Krug leer und erhob sich in dieser Morgenstund
um Sandrani zu wecken um mit ihr Gemeinsam nach Berchgard zu wandern, im Auftrag einer Adeligen - Für den König.
Zuletzt geändert von Misolia Melanis am Samstag 20. Mai 2017, 15:33, insgesamt 3-mal geändert.
Yette Symar
Beiträge: 272
Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Beitrag von Yette Symar »

Die halbe Nacht standen Yette und Alea am Herd und kochten und buken für die Helfer die im Norden von Berchgard an der Brücke für den Frieden das Lichten Reiches kämpften.
Ganz früh am Morgen lieferte sie dann die Leckereien und hoffte so wenigstens ein bisschen unterstützen zu können.
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Kaleya Auenbacher
Beiträge: 1493
Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Ein riskantes Manöver

Beitrag von Kaleya Auenbacher »

Das Herz schlug dem Eisdrachen bis zum Halse. Es galt jetzt allen Mut aufzubringen, den sie hatte. Es galt nun alles oder nichts. Mitten in der Nacht brach das blonde Schneiderlein in einer Uniform der Faust gen Junkersteyn auf.

Kaleyas Schritte wurden langsamer als sie den Vorposten an der Taverne erreichte. Das ganze Manöver musste gelingen, kostete es was es wollte. Es stand viel auf dem Spiel und dennoch ging sie dieses Wagnis, in der Uniform des Feindes nach Junkersteyn einzudringen, ein. Mit nahezu bleiernen Schritten führte der Weg an der Taverne vorbei und weiter durch das kleine Wäldchen. Dann fiel der Eisblick auf das Haupttor, wo zu so später Stunde nur noch wenige Torwächter standen. Auf den Wehrgängen standen Schützen und Liedweber, welche die nähere Umgebung bewachten und im Angriffsfall hart zuschlagen würden.

Jetzt oder nie, Nestash. Beißer zusammen und durch. Sie schritt auf das Haupttor zu und hob die Hand zum Grüßen. "Temoras Segen, Kameraden. Lange Nacht gewesen, aber alles sieht ruhig aus. Die verblendeten Lichtenthaler schlafen wohl und träumen von ihrem Ador!" Sie versuchte soviel Spot wie möglich in ihre Stimme zu legen und erntete für ihre Vorstellung ein müdes Lachen. "Ist gut Kameradin, wohle Nachtruhe. Wir müssen noch ein wenig Wache halten." Einer der beiden Wächter öffnete das Tor und nickte ihr zu. Gerade wollte sie hindurchschlüpfen als er ihre langen blonden Haare erspähte. "Halt Kameradin, bindet euch die besser hoch, bevor ein Offizier euch so sieht." Mit wild schlagendem Herzen rief Kaleya ein einfaches "Jawohl" aus und versuchte mit gemäßigten Schritten durch das Lager zu schreiten. Ganz langsam, Nestash. Jetzt bloß nicht auffallen. Entweder sind sie blind geworden oder sie haben soviele Soldaten hier, dass sie ihre eigenen Leute nicht mehr kennen. Das Herz schlug ihr noch immer bis zum Halse, als sie endlich an ihrem Haus ankam. Ein vorsichtiger Blick ging nochmals umher, dann schlüpfte Kaleya in ihr Haus hinein.

Drinnen vermied sie es Krach zu machen und lief im Dunkeln durch ihr Haus. Mit leisem Wuseln bahnte sie sich ihren Weg zum Raum der Träume und begann dort nach der Gildenkiste zu suchen, in welcher sich die Abzeichen der Hüter befanden und auch die Gildenfarbe untergebracht war. Hastig griff sie danach und packte die Sachen in ihren mitgebrachten Feldbeutel. Danach ergriff sie noch ihre Pflanzenalmanache​ und ein Buch für Anneen. Es wurde mehrmals tief durchgeatmet, bevor sie sich dann wieder hinausschlich. Jetzt bloß keine Fehler machen, tu so als würdest du dich tierisch aufregen. Mit stampfenden Schritten wuselte sie zum Haupttor zurück und dort angekommen begann sie dann empört zu Schnaufen als die Torwächter sie erblickten. "Wurde von einem Offizier erwischt mit meinen offenen Haaren. Hat mich zur Strafe direkt mit einer weiteren Wachschicht beschenkt!" Mit tosendem Gesichtsausdruck sah sie zu ihrem vermeintlichen Kameraden hin, der sie bemitleidend ansah. "Na dann eine ruhige Schicht noch Kameradin. Temora beschützt!" So wurde ihr geöffnet und sie trollte wieder hinaus in die Nacht.
Zuletzt geändert von Kaleya Auenbacher am Montag 22. Mai 2017, 08:09, insgesamt 1-mal geändert.
Lucien de Mareaux

Beitrag von Lucien de Mareaux »

„Auf ein Wort bitte!“

Bei den heiligen Kindern Temoras, was war ich doch ein harmloses Geschöpf vor ihrem Angesicht, wenn mich die Wut packte. Vor mir stand ein Mann, der kurz davor war einen Waldbrand zu verursachen – oder Schlimmeres, ich war mir da nicht so ganz sicher. Der erste Wutanfall wurde mit Met gelöscht, zumindest ein bisschen. Das Lamentieren nahm trotzdem kein Ende, bis ich wiederholt und in aller Deutlichkeit um ein Wort bat. Und nicht nur ich machte mir offenbar darüber Gedanken. Die junge Regimentlerin bemühte sich ebenso geistesgegenwärtig darum zu unterbinden und anderweitig ein Gespräch darüber anzubieten. Der Rest schwieg sich teilweise vor Betroffenheit aus. Gar nicht gut. Und gut, dass nur noch wenige wach und zugegen waren zugleich.
Beim Dunkel, was war er am Toben, hörte aber dann doch endlich bei der etwas lauteren Bitte, die – wenn man es genau nahm, keine von mir war, sondern eine Aufforderung. Mit Sicherheit war das anmaßend aus meiner Position heraus, aber so höflich geäußert, wie eben der Situation angemessen. Er wusste trotzdem genau, dass er eine Standpauke erhalten würde, äußerte es sogar. Gut, der Verstand begann langsam wieder Oberhand zu gewinnen.
Wir verzogen uns in eine Ecke des Lagers, wo wir ungestört waren und ja, nun, mehr musste man dazu auch an sich gar nicht sagen. Es wurde darüber gesprochen, diskutiert, ich tat das, was mir aufgetragen war und ließ mir ausrichten, was von Seiten der Faust bei den Elfen gesagt worden war, und da war es plötzlich. Das womöglich fehlende Puzzleteil. Wenn sich das bewahrheitete, was wir beide im Gespräch hierzu herausgepuhlt hatten aus all den bislang vorhandenen Informationen, war das schon eine ganz enorme Ungeheuerlichkeit – und eventuell der Lösungspunkt, den wir so dringend brauchten und suchten. Natürlich könnte das zu voreiligen Handlungen und Schlüssen verleiten, es könnte auch wirklich böse enden, wenn sich später herausstellen sollte, dass wir irrten. Köpfe könnte das kosten – könnte. Da wurde selbst mir recht flau im Magen.
Und es hatte zur Folge, dass er tatsächlich ein Gespräch suchen wollte, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Gut! Sehr gut! Da sollte man mal sagen, aus einem Wutanfall erwuchs nichts Gescheites. Offenbar hatten die Elfen uns wirklich einen Gefallen getan mit diesem Gespräch zu dem auch unangekündigt die Faust eingeladen worden war. Und das, ohne das sie es wussten. Noch besser nach deren gegenwärtigen Standpunkt.

Es blieb eh abzuwarten, ob die anderen Völker sich ebenfalls heraushielten. Irgendwie hegte ich den Verdacht, dass zumindest die Thyren und Menekaner kein Interesse an Neutralität hatten nach den vergangenen Tagen. Was die Kaluren anging, hielt es sich weiterhin eher vage für meine Begriffe.

Ungeheuerlich. Mein Bauchgefühl geriet bei dem Gedanken an diesen Menschen ins Bodenlose. Etwas, was mir einfiel, aber vorher tatsächlich gar nicht von mir bedacht war: Der war da nicht alleine und eventuell waren da andere Menschen einer Gefahr ausgesetzt, die wir noch gar nicht in Betracht gezogen hatten. Beim Dunkel! Wann sollte ich die Zeit finden, das auch noch auf den Tisch zu werfen, und zwar so bald als möglich? Es musste schnell geschehen und es war auch eindeutig mehr als eine Notwendigkeit zügig herauszufinden, ob wir uns irrten oder nicht. Bestenfalls bevor dieser Mensch Wind davon bekam, oder dass er überhaupt keinen Wind davon bekam, bis wir ihn nicht sicher hatten. Allerdings hatte sich mein Gesprächspartner eher so angehört, als wollte er alles riskieren, um es herauszufinden. Vielleicht aber war das auch nur Ausdruck seines Wutanfalls? Ich hoffte es tatsächlich an dieser Stelle. Und gerade er sollte da in den Hintergrund treten, auch beim Herausfinden, und auch das lieber jemandem an die Hand geben, der nicht soviel Beachtung fand.
Ich hoffte, auf den Trichter würde auch seine Gesprächspartnerin am Folgeabend kommen. Und ich hoffte darüber hinaus, dass er dann auch darauf hörte, falls sie es tat.
Einerlei wie es ausging, ich würde so oder so nochmal darauf ansprechen müssen. Ich musste, auch mit meiner neusten Erkenntnis, die mir auf den Heimweg gekommen war.
Das Ganze rief mir in jedem Fall wieder in Erinnerung, warum ich mich sonst lieber vom Adel fern hielt. Zuviel Macht korrumpierte. Die Folge davon waren Intrigen, um noch mehr Macht zu erhalten. Hier griff jemand direkt nach der Krone und mir war vollkommen bewusst, dass das nicht der Oberst der Faust war. Das war eindeutig wer anders.

Die Schiffe bei uns halten, die Armee bei uns halten, weil? Ja warum denn? Die Folge daraus war unweigerlich, dass sie uns in die Ecke drängen würden über kurz oder lang, denn eines stand fest: Sie waren uns zahlenmäßig inzwischen überlegen. Und dann konnte der Oberst sein erobertes Land dem übergeben, der dahinter die Fäden zog. Das Herzogtum ohne Herzog. Wie leicht wäre es dann dieses zu einem eigenen kleinen Königreich auszurufen, dieses Stückchen Land zu halten und alle, die darin lebten und leben bleiben wollten, zu zwingen ebenfalls dafür zu streiten? Danach würden Operationen folgen gen Festland, und so weiter und so fort.
Ja, mein bester Alfred, du hattest zweifelsfrei Recht: Wir alle waren einer Lüge aufgesessen, aber sicher nicht nur wir, die euch gegenüberstanden, sondern auch ihr. Isidor sollte Ador lenken? Die Lüge war in sich schon ungeheuerlich. Was genau hatte dieser Mensch gesagt, damit sie das auch noch glaubten? Weil das alatarische Reich noch nicht annektiert war auf diesem Eiland? Leicht zu glauben, wenn man die Umstände nicht kannte, die hier herrschten.
Ebenso leicht zu behaupten, dass der Wutball vor mir mit ihnen konspirierte, weil er genug über das Völkchen im Westen wusste. Was würden sie da erst über mich sagen? Aber gut, das wussten sie von mir nicht und ich hatte auch nicht vor es ihnen aufs Brot zu schmieren. Wer etwas in Erfahrung bringen wollte, konnte das, auf vielfältige Art und Weise.
Wehe dem, der Verdacht bestätigte sich. Immerhin wägte ich mich in vager Sicherheit, denn ich würde es nicht sein, der dies herauszufinden hatte. Das überstieg meine Möglichkeiten dann doch sehr weit, und darum war ich kein Stück traurig. Eigentlich war ich just sogar sehr froh der zu sein, der ich war. Noch stand ich immerhin nicht auf der Liste, die sie zu exekutieren gedachten, sollten sie ihr Ziel erreichen.

Witzigerweise führte diese Situation gerade dazu, dass er nicht einmal etwas einzuwenden hatte, dass ich ihn beim Vornamen nannte, um meinen Worten selbst ein bisschen Nachdruck zu verleihen. Verrückte Welt.
Misolia Melanis

Beitrag von Misolia Melanis »

Geschichtenerzähler:
Die folgend erzählten Ereignisse fanden am 19ten bis 20sten Eluviar im Jahre 260 statt.



~~~



"Brauche einen Schreiber und Zählling. Freiwillige an die Brücke"
, rief die Hochgeborene am späten
Nachmittag als sie an der Brücke zwischen dem noch sicheren Süden und dem ungewissen Norden stand.
Sandrani, die unweit von ihr stand bot sich sogleich in ihrer Kunstfertigkeit des Zeichnen an. Misolia stand
auf der Brüstung und sah hinab. Es war eine Aufgabe die sich für sie wie geschaffen anfühlte. Als ehemalige
Buchhalterin sollte diese Aufgabe schaffbar sein und so stieg sie hinab und auf die Hochgeborene zu, sich
ebenfalls meldend. Nach einer Unterhaltung und abschließender Auftragsbestätigung ging es am darauf
folgendem Tage direkt zu den von der Hochgeboren beschriebenen Orte. Berchgard und Adoran.

Der Auftrag: Eine Zählung der vorhandenen Ballisten, Katapulte, den Wehranlagen und alles was dem
Schutze, der Verteidigung dieser Städte dienlich sei. Es dauerte tatsächlich fast den gesamten Tag an
dem Sandrani und Misolia von einem befestigten Stützpunkt zum nächsten liefen. Dutzende Male mussten
sie sich erklären um des Auftrages, der Dringlichkeit um überhaupt an jene Orte zu gelangen und ein weiteres
Dutzend Mal wurden sie dem Platz verwiesen. Es war in Ordnung. Sie waren halt keine Gesellschaft mit
entsprechender Reputation oder Namen, selbst wenn es im Auftrag einer Hochgeborenen war.

Als der Tag fast um war kamen sie zurück ins Lager, mit eher magerer Ausbeute die selbst in falschen Händen
wohl kein Reich stürzen könnte. Die Götter waren ihnen an diesem Tage einfach nicht hold. Sandrani hatte es
geschafft eine technische Zeichnung einer frei sichtbaren Balliste anzufertigen damit es den Oberen freistehen
würde jene von handlich geschickten Schreinern für die Wehr an der Wolfenbrücke herzustellen und taktisch
klug aufzubauen.

Nach einem ersten mündlichen Bericht und einigen in die Hand der Hochgeborenen gedrückten Informationen
verfasste Misolia am selben Abend noch eine versiegelte Abschrift des ganzen, inklusive der Zeichnungen die
Sandrani anfertigte brachte es in einem kleinen Umschlag in das Kommandozelt des Lagers:



~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Der Krone und Reich zur Ehr.

Im Zuge des anerkannten Auftrages durch die Hochgeborene Eveliina von Talgrund finden
Sie eine Auflistung sämtlich sichtbarer aber nicht öffentlich zugänglicher Wehranlagen und
Verteidigungsmaßnahmen der Städte Adoran und Berchgard.

Beauftragte Personen durch Hochgeboren Eveliina von Talgrund:

Sandrani Ambrueck, Schülerin des königlichen Lehrhospitales zu Lichtenthal in der Funktion
der Zeichnerin bautechnischer Dokumente über die Ballisten und Katapulte und Zählung selbiger.

Misolia Melanis, Novizin Tirells und Schülerin des königlichen Lehrhospitales zu Lichtenthal in
der Funktion als Schreiber und Zählung der unten aufgelisteten Wehrmethoden der Städte.

Adoran

Befestigte stationäre Anlagen

1 Katapult, keine weiteren sichtbaren auf Mangel von Zugangsberechtigungen.

Berchgard

Befestigte stationäre Anlagen

Keine sichtbaren auf Mangel von Zugangsberechtigungen.

Einschätzung

Da uns zu Mangels an Erlaubnissen der Zugang zu den meisten Anlagen verwehrt blieb, ist der einzige
Fund nur ein von der Hauptstraße aus sichtbarer Katapult auf der südlichen Wall des westlichen Tores
zu Adoran erkennbar. Der Schutz Adorans ist sowohl von Seeseite, als auch Landseite derzeit in all meiner
Offenheit als frischer Bürger Adorans als Mangelhaft anzusehen. Berchgard selbst besitzt den Berg weiterhin
als größten umliegenden Schutz.

Sollte der Fall eintreten, das ewaige für uns nicht sichtbare Katapulte, Ballisten oder Trebuchet's zum
Lager Wolfenbrück transportiert werden liegt die Gefahr groß, dass die Faust bei einem Sieg über diese
Stellung in den Besitz von mächtigem Belagerungsgerät kommen könnte. Ein Aufbau neuer durch meisterlicher
Schreinerkunst und mit Hilfe von Fräulein Sandrani's Bauzeichnung oder vielleicht im Regiment lagender
Baupläne wäre dies vermutlich eine bessere Lösung.

Wir bedanken uns für das Vertrauen des Auftrages und stehen Ihnen weiterhin gerne in derlei und
anderen Aufgaben stehts zur freien Verfügung, im Rahmen der vom Reiche gesetzten Rechte und Pflichten.
Ich wünschte wir hätte mehr für euch tun können.


Der Krone und Reich zur Ehr,
Der Herrin Segen,

Misolia Melanis

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~


*Im Anhang finden sich die Bauzeichnungen Sandrani wieder*

[img]http://i.imgur.com/3I4FjqV.jpg[/img]
Zuletzt geändert von Misolia Melanis am Montag 22. Mai 2017, 20:25, insgesamt 12-mal geändert.
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Torjan Eichental
Beiträge: 978
Registriert: Freitag 28. Dezember 2007, 03:30

Beitrag von Torjan Eichental »

Wieder ein Tag im Lager.
Amelie las aus einem Buch vor. Eine sehr spannende Geschichte, als diese plötzlich unterbrochen wurde.
Alarm in Adoran wurde überbracht.

Einige machten sich auf, darunter auch er, um die Stadt abzusuchen.
Doch es schien sich eindeutig um einen Fehlalarm zu handeln. Der Verursacher blieb erst mal unbekannt.

Die blaue Faust war es wohl nicht, denn während etliche Zivilisten und Regimentler Adoran absuchten, und damit die Wehrkräfte geschwächt waren, fand kein Angriff statt.

So kehrten sie wieder ins Lager respektive an die Palisade zurück.

Schade, dass er das Ende der spannenden Geschichte über das "kleine Gefühl" nicht mehr erfuhr.

Nichts passierte wirklich, weder da noch dort.
Zudem erfuhr er von einem verletzten Bürscherl, dass Brandfallen ausgelegt waren vor der Kutsche und auch im Wald, was er dem Regiment berichtete.

Was er von der Faust erwartet hätte, sich unbemerkt einzuschleichen in Adoran, wo all die Streitkräfte dort an der Brücke konzentriert waren, trat nicht ein, nicht an diesem Tag.
Vielleicht an einem anderen?
Amelie von Salberg
Beiträge: 1553
Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:19

Beitrag von Amelie von Salberg »

Es war zum verrückt werden...
Amelie war so unruhig geworden, sie kannte sich so gar nicht.
Kaum war sie an der Brücke und spähte in Richtung Junkersteyn, begann ihr Herz wie wild zu klopfen und sie hatte das Gefühl weglaufen zu müssen.
War sie im Handelshaus angekommen, wollte sie unbedingt zur Brücke um im Falle mithelfen zu können.
So lief sie auch heute immer wieder zwischen Berchgard und Brücke hin und her.
Keylon, ihr Bruder, nun er kannte sie wohl fast besser als sie sich selbst, schien das sofort zu merken und verstrickte sie in eine interessante Unterhaltung.
Nach und nach gesellten sich auch Lena, Arys, Torjan, Shyra, Thancred, Malena und Andra zu ihnen, und irgendwie, Amelie wusste nicht mehr wie, kamen sie auf ihr Lieblingsbuch zu sprechen.
So kam es dass sie aus ihrem Buch "Das kleine Gefühl" vorzulesen begann, und sie selbst merkte wie sie sich langsam wieder entspannte.
Nun wusste sie endlich was ihr half ihre Panik ein bisschen einzudämmen, dieses Buch!
Und sie hoffte so sehr dass es den anderen auch ein wenig Ablenkung gebracht hatte.
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Kaleya Auenbacher
Beiträge: 1493
Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Die Ruhe des Nebelwaldes

Beitrag von Kaleya Auenbacher »

Friedliche Ruhe umhüllte den Eisdrachen wie einen schützenden Kokon. Es gab nichts, das jenen Moment der Stille stören konnte. Selbst der Lärm der sonst so belebten Hauptstadt war in weiter Ferne.

Mit vorsichtigen Fingern strich Kaleya an dem Geländer von Arvinuls Baumhaus entlang. Sie konnte mit jener Berührung den Frieden noch deutlicher spüren, welcher in einem inneren Gleichgewicht den Nebelwald bewohnte. Die Eisaugen sahen ruhig hinaus über das Blätterdach und blickten in weite Ferne Richtung Adoran. "Ti muss wieder aufbrechen, ai?" Arvinul sah die blonde Schneiderin seitlich an und erhielt recht bald ein sanftes Nicken zur Antwort. "Aye, Anneen und Earon warten sicher bereits auf mich. Nurd'dhao Arvinul, dass ich hier sein konnte. Es war mir eine Freude und eine willkommene Abwechslung zu dem Trubel der Stadt." Gemeinsam verließen die beiden Gildenschwestern den Nebelwald und so brach Kaleya am Abend wieder gen Adoran auf, das gute Gefühl blieb ihr noch eine Weile erhalten.

Erst als sie wieder in der Königsstadt ankam, überkam sie der Gedanke, dass es viel zu ruhig hier war. Als sie mittags nach dem gemeinsamen Angeln mit Andra die Stadt verlassen hatte, hatte noch viel regeres Treiben geherrscht. Nun aber war Stille und Kaleya drehte sich der Magen um bei dem Gedanken, dass das Regiment zum Großteil im Norden vorzufinden war. Lag Adoran schutzlos da? Sie hoffte es nicht, doch jene Überlegung ließ ihren Magen weiter rebellieren. Würde die Faust in Adoran eindringen? Die Schneiderin musste sich beinahe übergeben als sie im Hafenviertel ankam und der Geruch nach Fisch und Seetang tat dann sein Übriges. Mit noch blasserem Gesicht als sonst trat sie in Andras Heim ein und suchte dann emsig nach ein paar Kräutern gegen die Übelkeit. Etwas Ingwer landete wenig später im Teewasser und kochte vor sich hin so wie auch Kaleyas Gedanken. Am Ende ihrer Gedankengänge wackelte sie mit dem Näschen und füllte sich den fertigen Tee in ein Glas. Jenes wurde dann mit in die kleine Höhle unter Andras Heim genommen und schlückchenweise getrunken.

Der Eisblick legte sich auf Anneens zartes Gesicht, welches so friedlich aussah im Schlaf. Am 30. Scbwalbenkunft würde ihr kleines Würmchen einen Jahreslauf alt werden und Kaleya wünschte sich nichts sehnlicher als jenen Tag in Junkersteyn verbringen zu können. Doch die Hoffnung verblasste mit jedem weiteren Gedanken und als Kaleya sah, wie behütend Earon das Kind mit den Armen umschloss, wusste sie, das ihre Heimat noch längst nicht wieder sicher war. Mit weiter anhaltender Übelkeit trank sie den Tee leer und legte sich dann ebenfalls zu Bett. Immer wieder sah sie zu Earon und Anneen hin, dabei kam ein leises Wispern in ihr auf. Sie spürte, wie sie sich dagegen sträubte, doch das Wispern wurde lauter. Konnte es...? Mit abwehrendem Denken versuchte sie dann ein paar Stunden zu schlafen. Ihre Träume wurden von zwei Dingen beherrscht: von dem Manöver in Uniform der Faust, dass sie in der zurückliegenden Nacht durchgeführt hatte. Und von sahnigen Erdbeertörtchen, die um sie herumkreisten wie aufgebrachte Honigbienen.
Gast

Beitrag von Gast »

Gewissenhaft werden die Abschriften des Protokolls des Kriegsrates persönlich an die von Arenvir gewünschten Stellen zugestellt: Für das Kloster an Sir Eichengrund, für das Regiment an Oberst von Gipfelsturm und für das Kommandozelt an Baron von Gipfelsturm.
Es liegt daher in den Händen jener anderen Einsicht zu gewähren - es liegt nicht öffentlich aus.



Protokoll der Sitzung des Kriegsrats vom 24ten Eluviar 260

Anwesende:
  • Thelor von Gipfelsturm
    Arenvir von Kronwalden
    Helisande von Gipfelsturm
    Ernst von Eichengrund
    Johanna Hohenhain
    Lucien Mareaux
    Veilya Vellwogen
I. Rekapitulation der derzeitigen Lage durch Seine Hochwohlgeboren Thelor von Gipfelsturm:
  • * Das lichtenthaler Feldlager wurde ausgebaut, die Brücke weiter befestigt.
    * Die Faust befestigt ihre Stellung in Junkersteyn.
    * Es gab ein erstes, für beide Seiten verlustreiches, blutiges Aufeinandertreffen - dem Kloster wird Dank für das Annehmen der Gefallenen auf lichenthaler Seite ausgesprochen.
    * Die Schätzungen der Truppenstärke der Faust mussten beachtlich nach oben korrigiert werden.
    * Die Seeblockade wird weiter durch die Schiffe der Faust gehalten;
    von einem Angriff auf das vor Anker liegende Schiff wird ua. wegen der kalkulierten Verluste Abstand genommen.
    * Die Faust signalisiert sich gesprächsbereit, wenn Seine Hochwohlgeboren von Gipfelsturm, Hochwürden Hohenhain und Ihre Hochwohlgeboren von Gipfelsturm das Gespräch von lichtenthaler Seite aus führen würden.

II.
Vortrag des Gelehrten Lucien Mareaux über seine Infomationssammlung der 'Faustler':
  • * Vor den Übergriffen wurde zielgerichtet durch die Faust versucht Erkundungen über Truppenstärke und Apelle des Regiments, sowie des Aufenthaltsortes Seiner königlichen Majestät einzuholen.
    [Burkardt, Kleent]

    * Bei einem Übergriff auf Bürger entschuldigte die Faust ihre Tat damit anders keine Aufmerksamkeit erlangen zu können;
    ferner wurde angezweifelt, dass der König die Sicherheit garantieren könne.
    [Kleent]

    * Die Faust machte ihren Annektionswillen über die lichtenhaler Ländereien deutlich, den sie meint leicht durchsetzen zu können.
    [Burkhadt]

    * Seine königliche Majestät wäre Schuld am Niedergang Eirensees durch den von Ihm eingesetzten Adel, der sich nicht um das Volk kümmern würde;
    Der Großherzog [von Greifenhain] stehe aufgrund seiner Unmündigkeit nicht im Fokus der 'Faustler';
    erste Gesprächsbereitschaft unter nicht genannten Bedingungen wurde in Aussicht gestellt.
    [Feldwebel Alfred]

    * Direkt nach dem Brandanschlag auf die Taverne wurde ein Ultimatum von der Faust gestellt, welche konsequenzenlos verstrich.
    (Hissen der Fästlerflagge in Kronwalden etc.)
    [Faust]

    * Diverse kuriose 'alternative Fakten' über den Tod Seiner königlichen Majestät oder seiner angeblichen Korrumpierung durch den Alka Isidor durch die Faust geäussert.
    [ua. Wachtmeister Gilles]

    * Seiner Spektabilität und höchstgelehrten Magnifizenz, Praeceptor von Kronwalden , wirft man Konspiration vor und wünscht seinen Tod nach vollbrachter Annektion Lichenthals;
    zudem wird der Führung des Herzogtums vorgeworfen nicht willens oder fähig zu sein gegen das alatarische Reich vorzugehen.
    [Faust]

    * Weitergehend wären sie sich der Uneinigkeit und der mangelhaften Einhaltung der Befehls- und Informationskette im lichenthaler Lager bewusst, sowie der naiven Alleingänge diverser Bürger.
    [Feldwebel Alfred, Kleent]
Einige Aussagen fehlen noch.

III.Bericht des Praeceptors über den Elfenrat:
  • * Das Volk der Elfen verhält sich im Konflikt ('Bürgerkrieg') neutral;
    lichenthaler-gemeinschaftsnahen Elfen ist eine Unterstützung freigestellt.
    * Die Faust konnte augenscheinlich Sympathien beim Camvaehtol durch seinen wortgewandten Vertreter gewinnen, dessen Anwesenheit nicht in der 'Voladung' an die lichtenthaler Vertreter kommuniziert wurde.

IV. Vorbereitungen

  • 1) Audienz beim Reichskanzler angefragt: Neue Instruktionen werden erwartet und Anfrage mariner Unterstützung der alumenischen Flotte.
    (sowie siehe 6) Berchgard und Kaluren)

    2) Gespräch mit der Faust für den ersten oder zweiten Tag des kommenden Wochenlaufs angesetzt [siehe I.];
    Terminvereinbarung mit der Faust durch Herrn Mareaux.

    3) Großherzog und Herzoginnenmutter in die Sicherheit des Klosters bringen;
    Audienz mit Ihrer Erlaucht durch Frau Oberst von Gipfelsturm angefragt.

    4) Evakuierungsvorbereitungen Kronwaldens durch den Freiherrn von Kronwalden in Bälde initiiert. [-> Adoran]

    5) Palisadenbau-Möglichkeit Schwingensteins und klösterliche Zufluchtsstätten-Kapazität durch das Kloster und Sir von Eichengrund bestätigt.

    6) Adoran und Berchgard werden auf eine Belagerung vorbereitet, falls die Verteidigung an der Brücke fällt.
    - Berchgard: Kalurische Bemannung der Mauern angedacht [Baron v. G.].
    - Adoran: Zukünftiger Standort des Haupttrupps Lichtenthals;
    Rückzug bzw. Einfallsgefahr über den Käfergraben prüfen lassen [Vogtin v. T.]

    7) Kriegsgerät bauen;
    Ballisten und Katapulte aus lichenthaler, sowie kalurischer Hand anfertigen lassen.

    8) Moral- und Feldausbildungsvorschlag der Gardistin Rabbe;
    regimentsintern weiter geprüft und durchgeführt.

    9) Taktik 'Schmutziges Gold' in Betracht ziehen;
    hinter der Brücke den Rückzug mit Fallen etc. sichern;
    weitere künstliche Verengung (Geröllwall), um den Gegner zu binden, schaffen
    ---> wird vor Ort gesichtet.
V. Temoraschwur

Seine Hochwohlgeboren von Gipfelsturm möchte gefangenen Soldaten der Faust die Möglichkeit bieten im Beisein eines Temorapriesters den Schwur zu leisten fernerhin nicht mehr die Waffen zu erheben, um sie dann bei nächster Möglichkeit auszuschiffen.
Offiziere sind davon ausgenommen und werden sich dem Gericht stellen müssen.
Hochwürden von Hohenhain wird dies in der Geweihtenschaft besprechen.


VI. Antrag für die nächste Sitzung:

Seine Spektabilität und hochgelehrte Magnifizenz beantragt das Aufstellen einer Wache, um zukünftige Störungen der Kriegsratssitzungen abzumildern.
  • Für das Protokoll
    Novizin Veilya Vellwogen.
Zuletzt geändert von Gast am Donnerstag 25. Mai 2017, 11:41, insgesamt 2-mal geändert.
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Helisande von Alsted
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Beitrag von Helisande von Alsted »

Nach Norden starren. Den Wald und den Weg beobachten und bewachen. Ab und an die eigenen Leute zu einer Patroullie entsenden und ohne Verluste wieder in Empfang nehmen. Einige der Soldaten hatten schon begonnen den vorbeihuschenden Rehen und dem Kleingetier Namen zu geben. Meist kam darin irgendein essbares Gericht vor. Besonders auffällig und possierlich erwiesen sich Hasenbraten I bis Hasenbraten IV. Der Höhepunkt jeder Wachschicht war, wenn eine Patroullie des Gegners vorbei kam um sich ein wenig die eine oder andere Soldatin zu beschauen. Für massivere Unruhe sorgten allerdings die Schmähungen der Alataris, die auch offenbar von Langerweile geplagt Jagd auf die Faust-Soldaten machten.
Es wuchs in der Mannschaft langsam die Lust daran sich heimlich mit den unteren Diensträgen der Faustler zu verabreden und die freilaufenden Alataris gemeinsam im Wald zu verscharren. Eine Entwicklung, die die Offizierin im Auge behalten wollte. Genauso wie die Hasenbraten.

Über drei Wochen lagen sie nun hier vor Wolffenbrück und in Lichtenthal kehrte hinterrücks die Normalität ein. Bitter. Gallenbitter stieß ihr das auf, so wie jedesmal wenn sie gefragt wurde ob der Krieg mit Rahal wieder ausgebrochen sei.
Er war nie zuende gewesen.
Die Besatzung durch die Faust war auch nicht zu ende oder in irgendeiner Form gelöst. Doch bis auf ein paar unentwegte Bürger, die gar nicht hoch genug zu loben waren, treue Verbündete und die Soldaten - die hatten keine andere Wahl - die tapfer Wache hielten und Taktiken erarbeiteten, schien der Alltag wieder hergestellt zu sein. Menschen passten sich an, ergaben sich dem Unrecht und akzeptierten wohl schlicht dass die Soldaten an ihren Höfen nun nicht mehr Rot und Gold sondern Blau und Gold trugen.
Loyalität ist ein Standbein der Ehre.
Aber manche stehen wohl auch sicher auf einem Bein oder auch auf weniger.


Ihre innere Unruhe machte ihr zu schaffen, auch wenn sie bemüht war jene nicht nach außen zu tragen. Jeder weitere Tag des Wartens rieb sie wund wie ein Kieselstein im Stiefel. Hinzu kam noch das Jucken ihrer Narbe und das flaue Gefühl irgendwas zu übersehen, auch wenn die Wolken sich deutlich lichteten. Nur ob der herabsinkende Lichtstrahl die richtigen Felder mit Sicht beschenkte oder nur blendete, das blieb offen.
Aber es waren Anzeichen da, denen nachzugehen sich womöglich lohnte. Ein bis zum Ashatar des letzten Jahres unbekannter Name, ein Schreiben ohne Siegel und Unterschrift, das Fehlen von sichtbaren Zeichen seiner Majestät, die Einkasernierung des Großherzogs und das merkwürdige Beobachten seiner Mutter durch die einzige Person über die bisher alle Informationen flossen.
"Kein Ritter Alumenas wird mit Piratenkapitänen an einem Tisch sitzen und verhandeln."
Klare väterliche Worte und ganz das brave Kind, das sie war, hatte sie gehorcht. Nun hatte sie den Salat. Sie hatte ihre Kontakte gekappt mehr oder weniger und einschlafen lassen. Nun würden sie weder Hand noch Fuß rühren um ihr das Schiff oder die Schiffe vor der Küste vom Hals zu schaffen. Ein tiefes Knurren entfuhr ihr da. Sollte sie dies überleben, dann würde sie Wege finden notfalls auch das Pack zu binden für Lichtenthal. Vielleicht auch endlich einen Haushalt gründen...
Die Zukunft ist stets blind. Die Wunschbilder verblassen.
Es wurde an der Zeit einen Termin für das Gespräch mit Oberst von Sturmpass zu erhalten. An diesem Gespräch und den Erkenntnissen daraus würden sich die Wellen brechen. Sir von Gipfelsturm, Hochwürden Hohenhain und sie selbst. Drei Menschen von deren Worten viel abhing. Vielleicht noch mehr von deren Fähigkeit zu zuhören und auf Zwischentöne zu achten, dort dann einzuhaken und erst loszulassen wenn der Fisch an Land war. Bei Lichte betrachtet hatte sich die Faust dafür genau die drei richtigen Personen gewählt. Der Oberbefehlshaber war das alte Wissen, die Gradlinigkeit und personifizierte Loyalität. Hochwürden war klar, entschlossen, fähig zu Kritik und Vermittlung und vor allem eine Priesterin der Herrin. Und sie selbst?
Der Drache.
Hoffentlich mehr Seline als Kryndlagor an diesem Tag.
Hoffentlich mehr Glücksbote als Vernichter der Welten.
Hoffentlich mehr Ehre als Feuer.

Im Hintergrund liefen weiter die Vorbereitungen für verschiedene mögliche Taktiken. Auch Gardist Rabbe hatte eine ausgearbeitet, auf Gardist Madur wartete sie noch. Beides wirklich gute Leute, wenn auch unterschiedlich in ihren Charakteren. Die Rekruten machten sich gut und es stießen hin und wieder frische Kämpfer zu ihnen ins Lager. Ingesamt bei aller Bitterkeit beruhigend.

Kampf war das eine, Schutz jedoch das andere. Alles in ihr selbst schrie danach die Gräfin und ihren Sohn in die Sicherheit des Klosters zu bringen. Selbst wenn Lichtenthal fallen würde, so wären beide im Kirchenasyl sicher. Das Kloster selbst war ein nahezu unverwundbarer Ort. Zudem würden sich dort gute Männer um sie kümmern, auch wenn einer von ihnen so ganz und gar kein Soldat war.

Sie starrte für diese Schicht nun weiter nach Norden. Der Wald wechselte langsam das Frühlingsgrün zum Sommergrün hin. Mehr Rot und Gelb als tiefe Blautöne darin. War das schon eine Prophezeihung an sich? Der Kopf fand sich sachte geschüttelt und die Dienstfresse wieder gerichtet. Wachschicht war Wachschicht. Jetzt hatte Frau Oberst Wache.



Die Stellung gibt dir nie das Recht zu befehlen
- nur die Schuldigkeit, so zu leben,
dass andere deinen Befehl annehmen können,
ohne erniedrigt zu werden.


Dag Hammarskjöld
Johanna Hohenhain

Beitrag von Johanna Hohenhain »

  • Das mit der Wahrheit war schon stets eine heikle Angelegenheit, eine, die einem Menschen niemals eindeutig erscheinen konnte. Annahmen, Interpretationen, Übersetzungen, Wahrnehmungen, Schlussfolgerungen. Eine Wahrheit bildete sich aus vielen Ketten und Verzettelungen, aus Zusammenhängen, die in ihren Umfang gar nicht immer begreifbar waren.
    Was war hier die Wahrheit? Sie hatte sich in der Nacht noch einmal, schon halb versunken in die Zeit der Sterne, von Lucien eine Zusammenfassung der letzten Ereignisse geben lassen, eine Auflistung gesammelter Aussagen. Daraus ließ sich nur ein wages Bild schaffen, das für Unzufriedenheit sorgte. Andeutungen, kryptische Aussagen, Halbwahrheiten, Verschleierungen... und irgendwo da lauerte ein greifbarer Kern. Die Faust glaubte etwas zu wissen, was die Lichtenthaler nicht wussten. Sie warfen ihnen vor sich im Irrtum zu befinden, falschen Annahmen zu folgen und betrogen zu werden. Aber wusste die Faust sicher, dass sie nicht betrogen wurde? Ein Feind mit mehreren Köpfen, eine Gefahr, die nicht beseitigt wurde, ein Volk, das nicht geschützt wird. Immer wieder der Adel... eine Verschwörung vielleicht? So sagten sie auch, sie seien nicht nur Eirenseer. Auch das ist eine feine, aber wichtige Nuance in ihren Aussagen. So konnte es jedoch nicht weitergehen. Immer wieder nur Andeutungen, keine Klarheiten, keine Aussprachen, kein „auf den Tisch damit“. Lag es an der Taktik oder an fehlendem Misstrauen? Die Sorge, dass in einer Aussprache doch Aussagen in die falschen Hände gerieten? Und immer wieder kam der Rabe zur Sprache, der Kanzler... Johanna wünschte sich, dass es irgendwo Klarheit gäbe, ein fixer Punkt, eine Wahrheit, ein Blick von oben herab auf das gesamte Konstrukt. Doch nur Temora besaß diese Weitsicht.
    Johanna konnte nur nervös bleiben in der ihr aufgelegten Verantwortung, die mit einem Vertrauen vorausging, das man ihr bereits vor längerer Zeit begonnen hatte zu schenken. Um so mehr hoffte sie dem ganzen gerecht zu werden.
    So entschied sie sich noch nachts, als die Stunde zur Mitte der Nacht vorbeigezogen war, zum Gebet zurückzuziehen, unter dem Baum des Lichts niederzuknien und zu bitten.... Temora zu bitten... um ein Stück Wahrheit.
Kila Rabbe

Beitrag von Kila Rabbe »

„Lass die Menschlichkeit, verdammt nochmal, Kila.“ Sandors Worte pochten schmerzhaft hinter Kilas Stirn. Was stimmte denn nicht mit ihm? Was stimmte denn nicht mit ihr? War es denn so falsch seine Menschlichkeit zu wahren und alumenische Soldaten nicht einfach wie Vieh ab zu schlachten? „Zu gute Menschen, machen keine guten Soldaten.“ nebst Sandors Worte, hatten sich auch die von Gabriel in ihren Schädel eingebrannt. Sie war es so leid, ständig für ihren Charakter zur Rechenschaft gezogen zu werden. Sie war ein guter Soldat, sogar verdammt gut! Sie dachte gar nicht daran sich auch nur ein Stück weit zu ändern.
Lediglich die Worte des Wachtmeisters nahm sie sich zu Herzen. Ihr war bewusst, dass die Faust trotz allem eine Gefahr da stellte und sie auf kurz oder lang wieder gegen sie kämpfen musste. Einen Befehl zu verweigern würde ihr nie in den Sinn kommen.
Sie war nicht wirklich darüber empört, was die Faustler über sie vom Stapel gelassen hatten. Sollten sie sie halt auf der Mauer beobachten und ihre Sprüche reißen. „Dein Gesicht ist halt alles was du hast.“ Dieses Gesicht konnte auch finstere Gedanken beherbergen.
Kila war sauer, stinksauer und es arbeitete hinter ihrer Stirn. Sie machte Versuche die Moral zu stärken, stand Tag und Nacht auf der Mauer. In brühender Hitze oder kaltem Regen. Sie würde nicht weichen und sie würde ganz bestimmt nicht einfach so der Faust das Feld überlassen. Das Rumgestehe auf der Mauer brachte sie auf eine Idee. Sie krallte sich ihre Rekruten und ging mit ihnen auf eine Patrouille. „Es soll eine Schwachstelle geben...“ Das wollte sie mit eigenen Augen sehen und so schlichen Kila, Andreas und Gabriel durch den Wald, bis zur nordöstlichen Palisade der Faust. Mit einem Selbstmordakt versicherte Kila sich davon, dass es auch wirklich eine Schwachstelle war. Es ratterte hinter ihrer Stirn und ehe sie auch nur den ersten Punkt ausgesprochen hatte, war ein genialer Schachzug geboren.
„Wir nennen es Operation Faustschlag.“ Kila erklärte Frau Oberst den Plan und perfektionierte ihn mit ihr und den Rekruten. Natürlich widersprach es allem was Kila ausmachte, aber was war wenn alle Verhandlungen scheiterten? Wenn es einfach keine friedliche Lösung gab? Nebst den Wachtmeistern wurde auch sie von dem Feldwebel der Faust gefragt, was sie von all dem hielt. Ihre Antwort war klar. „Bruder gegen Bruder? Warum nicht Bruder mit Bruder gegen den Schatten?!“ Sie hatte an die Vernunft des Feldwebels appelliert und hoffte etwas zu bewirken. Ihr war klar, dass sie nur ein einfacher Gardist war und dass sie nur wenig Einfluss nehmen würde. Aber sie hoffte und glaubte an den Funken in ihm. Die Menschlichkeit.

[img]http://fs1.directupload.net/images/170529/l4h3ngtx.jpg[/img]
Zuletzt geändert von Kila Rabbe am Montag 29. Mai 2017, 16:59, insgesamt 4-mal geändert.
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Kaleya Auenbacher
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Ein tobender Eisdrache

Beitrag von Kaleya Auenbacher »

Zermürbung. Untätigkeit. Und ein neuer Gedanke, mit dem es sich nun ernsthaft anzufreunden galt.

Der Weg nach Berchgard war in Windeseile zurück gelegt und Kaleya wusste nicht genau, ob sie einen neuen Rekord in der nestashen Wuselei aufgestellt hatte. Sicher war aber, dass der Gedanke darüber das eigene Heim nicht mehr bewohnen zu können sie allmählich zermürbte. Und daran zu denken Junkersteyn wohlmöglich für immer an die Faust verloren zu haben, machte sie ganz krank. So gut es ging vertuschte sie das Gefühl und sah sich auf der Palisadenwehr um, der Blick wie zahlreiche​ andere Menschen immer gen Norden gerichtet. So bekam sie nur am Rande mit, dass ihr Verlobter zum Lager kam und und sich mit Arvinul und Andra unterhalb der Palisadenwehr unterhielt. Erst als der Rotschopf das Tor öffnete und im Wald von Junkersteyn verschwand, wurde ihr seine Anwesenheit umso klarer und drang mit voller Wucht in ihr Gedächtnis vor. Der Schrei aus vollstem Drachenrachen hatte nichts genützt, ebenso wenig wie das fassungslose Starren gen der Richtung, in der Earon verschwunden war. Zerknirscht und innerlich tobend stand sie auf der Wehr, bis im angrenzenden Wald irgendwann seine Silhouette auftauchte. Mit einem Sprung von der Palisadewehr kam der Eisdrache am Boden auf, es schepperte dabei die Kettenrüstung unüberhorbar und ihr Eisblick war vermischt mit einem feurigen Funkeln, das an kochendes Magma erinnerte. Kurzum: Sie war stinkwütend und sie brauchte noch nicht einmal etwas zu Earon sagen.

Stattdessen sah er ihr Gesicht, welches die Farben von verschimmeltem Apfelgrün über koboldartigem Giftgrün bis hin zu sattem Grasgrün durchwechselte, ruhig bis forschend an. Kurz darauf bat er sie zum Reden in eine abgelegene Ecke und das war auch gut so, denn Kaleya war fuchsteufelswild. Wäre ihr nicht so krank vor Sorge gewesen, hätte sie mit großer Wahrscheinlichkeit einem Druiden den Kopf abgerissen. Während sie sprachen, wurden Earons Worte immer kryptischer, bis ein Mann aus dem Lager sich zu ihnen gesellte und um die aktuelle Lage auf der nördlichen Seite der Palisade wissen wollte. Earon verschwand dann und ließ Kaleya mit einer seltsamen Aussage zurück. Wenig später zog Kaleya wieder in das Lager und traf dort wieder auf Andra. Arvinul hatte bereits den Rückweg in den Nebelwald angetreten und so zogen sich die beiden verbliebenen Hüter ebenfalls zurück nach Adoran. Sie saßen dann noch lange am Esstisch und Kaleya wünschte sich nichts mehr, als das Junkersteyn wieder frei sein würde. Doch es gab noch mehr Themen, die in dieser Nacht auf den Tisch kamen. Und eines davon würde alles verändern.
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