Ständig sagte man zu ihm: “Halte dich zurück Thorus, du bist bloß ein Schreiner! Geh beiseite Thorus, sonst verletzt du dich! Sei still Thorus, du kannst dich nicht wehren! Überlass das Kämpfen den Kriegern”.
So oft hörte er diese Worte, doch konnte er sich stets so schwer beherrschen. Oft nahm er sich dann seine Axt und ging wutentbrannt einige Bäume fällen. Kraft hatte er, auch das Geschick und den Mut eines Kriegers hatte er auch. Ihm fehlten bloß die Kenntnisse eines Kriegers, natürlich konnte er ein Schwert halten, auch der Schuss mit dem Bogen war ihm nicht fremd, aber letztendlich war er ein Zimmermann und beschäftigte sich mit dem Kämpfen nie wirklich näher. Doch er spürte, dass in ihm eine Veränderung wütete und er konnte sich nicht wehren. Seufzend schaute er sich in seiner Werkstatt um, stets hatte er Freude am Schreinern, aber die Welt um sich herum veränderte sich so sehr, dass auch er betroffen war. Seine Gedanken gehörten in diesem Moment Lissa. Diese Räuber entführten Lissa, schlugen sie zu Boden und drohten ihr mit dem Tode. Sie drohten ihr, keinen ruhigen Moment mehr zu haben und sie müsse stets auf der Hut vor ihnen sein. Thorus fühlte sich machtlos. Er wollte sich rächen - sie rächen, bloß wie? Er wusste, es wäre töricht sich ihnen als Schreiner gegenüber zu stellen. Er schwor ihr, sie müsse sich nicht mehr fürchten, wenn er bei ihr war, doch wie sollte er sie beschützen?
Und dann sagte sie ihm noch “Keine Angst Thorus, Aaron und Bartor sind doch auch noch da. Sie werden schon auf mich aufpassen.” Er schüttelte den Kopf; für ihre Sicherheit wollte er doch Sorgen, natürlich sind starke Freunde wichtig, aber können auch sie nicht immer zur Stelle sein, wenn es brenzlig wird. Lange dachte Thorus nach, alle Zweifel waren plötzlich wie verflogen und das Ziel deutlicher als je zuvor. Thorus wusste nun, was zu tun war. Kurz schaute er sich die Liste seiner verbleibenden Aufträge an. “Diese werde ich noch erledigen, doch dann sehe ich einen neuen Weg für mich.”
Er nickte zufrieden und sah dann von seiner Werkstatt aus auf die Weide. Lächelnd stand Lissa dort und fütterte die Schafe, kurz schmunzelte er und dachte sich: “Wie wird sie wohl reagieren?”
Langsam trat er näher und sie winkte ihm auch schon zu. Er erzählte ihr alles, auch wie gefestigt sein Wunsch sei. Lissa nickte leicht. Stets war sie es gewohnt Krieger um sich zu haben und diese Ungewissheit zu verspüren, wenn sie in den Kampf zogen. Zu seiner Freude ermutigte sie ihn, an seinem Vorhaben festzuhalten. Bloß eine Forderung stellte sie ihm, sie sprach: “Thorus, geh den Weg nicht alleine, wenn du wirklich ein guter und fähiger Krieger werden willst, wende dich an Aaron und Bartor. Sie werden dir alles zeigen und dich der Kampftaktiken lehren.”
Thorus versprach es ihr, schnappte sich sogleich Lissas Hand und suchte Aaron und Bartor auf. Die zwei befanden sich auf dem Gelände des Sturms der Gerechtigkeit und duellierten sich dort im Kampfring. Thorus ging zielstrebig mit Lissa an der Hand auf die beiden zu und sagte: “Jungs, ich brauche eure Hilfe, es ist auch jede Menge Met für euch drin!” Die Brüder schauten sich schmunzelnd an, so etwas würden sie niemals ausschlagen. Ruhig und bestimmend sagte Thorus zu ihnen: “Ich will ein Krieger des Sturms der Gerechtigkeit werden!” Leicht nervös und abwartend blickte er die beiden an. Sie schauten ihn wenig überrascht an, kannten sie doch seine aufbrausende und draufgängerische Art gut.
Aaron trat einen Schritt auf Leon zu und nickte dann schweigend. Bartor warf Thorus sein Schwert rüber mit den Worten: “Dann zeig uns mal, was du kannst!” Thorus ließ Lissas Hand los, fing recht gekonnt das Schwert und lief auf Aaron zu um sogleich einen weit ausgeholten Hieb auf ihn zu führen. Aaron setzte einen Schritt zur Seite und wich dem ungestümen Schlag gekonnt aus, so dass Thorus von seinem eigenen Schwung nach vorne stolperte. Als Thors sich wieder aufrichtete, spürte er schon die Klinge Aarons am Rücken. Bartor, der die Bewegungen Thorus prüfend überwachte, sagte dann: “Schwerthiebe führt man ruhig, konzentriert und gezielt aus. Ungestüme Angriffe sind leicht zu parieren.”
Aufmerksam lauschte Thorus Bartor. Aaron reichte Ihm die Hand zum Aufstehen mit den Worten: “Mach dir nichts draus, so haben wir alle angefangen und wir werden dir die Kunst des Kampfes mit verschiedenen Waffen schon beibringen.”
Sein Blick war entschlossen und er nickte dankend. Wusste er doch, dass er mit Aaron und Bartor gute und fähige Mentoren gefunden hatte. Sein Herz raste vor Energie und Tatendrang. “Dann besorgen wir dir mal eine passende Ausrüstung und du bringst jede Menge Met hier her” sprach Aaron zu ihm und klopfte Thorus ermutigend auf die Schulter. So sollte es nun sein, nicht länger wäre er Thorus der Zimmermann, eine neue Zeit hat angefangen und man sollte ihn fortan Thorus den Krieger nennen.