Leise singt die Frau im Wald, es ist ein altes Lied, ihre vollen Lippen, rot von Kälte, aber nicht rissig, formen die Worte, fröhlich und mit Hoffnung:
„Wir werden niemals
Niemals den Weg zur unserer Quelle verlier´n
Und die Erinnerung daran
Der Kraft Ihrer
Lebendigen Flamme
Sie wird sich entfachen
Sie wird emporzüngeln
Sie wird sich erneut erheben
Den Himmel entgegen“
An der heiligen Quelle angekommen, hält sie kurz schweigend inne und verbeugt sich vor dem Geist des Ortes, wartet darauf ihren Fokus auf ihr inneres Auge gerichtet, dass jener sie begrüßt.
Schreitet langsam, von nun leicht einsetzenden Schneefall begleitet in der Mitte des Ortes.
Lauter singend entnimmt sie das sorgsam getrocknete Holz und leichtbrennbare Birkenrinde aus ihrem Rucksack, legt es zu einem ordentlichen Stapel auf dem Boden. Darum herum gruppiert sie Steine und deckt das ganze aber mit ihrem Mantel ab. Ihren Wanderstab legt sie im Norden des Kreises ab.
Nun begibt sie sich zu dem stetig wallenden, eisfreien Wasser der Quelle, „was sein muss, muss sein“, spricht sie kurz zu sich, entledigt sich rasch ihrer Kleidung und steigt in die Fluten. Das Wasser ist so kalt, dass sie kurz glaubt sterben zu müssen, wir brennendes Eisen umfängt es sie, raubt ihr den Atem, sticht mit kalter Pein, sie beißt die Zähne zusammen, um nicht damit zu sehr zu klappern und unterwirft sich der zeremonialen Reinigung. Dann zieht sie sich wieder an, singen kann sie gerade nicht mehr, aber sie versuchte mit der Hingabe zur ihrer Göttin zumindest die schwächende Kälte bewusst auszuhalten und sie als Reinigung hinzunehmen, um anschließend den heiligen Kreis zu errichten für das Ritual. Wohltuend umfing sie dessen Mantel im Schöpfungslied der Mutter und ihr wurde wärmer, sowohl körperlich, als auch im Herzen. Innerlich ein Stoßgebet an Eluive sprechend, formuliert sie die von ihr selbst ersonnenen Worte. Sie stellte sich schweigend in den Norden, schritt dann mit erhobener Hand nach Osten des Kreises, deutlich formuliert sie ihre Worte: „ Heiliger Kreis des Schutzes, ich beschwöre dich, sei mein Kessel, sei ein Ort der Macht, der die Kräfte, die ich in dir beschwören werde, bewahrt und umfängt, dafür weihe ich dich und segne ich dich im Namen der Elemente.
Während sie sprechend läuft, spürt sie, wie sich im Schöpfungslied eine Änderung ergibt, wie sich aus ihrem Willen heraus, über ihren Hals und aus ihrer Hand Flammen gleich, nach außen hin formen, als sie in Norden ankommt, verbinden sich jene zu einem Ring, sie nimmt den dort befindlichen Stab, hebt ihn auf und konzentriert sich abermals den Ring zu einem Wall zu verstärken und im Boden zu verankern, dazu läuft sie den Kreis ab und ritzt den Boden damit, um eine physische Grenze zu markieren, dann läuft sie ein drittes Mal um den Kreis ab, verstärkt den Schutzkreis hier und dort, dass er anwächst und sich in der Mitte nach oben hin schließt.
Als sie fertig ist, spricht sie leise: „So will ich es, so soll es sein!“, damit bekräftigt sie ihren Schutzzauber und schließt ihn ab.
Ihr wird in diesem Moment bewusst, dass jene Gesten, jene Ritualistik nur eine Hilfe für ihren Geist sind, aber so geübt, geben sie ihr Sicherheit. Stellen das richtige Gefühl in ihr her, damit sie wirken kann. Der Gedanke verweilt nur einen kurzen Augenblick, dann fokussiert sie sich wieder auf die anstehenden Aufgaben.
Daraufhin beschwört sie die Elemente, zu erscheinen. Das Feuer, welches erst zaghaft, dann hell lodernd brennt, entfacht sie mit sicherer Hand. In seine Glut gibt sie, nachdem sie die traditionelle Anrufung gesprochen hat, seltene Kräuter als Rauchopfer und gefundene Rubine. Die Steine glühen hell auf, eh´ sie in einem Funkenregen zerstieben, dabei die Flammen färben, in Tönen von lila bis grün.
Erneut beginnt sie zu singen, die Anwesenheit der reinen Töne der Elemente in sich und um sie herum spürend, im tanzenden Schatten, in der Harmoniefülle geschwängerten Atmosphäre des Ortes. Singend konzentriert sie sich auf die Flammen, atmet tief ein und aus, um Kraft zu schöpfen und versucht jene mit dem Geist zu berühren, sie mit ihren Geist zu umschmeicheln, ihren reinen Feuerklang zu erfühlen, dabei lockend, dass Lied verändert sich dabei zu einem Singsang, die einzelnen Zeilen kommen nur noch im heißeren Stakkato hervor. Sie erhebt sich, um mit ihnen zu tanzen, mit dem Wechselspiel aus Schatten und Licht, den prasselnden Flammen des Ortes, im wilden Rausch, die Wiedergeburt allen Lebendingen feiernd.
Schweiß rinnt über ihre Haut, sie bewegt sich im feurigen Rauch und es wäre eine Lust sie dabei zu sehen. Ihre Augen wirken dabei wie schwarze Seen, voll mit schwarzer Tinte, so weit offen ist ihr Geist.
Nach und nach schwindet ihre Kraft, ihr Tanz mit den Flammen und Schatten wird ruhiger, besinnlicher, langsam erlöschen die fauchenden Flammen wieder, bis nur noch ein leichtes Glimmen an das Feuer erinnert. Sie merkt, es ist Zeit das Ritual zu beenden, die reinen Elementklänge zu entlassen und tut dies voller Dankbarkeit und mit dem Gefühl, selbst aus dem Dunkel heraus neu geboren zu sein.
Als sie die Elemente verabschiedet hat, nimmt sie sich einen Moment, um ihren immer noch sehr erregten und nun auch müden Geist zu sammeln. Erdung zu finden. Im Hier und Jetzt wieder anzukommen und den Schutzkreis aufzulösen. Sie versenkt ihre Aufmerksamkeit in den Boden, berührt den Geist des Ortes, spürt seinen Klang nach, legt ihre rechte Hand auf die Brust über den Herzen und stellt sich vor wie jener weite, breite Wall aus schützender Kraft sich langsam zusammenzieht, immer kleiner wird, immer geringer, bis er als glitzernde Perle auf ihrer ausgestreckten linken Hand nur noch zu sehen ist. Diese Energie lässt sie nach und nach im Erdboden versinken, damit sie den Geist des Ortes stärkt….
Dann spricht sie: “Im Namen von der Schöpferin, im Namen der uralten Vorsehung, die da war von Anbeginn und für die die Ewigkeit ist, der ursprünglichen Quelle aller Dinge, im Namen der Elemente, der ersten Kinder der Mutter, im Namen über Tod und Auferstehung, gesegnet sei dieser Ort, diese Zeit und all jene, die mit uns sind.“
Die Asche entfernend und die Dinge einsammelnd, begibt sie sich hinfort, über die schneebedeckten Pfade zurück zum weit entfernten Haus der Schwesternschaft. Sie hat sich leicht den Finger verbrannt und sie mag wohl etwas angegogelt riechen. Der Morgen dämmerte auch schon…
(ooc: *Imbolc ist ein gällisches Wort, es bedeutet in etwa "im Bauch" und gemahnt an die lämmerwerfenden Schafsmütter zu dieser Zeit, es ist ein Fruchtbarkeitsfest, ein Geburtsfest und feiert die Wiederkehr der Vegetation, des damit verbundenen Lichtes. Auch passt somit die Geburt Caihumes erster Tochter dazu, welches die Hekatehexen traditionell zu dieser Zeit feiern…. Traditionell wird es als Initationsfest genutzt, um werdende (Priester)-Hexen in den magischen Kreis und somit in die Gemeinschaft der Priester aufzunehmen. Damit wir ihre spirituelle Geburt gefeiert. Man feiert es in der Dämmerung um den 1. Februar herum (Lichtmess).)
