Ihre Schritte stets bedacht, gehörte sie hier her. Hier in die Wälder und Wiesen. Liv war geboren wurden um hier zu sein, dessen war sie sich sicher. Tagelang ging sie hinaus in die Wälder, tauchte ein in die Natur. Kehrte sie zurück, war ihr weißblondes Haar meist braun, die Kleider verkrustet vor Dreck. Doch sie kehrte zurück, jedes Mal. Denn auch hier gehörte sie hin: In die kleine Siedlung aus Holzhäusern. Auch wenn ihr Clan noch immer eine Randerscheinung war. Sie fügten sich ein. Irgendwie. Ein Zeichen dafür, dass sie für den Weg den sie ging geschaffen war, war für sie ihre geringere Größe. Wo andere Weiber sie früh schon überschritten mit ihrer Größe, holte sie diesen Vorsprung nur gering auf. Sie war kleiner als die meisten Claner von ihrem Clan. Doch es war ideal für sie, kein Strauch war ihr zu klein um darunter zu kriechen. Kein Felsvorsprung zu eng. Geboren zur Jägerin. So begleitete sie seit Klein auf auch ein Rudel Wölfe. Vor ein paar Wochen gelang es ihr endlich einen Platz zu finden. Sie akzeptierten sie und nahmen sie mit zur Jagd. Doch das Alphatier zeigte ihr ebenso häufig wo ihr Platz war. Ihre Familiengeschichte ist ebenso langweilig wie alltäglich: Eine Mutter die als Weib das Haus hütete. Ein Vater der als Schwert im Clan angesehen war, wie es ein Tryant nun einmal war. Eine jüngere Schwester die sich an der Nadel versuchte und Fell gerbte, welches Liv nach Hause brachte. Nichts Besonderes. Auch die großen Dramen im Dorf blieben aus. Sie waren ein Dorf am Meer, wie so viele Siedlungen ihres Volkes. Abends wurde im Langhaus oder am Feuer den Ahnen gedankt und getrunken. Nun ja, die Dramen blieben fast aus: Bis Liv 23 Sommer alt war. Da geschah, zumindest für sie das größte Drama ihres Lebens:
Es war ein gewöhnlicher Sommertag. Die Natur blühte auf in der Jahreszeit. Liv stopfte ihre weißblonden Haare unter ihre Wolfsmaske, damit sie im Grün der Natur nicht auffiel. Sie pirschte von zu Hause los und es dauerte nicht lang, bis sie zu ihrem Rudel kam. Sie spielte mit den Jungen während die erwachsenen Tiere faulenzten. Bis ein Ruck durch die Tiere ging. Das Alpha streckte die schon grau gewordene Nase gen Himmel. Anspannung. Sie fühlte es. Die Jungen zogen sich zurück in den Bau. Sie und ihr Rudel zogen los, sie konnte schlechter mithalten – doch sie schaffte es. Jeder Stock und Stein in ihrem Gebiet war ihr Bekannt. Dann machten sie plötzlich Halt. Ihr Rudel knurrte. Sie griff an ihren Bogen und hielt Ausschau. Schneller als sie schauen konnte, sprang das erste Tier aus dem Gebüsch: Ein fremdes Rudel hatte sich in ihr Gebiet gewagt. Ein Kampf entbrannte. Sie schoss und traf eines der fremden Tiere, dieses stürzte sich jedoch noch auf sie. Mit dem rechten Arm versuchte sie das Gebiss von sich fern zu halten, während sie mit dem linken den Pfeil von sich im Leib des Tieres ergriff – herauszog und erneut zustach. Der Wolf jaulte auf und sank über ihr zusammen. Sie warf es von sich hinab und sah gerade wie das Alpha von zwei Wölfen gebissen zu Boden ging. Sein Weibchen lag schon tot auf dem Boden. Die anderen Tiere zogen den Schwanz ein und machten sich klein. Teilweise warfen sie sich auf den Boden. Entsetzt sah Liv sich um, das feindliche Rudel umzingelte nun sie.. sie musste sich beugen, fliehen oder kämpfen. Für kämpfen waren es zu viele, für beugen war sie zu stolz auf ihr Rudel.. also: Fliehen.
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Sie hörte den Atem in ihrem Nacken. Spürte den Wind in den Bäumen. Fühlte die Erde unter ihren Füßen, als sie darüber hinweg lief. Ein Ast wurde gegriffen, sie schwang sich darauf und schoss direkt einen Pfeil nach unten gen einen der feindlichen Verfolger. Sie verfehlte, doch er gelang dadurch eine Sache: Sie ließen von ihr ab. Auch als die Luft schon rein war, und das Rudle verschwunden, blieb sie auf dem Ast sitzen. Die Jungen. Sie würden sie töten, da sie vom Alpha stammten. Selbst wenn sie jetzt los laufen würde, würde sie wohl zu spät kommen. Und was wenn nicht? War es nicht der Lauf der Natur? Sie schloss die Augen und spürte wie Tränen sich durch das dreckige Gesicht ihren salzigen Weg bahnten. Ihr Rudel war fort.
Wieder hörte sie den Atem in ihren Nacken. Spürte den Wind in der Baumkrone über sich. Fühlte die Erde im Ast auf dem sie saß. Doch der Wind spielte nun eine Melodie, eine Melodie der Sehnsucht. Der Baum fühlte sich an wie die Umarmung einer Mutter. Dessen Baumkrone ihr eine beruhigende Melodie sang: Fange neu an. Dein Rudel ist nicht hier. Suche dir einen Weg. – Liv kannte die Geschichten von der Dame im Wind, sie zweifelte keine Sekunde daran, dass es sie war. Die sie nun tröstete, sie rief. So stieg sie am Abend vom Baum hinab und teilte zu Hause ihrer Familie die Entscheidung mit.
Ihr Vater Jorne gab ihr direkt seinen Segen für die Reise. Der Mutter Malin, war der Schmerz anzusehen. Doch auch hier überwiegte einen Tag darauf der Stolz, dass die Dame im Wind wohl ihre Tochter rief. Ihre Familie begleitete sie zum Ableger. Ihr Vater gab ihr eine Kette aus dem Holz einer alten Eiche, geschnitzt zu einem Blatt. „Damit du stets um deinen Baum weißt, dessen Blatt zu bist. Auch wenn der Wind dich nun fortträgt, der Baum wird immer sein.“ Da kämpfte sie mit den Tränen, blieb jedoch standhaft und umschloss das Blatt fest. Die Überfahrt war ungewohnt für sie, die ersten Wochen kämpfte sie mit Übelkeit, gerade als sie sich daran gewohnt hatte erreichten sie Sturmouve. Ein neuer Geruch. Ein neues Rudel? So stieg sie voller Vorfreude von dem Schiff hinab, an welches sie sich bis zum Schluss kaum gewöhnen konnte.
Wenige Wochen später..
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Und so kamen die Tage in das Land. Der Wald war ungewohnt. Jedoch gewohnter als das ansässige Rudel. Ihr Gesicht wurde die ersten Tage bis zum lilanen verprügelt. Sie kannte die Sitte, immerhin war sie eine Strumheulerin. Doch das die Weiber zuschlugen, dass war ihr neu. Sie kannte Umarmungen, ein Schulterstoß oder ein Knuffen: Immerhin hielten die Weiber zusammen gegen die Kerle. Sie nahm jedoch jeden Schlag an. Zeigte sich Stolz und Ehrvoll nach jedem Hieb. Die Anfänge waren immerhin immer hart. Und offenbar vertrat der Clan hier andere Werte als bei ihr zu Hause. Eine Ungewöhnung stand an.
Die Stille umgab sie und sie gestand sich endlich ein, nach über vier Tagen im Wald, die Flucht ergriffen zu haben. Irgendwie war es ihr zu viel geworden. Kaum einer kannte Sie, aber alle hatten sie ihre Meinung. Zumindest wirkte es für sie so, bei den erstarrten Gliedern und den schweigsamen Gesichtern. Doch nun keimte das Lächeln auf. Ein Lächeln das Eylif in ihren Zügen trug, als sie ihr ein Törtchen vor die Nase schob. Tjuva klaute es ihr mit einem gierigen Blick und bläkte ihr frech die Zunge raus. Ein warmes Gefühl umgab ihr Herz. Irgendwie sehnte sie sich nach den Beiden. Ihrem palaver, ihren Sorgen, ihrem Gekeife und ihrem Witz.. ihre Nähe. Und dann erinnerte sie sich an den blonden Bart, die blonden Zöpfchen und das fröhliche Lachen. Seine Stimme wie er sang und seine warmherzigkeit als er ihr das erste Mal auf die Schulter klopfte: Wie einer Sisstr und nicht einem Gast. Einarr. Wieso hielt sie sich nicht an ihnen fest? Wieso suchte sie nicht zumindest dort den Anfang ihres beschwerlichen Weges. Und so... kehrte sie aus der Wildnis wieder um am Thyrenhof einzukehren. Eylif war gewiss da.. und vielleicht klaute Tjuva gerade das nächste Törtchen vom Teller. Bei dem Gedanken grinsen sie auf und schob quietschend das Törchen zum Hof auf..