Im Namen der Faust [Lichtenthal - Quest]
- Torjan Eichental
- Beiträge: 978
- Registriert: Freitag 28. Dezember 2007, 03:30
- Torjan Eichental
- Beiträge: 978
- Registriert: Freitag 28. Dezember 2007, 03:30
- Torjan Eichental
- Beiträge: 978
- Registriert: Freitag 28. Dezember 2007, 03:30
Ein harter Tag für den alten Zausel.
Zuerst griffen die seinigen an. Er versuchte, sie so gut als möglich zu unterstützen, was ihm nicht leicht fiel. Immer wieder geriet er in die Aufmerksamkeit von einen der Blaufäuste, musste flüchten, die seinigen für einige Momente alleine lassen, bis er sich wieder erholt hatte.
Als sich die seinigen zurückzogen, begab er sich in den Wald, um nachzusehen, ob dort noch Verletzte waren. Und torkelte unerwartet in die nächste Schlacht.
Zuerst war es ihm nicht möglich, den Streitern zu helfen, die gegen die Blaufäuste vorgingen. Noch waren da welche, die zwischen ihm und den mutigen Streitern waren.
Immer wieder zog er sich zurück, immer wieder ging er vor. Vorsichtig, um nicht die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Endlich war es so weit. Jene Blaufäuste, die zwischen ihm und den Streitern waren, waren niedergeschlagen. Endlich konnte er den Bloßhapperten und den Fellleuten helfen, die sich für einen gemeinsamen neuerlichen Angriff vereint hatten.
Aber auch dieser schlug fehl und sogar so weit, dass die Blaufäust die Brücke nach Thyristan mit Steinen und Hölzern verbarrikadierten.
Nur noch der Seeweg war frei und so nahm er die lange Reise per Schiff und Kutsche in Kauf, um wieder ins Feldlager zurückzukehren, um zu berichten.
Was dann war, verstand er nicht. Ellenlang musste er und sein Schülermäderl suchen, um endlich einen Befehlshaber über die Regimentler zu finden und um Bericht zu erstatten.
Endlich fand er Ruhe am Lagerfeuer und erzählte jenen, die dort waren, was ihm passiert war ... und den anderen. Sein Bericht wurde unterbrochen von einer Delegation von den Wüstenleut und den Fellleut.
Die wollten mit nach Norden .... vorerst.
Arenvir sagte, sie sollen alle mit. Und ging voraus.
Er, ausnahmsweise nicht nachwuselnd, vernahm, dass die Bloßhapperten sich dazu entschlossen heim zu kehren.
Er ging mit Arenvir. Er wollte ihn keinesfalls alleine lassen, auch wenn Waffenstillstand vereinbart war. Arenvir befahl ihm, alle aus dem Lager zum Schlachtfeld zu holen. Obwohl er, der alte Zausel, nicht wusste warum, gab er den Befehl weiter, dem doch einige folgten.
So brachten sie die Gefallenen, wenn auch in Einzelteilen heim, auf einem Karren, einfach übereinander geschmissen. Wie es Usus war auf einem Schlachtfeld.
Aus den Augenwinklen beobachtete er seine Schülerinnen und auch den Haberer vom Grünhaarmäderl. Er erkannte, dass jene völlig überlastet waren mit der Situation.
Nachdem die Leichen abtransportiert waren, widmete er sich im Lager seinem Schülermäderl. Sie weinte und war völlig überfordert. So gut es ging, versuchte er sie zu trösten und ihre Fragen zu beantworten. Sein Studius kam dazu und half dabei.
Todmüde überließ er das Mäderl seinem Studius und dem Nera, in der Hoffung, dass sie ihr Halt geben würden in dieser so schwierigen Situation.
Er ließ sich nieder in einem freien Bett in diesem Zelt. Unruhig schlief er, zum einen, weil er nicht in seinem gewohnten Lehnstuhl schlief, sondern in einem ungewohnten Bett. Zum anderen gingen ihm Gedanken durchs Hirn.
Gedanken, die viele Jahre zurückgingen, wie er vor 39 Jahren selbst seine erste Schlacht erlebte, als Helfer des Feldschers.
Nein, er hatte sie nicht vergessen. Nie!
Gerade deswegen konnte er sich so gut in seine Schülerinnen reinversetzten. Er durfte das nicht ausser Acht lassen und musste sich nun besonders um jene kümmern.
Mit diesem Gedanken schlief er ein, in eine unruhige Nacht von blutigen Träumen begleitet. Auch, wenn er immer routiniert tat und heute sogar Dank dafür erfuhr, ging ihm es doch nicht am Arsch vorbei, wenn er Leichenteile, verstreut über das Schlachtfeld, zusammensammelte und versuchte, es den einzelnen Leichen zuzuordnen.
Geschweige denn ein Kopf, den er fand ...
Die Regimentler identifizierten ihn als einen der Ihren, als er ihn, an seinem Haarschopf haltend jenen entgegenstreckte.
Dieser Kopf ... auch die abgetrennten Körperteile ... der Anblick von einem, der unten rum nichts mehr hatte ... der Ruf, da ist noch einer, der keine Gliedmaßen mehr hat ...
Sie nannten ihn, den alten Zausel, Meister, manche verbeugten sich sogar vor ihm, was er doch gar nicht wollte. Immer versuchte er nach aussen hin routiniert zu wirken. Ein Vorbild zu sein in Stärke und Pflichterfüllung.
Doch jeder abgetrennte Arm oder jedes Bein oder ... Darm, der aus einer Leiche herausquoll ... oder sonst was, was er am Schlachtfeld fand, machte ihm bewusst, dass da gerade wer hingemetzelt wurde. Zwar hatte er viel Erfahrung, dennoch ging ihm jedes Menschenleben nahe, das am Schlachtfeld verwirkt war.
Und dies verfolgte ihn in jener Nacht in seine Träume.
Zuerst griffen die seinigen an. Er versuchte, sie so gut als möglich zu unterstützen, was ihm nicht leicht fiel. Immer wieder geriet er in die Aufmerksamkeit von einen der Blaufäuste, musste flüchten, die seinigen für einige Momente alleine lassen, bis er sich wieder erholt hatte.
Als sich die seinigen zurückzogen, begab er sich in den Wald, um nachzusehen, ob dort noch Verletzte waren. Und torkelte unerwartet in die nächste Schlacht.
Zuerst war es ihm nicht möglich, den Streitern zu helfen, die gegen die Blaufäuste vorgingen. Noch waren da welche, die zwischen ihm und den mutigen Streitern waren.
Immer wieder zog er sich zurück, immer wieder ging er vor. Vorsichtig, um nicht die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Endlich war es so weit. Jene Blaufäuste, die zwischen ihm und den Streitern waren, waren niedergeschlagen. Endlich konnte er den Bloßhapperten und den Fellleuten helfen, die sich für einen gemeinsamen neuerlichen Angriff vereint hatten.
Aber auch dieser schlug fehl und sogar so weit, dass die Blaufäust die Brücke nach Thyristan mit Steinen und Hölzern verbarrikadierten.
Nur noch der Seeweg war frei und so nahm er die lange Reise per Schiff und Kutsche in Kauf, um wieder ins Feldlager zurückzukehren, um zu berichten.
Was dann war, verstand er nicht. Ellenlang musste er und sein Schülermäderl suchen, um endlich einen Befehlshaber über die Regimentler zu finden und um Bericht zu erstatten.
Endlich fand er Ruhe am Lagerfeuer und erzählte jenen, die dort waren, was ihm passiert war ... und den anderen. Sein Bericht wurde unterbrochen von einer Delegation von den Wüstenleut und den Fellleut.
Die wollten mit nach Norden .... vorerst.
Arenvir sagte, sie sollen alle mit. Und ging voraus.
Er, ausnahmsweise nicht nachwuselnd, vernahm, dass die Bloßhapperten sich dazu entschlossen heim zu kehren.
Er ging mit Arenvir. Er wollte ihn keinesfalls alleine lassen, auch wenn Waffenstillstand vereinbart war. Arenvir befahl ihm, alle aus dem Lager zum Schlachtfeld zu holen. Obwohl er, der alte Zausel, nicht wusste warum, gab er den Befehl weiter, dem doch einige folgten.
So brachten sie die Gefallenen, wenn auch in Einzelteilen heim, auf einem Karren, einfach übereinander geschmissen. Wie es Usus war auf einem Schlachtfeld.
Aus den Augenwinklen beobachtete er seine Schülerinnen und auch den Haberer vom Grünhaarmäderl. Er erkannte, dass jene völlig überlastet waren mit der Situation.
Nachdem die Leichen abtransportiert waren, widmete er sich im Lager seinem Schülermäderl. Sie weinte und war völlig überfordert. So gut es ging, versuchte er sie zu trösten und ihre Fragen zu beantworten. Sein Studius kam dazu und half dabei.
Todmüde überließ er das Mäderl seinem Studius und dem Nera, in der Hoffung, dass sie ihr Halt geben würden in dieser so schwierigen Situation.
Er ließ sich nieder in einem freien Bett in diesem Zelt. Unruhig schlief er, zum einen, weil er nicht in seinem gewohnten Lehnstuhl schlief, sondern in einem ungewohnten Bett. Zum anderen gingen ihm Gedanken durchs Hirn.
Gedanken, die viele Jahre zurückgingen, wie er vor 39 Jahren selbst seine erste Schlacht erlebte, als Helfer des Feldschers.
Nein, er hatte sie nicht vergessen. Nie!
Gerade deswegen konnte er sich so gut in seine Schülerinnen reinversetzten. Er durfte das nicht ausser Acht lassen und musste sich nun besonders um jene kümmern.
Mit diesem Gedanken schlief er ein, in eine unruhige Nacht von blutigen Träumen begleitet. Auch, wenn er immer routiniert tat und heute sogar Dank dafür erfuhr, ging ihm es doch nicht am Arsch vorbei, wenn er Leichenteile, verstreut über das Schlachtfeld, zusammensammelte und versuchte, es den einzelnen Leichen zuzuordnen.
Geschweige denn ein Kopf, den er fand ...
Die Regimentler identifizierten ihn als einen der Ihren, als er ihn, an seinem Haarschopf haltend jenen entgegenstreckte.
Dieser Kopf ... auch die abgetrennten Körperteile ... der Anblick von einem, der unten rum nichts mehr hatte ... der Ruf, da ist noch einer, der keine Gliedmaßen mehr hat ...
Sie nannten ihn, den alten Zausel, Meister, manche verbeugten sich sogar vor ihm, was er doch gar nicht wollte. Immer versuchte er nach aussen hin routiniert zu wirken. Ein Vorbild zu sein in Stärke und Pflichterfüllung.
Doch jeder abgetrennte Arm oder jedes Bein oder ... Darm, der aus einer Leiche herausquoll ... oder sonst was, was er am Schlachtfeld fand, machte ihm bewusst, dass da gerade wer hingemetzelt wurde. Zwar hatte er viel Erfahrung, dennoch ging ihm jedes Menschenleben nahe, das am Schlachtfeld verwirkt war.
Und dies verfolgte ihn in jener Nacht in seine Träume.
- Kaleya Auenbacher
- Beiträge: 1493
- Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20
Schlachtgewusel
Die Chance war vertan, und in beiden Lagern gab es zahlreiche Verwundete und auch Tote. Hätten sie das Parlaisrecht doch nur genutzt, es wäre glimpflicher für die Faust ausgegangen. Doch auch auf Lichtenthaler Seite gab es nach dem Kampf nun zahlreiche Dinge zu erledigen. Eines dieser Dinge band Kaleya in der Küche mit ihrer vollen Aufmerksamkeit.
Schwer seufzend knetete der Eisdrache den Keksteig durch und ignorierte dabei das dumpfe Wummern in ihrer Schulter. Der Kampf am Abend hatte ihnen alles abverlangt. Und sie waren alle dagewesen, um Junkersteyn zurück zu erobern.
Am frühen Abend weit vor der Schlacht hatte Kaleya ihre Tochter zu den Eltern gebracht und war dann alleine schwer bewaffnet und in Tareks Kette gehüllt losgezogen. Keinem ihrer Brüder und Schwestern hatte sie Bescheid gegeben, wohin es sie an diesem Abend hinzog. Doch als sie am Lager angekommen war, zeigte sich recht schnell, dass sie auf die Gemeinschaft zählen konnte. Es rührte Kaleya zutiefst, als sie Andra, Earon und Arvinul am Feldlager fand und der Eisdrache hatte alle Mühe dabei die Tränen der Überwältigung zu verbergen. Dankbarkeit und Freude prägten in jenem Moment die kleine Versammlung und jene Gefühle gaben ihr die Stärke den kommenden Kampf überstehen zu können. Gemeinsam kämpfte es sich besser.
Nachdem sich die Streitkräfte gesammelt hatten und klar wurde, dass die Faust keinen Gebrauch vom Parlaisrecht machen würde, gab der Freiherr die letzten Instruktionen und erklärte den Schlachtplan. Wenig später zog man in die Schlacht und versuchte im feindlichen Lager vorzudringen. Während Earon bei den Thyren von der östlichen Brücke her unterstützte, kämpften Andra, Arvinul und Kaleya zu dritt in der Flanke, die über die Südbrücke in das feindliche Lager vordrang. Die Kämpfe waren zweifelsohne hart und sie hatten es mit einem Gegner zu tun, der sein Handwerk definitiv verstand. Es dauerte eine ganze Weile, bis klar wurde, dass die Faust die Streiter des Lichtenthaler Reiches immer mehr zurückdrängte und schwächte. Am Ende zog man fürs erste geschlagen wieder zurück in das Feldlager. Dort herrschte als bald reges Treiben im Lazarett und Kaleya saß mit der geprellten Schulter am Feuer, während sie darauf wartete, dass Andras Wunde von Nathelia versorgt wurde. Der Eisblick in die Flammen bannte die Schneiderin eine ganze Weile, bis sie neben sich den Hausdrachen wahrnahm. Die zwei Drachenschwestern sprachen eine Weile lang und der Helidrache versicherte der Blonden, dass die Karte von Junkersteyn ihren Sinn erfüllt hatte. Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen Andra und Arvinul zum Lagerfeuer und Kaleya konnte sich davon überzeugen, dass es den beiden den Umständen entsprechend gut ging und ihre Wunden versorgt waren. Lediglich ein vorsichtiger Blick ging immer wieder gen Norden, doch die Truppe, in welcher Earon gekämpft hatte, war nirgends zu sehen. So teilte der Eisdrache den beiden Schwestern irgendwann mit, dass sie sich nach Adoran zurückziehen würde und trat den Rückweg an.
Bis spät in die Nacht beschäftige Kaleya sich damit die Honigkekse fertig zu backen und am Ende stand am Esstisch in Andras Küche ein riesiger Teller voll damit, daneben lag ein Zettel mit einem einzigen Wort darauf. 'Danke'. Und davor schlief eine abgekämpfte Schneiderin und erholte sich von den Strapazen der Schlacht.
Schwer seufzend knetete der Eisdrache den Keksteig durch und ignorierte dabei das dumpfe Wummern in ihrer Schulter. Der Kampf am Abend hatte ihnen alles abverlangt. Und sie waren alle dagewesen, um Junkersteyn zurück zu erobern.
Am frühen Abend weit vor der Schlacht hatte Kaleya ihre Tochter zu den Eltern gebracht und war dann alleine schwer bewaffnet und in Tareks Kette gehüllt losgezogen. Keinem ihrer Brüder und Schwestern hatte sie Bescheid gegeben, wohin es sie an diesem Abend hinzog. Doch als sie am Lager angekommen war, zeigte sich recht schnell, dass sie auf die Gemeinschaft zählen konnte. Es rührte Kaleya zutiefst, als sie Andra, Earon und Arvinul am Feldlager fand und der Eisdrache hatte alle Mühe dabei die Tränen der Überwältigung zu verbergen. Dankbarkeit und Freude prägten in jenem Moment die kleine Versammlung und jene Gefühle gaben ihr die Stärke den kommenden Kampf überstehen zu können. Gemeinsam kämpfte es sich besser.
Nachdem sich die Streitkräfte gesammelt hatten und klar wurde, dass die Faust keinen Gebrauch vom Parlaisrecht machen würde, gab der Freiherr die letzten Instruktionen und erklärte den Schlachtplan. Wenig später zog man in die Schlacht und versuchte im feindlichen Lager vorzudringen. Während Earon bei den Thyren von der östlichen Brücke her unterstützte, kämpften Andra, Arvinul und Kaleya zu dritt in der Flanke, die über die Südbrücke in das feindliche Lager vordrang. Die Kämpfe waren zweifelsohne hart und sie hatten es mit einem Gegner zu tun, der sein Handwerk definitiv verstand. Es dauerte eine ganze Weile, bis klar wurde, dass die Faust die Streiter des Lichtenthaler Reiches immer mehr zurückdrängte und schwächte. Am Ende zog man fürs erste geschlagen wieder zurück in das Feldlager. Dort herrschte als bald reges Treiben im Lazarett und Kaleya saß mit der geprellten Schulter am Feuer, während sie darauf wartete, dass Andras Wunde von Nathelia versorgt wurde. Der Eisblick in die Flammen bannte die Schneiderin eine ganze Weile, bis sie neben sich den Hausdrachen wahrnahm. Die zwei Drachenschwestern sprachen eine Weile lang und der Helidrache versicherte der Blonden, dass die Karte von Junkersteyn ihren Sinn erfüllt hatte. Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen Andra und Arvinul zum Lagerfeuer und Kaleya konnte sich davon überzeugen, dass es den beiden den Umständen entsprechend gut ging und ihre Wunden versorgt waren. Lediglich ein vorsichtiger Blick ging immer wieder gen Norden, doch die Truppe, in welcher Earon gekämpft hatte, war nirgends zu sehen. So teilte der Eisdrache den beiden Schwestern irgendwann mit, dass sie sich nach Adoran zurückziehen würde und trat den Rückweg an.
Bis spät in die Nacht beschäftige Kaleya sich damit die Honigkekse fertig zu backen und am Ende stand am Esstisch in Andras Küche ein riesiger Teller voll damit, daneben lag ein Zettel mit einem einzigen Wort darauf. 'Danke'. Und davor schlief eine abgekämpfte Schneiderin und erholte sich von den Strapazen der Schlacht.
- Reondar Kramen
- Beiträge: 71
- Registriert: Sonntag 9. April 2017, 09:04
*es war der Morgen nach jener großen Schlacht ... der ihn besonders betrübte, er hatte nicht teil genommen ...
ja weil er dachte sein Kodex würde es ihm verbieten, doch wurde er beim Anblick seines Bruders besseres belehrt.
Ja, es wuchs Zorn in ihm heran ...
Nicht nur weil er ihn eben mit jenen sah zu denen er sowieso schon mehr gehalten hat als zu ihm, sondern auch weil er zugelassen hätte das seine Freunde sterben um dem Kodex zu wahren, einen Kodex den er anscheinend falsch verstanden hatte ...
[img]http://www.cyberstash.de/stuff/gardist.png[/img]
... Was war das!? ...
Erschüttert musste er feststellen, dass jene die er als gar nicht so aggressiv eingestuft hatte, in kurzer Zeit eine erstaunliche Streitmacht herbeigerufen haben, die sicherlich nicht für friedliche Zwecke genutzt werden sollte, nein ... nun auch noch dieser Anblick?
In seinen 30 Jahren hat Reondar schon einiges gesehen, doch der Wagen, aufgetürmt mit Soldaten des Regiments ... mit Brüdern, Vätern, Schwestern, Müttern, Söhnen und Töchtern, das war zuviel für ihn und er musste sich nicht unweit dieses Mahnmals übergeben, er wollte sich heraus halten ...
Er sah es als politischen Akt des Kampfes und nicht als eine Bedrohung für die Schöpfung, doch nun ... bei diesem Anblick als ihm gewahr wird, wie akkut doch die Gefahr auch für seine Freunde sei, konnte er nicht mehr fern bleiben ...*
ja weil er dachte sein Kodex würde es ihm verbieten, doch wurde er beim Anblick seines Bruders besseres belehrt.
Ja, es wuchs Zorn in ihm heran ...
Nicht nur weil er ihn eben mit jenen sah zu denen er sowieso schon mehr gehalten hat als zu ihm, sondern auch weil er zugelassen hätte das seine Freunde sterben um dem Kodex zu wahren, einen Kodex den er anscheinend falsch verstanden hatte ...
[img]http://www.cyberstash.de/stuff/gardist.png[/img]
... Was war das!? ...
Erschüttert musste er feststellen, dass jene die er als gar nicht so aggressiv eingestuft hatte, in kurzer Zeit eine erstaunliche Streitmacht herbeigerufen haben, die sicherlich nicht für friedliche Zwecke genutzt werden sollte, nein ... nun auch noch dieser Anblick?
In seinen 30 Jahren hat Reondar schon einiges gesehen, doch der Wagen, aufgetürmt mit Soldaten des Regiments ... mit Brüdern, Vätern, Schwestern, Müttern, Söhnen und Töchtern, das war zuviel für ihn und er musste sich nicht unweit dieses Mahnmals übergeben, er wollte sich heraus halten ...
Er sah es als politischen Akt des Kampfes und nicht als eine Bedrohung für die Schöpfung, doch nun ... bei diesem Anblick als ihm gewahr wird, wie akkut doch die Gefahr auch für seine Freunde sei, konnte er nicht mehr fern bleiben ...*
-
Kila Rabbe
Kila saß eine Weile schweigend neben Gabriel und erst als dieser sich bewegte um sich umziehen zu gehen schaute sie auf. Sie blickte durch das Lager und in jedem Gesicht sah sie das blanke Entsetzen und Trauer. Kilas leerer Blick fiel wieder zurück auf die Kerze vor ihr, Gabriel neben ihr riet ihr auch, sich umzuziehen und eine Weile betrachtete sie ihn schweigend. „Du.. hast da.. Blut.“ meinte sie leise zu ihm und deutete mit einer Hand auf ihr eigenes Gesicht. Er hob seine Hand an und wollte es sich fort wischen, hielt in der Bewegung inne und starrte auf seine blutigen Fingern. „Warte...“ Kila zog ein Taschentuch aus einem Beutel und säuberte ihm behutsam das Gesicht, wo ihr eigenes selber mit Blut und Wundsalbenreste verschmiert war. Der Rekrut entzog ihr das Taschentuch und half auch ihr wieder menschlich auszusehen. Sie starrte während dessen einfach durch ihn durch. Ihr Blick war leer und die Augen trüb von Trauer. „Hast du noch Salbe?“ Seine Stimme klang so weit entfernt und Kila nickte schweigend und kramte unterbewusst einen kleinen Tiegel aus der Tasche und reichte ihm diesen. Er verteilte die Salbe nicht mit der Hand sondern mit einem magischen Hauch, um ihr nicht noch weiter unnötig Schmerzen zu bereiten.
Kila erinnerte sich ganz genau an den Feuerball, der ihr Gesicht getroffen hatte. Das Visier war offen und nebst verkohlten Augenbrauen und Wimpern hatte das kurze, grelle Feuer die Hälfte ihrer Stirn verbrannt. Es war nicht annähernd so schlimm wie es aussah. Lucien hatte sich ihrer Wunde schnell angenommen und sie mit einer Aloe Vera Paste gekühlt, was die Schmerzen gebändigt und die nachhallende Hitze auf der Haut eingedämmt hatte.
„Danke Gabriel.“ er nickte ihr schweigend zu und Kila stopfte den Tiegel zurück in ihre Feldschertasche. Nach einer Weile legte sie ihren Kopf auf den Holztisch. Sie war müde und erschöpft, die bodenlose Trauer überkam sie einfach.
„Wir sollten sie ins Bett schaffen.“ Die Stimme von Thelor hallte noch eine Weile in ihren Gedanken nach. So war es ihr Rekrut, der sie zur Besinnung rief und sie ins Zelt schickte. Kila lag noch lange wach, die Hitze und der Geruch im Zelt machte ihr schwer zu schaffen. Es roch nach Tod und Verletzten, nach Schweiß und Blut. Sie starrte den Gardisten gegenüber im Feldbett an und fragte sich wer er war, ob er eine Frau und Kinder hatte und ob er sie jemals wieder sehen würde. Sie schloss die Augen und drehte sich auf den Rücken, ihre Gedanken explodierten mit einem Male. Was war da draußen nur passiert? Wo kamen die ganzen Fäustler auf einmal her? Hatten sie sie wirklich so unterschätzt? Sie versuchte das Geschehene zu reflektieren, es ein zu gliedern und den Sinn dahinter zu verstehen. Vermochte aber keine Einzelheiten in dem Wirrwarr aus Gedanken, Schock und Trauer finden.
Kila rollte sich abermals auf die Seite und dachte daran, wie sie dem Rekruten die Leichen geborgen hatte. Welche stumpfsinnigen Sprüche wieder fielen, sie konnte sich das Gemotze und Gemaule nicht länger anhören. Die Unzufriedenheit suchte einen Schuldigen und sie war es leid, wie einige über andere sprachen. Sie alle waren Teil dieser Situation und fragte sich auch wirklich nur einer, was manche für eine Bürde und Verantwortung mit sich trugen? Das auf einer Fehlentscheidung hin ganz Lichtenthal fallen könnte?
Kila wollte nicht in der Haut der Befehlshabenden stecken, sie konnte sich sehr gut vorstellen, dass ihre Nerven blank lagen, ihre Herzen voller Furcht und auch Trauer waren. Sie hatten alle Kameraden verloren, nicht nur die Helfer, die diese davon trugen. Jeder hatte seinen Platz, jeder sollte in kennen und auch einhalten. Es brachte nichts, wenn in der eigenen Reihe Unruhe und Zwietracht herrschte. Sie hatten alle das gleiche Ziel und sie waren alle Schwertbrüder, standen Seite an Seite auf dem Schlachtfeld und kämpften für die gleiche Sache. Kila wollte sich gar nicht vorstellen wie es wäre, wenn plötzlich die Befehlshabenden fielen oder abgezogen wurde. Was wäre wenn plötzlich niemand mehr da wäre, der aus jahrelanger Erfahrung die Truppen zusammenhielt und die Schritte genau plante?
Kila schüttelte diesen furchtbaren Gedanken ab und rollte sich abermals herum, zurück auf die andere Seite. Ihre Augen füllten sich mit Tränen und lautlos weinte sie um die gefallenen Kameraden, die Boshaftigkeit und Unzufriedenheit im Lager. Ihre Nerven waren einfach gerade genau so blank, wie die von allen anderen. Ihr Schniefen war bei dem Geschnarche und Gewimmer im Zelt kaum zu vernehmen. Sie war so froh, dass jemand anderes die Verantwortung trug und nicht sie, sie neigte die Stirn vor jenen und wusste ganz genau, welche schwere Bürde auf sie lastete. Und sie versuchte alles nötige um sie zu unterstützen und die Last mit ihnen zu teilen.
Kila erinnerte sich ganz genau an den Feuerball, der ihr Gesicht getroffen hatte. Das Visier war offen und nebst verkohlten Augenbrauen und Wimpern hatte das kurze, grelle Feuer die Hälfte ihrer Stirn verbrannt. Es war nicht annähernd so schlimm wie es aussah. Lucien hatte sich ihrer Wunde schnell angenommen und sie mit einer Aloe Vera Paste gekühlt, was die Schmerzen gebändigt und die nachhallende Hitze auf der Haut eingedämmt hatte.
„Danke Gabriel.“ er nickte ihr schweigend zu und Kila stopfte den Tiegel zurück in ihre Feldschertasche. Nach einer Weile legte sie ihren Kopf auf den Holztisch. Sie war müde und erschöpft, die bodenlose Trauer überkam sie einfach.
„Wir sollten sie ins Bett schaffen.“ Die Stimme von Thelor hallte noch eine Weile in ihren Gedanken nach. So war es ihr Rekrut, der sie zur Besinnung rief und sie ins Zelt schickte. Kila lag noch lange wach, die Hitze und der Geruch im Zelt machte ihr schwer zu schaffen. Es roch nach Tod und Verletzten, nach Schweiß und Blut. Sie starrte den Gardisten gegenüber im Feldbett an und fragte sich wer er war, ob er eine Frau und Kinder hatte und ob er sie jemals wieder sehen würde. Sie schloss die Augen und drehte sich auf den Rücken, ihre Gedanken explodierten mit einem Male. Was war da draußen nur passiert? Wo kamen die ganzen Fäustler auf einmal her? Hatten sie sie wirklich so unterschätzt? Sie versuchte das Geschehene zu reflektieren, es ein zu gliedern und den Sinn dahinter zu verstehen. Vermochte aber keine Einzelheiten in dem Wirrwarr aus Gedanken, Schock und Trauer finden.
Kila rollte sich abermals auf die Seite und dachte daran, wie sie dem Rekruten die Leichen geborgen hatte. Welche stumpfsinnigen Sprüche wieder fielen, sie konnte sich das Gemotze und Gemaule nicht länger anhören. Die Unzufriedenheit suchte einen Schuldigen und sie war es leid, wie einige über andere sprachen. Sie alle waren Teil dieser Situation und fragte sich auch wirklich nur einer, was manche für eine Bürde und Verantwortung mit sich trugen? Das auf einer Fehlentscheidung hin ganz Lichtenthal fallen könnte?
Kila wollte nicht in der Haut der Befehlshabenden stecken, sie konnte sich sehr gut vorstellen, dass ihre Nerven blank lagen, ihre Herzen voller Furcht und auch Trauer waren. Sie hatten alle Kameraden verloren, nicht nur die Helfer, die diese davon trugen. Jeder hatte seinen Platz, jeder sollte in kennen und auch einhalten. Es brachte nichts, wenn in der eigenen Reihe Unruhe und Zwietracht herrschte. Sie hatten alle das gleiche Ziel und sie waren alle Schwertbrüder, standen Seite an Seite auf dem Schlachtfeld und kämpften für die gleiche Sache. Kila wollte sich gar nicht vorstellen wie es wäre, wenn plötzlich die Befehlshabenden fielen oder abgezogen wurde. Was wäre wenn plötzlich niemand mehr da wäre, der aus jahrelanger Erfahrung die Truppen zusammenhielt und die Schritte genau plante?
Kila schüttelte diesen furchtbaren Gedanken ab und rollte sich abermals herum, zurück auf die andere Seite. Ihre Augen füllten sich mit Tränen und lautlos weinte sie um die gefallenen Kameraden, die Boshaftigkeit und Unzufriedenheit im Lager. Ihre Nerven waren einfach gerade genau so blank, wie die von allen anderen. Ihr Schniefen war bei dem Geschnarche und Gewimmer im Zelt kaum zu vernehmen. Sie war so froh, dass jemand anderes die Verantwortung trug und nicht sie, sie neigte die Stirn vor jenen und wusste ganz genau, welche schwere Bürde auf sie lastete. Und sie versuchte alles nötige um sie zu unterstützen und die Last mit ihnen zu teilen.
Zuletzt geändert von Kila Rabbe am Freitag 19. Mai 2017, 13:41, insgesamt 1-mal geändert.
-
Lucien de Mareaux
„Auf Grund der gegebenen Situation ist ein umsetzbarer und Erfolg versprechender Plan nicht möglich, zumindest nicht in aller Eile.“
Es war eine Katastrophe und jeder Tote völlig umsonst gestorben, zumindest meiner Meinung nach. Die Offensive war für mich nicht (genug) durchdacht worden, sondern allenfalls ein Akt mittelmäßiger Verzweiflung gewesen, die nach zwangsläufig erfolgtem Scheitern schwer an der Moral rüttelte. Die Heiler, also auch ich, bemühten sich nach Kräften die Verletzten zu versorgen.
Danach war ich noch einmal durchs Unterholz nach vorn gelaufen, um zu sehen, wo die andere Hälfte unserer Leute steckte, die von jetzt auf gleich verschwunden schien, da sah ich auch schon unweit vor mir die Thyren und Menekaner mit einigen der unseren vorbeilaufen in Richtung Sturmouwe, gefolgt von einer ordentlich Anzahl an Fäusten. Just in dem Moment ging auch neben mir ein magisches Gewitter nieder, der mich zwang das Weite zu suchen.
Was mich allerdings doch vorübergehend dezent aus der Fassung brachte, war der zweite Aufruf zu einem Ausfall – oder Einfall, kam ja auf den Standpunkt an. Als ich mitteilte, dass die Kreuzung bis zur Brücke nach Sturmouwe voll war mit Fäusten, hörte ich nur ein: „Das sehe ich mir selber an.“ und schon stand der kleine übrig gebliebene Trupp da allein und wartete, nur um sich das gleiche Ergebnis dann noch einmal von vorn anzuhören, statt von hinten aus meinem Mund. Zur Hölle mit ihm! Als wäre ich unfähig zu zählen und die Augen und Ohren zu benutzen! Geschweige denn meinen Kopf! Bislang funktionierte der jedenfalls eindeutig gesünder, was auch den Befehl an die Anwärterin der Klosterwache zur Folge hatte: Wir werden nicht kämpfen, sondern Leben bewahren. Ende. Sie sollte sich hinten halten und nicht vorne mit herumspringen. Alles andere war einfach nur selbstmörderisch – und diese Meinung vertrat ich bei weitem nicht alleine. Da gab es genug andere, die selbiges verlauten ließen, wenn auch hinter vorgehaltener Hand. Ja, die Moral hatte ernsthaft gelitten und dazu hatte es nicht mal mein Zutun gebraucht. Hühnerkacke, verdammt noch eins!
Der ausgerufene Waffenstillstand bis zum nächsten Abend sorgte dafür, dass man sich auch der Toten annahm, die ich später zum Kloster bringen sollte, was ich auch tat, in einem Karren, gezogen von einem Gaul.
Da ich bei der Ankunft schon kaum noch laufen konnte vor Erschöpfung, Müdigkeit und einem dröhnenden Schädel dank zu viel knisternder Magie, die einige Stunden zuvor um mich herum eingeschlagen war in Form von Blitzen, überließ ich den übrigen Wachen das Aufbahren der Toten und fiel wenig später nur noch selbst wie tot in mein Bett.
Als ich am nächsten Morgen aufwachte (ich hatte Leaya nicht einmal schreien hören in der Nacht), dröhnte mein Schädel noch immer. Ich hatte einen faulen Geschmack im Mund. Mein alter Herr hat diesen Geschmack immer mit dem Geruch von einem nassen Köter verglichen. Und kaum dass ich mich bewegte, stieg die Übelkeit rasant in mir hoch, als hätte ich am Vorabend gesoffen. Also ließ ich mich einfach wieder zurücksinken und schloss rasch die Augen wieder.
Diese Wirkung kannte ich schon. Manchmal überkam sie mich, wenn in meiner Nähe im Übermaß im Lied herumgefuhrwerkt wurde. Meistens verging es recht zügig wieder. Nun ja, zumindest schrieb ich es dieser Tatsache zu, und hielt das auch für eine absolut gegebene Möglichkeit, denn das herabrufen von etwaigen Blitzen brachte unangenehme Entladungen mit sich, veränderte die Luft und wirkte ihn etwa wie ein Wetterumschwung auf kurze Zeit.
Wie auch immer es setzte mich den ganzen Morgen über außer Gefecht, einerlei wo die Ursache nun wirklich lag.
Mir kam die kurze Unterhaltung mit den Menekanern wieder in den Sinn, der ich gelauscht hatte, genauso wie der Wutausbruch unserer jungen Anwärterin, als es hieß, dass kein Wille da wäre mit uns zu reden.
Ich hielt die Aussage für gewagt, denn ich war noch immer davon überzeugt, dass da durchaus eine gewisse Bereitschaft zu Reden vorhanden war, aber sie wollten nicht mit jedem darüber sprechen und schon gar nicht mit den beiden dafür ausgewählten Personen. Dinge, die dort niemand hören wollte. Und nein, ich hielt mich genauso wenig für eine der Personen, mit denen sie zu reden wünschten, denn dafür war ich einfach viel zu weit unten in der Nahrungskette. Aber ich hatte eine Ahnung, wer etwas bewirken könnte. Es würde nur nichts nutzen das anzumerken, denn wie das meiste, was ich sagte, würde es entweder überhört, oder eben ignoriert, wahlweise nochmal persönlich überprüft, weil meinem Wort ja nicht zu trauen war, als wäre ich der größte Lügner der Nation. Der Witz daran war: Ich log nicht, ich hatte nur meine eigene Sicht auf die Dinge, und eine ungemein unpassende Art sie heraus zu posaunen, weil ich von Blümchen und Schleifchen nichts hielt. Genauso wenig wollte oder würde ich den Leuten um den Bart streichen, damit mich alle mochten, oder um gar noch aufzusteigen. Anbiederei und Speichelleckerei waren einfach nicht mein Metier. Mir war der rasante Aufschwung zum Stellvertreter vom Sir schon zu viel des Guten im Grunde. Ja, ich kam sicher damit zurecht, irgendwie, aber ich würde nicht weniger froh sein, wenn das rum war. Wie auch immer…
Meine Gedanken kehrten noch mal zu dem besagten Gespräch zurück und zu den Dingen, an die sich mein Geist dazu erinnerte, gehört zu haben. Wieder einmal gewann ich den Eindruck der Schönfärberei. Sie hätten mehr Verluste einzustreichen, als wir. Wieder ging meine Meinung dazu in eine ganz andere Richtung.
Keine Ahnung, was die Menekaner dazu dachten, auf die hatte ich gar nicht so sehr geachtet oder gar zugehört, was von dort an Reaktion kam. War zu zweitrangig für mich persönlich und wurde einfach ausgeblendet.
Ich tat es schon wieder. Mein Hirn fing von ganz alleine an sich darüber zu zermartern, wie wir eine Lösung finden konnten, die für alle das Beste war. An und für sich war es recht einfach, und gerade diese Einfachheit, machte es zugleich so schwer, so unmöglich.
Was mich ein wenig beruhigte, war die Einigkeit mit Neralon, die wirklich umfassend einherging. Die Planung der Sabotage stand hinten an, an sich war sie sogar weitgehend aufgegeben erstmal. Denn ohne wirklich sinnbringende und vor allem möglichst lückenlose Informationen, war es ein Ding der Unmöglichkeit da für Erfolg garantieren zu können, nicht mal in geringen Prozentzahlen ausgedrückt.
Genauso galt das für den Faktor Zeit: Auf die Schnelle war da gar nichts zu wollen, nicht unter den gegebenen Umständen, von denen mir der Wachtmeister zu berichten wusste. Das alles förderte eine ganz schlimme Übelkeit.
Ich hatte ehrlich gesagt mit mehr Widerstand gerechnet, als ich mitteilte, dass da ein brauchbarer Plan im Rahmen der geäußerten Wünsche nicht abgeliefert werden könnte. Die direkte Zustimmung dazu sagte eigentlich mehr, als tausend zusätzliche Worte. Der Rückschlag heute schien doch etwas deutlich gemacht zu haben, wo jedes andere vorangegangene Wort der Mahnung oder Warnung als Klugscheißertum oder ähnliches abgetan worden war.
Interessanterweise wollte man nun auch seine Exzellenz mal darüber informieren, dass mit mehr zu rechnen war, als mit etwa 100 Mann. Nicht, dass ich das nicht schon fünf Tage zuvor angemerkt hatte, dass da noch mehr folgen würden. Warum hätte ich das auch als Lüge verstehen sollen? Denn interessanterweise wurde ich von denen, die uns gegenüberstanden nicht belogen. Dafür hielten sie ihre Ehre selbst viel zu hoch. Da war das Wort noch ein Begriff dem entsprechende Taten folgten.
Allerdings brachte mich das auf eine Idee. Vielleicht sollte ich solcherlei Informationen einfach wem anders mitgeben und dann zur Weitergabe vorschicken. Musste ich nur noch herausfinden, wer dafür besser geeignet war sich meine Lorbeeren dann einzustreichen. Wenn es so besser funktionierte, konnte es für uns alle ja nur ein Zugewinn sein. Nicht für meine eigene Tasche, aber das spielte in der Hinsicht auch keine Rolle und konnte mir an sich ja nur Recht sein. Nachher kam noch wer auf die Idee für etwaige Verdienste auszuzeichnen, die ich gar nicht wollte. Meistens brachte das nämlich nur noch mehr Verantwortung mit sich. Je länger ich darüber nachdachte, desto besser gefiel dieser Einfall mir.
Natürlich musste ich dann auch aufhören mich zu ärgern, wenn meine Ideen als die von anderen verkauft wurden, oder die kommenden Einwürfe, der die gelieferten Informationen, und so weiter und so fort. Ach, was dachte ich da? Eigentlich hatte meine Frau schon länger diesen Einfall, solcherlei so zu verkaufen, dass mein Gegenüber es als seins empfand. Bislang hatte ich mich aber schwer damit getan einen Weg dahin zu finden, geschweige denn ein Wollen zum Weg zu finden.
Vermutlich würde ich mich dennoch ärgern, aber vielleicht war so auch trotz allem etwas zu bewirken, dass den unseren half und nicht nur Schaden verursachte und zufügte. Denn bislang sah ich wenig, das uns geholfen hätte. Sehr wenig.
Es war eine Katastrophe und jeder Tote völlig umsonst gestorben, zumindest meiner Meinung nach. Die Offensive war für mich nicht (genug) durchdacht worden, sondern allenfalls ein Akt mittelmäßiger Verzweiflung gewesen, die nach zwangsläufig erfolgtem Scheitern schwer an der Moral rüttelte. Die Heiler, also auch ich, bemühten sich nach Kräften die Verletzten zu versorgen.
Danach war ich noch einmal durchs Unterholz nach vorn gelaufen, um zu sehen, wo die andere Hälfte unserer Leute steckte, die von jetzt auf gleich verschwunden schien, da sah ich auch schon unweit vor mir die Thyren und Menekaner mit einigen der unseren vorbeilaufen in Richtung Sturmouwe, gefolgt von einer ordentlich Anzahl an Fäusten. Just in dem Moment ging auch neben mir ein magisches Gewitter nieder, der mich zwang das Weite zu suchen.
Was mich allerdings doch vorübergehend dezent aus der Fassung brachte, war der zweite Aufruf zu einem Ausfall – oder Einfall, kam ja auf den Standpunkt an. Als ich mitteilte, dass die Kreuzung bis zur Brücke nach Sturmouwe voll war mit Fäusten, hörte ich nur ein: „Das sehe ich mir selber an.“ und schon stand der kleine übrig gebliebene Trupp da allein und wartete, nur um sich das gleiche Ergebnis dann noch einmal von vorn anzuhören, statt von hinten aus meinem Mund. Zur Hölle mit ihm! Als wäre ich unfähig zu zählen und die Augen und Ohren zu benutzen! Geschweige denn meinen Kopf! Bislang funktionierte der jedenfalls eindeutig gesünder, was auch den Befehl an die Anwärterin der Klosterwache zur Folge hatte: Wir werden nicht kämpfen, sondern Leben bewahren. Ende. Sie sollte sich hinten halten und nicht vorne mit herumspringen. Alles andere war einfach nur selbstmörderisch – und diese Meinung vertrat ich bei weitem nicht alleine. Da gab es genug andere, die selbiges verlauten ließen, wenn auch hinter vorgehaltener Hand. Ja, die Moral hatte ernsthaft gelitten und dazu hatte es nicht mal mein Zutun gebraucht. Hühnerkacke, verdammt noch eins!
Der ausgerufene Waffenstillstand bis zum nächsten Abend sorgte dafür, dass man sich auch der Toten annahm, die ich später zum Kloster bringen sollte, was ich auch tat, in einem Karren, gezogen von einem Gaul.
Da ich bei der Ankunft schon kaum noch laufen konnte vor Erschöpfung, Müdigkeit und einem dröhnenden Schädel dank zu viel knisternder Magie, die einige Stunden zuvor um mich herum eingeschlagen war in Form von Blitzen, überließ ich den übrigen Wachen das Aufbahren der Toten und fiel wenig später nur noch selbst wie tot in mein Bett.
Als ich am nächsten Morgen aufwachte (ich hatte Leaya nicht einmal schreien hören in der Nacht), dröhnte mein Schädel noch immer. Ich hatte einen faulen Geschmack im Mund. Mein alter Herr hat diesen Geschmack immer mit dem Geruch von einem nassen Köter verglichen. Und kaum dass ich mich bewegte, stieg die Übelkeit rasant in mir hoch, als hätte ich am Vorabend gesoffen. Also ließ ich mich einfach wieder zurücksinken und schloss rasch die Augen wieder.
Diese Wirkung kannte ich schon. Manchmal überkam sie mich, wenn in meiner Nähe im Übermaß im Lied herumgefuhrwerkt wurde. Meistens verging es recht zügig wieder. Nun ja, zumindest schrieb ich es dieser Tatsache zu, und hielt das auch für eine absolut gegebene Möglichkeit, denn das herabrufen von etwaigen Blitzen brachte unangenehme Entladungen mit sich, veränderte die Luft und wirkte ihn etwa wie ein Wetterumschwung auf kurze Zeit.
Wie auch immer es setzte mich den ganzen Morgen über außer Gefecht, einerlei wo die Ursache nun wirklich lag.
Mir kam die kurze Unterhaltung mit den Menekanern wieder in den Sinn, der ich gelauscht hatte, genauso wie der Wutausbruch unserer jungen Anwärterin, als es hieß, dass kein Wille da wäre mit uns zu reden.
Ich hielt die Aussage für gewagt, denn ich war noch immer davon überzeugt, dass da durchaus eine gewisse Bereitschaft zu Reden vorhanden war, aber sie wollten nicht mit jedem darüber sprechen und schon gar nicht mit den beiden dafür ausgewählten Personen. Dinge, die dort niemand hören wollte. Und nein, ich hielt mich genauso wenig für eine der Personen, mit denen sie zu reden wünschten, denn dafür war ich einfach viel zu weit unten in der Nahrungskette. Aber ich hatte eine Ahnung, wer etwas bewirken könnte. Es würde nur nichts nutzen das anzumerken, denn wie das meiste, was ich sagte, würde es entweder überhört, oder eben ignoriert, wahlweise nochmal persönlich überprüft, weil meinem Wort ja nicht zu trauen war, als wäre ich der größte Lügner der Nation. Der Witz daran war: Ich log nicht, ich hatte nur meine eigene Sicht auf die Dinge, und eine ungemein unpassende Art sie heraus zu posaunen, weil ich von Blümchen und Schleifchen nichts hielt. Genauso wenig wollte oder würde ich den Leuten um den Bart streichen, damit mich alle mochten, oder um gar noch aufzusteigen. Anbiederei und Speichelleckerei waren einfach nicht mein Metier. Mir war der rasante Aufschwung zum Stellvertreter vom Sir schon zu viel des Guten im Grunde. Ja, ich kam sicher damit zurecht, irgendwie, aber ich würde nicht weniger froh sein, wenn das rum war. Wie auch immer…
Meine Gedanken kehrten noch mal zu dem besagten Gespräch zurück und zu den Dingen, an die sich mein Geist dazu erinnerte, gehört zu haben. Wieder einmal gewann ich den Eindruck der Schönfärberei. Sie hätten mehr Verluste einzustreichen, als wir. Wieder ging meine Meinung dazu in eine ganz andere Richtung.
Keine Ahnung, was die Menekaner dazu dachten, auf die hatte ich gar nicht so sehr geachtet oder gar zugehört, was von dort an Reaktion kam. War zu zweitrangig für mich persönlich und wurde einfach ausgeblendet.
Ich tat es schon wieder. Mein Hirn fing von ganz alleine an sich darüber zu zermartern, wie wir eine Lösung finden konnten, die für alle das Beste war. An und für sich war es recht einfach, und gerade diese Einfachheit, machte es zugleich so schwer, so unmöglich.
Was mich ein wenig beruhigte, war die Einigkeit mit Neralon, die wirklich umfassend einherging. Die Planung der Sabotage stand hinten an, an sich war sie sogar weitgehend aufgegeben erstmal. Denn ohne wirklich sinnbringende und vor allem möglichst lückenlose Informationen, war es ein Ding der Unmöglichkeit da für Erfolg garantieren zu können, nicht mal in geringen Prozentzahlen ausgedrückt.
Genauso galt das für den Faktor Zeit: Auf die Schnelle war da gar nichts zu wollen, nicht unter den gegebenen Umständen, von denen mir der Wachtmeister zu berichten wusste. Das alles förderte eine ganz schlimme Übelkeit.
Ich hatte ehrlich gesagt mit mehr Widerstand gerechnet, als ich mitteilte, dass da ein brauchbarer Plan im Rahmen der geäußerten Wünsche nicht abgeliefert werden könnte. Die direkte Zustimmung dazu sagte eigentlich mehr, als tausend zusätzliche Worte. Der Rückschlag heute schien doch etwas deutlich gemacht zu haben, wo jedes andere vorangegangene Wort der Mahnung oder Warnung als Klugscheißertum oder ähnliches abgetan worden war.
Interessanterweise wollte man nun auch seine Exzellenz mal darüber informieren, dass mit mehr zu rechnen war, als mit etwa 100 Mann. Nicht, dass ich das nicht schon fünf Tage zuvor angemerkt hatte, dass da noch mehr folgen würden. Warum hätte ich das auch als Lüge verstehen sollen? Denn interessanterweise wurde ich von denen, die uns gegenüberstanden nicht belogen. Dafür hielten sie ihre Ehre selbst viel zu hoch. Da war das Wort noch ein Begriff dem entsprechende Taten folgten.
Allerdings brachte mich das auf eine Idee. Vielleicht sollte ich solcherlei Informationen einfach wem anders mitgeben und dann zur Weitergabe vorschicken. Musste ich nur noch herausfinden, wer dafür besser geeignet war sich meine Lorbeeren dann einzustreichen. Wenn es so besser funktionierte, konnte es für uns alle ja nur ein Zugewinn sein. Nicht für meine eigene Tasche, aber das spielte in der Hinsicht auch keine Rolle und konnte mir an sich ja nur Recht sein. Nachher kam noch wer auf die Idee für etwaige Verdienste auszuzeichnen, die ich gar nicht wollte. Meistens brachte das nämlich nur noch mehr Verantwortung mit sich. Je länger ich darüber nachdachte, desto besser gefiel dieser Einfall mir.
Natürlich musste ich dann auch aufhören mich zu ärgern, wenn meine Ideen als die von anderen verkauft wurden, oder die kommenden Einwürfe, der die gelieferten Informationen, und so weiter und so fort. Ach, was dachte ich da? Eigentlich hatte meine Frau schon länger diesen Einfall, solcherlei so zu verkaufen, dass mein Gegenüber es als seins empfand. Bislang hatte ich mich aber schwer damit getan einen Weg dahin zu finden, geschweige denn ein Wollen zum Weg zu finden.
Vermutlich würde ich mich dennoch ärgern, aber vielleicht war so auch trotz allem etwas zu bewirken, dass den unseren half und nicht nur Schaden verursachte und zufügte. Denn bislang sah ich wenig, das uns geholfen hätte. Sehr wenig.
-
Arenvir von Kronwalden
70-100 Mann. Das war die Zahl gewesen, die ich in meiner Planung berücksichtigt hatte. Ich hatte sie insgeheim höher kalkuliert, weil Beobachtungen nie soviel Aufschluss gaben, wie das zu wünschen gewesen wäre. 70-100 Mann. Das war eine Streitmacht, die nicht zu unterschätzen war, gut ausgebildet, hoch motiviert und diszipliniert. Ein Gegner, den man nicht unterschätzen durfte.
Keine der Aufklärungen hatte eine signifikant höhere Zahl ergeben, wenngleich es völlig klar war, dass das Truppentransport- oder Kriegsschiff weitere Männer anlanden würde. Letzten Endes hatten wir, hatte ich mich verschätzt. Um einen Brückenkopf im Keim zu verweigern, hätten wir sie sofort angreifen müssen. Sie mussten die Tage, die wir mit der Seeaufklärung verbracht hatten dazu genutzt haben, Boot um Boot an Verstärkungen anzulanden. Das war kein Regiment außer dem Namen nach. Womit wir es zu tun hatten, war eine aufständische Armee. Wie zum Panther hatte das passieren können? Woher nahm Oberst von Sturmpass eine derart hohe Zahl an Soldaten? Das war eine nachgeordnete Frage, die mich dennoch brennend interessierte.
Weder das Oberkommando in Alumenas Stadt, noch der Hofkanzler hatten mit Informationen aufwarten können. Anselms Befehl hatte das deutlich gemacht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er uns den Befehl, die Faust am Verlassen der Insel zu hindern erteilt hätte, wenn er gewusst hätte, wie stark wir in Unterzahl waren. Schwere Verluste, ein Patt waren die Folge gewesen. Es hätte ein Sondierungsangriff sein sollen, ein Antasten wie sie auf militärische Mittel reagieren würden. Nur der Vorposten. Eine mickrige kleine Taverne mit einem Vorpostentrupp. Sie hatten den quantitativen Vorteil an Magiern und Scharfschützen, den quantitativen Vorteil eines Unteroffizierkorps von fähigem Naturell und den quantitativen Vorteil ihrer erschreckend hohen Truppenstärke.
Mir kann niemand erzählen, dass im ganzen Königreich niemand mitgekriegt haben will, wie eine aufständische Armee, die Waffen, die Mittel, die Verpflegung, das Gerät und die Schiffe aufgebracht haben soll, um damit nach Gerimor zu segeln ohne, dass das irgendjemandem aufgefallen wäre!
Ich hatte vollumfänglich versagt, weil ich mich auf Berichte meiner Übergeordneten Stellen, genauer ihr Fehlen verlassen hatte. Das würde mir nicht noch einmal passieren. Unsere Ausbildung und Gefechtserfahrung war gut, auch wenn die Standards seit Schwingenstein II wieder ein wenig gesunken waren und die Kriegsmüdigkeit herrschte nach wie vor vor in Lichtenthal. Das lag daran, das wir keine richtigen Anführer sondern allenfalls Lückenfüller hatten. Wir machten das beste aus diesem Flickenteppich und Gemahnungen, dass dieser Zustand fragil war, verhallten ungehört. Die Verluste waren entsprechend gleichmäßig ausgefallen. Die Menekaner wähnten ihre Verluste geringer, ich vermute aber, ihre Ehre verlangte, derartiges zu sagen. Schönfärberei aber brachte uns nicht weiter. Wir hatten viele gute Leute an dem Tag verloren und das für nichts und wieder nichts!
Wenn man schon in die Schlacht zieht, erwartet man nicht, alle lebendig wieder heimzubringen. Wohl aber haben alle, die diesen Befehl befolgen das Recht, dass die Befehle für ein sinniges Ziel gegeben werden, der Tod, sollte er einen ereilen, nicht völlig umsonst war. Hier konnte ich vor mir selbst kaum rechtfertigen, wie teuer erkauft die Erkenntniss war, dass wir es mit einem Feind zu tun hatte, der den Streitkräften von Wulfgard, Menek Ur und Lichtenthal bei weitem überlegen war.
Das änderte alles. Mord und Gift waren Taktiken Rahals, Taktiken die selbst unter den Alumenen selten angewandt wurden im Krieg weil es nicht unseren Idealen entsprach. Aber hier konnten wir in glanzvollem aufrechten Kampfe Mann gegen Mann keinen Blumentopf gewinnen. Rauch und Spiegel und eine verdammt gute Defensive mussten unsere Werkzeuge sein. Und ich bin mir nicht sicher, ob selbst das ausreichen wird.
Eine Kapitulation allerdings kommt nicht in Frage. Damit hätten wir alles verraten, für was wir je gekämpft, für was wir je Freunde und Mitmenschen zu Grabe tragen mussten.
Der Kanzler und das Oberkommando mussten verständigt werden. Die Flotte unverzüglich darum ersucht werden, eine Flottille hierher zu entsenden. Andernfalls sah ich nicht, wie wir von Land aus gegen einen Gegner mit offenbar unvergleichlich maritimen Kapazitäten überhaupt den Boden behaupten sollten.
Schlaf fand ich keinen, denn die Gesichter der Toten wollten einfach nicht weichen. Ich stand dennoch wieder auf. Jetzt Trübsal zu blasen wäre Verrat an allen Überlebenden gewesen. Wir hatten bisweilen jede noch so erdrückende Übermacht, jede noch so finstere List, jede noch so große Gefahr und selbst Kryndlagor überlebt. Wir würden auch das hier überleben. Mir fiel nur in diesem Moment just ums Verrecken nicht ein, wie das sinnvoll geschehen konnte. Aber das würde es noch.
Keine der Aufklärungen hatte eine signifikant höhere Zahl ergeben, wenngleich es völlig klar war, dass das Truppentransport- oder Kriegsschiff weitere Männer anlanden würde. Letzten Endes hatten wir, hatte ich mich verschätzt. Um einen Brückenkopf im Keim zu verweigern, hätten wir sie sofort angreifen müssen. Sie mussten die Tage, die wir mit der Seeaufklärung verbracht hatten dazu genutzt haben, Boot um Boot an Verstärkungen anzulanden. Das war kein Regiment außer dem Namen nach. Womit wir es zu tun hatten, war eine aufständische Armee. Wie zum Panther hatte das passieren können? Woher nahm Oberst von Sturmpass eine derart hohe Zahl an Soldaten? Das war eine nachgeordnete Frage, die mich dennoch brennend interessierte.
Weder das Oberkommando in Alumenas Stadt, noch der Hofkanzler hatten mit Informationen aufwarten können. Anselms Befehl hatte das deutlich gemacht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er uns den Befehl, die Faust am Verlassen der Insel zu hindern erteilt hätte, wenn er gewusst hätte, wie stark wir in Unterzahl waren. Schwere Verluste, ein Patt waren die Folge gewesen. Es hätte ein Sondierungsangriff sein sollen, ein Antasten wie sie auf militärische Mittel reagieren würden. Nur der Vorposten. Eine mickrige kleine Taverne mit einem Vorpostentrupp. Sie hatten den quantitativen Vorteil an Magiern und Scharfschützen, den quantitativen Vorteil eines Unteroffizierkorps von fähigem Naturell und den quantitativen Vorteil ihrer erschreckend hohen Truppenstärke.
Mir kann niemand erzählen, dass im ganzen Königreich niemand mitgekriegt haben will, wie eine aufständische Armee, die Waffen, die Mittel, die Verpflegung, das Gerät und die Schiffe aufgebracht haben soll, um damit nach Gerimor zu segeln ohne, dass das irgendjemandem aufgefallen wäre!
Ich hatte vollumfänglich versagt, weil ich mich auf Berichte meiner Übergeordneten Stellen, genauer ihr Fehlen verlassen hatte. Das würde mir nicht noch einmal passieren. Unsere Ausbildung und Gefechtserfahrung war gut, auch wenn die Standards seit Schwingenstein II wieder ein wenig gesunken waren und die Kriegsmüdigkeit herrschte nach wie vor vor in Lichtenthal. Das lag daran, das wir keine richtigen Anführer sondern allenfalls Lückenfüller hatten. Wir machten das beste aus diesem Flickenteppich und Gemahnungen, dass dieser Zustand fragil war, verhallten ungehört. Die Verluste waren entsprechend gleichmäßig ausgefallen. Die Menekaner wähnten ihre Verluste geringer, ich vermute aber, ihre Ehre verlangte, derartiges zu sagen. Schönfärberei aber brachte uns nicht weiter. Wir hatten viele gute Leute an dem Tag verloren und das für nichts und wieder nichts!
Wenn man schon in die Schlacht zieht, erwartet man nicht, alle lebendig wieder heimzubringen. Wohl aber haben alle, die diesen Befehl befolgen das Recht, dass die Befehle für ein sinniges Ziel gegeben werden, der Tod, sollte er einen ereilen, nicht völlig umsonst war. Hier konnte ich vor mir selbst kaum rechtfertigen, wie teuer erkauft die Erkenntniss war, dass wir es mit einem Feind zu tun hatte, der den Streitkräften von Wulfgard, Menek Ur und Lichtenthal bei weitem überlegen war.
Das änderte alles. Mord und Gift waren Taktiken Rahals, Taktiken die selbst unter den Alumenen selten angewandt wurden im Krieg weil es nicht unseren Idealen entsprach. Aber hier konnten wir in glanzvollem aufrechten Kampfe Mann gegen Mann keinen Blumentopf gewinnen. Rauch und Spiegel und eine verdammt gute Defensive mussten unsere Werkzeuge sein. Und ich bin mir nicht sicher, ob selbst das ausreichen wird.
Eine Kapitulation allerdings kommt nicht in Frage. Damit hätten wir alles verraten, für was wir je gekämpft, für was wir je Freunde und Mitmenschen zu Grabe tragen mussten.
Der Kanzler und das Oberkommando mussten verständigt werden. Die Flotte unverzüglich darum ersucht werden, eine Flottille hierher zu entsenden. Andernfalls sah ich nicht, wie wir von Land aus gegen einen Gegner mit offenbar unvergleichlich maritimen Kapazitäten überhaupt den Boden behaupten sollten.
Schlaf fand ich keinen, denn die Gesichter der Toten wollten einfach nicht weichen. Ich stand dennoch wieder auf. Jetzt Trübsal zu blasen wäre Verrat an allen Überlebenden gewesen. Wir hatten bisweilen jede noch so erdrückende Übermacht, jede noch so finstere List, jede noch so große Gefahr und selbst Kryndlagor überlebt. Wir würden auch das hier überleben. Mir fiel nur in diesem Moment just ums Verrecken nicht ein, wie das sinnvoll geschehen konnte. Aber das würde es noch.
- Helisande von Alsted
- Beiträge: 4067
- Registriert: Mittwoch 8. Mai 2013, 05:42
Die Salbe der Heilerin hatte gewirkt und so sah ihr Gesicht nicht aus wie von einem Pferd zertrampelt. Sogar Luft bekam sie durch die Nase wieder ganz passabel. Sie hatte sich eine blutige Nase geholt und das im wörtlichen Sinne und buchstabengetreu. Es war ein Vorstoß gewesen, etwas wobei man die eigenen Männer als Personen ausblenden und schlicht als verschiebbare Ware und Material betrachten musste. Eine der bittersten Lektionen, die ein Offizier lernt. Kampf und Krieg sind in der zerfurchten Welt in der wir leben und uns bewegen ein legitimes Mittel der Diplomatie. Der Vorstoß war gescheitert und beide Seiten hatten Verluste hinzunehmen.
Die junge Stirn bildete langsam permanente Knitterfalten, denn immer noch hallte dieses Gefühl in ihr herum, dass sie irgendetwas übersah - oder nicht sehen sollte. Es mochte sein, dass es schlicht Temoras Wille war sie in dieser Krisenlage blind zu lassen. Noch immer klammerte sich die Offizierin an das Bild des kleinen blonden Jungen, den sie in der Nacht ihrer Schwertleite im Traum erlebt hatte. Doch je mehr sie versuchte es fest zu halten um so mehr verblasste es. Unsere eigenen Entscheidungen formen unser Schicksal. Es war greifbar nahe, dass es diesen kleinen Jungen nie geben würde. Es war in anbetracht der Mannstärke der Faust mehr als wahrscheinlich dass sie und Ihr Gatte das erste Jahr ihrer Ehe nicht vollständig erleben würden.
Wenn er fällt falle ich auch.
Sicherheit.
Diese eine Sicherheit war nun ihr neuer Ankerpunkt. Wenn schon kein gemeinsames Leben, dann ein gemeinsames Ende in Ehre. Bis dahin wenigstens jeden Tag ein freundliches Wort füreinander.
Auf saubere militärische Art würde hier kein Stich zu setzen sein. Eine offene Feldschlacht würde in der Übermacht der Fäuste nur zu einem Todeskommando werden. Ahnte sie nicht schon länger, dass mehr als ein Schiff im Spiel war? Hatte sie nicht schon länger den Falken angesetzt? Und doch hatte sie es nicht gewagt alles zu riskieren.
"Kein Ritter Alumenas wird mit Piratenkapitänen verhandeln."
Gehorsam.
Idiotie.
Nun war es zu spät. Ihr Ruf bei den Freibeutern dürfte sich so weit erledigt haben, dass sie weder Hand noch Fuß rühren würden um ihr zu helfen. Verständlich in Anbetracht ihres Gehorsams. Es flog zwar ein kleiner Vogel in die Richtung der Insel - zumindest hoffte sie dies - doch die Wahrscheinlichkeit des Eingreifens war in etwa so Hoch wie die Möglichkeit dass Krathor Temora ehelichte.
Zu spät.
Beißende Gedanken beim Anblick der Gefallenen. Sie kannte jeden, sie hatte die meisten selbst ausgebildet und einige selbst in ihre jetzigen Diensträge befördert. Nun hatte sie sie aus Kalkül und mit Bedacht aus dem Leben befördert. Oder? Ihr Kommando. Ihre Verantwortung.
Jetzt war nicht die Zeit für Tränen, später. Irgendwann, aber nicht jetzt. Sie würden kommen, denn sie kamen jedesmal. Vielleicht bewahrte sie diesmal jedoch ihr Ende vor dieser Flut der Trauer und Verzweiflung. Gnade konnte viele Gesichter haben, sogar dieses.
Oberst von Sturmpass hatte abgelehnt mit ihr und dem Praeceptor zu reden. In Combatantengepflogenheiten ist so was förmlich ein Schlag ins Gesicht und mehr oder minder der geworfene Fehdenhandschuh, wenn es ein Adliger tut um so mehr. Jedoch war sie im Gegensatz zum Freiherren nicht geneigt diesen Handschuh anzunehmen. Es standen zu viele Leben zur Disposition. Der Drache ist der Bewahrer großer Schätze, eine tapfere Kreatur jedoch nicht so stringend in Spurrinnen laufend wie ein Fuhrwerk. Sie wollte noch einen Versuch wagen doch noch Kontakt aufzunehmen.
Selbst wenn der Oberst der Faust nicht mit ihr selbst sprechen wollte, womöglich war er geneigt jemanden zu benennen mit dem er sprechen würde. So sehr es auch in ihr brannte diesen Mann zu sehen, zu prüfen und ein paar Worte mit ihm zu wechseln, es ging um mehr als um ihre Wünsche. Heldentum ist etwas, was sie gern nur zu gern anderen überlies. Sie hatte genug Narben und es gewisslich nicht mehr nötig sich zu profilieren.
Sie würde am heutigen Abend versuchen allein vorzutreten und um ein Gespräch zu ersuchen. Sollte sie dies überleben könnte sie sich auf das Donnerwetter ihres Lebens gefasst machen vermutlich. Sicherheitshalber wurde noch gründlicher als es die Situation im Ganzen eigentlich hergab ein Brief verfasst um ihn zu übergeben. Nichts unversucht lassen, nur wer sich ab und zu beugt kann auch die Spuren sehen, die er hinterlässt.
Es war an der Zeit die Pläne für Operation 'Schmutziges Gold' wieder aus dem Dienstbuch hervorzukramen. Irgendwo in dem Buch von 257 oder 258 mussten die Aufzeichnungen dazu noch zu finden sein. Irgendwie kam es ihr unwirklich vor wie die Jahre vergehen konnten. Sie war eben noch so jung gewesen und nun fühlte sie sich so unendlich alt.
Die junge Stirn bildete langsam permanente Knitterfalten, denn immer noch hallte dieses Gefühl in ihr herum, dass sie irgendetwas übersah - oder nicht sehen sollte. Es mochte sein, dass es schlicht Temoras Wille war sie in dieser Krisenlage blind zu lassen. Noch immer klammerte sich die Offizierin an das Bild des kleinen blonden Jungen, den sie in der Nacht ihrer Schwertleite im Traum erlebt hatte. Doch je mehr sie versuchte es fest zu halten um so mehr verblasste es. Unsere eigenen Entscheidungen formen unser Schicksal. Es war greifbar nahe, dass es diesen kleinen Jungen nie geben würde. Es war in anbetracht der Mannstärke der Faust mehr als wahrscheinlich dass sie und Ihr Gatte das erste Jahr ihrer Ehe nicht vollständig erleben würden.
Wenn er fällt falle ich auch.
Sicherheit.
Diese eine Sicherheit war nun ihr neuer Ankerpunkt. Wenn schon kein gemeinsames Leben, dann ein gemeinsames Ende in Ehre. Bis dahin wenigstens jeden Tag ein freundliches Wort füreinander.
Auf saubere militärische Art würde hier kein Stich zu setzen sein. Eine offene Feldschlacht würde in der Übermacht der Fäuste nur zu einem Todeskommando werden. Ahnte sie nicht schon länger, dass mehr als ein Schiff im Spiel war? Hatte sie nicht schon länger den Falken angesetzt? Und doch hatte sie es nicht gewagt alles zu riskieren.
"Kein Ritter Alumenas wird mit Piratenkapitänen verhandeln."
Gehorsam.
Idiotie.
Nun war es zu spät. Ihr Ruf bei den Freibeutern dürfte sich so weit erledigt haben, dass sie weder Hand noch Fuß rühren würden um ihr zu helfen. Verständlich in Anbetracht ihres Gehorsams. Es flog zwar ein kleiner Vogel in die Richtung der Insel - zumindest hoffte sie dies - doch die Wahrscheinlichkeit des Eingreifens war in etwa so Hoch wie die Möglichkeit dass Krathor Temora ehelichte.
Zu spät.
Beißende Gedanken beim Anblick der Gefallenen. Sie kannte jeden, sie hatte die meisten selbst ausgebildet und einige selbst in ihre jetzigen Diensträge befördert. Nun hatte sie sie aus Kalkül und mit Bedacht aus dem Leben befördert. Oder? Ihr Kommando. Ihre Verantwortung.
Jetzt war nicht die Zeit für Tränen, später. Irgendwann, aber nicht jetzt. Sie würden kommen, denn sie kamen jedesmal. Vielleicht bewahrte sie diesmal jedoch ihr Ende vor dieser Flut der Trauer und Verzweiflung. Gnade konnte viele Gesichter haben, sogar dieses.
Oberst von Sturmpass hatte abgelehnt mit ihr und dem Praeceptor zu reden. In Combatantengepflogenheiten ist so was förmlich ein Schlag ins Gesicht und mehr oder minder der geworfene Fehdenhandschuh, wenn es ein Adliger tut um so mehr. Jedoch war sie im Gegensatz zum Freiherren nicht geneigt diesen Handschuh anzunehmen. Es standen zu viele Leben zur Disposition. Der Drache ist der Bewahrer großer Schätze, eine tapfere Kreatur jedoch nicht so stringend in Spurrinnen laufend wie ein Fuhrwerk. Sie wollte noch einen Versuch wagen doch noch Kontakt aufzunehmen.
Selbst wenn der Oberst der Faust nicht mit ihr selbst sprechen wollte, womöglich war er geneigt jemanden zu benennen mit dem er sprechen würde. So sehr es auch in ihr brannte diesen Mann zu sehen, zu prüfen und ein paar Worte mit ihm zu wechseln, es ging um mehr als um ihre Wünsche. Heldentum ist etwas, was sie gern nur zu gern anderen überlies. Sie hatte genug Narben und es gewisslich nicht mehr nötig sich zu profilieren.
Sie würde am heutigen Abend versuchen allein vorzutreten und um ein Gespräch zu ersuchen. Sollte sie dies überleben könnte sie sich auf das Donnerwetter ihres Lebens gefasst machen vermutlich. Sicherheitshalber wurde noch gründlicher als es die Situation im Ganzen eigentlich hergab ein Brief verfasst um ihn zu übergeben. Nichts unversucht lassen, nur wer sich ab und zu beugt kann auch die Spuren sehen, die er hinterlässt.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
- Wolffenbrück, 19. Eluviar 260
Kron und Reich zur Ehr, Oberst von Sturmpass!
Ich wende mich in diesem Schreiben an Euch, da Ihr
das Gespräch mit mir verweigert und hoffe, dass Ihr
zumindest die Würde aufbringt diese Zeilen von mir
zu lesen.
Falls Ihr Euch nun in der Hoffnung wiegt, ich würde
kapitulieren, so irrt Ihr . Ihr irrt darin wie in den Gründen
für Euren Aufenthalt hier in Lichtenthal.
Zumindest, wenn Eure Gründe wahrlich die sind, die mir
kolportiert wurden.
Euer Herzog Theobald v. Eriensee wurde nicht das Opfer
einer Intriege oder eines Mordes. Er wurde in einem
Gottesurteil, welches bestätigt wurde durch Temora selbst,
getötet.
Es ist nicht an uns Temoras Willen zu hinterfragen oder zu
kritisieren. Es ist Ihr Wille und Ihr Testament, dass
Seine Majestät Ador Segenus Corbidian Viktor I von Alumenas
durch Ihre Gnade seine Krone trägt.
Dieses Gottesurteil mochte Euch und viele der Euren hart in
seinen Folgen ankommen, dennoch ist es nicht anzuzweifeln.
Anzuzweifeln ist nur menschliches Handeln,
nicht göttliches Wirken!
Meine Worte, die ich hier niederlege sind wahr und treu.
Ich folge dem Kodex er Ritterschaft und versichere Euch,
dass ich nicht zur Lüge fähig bin. Ein Charakterfehler, der mir
schon sehr oft eine politisch denkbar schlechte Lage beschert hat.
Somit seid versichert, wenn Ihr eine Person aus unseren Reihen
benennt, mit welcher Ihr zu einem Gespräch bereit seid, so werde
ich dafür sorgen, dass diese Option weitergegeben wird.
Bedenkt bitte, dass ich über den Hochadel nicht befinden und
bestimmen kann. Schätzt meinen Einfluss auf dieses Geschick hier
nicht zu hoch ein, auch wenn ich an Euch hiermit sehr nahe herantrete.
Ich bin Offizier, niemand hat mir dies an der Wiege gesungen und doch
bin ich es nun.
Meine Soldaten sterben.
Eure Soldaten sterben.
Im Sterben sind wir alle gleich, dies gilt auch für Euch und für mich.
Ich sichere Euch im Falle Eurer Niederlage oder Aufgabe zu,
dass ich Eure Soldaten schützen werde. Keiner Eurer Soldaten wird
sich für seine Treue und Loyalität verantworten müssen.
Auch wenn sie einem fehlgeleiteten Offzier folgen, so ist dies
nicht ihr Fehl.
Es ist der Eure.
Es bleibt der Eure.
Für Euch zur Kenntnis sei niedergelegt, dass ich nicht aufgeben werde.
Ich kämpfe.
Lichtenthal kämpft.
Solange ich atme wird dieses winzige Herzogtum nicht aufhören zu kämpfen.
Somit will ich bei allen Tugenden Temoras nochmals an Euch appellieren!
Geht in Euch und überdenkt Eure Motivation und behaltet im Herzen
wie leicht ein Mensch der Täuschung zum Opfer werden kann, ganz gleich
ob Herzog oder Bauer.
Euch sei aufrichtig meine Anerkennung für Eure bisherige Mission
ausgesprochen. Euch sei versichert, dass ich keinen persönlichen Groll
gegen Euch oder Eure Männer hege.
Möge Temora uns beide prüfen und befinden wer am Ende bestehen soll.
Temora beschützt!
Oberst des Lichtenthaler Regimentes
Es war an der Zeit die Pläne für Operation 'Schmutziges Gold' wieder aus dem Dienstbuch hervorzukramen. Irgendwo in dem Buch von 257 oder 258 mussten die Aufzeichnungen dazu noch zu finden sein. Irgendwie kam es ihr unwirklich vor wie die Jahre vergehen konnten. Sie war eben noch so jung gewesen und nun fühlte sie sich so unendlich alt.
Der Sieger hat viele Freunde,
der Besiegte hat gute Freunde.
Aus der Mongolei
der Besiegte hat gute Freunde.
Aus der Mongolei
Zuletzt geändert von Helisande von Alsted am Freitag 19. Mai 2017, 19:34, insgesamt 2-mal geändert.
-
Johanna Hohenhain
Die Nacht vom 18. auf den 19. Eluviar...
- Holprig rollten die Räder des Karrens über die unebenen Wege Schwingensteins, die sich durch Jahre dauernden Gebrauch durch das Gras zogen. Stimmen und Fackeln begleiteten den Zug der Toten, doch waren sie leise und gedämpft gehalten, der Nacht und der Verstorbenen zur Ehr. Bis auf die festansässige Dienerschaft der Herrin im Kloster der Lichteinigkeit war Johanna die einzige Geweihte, die ihr Heim und ihre dauerhafte Schlafstatt in Schwingenstein beibehalten hatte. Einige zog es hinaus nach Adoran, andere in den Nilzadan - und es war gut so. So gut, wie das Wissen für die Klosterbelegschaft, das Dorf und die Klosterwache an welche Tür sie bei einem unmittelbaren Fall zu klopfen hatten. Und das taten sie. Schon längst hatte sich die tiefschwarze Nacht wie ein drückendes Tuch über die Dächer des beschaulichen Ortes gelegt, als es an der Holztür klopfte. Tock, tock. Stille, leise Stimmen unter ihrem Fenster. Der wage Schein einer Laterne, der durch die Vorhänge drang. Ein zu sanfte Vorbote für das, was sie nun erwartete...
Als man sie bis vor das Kloster führte, wo die Klosterwachen auf Luciens Hinweis hin begonnen hatten die ersten zwei Toten vom Karren zu heben und auf ausgebreitete Decken zu legen, glaubte sie ihr Beine würden nicht standhalten. Ein unheilvoller Bote, ein unerwünschtes Gefühl, krallte sich klauenhaft um ihr Herz und ein eiskalter Schauer wanderte ihr den Rücken herunter. Unglaube, Ablehnung. Im ersten Moment verwehrte sie sich - die, die keine Soldatin war, den Krieg nicht kannte wie andere - der Vorstellung. Aber die Realität brach über sie hinweg und bewahrheitete ihre Befürchtungen, die sie unlängst vor Tagen geteilt hatte. Leblose Körper im Spiel der Fackeln und Laternen, zwischen sich tief grabende Schatten der Verhüllung. Doch was sie freigaben war Dreck und Blut. Blut im Haar, ihren verzerrten Gesichtern, den Lichtenthaler Uniformen. Ein Zerrbild mit grausamer Fratze. Ihr starrender Blick kam Johanna von ungebührender Ewigkeit vor, ehe sie sich abwandte und die Hände vor ihren Mund schlug. Die kalte Luft durchwirbelte die aufgestiegende Übelkeit, konnte sie aber nicht vertreiben.
"Hochwürden?"
Einatmen, ausatmen. Herrin steh uns bei... Die Priesterin besann sich und schickte zwei Klosterwächter los um etwaige Unterstützung heranzuholen, sei es nun Akoluth oder Priester, wie sie eben erreichbar waren. Antorius aber, betonte sie, solle man im Lager lassen. Man würde seine Kraft und seinen Beistand dort dringend benötigen. Ein anderer bekam einen Zeugschlüssel von der Cellerarin ausgehändigt und holte weitere Leinen und Tücher herbei. Johanna funktionierte und erlaubte sich für einige Momente lang soetwas wie den Schein von einer Wirklichkeit, die handelbar war. Einige der Linnen wurden, mit Messern vorgeschnitten, zerrissen, sodass ein jeder, der die Leichen nun bewegen würde - sie mit inbegriffen - ein Tuch vor den Mund binden konnte. Ein Schutz vor Blut, dem Schmutz, dem Geruch von Hinterlassenschaften, die dem Ableben folgten. Die Priesterin zitterte, als sie das erste Gewicht eines Beines in ihren Armen wog, leblos und schwer. Nach dem zweiten, den sie von den Brettern gehoben hatte, musste sie sich übergeben, so sehr, dass ihr davon die Tränen in die Augen stiegen. Und doch kletterte sie zurück auf den Karren und holte mit der hinzugekommenen Unterstützung ganze Leiber oder Rückstände von ihnen herunter, selbst wenn sie glaubte beim nächsten Schritt abzurutschten.
Nach weiteren Anweisungen wurden die Toten herunter in die Krypta getragen und - die Herrin möge es verzeihen - überall dort abgelegt, wo sich Platz fand. Und sei es auf dem mit Tüchern bedeckten Boden. Nicht wahllos, sondern als würden sie nur schlafen, drapierte man sie auf dem Rücken, legte ihre Beine zusammen und ihre Arme an den Körper. Reihe in Reihe. Ein Meer aus Kerzen erstreckte sich durch die gesegneten Gänge aus dunklem, friedlichen Gestein, überflutete alles mit einem goldenen Licht, das doch nicht reichte den Eindruck eines Tages zu erwecken. Über Nacht war sie verblieben, so wie jene Geweihten, die es aus dem Schlaf gerissen hatte. Schale für Schale wurde hinab getragen, Hände in blutiges Wasser getunkt, rosa verfärbte Tücher ausgewrungen und unter anhaltenden Gebeten damit das Blut und der Dreck von den teils sogar arg verstümmelten Leibern gewaschen. Johanna ging manches Mal hinaus um sich neuerlich zu übergeben, zu weinen und übermannt ihre Stoßgebete zu Temora zu senden. Allein. Ungesehen. Nur um doch wieder ohne Wort oder Gedanke der Klage und des Selbstmitleids die Stufen herabzugehen und mit ihrem Dienst fortzufahren.
Nicht nur die Toten würden nun Gebete brauchen, sondern auch die, die das durch ihre Entscheidungen zu verantworten hatten.
-
Enzyan Rosenthau
Ein kleines Beben in der Wonne, die ihn stets umgarnte, wenn er sich im Kloster, das dereinst um den Baum des Lichtes errichtet wurde, aufhielt – Mehr war es nicht, gleich einem Flirren in der Luft an warmen Tagen und doch genug um ihn Aufblicken zu lassen von seiner Schreibmappe im Schlafsaal der Novizen und Akolythen.
Die gleiche Schwermut umfing ihn, die auch einen Baum streifen musste, der im nahenden Herbst sein erstes Blatt verlor: Wissend, dass noch so viele mehr folgen würden und doch hilflos. So erhob sich der alte Akolyth mit schmerzenden Knochen von seinem Hocker, zwei Schritte gen Tür, dann pochte es auch schon. Hätte er Augen dafür gehabt, wäre die Situation eine andere gewesen, hätte er sich sicher über die sichtbare Verblüffung, die das augenblickliche Öffnen der Tür um diese Zeit in die Augen der Klosterwächter rief, amüsiert – jetzt folgte er nur wortlos und mit schwärender Trauer.
Mit der letzten Leiche erreichte er die Krypta: Der Anblick genügte, um jede Frage zu beantworten, ein stiller Blick gen der sichtlich gezeichneten Priesterin, doch seine Züge blieben starr, seine Gedanken sprangen Jahre zurück und Meilen fort, Ort und Zeit an denen er selbiges zu sehen bekommen hatte, selbiges erlebte und doch so anders gefühlt hatte: Was damals Zorn und Wut, war jetzt blanke, tiefe Trauer. Er spürte wie eine einzelne Träne sich langsam aus seinem Auge hievte, umgeleitet von den zahlreichen Falten und Furchen des Alters, um schließlich doch im weißen Bart zu versickern.
Stunden später, als er den Schwamm aus der Hand legte, auch die letzte der Leichen gereinigt war, brauchte es einige Momente, bis sich seine trockenen Lippen zum ersten Mal voneinander lösten: „Wie können zwei, die Dir zu folgen behaupten solches Unheil in die Welt bringen?“.
Die gleiche Schwermut umfing ihn, die auch einen Baum streifen musste, der im nahenden Herbst sein erstes Blatt verlor: Wissend, dass noch so viele mehr folgen würden und doch hilflos. So erhob sich der alte Akolyth mit schmerzenden Knochen von seinem Hocker, zwei Schritte gen Tür, dann pochte es auch schon. Hätte er Augen dafür gehabt, wäre die Situation eine andere gewesen, hätte er sich sicher über die sichtbare Verblüffung, die das augenblickliche Öffnen der Tür um diese Zeit in die Augen der Klosterwächter rief, amüsiert – jetzt folgte er nur wortlos und mit schwärender Trauer.
Mit der letzten Leiche erreichte er die Krypta: Der Anblick genügte, um jede Frage zu beantworten, ein stiller Blick gen der sichtlich gezeichneten Priesterin, doch seine Züge blieben starr, seine Gedanken sprangen Jahre zurück und Meilen fort, Ort und Zeit an denen er selbiges zu sehen bekommen hatte, selbiges erlebte und doch so anders gefühlt hatte: Was damals Zorn und Wut, war jetzt blanke, tiefe Trauer. Er spürte wie eine einzelne Träne sich langsam aus seinem Auge hievte, umgeleitet von den zahlreichen Falten und Furchen des Alters, um schließlich doch im weißen Bart zu versickern.
Stunden später, als er den Schwamm aus der Hand legte, auch die letzte der Leichen gereinigt war, brauchte es einige Momente, bis sich seine trockenen Lippen zum ersten Mal voneinander lösten: „Wie können zwei, die Dir zu folgen behaupten solches Unheil in die Welt bringen?“.
-
Thelor Reensdorf
- Beiträge: 700
- Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20
Der Erzmagier war es der einen Boten mit magischem Portal bis nach Goldenfall schickte, so dass der Bote in Rot und Gold von dort seinen Weg nach Alrynes und weiter in die Stadt Alumenas antrat. Jener Bote wird dort eine eilige Depesche abgeben, welche dreifach gesiegelt wurde und die Wachssiegel der Kronritterschaft, Lichtenthals und Gipfelsturms trägt. Ein Hellblaues Siegelband wurde in das letzte Siegel eingearbeitet.
18. Eluviar 260
Herzogtum Lichtenthal
Ehre dem Reich Alumenas unter seiner Majestät Ador Segenus Corbidian Viktor den ersten von Alumenas und der Schildmaid Segen mit den Mitgliedern des ehrwürdigen Rates der Sieben.
Hochgeschätzte Mitglieder des Rates der Herrin Temora,
Ich trete in einer äußerst prekären Angelenheit an Euch als Rat der Sieben heran und möchte mich bereits vorab entschuldigen die kostbare Zeit des Rates mit Kriegsgeschehnissen zu belasten. Dennoch bezweifel ich, dass es Temoras Wille sei, das ihre Anhänger gegeneinander die Klingen kreuzen. Trotz des festen Vertrauens in die Herrin findet sich Lichtenthal in der Situation wieder von Anhängern des eigenen Glaubens angegriffen zu werden.
Sofern noch keine Informationen zu unserer Lage den Rat erreicht haben will ich unter den Mantel der Verschwiegenheit die Grundsituation einmal schildern, wie sie zur Zeit besteht und sich darstellt.
Vor vier Jahren stand die Krönungsfeierlichkeit Seiner Majestät Ador Segenus Corbidian Viktor dem Ersten von Alumenas an. Im Rahmen der Vorbereitungen zu diesem Ereignis ereignete sich wie allgemein bekannt das erfolgreiche Attentat auf seine damalige Verlobte Ihre Erlaucht Komtess Johanna Elisabeth Viktoria von Alrynes und ein Giftanschlag auf den damaligen Kronprinzen selbst. Der höchste meines Ordens, der Herzog von Nahram, Sir Andurion III. von Nahram leitete die Untersuchung zu den Vorkommnissen.Er konfrontierte damals den Herzog Theobald Zirius Archimbar von Eirensee damit an diesen Vorfällen nicht nur beteiligt, sondern ihr Urheber gewesen zu sein. Er habe das Ziel verfolgt nicht Ador auf den Thron des Reiches zu setzen, sondern seinen Favoriten Isidor.
Um diesen Vorwürfen Einhalt zu gebieten und seine Ehre zu bewahren wurde dem Angeklagten das Recht auf ein Gottesurteil durch ein ehrenvolles Duell angeboten in welches auch eingewilligt wurde. In diesem Duell erschlug seine Herzogliche Hoheit Andurion III. von Nahram, den von da an als Verräter bewiesenen Herzog von Eirensee, vor den Augen der anwesenden Zeugen bestehend aus Adel, Klerus und Volk. Isidor, des Mitverrates angeklagt, floh vor dem Zugriff seines Bruders gen Rahal. Dort hat er sich mittlerweile zum weltlichen Zentrum der Macht Alatars aufgeschwungen. So das er nun als Alatars Sprachrohr und Alka des Rahalischen Reiches fungiert.
Im Rahmen des Verrates von Eirensee fiel auch die Familie in Ungnade und wurde entadelt. Durch diese Entadelung wurde dem gemeinsamen Erbe der Herzogtümer Greifenhain und Eirense, dem jungen Großherzog Gregor Weiland Konrad vom Greifenhain sein Erbe weiter zugesprochen. Er wird aber der Familie mütterlicherseits von Greifenhain zugerechnet und somit die Greifenhainer Erbline betont und die Eirenseeer als hinfällig deklariert. Im Rahmen der Säuberung des des Verrat durch das Gottesurteil überführten Herzogtums, wurden zahlreiche Ämter und Positionen in Eirensee durch treue Vasallen Greifenhains ersetzt. Dies wiederum führte natürlich zu Frust und Unsicherheit in Adel und Bevölkerung Eirensees. Einer dieser enthobenen Männer war der Freiherr und damalige Befehlshaber der Truppen von Eirensee Oberst Aren von Sturmpass. Eben jener Oberst ist es, der nun mit getreuen Streitern Eirensees gegen das Herzogtum Lichtenthal zieht. Ihr Ziel ist es seine Majestät zu stürzen. Sie bezeichnen seine Majestät als Lügner und Intrigant und zweifeln an dem Urteil über Theobald. Es wird behauptet er sei zum profanen Machterhalt Seiner Majestät ermordet worden. Die Truppen unter Oberst Aren von Sturmpass bezeichnen sich selbst als die ‚Goldene Faust‘, sie stehen treu zu ihrem Oberst und sind der festen Überzeugung im Ansinnen Temoras zu Handeln.
Politisch gesehen bin ich dazu verpflichtet das Herzogtum mit allen Mitteln zu halten, da ein Verlust Lichtenthals das Ansehen unseres Königs im gesamten Herzogtum schwächen würde. Wenn Lichtenthal an die Soldaten der Faust fällt, könnten sich andere Lehen auf diese Seite stellen und uns droht ein Bürgerkrieg im ganzen Herzogtum. Dennoch sind es Anhänger der Kirche Temoras, auch wenn fehlgeleitet und aufgehetzt. Viele Gedanken der Kämpfenden kreisen um diese Thematik und diesen Kampf führen zu müssen ist eine erhebliche Belastung für jeden Streiter. Dennoch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben die Saat der Wahrheit in die Truppen der Faust zu pflanzen um einige von ihnen davon zu überzeugen, dass sie einen unrechten Kampf gegen uns führen. Damit diese Saat Früchte trägt, erbitte ich die Hilfe der Heiligen Kirche Temoras.
Hochwürden Antorius wurde vor Ort die Situation dargelegt und er versicherte mir, dass er die folgenden Anklagepunkte nachvollziehen kann und sie ihm bereichtigt erscheinen. Die Tragweite dieser Entscheidung benötigt jedoch zwingend eine höhere Instanz.
Hiermit klage ich die Streiter und Gefolgsleute der ‚Goldenen Faust‘ vor der Heiligen Kirche Temoras an:
1. Sie Verleugnen unseren König, Seine Majestät Ador Segenius Corbidian Viktor von Alumenas, König Temoras Gnaden. Sein Anspruch auf den Thron wurde bei seiner Krönung durch die Hohe Priesterschaft bestätigt und sein Haupt gekrönt.
2. Sie greifen die Wirkstätte Temoras an mit ihrem Angriff auf Gerimor. Hier befindet sich der Götterberg Nilzadan mit Temoras Geburtsstätte, die Heiligen Orte die sie berührte an denen die Schreine stehen und der von ihr gepflanzte Baum des Lichts im Kloster und der Ort an dem Temora Alatar in die Flucht schlug. Zudem entweihten sie bereits das Kloster indem sie ein angebranntes Banner von Greifenhain mit einer abgetrennten Hand genau vor jenem Ort platzierten. Mit der Androhung ganz Lichtenthal erobern zu wollen, stehen uns auch noch mögliche weiteres Vorgehen und Angriffe gegen heilige und glaubensnahe Orte wie Schwingenstein bevor.
3. Sie verleugnen ein vor Temora gefälltes Gottesurteil und brechen damit Kirchen- und Adelsrecht und Gesetz. Ein Duell ist ein vor Temora gültiges Urteil und dessen Ausgang ist für beide Parteien bindend.
4. Eidbruch durch Aren von Sturmpass. Jeder Adlige legt unter den Augen Temoras seinen Eid auf die Krone und das Reich ab. Mit seinem Vorgehen gegen die Krone und andere Teile des Reiches Alumenas begeht er als adliger Freiherr einen Bruch mit seinen geleisteten Eiden.
Die Einschätzung von Hochwürden Antorius zu den Mitgliedern der Faust war und ich darf in seinem Wohlwollen zitieren: „Sie sind wie ich sehen konnte fest im Glauben jene Anhänger der Faust nur die Mittel und Wege welche sie beschreiten erinnert mich eher an die Anhänger Alatars getrieben von Rachedurst, Vergeltung und Zorn in ihren Herzen.“
Ich möchte auch ausdrücklich erwähnen, dass ich keinen Freibrief möchte um bedenkenlos gegen die Faust agieren zu können. Ich ersuche und erbitte die Hilfe durch die Heilige Kirche Temoras mittels einer öffentlichen und eindeutigen Stellungnahme, auf dass die Soldaten der Faust die gesegnte Wahrheit erfahren. Möge Zweifel an der Rechtmäßigkeit ihres Handelns sie zur der Besinnung und Einsicht in ihre Herzen durch die Worte der Kirche gebracht werden, damit sie von dem unrechtem Weg ablassen.
In Hoffnung und Glauben an die Gerechtigkeit Temoras verbleibe ich respektvoll.

Oberbefehlshaber der Lichtenthaler Streitkräfte
Kronritter Seiner Majestät Ador Segenius Corbidian Viktor dem Ersten von Alumenas
Baron von Gipfelsturm
Freiherr zu Schwertfluren
Herzogtum Lichtenthal
Ehre dem Reich Alumenas unter seiner Majestät Ador Segenus Corbidian Viktor den ersten von Alumenas und der Schildmaid Segen mit den Mitgliedern des ehrwürdigen Rates der Sieben.
Hochgeschätzte Mitglieder des Rates der Herrin Temora,
Ich trete in einer äußerst prekären Angelenheit an Euch als Rat der Sieben heran und möchte mich bereits vorab entschuldigen die kostbare Zeit des Rates mit Kriegsgeschehnissen zu belasten. Dennoch bezweifel ich, dass es Temoras Wille sei, das ihre Anhänger gegeneinander die Klingen kreuzen. Trotz des festen Vertrauens in die Herrin findet sich Lichtenthal in der Situation wieder von Anhängern des eigenen Glaubens angegriffen zu werden.
Sofern noch keine Informationen zu unserer Lage den Rat erreicht haben will ich unter den Mantel der Verschwiegenheit die Grundsituation einmal schildern, wie sie zur Zeit besteht und sich darstellt.
Vor vier Jahren stand die Krönungsfeierlichkeit Seiner Majestät Ador Segenus Corbidian Viktor dem Ersten von Alumenas an. Im Rahmen der Vorbereitungen zu diesem Ereignis ereignete sich wie allgemein bekannt das erfolgreiche Attentat auf seine damalige Verlobte Ihre Erlaucht Komtess Johanna Elisabeth Viktoria von Alrynes und ein Giftanschlag auf den damaligen Kronprinzen selbst. Der höchste meines Ordens, der Herzog von Nahram, Sir Andurion III. von Nahram leitete die Untersuchung zu den Vorkommnissen.Er konfrontierte damals den Herzog Theobald Zirius Archimbar von Eirensee damit an diesen Vorfällen nicht nur beteiligt, sondern ihr Urheber gewesen zu sein. Er habe das Ziel verfolgt nicht Ador auf den Thron des Reiches zu setzen, sondern seinen Favoriten Isidor.
Um diesen Vorwürfen Einhalt zu gebieten und seine Ehre zu bewahren wurde dem Angeklagten das Recht auf ein Gottesurteil durch ein ehrenvolles Duell angeboten in welches auch eingewilligt wurde. In diesem Duell erschlug seine Herzogliche Hoheit Andurion III. von Nahram, den von da an als Verräter bewiesenen Herzog von Eirensee, vor den Augen der anwesenden Zeugen bestehend aus Adel, Klerus und Volk. Isidor, des Mitverrates angeklagt, floh vor dem Zugriff seines Bruders gen Rahal. Dort hat er sich mittlerweile zum weltlichen Zentrum der Macht Alatars aufgeschwungen. So das er nun als Alatars Sprachrohr und Alka des Rahalischen Reiches fungiert.
Im Rahmen des Verrates von Eirensee fiel auch die Familie in Ungnade und wurde entadelt. Durch diese Entadelung wurde dem gemeinsamen Erbe der Herzogtümer Greifenhain und Eirense, dem jungen Großherzog Gregor Weiland Konrad vom Greifenhain sein Erbe weiter zugesprochen. Er wird aber der Familie mütterlicherseits von Greifenhain zugerechnet und somit die Greifenhainer Erbline betont und die Eirenseeer als hinfällig deklariert. Im Rahmen der Säuberung des des Verrat durch das Gottesurteil überführten Herzogtums, wurden zahlreiche Ämter und Positionen in Eirensee durch treue Vasallen Greifenhains ersetzt. Dies wiederum führte natürlich zu Frust und Unsicherheit in Adel und Bevölkerung Eirensees. Einer dieser enthobenen Männer war der Freiherr und damalige Befehlshaber der Truppen von Eirensee Oberst Aren von Sturmpass. Eben jener Oberst ist es, der nun mit getreuen Streitern Eirensees gegen das Herzogtum Lichtenthal zieht. Ihr Ziel ist es seine Majestät zu stürzen. Sie bezeichnen seine Majestät als Lügner und Intrigant und zweifeln an dem Urteil über Theobald. Es wird behauptet er sei zum profanen Machterhalt Seiner Majestät ermordet worden. Die Truppen unter Oberst Aren von Sturmpass bezeichnen sich selbst als die ‚Goldene Faust‘, sie stehen treu zu ihrem Oberst und sind der festen Überzeugung im Ansinnen Temoras zu Handeln.
Politisch gesehen bin ich dazu verpflichtet das Herzogtum mit allen Mitteln zu halten, da ein Verlust Lichtenthals das Ansehen unseres Königs im gesamten Herzogtum schwächen würde. Wenn Lichtenthal an die Soldaten der Faust fällt, könnten sich andere Lehen auf diese Seite stellen und uns droht ein Bürgerkrieg im ganzen Herzogtum. Dennoch sind es Anhänger der Kirche Temoras, auch wenn fehlgeleitet und aufgehetzt. Viele Gedanken der Kämpfenden kreisen um diese Thematik und diesen Kampf führen zu müssen ist eine erhebliche Belastung für jeden Streiter. Dennoch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben die Saat der Wahrheit in die Truppen der Faust zu pflanzen um einige von ihnen davon zu überzeugen, dass sie einen unrechten Kampf gegen uns führen. Damit diese Saat Früchte trägt, erbitte ich die Hilfe der Heiligen Kirche Temoras.
Hochwürden Antorius wurde vor Ort die Situation dargelegt und er versicherte mir, dass er die folgenden Anklagepunkte nachvollziehen kann und sie ihm bereichtigt erscheinen. Die Tragweite dieser Entscheidung benötigt jedoch zwingend eine höhere Instanz.
Hiermit klage ich die Streiter und Gefolgsleute der ‚Goldenen Faust‘ vor der Heiligen Kirche Temoras an:
1. Sie Verleugnen unseren König, Seine Majestät Ador Segenius Corbidian Viktor von Alumenas, König Temoras Gnaden. Sein Anspruch auf den Thron wurde bei seiner Krönung durch die Hohe Priesterschaft bestätigt und sein Haupt gekrönt.
2. Sie greifen die Wirkstätte Temoras an mit ihrem Angriff auf Gerimor. Hier befindet sich der Götterberg Nilzadan mit Temoras Geburtsstätte, die Heiligen Orte die sie berührte an denen die Schreine stehen und der von ihr gepflanzte Baum des Lichts im Kloster und der Ort an dem Temora Alatar in die Flucht schlug. Zudem entweihten sie bereits das Kloster indem sie ein angebranntes Banner von Greifenhain mit einer abgetrennten Hand genau vor jenem Ort platzierten. Mit der Androhung ganz Lichtenthal erobern zu wollen, stehen uns auch noch mögliche weiteres Vorgehen und Angriffe gegen heilige und glaubensnahe Orte wie Schwingenstein bevor.
3. Sie verleugnen ein vor Temora gefälltes Gottesurteil und brechen damit Kirchen- und Adelsrecht und Gesetz. Ein Duell ist ein vor Temora gültiges Urteil und dessen Ausgang ist für beide Parteien bindend.
4. Eidbruch durch Aren von Sturmpass. Jeder Adlige legt unter den Augen Temoras seinen Eid auf die Krone und das Reich ab. Mit seinem Vorgehen gegen die Krone und andere Teile des Reiches Alumenas begeht er als adliger Freiherr einen Bruch mit seinen geleisteten Eiden.
Die Einschätzung von Hochwürden Antorius zu den Mitgliedern der Faust war und ich darf in seinem Wohlwollen zitieren: „Sie sind wie ich sehen konnte fest im Glauben jene Anhänger der Faust nur die Mittel und Wege welche sie beschreiten erinnert mich eher an die Anhänger Alatars getrieben von Rachedurst, Vergeltung und Zorn in ihren Herzen.“
Ich möchte auch ausdrücklich erwähnen, dass ich keinen Freibrief möchte um bedenkenlos gegen die Faust agieren zu können. Ich ersuche und erbitte die Hilfe durch die Heilige Kirche Temoras mittels einer öffentlichen und eindeutigen Stellungnahme, auf dass die Soldaten der Faust die gesegnte Wahrheit erfahren. Möge Zweifel an der Rechtmäßigkeit ihres Handelns sie zur der Besinnung und Einsicht in ihre Herzen durch die Worte der Kirche gebracht werden, damit sie von dem unrechtem Weg ablassen.
In Hoffnung und Glauben an die Gerechtigkeit Temoras verbleibe ich respektvoll.
Oberbefehlshaber der Lichtenthaler Streitkräfte
Kronritter Seiner Majestät Ador Segenius Corbidian Viktor dem Ersten von Alumenas
Baron von Gipfelsturm
Freiherr zu Schwertfluren
Zuletzt geändert von Thelor Reensdorf am Samstag 20. Mai 2017, 02:31, insgesamt 3-mal geändert.
- Keylon von Salberg
- Beiträge: 1801
- Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20
Kopfschmerzen...
War das erste was er dachte als er wach wurde.
Längst war es Mittag durch, aber er hatte seit langem endlich mal wieder in seinem Bett schlafen können, frei von der starren Rüstung die er die letzten Tage kaum noch ausgezogen hatte.
Noch immer müde und mit schmerzenden Gliedern setzte er sich auf und griff nach der natürlich inzwischen kalten Tasse Kaffee die auf der Ablage stand.
Er trank einen großen, tiefen Schluck bevor er ganz aufstand und ins Bad ging um einmal in das tiefe Becken zu steigen.
Das kühle Wasser vertrieb auch noch die letzte Spur von Müdigkeit und er gönnte sich dann den Luxus sich normale Kleidung über zu ziehen.
Dann nahm er seine Rüstung, machte es sich auf den Treppen seines Hauses gemütlich und begann diese von den Kampfspuren des letzten Tages zu reinigen.
Der Kampf.
Endlich!
Hatte er noch gedacht gehabt, als sie sich sammelten.
Der Plan des Freiherren hatte so vielversprechend geklungen. Den Vorposten angreifen, einnehmen und Verteidigen.
Endlich würden sie einmal nicht nur die sein, die man verspottete.
Sondern sie würden zeigen das sie ernst zu nehmen wären.
So weit der Plan.
Keylon konnte sich gar keine Niederlage vorstellen. Schon gar nicht da Frau Oberst und der Praeceptor dabei waren, und so sah es anfangs auch aus.
Sie gelangten zum Vorposten das einst eine Taverne gewesen war.
Die Wachen die sich ihnen entgegenstellten waren kein Problem gewesen, und streng nach Frau Obersts Worten, versuchte man im Kampfe niemanden zu töten.
Schließlich war man ja ... ein Volk.
So war man bis zur Taverne vorangekommen, versammelte sich vor ihrer Tür und bot an die restlichen Mannen könnten sich ergeben.
Doch dann begann das Desaster.
War es ein taktischer Fehler ? Oder waren die „Anderen“ einfach Zahlenhaft stärker oder besser als sie.
Keylon verbot sich weiter darüber nach zu denken.
Fakt war das die Truppen im Haus Verstärkung aus der Nahe gelegenen Befestigung bekamen und das zerriss ihre eigene Struktur.
Ein Truppenteil stürmte dem Nachschub entgegen. Ein anderer Teil kämpfte noch hinten.
Er selber war an der Seite der Kameraden geblieben bei denen er gerade gestanden hatte, und stürmte mit der Verstärkung entgegen, als schon der Befehle zum Rückzug kam.
Noch während er sich nach einem seiner gestürzten Kameraden bückte um ihn mit aus der Gefahrenzone zu schleppen, erhielt er selber einen Schlag gegen seinen Kopf der ihm schwarz vor Augen werden ließ.
Somit war für ihn dieses Schlacht gelaufen.
Nur taumelnd war er wieder hoch gekommen, und wie gerufen stand Lucien neben ihm, der ihm zurück vom Schlachtfeld half.
Alles in allem hatten sie sich eine blutige Nase geholt.
Wie es weiter gehen würde?
Das wusste wohl nur Temora.
[#Round and round and round it goes. And where it stops nobody knows#]
War das erste was er dachte als er wach wurde.
Längst war es Mittag durch, aber er hatte seit langem endlich mal wieder in seinem Bett schlafen können, frei von der starren Rüstung die er die letzten Tage kaum noch ausgezogen hatte.
Noch immer müde und mit schmerzenden Gliedern setzte er sich auf und griff nach der natürlich inzwischen kalten Tasse Kaffee die auf der Ablage stand.
Er trank einen großen, tiefen Schluck bevor er ganz aufstand und ins Bad ging um einmal in das tiefe Becken zu steigen.
Das kühle Wasser vertrieb auch noch die letzte Spur von Müdigkeit und er gönnte sich dann den Luxus sich normale Kleidung über zu ziehen.
Dann nahm er seine Rüstung, machte es sich auf den Treppen seines Hauses gemütlich und begann diese von den Kampfspuren des letzten Tages zu reinigen.
Der Kampf.
Endlich!
Hatte er noch gedacht gehabt, als sie sich sammelten.
Der Plan des Freiherren hatte so vielversprechend geklungen. Den Vorposten angreifen, einnehmen und Verteidigen.
Endlich würden sie einmal nicht nur die sein, die man verspottete.
Sondern sie würden zeigen das sie ernst zu nehmen wären.
So weit der Plan.
Keylon konnte sich gar keine Niederlage vorstellen. Schon gar nicht da Frau Oberst und der Praeceptor dabei waren, und so sah es anfangs auch aus.
Sie gelangten zum Vorposten das einst eine Taverne gewesen war.
Die Wachen die sich ihnen entgegenstellten waren kein Problem gewesen, und streng nach Frau Obersts Worten, versuchte man im Kampfe niemanden zu töten.
Schließlich war man ja ... ein Volk.
So war man bis zur Taverne vorangekommen, versammelte sich vor ihrer Tür und bot an die restlichen Mannen könnten sich ergeben.
Doch dann begann das Desaster.
War es ein taktischer Fehler ? Oder waren die „Anderen“ einfach Zahlenhaft stärker oder besser als sie.
Keylon verbot sich weiter darüber nach zu denken.
Fakt war das die Truppen im Haus Verstärkung aus der Nahe gelegenen Befestigung bekamen und das zerriss ihre eigene Struktur.
Ein Truppenteil stürmte dem Nachschub entgegen. Ein anderer Teil kämpfte noch hinten.
Er selber war an der Seite der Kameraden geblieben bei denen er gerade gestanden hatte, und stürmte mit der Verstärkung entgegen, als schon der Befehle zum Rückzug kam.
Noch während er sich nach einem seiner gestürzten Kameraden bückte um ihn mit aus der Gefahrenzone zu schleppen, erhielt er selber einen Schlag gegen seinen Kopf der ihm schwarz vor Augen werden ließ.
Somit war für ihn dieses Schlacht gelaufen.
Nur taumelnd war er wieder hoch gekommen, und wie gerufen stand Lucien neben ihm, der ihm zurück vom Schlachtfeld half.
Alles in allem hatten sie sich eine blutige Nase geholt.
Wie es weiter gehen würde?
Das wusste wohl nur Temora.
[#Round and round and round it goes. And where it stops nobody knows#]
- Torjan Eichental
- Beiträge: 978
- Registriert: Freitag 28. Dezember 2007, 03:30
Der alte Zausel fiel todmüde in das Bett im Feldlazarett. Wie sehr sehnte er sich doch nach seinem Lehnstuhl! Die ungewohnte Position seines Körpers in waagrechter Lage ließ ihn nicht einschlafen und viele Gedanken gingen ihm nach dem heutigen Tag durch den Kopf.
Sie sollten eine Palisade mit Wehrgang mit irgendwas Uförmigen errichten.
Zuerst waren da noch zwei Wachen des Regiments, die nach Norden blickten und sie absichern sollten. Der Waffenstillstand war vorbei zu jener Stund.
Zuerst ging der eine, dann der andere.
Ungeschützt und unbewacht arbeiteten dort die "sogenannten Zivilisten".
Am liebsten hätte er jetzt noch neben das Bett gekotzt, als er daran dachte, wie er am Vortag als ein solcher bezeichnet wurde.
Er, der in der Schlacht viele am Leben gehalten hatte durch seinen Beistand. Eben auf seine ihm eigene Art. Und erfolgreich. Er war wirklich stolz auf sich selbst, was er da geleistet hatte und was wohl kaum ein Adeliger mitbekommen hatte.
Aber dann als "Zivilist" bezeichnet zu werden? Für ihn bedeutet der Begriff etwas absolut anderes.
Wie sagte das Grünhaarmäderl als sie sich abrackerten an der Baustelle? Irgendwie so: "Soldatenameisen rekrutieren Sklavenameisen." Genau wie eine solche fühlte er sich und wohl auch vielleicht andere der sogenannten "Zivilisten", die sich dort abrackerten. Man ließ Heiler, Schülermäderl des Hospitals (wobei eine ein permanent geschädigtes Bein hat und kaum ohne Gehstock auskam) und andere, die keine Ahnung hatten vom Palisaden errichten, diese dennoch errichten - unter Aufsicht einer Soldatenameise. Man ließ sie schwere Stämme schleppen, in den Graben einsetzen, ausrichten und festschnüren.
Und das alles ohne Bewachung. Der Feind hätte jederzeit zuschlagen können. Trotzdem setzten sie ihre Arbeit fort, sich der Gefahr bewusst.
Als wohl alle schon nicht mehr konnten, übermüdet waren und die letzten Handgriffe vollendeten, trat der Adel hinzu. Dieser begutachtete, aufgereiht wie in einer Perlenkette am Rande der Baustelle, was "die Zivilisten" da vollbracht hatten und man sprach Lob aus. Dieses Lob ging dem alten Zausel am Arsch vorbei. Abrackern durften sie sich für Kron und Ehr. Aber mitreden oder was erfahren, über Pläne oder sonst was ... dazu waren sie zu minder.
Torjan fragte sich an dieser Baustelle: Wo waren die Regimentler, die sie dort bewachen sollten? Wo waren fachkundige Handwerker, die wohl weitaus besser mit der Materie umgehen hätten können, als Heiler?
Was ihm auch noch aufgefallen war: Lucien kam dazu. Sah einige Zeit zu, was sie taten. Blieb einfach stehen und sah zu. Irgendwann ging er.
Warum? - fragte er sich immer wieder.
Seit er diesen blauen Flugzettel gelesen hatte, gab er in einigen Punkten der blauen Faust durchaus Recht. Der heutige Tag hatte es doch bewiesen. Unbewacht und ungeschützt arbeiteten die Sklavenameisen an der Verteidigungsanlage. Dem Feind direkt angeboten, als Schlachtvieh.
Er dankte dem Sternenvoda, dass jene keinen Angriff vor hatten an jenem Abend. Es wäre wohl sein und der anderen sicherer Tod gewesen.
Sie sollten eine Palisade mit Wehrgang mit irgendwas Uförmigen errichten.
Zuerst waren da noch zwei Wachen des Regiments, die nach Norden blickten und sie absichern sollten. Der Waffenstillstand war vorbei zu jener Stund.
Zuerst ging der eine, dann der andere.
Ungeschützt und unbewacht arbeiteten dort die "sogenannten Zivilisten".
Am liebsten hätte er jetzt noch neben das Bett gekotzt, als er daran dachte, wie er am Vortag als ein solcher bezeichnet wurde.
Er, der in der Schlacht viele am Leben gehalten hatte durch seinen Beistand. Eben auf seine ihm eigene Art. Und erfolgreich. Er war wirklich stolz auf sich selbst, was er da geleistet hatte und was wohl kaum ein Adeliger mitbekommen hatte.
Aber dann als "Zivilist" bezeichnet zu werden? Für ihn bedeutet der Begriff etwas absolut anderes.
Wie sagte das Grünhaarmäderl als sie sich abrackerten an der Baustelle? Irgendwie so: "Soldatenameisen rekrutieren Sklavenameisen." Genau wie eine solche fühlte er sich und wohl auch vielleicht andere der sogenannten "Zivilisten", die sich dort abrackerten. Man ließ Heiler, Schülermäderl des Hospitals (wobei eine ein permanent geschädigtes Bein hat und kaum ohne Gehstock auskam) und andere, die keine Ahnung hatten vom Palisaden errichten, diese dennoch errichten - unter Aufsicht einer Soldatenameise. Man ließ sie schwere Stämme schleppen, in den Graben einsetzen, ausrichten und festschnüren.
Und das alles ohne Bewachung. Der Feind hätte jederzeit zuschlagen können. Trotzdem setzten sie ihre Arbeit fort, sich der Gefahr bewusst.
Als wohl alle schon nicht mehr konnten, übermüdet waren und die letzten Handgriffe vollendeten, trat der Adel hinzu. Dieser begutachtete, aufgereiht wie in einer Perlenkette am Rande der Baustelle, was "die Zivilisten" da vollbracht hatten und man sprach Lob aus. Dieses Lob ging dem alten Zausel am Arsch vorbei. Abrackern durften sie sich für Kron und Ehr. Aber mitreden oder was erfahren, über Pläne oder sonst was ... dazu waren sie zu minder.
Torjan fragte sich an dieser Baustelle: Wo waren die Regimentler, die sie dort bewachen sollten? Wo waren fachkundige Handwerker, die wohl weitaus besser mit der Materie umgehen hätten können, als Heiler?
Was ihm auch noch aufgefallen war: Lucien kam dazu. Sah einige Zeit zu, was sie taten. Blieb einfach stehen und sah zu. Irgendwann ging er.
Warum? - fragte er sich immer wieder.
Seit er diesen blauen Flugzettel gelesen hatte, gab er in einigen Punkten der blauen Faust durchaus Recht. Der heutige Tag hatte es doch bewiesen. Unbewacht und ungeschützt arbeiteten die Sklavenameisen an der Verteidigungsanlage. Dem Feind direkt angeboten, als Schlachtvieh.
Er dankte dem Sternenvoda, dass jene keinen Angriff vor hatten an jenem Abend. Es wäre wohl sein und der anderen sicherer Tod gewesen.
-
Lucien de Mareaux
„Ihr seid einer der wenigen im Lager, bei denen ich weiß, dass sie nichts beschönigen, dabei aber gleichzeitig genug im Kopf habt, dass dabei etwas herumkommt.“
Als ich im Lager am Abend ankam, waren die, die da waren damit befasst weitere Befestigungen vorzunehmen. Allerdings war ich offenbar so spät dran, dass ich da kaum noch was hätte anpacken können und da ich nicht zur Mithilfe aufgefordert wurde, beließ ich es für heute auch einfach dabei und gab mich als arbeitsscheues Gesindel.
Ich machte kehrt und wollte ins Lager zurück, wo ich kurz hinter der Brücke direkt in weitere Menschen hineinlief, klärte darüber auf, wer maßgeblich daran beteiligt war, dass die Gefallenen abtransportiert wurden. Ich hatte nur den Gaul, der den Karren zog geführt und nicht die Absicht fremde Lorbeeren einzuheimsen, auch wenn sie noch so bitter schmeckten, dank des ganzen Todes, das wir hinter uns herzogen. Hiernach ließ ich mich mit einem Tee in der Hand zu einem Gespräch bitten.
In der Regel war die Einladung zum buchstäblichen Tee etwas, was mir ein mieses Gefühl vorab bescherte, allerdings war ich mir dieses Mal immerhin keinerlei Schuld bewusst. Also beschloss ich das Ganze absolut in Ruhe auf mich zukommen zu lassen. Noch während wir das Gesprächsplätzchen aufsuchten änderte sich das miese Gefühl in ein doch recht positives Bauchgefühl um. Das übliche Zwicken, dass ich kannte, seit ich bei meinem Vater in die Lehre gegangen war, und das immer dann auftauchte, wenn es einen Satz heiße Ohren gab, war, als wir uns setzten, ganz verschwunden.
Einen kurzen Moment lang fragte ich mich, ob Jeremiah das Zwicken genauso empfand, bevor ich ihm die Ohren lang zog, wenn er mal wieder Mist gebaut hatte.
Es folgte ein sehr langes Gespräch. Allein, dass dafür so viel Zeit eingeräumt wurde, brachte mich im Nachhinein, auf meinem Heimweg, noch zusätzlich zum Nachdenken. Während wir sprachen allerdings, verging die Zeit hinlänglich zügig, dass ich das gar nicht so ganz realisierte. Man musste uns wohl beiden zugutehalten, dass wir uns nicht einmal gegenseitig an die Gurgel gingen. Weder verbaler Natur, noch handgreiflicher Art. Es hätte auch gut ein Bierchen dazu gepasst, wenn das Gespräch nicht einen wachen Verstand gefordert hätte.
Ich erhielt Erklärungen, lieferte selbige im Gegenzug. Sicherlich sagte ich nicht restlos alles, aber ich war mir sicher offen genug zu sein, und dahingehend nichts schuldig zu bleiben. Wir sprachen über die Situation, mein Verhalten, sein Verhalten, dies und das, alles in Bezugnahme auf die derzeitige Zusammenarbeit. Nicht alles, was gesagt wurde, gefiel mir – ich war mir sicher, ihm auch nicht. Tatsächlich bemühte ich mich auch während der Unterhaltung mich nicht auf andere Personen zu fixieren oder explizit über diese zu sprechen, ging es nun um Stärken und Schwächen oder ähnliches. Ich versuchte bei mir zu bleiben, denn mehr als mich wollte und hatte ich ja auch nicht zu bieten in erster Linie. Außerdem gehörte mein Gesprächspartner nicht zu den Menschen, mit dem ich über Menschen sprechen wollte, die mir teuer oder verhasst waren, geschweige denn ihm Einblick in meine Ansichten über diese zu geben, auch wenn ich damit sicherlich auf den ein oder anderen tieferen Blick auf dies und das verzichtete.
Persönliche Ansichten färbten viel zu sehr das eigene Urteilsvermögen. Eine Sache, der ich selber viel zu gerne zum Opfer fiel. Viel, viel zu gerne. Wenn man dann beschlossen hatte, sich einer Sache zu widmen, die zu einer nahezu perfekten Lösung führen sollte, man selbst diese aber nur in Ansätzen herbeiführen konnte, indem man Leute dafür gewann, war es einfach nicht zielführend sich mit persönlichen Ansichten und Befindlichkeiten aufzuhalten.
Wussten wir beide. Amüsant daran war, dass wir uns beide sicherlich gleich schwer damit taten, es für ihn aber mehr ins Gewicht fallen würde, als für mich am Ende der Rechnung. Zumindest war ich am Anfang des Gesprächs noch dieser Ansicht. Am Ende stellte ich fest, dass ich vermutlich mehr erreichen konnte, als ich zunächst angenommen hatte.
Keine Ahnung, wie oft ich wiederholte, dass ich just daran arbeitete mich zu bessern. Das war eben etwas, was als Fakt festgehalten werden konnte: Andere zu ändern ist ein Ding der Unmöglichkeit, das konnte man nur bei sich selbst in Angriff nehmen.
Half es für einen besseren und gepflegteren Umgang miteinander, half es bei der Zusammenarbeit, half es dabei gehört zu werden, sollte es mir im Augenblick mehr als Recht sein. Denn eines wollten wir vermutlich wohl alle: Unsere Heimat als die behalten, die sie war.
Ich glaubte, er hatte am Ende unserer Unterhaltung sehen können, was ich sah. Genauso verhielt es sich auch umgekehrt, teilweise. Es wäre naiv anzunehmen, dass nach einem Gespräch ein vollständiges Verständnis für die Ansichten des anderen da wäre, aber es fühlte sich nach einem guten Anfang an.
Die Aussage, er hätte keine Zeit sich für mich einzusetzen, nahm ich auch mit. Zweifelsfrei hatte er aber noch Zeit, sich für sie einzusetzen. Nun ja, das war zu erwarten gewesen, nach allem, was ich wusste. Nur war das ein „Spaß“, den ich nicht teilte. Es gab Dinge, die waren nicht witzig, auch nicht wenn sie von Soldaten kamen. Nicht für mich. Und ich war nach wie vor nicht bereit es zu vergeben, oder gar sogar zu vergessen. Allerdings behielt ich das für mich, lächelte nur und nickte.
Sie war ja nicht einmal die erste auf dieser Liste, sie reihte sich hinter jemand anderen ein, und auch da ahnte es niemand, dass ich nicht vergeben und vergessen hatte. Vermutlich nicht einmal diese Person selber. Was nichts machte, denn Gelegenheiten ergaben sich irgendwann, und ich konnte warten. Wenn sie beide Glück hatten, wartete ich bis zu meinem Ableben vergebens. Sehr viel Glück.
Was war ich nur für ein rachsüchtiger Mann, manchmal.
Nun ja, und dann sollte ich an dem Abend, nach diesem eigentlich hervorragenden Gespräch, das mich mit einem aufgeräumten Gefühl entließ, noch feststellen, dass es jemanden gab, der meine
Impertinenz mit seiner noch um Längen übertraf. Was für ein giftiger, verzogener, blasierter Charakter sich da zeigte, respektlosester Art. Solcher Art, die die Bevölkerung wieder wissen ließen, wann und wo man das Regiment lieber meiden wollte. Kein gutes Aushängeschild. Nun ja, er war nicht der erste dieser Gattung, er würde nicht der letzte sein. Mal sehen wie lang er überhaupt sein würde, unser Kläffer.
Ich jedenfalls beschloss mir die Nacht nicht von diesem wütenden Gebell verderben zu lassen und trat den Rückzug an – ja, ich musste zugeben, ich konnte die Klappe nicht ganz halten. Ich arbeitete dran, an der Besserung. Der Rückfall ärgerte mich.
Als ich im Lager am Abend ankam, waren die, die da waren damit befasst weitere Befestigungen vorzunehmen. Allerdings war ich offenbar so spät dran, dass ich da kaum noch was hätte anpacken können und da ich nicht zur Mithilfe aufgefordert wurde, beließ ich es für heute auch einfach dabei und gab mich als arbeitsscheues Gesindel.
Ich machte kehrt und wollte ins Lager zurück, wo ich kurz hinter der Brücke direkt in weitere Menschen hineinlief, klärte darüber auf, wer maßgeblich daran beteiligt war, dass die Gefallenen abtransportiert wurden. Ich hatte nur den Gaul, der den Karren zog geführt und nicht die Absicht fremde Lorbeeren einzuheimsen, auch wenn sie noch so bitter schmeckten, dank des ganzen Todes, das wir hinter uns herzogen. Hiernach ließ ich mich mit einem Tee in der Hand zu einem Gespräch bitten.
In der Regel war die Einladung zum buchstäblichen Tee etwas, was mir ein mieses Gefühl vorab bescherte, allerdings war ich mir dieses Mal immerhin keinerlei Schuld bewusst. Also beschloss ich das Ganze absolut in Ruhe auf mich zukommen zu lassen. Noch während wir das Gesprächsplätzchen aufsuchten änderte sich das miese Gefühl in ein doch recht positives Bauchgefühl um. Das übliche Zwicken, dass ich kannte, seit ich bei meinem Vater in die Lehre gegangen war, und das immer dann auftauchte, wenn es einen Satz heiße Ohren gab, war, als wir uns setzten, ganz verschwunden.
Einen kurzen Moment lang fragte ich mich, ob Jeremiah das Zwicken genauso empfand, bevor ich ihm die Ohren lang zog, wenn er mal wieder Mist gebaut hatte.
Es folgte ein sehr langes Gespräch. Allein, dass dafür so viel Zeit eingeräumt wurde, brachte mich im Nachhinein, auf meinem Heimweg, noch zusätzlich zum Nachdenken. Während wir sprachen allerdings, verging die Zeit hinlänglich zügig, dass ich das gar nicht so ganz realisierte. Man musste uns wohl beiden zugutehalten, dass wir uns nicht einmal gegenseitig an die Gurgel gingen. Weder verbaler Natur, noch handgreiflicher Art. Es hätte auch gut ein Bierchen dazu gepasst, wenn das Gespräch nicht einen wachen Verstand gefordert hätte.
Ich erhielt Erklärungen, lieferte selbige im Gegenzug. Sicherlich sagte ich nicht restlos alles, aber ich war mir sicher offen genug zu sein, und dahingehend nichts schuldig zu bleiben. Wir sprachen über die Situation, mein Verhalten, sein Verhalten, dies und das, alles in Bezugnahme auf die derzeitige Zusammenarbeit. Nicht alles, was gesagt wurde, gefiel mir – ich war mir sicher, ihm auch nicht. Tatsächlich bemühte ich mich auch während der Unterhaltung mich nicht auf andere Personen zu fixieren oder explizit über diese zu sprechen, ging es nun um Stärken und Schwächen oder ähnliches. Ich versuchte bei mir zu bleiben, denn mehr als mich wollte und hatte ich ja auch nicht zu bieten in erster Linie. Außerdem gehörte mein Gesprächspartner nicht zu den Menschen, mit dem ich über Menschen sprechen wollte, die mir teuer oder verhasst waren, geschweige denn ihm Einblick in meine Ansichten über diese zu geben, auch wenn ich damit sicherlich auf den ein oder anderen tieferen Blick auf dies und das verzichtete.
Persönliche Ansichten färbten viel zu sehr das eigene Urteilsvermögen. Eine Sache, der ich selber viel zu gerne zum Opfer fiel. Viel, viel zu gerne. Wenn man dann beschlossen hatte, sich einer Sache zu widmen, die zu einer nahezu perfekten Lösung führen sollte, man selbst diese aber nur in Ansätzen herbeiführen konnte, indem man Leute dafür gewann, war es einfach nicht zielführend sich mit persönlichen Ansichten und Befindlichkeiten aufzuhalten.
Wussten wir beide. Amüsant daran war, dass wir uns beide sicherlich gleich schwer damit taten, es für ihn aber mehr ins Gewicht fallen würde, als für mich am Ende der Rechnung. Zumindest war ich am Anfang des Gesprächs noch dieser Ansicht. Am Ende stellte ich fest, dass ich vermutlich mehr erreichen konnte, als ich zunächst angenommen hatte.
Keine Ahnung, wie oft ich wiederholte, dass ich just daran arbeitete mich zu bessern. Das war eben etwas, was als Fakt festgehalten werden konnte: Andere zu ändern ist ein Ding der Unmöglichkeit, das konnte man nur bei sich selbst in Angriff nehmen.
Half es für einen besseren und gepflegteren Umgang miteinander, half es bei der Zusammenarbeit, half es dabei gehört zu werden, sollte es mir im Augenblick mehr als Recht sein. Denn eines wollten wir vermutlich wohl alle: Unsere Heimat als die behalten, die sie war.
Ich glaubte, er hatte am Ende unserer Unterhaltung sehen können, was ich sah. Genauso verhielt es sich auch umgekehrt, teilweise. Es wäre naiv anzunehmen, dass nach einem Gespräch ein vollständiges Verständnis für die Ansichten des anderen da wäre, aber es fühlte sich nach einem guten Anfang an.
Die Aussage, er hätte keine Zeit sich für mich einzusetzen, nahm ich auch mit. Zweifelsfrei hatte er aber noch Zeit, sich für sie einzusetzen. Nun ja, das war zu erwarten gewesen, nach allem, was ich wusste. Nur war das ein „Spaß“, den ich nicht teilte. Es gab Dinge, die waren nicht witzig, auch nicht wenn sie von Soldaten kamen. Nicht für mich. Und ich war nach wie vor nicht bereit es zu vergeben, oder gar sogar zu vergessen. Allerdings behielt ich das für mich, lächelte nur und nickte.
Sie war ja nicht einmal die erste auf dieser Liste, sie reihte sich hinter jemand anderen ein, und auch da ahnte es niemand, dass ich nicht vergeben und vergessen hatte. Vermutlich nicht einmal diese Person selber. Was nichts machte, denn Gelegenheiten ergaben sich irgendwann, und ich konnte warten. Wenn sie beide Glück hatten, wartete ich bis zu meinem Ableben vergebens. Sehr viel Glück.
Was war ich nur für ein rachsüchtiger Mann, manchmal.
Nun ja, und dann sollte ich an dem Abend, nach diesem eigentlich hervorragenden Gespräch, das mich mit einem aufgeräumten Gefühl entließ, noch feststellen, dass es jemanden gab, der meine
Impertinenz mit seiner noch um Längen übertraf. Was für ein giftiger, verzogener, blasierter Charakter sich da zeigte, respektlosester Art. Solcher Art, die die Bevölkerung wieder wissen ließen, wann und wo man das Regiment lieber meiden wollte. Kein gutes Aushängeschild. Nun ja, er war nicht der erste dieser Gattung, er würde nicht der letzte sein. Mal sehen wie lang er überhaupt sein würde, unser Kläffer.
Ich jedenfalls beschloss mir die Nacht nicht von diesem wütenden Gebell verderben zu lassen und trat den Rückzug an – ja, ich musste zugeben, ich konnte die Klappe nicht ganz halten. Ich arbeitete dran, an der Besserung. Der Rückfall ärgerte mich.