Mit einer Träne im Auge betrachtete sie die letzten vergilbten Seiten aus ihrem alten Tagebuch. Viele Erinnerungen waren auf ihnen niedergeschrieben. Vor allem die letzten Seiten füllten Gedanken an eine bestimmte Person. Arlon.
Nachdem er sich den Strapazen unterzogen hatte anerkannt zu werden im Reich Alatars für sie, war er verschwunden. Von einem auf den anderen Tag. Melinda hatte gelitten, hatte geweint, hatte gewütet, doch alles brachte ihn nicht mehr zurück und sie versank tief in ein Loch aus Melancholie. Sie gab alles auf und kehrte ihrem Leben in Düstersee, im alatarischen Reich, den Rücken zu. Sie verließ ihre liebgewonnenen Freunde und ihren Hof und kehrte an den Ort ihrer Geburt zurück. Für mehrere Jahre.
Irgendwann überkam sie Sehnsucht, sie erinnerte sich an ihre alten Freunde und dachte wehmütig an gemeinsam verbrachte Stunden zurück. In ihrer alten Heimat war sie einsam und hatte sich nie wirklich wieder eingefunden in das triste Leben auf dem elterlichen Bauernhof. Die Arbeit machte ihr keinen Spaß mehr und erinnerte sie auch immer an die schmerzliche Zeit in Düstersee. In ihr staute sich mehr und mehr Frust an, den sie in ihrer normalen Arbeit nicht loswerden konnte. Sie wusste nicht, wie sie all dies regulieren sollte ohne dabei jemanden verbal oder physisch zu verletzen.
Zu dieser Zeit begab es sich, dass der Winter einbrach über dem Land und es immer wieder am Holz mangelte, da ihre Eltern schon alt waren und es nicht mehr schafften alles zu bewirtschaften, wie es sein müsste. Also nahm sie die Axt zur Hand und ging in den Wald. Der erste Schlag in den Stamm eines Baumes vibrierte in ihrem Körper, ging ihr durch Mark und Bein und sie atmete tief durch. Der nächste Schlag. Der übernächste. Immer und immer wieder hackte sie auf den Stamm ein bis dieser schließlich nachgab und fiel. Mit kräftigen Schlägen zerteilte sie den Stamm im Laufe des Tages. Sie war langsam, aber konnte immerhin dafür sorgen, dass sie für einige Tage heizen konnten.
Als sie abends im Bett lag, erschöpft und mit schmerzenden Muskeln, spürte sie den Frust nicht mehr, der sich tage-, wochenlang angestaut hatte. Er war verschwunden. Eine Denkfalte bildete sich auf ihrer Stirn. Doch erschöpft wie sie war, schlief sie ein.
Der nächste Morgen begegnete ihr mit Muskelkater und einem befriedigenden Gefühl von Leichtigkeit. Trotz der Schmerzen sprang sie aus dem Bett und mit einem Lächeln ging sie wieder in den Wald um für weiteren Vorrat zu sorgen. Dieser Arbeit ging sie einige Tage und Wochen nach. Doch dann überkam sie Fernweh. Sie wollte wieder hinaus in die Welt, zurück zu den Freunden, die sie wohl für tot hielten.
Mit Hilfe des Holzes hatte sie ihren Eltern auch etwas Geld verschafft, mit denen sie sich einen Knecht leisten konnten. Also begab sie sich wieder auf den Weg zum Hafen und bestieg das nächste Schiff Richtung Alatarisches Reich.
Als sie ankam war sie verwirrt. Überall in Rahal und Düstersee waren die Tore verschlossen. Was war passiert? Sie traf hilfreiche Menschen, die ihr erklärten, dass es wohl eine große Schlacht gab und nun nur noch die Bürger selbst Zutritt in die heilige Stadt hatten. Nungut, dann würde sie wohl wieder nach Düstersee zurück kehren. Auch dort stand sie erst vor verschlossenen Toren, ehe man ihr einen anderen Weg in den Ort wies. Nachdenklich schritt sie durch den Ort, der sich stark verändert hatte. Alles war anders, als in ihrer Erinnerung. In fast jedem Haus brannte Licht. Schlussendlich fand sie ein kleines, nettes Häuschen, bezahlbar und gut gelegen im Ortskern und mietete es an. Doch ohne Bett und Tisch ließ es sich nicht gut leben und sie begab sich nach Bajard. Dort stattete sie sich erstmal mit dem Nötigsten aus und richtete sich spartanisch ein. Abends, als die Sonne schon lange untergegangen war, saß sie vor Bajard an einem kleinen Feuer und ließ die Geschehnisse Revue passieren. Sie konnte und wollte nicht mehr in ihrem alten Beruf arbeiten. Es hatte ihr nichts mehr gegeben und sie konnte ihre Energie dort nicht mehr verwenden. Einzig das Holzschlagen hatte dafür gesorgt, dass sie sämtlichen Ärger, sämtliche Wut und Frust loswerden konnte und die abendlichen Schnitzereien hatten sie entspannt und für ihr altes Naturell heilsam gewirkt.
Durch Hufklappern wurde sie aus ihren Gedanken gerissen. Eine junge Frau auf einem Pferd sprach sie an und irgendwie kam sie ihr seltsam vertraut vor. Vieles aus ihrer Vergangenheit lag im Schatten, vielleicht auch, weil sie es vergessen wollte. Doch wie sie da saß und sich dann neben ihr platzierte, diese Selbstverständlichkeit.... irgendwas rief das wach in ihr. Als sie dann noch den Namen hörte, kehrte schlagartig sämtliche Erinnerung zurück. Laina. Laina Celeste. So viele Stunden, so viele gute Erinnerungen. So viel Liebe für diese Person, die ihr so nahegestanden hatte. Ihr Herz hüpfte vor Freude und sie stellten fest, dass ihre Leben teilweise die selben Wege genommen hatten. Auch sie schien nun einem anderen Beruf nachzugehen. Das schloss Melinda aufgrund ihrer äußerlichen Veränderung und dem Musikinstrument, was sie bei sich trug.
Leider war das Wiedersehen nur von kurzer Dauer, doch sie wollten in Kontakt bleiben.
All dies füllte nun neue weiße Seiten ihres Tagesbuchs. Lächelnd klappte sie es zu, nahm ihre Axt und ging in den Wald.
Neubeginn
-
Gast
Die Tage verbrachte sie mit der Einrichtung ihres Hauses, beziehungsweise zukünftigen Ladens, sobald die Arbeitserlaubnis da war.
Bis zum jetzigen Zeitpunkt hatte sie schon mehrere Menschen kennen gelernt. Allen voran ihre Nachbarin Enomis Crain. Sie war so freundlich und hatte sie versorgt mit etwas Essen am ersten Tag. Bei dem Namen Crain hatte etwas in ihrem Gedächtnis geklingelt. Tugor Crain. Er war wohl, wie Arlon auch, verschollen. Lange Zeit schon.
Abends besuchte Enomis sie nochmals, diesmal in Begleitung. Einer angenehm bekannten Begleitung. Fast hätte Melinda die kleine Yasccara nicht wiedererkannt. Aber diese Augen und das Gesicht...wie könnte sie nur das kleine freche Mädchen vergessen, dem sie im Kindesalter den Dreck von der Haut geschrubbt hatte. Ebenso hatte sie ihre Vorliebe nicht vergessen: Erdbeeren. Immer wieder Erdbeeren. In jeglicher Form der Zubereitung. Als Saft, als Quark, pur usw. usw.
Beide luden sie ein zum Abendessen und sie nahm dankend an. Man fragt sie, was sie tun würde und sie erzählte, was ihr Plan war. Anscheinend waren Schreiner und Handwerker im Allgemeinen Mangelware und umso erfreuter zeigte sich Enomis über ihre Zukunftspläne. Nach und nach kamen immer mehr Personen hinzu, ein junger Mann dessen Name Melinda entfallen war. Sie würde ihm wohl noch etwas schicken, er zeigte sich interessiert an den Rumresten aus ihrer Vergangenheit. Noch zwei Personen, doch ihr Gedächtnis ließ sie derzeit oft im Stich. Sie würde sich wieder erinnern, wenn sie die Personen wiedersah.
Es war ein interessanter und amüsanter Abend, wenn auch ab und an einige ernste Themen besprochen wurden. Doch alles in allem fühlte sie sich wohl. Sehr wohl. Endlich wieder.
Bis zum jetzigen Zeitpunkt hatte sie schon mehrere Menschen kennen gelernt. Allen voran ihre Nachbarin Enomis Crain. Sie war so freundlich und hatte sie versorgt mit etwas Essen am ersten Tag. Bei dem Namen Crain hatte etwas in ihrem Gedächtnis geklingelt. Tugor Crain. Er war wohl, wie Arlon auch, verschollen. Lange Zeit schon.
Abends besuchte Enomis sie nochmals, diesmal in Begleitung. Einer angenehm bekannten Begleitung. Fast hätte Melinda die kleine Yasccara nicht wiedererkannt. Aber diese Augen und das Gesicht...wie könnte sie nur das kleine freche Mädchen vergessen, dem sie im Kindesalter den Dreck von der Haut geschrubbt hatte. Ebenso hatte sie ihre Vorliebe nicht vergessen: Erdbeeren. Immer wieder Erdbeeren. In jeglicher Form der Zubereitung. Als Saft, als Quark, pur usw. usw.
Beide luden sie ein zum Abendessen und sie nahm dankend an. Man fragt sie, was sie tun würde und sie erzählte, was ihr Plan war. Anscheinend waren Schreiner und Handwerker im Allgemeinen Mangelware und umso erfreuter zeigte sich Enomis über ihre Zukunftspläne. Nach und nach kamen immer mehr Personen hinzu, ein junger Mann dessen Name Melinda entfallen war. Sie würde ihm wohl noch etwas schicken, er zeigte sich interessiert an den Rumresten aus ihrer Vergangenheit. Noch zwei Personen, doch ihr Gedächtnis ließ sie derzeit oft im Stich. Sie würde sich wieder erinnern, wenn sie die Personen wiedersah.
Es war ein interessanter und amüsanter Abend, wenn auch ab und an einige ernste Themen besprochen wurden. Doch alles in allem fühlte sie sich wohl. Sehr wohl. Endlich wieder.
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Gast
Als sie an diesem Morgen ihren Briefkasten kontrollierte, enteckte sie einen kleinen Brief. Als sie das Siegel bracht, hielt sie endlich ihre Arbeitserlaubnis in den Händen. Ein Freudenschrei entrang sich ihrer Kehle und sie stiefelte zurück ins Haus. Jetzt konnte sie aus dem Raum endlich einen Laden machen.
Sie begann zu räumen, schob wieder Kisten hin und her und überlegte noch, wie sie alles am Besten platzieren sollte, als auf einmal etwas gegen ihre Tür rumpelte. Fast hatte sie Angst, dass es die Tür aus den Angeln reißen würde. Irritiert stürzte sie zur Tür, riss diese auf und fiel fast über einen Schubkarren voller Steine. Verwirrt sah sie sich um, als auch schon Verol um die Ecke bog mit dem nächsten Schubkarren Steine.
Blitzartig fiel ihr ein, dass sie ja angefragt hatte und er sich daraufhin meldete. Das Geschäft war schnell abgeschlossen und sowohl Geld, als auch Alkohol wechselten den Besitzer.
Freudestrahlend saß Melinda auf einem Haufen Steine und schickte direkt eine Nachricht an den nächsten Baumeister. Hoffentlich würde weiterhin alles so leicht von der Hand gehen, wie bisher.
Sie begann zu räumen, schob wieder Kisten hin und her und überlegte noch, wie sie alles am Besten platzieren sollte, als auf einmal etwas gegen ihre Tür rumpelte. Fast hatte sie Angst, dass es die Tür aus den Angeln reißen würde. Irritiert stürzte sie zur Tür, riss diese auf und fiel fast über einen Schubkarren voller Steine. Verwirrt sah sie sich um, als auch schon Verol um die Ecke bog mit dem nächsten Schubkarren Steine.
Blitzartig fiel ihr ein, dass sie ja angefragt hatte und er sich daraufhin meldete. Das Geschäft war schnell abgeschlossen und sowohl Geld, als auch Alkohol wechselten den Besitzer.
Freudestrahlend saß Melinda auf einem Haufen Steine und schickte direkt eine Nachricht an den nächsten Baumeister. Hoffentlich würde weiterhin alles so leicht von der Hand gehen, wie bisher.