- Strahlen aus Licht,
geben mir Sicht,
halten mich wach
die Sonne der Nacht.
Füße im warmen Sand,
ein fremdes Land. -
06. Wechselwind
- Menek'ur
Die ungewohnten Geräusche des Nachts waren wohl zuerst einmal das Schlimmste an ihrem Aufenthalt.
Der Wind, welcher des Nachts die Sanddünen aufweckte und sie hinfort schickte, brachte auch die Geräusche der Tiere mit.
Fast war es, als hörte man sie direkt neben dem Haus...
Mit einer duennen Decke hatte sie sich auf den Balkon des Familienhauses zurückgezogen, sowie auch schon einige Nächte zuvor.
Obwohl es ihr nichts ausmachte, hatten sie die kalten Nächte in der sonst so warmen Stadt überrascht, doch da sie niemanden hatte, der die Hängematte wie gewohnt mit ihr teilte, musste wenigstens eine dünne Stofflage her.
Und da Khalida ihr gesagt hatte, sie könne auch auf den Balkon gehen, hatte sie sich dessen auch gleich einmal angenommen.
Die bisherigen Eindrücke die sie einfangen hatte können waren gute.
Natürlich konnte nicht jeder so warmherzig sein wie Khali, Hadir oder auch Tooru.. auch Raniya und Abbas hatten sie durchaus mit offenen Armen empfangen, doch gab es immer wieder Anaan, wie sie hier die Männer des Volkes nannten, die sich Eona recht misstrauisch in den Weg stellten.., doch versuchte die Lindil es mit ihrer ehrlich, offenen Art wieder zu begradigen.
Sie musste zuerst die richtigen Umgänge kennenlernen, denn schien ihr Entschuldigungen seien hier ebenfalls eher fremd.
Sie hatte einige Wochenläufe Zeit, um den Eindruck den sie hinterließ zu festigen.., ebenso aber sich selbst nicht mehr wie ein Fremdkörper zu fühlen.
Sie würde gerne kochen, aber auch Teesorten probieren, aus all den Kräutern und Pflanzen die sich doch in der Wüstenstadt versteckten, doch bisher wurde sie noch wie ein rohes Ei behandelt.
Mal sehen wann sie merkten, dass sich bereits einige der lindlischen Speisen und Getränke im Hauseigenen Voratslager befanden.
Als sie sich am heutigen Morgen anzog, wurde der wunderschöne Sari, welchen Tooru ihr geliehen hatte sanft zusammengelegt und in ihre Tasche verstaut, wo sie sich ein anderes der Kleider herausnahm und es in geübten Griffen überzog.
Was den menekanischen Stoff anging, so würde sie sich erst einmal zeigen lassen müssen wie er am besten saß.
Für heute hatte sie sich zwei Dinge vorgenommen:
- sie wollte sich die Tiere der Wüste einmal genauer ansehen, und hatte für den Notfall auch schon einige Verbände, Nadel und Faden in ein kleines Täschchen verstaut.
Schließlich wusste sie nicht, wie diese auf sie reagieren würden.
- außerdem wollte sie unbedingt zur heutigen Truppenübung der Armee und es sich einmal von Nahem ansehen.
Blieb nur zu hoffen übrig, dass sie dort erwünscht sein würde.
-Schließe die Augen, bleib kurz steh'n und atme tief ein
Es duftet nach Safran, Honiggebäck und gegrilltem Fleisch.
Ein paar Meter weiter zieh'n Karawanen vorbei.
'Ne ältere Frau in Djellaba gekleidet mustert mich scharf von der Seite.
Die Farbe der Haut ist 'ne andere,
und ich seh nicht aus wie die meisten.- -Namika
18. Wechselwind
- Durrah
Auf dem Bauch liegend, eine Decke unter sich, hatte sie es sich am Wasser bequem gemacht und spielte mit einer Hand im fluessiges Nass, während sie ein Dornen und Rankenmuster an die Seite der Pergaments zeichnete.
Hier, ab von der Stadt, hatte sie auch den Blumenkranz neben sich gelegt, sodass die langen türkisen Wellen sich frei über ihre Schultern zur Decke hinab ergossen.
Ein kleiner Fennek buddelte hinter ihr im Sand, und so vermochte hin und wieder ein kleiner Sandschauer über sie und ihren Sari zu wehen.
Die Tiere hier waren ganz andere, als jene die sie gewohnt war.
Zwar ähnelten die Hyänen hier den Wölfen im Wald, und auch die Fenneks waren nahe Verwandte der Füchse im Nuya'tan... doch die Riesenskorpione und auch die Skarabäen waren keine freundlichen Zeitgenossen.
Sie hatte es beobachtet, als sie die Armee in die Arena begleitet hatte, wo Daryaa sich einem Kampf mit eben jenen stellen musste.
Dafür, dass sie nicht gerade schlanker Natur waren, waren sie schnell bei ihr gewesen und hatten sich um sie versammelt.
Der Skarabäus hatte einen schwer zu durchdringenden Panzer gehabt, doch hatte Eona der Stachel des Skorpions mehr beschäftigt.
Mit unruhigem Griff an ihrem Trankbeutel - und dem Wissen dass sie Daryaa im Kampf nicht helfen durfte, hatte sie den Kampf beobachtet und erleichtert ausgeatmet als die Kämpferin einen Weg zwischen die Panzer der Tiere gefunden hatte.
Ließe man diese Begegnung einmal außen vor, und betrachtete die Lebewesen als solches, so waren sie eine Einzigartigkeit der Natur.
Ein blau bis grün schimmernder Panzer, welcher beim direkten Schein der Sonne einen violetten Ton annahm.
Der Skorpion dagegen ein nachtschwarzer Genosse, welchen sie aber ebenfalls in einem leuchtenden Rot schon gesehen hatte.
So hatte die schlanke Lindil also wenn sie konnte, stets einen Bogen um Schlangen, Skorpione oder andere angriffslustige Wesen gemacht, auch wenn ihre Haut kaum eine Wirkung auf ein solches Gift zeigte.
Manchmal konnte sie kaum fassen, wie die Kakteen und einzelnen Sträucher den Weg aus der Erde fanden, in der Trockenheit die die Wüste aufwies. Vielleicht war aber auch gerade das es, was sie faszinierte.
Doch konnte sie natürlich nicht umhin, an den saftig grünen Wald zu denken,
welcher vom feuchten und lebendigen Nebel umgeben war.
In dem die Blumen selbst am Stamm der jahrhuntert alten Eichen wuchsen.
Die Vielfalt der Farbe, den bekannten Weg zu ihrem Baumhaus, welchen sie mit geschlossenen Augen finden würde.
Sie durfte natürlich nicht verkennen, mit welcher Gastfreundschaft sie hier aufgenommen worden war.
Raniya hatte immer einen sanften Ausdruck für die doch so andere Elfe über.
Khalida hatte sogar extra alles umgerückt um eine Hängematte für sie an die steinerne Wand anzubringen. Um jenes aber nicht zu kühl wirken zu lassen, hatte sie sogar all die Blumen welche sie finden konnte um die Ruhestätte verteilt, sodass der einzige Fleck Natur welches das Steingebäude aufwies, für die Lindil greifbar war.
Tooru sah immer wieder nach ihr, und auch wenn Eona ihr mehrfach erklärt hatte, dass Gift ihr kaum etwas anhaben konnte, überprüfte die Heilerin jedes Mal wieder die Hände und Arme der Elfe.
Auch über die charmante und überaus freundliche Art Hadirs konnte sie nicht hinweg sehen.., denn jedes Mal wenn sie ihn trav hatte er nichts als freundliche Worte für sie über.
Die nächsten Ziele die sie sich gesetzt hatte waren ganz deutlich vor ihrem Auge zu sehen: - sie würde am heutigen Abend zuerst einmal der Audienz beiwohnen.
- sie würde Saman nach einigen Glaubenslektionen fragen
- vielleicht würde sie auch noch jemanden finden, der ihr mehr über die körperlichen Aspekte des Wüstenvolkes erklären konnte.
- und ein Treffen mit Elayla, der sie noch einige Antworten versprochen hatte.
Die Lindil rappelte sich auf, und faltete den duennen Seidenstoff vorsichtig zusammen. Den Stift und das Pergament gegriffen, machte sie sich auf den Weg in den Schatten.
Zwar machte ihr die Sonne nichts aus, doch sie ließ sie tatsächlich ein wenig ermüden und so würde sie sich bis zum Abend noch einige Stunden der Meditation hingeben.
Gemütlich in der blumigen Hängematte...
- Durch den Nebel der Zeit,
dringen Worte zu Dir.
Sie scheinen vertraut,
Hörst du den Wind,
wie er Dich ruft..
Bringt er Dir Lieder der Ewigkeit. - - Oonagh
25. Wechselwind
- Menek'ur
Sanft strich der Wind durch die große Eiche.
Das leise Zierpen der Grillen und auch das Zwitschern der Vögel war zu hören.
Nur in ein dünnes Gewand gekleidet und vom weißen Schlappohr umkuschelt,
lag sie in ihrer Hängematte und gab sich dem Tagtraum hin.
Der Geruch des Holzes und der leichten Feuchtigkeit, welche sich vom Nebel auf die Pflanzen legte drangen an ihre Nase und wurden mit einem wohligen Seufzen eingeatmet.
Die Augen schließend genoss sie jede Faser ihrer Heimat, welche zu ihr gehörten wie Leib und Seele.
Ein kurzes Kitzeln berührte ihr Gesicht und die Wimpern wurden aufgeschlagen.
Ein kantiges Gesicht, welches aber seit vielen Jahren sanfte Blicke für sie hegte, zeigte sich. Die dichten Wimpernkränze, welche den gold-braunen Farbton der Augen einrahmten schlossen sich nur zu einem kurzen Blinzen.
Auch ein liebevolles Schmunzeln bildete sich im Mundwinkel des bekannten Gesichts.
Das leise Kribbeln dass sie vor einiger Zeit stetig gespürt hatte kehrte auf der Stelle zu ihr zurück und durchfuhr die Lindil, als sie auch seinen Geruch wahrnahm.
Erst als die den zarten Arm nach jenem Antlitz ausstreckte und einem Hauch gleich, die Lippen striff, wurde es ihr klar.
- Fuinor.
Noch in eben jener Berührung durchfuhr sie nicht nur die Erkenntnis, sondern auch die Gegenwart.
Sie befand sich zwar in einer Hängematte, doch war es nicht die in ihrem Baumhaus, sondern die von Blumen umgebene im Haus Khalidas.
Zuerst einmal musste sie einige Momente realisieren was sie gesehen hatte. Doch das Gefühl war geblieben.
Ja, sie hatte sich ohne zu zögern wie Zuhause gefühlt.
Sie hatte sich aufnehmen, kennenlernen und vielleicht sogar mögen lassen. Tatsächlich hatte sie sogar darüber nachgedacht hier in der Wüstenstadt zu bleiben...
Der Krieger hatte sich auf einige Erkundungstouren begeben und auch sie selbst wollte sich und dem Bund etwas gutes tun.
Neue Bände, neue Freundschaften, neue Vertraute.
Das alles hatte sie zwar bekommen und war herzlicher empfangen worden als sie es für möglich gehalten hatte,
doch hatte sie ihr Herz zurückgelassen.
Schon längst hätte ihr die eigentliche Klanglosigkeit auffallen müssen.
Das stete und nervöse Summen in ihrer Brust, welches ungehaltenen Schmetterlingen glich, die Wärme welche sie empfand wenn sie ihn des Morgens neben sich erblickte und auch der besorgte Blick, welcher immer ein wenig mit schwang wenn er sie ansah.
Bald würde der Weg sie nach Hause zurück ziehen.
Die Liebe würde es. Und die Sehnsucht.
Schnellen Schrittes wurde ein Pergament hinaus befördert und etwas darauf geschrieben.
Nur einige, für unbekannte fast unleserliche Worte würden sich auf dem Blatt befinden, welches der Waldkautz dem kleinen und flinken Gelir überreichen sollte:
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Lamia.
Die Leere wird vergehen,
die Klänge werden sich finden.
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Sie sah dem geflügelten Freund noch nach...
Nicht mehr lange und sie würde wieder im Nebelwald sein.
Doch würde sie keine vorschnellen Entscheidungen treffen und sich noch ein paar Tage Zeit nehmen.
Schließlich hatte sie sich auch hier willkommen gefühlt.