Es war Abends, Eylif hatte gerade die Felder noch bestellt und er.. ja.. er konnte endlich wieder nach seinen Kaltblütern sehen. Diese mit denen er mehr Zeit verbrachte, als mit den Thyren. Die ihm mehr zuhörten und mehr gaben, ihn mehr verstanden.
Der Schwester einen Kuss auf die Wange gebend ging er dann durch den Stall, kurz den Blick über die Kühe, Schafe und Schweine schweifen lassend, und dann weiter in Richtung des Bergpasses. Jede Stufe erklomm er wie immer mit Vorfreude die prächtigen Tiere zu sehen und Schritt für Schritt wuchs die Anspannung. Immer mehr machten sich die Gedanken breit.
Ist es schon da? Geht es ihm gut? Ist es überhaupt ein er?
Am Kamm des Passes hörte er dann plötzlich ein Wiehern. Doch nicht irgendeines und nicht so, wie er es erwarten würde. Es war markerschütternd und instinktiv riss er die Augen auf. Kurz den Blick in die Ferne auf die Koppel gerichtet erblickte er Tiunda wie sich bäumte und dann sogleich wieder den massigen Kopf nach vorn krümmte. Einmal kurz die Luft einziehend rannte er die Stufen hinab. Immer wieder zwei oder drei Stufen mit einem Schritt nehmend hastete er hinab. In einer Biegung fast das Gleichgewicht verlierend und über die Brüstung stürzend hielt er sich noch am Geländer fest, zog sich herum und hastete weiter hinab. Endlich unten angekommen war keine Zeit das Törchen zu öffnen und so machte der breitschultrige Hühne doch einen gar elegant anmutenden Satz darüber hinweg um dann - der Landung weniger elegant - sich über eine Grasnarbe stolpernd im Gras abzurollen. Kurz aufgerappelt blickte er zu der Stute hinüber. Ein Hinterbein des Fohlens hingen bereits heraus und so ging er, nun nicht mehr rennend, doch aber recht zügig zu der Stute hin. Er legte ihr die Hand auf den Rücken und plötzlich riss diese den Kopf zu ihm herum. Und auch wenn das Bäumen langsam abebbte konnte man den Schmerz in den Augen des Kaltbluts sehen.
Ruhig Tiunda.. Mey werd dey helfen..
Seine tiefe, kehlige Stimme erklang ruhig und monoton. Als er dann wieder um die Stute herum ging, dabei die Hand über den Rücken und die muskulöse und klar definierte Kruppe des Tieres streichen lassend.
Nur ein Bein..? schoss es ihm dann durch den Kopf.
Er entsinnte sich zurück in seine Kindheit. Es mag nur ein Bruchteil eines Wimpernschlages gedauert haben, doch dann war alles wieder da. Damals auf Graenneyja als zusammen mit seinem Vater Hakón einer Stute beim Fohlen half. Es hatte sich das Hinterbein verklemmt und da gab es nur eines was er tun konnte. Das Fohlen musste wieder etwas hinein - wenn auch nur ein klein wenig, um die Spannung vom Hinterbein zu nehmen und dann hinaus gezogen werden könnte, ehe der Rest des Fohlens nachkommen kann. Und das ganze entgegen der Wehen. Er stellte sich nun also hinter die Stute, die linke Hand seitlich auf die Bauchdecke der Stute wartete er ab, bis sich die Spannung einen Moment gelöst hatte, drückte dann mit ganzer Kraft das Fohlen gegen die Stute, um dann sogleich mit seiner Rechten in der Stute zu verschwinden und den kleine Huf des Fohlens zu suchen. Diesen dann mit festem Griff umschlungen winkelte er ihn leicht nach hinten ab und zog ihn samt Bein heraus, als dann wie in einem Schwung auch das Fohlen durch seine Arme gleitend hinterher kam. Er blickte sorgend auf das Fohlen hinab doch dieses blieb regungslos liegen.
NEEEEY! entfuhr es ihm dann so lautstark, dass die anderen Stuten aufschreckten und davon sprangen.
Schnell drückte er sich auf und hastete zu Heulager auf der Koppel. Riss einiges an Heu heraus und eilte dann wieder zum Fohlen zurück. Er strich dem jungen Tier mit dem Heubüschel über den Kopf und begann die schleimig verklebten Haare trocken zu reiben, als das Fohlen dann durch plötzlich den Kopf hob und sich aufrappelte.
Freudentränen schossen ihm in die Augen und er blickte das Tier nur fassungslos an. Diese Augen, die Form der Rückenlinie und das ganze Erscheinungsbild. Er schnipste den Gedanken weg und rappelte sich auf. Das Büschel Heu weiter in den Hände haltend begann er dann dem Tier sogleich das Fell abzureiben und es zu trocknen.
Tiunda kam inzwischen dazu. Sie sah erschöpft aus - sehr sogar. Aber es ging ihr gut. Er strich ihr liebevoll über den Hals und wendete sich dann wieder dem Fohlen zu, um dann weiter das Fell abzureiben. Immer weiter kam die getrocknete Fellfarbe zum vorschein und sein erster, beinahe schon lächerlicher Gedanke, bewahrheitete sich immer mehr. Sollte die Zucht ihm tatsächlich ein reinrassigen Ulfor beschert haben?
Er ging um das Fohlen herum, den kleinen Kopf mit seinen kräftigen Händen säumend, kniete er sich ins Gras und lehnte seine Stirn an die des Fohlens. Er schloss einen Moment die Augen und begann leise, kaum lauter als das rascheln der Blätter im Wind vor sich hin zu murmeln.
Mey danke euch.. Geyster der Kaltblüter, dass ihr diesem kleynen Wesen den Weg bereytet habt..
Mey danke Euch, dass ihr es in meyne sorgsamen Hände übergeben habt und dass ihr mey vertraut dieses Geschenk von diesem unschätzbaren Wert aufziehen zu dürfen..
Mit dem heutigen Tag steigt für mey die Last der Verantwortung auf meynen Schultern, die mey mit Stolz erfüllt.. Mey Dank Euch von Herzen und mey werde diese Aufgabe meystern..
Für Mey, Eylif, meyn Dah und meyne Ma und alle Ahnen des Blutes des Thrail..
[img]http://fs5.directupload.net/images/161213/lyllf3jj.png[/img]
Der Stille unter den Lauten..
-
Gast
Der Stille unter den Lauten..
Zuletzt geändert von Gast am Dienstag 13. Dezember 2016, 23:06, insgesamt 1-mal geändert.