Im Namen der Faust [Lichtenthal - Quest]

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Vanea Stojka
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Beitrag von Vanea Stojka »

Am Morgen blickt sie erstaunt in ihren Briefkasten und nimmt einige Blätter heraus. Nachdenklich überfliegt sie die ersten Zeilen und beginnt dann gebannt zu lesen während sie zurück ins Haus geht.
Oben in der Stube angekommen ließt sie das Schreiben mehrmals und legt es schließlich mit gerunzelter Stirn weg. Auch einige Zeit spätet, als ihre Schwester hinzukommt, starrt sie noch nachdenklich aus dem Fenster zum Berg. Als Vanda sie sanft an der Schulter rüttelt zeigt sie ihr das Schreiben und wartet, bis auch sie es gelesen hat.
Lucien de Mareaux

Beitrag von Lucien de Mareaux »

„Wir sehen uns bald wieder. Dort wird alles gut, du wirst sehen.“

Ich bekam die Nacht kein Auge zu. Die Ereignisse in Ärenaue hatten sich überschlagen und das an einem Tag, an dem keiner von den unseren dabei gewesen war. Wir hatten davon per Bericht erfahren – und dem fehlten vermutlich die grundlegenden Details über das Eigentliche hinaus, die ein klareres Bild von allem machten. Ärgerlich, aber nicht zu ändern. Vielleicht sollte ich darüber noch einmal mit Holzwurm in Ruhe unter vier Augen sprechen. Der wusste sicher besser Bescheid. Am gestrigen Abend war dazu einfach keine Zeit gewesen, da ich dem Verhör des Inhaftierten auf Wunsch von Ernst beiwohnte, sehr zum Verdruss von Frau Oberst. Sie hätte den Ritter bevorzugt. Im Stillen ging ich davon aus, sie hätte lieber gar keinen von uns dort gesehen, ließ die kleine mir entgegen gebrachte Spitze aber einfach an mir abperlen und überging sie einfach mit der Kundgabe, der Sir wäre verhindert.

Der Wachtmeister der Faust hielt sich recht tapfer, wie ich fand, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass seine Frau am Vorabend ums Leben gekommen war und er davon Kenntnis hatte. Seine mangelnde Bereitschaft sich mit dem Baron und seiner Frau über die Ziele der Faust zu unterhalten, überraschten mich nicht, und das aus mehreren Gründen. Zum einen hatte Alfred schon nicht darüber sprechen wollen und hielt es brav unter Verschluss. Geschickt wurde das Gespräch auf persönliche Befindlichkeiten gelenkt, wobei auch diese sicherlich einen Kern in sich hatten, die das widerspiegelten, worum es hier ging. Es gab die eine oder andere Äußerung, die ich zwischendrin fallen ließ, die ihm offenbar nicht ganz so gut gefiel. Dabei ging es mir weniger darum, dass Antworten gefunden wurden, sondern vielmehr wollte ich die Reaktion sehen – und zwar nicht die von Gilles. Sie blieb aus, umfassend, ich wurde getrost ignoriert.

Was sollte ich sagen? Meine Sympathie wuchs. Vielleicht, weil er so vieles hatte, was ich von mir selbst nur im gewissen Rahmen kannte, aber jeder Mensch für sich genommen sicherlich hoffte zu sein. Und er war all das auf den ersten Blick.
Mir gefielen die unverbrüchliche Loyalität, die Treue und die Standhaftigkeit des Mannes. Sein Verhalten war durch und durch respektvoll, ordentlich und ohne Anmaßung. Er wirkte aufrichtig und ehrlich, und aus verständlichem Grund darüber hinaus voller Trauer. Seine Wut wusste er ganz gut zu unterdrücken, dafür die des Barons umso besser zu schüren.
Während seine Frau es mit Sanftheit versuchte, auf eine Art und Weise, die ich ihr nicht abkaufen konnte – Gilles offenbar auch nicht – wollte der Baron offenbar mit dem Kopf durch die Wand. Und beide stellten die falschen Fragen, meiner Meinung nach, aber meine Meinung zählte hier wenig und war ohnedies nicht von Interesse. Das machte mir nichts. Ich wusste, wem sie etwas wert war.

Irgendwann brach sich die Wut doch Bahn bei Gilles, allerdings wohl mehr aus Verzweiflung, Trauer und den Gefühlen, die mit einem solchen Verlust einhergingen, denn ich war mir sehr sicher, er hatte seine Frau geliebt. Keine Ahnung, wie es mir an seiner Steller ginge, wenn dies Majalin passiere. Vermutlich war ich ab dem Moment nichts weiter mehr als eine leere Hülle. Ich war dem einmal sehr nahe gewesen, wenn auch auf eine andere Art und Weise. Das hatte mich damals schon fast umgebracht. Von daher konnte ich gut nachempfinden, wie er sich fühlen musste.
Seine Wut äußerte sich aber nach wie vor nicht in Beleidigung, sondern in ganz klarer Verweigerung das Gespräch fortzusetzen. Dass der Baron ihm daraufhin seine Anklage wegen Hochverrats ankündigte, änderte nichts daran. Auch das war nicht weiter verwunderlich, denn der Mann wusste sehr genau, was ihn erwartete, schon seit er inhaftiert worden war. Seinen Sohn wusste er offenbar in vager Sicherheit, seine Frau war tot, so dass er sich dem Urteil schlicht und ergreifend schon unterworfen hatte als er festgenommen wurde. Unnötig im Grunde dies noch einmal mit Worten zu unterstreichen.

Fasziniert war ich in dem Moment eher über mich selbst. Der Bauch schrie „Ungerechtigkeit“, obwohl der Verstand klar zu bedenken gab, dass der Mann in der Zelle tatsächlich Hochverrat betrieben hatte, zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick musste man sich seine Worte ganz genau anhören. Er war davon überzeugt alles nach besten Wissen und Gewissen getan zu haben, ohne eidbrüchig geworden zu sein, oder den König verraten zu haben. Nicht, dass er exakt diese Worte gewählt hatte, aber das war es, was ich zumindest zwischen den Zeilen heraus las. Von Alfred wusste ich, es ging nicht um den Großherzog. Wer also…

Wenn ich es rein aus Lichtenthals Warte sah, dann mochte es dem Kanzler ganz gut gefallen alle Strippen gerade in den Händen zu halten. Vielleicht war das aber zu kurzsichtig. Letztlich aber war Gregor hier, seine Mutter ebenso, der Kanzler, aber nicht der König, nicht Nharam. Der unmittelbare Einfluss auf Gregor konnte also demnach nur von den beiden kommen – nun ja, oder der Komtess, wenn sie noch da war, dieses so einfältig wirkende Geschöpf, das es meiner Meinung nach ziemlich dicke hinter den Ohren sitzen hatte. War sonst noch wer möglich?
Wobei die Frage blieb, ob es wirklich um das Unmittelbare vor der Nase liegende ging, oder doch um entferntere Puppenspieler. Der Junge war leider keiner der gewöhnlichen Buben in seinem Alter. Ihn zu fragen würde also vermutlich nicht die Antwort hervorrufen, die man sich wünschen würde. Wie auch immer es sich wirklich verhielt, ich würde es vermutlich nicht herausfinden.

Irgendwer hatte mal behauptet, ich hätte doch sicher eine Ausbildung aus Advokat gemacht. Warum ich ausgerechnet in diesem Moment dran denken musste, wusste ich nicht, aber es ließ mich trotz allem kurzzeitig immerhin lächeln, wenn auch etwas bitter, denn mir war klar, selbst mit dieser Ausbildung war der Mann nicht mehr zu retten.
Der Schurke in mir schrie, ihn aus dem Loch herauszuholen, der Heiler schüttelte nur den Kopf über diese Einfältigkeit, der Mensch tat das, was er tun konnte. Als sowohl der Baron, als auch die Oberst gegangen waren, bat ich Nyome um einen Moment unter vier Augen mit dem Wachtmeister. Den hatte Frau Oberst mir ja sogar gewähren wollen, aber nicht durchsetzen können, weil der Baron sich so in Fahrt geredet hatte. Nun kam die Gelegenheit und ich nutzte sie, trat an die Zelle heran, näher als die Vorschriften es eigentlich erlaubten, aber wer außer Nyome sah das schon. Sie selbst hatte sich mit einigem Abstand zur Zelle an den Tisch gesetzt.

Es war sicher nicht viel, was ich tun konnte, musste auch abwägen, ob das was er mir sagte, vollständig weitergegeben wurde von mir, aber ich bot ihm an seine Nachricht an sein Regiment zu überstellen. Das wie war überhaupt kein Problem an sich.
Ich nahm also seine leisen Worte in Empfang und prägte sie mir gut ein. Danach verließ ich den Kerkertrakt mit der Aufgabe seitens der Vogtin mich um die Bestattung der Gefallenen zu bemühen. Dies gälte auch für die tote Ehefrau des Gefangenen, die noch im Hopsital verweilte.
Also machte ich mich auf den Weg dorthin, direkt nach Verlassen des Kastells und holte die Leiche dort ab. Torjan und Balduin waren so nett mir zu helfen, die Tote fachgerecht auf das Pferd zu bringen, eingewickelt in Leichentuch. Wir gaben uns redlichste Mühe den Transport mit allem gebührenden Respekt vonstatten gehen zu lassen. Danach verließ ich das Hospital direkt wieder. Da ich wusste, dass Nyome erwirken wollte, dass Gilles noch von seiner Frau Abschied nehmen konnte, kam mir auf dem Rückweg in Richtung Haupttor, kurz vor dem Kastell der Gedanke, dies kurzerhand möglich zu machen.
Der Einzige, der mich mit dem Leichnam und dem Pferd sah, war der Stallknecht des Regiments. Alle anderen Wachen waren offenbar woanders postiert worden. Ich erklärte mich ihm gar nicht erst, bog nur ab und hielt vor dem Kerkertrakt wieder an, klopfte an die Türe. Die Vogtin öffnete, ich brachte die Tote mit hinein nach einer kurzen Erklärung und gab Gilles damit den Moment des Abschieds, den er meiner Meinung nach verdiente – egal, was auch immer er auf dem Kerbholz hatte. Blieb abzuwarten, ob der Stallknecht mich verpfiff, denn auch den Aufbruch vom Kerker mitsamt Pferd und eingehüllter Leiche verfolgte er mit Interesse. Nun, wenn, dann war es halt so. Die Verantwortung konnte und wollte ich tragen.

Ich brachte den Leichnam in die Klosterheilstube und begann sie für alles Weitere ordentlich herzurichten. Das was sie am Leibe trug, zog ich ihr aus, legte alles zusammen und verschnürte es, danach wusch ich sie, zog ihr ein Leichenhemd an und richtete sie her, so dass es aussah, dass sie friedlich schlief. Ihr Name war Nolicka. Ihr Mann hatte mich gebeten neben ihr bestattet zu werden, wenn das Urteil gesprochen und vollstreckt worden war. Dass es unweigerlich der Tod sein würde, davon gingen wir alle aus.
Unbewusst ging ich so sanft mit ihr um, wie mit einem Säugling, oder einer Schwerkranken. Dieses Ritual hatte etwas beruhigendes aber auch aufwühlendes zugleich und als ich sie hinüber brachte, dorthin, wo die Toten in der Regel bis zur Bestattung aufgebahrt wurden, hatte der Schwermut mich doch mit aller Kraft gepackt.

Ich kehrte heim, die Kleider der Gefallenen im Gepäck, schwermütig und außerstande die Worte, die Gilles mir für seine Leute mitgegeben hatte, direkt schon auf ein Pergament zu bringen. Nach einem kurzen Wortwechsel mit meiner Frau ging ich mich waschen, umkleiden und zu Bett. Ich besuchte nicht einmal mehr unsere Kinder, die zu der Zeit noch friedlich schliefen. Lea meldete sich erst später. Erst da machte ich mich auf den Weg ins Zimmer des Älteren und sah nach dem Rechten, während Majalin sich um die Kleine kümmerte. Und als diese satt war, brachte ich sie nach einem Windelwechsel zu Bett.

Etwas, was ich selten tat, folgte. Ich betete für das Seelenheil anderer, für Leute, die ich im Grunde nicht kannte. Ich hätte es nicht erklären können, aber es fühlte sich richtig an. Genauso betete ich für eine Eingebung, für eine zündende Idee, für … die Lösung, die Rettung, wie auch immer. Allerdings ging ich nicht davon aus, eine Antwort von Ihr zu erhalten. Warum sollte sie auch? Wer war ich schon. Und dennoch, es war mir, als müsste ich es wenigstens unbedingt versuchen.

Wann war aus mir ein derart gläubiger Mensch geworden?

Erst in den frühen Morgenstunden setzte ich mich unten an den Tisch, schrieb die Worte Gilles an seine Leute auf ein Pergament, klemmte es unter das Klamottenbündel der Toten, und bereitete danach eine Rinde vor, wie zuvor schon einmal, dieses Mal nur ein, die ich nahe Schwingenstein an dem möglichen Beobachtungsposten anbrachte mit dem erneuten Verweis auf die Gerechtigkeit und dem Hinweis etwas in einem der Abende des Wochenendes übergeben zu wollen in Angedenken an die gefallenen Kameraden. Noch während ich die Rinde anbrachte, wurde mir eines klar:


Temora, steh mir bei, ich denke auch jetzt noch darüber nach, wie diese Seele zu retten ist. Ich glaube nicht, dass er etwas Unrechtes getan hat.
Zuletzt geändert von Lucien de Mareaux am Donnerstag 4. Mai 2017, 15:28, insgesamt 1-mal geändert.
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Helisande von Alsted
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Beitrag von Helisande von Alsted »


Hetzjagd oder Ansitzjagd - Ein Glücksspiel.Schon bald würde sie vermutlich dem Oberst von Sturmpass gegenüberstehen. Beide gestüzt von loyalen Truppen und im festen Glauben daran das Richtige zu tun. Das leise Gebet wehte der sich erwärmende Morgenwind vom Dach des Kastells auf die Wachmanschaften im Wachwechsel hernieder. Die Jagd würde nun beginnen.

Temora, Herrin wache über uns beide.
Temora wache über unsere Soldaten.
Temora wache über die Gerechtigkeit.
Temora leite mich, dass ich mein Schicksal in Demut erkenne.



In den führen Morgenstunden war der Verstand noch scharf und klar, ebenso scharf und klar die die Frühlingsluft, die noch nicht vom Frost lassen wollte. Ihr Atem kondensierte in der Luft und vereinte sich mit den aromatischen Schwaden aus ihrem Becher. Der Blick, der vorgelagert dem scharfen Verstand lag richtete sich diesmal nicht nach Westen. Er flirrte haltlos und voller Nachdenklichkeit in Richtung Norden.

Die Taverne zur Arenaue war Ziel der Faust gewesen. Diesmal keine Aktion mit purer Demonstration der eigenen Geschicklichkeit und Taktik. Eine leerstehende Taverne war Opfer des Zerstörungwillens geworden und der danebenstehende Bauernhof beinahe ebenso. Dem Alarm waren einige gefolgt, es war diesmal gelungen die Fäuste im Kampf zu stellen. Es war immer schwerlich zu sagen, wenn Rauch, Feuer und Gerüstete im Spiel sind, wer zum ersten Schlag ausholte und wer am Ende mehr bezahlte. Es war schlicht naiv zu glauben, man könne bei so etwas davon ausgehen, dass der Befehl niemanden zu verletzen greifen würde. Jedoch hatte einer der fremden Soldaten seine Waffen gestreckt und sich gefangen nehmen lassen. Angst vor dem Tode? Eher nicht.

Er hatte damit Aufmerksamkeit gebunden und einigen seiner Kameraden die Flucht ermöglicht. Zu seinem Leidwesen allerdings nicht der eigenen Frau. Die Schützin erlag ihren Verletzungen. Wachtmeister Gilles fand sich im Kerker wieder. Der Mann hatte für sich selbst den steinigeren Weg gewählt, denn die Möglichkeit auf der Flucht zu sterben oder den Tod in der Ehre zu suchen war gegeben gewesen. In der Gefangenschaft zeigte er Respekt, Loyalität und einen gewissen Fatalismus, den die Offizierin interessiert betrachtete. So wie sie die gesamte Lage interessiert betrachtete.

Auch wenn es fast niemand für möglich oder achtbar hielt, sie hatte in dieser Angelegenheit keine Vorbehalte gegen die Faust und am wenigsten gegen diesen Soldaten. Ihr Interesse war durchaus ehrlich gewesen und doch für Taktik gehalten worden. Es war wohl an der Zeit mit diesem Ruf zu leben und es einfach nicht mehr zu versuchen. Sir Ernst hatte gefehlt bei dem Verhör des Wachtmeisters. Wächter Lucien war bemüht, umtriebig und hielt sich selbst gern für wichtiger als er war - aber das taten alle. Vor allem aber war der Malzkaffeekocher eine elende Giftsfontäne und sie hätte lieber noch einen Ritter an ihrer Seite gehabt. Dennoch hatte sie versucht dem Mann einige Augenblicke mit dem Wachtmeister zu verschaffen. Doch es gelang ihr nicht. Mit einem feinen Lächeln nippte sie an ihrem Kaffee.

Der Kronritter hatte geredet, belehrt und noch mehr geredet. Viel mehr als der Gefangene an sich, der bei allem gezeigten Respekt recht klar machte, dass er ihnen nichts zu sagen hatte. Die moralische Keule zu schwingen und eine Geschichtsstunde mochte da das eigene Herz beruhigen und die eigene Standhaftigkeit stärken. Nutzbringend war es nicht.
Wachtmeister Gilles war in Trauer und in seinem eigenen Gefängnis aus Loyalität und Überzeugung sicher untergebracht. Er stand für das aufrecht, was er glaubte. Für das auf was er eingeschworen war. Damit hatte er ihren Respekt gewonnen. Zudem war es nicht wahrscheinlich, dass er aufgrund seines Dienstranges tiefere Einblicke in die Ideen und Pläne des Oberst von Sturmpass hatte. Sie neigte ja selbst dazu übergeordnete Dinge wenn überhaupt mit ihrem Korporal zu besprechen und das auch nur, weil sie zur Zeit keinen Oberstleutnant hatte. Es war auch an der Zeit das zu ändern.

Der Rücken lehnte sich bequem an das Katapult an und die Beine überkreuzten sich. Für Wachtmeister Gilles würde sie nichts mehr tun können. Der Kronritter würde berichten und dann würden die bürokrathischen Mühlen anfangen zu mahlen. Doch wenn man irgendwann sie selbst fragen würde, nur sie, nur Helisande, dann wäre ihr Urteil für diesen Mann klar. Gilles war kein Verräter an der Krone. Nur ein Bauer, der auf ein gedecktes Feld gezogen worden war. Im Stillen betete sie darum, dass Temora sich des Mannes annehmen und ihn sicher führen würde, selbst wenn das Recht nicht Gerechtigkeit bringen konnte.

Zweimal Unrecht macht nicht einmal Recht.
Die Faust wollte Gerechtigkeit. Oberst von Sturmpass schwor seine Truppen darauf ein und forderte minimalst invasive Strategien zu erfüllen. Doch selbst in der Annahme, dass ihm - oder seinem Lehnsherren - Unrecht widerfahren war. Selbst in der Annahme, dass es wahrlich einen zutiefst beklagenswerten Umstand gab, was er hier tat war Unrecht.
Es wurde nicht Recht daraus, egal an welchem Ende man zog. Gilles ließ durchblicken, dass Lichtenhal der Faust unterliegen würde. Er war sich sehr sicher, dass sein Oberst der Sieger sein würde. In einem Spiel in dem ein Sieg immer auch die Niederlage der Ordnung bedeuten würde.

Loyalität und Gehorsam waren edle Eigenschaften. Die rosthaarige Oberst krauste die Nase leicht ein und nippte noch einen Schluck vom Kaffe, während die Gedanken weiter zogen. War das etwas, was ihre eigenen Soldaten ihr auch entgegenbrachten? Mit einem tiefen Seufzen gestand sie sich ein, dass es der Fall war. Sie hatten ohne den Gesamtplan zu kennen eine Burg auf Feindesboden erstürmt ohne mit der Wimper zu zucken. Sie waren ihr in Kämpfe gefolgt, die mehr oder minder aussichtslos waren und hatten mit ihr unverzagt vor Schwingenstein im Dreck gelegen. Soldaten erkennen Soldaten.



Daß man nicht uns dabei erwähnen sollte,
Uns wen'ge, uns beglücktes Häuflein Brüder:
Denn welcher heut sein Blut mit mir vergießt,
Der wird mein Bruder; sei er noch so niedrig,
Der heut'ge Tag wird adeln seinen Stand.


St. Crispins-Tag-Rede
Heinrich V. - William Shakespeare
Der Erzähler

Beitrag von Der Erzähler »

Stille
Lediglich leises, hölzernes Knarzen und der leichte Wellengang, der sich am Rumpf des Schiffes seinen Weg suchte, waren an diesem Abend in der Kabine zu hören, in der ein älterer Mann mit aschgrauem Haar über einem Pergament saß. Einen Ellenbogen hatte er auf dem Tisch aufgestützt und strich mit den Fingerspitzen kontinuierlich durch seinen ebenso grauen Bart. Im fahlen Licht der wenigen Kerzen unter Deck überflog er die Zeilen auf dem Pergament vor sich wieder und wieder. Hatte er zunächst noch mit Wut reagiert, war diese mittlerweile gänzlich verflogen und einer beinahe apathischen Reglosigkeit gewichen. Erst, als er sich leise in den mit blauem Stoff bezogenen Stuhl zurücklehnte und tiefer durchatmete, schloss er die Augen.
Ihm war von Beginn an klar gewesen, dass dies kein einfacher Auftrag war. Soldaten lebten mit der Gewissheit, dorthin geschickt zu werden wo der Tod lauerte. Aber das hier war anders. Blut war geflossen, das erste Mal seit ihrer Ankunft. Dem Bericht nach, den der einzige Überlebende des Trupps noch am Abend mit leicht zittriger Schrift verfasst hatte, kam es direkt bei Sichtung nahe der Taverne zu offenen Kampfhandlungen. Die Fingerspitzen strichen über den Bart an seiner Wange bis zum Kinn hin. Es war wohl unvermeidlich gewesen, dass soetwas früher oder später geschah. Er hatte mit Verlusten gerechnet, nicht jedoch damit, dass ein ganzer Trupp nicht mehr nach Hause zurückkehren würde.

"Während ich die lichterloh brennende Taverne über eines der Fenster verließ,
hörte ich hinter mir das Kampfgetümmel. Drei Kameraden lagen bereits womöglich
tot auf dem Boden des Gasthauses. Der Wachtmeister war nicht auffindbar.
Der letzte Befehl den ich von ihm vernahm war jener zum Rückzug. Diesen
wollte man uns seitens der Lichtenthaler Soldaten abschneiden, so dass wir ins
Innere der brennenden Taverne zurückgedrängt wurden und es keinen Ausweg
gab. Von den anderen traf niemand am Treffpunkt ein und ich trat allein den
Rückweg an.
"

Wieder und wieder las er die Zeilen. Für einen kurzen Moment ballte er die Faust. Wünschte sich, sie hätten die Wachmannschaften an den Toren abgeschlachtet, in Stücke gerissen. Er wünschte sich sie hätten die Höfe angezündet, die Bauern erhängt an den Dachbalken zurückgelassen. Krieg schien immer so einfach. Der Feind war das Böse, man selbst das Gute. Es rechtfertige alles. Jede Aussage, jede Tat. Denn es ging im Kampf gegen etwas, das ohne Zweifel vernichtet und ausgelöscht werden musste. Vielleicht aber auch nicht. Nachdem sich seine zusammengepressten Kiefer wieder entspannt hatten, zog er langsam ein leeres Pergament vor sich auf den Tisch. Dieser Kampf war anders. Der "Feind", das waren Männer und Frauen wie sie selbst. Soldaten, die ehrenvoll ihren Befehlen und ihrer Überzeugung folgten. Die womöglich nichts über die Geschehnisse wussten, in die sie hinein gezogen wurden. Der Wunsch nach Rache schwand und was folgte, lag umso schwerer auf seiner Seele. Leise tunkte er die Feder in das Tintenfässchen und beugte sich über das Pergament um mit langsamer Bewegung die ersten Zeilen auf das Blatt zu bringen.

"Mein lieber Alaric,
Deine Eltern dienen tapfer als Soldaten meines Regiments, während wir uns fern
der Heimat befinden. Womöglich wirst du die Zeilen, die ich Dir schreibe, erst in
einigen Jahren verstehen. Der Kampf, den wir führen, bringt Entbehrungen und
Schmerz mit sich. Schmerz, den jeder Vater und jede Mutter einem Kind ersparen
will. Doch manchmal ...
"

Das erste Blut war geflossen. Vieles würde sich jetzt ändern. Während die Feder des Mannes über das Pergament kratzte, hatte er in dieser Stunde lediglich einen Begleiter an seiner Seite. Stille.



Ruhig lag die Gardistin auf der Pritsche im Kloster. Die blassen Lippen hatten die Farbe von getrocknetem Blut angenommen. So oft sie auch gelächelt, in Staunen geöffnet, unter Skepsis verzogen oder geküsst wurden, es war nichts davon geblieben außer jener dunkelroter Schimmer. Die Finger ihrer Hand waren leicht gekrümmt, als würde sie noch immer die Armbrust in Händen halten. Die Nacht war eingebrochen und alle Geräusche waren verstummt. Fast hätte man meinen können sie würde schlafen, wäre nicht das weiße Tuch gewesen, das ihren Körper gänzlich abdeckte und auch das fahle Gesicht verbarg. Viele Narben zeichneten ihren schmalen Körper. Als Gardistin hatte sie mehr als einen Kampf erlebt und selbst davor war das Leben alles andere als leicht gewesen. Doch ihre Narben trug sie stets mit einer Mischung aus Stolz und Trotz mit sich. Es waren die Zeichen des Überlebens. Verdeckt von ihrem schwarzen Haarschopf war die Wunde in ihrem Nacken. Ein Pfeil, der sich mitten in ihr Genick gebohrt hatte und die letzte Narbe werden sollte.
Vergangen war der Kampf. Der Moment, an dem sie nichts weiter schmeckte außer Blut, während sie der Personen vor der Taverne, die um sie herum standen, nur noch halb gewahr werden konnte. Der Schrecken war vorüber und Frieden hatte sich eingestellt. Die einzige Furcht, die sie stets begleitet hatte, war die vor dem allein sein. Doch diese Furcht gab es nicht mehr. Lediglich eines blieb in dieser Nacht bei ihr, begleitete ihren immerwährenden Schlaf. Stille.



Die halbe Nacht über saß der Wachtmeister auf der Pritsche in der Zelle der Kaserne des Lichtenthaler Regiments. Er wollte seine aufrechte Haltung nicht aufgeben. Dienst und Pflicht, was ihm beigebracht wurde und was er gelernt hatte, hinderten ihn daran manch einem die Genugtuung zu geben. Der Hinterkopf war an die Steinwand angelehnt. Nur dann und wann war leises metallisches Rasseln zu hören, während die Wache des Regiments, die vor der Zelle stand, die Haltung wechselte. Frau Oberst von Gipfelsturm hatte angeordnet, ihn mit Würde und Respekt zu behandeln. Im Stillen war er dankbar dafür sich nicht hämischer Begutachtung durch das Lichtenthaler Regiment aussetzen lassen zu müssen. Lediglich der Wind pfiff hier und da durch einige kleine Mauerritzen des Kerkers, während die Nacht sich über die Kaserne gelegt hatte.
In Gedanken spielte er die Geschehnisse des Abends wieder. Hätte er anders reagieren müssen? War es seine Schuld, dass sein Trupp gefallen war?
Noricka...
Er hatte gehofft, der Befehl zum Rückzug wäre früh genug gekommen, um einigen seiner Soldaten einen sicheren Abzug zu gewähren. Im Inneren der Taverne warf er sein Schwert zur Seite und ergab sich den Soldaten, die vor ihm standen in der Hoffnung sie würden mit ihm beschäftigt sein. Seine Brauen zogen sich zusammen. Ihm war klar, dass er seine Befehle nicht immer ohne Blutvergießen abschließen konnte. Und er war bereit dazu. Er hatte den Befehl zum Angriff gegeben. Während seine Gardisten die anrückenden Lichtenthaler beschäftigen sollten, wollte er die Taverne räumen und zur anderen Seite hin abziehen. Doch bevor er sich versehen konnte, wurde die Gruppe der Lichtenthaler größer und größer und die Taverne umstellt. Kurze Erinnerungsfetzen schossen vor seinem inneren Auge nacheinander vorbei. Der Gestank und der Rauch der brennenden Taverne. Die Gardisten, die bereits reglos am Boden lagen, während sie in das Gebäude zurückgedrängt wurden. Das Geräusch berstender Fenster und brechenden Holzes.
Dass sein Trupp ausnahmslos gefallen war, erfuhr er erst in der Zelle. Dass seine Frau unter den Toten war ebenso. Jetzt, wo niemand mehr bei ihm war, verfluchte er sich selbst. Hätte er nur die Zeit zurückdrehen können, um ehrenvoll im Kampf zu sterben wie es seine Kameraden taten. Alles was er sich vorgenommen hatte war fehlgeschlagen. Nun war er sich sicher, lediglich auf seine Hinrichtung zu warten. Womöglich verbunden mit der ein oder anderen Demütigung. Der Zurschaustellung vor dem Volk Lichtenthals.

Seine Lippen bewegten sich, brachten jedoch kein Wort hervor. Temora würde wissen wofür er stand. Wofür Noricka stand. Sein Gebet galt seiner toten Frau, die ihm wie es ihr auch im Leben zueigen gewesen war, vorausgegangen war. Doch es galt auch seinem Sohn, der fern all dessen auf beide wartete. Er hielt sich das Versprechen seines Oberst vor Augen, dass es ihm an nichts fehlen würde. Als alle Gedanken verflogen waren und jegliche Kraft aus seinem Körper gewichen war, ließ Gilles sich zur Seite sinken, um sich auf die Pritsche zu legen.

Krieg war kein Spiel, nichts, dem man mit Freude entgegen blickte. Kein Ort um Ruhm und Ehre zu suchen, denn man erlangte beides nur auf den Rücken der Toten, die das Schlachtfeld nie wieder verlassen würden. Und während die Chroniken gewiss blumige Worte finden würden für das was geschehen war und geschehen sollte, so war das Ende für ihn nichts weiter als Stille.



[img]http://www.fotos-hochladen.net/uploads/stillemyx816nieu.jpg[/img]
Zuletzt geändert von Der Erzähler am Freitag 5. Mai 2017, 14:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Nyome von Meerswacht
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Beitrag von Nyome von Meerswacht »

Leise klackten die Kugeln des Abakus auf ihrem Schreibtisch hin und her, ebenso wie die Gedanken der Vogtin, welche vor sich auf dem steinernen Tisch etliche Bücher und Dokumente ausgebreitet hatte.

Jedes gesprochene Wort der Soldaten, jeder Anhaltspunkt welcher zu finden war und selbst jedes Klischee, alles musste haargenau abgewogen werden. Ein weiterer Blick zum Abakus dessen Kugeln weiter wie von Geisterhand von einer Seite zur anderen klackten, verursachte ein kurzes aber dezentes schmunzeln. Ein Klischee bewahrheitete sich tatsächlich nur all zu oft.

Die Faust war tatsächlich voller Überzeugung in dem was sie tat. Die Korporal der Faust, wirkte zwar eher mechanisch und zu dienstbeflissen um ein ergebnisreiches Gespräch zu führen, dafür schien der Wachtmeister bessere Worte zu finden. Dieser Mann war felsenfest davon überzeugt das Richtige zu tun, so loyal, so diszipliniert und selbstsicher, wie er sich gab, so wünschte sie es sich für sich selbst in einer ähnlichen Situation.

Aber was bedeutet es das Richtige zu tun, ist es richtig wenn Geschwister zu Todfeinden werden und sich letztlich erschlagen oder Menschen in der Hoffnung etwas zu verändern so sehr provozieren bis es zu einem Unglück kommt. Es war Falsch, falsch anzunehmen immer die richtige Entscheidung treffen zu können, doch sollte es stehts das Bestreben eines jeden sein es dennoch zu versuchen.

Der Blick schweifte über die Schulter, in Richtung Thronwalls, wo zur Stunde ein paar Stangen an der Mauer verankert wurden, an welchen wohl bald schon Banner hängen konnten.

Überzeugt zu sein war eine Sache, einem anderem seine eigene Überzeugung vermitteln zu können und jene sogar zu teilen eine andere, vielleicht war es an der Zeit eine weitere, andere Seite des Landes zu zeigen.

Die grazilen Finger ergriffen den Federkiel und ein Stück teuren Pergaments um eine weitere Nachricht aufzusetzen, nur etwas später erfüllte der Duft von heißem Wachs den Raum und ein Bote machte sich auf, um seine Botschaft am Palast abzugeben.
Zuletzt geändert von Nyome von Meerswacht am Freitag 5. Mai 2017, 18:14, insgesamt 2-mal geändert.
Johanna Hohenhain

Beitrag von Johanna Hohenhain »

*Am markanten Plätzen der Kirche Temoras wird folgender Aushang zu finden sein, aber auch an abgelegenen Ortschaften werden diese wohl bewusst verteilt...*

๑۩۞۩๑Demut๑۩۞۩๑

Wir sind die Diener Temoras, ihre Werkzeuge, ihre Kinder.
Sie ist die höchste Macht über uns allen, die größte Gnade, die uns widerfahren kann.
Durch unsere Demut schenkt Temora uns die Kraft unsere Herzen rein vom Gift des Hasses zu halten.
Seid demütig, erkennt euren Platz.

๑۩۞۩๑Ehre๑۩۞۩๑

Es ist die Ehre, die uns über unseren eigenen Vorteil stellt, uns größer sein lässt als die Wahl des einfachen,
begierigen Weges. Es ist die Ehre, die uns festhalten lässt an Werten und Prinzipien,
die höher greifen als Politik und Gesetz. Ehre gewinnt nicht durch einen Sieg, sondern durch Entscheidungen,
die große Anerkennung verdienen.
Brecht nicht mit eurem Glauben und handelt nach ihm, in jeder Situation!

๑۩۞۩๑Geistigkeit๑۩۞۩๑

Erkennt und schaut tief in euch, hinterfragt und forscht. Öffnet euren Verstand, euren
Geist und euer Herz. Löst den Griff um die eigene Wahrheit zu öffnen und die andere zu begreifen.
Seid nicht blind und schaut über euch hinaus.

๑۩۞۩๑Gerechtigkeit๑۩۞۩๑

Gerechtigkeit darf niemals fern von Demut und Mitgefühl liegen.
Denn wir sind unvollkommen, sind nicht göttlicher Richter, sind nicht berufener Henker
und frei von jeder Schuldhaftigkeit. Wir können nur danach streben die Gerechtigkeit zu suchen
und müssen erkennen, dass wir selbst nicht vollkommen sind. So nehmt das euch
gegebene Licht um alle Seiten zu beleuchten, sichtbar zu machen und nichts im Dunkeln stehen zu lassen.

๑۩۞۩๑Mitgefühl๑۩۞۩๑

Verloren ist die Seele, die blind wurde für das menschliche Leid anderer.
Verdorben die Seele, die über Leid anderer spottet.
Einsam ist die Seele, die nur sich selbst kennt.
Öffnet ihr euch im rechten Maß und seid treu auf dem Weg des Mitgefühls und der Barmherzigkeit,
so werdet ihr selbst Gnade erfahren.

๑۩۞۩๑Opferbereichtschaft๑۩۞۩๑

Nichts ist reiner und im Glauben aufgehender als die Bereitschaft des Opfers, gegeben aus vollkommener
Zuversicht und reinen Glaubens. Ehrt die Opfer anderer und wählt eure eigenen weise. Zu verzichten
bedeutet immer etwas aus großzügiger Hand zu geben, etwas zu verlieren immer jemanden zu
beschenken - und am Ende selbst reicher zu sein.
Habt keine Angst auf etwas zu verzichten, wenn es Temora dient.

๑۩۞۩๑Tapferkeit๑۩۞۩๑

Mutig ist es, den anderen aufzufordern, tapfer ist es, die Konsequenz zu ertragen.
Temora legte uns die Tapferkeit an Herz und Seele, damit sie es ist, die unsere Wege leitet.
Nichts ist uns mehr Schild als die Tapferkeit, die Gewissheit von Temoras Gunst, Liebe und Gnade.
Seid tapfer, ihr, die ihr euch fürchtet, damit aus eurer Furcht nie Zorn erwachse.



Diese Erinnerung geht an alle, die im Glauben an Temora leben, gleich welche weltlichen Grenzen dieses Leben einschließen. Eure Seelen sind geboren um Licht zu sein und Licht zu geben. Wer jedoch im Konflikt die Tugenden vergisst, der streckt keinen Gegner nieder, sondern seinen Glaubensbruder und seine eigene Seele. Wer Furcht in die Welt trägt, der sät Hass und ebnet den Boden für Alatar und seine Diener. Wer Feuer und Schwert - empfangend oder gebend - der Gnade vor allen anderen Möglichkeiten vorzieht, der tritt von Temora zurück.
Seid aufgerufen auf sie zu zu gehen, Hass, Furcht, Intrige und Not beiseite zu stellen und euch im Namen der wahren Schwertmaid und Lichtbringerin den tugendhaften Wegen zuzuwenden.


Johanna Hohenhain
- Priesterin der Herrin Temora -

[img]http://fs2.directupload.net/images/150314/eoxhkbn3.png[/img]
05. Eluviar 260
Lucien de Mareaux

Beitrag von Lucien de Mareaux »

„Meine Frau hat mir gesagt, ich soll auf mein Bauchgefühl hören.“

Totenwache halten hatte etwas von innerer Einkehr. Ich kannte die Frau nicht, die hier lag, auch ihren Mann kannte ich nicht wirklich. Es gab lediglich die Gelegenheit sich mit zwei bis drei Sätzen auszutauschen, im Grunde also nur die Möglichkeit zu bieten seine Worte mitzunehmen. Worte, die er an seine Leute gerichtet hatte. Er kannte mich nicht, ging aber offenbar davon aus, dass seine Worte die seinen auch erreichten. Zweifellos sollte er Recht behalten. Inklusive dem, was die Tote noch am Leib getragen hatte, sorgte ich dafür, dass das Gesagte dort ankam, wo all das hingehörte. Aus einem Bauchgefühl heraus, hatte ich noch ein paar eigene Sätze hinzugefügt und hoffte.
Jetzt stand ich hier neben der Aufgebahrten und ließ die von Johanna geweihte Kette durch meine Finger gleiten. Hergekommen war ich gänzlich aufgewühlt, inzwischen beruhigte sich alles in mir, nach und nach. Ich nutzte die Zeit der Wacht um meine Gedanken zu sortieren, das alles irgendwie bestmöglich zu sortieren.
Gleichzeitig überlegte ich, ob ich vielleicht ein Zeichen bekommen hatte, es nur nicht verstand oder es gar übersah, tat dies aber als eine fixe Idee ab, die dem unbedingten Wunsch entsprang, dass es so etwas gegeben haben musste.

Die Eröffnung seitens des Holzwurms ließ mich darüber hinaus nachdenklich zurück. Wie sollte man prüfen, ob es stimmte, oder ob die Faust einem Irrtum aufgesessen waren? Oder gar wir hier in Lichtenthal?
Nein, ich war mir an und für sich sicher, dass wir es unmittelbar erfahren hätten, wenn die Behauptung stimmte. Aber wieso glaubte die Faust es dann so unbedingt? Dazu gab es sicher mehrere Möglichkeiten:

1. Sie waren nicht so gut vernetzt.
Ein Regiment im Feld war auf Kundschafter angewiesen, Botenläufer, Leute, die sie auf dem Laufenden hielten. Für den Weber – ich nannte die Person im Stillen so – war es an und für sich ein Leichtes diese selbst auszuwählen und mit entsprechenden Nachrichten loszuschicken. Genauso wusste diese Person, wo Gerüchte am Wirkungsvollsten anzubringen sind. Das war die älteste Schule der Welt.
Zurück zum Regiment im Feld: Die übliche Vernetzung im heimatlichen Kastell war in der Regel weit besser, als im Feld. Je nach Position und Standort erreichten Nachrichten sie nur bedingt, manchmal gar nicht, oder nur durch gezielt gesetzte Leute. Ein Leichtes also das Regiment glauben zu machen, was es glauben sollte. Gepaart mit Gehorsam und Disziplin, unbedingte Treue und Loyalität, war so ein Regiment also das beste Mittel für die eigenen Zwecke. Womit 2. schon recht wahrscheinlich auf 1. folgte.

2. Jemand verstand es, ihre Vernetzung hervorragend zu manipulieren.
Der Weber musste also jemand mit Möglichkeiten sein und an einer brauchbaren Schlüsselposition sitzen. Schade, Lucien, dass du dich da beim Adel viel zu wenig auskanntest, nicht wahr? Das wäre jetzt wirklich hilfreich für dich. Aber sich da einfuchsen würde viel zu lange dauern, zu lange, um hier noch irgendwas zu retten, sofern noch etwas zu retten war.

3. Dieser Jemand musste darüber hinaus wer sein, der einen guten Leumund genoss.
Nicht mal zwingend jedem gegenüber, sondern dem Regiment gegenüber. Da gab es dann mehrere Möglichkeiten. Der heimatliche Adel, wahlweise sogar allein der Oberst selbst. Allerdings ging ich eher von noch einer weiteren Person aus.

Um dahinter zu kommen, wer der Weber war, müsste man vermutlich dahinterkommen, woher dieses Regiment stammte, aber so einfach machten sie es einem ja nicht. Wahlweise wäre es ganz nett zu erfahren, wer denn noch alles mit dem Falkentann im Zwist gelegen hatte. Der Tote war nur einmal erwähnt worden, das war es dann. Gehört hatten wir nicht mehr davon. Wieso wurde diese Spur eigentlich so kalt und links liegen gelassen?

Und verdammt nochmal, wieso schickte man keinen Kundschafter los, um zu prüfen, ob der König noch lebte oder nicht? Ein kleiner Beweis war alles, was es benötigte. Ein unverbrüchlicher Beweis. Bestenfalls ohne Umwege besorgt.
Gut, ich wusste es, hatte es gerade erst erfahren, wer wusste es noch? Hinzu kam immer mehr die Frage, wem ich hier noch zu trauen bereit war.
„Ihr fangt langsam an, an unserem eigenen Zusammenhalt zu nagen. Ich weiß nicht, ob ich das gutheißen will“, murmelte ich zu der Toten hin und sah dann auf.

Ich erinnerte mich an Johannas Mahnung, ihre Aushänge. Die Tugenden. Wahrheit, Mut und Stärke. Die Wahrheit war eine vielfältige Sache. Sie hatte so viele Gesichter, wie es Seelen auf der Welt gab. Ein jeder trug seine eigene Wahrheit tief in sich mit. Sie wurde geprägt vom Erlebten, von den eigenen Erfahrungen aus der Vergangenheit, von all den Schattierungen und Verfärbungen, die diese mit sich brachten.
Der misshandelte Hund sah in einem Stock nur die kommenden Schmerzen, der geliebte Hund ein tolles Spielzeug. Doch im Grunde war es nur ein Stock. Ein Stock allein tat nichts. Er existierte lediglich. Erst der, der ihn hielt, machte ihn entweder zu einer Waffe oder zu einem Spielzeug. So war das mit der Wahrheit.
Mut hatten viele. Manche auch zu viel davon. Wieder andere waren offenbar nicht ausgelastet genug und hatten ihre Stärke im Übermaß eingesetzt, aber nicht in Form der inneren Stärke. Ich wusste sehr genau, dass sie alle ermahnte, restlos alle, nicht nur das andere Regiment. Und sie tat recht daran.

„Ich wünschte, du könntest mir noch etwas von all dem erzählen. Davon wie die Reise begann, warum, und wie euer Regiment zu dem wurde, was es heute ist. Es wäre sicherlich Abende füllend gewesen.“ Ich schwieg einen Moment lang, fügte dann hinzu: „Einige aus dem unsrigen behaupten gerne, ich wäre kein Soldat. Ziemlich verletzend, wenn man sich nach bestem Wissen und Gewissen bemüht. Aber ich glaube, nachdem ich die euren erleben durfte, ist es ganz gut so, dass hier aus mir kein Soldat geworden ist. Spätestens jetzt hätte ich mich fragen müssen, ob ich darauf stolz bin, und die Antwort wäre nein gewesen. Auf das, was ich tatsächlich bin, darauf allerdings bin ich sehr stolz, und ich denke, das kann ich ohne Reue sein.“

Nach einer Weile verließ ich die Tote, trat in der großen Klosterkirche vor das Fensterbild und kniete mich hin, den Blick aber nicht von dem bunten Glas abwendend.

„Danke dir, Lichtbringerin, für diese neue Erfahrung,
für die neue Erkenntnis, die ich in Deinen Hallen habe finden dürfen.
Danke dir, Schildmaid, für deine Gegenwart, Führung und Weisung.
Danke dir, Temora, für diese Prüfung.

Ich fange an zu verstehen.“
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Helisande von Alsted
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Beitrag von Helisande von Alsted »

Der Falke meldete sich nicht. Mittlerweile harrte sie fast schon einen Mond aus und wartete auf eine Nachricht von ihm. Vage Sorge schlich sich ein ob es ihm gut ging oder ob man ihm die Federn gerupft hatte. Vermutlich eine berechtigte Sorge, jedoch musste diese Sorge sich nach hinten verlagern und der Blick sich voranrichten. Es galt nun die Aufträge für den Falken umzuverteilen und in Hände zu geben, die vermutlich schnell Ergebnisse vorlegen würden.

So erhielten nun einige Gardisten und Rekruten die Aufgabe eine Liste mit Häfen abzuklappern und dort nach den Anlanderegistern zu fragen und die Scheuermänner, sowie Hafenmeister zu befragen. Ganz gezielt nach den bisher gesuchten und bekannten Personen Burkhard, Alfred und Fräulein Kleent sollte in den Aufzeichnungen geforscht werden. Dabei sollten sie zeitlich bis zum Alatner letzten Jahres zurückgehen, da die Vorhut der Faust Anfang Eisbruch aktiv geworden war. Ein wenig Eingewöhnungszeit und Sondierung einberechnet ergab dann geschätzt dieses Zeitfenster.

Dann gab es noch den Auftrag für die Magier. Zumindest die unter ihnen, die prinzipiell flugfähig waren. Dazu schnürrte sie alles an Seekarten die sie im Regiment so auftreiben konnte zusammen und marschierte damit ins Konzil. Wie immer überfiel sie ein gewisses Gefühl des Grusels als sie dei Brücke zur Brutstätte des magischen Wirrwars betrat. Steif und noch etwas eisig im Gruße wurde der Praeceptor heimgesucht damit.

'Ich bin immer noch fies auf dich. Du faselst immer noch zu viel. Trotzdem habe ich einen Auftrag für dich und deine Magier... Auch wenn mein Gatte und du mich ständig belächeln und mir über den Mund fahren... ich habe da eine Idee..."

Damit wurden die Seekarten ausgebreitet. Sie hatte nach bestem Wissen, Gewissen und geometrischen Grundkenntnissen die Bereiche der Karte Gerimors markiert, die für Landungsboote erreichbar waren. Steilklippen hatte sie gesondert markiert, ebenso Landzungen und Bereiche mit viel Fischerei. Die junge Offizierin ging davon aus, dass die Landezonen gewechselt wurden und das oder die Schiffe auf See kreuzten und auch ihren Ankerpunkt stetig wechselten. Die Entfernung zu den Landepunkten dürfte gerade so weit gewählt sein, dass sich die Strecke gut rudern lies ohne die Ruderer vollkommen zu erschöpfen und dennoch so weit um von Land aus nicht ausgemacht werden zu können.




Der Pessimist klagt über den Wind,
der Optimist hofft, daß er dreht,
der Realist richtet das Segel aus.


Sir William Ward, 1837 – 1924
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Helisande von Alsted
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Beitrag von Helisande von Alsted »

Ein ruhiger Abend stand ihr bevor. Sie würde nicht zur Eröffnung eines Handelshauses gehen diesmal, sie würde nicht helfen das Gebäude der Nordlichter in Junkersteyn zu bauen. Sie würde hier am Wasser sitzen und in die Dunkelheit starren. Der Wasserfall plätscherte.
Vielleicht nachher noch einen Wein mit dem Gatten, ein ruhiges Gespräch. Über Alltägliches, ja es wäre mal schön wieder über Alltägliches zu sprechen. Morgen am Abend würden sie beide mit Regiment und Klosterwache gen Varuna ziehen. Eine Idee, die Sir Ernst schon vor einigen Wochen ins Feld geführt hatte. Wenn dort vor drei Jahren das Lichtenthaler Regiment mehr als eine Woche hausen und sich verbergen konnte, dann sicherlich auch die Faust.

Fast fühlte sie sich ein bisschen schlecht und auf einer beinahe verruchte Art verschlagen, dass sie parallel doch noch ihrer fixen Idee mit dem Schiff nachging.

Fast.

Im Grunde war es ihr vollkommen gleich welches Vorgehen am Ende zum Erfolg führen würde, solange es ein Erfolg würde. Das Plätschern der Wellen zog die Gedanken an die Möglichkeit des Versagens an. Wachtmeister Gilles war so unendlich überzeugt von dem Sieg seines Oberst und seiner Truppen. Es schien für ihn Gewissheit zu sein.

Dennoch würde sie ihm ohne Zeugen ein letztes Angebot machen, wenn die Zeit dafür kam. Es blieb spannend ob er darauf eingehen würde. Würde er ihr als Offizier genug trauen um in einem von ihm selbst versiegelten Dokument den Aufenthaltsort seines Sohnes niederzulegen? Nur auf ihr Wort hin es nur dann zu öffnen, wenn sein Oberst unterlag? Hatte dieser Mann so viel Mut in sich in der Zeit in der er selbst sein Ende schon nahen sah? Sie würde es sehen. Morgen würde der 8. Eluviar anbrechen. Ihr Geburtstag war unbemerkt verstrichen und sie fühlte sich kein Stück weiser, klüger oder erhabener. Müder ein wenig.



Vertrauen ist Mut, und Treue ist Kraft.
Marie von Ebner-Eschenbach
Kila Rabbe

Beitrag von Kila Rabbe »

Tote, Verletzte, Spuren die sich im Sand verliefen und einen Verdächtigen im Kerker. War das wirklich alles? Der Befehl über Helisandes Schiffstheorie ereilte Kila am frühen Morgen. Nach einer Nacht, in der sie wieder kaum ein Auge zu gemacht hatte und grübelnd in den Kissen ihres Bettes lag. Sie dachte über die Kameraden nach, über ihre Gesichter, die tiefen dunklen Augenringe die sie derzeit alle trugen, da ein jeder von ihnen in Bereitschaft war und Tage- sowie Nächtelang am Tor standen oder auf Patrouille waren. Keiner gab auf und sie hielten mehr denn je zusammen.

Die Überfahrt nach Wulfgard dauert eine Weile und es gab genügen Spielraum um die Mannschaft an Bord zu befragen. Der Befehl und die Fragen waren eindeutig. Die alumenischen Männer wussten nicht viel, gaben zweifelhafte Antworten oder verstrickten sich in einem Meer aus Lügen um Aufmerksamkeit zu erhaschen. Wer sollte es ihnen verübeln? Der Eine oder Andere wollte sie nicht mal auf dem Schiff haben. "Weibsbilder bringen Unglück auf einem Schiff..." Kila atmete hörbar durch und erledigte ihre Pflicht.
In Wulfgard ging sie rasch von Bord und es dauerte eine Weile, bis einer der riesigen Kerle so freundlich war um ihr die Fragen zu beantworten. Ein, selbst für die thyrischen Männer, Hüne von Mann sah zu der kleinen Frau hinab und verfolgte ihrem Palaver ruhig und mit einer Engelsgedult. In seinen Augen war sie nicht größer als ein tyhrisches Kind und doch brachte er ihr mehr Respekt entgegen als die primitiven Seeleute auf dem Schiff. "Stell deyne Fragen, Kynd!" Raunte er ihr entgegen, bot ihr etwas Met an und setzt sich auf eine Kiste am Botssteg am Hafen. Kila zählte bereits die Sekunden, bis die Kiste unter dem Hünen bersten und zerbrechen würde. Aber anscheinend war die Kiste einer der wenigen Dinge die am heutigen Tage stand hielt. Kila notierte fleissig die Antowrten stichpunktartig in ihr winziges Notizbuch und musterte den Hünen immer eingehender. Seine Gesellschaft war ihr bei weitem lieber, als die der ungepflegten Seemänner. So blieb er auch bei ihr, bis das nächste Schiff anlegte und sie zurück nach Adoran bringen würde.
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Torjan Eichental
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Beitrag von Torjan Eichental »

So sehr hatte er sich auf die Lehrstund der Ersthelferei gefreut. Es war eine seiner liebsten Lehrstunden.

Doch dann wurd die jäh unterbrochen. Eine Patientin wurde reing'schleppt, ein Mäderl, was grad zwei Tag zuvor Zwillig geboren hat und sich jetzt in den Kampf in Varuna g'stürtzt hat.

Sie wurde behandelt, so gut es ging. Viel war noch drum herum. Etwas, was Torjan verstörte.

Torjan haderte mit seinem Glauben.
Es war kein Horteras-Priester mehr im Land, mit dem er über seine Zweifel hätte reden können.

Am liebsten hätt er das Mäderl mit den Bauchschmerzen nach Strich und Faden z'sammeng'schissen, was sie sich einbild', zwei Tag nach der Geburt wieder Dienst beim Regiment zu machen!
So a Mäderl sollt im Wochenbett liegen und sich um ihre Kinder kümmern.

Jaaaa, jetzt, wo sie mit Schmerzen im Unterleib im Hospital lag, erinnerte sie sich plötzlich an ihren Wurf. Wollte unbedingt heim, um die Kleinen zu säugen.
Was wäre aus denen geworden, hätte sie in Varuna ihr Leben gelassen?
Wie hin- und hergerissen war dieses Mäderl zwischen Pflichterfüllung dem Regiment gegenüber und der Aufgab', sich um ihre Kinder zu kümmern?

Der alte Zausel verstand es nicht. Eine Mutter hatte sich um ihre Kinder zu kümmern, noch dazu, wo es Frühgeburten waren. Das war seine feste Überzeugung.

Nach der Lehr vom Horteras musste er jedoch jedem anderen seinen freien Willen zugestehen. Doch in diesem Fall wollte er mit der Lehre brechen. Er war stinkwütend, hätte am liebsten alles zertrümmert, was um ihn war. Und einen durchaus deftigen Bericht an das Regimentsobermäderl geschrieben.

Nur Malena hielt ihn davor zurück, sprach beruhigende und sehr weise Worte, die ihn wieder auf den Pfad des Sternenvodas zurückbrachten. Auch, wenn ihm dies sehr weh tat.

Er hatte dieses Mäderl heim gehen lassen müssen, entgegen seiner Meinung als Heiler. Doch war es im Sinn vom Sternenvoda, dass ein jeder über sich selbst und seine Weg entscheiden kann.

Dennoch setzte er sich mit einem unguten Gefühl in seinen Lehnstuhl.
Würde das Mäderl einen Priester aufsuchen, wie ihr geraten wurde?
Würde sie künftig vernünftiger vorgehen, bevor sie sich in eine Schlacht stürzen würde? Oder überhaupt jemals wieder, in Sorge um ihre Kinder?

Der Glaube an den Sternenvoda fiel ihm an jenem Tage sehr schwer, denn der Heiler fühlte sich gefesselt von ihm.
Mehr und mehr verstand er Tithus ...
In Erinnerungen an Bajard, wo er einst bei den Sternenjüngern lebte und die ihn vom Tagesgeschehen ablenkten, entschlummerte er endlich doch in seinem Lehnstuhl, die Kuscheldecke über sich gezogen.
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Torjan Eichental
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Beitrag von Torjan Eichental »

So sehr hatte er sich auf die Lehrstund der Ersthelferei gefreut. Es war eine seiner liebsten Lehrstunden.

Doch dann wurd die jäh unterbrochen. Eine Patientin wurde reing'schleppt, ein Mäderl, was grad zwei Tag zuvor Zwillig geboren hat und sich jetzt in den Kampf in Varuna g'stürtzt hat.

Sie wurde behandelt, so gut es ging. Viel war noch drum herum. Etwas, was Torjan verstörte.

Torjan haderte mit seinem Glauben.
Es war kein Horteras-Priester mehr im Land, mit dem er über seine Zweifel hätte reden können.

Am liebsten hätt er das Mäderl mit den Bauchschmerzen nach Strich und Faden z'sammeng'schissen, was sie sich einbild', zwei Tag nach der Geburt wieder Dienst beim Regiment zu machen!
So a Mäderl sollt im Wochenbett liegen und sich um ihre Kinder kümmern.

Jaaaa, jetzt, wo sie mit Schmerzen im Unterleib im Hospital lag, erinnerte sie sich plötzlich an ihren Wurf. Wollte unbedingt heim, um die Kleinen zu säugen.
Was wäre aus denen geworden, hätte sie in Varuna ihr Leben gelassen?
Wie hin- und hergerissen war dieses Mäderl zwischen Pflichterfüllung dem Regiment gegenüber und der Aufgab', sich um ihre Kinder zu kümmern?

Der alte Zausel verstand es nicht. Eine Mutter hatte sich um ihre Kinder zu kümmern, noch dazu, wo es Frühgeburten waren. Das war seine feste Überzeugung.

Nach der Lehr vom Horteras musste er jedoch jedem anderen seinen freien Willen zugestehen. Doch in diesem Fall wollte er mit der Lehre brechen. Er war stinkwütend, hätte am liebsten alles zertrümmert, was um ihn war. Und einen durchaus deftigen Bericht an das Regimentsobermäderl geschrieben.

Nur Malena hielt ihn davor zurück, sprach beruhigende und sehr weise Worte, die ihn wieder auf den Pfad des Sternenvodas zurückbrachten. Auch, wenn ihm dies sehr weh tat.

Er hatte dieses Mäderl heim gehen lassen müssen, entgegen seiner Meinung als Heiler. Doch war es im Sinn vom Sternenvoda, dass ein jeder über sich selbst und seine Weg entscheiden kann.

Dennoch setzte er sich mit einem unguten Gefühl in seinen Lehnstuhl.
Würde das Mäderl einen Priester aufsuchen, wie ihr geraten wurde?
Würde sie künftig vernünftiger vorgehen, bevor sie sich in eine Schlacht stürzen würde? Oder überhaupt jemals wieder, in Sorge um ihre Kinder?

Der Glaube an den Sternenvoda fiel ihm an jenem Tage sehr schwer, denn der Heiler fühlte sich gefesselt von ihm.
Mehr und mehr verstand er Tithus ...
In Erinnerungen an Bajard, wo er einst bei den Sternenjüngern lebte und die ihn vom Tagesgeschehen ablenkten, entschlummerte er endlich doch in seinem Lehnstuhl, die Kuscheldecke über sich gezogen.
Merrik von Aerenaue

Beitrag von Merrik von Aerenaue »

Es war früh am Morgen, als der Magier in ziviler Kleidung sein Haus verließ. Früher noch als sonst, schließlich hatte er einen Plan. Früh am Morgen, wenn die meisten anfangen ihrem Tageswerk nachzugehen, noch im Delirium des Schlafes stecken und nicht unbedingt darüber nachdenken, wem sie da gerade was genau erzählen. Er brauchte Informationen und ihm selbst waren dafür so einige Mittel recht – in Anbetracht der aktuellen Situation versteht sich.

Die Tür seines Hauses öffnete sich nicht. Niemand schritt durch den kleinen Garten zwischen Haus und Gartenzaun. Keiner öffnete das kleine Tor, das als Zugang zum überschaubaren Mietareal diente. Und dennoch war von einem auf den anderen Moment das Haus leer.

Im selben Moment – hier als begrenzter aber nicht sofort eintretender Zeitraum zu betrachten – erschien weit im Osten Gerimors ein Mann, welcher eindeutig nicht der Herkunft seines Reiseziels entsprach. Und wenn auch er die Sprache der im Wüstenreich ansässigen nicht sprach, so schien es als vermöge er die Einwohner des Landes zu verstehen – zumindest im Sinn des gesprochenen, keineswegs Wort für Wort, so werden ihm feine linguistische Nuancen, wohlweißlich gesetzt, sicherlich unerkannt und verwehrt bleiben, einfache Sätze, unbedacht dahingesprochenes sowie Emotionen und wenig aufwändig verschleierte Ironie scheint er indes verstehen und entschlüsseln zu können, auch wenn sie in einer für ihn fremden Sprache erklingen mögen.

Die Schritte des Mannes führten ihn recht zielstrebig an der großen Stadt selbst vorbei, an der Küste entlang bis zum Hafen. Zügig wird er zunächst mit den Arbeitern ins Gespräch kommen wollen, sie anfangs nach dem aktuellen Tagesgeschäft fragen, wobei er keineswegs ins Detail zu gehen versucht und lediglich einen netten Plausch halten möchte. Tatsächlich wird er den Arbeitern sogar etwas zur Hand gehen, nicht zuletzt um ihr Vertrauen zu gewinnen.
Doch da scheint noch ein wenig mehr zu sein. In den Arbeitern wird, bei jedem Blickkontakt mit dem Mann aus dem Westen, ein warmes, wohliges Gefühl breit. Ein undefinierbares Gefühl der Zufriedenheit, der Gelassenheit. Wenn auch sie diesen Mann nie zuvor gesehen haben, scheint er etwas rein Sympathisches an sich zu haben. Der Mann hingehen hoffte inständig, dass kein anderer Magier anwesend war, der sein kleines Spielchen im Lied, die vielen kleinen Impulse über geistige Verbindungen zwischen Magier und Arbeiter, die die Arbeiter glauben lassen, er sei ihr bester Freund, entlarven und negieren würde.
Die Fragen des Magiers lenkten sich langsam in Richtung etwaiger Auffälligkeiten in den letzten Tagen, Wochenläufen, gar Monden. Er fragte sogar bis zum Ende des letzten Jahres zurück. Fragte nach alumenischen Schiffen – die nicht zwingend eine entsprechende Flagge trugen -, die hier vor Anker gingen. Fragte mit wachsender Sicherheit in seinem Tun sogar nach einer größeren Anzahl von militärischen Reisenden, bis hin zur Frage nach Reisenden mit dem Namen Burkhardt, Alfred oder Maralia Kleent, welche er ihnen sogar auf Nachfrage – auf Basis der Berichte des Regiments – beschrieb.

Er bekam Erwiderungen seitens der Arbeiter, doch was sie ihm genau sagten, wird so ohne weiteres wohl niemand erfahren, fühlten sich die Arbeiter selbst nach dem Verschwinden des Mannes etwas benommen. Dieser hatte sie noch zuletzt nach jemandem gefragt, der eventuell Passagier- und Ladelisten hätte. Er ging nicht zu offensichtlich aber ohne Umwege zu eben jenen, welchen er höflich und angepasst an die vorherrschende Kultur begrüßte und nach den Listen fragte. Auf Nachfrage wäre er sogar bereit ihm einige größere Münzen für diese Listen zu überlassen, in Anbetracht der Zeitspanne sogar entsprechend viele.

Kurz darauf war der Mann aus dem Westen genauso schnell verschwunden, wie er gekommen war. Auf dem für ihn kürzesten Weg tauchte er direkt am Konzil auf, ehe er mit den jüngst gesammelten Erkenntnissen direkt in Richtung des Regiments ging.
Thelor Reensdorf
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Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Beitrag von Thelor Reensdorf »

Früh am Morgen, als andere ihrem Tagewerk Nachgingen, saß Thelor am Frühstückstisch und Blickte gedankenverloren in seine Teetasse, die er Dampfend vor sich in den Händen hielt.
Das üppig bereitete Frühstück stand unversehrt vor ihm, schien jedoch heute keine weitere Beachtung zu bekommen.
Die ganze Zeit Kreisten die Gedanken um die Faust, die Absichten und Ziele dahinter. Die Hauptgedanken im Regiment und Konzil lagen derzeit auf das Aufspüren ihrer Basis . Gilles hatte sich der Faust gegenüber als Loyal erwiesen und natürlich nichts Verraten, sogar fester Überzeugung Temoragefällig zu handeln war seine Ansicht. Waren sie gestern in Varuna gar zu weit gegangen, hatten sie etwas aufgeschreckt ohne die Absicht gehabt zu haben was?
An wie vielen Fronten könnten sie zugleich kämpfen. Rahal im Westen, die Faust im inneren und nun wieder Varuna vor der Haustüre.

Gilles war Temoragläubig, nach eigener Aussage..... hm doch bis in welche höhe Traf das zu? Frau Oberst schien daran keinen Zweifel zu haben, ihm hingegen kam die ganze Sache Verbogen vor. Indes teilte er die Ansicht von Frau Oberst und auch vom Freiherren das er selber nur Treu und Loyal seinem Oberst folgte. Aber ab welchem punkt obsiegt Loyalität über eigenem Denken. Wo lag der Hintergrund in diesem Ränkespiel. Alles Sprach dafür, das die Faust für Eirensee agierte. Das Angebrannte Banner von Nahram, der bei der Krönungsfeier Theobald Zimber Archimbar von Eirensee im Duell erschlug und so das Giftattentat auf seine Majestät aufdeckte und Eirensee in die Ungnade stürzte. Das Angebrannte Banner von Greifenhain, mit dem das Haus Eirensee schon seit jeher im Zwist lag und seit der Verbannung Eirensees lag das Schwert Greifenhains bedrohlich über Eirensee und dessen Adel. Die Ähnlichkeit der Wappen, Goldener Handschuh auf blauem Grund, goldene Faust auf blauem Grund.

Wie nah sind Eirensee und sein Adel wirklich noch am Glauben Temora, lag nicht vielleicht die Unterjochung Alatars dahinter. Wie viele Jahre Einflüsterung sind nötig um Irrglaube als folgbar zu akzeptieren. Wann würde aus böse eigentlich Gut und wann würde aus dem Falsche Glaube eigentlich der Richtige. Wie schnell würden Leute daran Glauben. Wann bricht der eigene Verstand.

Sie brauchten Endlich mal Antworten .
Immerhin hatten sie nun einen Namen und ein Alumenisches Lehen, hoffentlich würde er zu diesem Oberst durch den Reichskanzler bald eine Auskunft bekommen. Vielleicht würden sie dann endlich wissen woran sie waren und womöglich würde sich dann endlich der Nebel etwas Lichten worum es hier ging und mit wem sie es wirklich zu Tun hatten.
Arenvir von Kronwalden

Beitrag von Arenvir von Kronwalden »

Varuna. Immer wieder Varuna. Das war nicht mehr nur die Ruine einer Stadt, das war vielmehr ein böses Bewusstsein, dass alles, was sich in ihm aufhielt, auch da behalten und verzehren wollte. Er hatte beobachtet und bemerkt, wie sehr Varunas bösartige Entitäten den Soldaten des Regimentes zusetzen wollten und Empfehlungen für Gegenmaßnahmen gegeben.

Er selbst war einmal mehr recht glimpflich davon gekommen, sah man einmal davon ab, dass aus dem Himmel ein Blitz herabgezuckt war, der ihn auch hätte rösten können. Wenn er denn getroffen hätte. Hatte er aber nicht und so konnte Arenvir sich den Aufgaben widmen, die dem Konzil zugeteilt worden waren. Schleiereulen und andere nachtaktive Vögel wurden auf seinen Befehl hin entsandt, um die Küstenlinien Gerimors und die hohe See jenseits der Küsten abzufliegen. Es galt, die wahrscheinlichsten Vektoren zu überprüfen, kein Schiff war schließlich dumm genug in den Gewässern La Cabezas zu kreuzen, nicht, wenn man sein Schiff behalten wollte zumindest.

Also konnte man anhand der Seekarten, die die Oberst mitgebracht hatte die Routen festlegen, die sie überprüfen würden. Die See war weit und schier endlos. Vögel hatten allerdings eine Eigenschaft, die hier den unschätzbaren Wert von "Fuchtlern" bekräftigten. Mit Sichtstrecken, die soweit reichten bis die Krümmung des Horizontes die Sicht abschnitt, war es selbst einem Candidatus möglich, ein riesiges Volumen im Flug aufzuklären.

Der Feind war natürlich nicht dumm und so flogen sie nur nachts und in großer Höhe. Derjenige, der bei Tag flog, war derjenige, der eine geeignete Gestalt aus dem Hut gezaubert hatte, um hier nicht aufzufallen. Was er anderen vielleicht als aufopferungsvollen Sonderdienst verkauft hätte, war in Wahrheit bezahlter Urlaub (ging man einmal davon aus, dass er bezahlt wurde, was nicht der Fall war). In Gestalt eines Albatros, des Seevogels mit der größten ihm bekannten Flügelspannweite war es ein leichtes, auf den Luftströmungen zu treiben. Diese riesigen Vögel mussten kaum je mit den Flügeln schlagen. Also hatte er sich für den äußersten Korridor der See, die man in einem Kreis um Gerimor herum gezeichnet hatte entschieden. Man musste mit seinen Kräften haushalten, auch als Vogel und da machte sich die Flugerfahrung bezahlt. Die Schüler würden die Korridore an der Küste und an die Küste angrenzend erhalten, die Magi die Hochsee abfliegen, die den Schülern am nächsten waren und er zirkelte ganz weit draussen umher.

Ja, manchmal war der Dienst für Reich und Krone wirklich, wirklich schwer und leidgeplagt bemerkte er innerlich grinsend, weil sein Schnabel derartige Emotionen nicht auszudrücken vermochte und schlug einmal mehr mit den Flügeln um Ausschau nach etwaigen Schiffen zu halten und sie bei Sicht näher in Augenschein zu nehmen. Wenn hier irgendwo ein Schiff in den Seegebieten um Gerimor herum kreuzte, könnte es sich ihnen aus der Luft nicht entziehen....

-Zuvor in Adoran-

"Janosch Metzger, da ihr keinerlei Bürgerrechte genießt, steht Euch ein Prozess nicht zu. Ihr werdet hiermit dazu verurteilt, an Bord eines Schiffes mit Kurs Nharam zu gehen. Dort angelangt werdet ihr in einem Arbeitslager arbeiten, bis ihr den Schaden in Höhe von 20 Kronen abgearbeitet habt und der Alkohol Euch nicht mehr in seinen Fängen hat. Euer Sohn wird in einem nahegelegenem Kloster unterrichtet werden, hat aber das Recht Euch an den Wochenenden zu besuchen - wenn dies sein Wunsch ist. So ergeht mein Beschluss an Euch."

"Das könnt ihr nicht machen! Nur der Junge hat Schuld!" ereiferte Janosch, der Metzger, dessen Sohn Thorben die Flugblätter verteilt hatte wütend, wurde jedoch von Arenvirs strengem Blick unterbrochen und sank sichtlich in sich zusammen.

"Ihr Janosch habt zum letzten Mal Eueren Sohn vorgeschützt. Steht für Eure eigenen Taten gerade. Unwissentlich habt ihr Beihilfe zum Hochverrat geleistet und das könnte Euch den Kopf kosten. Seid dankbar für die Euch erwiesene Milde, wisset aber, dass euer Sohn nicht dazu verpflichtet ist, sich eurer Vormundschaft wieder zu unterwerfen, geschweige Euch zu besuchen. Also überlegt künftig, wie ihr euren Spross behandelt." Wurde er kühl beschieden und Arenvir beugte sich zu einem Flüstern vor. "Außerdem war ich lange nicht in Nharam. Ihr wollt doch sicher, dass ich mich nicht bemüßigt fühle, Euch aufzusuchen dort?"

Ein Lächeln, dass nur dem Namen nach eines war wurde hinterhergeschickt, dann führten die Gardisten den Mann ab während man sich von klein Thorben verabschiedete. Es war eine tränenreiche Verabschiedung (von Seiten Thorbens, wohingegen ein gewisser Kronritter und ein gewisser Praeceptor insgheim froh waren, dass dieser Spuk beendet war). Beiden würde der Aufenthalt in Nharam gut tun. Und wenn nicht, stand dem Jungen wenigstens ein lebenswertes Leben offen, keines, das er in Schimpf und Schande seines nutzlosen Vaters verbringen musste.
Zuletzt geändert von Arenvir von Kronwalden am Mittwoch 10. Mai 2017, 18:02, insgesamt 1-mal geändert.
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