Nordisch by Nature

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Eylif Wikrah
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Nordisch by Nature

Beitrag von Eylif Wikrah »

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~~~ Graenneyja ~~~

Der Frühling war auf der Insel Graenneyja in voller Kraft eingekehrt, versah die satte Vegetation mit farbiger Blütenpracht entlang der Wiesen und Auen, ließ die Bäume in den üppigen Wäldern ausschlagen. Nach den klirrend kalten Wintermonden schien aber nicht nur die Natur wieder aus ihrem Kälteschlaf zu erwachen, auch im Thyrendorf an der Küste brummte es wie in einem Bienenstock.
Eyk liebte diese Jahreszeit. Den sonst so stillen, verschlossenen Blondschopf sah man an diesen Tagen häufig mit einem ungewohnt breiten Grinsen auf den Zügen durch die Gegend stapfen. Auch an diesem Tag ging der 11 Jährige bei bester Laune seinen Pflichten nach, versorgte die Tiere des Rudels mit einer Inbrunst, für die er oftmals gutmütig belächelt wurde, als sein bester Freund Bjarne mit vollen Backen an einem Apfel kauend ins Gatter kam.
"Sag mal Eyk, wo ys denn deyne Sisstr? Sey wollt beim Kampfunterricht zusehen und mey kann sey nirgends finden."
Das ließ den jungen Thyren nun doch innehalten. Es war nie ein gutes Zeichen wenn man zu lange nichts von der Sechsjährigen hörte und sogleich spiegelte sich die Sorge in seiner Miene wider.

Gemeinsam suchten sie das Dorf erneut ab und als dies keinen Erfolg brachte, verließen sie jenes um auch ihre üblichen Plätze in der Wildnis abzuklappern. Zuletzt führten ihre Schritte sie zu den Auen an den tosenden Zwillingsfällen, tief im Westen der Insel versteckt. Schon von weitem drangen aufgebrachte Stimmen an ihre Ohren und als das letzte Gestrüpp unwirsch zur Seite geschoben wurde, präsentierte sich den beiden Knaben auf der Lichtung eine tumultartige Szene die Eyk verdutzt erstarren ließ. Doch nicht die drei Burschen in seinem Alter aus dem Dorf, welche mit anfeuerndem Gebrüll dastanden ließen ihn innehalten – nein, es war das bunte Knäuel zu ihren Füßen, wo sich ein weißblonder Junge mit dem kleinen, gesuchten Rotschopf in einer erbitterten Prügelei befand.
Ein tiefes Knurren hörte Bjarne noch, da schoss Eyk wie ein Pfeil nach vorne, stieß einen der Schaulustigen unwirsch zur Seite, packte den Achtjährigen auf seiner Schwester und schleuderte ihn mit der Kraft eines besorgten Bruders achtlos fort.
Einige Tritte und Hiebe in die Luft lang dauerte es noch bis das Mädchen realisierte, dass ihr plötzlich der Gegner fehlte doch da wurde sie schon auf die Beine gezogen und eingehend von einem nun vor ihr knienden Eyk inspiziert.

"Verdammt Eyk was soll das, mey war am gewinnen!"
Dem empörten Ausruf in der ihr typischen Unerschütterlichkeit keinerlei Beachtung schenkend, wischte er mit seinem Hemdsärmel ihre blutige Nase behutsam ab. "Warum?" entfuhr es ihm dabei schlicht, fragend und schon deutete ihre Rechte anklagend auf den sich ächzend wieder aus dem Gras aufrappelnden Fynn.
"Sey haben yhren Namen der Hilda in den Hintern geritzt!"
"Wer ys Hilda?" hörte man es sogleich verdutzt von Bjarne, der hinter Eyk getreten war.
"Yhr Lieblingsbaum" erklärte der Kniende ruhiger Stimme während er sie fertig verarztete, danach die Holzschüssel, welche Eylíf gern als Helm trug, vom Boden wieder auf ihre Locken beförderte bevor er einem jeden der vier Burschen einen finsteren Todesblick zuwarf. "Lasst die Bäume in Ruh und die Hände von meyner Sisstr, sonst ritz mey euch in den Boden." sprach er seine Drohung und marschierte mit seinem Kumpel wieder zum Rand der Waldlichtung, die kleine Schwester an der Hand mit sich führend.

"Von dyr lassen wyr uns nen Scheyss sagen Eyk! - Da haste nochmal Glück gehabt Eylíf! - Feiglinge!" ertönte es hinter ihnen nach einigen Augenblicken des sich Sammelns und in weiser Voraussicht umschloss Eyk die Hand des kleinen Wildfangs nur noch fester, als sie sich wieder voller Empörung umwenden wollte, zog sie stattdessen eisern mit sich.
"Aye, haut nur ab! - Wohin so eilig Eyk? Vermisst dey deyne Tiere, Kaltblüterknutscher? - Pah Kaltblüter! Der ys so hässlich dass yhn vielleicht ne Ziege ranlässt!"
Getroffen von den Worten stockten Eyks Schritte und er presste die Lippen fest aneinander um die Fassung zu wahren. Bjarne an seiner Seite klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter. "Hör neyt auf diese Idioten, sey wollen dych nu-.."
Weiter kam er nicht.
Unter einem wütenden Aufschrei, der jeder Banshee Konkurrenz machte, riss sich Eylíf von ihrem geliebten Bruder los und stürmte auf die gehässig lachende Gruppe zu. Als Eyk seine kurze Unachtsamkeit bemerkte, rannte sie bereits im vollen Sprint sich weiterhin den Zorn aus dem Leib brüllend auf den Erstbesten zu und riss ihn ungebremst mit sich zu Boden. Da warfen sich nach dem ersten Schreckensmoment die restlichen Drei angriffslustig dazu was nur dazu führte, dass Eyk sich ebenso knurrend in das Getümmel stürzte um seiner Schwester zur Hilfe zu eilen.
Fassungslos starrte Bjarne auf den sich prügelnden Haufen. Ein, zwei instinktive Schritte in Richtung des Irrenhauses doch besann er sich eines Besseren, wirbelte herum und hetzte so schnell ihn seine kurzen Beine trugen zurück ins Dorf.


"WAS IN HELHEIMS NAMEN YS HIER LOS?!"
Beim Klang der tiefen, polternden Stimme des Thains erstarrte jede Bewegung in der wilden Schlägerei, sechs Augenpaare stierten den Hünen erschrocken an und schon lösten sich die Streithähne hastig voneinander um sich in einer Reihe vor ihm aufzufädeln. Kurz eilte das kleinste Ende der thyrischen Panflöte nochmals aus dem Glied um den Helm aufzusammeln bevor auch sie wieder betreten dastand.
Der Thyre ließ seinen Sohn, der ihn geholt und mit ihm zurückgeeilt war stehen und ging langsam die Reihe ab, maß ein jedes zerschrammte, blutende Gesicht welches beschämt zu Boden gewandt war - allein die Holzschüssel hob sich für einen Moment und ein vorsichtiger Blick linste zu ihm empor nur um schnell wieder hinabzustarren als er jenen finster erwiderte.
"Also? Wer kann myr erklären wieso sych die Welpen meynes Rudels wie ein Pack tollwütiger Wölfe verhält?"
Vier Zeigefinger zeigten in Richtung der Kürzesten. "Eylíf hat angefangen!"
Jene hob in einer stolzen Geste ihr Kinn und verschränkte die Arme vor der Brust, reuelose Sturheit in den Wiesenaugen. "Sey haben Hilda yhren Namen in den Hintern geritzt!"
"Bitte WAS?! Wie schafft es ein Haufen Milchbärte einem thyrischen Weyb die Namen in den Hi-.." der Bärtige stockte, blinzelte einige Male. "Halt, Moment mal. Wyr haben gar keine Hilda im Rudel. Wer verdammt nochmal ys Hilda?"
"YHR LIEBLINGSBAUM!" erschallte es aus sechs Kehlen einstimmig.
Mit einem Male verstand der Riese, ein Blick auf den traurigen Ausdruck im sommersprossigen Gesicht seines jüngsten Clanmitglieds ließ den aufkeimenden Lachanfall jedoch schnell wieder verebben.
"Eyk, zurück ins Dorf. Yhr Vier meldet euch beim Ahnenrufer und erzählt was yhr Hil-.. dem Baum angetan habt! Und dey, Hitzkopf.. " schon packte er das Mädchen und warf es sich wie einen Sack über die Schulter "..dey kommst mit myr mit. Wyr zwei unterhalten uns jetzt mal über Thrails Weg."

Überrascht blickte Lena, die Rudelsköchin über die Schulter als der Thain mit einem kleinen, grün bekilteten Hintern an der Schulter in ihre Küche trat, dabei schimpfte er noch seinen Vortrag zu Ende ehe er seine Federlast absetzte und kaum erblickte die rundliche Thyrin den leuchtenden Feuerschopf, verbiss sie sich hastig das Grinsen. Was hatte die Hakónsdottr nun dieses Mal angestellt?
"Lena? Eylíf wyrd dyr heute zur Hand gehen und über yhr Verhalten nachdenken."
- "Aye sehr guad, heute gibt’s Bratkartoffeln da kann mey jede Hilfe gebrauchen."

Entsetzt sah der kleine Stöpsel vom ihr hingehaltenen Messerchen zum Holzzuber, in dem sich die Kartoffeln höher türmten als sie selbst, wieder zurück zum Thyren empor und schon klappte ihr Mund zu einer Entgegnung auf, als er trocken sprach: "Kartoffeln oder Entschuldigen gehen."
Schnell griff das Mädchen nach dem Messer.


~~~ ~~~ ~~~


"..hörst dey mych neyt? Eylíf?"
Erschrocken riss sich die Thyrin von dem gedankenverlorenen Blick aus dem Küchenfenster los und das Messer in ihrer Hand hielt inne.
"Bey den Ahnen.. wo warst dey denn im Kopf?" Aswin lachte kopfschüttelnd vor sich hin und stellte die Kiste auf dem großen Küchentisch ab. "Weyb, wie schälst dey eigentlich so flink ohne hinzusehen?"
Wehmütig lächelnd blickte sie auf die Kartoffeln vor sich.
"Übung Aswin. Verdammt viel Übung."
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Eylif Wikrah
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Beitrag von Eylif Wikrah »

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~~~ Eylìf und der Bär ~~~

In seiner schier unendlichen Geduld stand Hakón, Alpha der Wolfsheuler auf Graenneyja, regungslos in seiner Hütte und ließ das penible Zurechtmachen durch sein Eheweib, welche sich erhöht auf einem Holzschemel vor ihm befand, über sich ergehen. Der Festtagskilt wurde ordentlich gebunden, sein nasses Haar bekam kleine Zöpfchen hineingeflochten, der lange Bart wieder zivilisiert zurechtgestutzt. Ohne seiner Lederrüstung auf der Haut, dem Köcher am Rücken und dem Bogen an der Schulter fühlte sich der Waldläufer jedesmal nackt, wie ausgeliefert doch an solch besonderen Tagen wie heute, an dem das Handfasting eines Clanweibs mit einem Schwert von der Nachbarinsel stattfinden sollte, überkam er sein Unwohlsein und freute sich schon richtig auf das rauschende Fest. Allein das Thema des besorgten Geplappers seines Weibes bei ihrem Tun trübte etwas seiner Freude.
" .. aber dey verteidigst sey immer nur und mey bin dann die Böse! Dabei bekommst dey die Hälfte von dem was sey alles anstellt neyt einmal mit! Der Ahnenrufer hat sey letzte Woche untersucht und gesagt, dass der Goldene Drache zu stark in ihr ys und unentwegt mit dem Goldenen Krieger kämpft."
"Na und?" Der stolze Vater zuckte einfach nur mit seinen Schultern. "Der Goldene Drache ys nunmal heissblütig sonst würde er neyt die Feuerebene regieren, Halldis! Er ys das Temperament, die Leidenschaft!"
"Er ys ebenso der Zorn und die Zerstörung! Von all den anderen Ebenengeister in ihr willst dey gar neyt wissen, Hakón! Die Leviathanin macht dem Ahnenrufer am meisten Sor-.."
Abgelenkt sah die Thyrin über die Schulter als ihr Sohn in die Hütte trat, seine Aufmachung sogleich mit dem kritischen Blick einer Mutter musternd.
"Eyk zieh dyr einen ordentlichen Kilt an, so kannst dych neyt vor den Gästen blicken lassen! Und wo ys deyne Sisstr?"
Der junge Bursche teilte mit dem Vater einen stillen, leidgeplagten Blick ehe er seiner Mutter mit der ihm vererbten Vaterruhe antwortete.
"Die hat sych am Ahnenbaum aufgehängt."
"Aufgehängt?!" rief der Vater entsetzt.
"Ahnenbaum?!" entfuhr es der Mutter erschrocken und schon stürmten beide aus der Hütte.
Eyk blickte ihnen verwundert nach, danach auf seinen Kilt und klopfte den Koppelstaub darauf ab.
Das sollte reichen.


Kaum im Hain angelangt, erblickten die Eltern schon aus der Ferne die kleine Gestalt. Die Kniekehlen um einen Ast des mächtigen Baumes geschlungen hing sie kopfüber baumelnd da, der Rock des Kleides bis über das Gesicht herabgefallen.
"Eylìf Hakónsdottr Wikrah, wyrst dey wohl sofort vom Ahnenbaum runter, was bei Helheim ys nur mit dyr!"
Bevor das Mädchen wusste was geschah, wurde es schon von einem kräftigen Paar Mutterhänden gepackt und zurück auf den Boden befördert, das Kleid sogleich wieder sittsam gerichtet während der Vater tief durchatmend Bilder von Seilschlingen um den Hals aus seinen Gedanken vertrieb und sich mühevoll das Grinsen verkniff als er dem Gespräch zwischen seiner geliebten Frau und Tochter lauschte.
"Aber.. aber.. der Baum erzählt so schöne Geschichten, Mah!" erklang es sogleich maulend von dem kleinen Rotschopf.
"Dann setz dych wie die anderen Welpen an seynen Stamm! Auf dem Ahnenbaum wyrd neyt herumgeklettert, hast dey mych verstanden?"
"Aber mey bin heute eyne Fledermaus! Wyr Fledermäuse hängen von Bäumen!"
"Dey bist eine Thyrin keine Fledermaus! Und eine Thyrin verhält sych anständig, vor allem wenn Gäste da synd, hast dey gehört?"
"AhnenverschyssenerDrecksverhurterScheyssdreck!"

Erstaunt ruckte Halldis mit dem Oberkörper zurück und starrte ihre Tochter an.
"Was.. was.. bei.. wo hast dey DAS schon wieder gelernt?" stotterte sie entgeistert.
Unsicher guckte der Stöpsel von der Mutter zum Vater, der sich umgewandt und mit einem seltsam klingenden Hustenanfall zu kämpfen hatte, ehe zuerst etwas kleinlaut, dann jedoch mit immer mehr Stolz in der Stimme zu hören war:
"Der.. der.. alte Hrogar am Hafen hat das gebrüllt als yhm die Kiste auf den Fuß knallte. Er sagte das hilft wenn man wütend ys! Klingt doch herrlich lustig neyt wahr Mah? Mey hab noch eyn andres Wo-.."
"Dey wyrst nie wieder solch schmutzige Wörter yn den Mund nehmen sonst wasch mey ihn dyr mit Kernseife aus, verstanden?
" fuhr ihr die Mutter mit gerade noch beherrschter Stimme dazwischen. "Und dey wyrst auch nie wieder so vom Baum hängen und allen Leuten deyne Unterhose zeigen! Dey wirst deyn bestes Benehmen beim Handfasting zeigen und deynem Dah und myr keyne Schande ma-.. WAS BEI ALLEN GEISTERN TUST DEY?!"
Eylìf, die gerade das Kleid wieder hochgerafft und an ihrer kleinen Hüfte herumgrabschte, hielt verdutzt inne.
"Mey zieh die Unterhose aus? Dann kann sie auch keyner mehr sehen Mah, ys doch logisch!"
Als Hakón schliesslich das Handtuch warf und sich vorgebeugt die Tränen aus den Augen lachte, verfiel seine Tochter ebenso in ein ahnungsloses aber breites Grinsen. Bis ihr vergnügter Blick auf die finstere Miene ihrer Mutter fiel.


Murrend vor sich herschimpfend erklomm der Lockenkopf den Wiesenhügel ausserhalb des Dorfes, sich das nach der mütterlichen Behandlung schmerzende Hinterteil reibend.
Soll sie doch alle der Gobblin holen! Doofes Handfasting, doofes Fest, doofe Gäste, doofes gutes Benehmen, alles doof! Naja fast alles, dachte sie sich und biss vom Honigkuchen ab den sie vom Buffet heimlich stibitzt hatte. Da riss sie ein gepeinigtes, tiefes Brummen aus den düsteren Gedanken. Suchend sah sie über die bunte Anhöhe als ihr Blick auf das nachtschwarze Fell eines Bären fiel, der sich aus dem hohen Gras zu seiner imposanten Größe erhob und sich mit einem erneuten, warnenden Brummen langsam ihr näherte. War es kindliche Sorglosigkeit oder einfach nur Eylìf in ihrer teilweise schon gefährlichen Unerschütterlichkeit als Tochter eines Wolfsheulers den Umgang mit Wildtieren gewöhnt, auf jeden Fall durchfuhr sie weder Angst noch Scheu. Im Gegenteil, als sie den Bären bei seinem Nähern beobachtete erfüllte sie tiefe Sorge als sie die für seine Art untypisch gequälten Bewegungen und erschöpfte Körperhaltung bemerkte. Eine kleine Hand wie beschwichtigend, die andere den Honigkuchenrest anbietend trat sie ebenso langsam auf ihn zu, ließ sich in aller Ruhe beschnuppern und schliesslich die süße Gabe nehmen.
"So ys brav.. armer Bjorn.. bist dey krank? Wie heisst dey denn?" Der Bär brummte erneut tief, richtig mürrisch doch ließ sie sich davon nicht beirren. "Ah Gustaf, verstehe! Freut mych Gustaf Bjornson, mey bin die Eylìf Hakónsdottr. Was hast dey nur? Deyne Schnauze ys ja ganz trocken." Der Bär schnupperte prüfend an ihrem Haar, ihrer Kleidung und wandte sich dann mit matten Schritten Richtung Waldrand ab um der heißen Sommersonne zu entfliehen. Abwägend sah das Mädchen zwischen davontrottenden Bären und dem Dorf am Fuße des Hügels, aus dem der Festlärm emporschallte, hin und her.


"..und deswegen erfüllt es mych mit tiefer Freude zu feiern, dass unsere liebliche Sigrun vor den Ahnen und den Geystern den Lebensbund mit eynem so stattlichen Schwert wie dem..."
Bassig schallte die Stimme des Thains über den Dorfplatz, wo die riesige Festtafel für alle Gäste von Nah und Fern aufgebaut war. Aus den Augenwinkeln sah er beim Sprechen plötzlich die Hakónstochter im Hintergrund aus der Lagerhütte stapfen, die Ärmchen mit zwei großen Honigtöpfen beladen. Er blinzelte einige Male und fuhr unbeirrt mit seiner Rede fort.
Als er eine halbe Stunde später den Worten des Brautvaters lauschte, erblickte er das Mädchen erneut wie es sich wankend mit einer offenen Kiste an Tränkeflaschen klirrend hinter den Gästen seinen Weg aus dem Dorf suchte. Er linste zu seinem Alpha an seiner Seite, der tief seufzend einfach nur den Kopf schüttelte. "Mey will's neyt wissen.. mey will's einfach neyt wissen.." murmelte er leise.
Dasselbe beschloss der Thain ebenso für sich und widmete sich seinen Gästen während die Stimmung immer ausgelassener und zu den ersten Tänzen aufgespielt wurde.
Zufrieden betrachtete er die jungen Claner bei ihrem fröhlichen Tun.. und eine Eylìf die mit einem Berg an Stofftieren auf den Armen wieder das Dorf verließ.
Er massierte seine Nasenwurzel und griff zum Met, prostete laut den feiernden Thyren zu und verlor sich im Fest. Als sein Augenmerk nach einer Weile im Hintergrund wieder den Rotschopf hinter einer gewaltigen Ladung an Stoffverbänden erkannte, folgte er ihr stirnrunzelnd mit dem Blick aus dem Dorf, sah dann wieder zu dem Wolfsheuler welcher selbst mit mißtrauischer Miene seiner Tochter nachsah. Als er fragend zum Thain linste, deutete jener einfach nur mit dem Kinn stumm den Befehl an und Hakón nickte.


".. die synd giftig, weißt dey Gustaf? Die darfst dey neyt fressen, auch wenn sey sych unter den anderen Beeren verstecken. Trollkirschen.. hm.. oder Tollkirschen? Aye Trollkirschen heissen die! Tollkirschen macht keynen Sinn! Also wenn dey die frisst dann.."
Fröhlich plapperte das Thyrenmädchen auf den im Schatten erschöpft liegenden Bären ein während es resolut schief einen Verband um den Pelzkopf wickelte, zuletzt setzte sie noch den geflochtenen Wiesenblumenkranz darauf und versuchte den Bären erneut mit einem Honig-Heiltrankgemisch zu füttern.

Ein plötzliches Knacken im Unterholz ließ sie innehalten.
Zwei Paar gelbe Augen erschienen nach einigen Momenten zwischen dem Gebüsch und der geschwächte Bär hob alarmiert den Kopf. Als Eylìf schliesslich die beiden ausgehungerten Gobblins erkannte, wohl angelockt durch den Hunger und fernen Festlärm, schnappte sie erschrocken nach Luft. Was bei allen Geistern?! Die sollten doch die Gäste holen und nicht sie!
Zitternd vor Angst irrte ihr Blick suchend umher, da eilte sie hastig zu einem knorrigen Ast am Boden und hob ihn mit beiden Händen einem Schwert gleich angriffslustig auf, sich beschützend vor den Bären stellend und die Furcht aus dem Leibe brüllend. Plötzlich traf sie seitlich die Rückhandwucht einer pelzigen Bärentatze und sie wurde unsanft aus der Gefahrenzone auf ihr Hinterteil befördert während der nun aufgerichtete Bär sich um ein einschüchterndes Gebrüll bemühte.
Doch gerade als das Thyrenkind sich wieder auf die Beine gerappelt hatte, ertönte ein hohes Surren in der Luft und in rascher Abfolge sackten die beiden sich nähernden, grünlichen Kreaturen zu Boden, Pfeile aus ihren Augenhöhlen ragend.
Völlig verwirrt starrte das Mädchen umher bevor tiefe Erleichterung es durchflutete als es schliesslich ihren Vater erblickte, der aus dem Dickicht auf sie zueilte. Fest drückte er seine Tochter an sich, voller Dankbarkeit den Geistern zuwispernd ehe er an seinem Ohr ihre bebende Stimme hörte.
"Dah? Dem Gustaf geht’s arg schlecht.."
Stirnrunzelnd löste sich sein Kopf von ihren Locken, die Augen wanderten suchend umher und fanden schliesslich ihr Ziel an dem blumenverbandsgeschmückten Bären, welcher mittlerweile wieder zwischen all den Stofftieren und Honigtöpfen zusammengesackt war.


~~~ ~~~ ~~~


"AhnenverschyssenerDrecksverhurterScheyssdreck!"

Etwas undeutlich doch voller inbrünstigem Zorn entwischte der Thyrin der Fluch durch den Dolchholzgriff zwischen den Zähnen nach dem ersten, aufbrüllenden Schmerzensschrei als der Whiskey auf ihren offenen Hinterkopf geschüttet wurde. Keuchend wand sie sich mit ihrer letzten, aufbäumenden Kraft voller Pein im eisernen Griff des Bruders während Olov die stark blutende Wunde unbeirrt nähte, dabei wie ein echter Medizinerkerl die Stirn von Myekkar in einer absurden Komik abgetupft bekam.
Der alte Hrogar hatte Recht.. schoss es ihr als letzten, wirren Gedanken durch den Kopf bevor die gnädige Ohnmacht sie endlich erlöste.
Fluchen half.
Zuletzt geändert von Eylif Wikrah am Donnerstag 5. Januar 2017, 22:56, insgesamt 1-mal geändert.
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