Tagebücher sind etwas für kleine Mädchen

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Heinrik von Alsted
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Tagebücher sind etwas für kleine Mädchen

Beitrag von Heinrik von Alsted »

*Heinrik saß in seinem kargen Büro. Ein Stapel Papier vor sich und ein Buch. Es war einfach und mit wenig Emotionalität erwählt worden. Ein leises Brummen ist zu hören und man könnte auch halblaut gesprochene Worte wie „Tagebuch führen. Sehe ich aus wie ein kleines Mädchen?“ oder „Wo ist der verdammte Zettel mit den Notizen schon wieder“.*

Tagebuch,

soweit ich weiß soll man ein solches Machwerk immer wie einen Menschen behandeln und mit ihm einseitig kommunizieren als würde man es einem Freund erzählen. Pech für dich das ich kaum Freunde habe und mit diesen nicht einseitig kommuniziere. Also nimm es nicht als Ablehnung deiner Papiergestalt, sondern als Ablehnung der grundlegenden Idee. Der Sinn meine Gedanken aufzuzeichnen ist mir noch nicht so ganz klar und ich habe es lange vor mir hergeschoben. Hier also die Sammlung bisheriger Unterrichte die ich durch meinen Ritter erhalten habe.

Tagebucheintrag 1
*hier klebt er einfach den Zettel mit folgendem nüchternen Text hinein*
02. Eisbruch 259
Ich wurde zum Knappen erwählt und bin dem Hause derer von Nordwind zugeteilt. Meine Einweisung findet in einer Woche statt.

Tagebucheintrag 2
*Man sieht getrocknete Kleberreste, doch scheint er den halb zerknüllten Zettel dann doch wieder rausgerissen und abgeschrieben zu haben*
09. Eisbruch 259
Ich wurde gefragt was ich vom Ritterstand erwarte. Was meiner Meinung nach einen Ritter ausmacht. Die Aussage „Man führt Bürger/Soldaten, verteidigt das Reich und vereint Tugenden mit Pragmatismus„ lockte dem Sir nur Überraschung ab. Er hätte wohl lieber etwas von Jungfrauen und Drachen gehört. In Lichtenthal werden die Jungfrauen doch zur Seite geschoben und die Drachen geheiratet. Kochen können beide nicht, also was soll es. Dennoch gab er mir Recht, wenn auch nicht in allen Punkten.

Tagebucheintrag 3
16. Eisbruch 259
*Kein Kleber und keine Zettel, offenbar war das Stück Papier mehrfach als Unterlage für Bierbehältnisse genutzt worden und musste somit abgeschrieben werden*
Heute waren wir im Wald und ich durfte zeigen wie man nicht stirbt, wenn man allein außerhalb der Stadt ist. Feuer und Lager machen haben wir damals in Winterfall schon gelernt und das nur, damit du mal ein Mädel allein für dich haben konntest. Das beeindrucken des "zarten Geschlechts" hat wohl Jahre später noch seine Vorteile.

Tagebucheintrag 4
27. Eisbruch 259
*Wieder ein eingeklebter Zettel mit knappem Text*
Habe Schwertkampf gelernt. Knauf, Heft, Kreuz, Klinge und Ort. Ebenso die korrekte Haltung für einen Schwertstreich und die Blößen. Sehr interessantes Feld und ein leidenschaftlicher Lehrer.

Tagebucheintrag 5
01. Lenzing 259
*Ab hier scheint er keine Zettel mehr zu haben und schreibt es wohl tatsächlich aus seiner Erinnerung in das Buch*
Nach dem Schwert nun der Schild. Die Haltung zum Kampf ist geübt und verinnerlicht. Der Schild zum Decken der Blößen ist wirklich hervorragend, auch wenn im Regiment eher mit Turmschilden gekämpft wird und man eine Reihe bildet. Der Ritter allerdings scheint die arme Sau zu sein die vor dieser Reihe steht und daher einen anderen Schild braucht. Ich habe wieder mehr als einmal bewiesen bekommen was einen Ritter ausmacht. Mit solcher Inbrunst und Leidenschaft über ein Stück Metall zu sprechen ist schon eine Gabe. Die Paraden gingen geübt von der Hand, auch wenn ich ein paar Tricks gelernt habe.

Tagebucheintrag 6
12. Lenzing 259
Rüstungen. Wieso lerne ich Dinge über Rüstungen? Wäre ich doch Schmiedelehrling geblieben, wenn ich das wollte. Ich sehne mich nach einer erneuten Kampfstunde. Jedoch weiß ich nun Dinge über Lederrüstungen die ich vorher nicht wusste und Dinge über Plattenrüstungen die ich am eigenen Leib spüre. Jeden Tag im Dienst. Mir ist bewusst das ich zu alt für diese Ausbildung bin, was man schon daran erkennt, das ich nicht mal ein Weib anfassen darf! Doch einem gescheiterten Schmiedelehrling und Soldaten etwas über Rüstungen beizubringen. Ich kann keinen Vorwurf machen. Alle kriegen das gleiche gelehrt und ich konnte Dinge auffrischen und vertiefen.

Tagebucheintrag 7
15. Lenzing 259
Taktik und Strategie. Ein merkwürdiges Thema als Soldat. Man selbst steht ja für gewöhnlich in der Reihe neben seinen Kameraden. Hier jedoch lernt man, mit Spielzeugsoldaten, wie man so eine Reihe aufbaut und wie man sie hält. Wie man reagiert und wie man dem Feind den Gar ausmacht. Direkt mit der Nase auf gewisse Dinge gestoßen zu werden ist merkwürdig. Ich habe viel gelernt, was mir die Bücher nicht beibringen konnten und er hat mir sogar seine Soldaten geschenkt. Ich muss nur noch die Belagerungsgeräte bemalen. Ein merkwürdiger Zug, doch ich werde sie in Ehren halten.

Tagebucheintrag 8
29. Lenzing 259
Diplomatie. Diplomatie ist eine Kunst und keine Wissenschaft. Es ist ein ehrliches Auftreten, eine Kompromissbereitschaft und das Vertreten der seiner Interessen oder der des Reiches. Alles blanke Theorie will ich meinen. Als die Thyren bei uns einfielen und Leetha an die Wäsche wollten war Diplomatie nur das Verhindern von Mord und Totschlag, obwohl ich die Vogtin gerne selbst abgemurkst hätte. Das behältst du Papierding aber für dich, oder du landest im Kamin! Ich bin durchaus diplomatisch möchte ich meinen, was allerdings auch daran liegt, das die Leute nicht davon ausgehen das mich ihre Probleme jucken. Man erarbeitet sich wohl einen Ruf in der Welt und dieser sollte positiv sein. Zumindest sollte er mit „Er ist in Ordnung, wenn er nicht…“ beginnen. Ob ich das geschafft habe weiß ich nicht, aber sowas entwickelt sich von selbst.
Jedenfalls hoffe ich das Diplomatie als Ritter nicht unbedingt zu meinen Hauptaufgaben gehört oder ich zu den Thyren darf. Dort kann man Met zu jeder Gelegenheit saufen und die Thyren sind wenigstens direkt und sagen wo einem der Schuh drückt. Die meisten jedenfalls.



Ich hoffe du fühlst dich jetzt geliebt und ich versuche öfters zu schreiben. Vielleicht verbrenne ich dich auch einfach und haue nach Winterfall ab. Sei dir also nicht so sicher, Papierding!

Bis zum nächsten Mal.


Heinrik
Zuletzt geändert von Heinrik von Alsted am Dienstag 12. April 2016, 14:16, insgesamt 2-mal geändert.
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Heinrik von Alsted
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Beitrag von Heinrik von Alsted »

*Wieder saß Heinrik in seinem Büro. Wobei Büro wohl übertrieben ist. Ein Tisch, ein winziges Bücherregal und Schreibutensilien. Seit dem das Tagebuch angefangen wurde kann man auch die Tischplatte sehen und die Zettelwirtschaft ist in eine Ecke verbannt*

12. Wechselwind 259
Tagebuch,

seit zwei Wochen liegst du vorwurfsvoll rum. Mach weiter so und du landest im Kamin. Kaum habe ich angefangen zu schreiben ist viel passiert. Die Sache mit den Thyren ist immer noch nicht ausgestanden. Sie werden Leetha noch einladen. Hoffentlich. Die Besuche bei den Tiefländern gestalteten sich als schwierig und es ergibt sich ein Konfrontationskurs, welcher nicht gut ist. Sollten die Thyren mit uns brechen wird jeglicher Offensivplan gegen Rahal wohl erstmal ad acta gelegt und man führt eventuell Krieg gegen Verbündete. Ich hoffe es kommt nicht so weit, weil ich die Thyren ungern von der Karte radiert sehen würde. Es sind aufrichtige und ehrliche Menschen und ich habe ihnen viel zu verdanken. Diese Schürflizenz, welche mit Thorlav ausgehandelt wurde hat mir Geld in die Kasse gespült und mir einen Rückzugsort gegeben. Ein einsamer Flecken Land in dem man sich abarbeiten kann und nachdenken. In letzter Zeit wieder öfters.

Die Knappensache für die ich viel zu alt bin. Ich bin ausgebildeter Soldat und kein Jüngling, welcher die Welt noch mit großen Augen sieht. Die Jahre und die Ereignisse in diesen Jahren formten mich und in den Kampfübungen lerne ich allenfalls neue Kniffe. Die Etikette ist mir auch nicht ganz klar. Wieso werden Frauen schlechter und passiver gestellt als es sie es in der Gesellschaft sind?
Wir haben weibliche Ritter, Freiherrinnen und eine Vogtin. Da passt etwas nicht und es will mir nicht in den Kopf hinein. Mit Anfang dreißig ein Mündel zu sein ist hart. Alles was ich tue wird auf mein Haus reflektiert und nun existiert dieses Haus nicht einmal mehr. Ich habe einen neuen Ritter und es hätte schlimmer und besser nicht sein können. Der Drache wird nun auf mich aufpassen und das geht mit Dingen einher die ich nicht einmal erahnen kann. Meine Kampfausbildung ist so gut wie abgeschlossen und nun kommt der harte Teil. Etikette und höfisches Benehmen. Dinge die mir nicht liegen. Dinge die ich vermeide wo es geht. Selbst achte ich nicht auf meine Titel und Ränge. Sie sind mir schlicht egal, weil es mich nicht definiert. Ich bin Heinrik Alsted aus Winterfall und nicht Popanz von Schmopanz. Ein Lehen, welches ich zum Glück nicht haben werde, ist nichts das mich ausmacht. Ein Rittertitel ist es eben so wenig. Darin liegt wohl auch meine Angst. Ich werde keine Person mehr sein. Ich werde ein öffentliches Objekt und man wird Erwartungen an mich stellen die ich für weit überzogen halte. Mein Beruf, welcher schon lange nicht mehr Bergmann ist, egal wie sehr ich das behaupten möchte, wird mein Leben. Ich diene dem Reich und auch Temora. Sicherlich gehe ich nicht in die Kirche und halte gerade den Glauben für Privatsache. Doch die Tugenden machen Sinn und sind ein hohes Ziel, welches man damit erreicht es zu versuchen. Nach allen Tugenden und dem diamantenen Kodex kann wohl nur ein Gott immer leben. Ein Wandel, von Mensch zu Titel, der nicht schrecklicher sein kann.

Mein letzter Unterricht mit Sir Vaughain war grandios. Die Königsdisziplin namens Tjosten. Mein Arm schmerzte selbst nach den Schwertkampfübungen nicht so sehr wie nach dem Tjosten. Völlig ungewohnte und sehr spezialisierte Bewegungsabläufe sind von Nöten um mit einer Lanze etwas zu treffen. Das Tier, der Reiter und alles weitere muss eine Einheit bilden. Ich werde mich auf jeden Fall darin schulen, doch vor allem hoffe ich er wird glücklich mit diesem Mädchen und das er findet was er sucht.

Ein Oberst und ein Ritter weniger im Reich. Ein großes Loch was man füllen muss und dazu hat er nichts Besseres zu tun als mich zu befördern. Wachtmeister Alsted scheint noch unpassender als Gardist Alsted, doch man fügt sich. Hält sich an den Eid und versucht den Piraten, welcher derzeit Gast bei uns ist, umzubringen bevor er ein Bürger ist. Wir haben wieder einen im Kerker und diesmal wird es wohl nicht auf eine Erhängung hinauslaufen. Er hat Albträume und Schlafstörung. Selbst für einen Piraten sieht er mies aus, aber wer unsere Kameraden tötet und wer unsere Edlen entführt, der sollte keine Albträume haben. Der sollte gar keine Träume mehr haben. Leider steht er unter dem Schutz der Oberstleutnant, aber das hilft nur die Soldaten abzuschrecken, welche ihre Messer wetzen. Sobald er aus dem Kerker raus ist und man ohne Uniform an ihn heran kommt, sehen wir weiter. Laut Paragraph 3.3 hat er sowieso den Tod verdient.

Wir machen bald wieder Kerkereinweisung und die frisch gebackene Wachtmeisterin Saran wird wieder tatkräftig unterstützt. Mal sehen wie lange es diesmal dauert bis sie das erste Mal seufzt, weil sich unsere Rekruten anstellen. Ich wette auf weniger als 20 Minuten. Dazu kommen noch Pantelball, wenn ich es endlich mal zusammengeschrieben bekomme und die Uniformen für unsere a.D. Mitglieder. Es wird nicht weniger im Regiment und auch Privat. Vor allem seit das Lager mir gehört. Wieder ein eigener Bereich abgeschottet in dem man mit schweren Arbeiten nachdenken kann. Zum Glück finde ich immer wieder diese Orte.

Jedenfalls habe ich nun die Etikettenzicke, den Mauzedrachen, die Orkkavernenmama, die Rekrutenfresserin, die Frau die zur Hälfte aus Mocca besteht und meine Freundin Lady Helisande als Ausbilderin. Es werden harte Wochen der Etikette und höfischem Benimms. Es gibt wohl kaum eine bessere Ausbilderin und kaum eine die mehr Anspruch an mich legen wird als sie. Wir fangen heute Abend mit Tanz an, wenn ich das richtig verstanden habe. Jedoch wird es wohl kaum so einfach wie im Regiment. Diesmal bin ich nicht Rekrut Alsted, welcher seine Partnerin und sich nicht beim Tanzen verletzt. Diesmal wird wohl Raffinesse und Können gefragt. Anreden, Gesten, Stolpersteine und achja… Tanzen lernen. Derer von Senheit und ich bin einer davon. Auf Gedeih und Verderb.

Konstanten im Leben sind derzeit Mangelware und daher freue ich mich umso mehr über jene Konstante, die mich abends zu Hause erwartet.


Heinrik

*Er schloss das Tagebuch und betet sein Gesicht in die Hände. Der Topf Suppe stand noch dampfend neben ihm. Für einen Moment gab er sich jedoch seinen Gefühlen, Ängsten und Nöten hin.
Viel hatte sich geändert und viel würde sich noch ändern, doch er war vorsichtig pessimistisch was die Zukunft angeht. Es würde sich schon alles einrenken oder vollends den Bach runter gehen. Auf jeden Fall würde es enden.
So nahm er den Suppentopf und begab sich zur Krankenpflege. Danach in den Dienst. Es gab viel zu tun, aber es würde alles auf jeden Fall irgendwann vorbei sein.*
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Heinrik von Alsted
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Beitrag von Heinrik von Alsted »

*Einmal mehr sitzt die bärenhafte Gestalt am Schreibtisch und hält die für seine Hände klein wirkende Schreibfeder in den Fingern*

19. Wechselwind 259
Tagebuch,

einmal mehr geschrieben, einmal mehr eine Katastrophe. Ich bin kein abergläubischer Mensch, doch wenn diese Woche etwas passiert, dann ergibt sich ein Muster. Letzte Woche griffen Schattenwesen an und der Unterricht wurde abgebrochen. Nicht das es schlimm wäre, weil der spaßige Teil des Tanzens schon rum war und es nur noch mehr Etikette gegeben hätte. Dinge die ich lernen muss um die Farben meines neuen Hauses zu tragen.

Wir haben eine Leiche im Lazarett und jeden der nur irgendwie magisch aussah oder im Abendlicht funkelte in die Arcana verfrachtet. Die systematische Durchsuchung von Adoran war sogar eine angenehme Abwechslung zum sonstigen Dienst. Mit Zivilisten und Regimentlern die Gebäude durchkämmen und als gerüsteter Verband durch die Straßen ziehen. Es hat etwas von Sinnerfüllung und Aufgabe. Übungen und Unterricht richten sich auf diese Momente aus und die Truppe war in Höchstform. Selbst meine Verflossene stand in ihrer Diamantrüstung bereit und befolgte Befehle. Was mich wunderte, da es sonst nicht ihre Art ist. Sie ist generell etwas passiv mir gegenüber und das alte Feuer fehlt. Dennoch hätte ich sie immer noch gerne in der Truppe.

Der Unterricht war gut, das Gespräch davor merkwürdig. Ich führe mit der Lady seit einem Jahr eine Diskussion und ich komme nicht voran. Wie ein Mensch mit so viel Potenzial sich nur selbst im Weg stehen kann. Jedoch scheint was mir an Selbstvertrauen gegeben worden ist wohl woanders genommen worden zu sein. Es wird eine beidseitige Ausbildung und ich werde zur Abwechslung versuchen mal an meinem Dickkopf zu arbeiten und mich zu betragen. Es fällt mir zwar schon schwer diese Worte zu schreiben und wird mir noch schwerer fallen gewisse Dinge zu akzeptieren. Ein Diskurs muss über alles möglich sein. Das betrifft die Etikette wie auch die Kirche und die Verehrung.

Jedoch scheine ich der Diakonin Hohenhain mit meinem ständigen Hinterfragen wohl langsam zu missfallen und der Kobel ist eine kirchliche Veranstaltung geworden. Kein Wunder an sich. Die Mederics sind in der Klosterwache und wenn Frau Hohenhain auftaucht, welches Thema sollte es sonst geben. Der erhobene Zeigefinger und das beharrliche Pochen auf die Tugenden jedoch sind kein Weg in meinen Augen. Die Kirche an sich hat selbst eine Geschichte der Verfehlungen, Passivität und des Dahinplätscherns, welche aufgearbeitet gehört. Alte Dinge haben ihre Gültigkeit verloren, wenn sie jemals welche besaßen, und das fest halten an den Dingen die nicht mehr sind wird nichts bringen. Wenn ich noch einmal vom Adlerritterkodex höre und damit ist wohl aus Kirchensicht nur das „gebeugte Knie“ gemeint, dann werde ich mich nicht mehr in Zurückhaltung üben.

Das drehen um dieses Thema ist in sich amüsant und bringt Kurzweil, doch es wird sich am Ende nichts ändern. Ich lehne und lehnte jedoch schon immer Fanatismus ab. Es ist blinder Gehorsam und führt in den seltensten Fällen zu etwas Gutem. Es herrscht per Gesetz Glaubensfreiheit und Temora ist die Schutzherrin der Menschen, doch als solche wird sie wissen wie Menschen sind. Sie sind vor allem eines. Fehlbar. Die Frage ob die Temoraverehrung als Reichsdoktrin wirklich im Volk vorherrscht oder ob Eluive mehr Verehrung findet ist dennoch eine Interessante. Ich frage mich ob der Zensus für diese Sache Daten vorliegen hat.

Ich werde mein Leben weiter auf die Tugenden ausrichten, doch dazu brauche ich weder Kirche noch den Klerus. Selbst die Sache in der Kirche und diese Stimme in meinem Kopf habe ich mittlerweile als Temora akzeptiert. Es fällt zwar schwer, doch es waren keine Magier anwesend und auch sonst waren wir allein. Eine gruselige Vorstellung, dass die Schwertmaid ihre Aufmerksamkeit auf mich lenkte und sich dazu bemüßigt fühlte ein paar Worte in meinen Geist zu pflanzen. Dennoch verstehe ich nicht wie kann man blind einer Göttin vertrauen kann? Man kann sie nicht verstehen oder antizipieren. Wie kann man darauf Vertrauen aufbauen? Sicherlich bin ich per Eid an sie gebunden und ich werde meinen Eid getreu der Ehre erfüllen, doch das mulmige Gefühl wird nie weichen.

Heute steht weitere Etikette beim Drachen an und es ist eine müßige Aufgabe diese verstaubten Lebensregeln zu lernen, welche kaum noch Anwendung finden. Ich vermisse etwas die Zeit als Etikette nur daraus bestand den richtigen Anreden und Titel den jeweiligen Adeligen zuzuordnen. Wieso muss ein Ritter auch adelig sein? Er ist ein Diener der Krone und ein Beschützer des Reiches. Irgendwer hatte es wohl als Gefallen an diesen Stand aufgefasst und nun lerne ich wie man eine Hofschranze richtig umgarnt und über das Parkett schiebt. Da hat sich ein wahres Monstrum an Regularien aufgebaut.


Heinrik

*Die Eingangstür fällt geräuschvoll ins Schloss und ein Lächeln breitet sich auf seinen Lippen aus. Als der Wohlklang der vertrauten Stimme an sein Ohr klingt wird der Eintrag noch schnell unterschrieben und das Buch geschlossen*
Zuletzt geändert von Heinrik von Alsted am Dienstag 19. April 2016, 11:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Heinrik von Alsted
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Beitrag von Heinrik von Alsted »

Der Blick wandert vom Schreibtisch zu der durch eine dünne Decke verhüllten Körper auf seinem Bett. Ein liebevolles Lächeln wird der schlafenden Gestalt geschenkt, bevor die Feder anfängt zu kratzen und beginnt und mit der aufgetragenen Tinte Worte und Sinn zu Papier zu bringen.

22. Wechselwind 259
Tagebuch,

ich werde mich nun allen adeligen derer ich habhaft werden kann vorstellen. Teil der Etikette, ein in meinen Augen archaisches System. Die Lady hingegen sieht darin den Grundpfeiler der Gesellschaft. der Umgang miteinander egal in welcher Beziehung man zueinander steht, ist das Alpha und das Omega der Gesellschaft. Wie sie es verteidigte, obwohl sie grundsätzlich der Ansicht ist, das sich die Etikette nicht vor einem Heinrik Alsted zu erlären hat. Dieser Knicks… Er geht mir nicht aus dem Kopf. Das demütig gesenkte Haupt, der Augenaufschlag als sie am tiefsten Punkt war. Es ist schmeichelhaft, erhebend und so absolut unpassend für eine Dame des Schwertadels, welche andere Adelige binnen Augenblicke töten kann. Eine Dame des Schwertadels, welche vor dem Reich steht und es gegen seine Feinde verteidigt unterwirft sich in dieser Geste. Vor allem unterwirft sie sich in dieser Geste mir. Ich war so baff, das ich mich nur verbeugen konnte, mein Haupt unterhalb ihres brachte und mich ebenso unterwarf. Ihre Leistungen, ihren Stand und ihre Person anerkannte und mich ihr unterordnete. Dieser Moment scheint wohl der Grundgedanke der Etikette zu sein. Tiefer Respekt und Würdigung.

Ich kann jedoch meinen Geist nicht abschalten und so ist es der Zwang in jener Umgangsform, der mich diese Sachen nicht fühlen lässt. Verbeugt man sich, weil man diese Dinge spürt und ausdrücken möchte, oder verbeugt man sich, weil man es muss und man diese Dinge nur mechanisch ausführt. Es hat mit Vertrauen zu tun, meinte meine Lady. Vertrauen, jenes Konstrukt was von mir nur wenige geschenkt bekommen. Ein Konstrukt mit dem ich mich schwer tue. Vertrauen bedeutet ein Stück des eigenen selbst aufzugeben. Seine Wehr herunterzulassen und zu hoffen das kein Angriff kommt. Zu hoffen das der gegenüber das richtige tut und auf einen Rücksicht nimmt. Wer unterstellt dies anderen? In der Armee ist es Usus und wer sich an die Dienstvorschriften und Verfahrensweisen hält, dem wird Vertrauen geschenkt. Man steht in einer Reihe und Gegner branden an den Schildwall, da muss vertrauen her. Wem nicht vertraut wird, der wird es in der Truppe auch zu nichts bringen.

Dennoch geht mir diese Geste nicht aus dem Kopf. Ich salutiere ja auch den Soldaten und erweise damit meinen Respekt ihnen gegenüber, wieso stellen sich diese Fragen nicht im Militär? Wegen der Kameradschaft? Wegen des Zwangs als Einheit zu funktionieren oder unterzugehen?

Etikette, ich verdamme dich. Wieso ist dies der schwierigste Teil für mich? Natürlich, weil es kein klares Bild davon gibt. Keine Dinge die man wirklich lehren kann. Man muss sich öffnen und darauf einlassen. Meine Konstante wird mir bestimmt helfen, doch will ich ihr diese Diskussion antun?

Manchmal frage ich mich Wieso? Wieso mein Kopf alles durchleuchtet und wieso man alles in Normen und Regeln stecken muss. Bin ich deswegen Soldat und Lagermeister? Verstehen hilft zu akzeptieren, das steht wohl breit irgendwo in meiner Seele geschrieben.

Sei wie es sei und wie es ist. Ich habe nun zwei Aufgaben und beide wollen angegangen werden. Ich muss meine Lady zu den Schreinen führen und ein Referat über die ersten Priester Temoras halten. Wie passend das es derzeit Unterrichte zu diesem Thema gibt. Just nachdem man es bei der Geweihten ansprach. Wie unpassend, das ich nicht hingehe. In die Bibliothek wird es mich wohl stattdessen verschlagen und ich werde mir Texte über Texte zu Gemüte führen. Einfacher für mich und vor allem einfacher für die Geweihte, der meine Fragen und Diskurse erspart bleiben. Verehrungsgeschichte, welch Thema. Nichts liegt mir wohl ferner, als über das klösterliche Konstrukt und dessen Geschichte zu lernen.

Die zweite Aufgabe scheint leichter und doch ist sie noch umständlicher. Eine Vorstellung beim Adel mit fehlerfreier Etikette. Bei allen adeligen Damen und Herren. In den Farben meines Hauses und als Repräsentant. Meinung runterschlucken, lächeln und hinter mich bringen. Ich fing beim Schönsten an und mache mit dem Schrecklichsten weiter. Der Rest sollte danach kein Problem sein.

Es wird meine Gedanken von dieser Geste ablenken und neben dem Dienst etwas zu tun zu haben ist nie verkehrt. Es hält einen vom Blödsinn ab und ich habe schon ein paar Ideen, wie ich meiner Lady etwas heimzahlen könnte. Ich brauche nur noch einen Grund, doch den gibt sie mir nicht. Sie kümmert sich um mich. Nahm mich auf, kleidete mich in ihren Farben und selbst die Aufgaben sind nachvollziehbar, wenn auch unwillkommen.

Ich hoffe sie bleibt meine Lady und ich kann auf eine Geschichte mit einem Bruch zurückblicken. Ein Sir, der meine körperliche und geistige Kampfeskraft stärkte und eine Lady die mich in diesen Nebel aus Adel einführt. Ich hoffe Sir Vaughain geht es gut und das er sein Glück findet. Er hat es sich verdient, so wie er sich für Reich und Krone verdient gemacht hat. Leider hat mir der Schussel vergessen zu sagen wo er hingeht, sonst hätte ich ihm schon einen Brief geschrieben, doch vielleicht wusste er es selbst nicht. Ich schätze überall ist besser als hier, wo er nicht bleiben wollte.

Ryan hat mir gestern einen genialen Witz erzählt.
„Geht ein Elf an einem Astloch vorbei.“


Heinrik

Immernoch über diesen flachen Witz grinsend schließt er das Buch für Mädchen und legt sich wieder zu der Gestalt. Gedanken die man aufschreibt entlässt man aus seinem Geiste. So hoffte er jedenfalls und kuschelt sich an die weiche Haut.
Zuletzt geändert von Heinrik von Alsted am Freitag 22. April 2016, 17:24, insgesamt 1-mal geändert.
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Heinrik von Alsted
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Beitrag von Heinrik von Alsted »

Er saß im Keller der Bibliothek und neben sich schnarchte ein blondes Bündel vor sich hin. Der Kohlestift kratzt über das Papier des bei sich geführten Feindes.

13. Eluviar 259
Tagebuch,

es ist schon merkwürdig wo man aus welchem Anlass landet. Ich bin im Keller der Bibliothek und neben mir liegt ein schnarchendes Wesen. Man könnte meinen es wäre ein zwei Meter großer und breiter Holzfäller der seinen Rausch ausschläft, doch es ist die Freiherrin von Nebelpass. Der Schutz der Arcomaga vor den Schattenwesen bestimmt mein Leben und ist meine Aufgabe als Soldat. Dauerdienst zum Wohle des Reiches und Zerreißprobe meiner Nerven. Selten habe ich ein so sprunghaftes Wesen kennengelernt. Als würden verschiedene Menschen in ihr wohnen. Das verspielte Wesen, das unablässig an ein besseres Morgen glaubt. Das unwillige Wesen bei dem man fast erwartet, dass es sich aus Trotz auf den Boden wirft. Das gescheite Wesen, welches so viel über das um sich herum weiß und dieses Wissen freigiebig mit allen Suchenden teilt. Das Wesen, welches einfach nur Frau ist und ebenso Gelüste und Gefühle hat. So viele Gefühle!

Ich schwanke zwischen in den Arm nehmen und sie ordentlich zur Vernunft schütteln, zwischen Vater und Schüler dieser Person und vor allem zwischen erbarmungslosem Dienst und dem schleifen lassen jenem um ihr eine Pause zu gönnen. Das schleifen lassen ist jedoch vorbei, seit die Arcana eine Ruine ist. Die Wesen sind wieder aktiv geworden nach Wochen in denen nichts geschah. Zwar leidet mein Leben und meine Ausbildung unter dieser Sache und meine Konstante sah ich ewig nicht, doch erfüllt es einen auch mit Stolz und dem Gefühl etwas beizutragen. Etwas zu geben, wie die Spende an die Bibliothek in der ich mehr Zeit den je verbringe. Als Soldat zum Schutz und als Knappe zum Lernen.

Mein letzter Unterricht ist jetzt fast zwei Wochen her. Etikette. Ich bin mittlerweile mit mir übereingekommen. Es mag Vertrauen voraussetzen und mir schwer fallen, doch es als Pfeiler des Umgangs und der Wertschätzung zu betrachten ist wohl der richtige Weg. Es ist in meinen Augen zwar nicht die Grundlage der Gesellschaft, doch Temora selbst gab den Adel und wie alles ist auch der Adel fehlbar. Es jedoch als generellen Kritikpunkt anzusehen und darauf zu warten das ein Fehler passiert ist der falsche Weg. Selbst die Vogtin handelte im Glauben das Richtige zu tun. Sicherlich kann man sich darüber beschweren, dass es schwerlich so aussah, doch eine böse Absicht mag ich nach all den Grübeleien nicht finden. So scheint sie wohl in meinen Augen rehabilitiert auch wenn es Niemanden interessieren wird. Vielleicht finde ich auch noch wiederherstellende Dinge am Verhalten der mir unliebsamen Kameraden. Ob nun noch im Dienst oder jener der den Dienst verließ. Vielleicht entschuldigen sie sich auch noch ehrlich bei den Leuten die sie angingen und man kann es schließen. Ich bin in einer versöhnlichen Stimmung und dieses Wesen neben mir scheint daran Schuld zu haben. Eine derartige Verantwortung auf Dauer auszuüben rückt die Welt in ein anderes Licht.

Der Unterricht jedenfalls war interessant. Nach hinlänglichen Gesprächen über das für und wider der Etikette wurden wir von einer menekanischen Delegation unterbrochen. Es wurden Waren geliefert und man half beim Transport. Ich durfte meine Lady vorstellen und vergaß wegen den herumschwirrenden Titeln und wohl, weil ich meine Person als nicht so wichtig in dieser Runde erachte, mich vorzustellen. Ein Faux Pas, welcher mir dann auch gleich aufs Brot geschmiert wurde. Sie stellte mich vor und der Blick zu mir war merkwürdig. Aufbauend, weil sie wohl erkannt hatte das ich meine Anwesenheit als nicht wichtig erachtet und tadelnd, weil ich es vergaß. Etikette ist Höflichkeit und höfliche Menschen ernten Höflichkeit. Es ist wohl neben Glück und Liebe ein weiteres Gut das sich mehrt, wenn man es teilt. Die Vorgehensweise auf einem Bankett wurde durchgegangen, nachdem die Menekaner wieder weg waren. Was ist, wenn Titelträger aller Couleurs im Raum sind. Wer wird zuerst gegrüßt und warum. Ich schlug mich gut durch, doch sehe ich viel Fehlerpotential für die Zukunft. Entweder ich gehe oft auf Bankette und schule mich oder ich werde einfach der grobe Klotz sein, welcher es auf einem Mindestmaß hält. Mal sehen ob ich überhaupt eingeladen werde nach dem ersten Mal.

Neue Aufgaben gibt es auch und ich bin überrascht. So überrascht man nur sein kann. Das Kloster und meine starrköpfige Person sind einer Meinung gewesen. Nicht in allen Details, aber der Ritterkodex - und nein ich habe das Wort Adler nicht vergessen – wurde unter die Lupe genommen. Es ist ein Konstrukt wie die Kurzschrift der Tugenden und fällt auf jedem Fall unter das gerechte Maß und die heilige Stärke. Das gebeugte Knie wird für mich wohl weiterhin der am schlechtesten geschriebene Punkt auf dieser Liste sein, doch im Rest kam man sich überein. Mal sehen wie die Meinung meiner Lady zu dieser Sache ist. Ich schätze ähnlich des Klosters, aber ich lasse mich überraschen.

Ich muss ebenso die Delegationen der Menekaner, Kaluren, Elfen und Thyren anschreiben. Würdenträgertitel auswendig lernen, einordnen und mich diplomatisch schulen. Es wird eine schwere Aufgabe. Bei den Kaluren gibt es hoffentlich Bier und dieser Junge Dorlikin schenkt mir immer gleich zwei ein. Gut erzogenes Kind oder will er mich dem Alkoholismus verfallen lassen? Ich nehme es hin und erfreue mich das Unterhopfung keine Gefahr darstellt. Briefe müssen geschrieben werden und hoffentlich wird es nicht zu trocken. Gerade die Menekaner machen mir Sorgen. Eine Kultur die so gar nicht meines ist. Was wir hohe Etikette nennen kann bei jenen wohl schon der einfachste Straßenkehrer. Hier ist wieder viel Raum um Dinge falsch zu machen und ich hoffe ich lande nicht im Kerker, weil ich einen Menschen von Rang und Namen falsch anspreche. Bei den Thyren kenne ich die Titel eigentlich, bis auf die schamanischen und ich hoffe sie werden mich empfangen nach den ganzen Unwägbarkeiten der letzten Wochen. Haben Elfen überhaupt eine Etikette? Wir werden sehen.

Die Schreine sind in Sack und Tüten, wobei ich in mir uneins bin. Ich sehe was die Geschichten bedeuten sollen, doch meine Güte. Zu der Zeit als jene geschrieben wurde muss es wohl einen Mangel an Autoren gegeben haben. Sicherlich ist es keine Lektüre die nur für Kurzweil sorgen soll, aber ein gewisses Maß an Schreibstil sollte gegeben sein. Mal sehen was die Geweihten, welche uns begleiten dürfen zu meinen Ausführungen sagen. Vielleicht sollte ich auch einfach die Klappe halten und die Geschichten runterbeten. Ich habe der Diakonin Hohenhain sowieso schon zu viel zugemutet. Sie mit einer Welt die nicht die Ihre ist konfrontiert und ihr keinen Raum gegeben daneben zu existieren. Das wird aufhören! Wer Höflichkeit gibt, der empfängt Höflichkeit. Ich konnte in dem Gespräch über den Ritterkodex jedoch auch eine andere Seite zeigen. Sie hat sogar einen Scherz gemacht und ich war zu dumm ihn gleich zu verstehen. Wer erwartet auch einen Scherz von ihr? Wohl ich in Zukunft, aber wie immer ging es nicht gut aus. Ich habe das Talent sie treffsicher zu verärgern und merke es meistens nicht einmal. Ich bin mir nicht mal sicher wo der Fehler liegt. Wohl bei mir oder ist sie zu empfindlich? Jedenfalls werde ich etwas Kürzer treten. Das man sie täglich im Kloster sieht wirft auch einen anderen Blick auf Sie. Sie ist nicht das Kloster. Sie ist ein Teil davon und für ihren Teil verantwortlich. Nicht für das was das Kloster an sich in den letzten 20 Jahren tat.

Eine Erkenntnis die mich beschämt. Beschämt, dass sie mich so spät ereilte. Die Welt ist grau und ich finde mich damit schwer ab. Auf A erfolgt B, wenn man C tut. Dinge die im Dienst funktionieren und mich meine Arbeit gut machen lassen. Dinge die jedoch mit Menschen nicht so gut funktionieren und mich versagen lassen. Ich weiß wieso ich gerne in der Mine stehe. Grübeln, harte Arbeit und vor allem wenig Menschen. Als Ritter jedoch bin ich mitten im Leben und muss meine sozialen Fähigkeiten polieren und erweitern. Ich sehne mich nach einer Kampflehrstunde. Nach einer kurzen Pause vom Adel und so will ich auch anderen eine kurze Pause vom starrköpfigen Knappen gönnen.

Die Vorstellung ist zum Glück erledigt. Zugegebenermaßen habe ich Lady Sophia etwas überfallen, aber man sieht sie seltener in letzter Zeit. Sie wird ihren Platz wohl noch suchen und ihn hoffentlich in der Standarte finden. Jeder Mensch braucht schließlich etwas zu tun das ihn erfüllt. Da sie sobald keinen Kerl bekommt an dem sie herumwerkeln kann muss eben eine ganze Standarte her.

Der König hat immer noch nichts über meinen Verbleib verlauten lassen und so ist alles weiter in Schwebe. Langsam sehne ich nach einer Entscheidung nur damit es eine gibt. Sie wird vielleicht zu meiner Freude ausfallen oder zu meinem Missfallen. Dienst, Pflicht und Ehre jedoch gebieten mir ein voranschreiten in meiner Ausbildung zum Schützer des Reiches. Vielleicht sollte ich mehr Wesenheiten in mich lassen und mich mehr meinen Gefühlen hingeben. Die Holzfällerin scheint damit glücklich und nicht, das ich unglücklich bin, doch etwas mehr Gefühl scheint mir zu fehlen.
Dann klappt es auch mit den Menschen.


Heinrik

Mit der schwungvollen Unterschrift blickt er wieder zum dem Sägewerk und ein Lächeln huscht über seine Züge. Wäre er nicht im Dienst würde sie wohl jetzt ein Schnurbart zieren, doch die Vorstellung allein reichte wohl aus um die Geräusche von ihr zu ertragen.
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Heinrik von Alsted
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Beitrag von Heinrik von Alsted »


20. Schwalbenkunft 259
Tagebuch,

es tut mir Leid. Es ist etwas schreckliches passiert. Ich hatte dich in der Bibliothek verloren. Nach den letzten Zeilen bin ich wohl eingeschlafen und jemand hat dich verräumt in den Untiefen dieses Gemäuers. Dieses Geschnarche hat eine einschläfernde Wirkung in seiner Monotonie und ich hoffe Niemand hat dich gelesen.

Gute fünf Wochen verstrichen in denen du verschollen warst und was ist passiert? Eigentlich nichts. Das Leben plätschert so vor sich hin. Dienst, Ausbildung und ein karges Privatleben derzeit. Nachdem der Schutzdienst für die Freiherrin gelockert wurde konnte ich aufatmen und anfangen sie zu vermissen. Ein gutes Gefühl an sich. Nur noch auf grenzüberschreitenden Reisen und drei Mal die Woche soll ich ihr zur Seite stehen. Etwas sagt mir das Frau Demarkes dies begrüßt. Etwas wie ihr sticheln nachdem ich falsch informiert mit voller Kampfuniform bei den Menekanern stand und mich so viele erschrockene wie böswillige Blicke trafen wie seit meinen Rekrutenstreichen nicht mehr.

Kein erhebendes Gefühl mit seiner Pflicht die Gesetze eines anderen Reiches verletzt zu haben. Zumal ich selbst so darauf achte, dass unsere Gesetze eingehalten werden. Nach einer Zeremonie die ich vor der Kirche Menekurs in praller Sonne verbringen durfte. Bewacht von einem Soldaten im Range Maleem namens Radeeh Bashir. Er könnte ich sein nur dunklerer Hautfarbe. Wortkarg, dennoch hilfsbereit und auf die Gesetze bedacht. Ein guter Mann und ein guter Spiegel. Ich sollte mehr lächeln.

Dies ist jedoch der kleinere Faux Pas des Regiments und wurde mit einer Spende an das Volk der Menekaner abgegolten. Viel schwerer wiegen die Worte eines Kameraden in zivil, welcher den Emir beleidigte und nun nach eigenen Aussagen von den Menekanern bedrängt wird. Noch schlimmer ist das der Depp es nicht mal meldet. Ich drücke ein Auge zu, wenn er seine Rüstung gut versteckt, aber nicht geräuscharm, unter der Kleidung trägt. Wer weiß was das noch gibt. Angeblich wird er angeklagt und suspendiert ist er auch schon. Manchmal frage ich mich was die Leute reitet jemanden zu beleidigen. Wut, Neid oder einfach ein schlechter Tag? Ist jedenfalls noch nie eine gute Idee gewesen. Ein böses Wort schlägt tiefe Wunden die man nicht wirklich heilen kann. Es ist auf ewig im Gedächtnis des Gegenübers und bringt nur noch mehr schlechte Worte. Ich sollte wirklich mehr lächeln.

Es gibt auch gute Sachen. Dorlikin, ein Zwergenjunge auf dem Weg zum Bhir Dar, übt sich in der Braukunst und brachte im Kobel ein Fass Dampfbier vorbei. Gutes Bier möchte ich meinen. Ich ordne es auf Platz Vier der Biere ein und habe ihm das ganze Fass schon abgekauft. Es lagert sicher im Kobel. Der Kobel ist ein guter Ort und ich hoffe Tharoan hat Erfolg mit seiner Kampfschule.

Ich bin echt erledigt und die Übungen rauben einen wirklich Kraft in letzter Zeit. Nun geht es an das Kampfreiten, aber nicht wie im Regiment nur ohne Zügel, sondern die Steigbügel nimmt sie gleich mit. Mir tun die Oberschenkel immer noch weh. Natürlich gibt man das nicht zu, aber bei Temora, das war keine einfache Übung. Wir sollen nun auf diese Weise jeden Tag etwas reiten. Ich erledige gewisse Botengänge und Einkäufe für das Lager so. Am Abend liegt man dann erschöpft im Bett und überlegt ob man seine Beine wirklich so dringend braucht oder ob man sie nicht einfach abhacken könnte. Es gibt ja gute Prothesen und ein Ritter mit Holzbein wäre auch was Neues.

Wie dem auch sei, ein wenig kurz dieser Abriss und ich fühle mich erleichtert, dass du wieder mahnend auf meinem Schreibtisch liegst. Ich habe eine Schatulle gekauft. Mit einem schweren Schloss. Du wirst ab sofort in meinem neuen Keller gelagert. In der Nähe von Vaughains Schwert, welches mir die Freiherrin übergab. Ein schönes Schwert und es hat einen besonderen Platz dort unten. Natürlich nicht im Schlafzimmer, weil das will außer mir wohl keiner sehen was dort passiert oder vielmehr nicht passiert. Erwähnte ich schon das ich eigentlich zu alt bin für diese Knappensache?

Sei wie es sei und wie es ist. Ich werde erstmal nächtigen. Die Feuerperlen sind übrigens abgehakt. Gekauft und so dem Kartenglück ein Schnippchen geschlagen. Nun fehlen noch ein paar andere Sachen, aber kommt Zeit kommt Rat.

Ich sollte wirklich mehr lächeln

Heinrik
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Heinrik von Alsted
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Registriert: Dienstag 1. September 2015, 12:52

Beitrag von Heinrik von Alsted »

Verdreckt und mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen stapft er in sein Haus. Das Schürfgerät in die vorgesehene Ecke gestellt streift er zum Schreibtisch. Das Tagebuch lag dort, wo es immer lag. Vielleicht etwas verschüttet unter verschiedenen Zetteln und vielen Zeichnungen, welche in Abwandlungen immer dasselbe zeigten. Dreckstarrend wie er war, setzt er sich und schlug es auf. Nachdem er es gelesen hatte, fanden folgende Zeilen ihren Weg hinein.

18. Alatner 259
Tagebuch,

Es ist geschafft. Die Ausbildung ist vorüber und die Unterrichte alle getätigt. Es hat etwas befreiendes, doch nun wartet man auf die Bürokratie Lichtenthals. Als Teil dieser Bürokratie und der Armee hat es etwas mulmiges. Man weiß, dass alle Personen mit Hochdruck an ihren Aufgaben arbeiten und man weiß, dass wie bei allen Dingen Geld sorgsam eingesetzt wird. Mal sehen wann meine Unterlagen von der Kanzlei bearbeitet werden.

Es ist viel passiert und lange schrieb ich dir nicht. Wo soll man da anfangen? Am Anfang wäre meine Antwort, doch ich denke heute fange ich am Ende an. Dem Kampf mit stumpfen Waffen. Lady Helisande hat sich wohl bewusst einen Waffengang für den Schluss aufbewahrt. Weiß sie doch darum, dass ich vor allem die Einheiten im Kampf besonders mag. Sie weiß allerdings auch darum, dass ich Theater nicht mag. Eben jenes gab es, als eine Freiherrin in der Erdhöhle von einem leidlich maskierten Baron gefangen gehalten wurde und der tapfere Knappe zur Rettung ausrücken sollte. Es war amüsant und für die Damen wohl wenig erfüllend, das es keine romantische Rettung gab, sondern aus dem Drama eine Komödie wurde. Die Lady wollte ich eintauschen gegen die hohe Dame und horrende Summen wurden vom „bösen Baron“ gefordert. Entnervt entfernten sich die Damen, nach dem die Freiherrin eine Axt nach mir warf und der tapfere Knappe brach mit dem bösen Baron zu einem Bier auf. „Jetzt stecken wir im Schlamassel“ waren die Worte des Unholds und er behielt Recht. Natürlich musste ich mich entschuldigen, dass ich die romantischen Heldenfantasien der Damen durchkreuzt habe mit meinen Albernheiten, doch diese Worte bekamen am Eingang noch eine andere Bedeutung. Letharen und eine Dame in grün warteten an diesem Ort. Hier konnte ich wohl Boden wieder gut machen und der eigentliche Unhold wurde zur Maid die man rettet. Viele Worte und ein gut angesetzter Rückzug angesichts der Übermacht waren die Folge und alle kehrten unverletzt heim. Ich habe es am Anfang Sir Vaughain gesagt, als er mich fragte was einen Ritter ausmacht. Ein Bollwerk des Schutzes für das Reich und die Speerspitze noch dazu.
Er war sehr überrascht, hatte er doch mit Jungfernrettung und anderen Fantasien gerechnet. Ich war wohl schon damals zu nüchtern und zu alt für solche Dinge.

„In Lichtenthal schubst man die Prinzessin beiseite und heiratet den Drachen.“ Ein geflügeltes Wort, welches wohl die Leute hier beschreibt. Man findet den Spaß in allem, bis es ernst wird und man seine Pflicht erfüllt.

Was war davor fragst du?
Höfische Jagd und auch hier lief alles ruhig und informativ, bis sich ein Druide einmischte. Ich lernte ein Reh von einem Keiler an seinen Spuren zu unterscheiden, was von Vorteil ist, da ein Keiler einen Aufschlitzt und ein Reh einen nährt, wenn man es mit dem Pfeil getroffen hat. Jagd ist nicht mein Metier, habe ich doch unzählige Stunden darauf verwendet mit der schweren Rüstung und den Waffen zur Rande zu kommen, doch es ergänzt den Überlebensunterricht, da man mehr essen möchte als Wurzeln und Beeren, wenn man irgendwo strandet. Was ich jedoch nicht verstehe ist der Druide, dessen Name ich nicht kenne. Ein Vortrag über die Heiligkeit des Lebens, was wir ermordeten. Essen diese Menschen kein Fleisch und tragen kein Leder? Ich habe mich ja schon mit Bauern auseinander gesetzt die Ihre Pferde am liebsten gar nicht verkaufen und ihr Vieh am liebsten gar nicht schlachten würden, aber das war eine neue Ebene. So wie ich das erleben durfte bringt sich in der Natur ständig alles um und wir sind ein Teil der Natur. Also, kaum nutze ich ein Werkzeug, ist es Mord am Leben? Soll ich mit meinem Händen und Zähnen jagen, damit es natürlicher wird? Es stimmt wohl, du hast zwei Menschen und drei Meinungen, aber manchmal bi ich froh in der Stadt zu leben. Ich will nicht wissen was die Druiden mit den Bauern diskutieren müssen oder kommt daher die Einstellung manchen Bauers?

Fragen die jedoch nur kurz in meinem Kopf verweilen, weil es wichtigere gab. Heraldik. Wappenkunde oder Farbe und Wappen. Ein wahrlich hirnzermarterndes Unterfangen, welches die Zukunft wohl bestimmen soll. Man lernt wofür ein Baum, ein Löwe, ein Drache, ein Hahn und sogar ein Stein in jenen pompösen Schildbemalungen im Palast steht. Ich selbst trage schon mein zweites Wappen und das Nächste wird hoffentlich meines sein. Ein Turm auf diagonal gespaltenem Hintergrund. Oben Altgold für die Ritterschaft und unten meine Adelsfarbe. Hach, die Adelsfarbe. Eine geschundene Schneiderin und im Prozess fast eingeschlafene Lady hat es gebraucht bis der gute Knappe seinen Ton fand. Die Blicke der Freude über das Ende der Odyssee wurden nur von den Blicken des Grolls darüber das es die erste Vorgeschlagene Farbe wurde getrübt. Prüfe wer sich ewig bindet, ob er nicht etwas Besseres findet gilt wohl nur, wenn die Suche nach dem Besseren keine Nacht dauert. Ich bin mir immer noch nicht sicher, allerdings werde ich das nie sein. Es ist schwer einen passenden Ausdruck für einen Menschen in ein paar Symbole zu packen, doch am Ende scheint es gelungen.



Zwischen diesen Seiten liegt eine Zeichnung, welche, jedes Kindergartenkind in den Schatten stellend, das Wappen darstellt. Sehr grob allerdings ist die Linienführung, da der Knappe wohl bis auf Pfeile und Truppenbewegungen auf Karten die höhere Kunst des Zeichnens nicht sein Eigen nennt.


[img]http://imgur.com/nKQ2RL4.jpg[/img]


Dazwischen liegt wohl noch die glorreiche Erfüllung meiner Pflicht im Einsatz. Unsere Rekruten sind nun kampferprobt und mittlerweile befördert. Wir sind in die Burg Schattenwinkels eingedrungen und haben so die Frontlinie weiter nach hinten verlegt. Das gab den Zwergen mehr Raum zum Wirken und endete gerade mal einen Tag später in einer Schlacht, die zum Glück alle überlebt haben. Nicht unbedingt heil, aber am Leben. Ich weiß nicht was zwischen den Zwergen und dem Rat los ist, was man so auf den Straßen hört, aber zum Glück sind Politiker und Soldaten zwei unterschiedliche Sachen. Ohne die Zwerge, welche einen Ausfall in die Flanke des Feindes wagten wären wir nicht vollzählig zurückgekehrt. Doch diese Sache regeln andere. Meinen Dank gilt vor allem den Thyren, welche uns in und um der Burg zur Seite standen. Eine Infiltrationseinheit ist doch etwas schwach besetzt für das halten. So übernahmen sie Spähaufgaben und brachten uns sogar eine Gefangene. Ich fasse nicht was die da drüben für Soldaten haben. Ein kleines Mädchen, kaum aus dem Schoß der Mutter entkrabbelt steht da vor mir und schwingt die typischen Reden. „Ihr seid Mörder, ihr besetzt unser Heim, Alatar hier und Alatar dort.“ Ich frage mich bis heute, wieso jeder Feind in unseren Kerkern, oder besser im Kerker der Burg Schattenwinkel, zu seinem Glauben findet und denkt das Alatar überhaupt einen feuchten Furz darauf gibt ob ich existiere oder nicht. Sicherlich existiert er, doch vielleicht klopft es ja wirklich morgen, Alatar steht vor meiner Haustür und scheltet mich. Doch das war nicht die Krönung. Die Krönung war das dieses Mädchen, so ziemlich die schlechteste Soldatin war die ich jemals gesehen habe. Sie kennt kaum die Hierarchie ihrer eigenen Truppe und schafft kaum drei Liegestützen. Ich frage mich sowieso wieso man in Rahal Liegestützen als Strafe verwendet? Das ist Körperertüchtigung und gehört zum Soldaten dazu. Wieso sollte ich eine Strafe über etwas aussprechen, was der Soldat in seinem Dienst tut? Vielleicht werden die da drüben weich. Was diese „Soldatin“ nur noch mehr erklären würde. Wir haben sie rausgeworfen, weil nicht genug Nahrung da war die auch noch durchzufüttern. Die Thyren haben ganze Arbeit geleistet und bei Ankunft erstmal die Burgreserven versoffen und weggefressen. Ich esse viel und gerne und mich stellen manche Menschen in dieser Hinsicht in den Schatten, aber das war ein Anblick, da würge ich heute noch etwas. Wie zwei Meter große Raupen ohne Maß fielen sie über die Nahrung her. Selbst manche Stücke die ich persönlich schon von merkwürdiger Färbung empfand gingen über den Jordan des Thyrenmunds. Dennoch, ich bin sehr dankbar das sie da waren und um diesem Dank Ausdruck zu verleihen habe ich etwas getan was ich am Ende wieder bereute. Ich werde ihnen eine Diamantrüstung in Einzelteilen aus der Mine holen. Die Arbeit daran ist geschafft und ich verfluchte mich mehrfach dafür, weil es neben Dienst und dem bisschen Privatleben eine harte Arbeit ist, doch das gute Gefühl jemanden zu helfen setzt ein. Lindert den Muskelkater und reinigt die von Staub bedeckte Haut. Es ist gut ein Buddelschwert zu sein.
Mal abgesehen das die Konstante sich über den „Dreck“ beklagte, welchen ich in ihr perfektes Heim brachte war es eine Zeit der Reinigung und der Läuterung. Ähnlich wie das Kloster.

Das Kloster, was soll ich sagen, es war eine Erfahrung. Eine Erfahrung sondergleichen und so sehr ich mich sträubte mit den Geweihten meine Zeit zu verbringen und die Geweihten auch mäßig begeistert schienen den Sturkopf und Störenfried in ihr Heim zu lassen, so sehr heilte es auch. Diese Begegnung mit Temora, welche andere wohl frohlocken ließen, riss tiefe Wunden in mich. Man weiß das die Götter real sind, doch das sie in deinem Kopf sind, ist eine andere Sache. Mein Leben verlief nicht gerade und an manchen Stellen, vor allem mit den Frauen, nicht immer tugendhaft. Das Wissen das diese Dinge direkt wahrgenommen werden und eine Göttin das sieht. Erschreckend.
Doch gerade jene von der ich es am wenigsten erwartete nahm sich meiner an und führte mich den Praktiken des Glaubens näher. Jene kratzbürstige, nervende und mich an Dingen messende Dame nahm mich bei der Hand und erklärte mir Dinge über Seelen, Gebete und Glaubensgemeinschaft, die durch den Panzer der Gleichgültigkeit und den Schutz der Vernunft drangen. Sie ist immer noch nervig, jene Diakonin, doch sie ist eine Frau für die ich in die Schlacht ziehen würde. Schon allein, weil sie sonst ihren matronalen Blick aufsetzt, der selbst die Lady in den Schatten stellt. Ich bete nun öfters. Danke der Herrin für die Dinge die andere im Reich als gegeben annehmen, doch kenne ich auch die Dinge die Soldaten und Ritter dafür auf sich nehmen, damit sie als gegeben angenommen werden können. Ich hoffe auch, dass die Seelen unser jüngst verschiedenen Personen zu ihr fanden. Dies beherrscht ebenso meine Gebete, wie der Schutz des Reiches und der Schutz meiner Konstanten. Wüsste ich doch nicht, was ich ohne sie machen würde. Was ich nur immer noch nicht verstehe ist das sie den Baum über sich selbst stellt. Ich muss es auch nicht verstehen um ihren Wunsch gerecht zu werden, den Baum über Ihr Leben zu stellen, doch würde unsere kleine Insel im Nirgendwo, einen herben Verlust erleiden, wenn ich sie opfere um den Baum zu retten. Es war aufwühlend, hart und reich an Arbeit. Diese zwei Wochen werde ich auf jeden Fall meinem Knappen, wenn ich einen bekommen sollte, angedeihen lassen. Doch ich denke mein Knappe wird weniger Probleme mit der Göttin haben und auch mit dem Kloster.
Ich kann mich eigentlich nicht genug dafür entschuldigen, was ich den Geweihten zum Teil antat. Machte ich sie doch dafür verantwortlich, dass sie nicht alle Antworten sofort parat hatten und auch für meine Furcht und mein Unverständnis dieser Begegnung, von der sie nicht einmal etwas wissen.

Am Ende wächst man im Laufe seines Lebens und das ist mit Schmerzen verbunden. Wachstumsschmerz ist wohl nicht nur den heranwachsenden vorbehalten, auch wenn es ein anderer Schmerz ist, der vollständig verheilt.

Oh, da ich schon von kleinen Mädchen schrieb, welche sich zu große Schuhe anziehen möchten. Ich habe eine kleine Verehrerin. Ein dürres Mädchen, welches in unserem Kerker erstmal aufgepäppelt wurde, wie mir scheint. Kein thyrischer Appetit, aber nah dran. Egal wo sie mich sieht, sie steht an meiner Seite und versucht mich zu berühren. Natürlich sieht sie mich zumeist in Uniform und ist ein Störenfried sonders gleichen. Diese Frau hat eine Klappe die an mich selbst erinnert und an jene Damen, welche aus dem Reich Alatars zu uns kommen. Mal sehen wie lange sie durchhalten möchte, doch hoffe ich, dass sie hier glücklich wird und ihren Vater ein paar graue Haare weniger auf den Kopf zaubert, wenn sie erwachsen ist.

Ebenso hoffe ich, dass meine Konstante das nicht sieht, sonst kann ich mir wieder etwas anhören. „Natürlich bist du auch Schuld, du musst ja nicht immer so gut aussehen in deiner Uniform und dieser stoische Blick mit dem ausgeprägten Kinn lässt auch mich schwächer in den Knien werden.“
Als ob ich etwas für mein Gesicht und die Uniform könnte. Frauen… manchmal frage ich mich ob sie Fluch oder Segen sind, doch ohne sie wäre die Welt nicht komplett.

Ich weiß nicht wann ich das nächste Mal schreiben kann, es steht noch viel an und der Winter ist noch nicht herein gebrochen. Wir sind zwar fertig mit den Vorbereitungen, aber ist man selbst fertig, hilft man anderen. Von daher behalte meine Geheimnisse und warte einfach hier.


Heinrik
Zuletzt geändert von Heinrik von Alsted am Sonntag 18. Dezember 2016, 13:00, insgesamt 1-mal geändert.
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